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Neue Prüderie in Deutschland? Eltern setzen Schulen wegen Sexualerziehung zunehmend unter Druck

DÜSSELDORF. Kinder und Jugendliche werden durch das Internet immer früher mit sexuellen Themen konfrontiert. „Darum ist Sexualkunde in der Schule wichtiger denn je, und zwar auf Grundlage unseres tradierten christlichen Menschenbildes“, sagt Brigitte Balbach, Vorsitzende des Verbands „lehrer nrw“, gegenüber der „Rheinischen Post“. Dabei gehe es nicht nur um „technische“ Aspekte, sondern auch um Themen wie Liebe, Treue und Toleranz. Eine Selbstverständlichkeit? Offenbar zunehmend weniger: Die „Rheinische Post“ berichtet davon, dass in ihrem Verbreitungsgebiet – dem Niederrhein – immer mehr Schulen die Sexualerziehung schleifen lassen. Tatsache ist: Der Widerstand aus der Elternschaft gegen eine frühzeitige und umfassende Aufklärung wächst bundesweit.

Streitthema Aufklärung: Sollen Eltern "Nein" sagen dürfen? Foto: Leo Hidalgo / flickr (CC BY 2.0)

Streitthema Aufklärung: Sollen Eltern „Nein“ sagen dürfen? Foto: Leo Hidalgo / flickr (CC BY 2.0)

„Besorgte Eltern“ – so nennt sich ein Bündnis, das seit zwei Jahren bundesweit gegen den Sexualkundeunterricht mobil macht. Zu früh, zu ausdrücklich würden Kinder heute mit dem Thema Sex in der Schule konfrontiert, meinen die Initiatoren. „Besorgte Eltern ist gegen jede Form der Frühsexualisierung ihrer Kinder in Kitas, Kindergärten und Schulen“, so heißt es auf der Homepage der Gruppe. Und: „Neue Methoden des Sexualkundeunterrichts verletzen die Schamgrenzen von Schülern. Sie setzen eine gefestigte Identität voraus, die nicht vorhanden ist, und geht an den Bedürfnissen der Schüler vorbei.“

Eine Sorge, die Regine Schwarzhoff, Vorsitzende des Elternvereins Nordrhein-Westfalen, teilt. Der Unterricht verletzte teils die Scham der Kinder, sagt sie gegenüber der „Rheinischen Post“. „Teilweise sind die Kinder total verstört.“ Denn oftmals werde zu explizit über Geschlechtsverkehr oder Abtreibung gesprochen. Das führe dazu, dass Eltern ihre Kinder aus dem Unterricht nähmen. „Diese Fälle landen zunehmend vor Gericht“, sagt Schwarzhoff und verweist auf den Fall eines Krefelder Vaters, der sich verantworten muss, weil er nicht wollte, dass sein Kind auf diese Weise unterrichtet wird. Dafür sei er mit einem Bußgeld bestraft worden.

„Man muss Eltern eine Ausweichmöglichkeit bieten“, fordert Schwarzhoff gegenüber dem Blatt, „nicht jeder möchte, dass sein Kind in einem Alter mit Dingen konfrontiert wird, die es noch nicht verarbeiten kann“. Sexualerziehung sei eingeführt worden, um ansteckende Krankheiten und Frühschwangerschaften zu verhindern und sexuellem Missbrauch vorzubeugen, doch in ihren Augen sei das Gegenteil der Fall, so Schwarzhoff.

Fördert also die Sexualerziehung einen ungehemmten Umgang junger Menschen mit Sex? Dafür gibt es wenig Anhaltspunkte: Jugendliche in Deutschland gehen weit überwiegend verantwortungsvoll mit ihrer Sexualität um, wie die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung in ihrer jüngste Studie «Jugendsexualität 2015» feststellte. Der Untersuchung zufolge sind die Trends der vergangenen Jahre stabil: Jugendliche sind heutzutage nicht früher sexuell aktiv als vor zehn Jahren. Sie kümmern sich immer besser um die Verhütung. Positiv sei auch zu sehen, dass eine feste Partnerschaft den jungen Menschen beim „ersten Mal“ zunehmend wichtiger werde, hieß es.

Andererseits ist tatsächlich ein Zuwachs bei den Schwangerschaften minderjähriger Frauen in Deutschland zu beobachten: 2014 gab es nach Angaben des Statistischen Bundesamts knapp 8.000 Schwangerschaftsabbrüche bei Frauen unter 18 Jahren, 1996 waren es noch rund 4700. Dass dies womöglich eher mit immer noch zu wenig Aufklärung als mit zu viel zu tun hat, legt ein internationaler Vergleich nahe: Die vergleichsweise prüden USA liegen bei Teenager-Schwangerschaften weit vor Staaten wie Schweden und den Niederlanden, wo recht früh und umfassend aufgeklärt wird.

So oder so: Der Druck auf die Schulen wächst, das Thema Sexualerziehung möglichst klein zu halten – und sie reagieren offenbar. Die Aids-Hilfe oder pro familia beobachten bereits, dass Sexualerziehung im Unterricht seltener stattfinde, so berichtet die „Rheinische Post. Und die GEW sieht gar, dass Sexualerziehung immer öfter „totgeschwiegen“ werde. Ist das die neue Prüderie in Deutschland?

Das Thema hat auch schon den Wahlkampf in Baden-Württemberg erreicht, wo seit gut zwei Jahren heftig über die Verankerung des Themas „Sexuelle Vielfalt“ in den Bildungsplänen gestritten wird. In den Schulen, so meldete sich unlängst CDU-Spitzenkandidat Guido Wolf zu Wort, werde zu viel über Sex gelehrt. „Sex muss nicht bei jeder Gelegenheit öffentlich diskutiert werden. Es ist eine Frage des Respekts voreinander, höchstpersönliche Dinge wie Sexualität wieder mehr ins Private zu verlagern“, meinte der Herausforderer von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Wolf kritisierte, dass Sex bereits im Grundschulunterricht immer öfter Thema sei. Wichtig sei, Eltern stärker über den Lehrplan mitentscheiden zu lassen, um solche Entwicklungen zu verhindern. „Natürlich müssen Schulen aufklären, und das klappt meistens auch ganz gut. Aber die Eltern müssen mitentscheiden können, wann und wie mit ihrem Kind über dieses Thema geredet wird“, sagte Wolf.

Was das allerdings in der Praxis bedeuten würde – ob beispielsweise religiös-fundamentalistische Eltern dann künftig ihre Kinder vom Unterricht fernhalten dürfen –, ließ der Christdemokrat offen. News4teachers

141 Kommentare

  1. „Prüderie“ ist ein absurdes Wort für die verständliche Notwehr vieler Eltern gegen die Veränderungen im Sexualundeunterricht, die den Schulen aufgedrückt werden.

  2. Veränderungen? Was hat sich denn in NRW in Sachen Sexualerziehung verändert? Dass diese altersgemäß in Grundschulen stattfindet, war bislang Konsens – und findet sich ja auch in allen Lehrplänen bundesweit. Jetzt heißt es plötzlich: Rückverlagerung ins Private. Zurück also in den prüden Muff der 50er und 60er Jahre? Na, das wird den Islamisten und christlichen Fanatikern ja gefallen. Was kommt als nächstes dran? Wie wär’s mit der Evolution – gefällt religiösen Fundamentalisten ja auch nicht. Also ab damit ins Private?

    Erziehung ist keine Privatsache, es gibt keinen Anspruch von Eltern, ihren Kindern Bildung vorzuenthalten.

    • Unterricht in sexueller Vielfalt ist durchaus eine radikale Veränderung im Vergleich zu früher. Sie stellen die Dinge mal wieder völlig falsch und in gewohnt polemischer Weise dar. Von einem Zurück „in den prüden Muff der 50er und 60er Jahre“ kann gar keine Rede sein.
      Natürlich muss den „Eltern eine Ausweichmöglichkeit“ gegeben werden, wenn sie Bedenken haben gegen diesen von der Genderideologie gespeisten Unterricht, den sie als gefährlich für ihre Kinder ansehen.
      Es gibt keine neue Prüderie in Deutschland, wie die Artikelüberschrift suggeriert, wenn auch in Frageform. Es gibt aber bei vielen Eltern das Gefühl und die Überlegung, dass dieser Unterricht zu weit geht und dass sie ihre Kinder davor schützen müssen.

      • @Warner

        Was meinen Sie denn mit … …
        „diesen von der Genderideologie gespeisten Unterricht“

        und „dass dieser Unterricht zu weit geht“?

        Werden Sie doch konkret! Was stört Sie denn momentan inhaltlich an der Sexualerziehung Ihrer(!?) Kinder?

  3. In NRW gibt es keine neuen Lehrpläne, keine neuen Richtlinien zur Sexualerziehung – wohl aber eine Initiative „Stoppt Sexualkunde-Zwang für Grundschüler in NRW“. Die Veränderung heißt: Ideologen machen Ärger wegen etwas, was sich seit Jahrzehnten bewährt hat. Und das soll keine rückwärtsgewandte Initiative sein?

  4. Und an vorderster Front findet sich mal wieder diese, äh, unkonventionelle AfD-Europaabgeordnete von Storch, die so gerne Flüchtlingskinder erschießen lassen würde – ach ‚tschuldigung, sie hat sich ja versprochen, nur deren Mütter.

    Frau von Storch ist auch gegen Analsex unter Grundschülern, das hat sie gegenüber der „Zeit“ kundgetan.

    http://www.zeit.de/2015/10/geschlechtergleichstellung-afd-gender-politik

    • Zu dem Kommentar kann ich nur noch sagen: Widerlich!

    • Der Kommentar triffts auf den Punkt.

      Um Kinder macht sich die Storch nun wirklich keine Sorgen, das Ding ist wirklich durch.

    • Diese Wertehaltung (Prüderie ist ja wirklich ein Unwort) und der Instinkt von Eltern ihre Kinder zu beschützen ist nicht neu. Der Gesellschaftsentwurf und die sexuelle Agenda hinter dem Erziehungsplan ist neu.
      – Wenn sich der Staat herausnimmt die Verantwortung von Eltern zu übernehmen wird er scheitern.

      @Bernd
      Sexualerziehung und Familienwerte auf der einen Zuwanderung/Flüchtlinge auf der anderen sind zwei Themen die ein kritischer Geist zu trennen versteht (auch wenn es punktuell personelle Überschneidungen gibt). Logik 101: Wenn alle Häflinge Wasser trinken, heißt das nicht, dass es ein Verbrechen ist Wasser zu trinken.
      Diese Leier wird schön langsam öde.

  5. Mich nervt es so ziemlich, dass heutzutage überall von Sex die Rede ist. Ich finde es einfach zu viel ! In jedem Film, in jeder Zeitung, in jeder Werbung … (ich übertreibe natürlich). Das ist auch kein unbefangener Umgang damit, das ist vor allem eine Instrumentalisierung. Das ständige Nachdenken über Sex führt dann auch zu einem ständigen Nachdenken über Sex.

    Ich traue mir nicht zu einzuschätzen, ab wann Kinder Sexualkunde brauchen. Aber so lange ihnen das Thema überall im Alltag begegnet, kann auch die Schule sie nicht davor „bewahren“. Meiner Meinung nach reicht es aber ab Klasse 5 (nach der Grundschule) und dann vor allem in dem Sinne, wie ein Kind entsteht und sich entwickelt bzw. möglichst noch nicht „entsteht“.

    • Stimmt, auf jedem Frage bogen wird man nach „Sex“ gefragt. Ich habe mich inzwischen aufklären lassen, dieser Anglizismus soll aber allenfalls „Geschlecht“ bedeuten.

      Was die Häufigkeit angeht, sind vermutlich viele überfordert. Früher gab es nur Mann und Frau …

      Und jetzt kommen noch die ganzen Homo- und Transsexuellen dazu. Mehr als zwei ist schon verdammt viel.

      Wenn wir von den Grundbedürfnissen von Menschen reden, dann wird viel mehr für Kleidung, Nahrung und behausung geworben als für Sexualität. Kann es sein, dass manch einer eine verzerrte Wahrnehmung hat?

      • Wenn wir mehr Zeit mit Atmen als mit Bücherlesen verbringen, folgt daraus nicht, dass Bildung unwichtig wäre.

      • @ dickebank,

        nun, der eine nimmt verzerrt wahr, der andere sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht oder hat Scheuklappen vor den Augen. Wie man’s nimmt, es gibt immer einen passenden Spruch dazu.

        Sie hätten vielleicht gerne noch mehr Nackedeis 🙂 in den Gazetten oder Sexpraktiken in den Filmen (kann man ja vielleicht was draus lernen), andere meinen, dass es dabei oft nicht mehr um unbefangene Darstellungen der Realität geht, sondern lediglich um Vermarktung, Sensationslust, Quote. Und dass gerade darunter Unbefangenheit, Natürlichkeit leiden (werden).

        Nein, die Zeiten, als man nicht darüber sprach, wünsche ich mir auch nicht zurück, aber man muss ja nicht gleich von einem Extrem ins andere fallen.

  6. @ Bernd und Georg, Sie ENTSTELLEN mal wieder kräftig und diskreditieren sich dadurch selbst als glaubwürdige Diskussionspartner. In dem Zeit-Artikel liest man: „Ein deutscher Lehrplan sehe sogar vor, Grundschüler vor der Klasse Analsex nachstellen zu lassen, sagt von Storch.“

    Sollte das stimmen, fände ich ich es auch absurd – und das noch milde ausgedrückt. Sollte sie sich das ausgedacht haben, fände ich es infam und kann mir nicht vorstellen, wie man so dreist lügen kann!

    Um welchen deutschen Lehrplan also geht es?

    • manchmal muss man dinge auch zuspitzen, damit klar wird, worum es geht.
      um kinder gehts der storch in jedem fall nicht. auf die würde sie sonst nicht schießen lassen wollen.

      und außerdem: was ist schlimm an analsex? den gibts auf pornokanälen allethalben zu sehen und er wird gern und intensiv auch sicher in vielen schlafzimmer praktiziert. besser man spricht mit den kindern drüber, als das sie sich gegenseitig dinge aufdrängen, die die anderen vielleicht nicht wollen und noch irgendwas falsch dabei machen.

      sorry, aber diese ganze aufregung hat tatsächlich etwas mit prüderie zu tun. gezwungen werden soll kein kind zu irgendetwas, und es sollen sicher auch keine „schamgrenzen gebrochen“ (also kinder quasi psychologisch vergewaltigt werden) aber die hysterie an der ganzen sache ist wirklich nicht mehr nachzuvollziehen.

      und ob in einem lehrplan das „nachstellen“ von analsex gefordert wird, wage ich mal zu bezweifeln. das gings der frau storch im eifer des gefechts (sie wissen was ich meine 😉 ) mal wieder durch.

      • „Psychisch“ war gemeint, damit nicht gleich wieder die Oberlehrersprachpolizei ausrücken muss…

      • Was heißt „gezwungen werden soll kein kind zu irgendetwas, und es sollen sicher auch keine „schamgrenzen gebrochen“ werden?
        Das geschieht doch zwangsläufig und ist gar nicht zu vermeiden, wenn ein Unterricht stattfindet, der alle Kinder verpflichtet, sich anzuhören und selbst in Ansätzen auszuprobieren, was sexuelle Minderheiten praktizieren und was ihnen Lustbefriedigung verschafft.
        Da zu sagen, es sei nicht die Absicht, sie zu etwas zu zwingen oder ihre Schamgrenzen zu verletzen, ist naiv oder unehrlich.
        Sie sagen außerdem: „…und ob in einem lehrplan das „nachstellen“ von analsex gefordert wird, wage ich mal zu bezweifeln.“ Sie brauchten nicht zu bezweifeln, wenn Sie sich mal schlau machen würden – sofern Sie das noch nicht sind.
        Bernd ist da gradliniger und ehrlicher, wenn er Frau von Storch u. a. vorwirft, sie sei „auch gegen Analsex unter Grundschülern“ und habe das „gegenüber der ‚Zeit’ kundgetan“.

        • Frau Prasuhn, Ihre Sorge um die Jugend in allen Ehren, aber:

          1. Analsex ist kein Sex von Minderheiten. Der wird gern und voller Wohne von fast jedem*er Zweiten praktiziert. Und wenn man für die Aspekt der sozialen Erwünschtheit von Antworten noch ein paar Prozent drauflegt für dienenigen, die’s machen, aber nicht zu sagen wagen, dann sicher auch noch ein paar mehr.

          „Bei der »Sexstudie 2008«, im Auftrag von ProSieben von renommierten Sexualforschern durchgeführt, bekannten sich 46 Prozent der Männer und 44 Prozent der Frauen dazu, also fast jeder Zweite.“

          http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/27710/Die-neue-POpulaer-Kultur

          2. Sie unterstellen schon wieder Unehrlichkeit, also Lüge. Sie könnens einfach nicht lassen, oder? Genauso verhält es sich mit dem „… sofern Sie das noch nicht sind.“ Auch da winkt schon wieder der Glaube, das ich hier irgendwie manipulieren und irgendeine geheime Agenda verfolge.

          3. Ich und viele meiner Bekannten sind bzw. waren in der außerschulischen Bildungsarbeit unterwegs. Unter anderem gibt es da auch Hochschwule darunter. Einer von ihnen hat in Berlin in Schulklassen Aufklärungsarbeit zum Thema Homosexualität und schwulem Sex gemacht hat. Ein anderer bildet sich gerade zum Sexualpädagogen weiter.

          Glauben Sie mir: Die beiden sind hochsensibel und zwingen niemanden zu irgendetwas. Gerade in der außerschulischen Bildung wird auf den Aspekt Zwang und Freiwilligkeit großen Wert gelegt – ganz im Gegensatz, aus Lehre von und in bewusster Abgrenzung zur schulischen Bildung.

          Die Rückmeldungen meiner Freunde sind hochinteressant. Die Jugendlichen sind waaahnsinnig interessiert, es kommen die wildesten – und auch naivsten – Fragen, die man sich vorstellen kann und die beiden haben oft betont, dass da ne Menge Halbwissen und Kenntnisse aus den ganz Pornoseiten vorhanden ist, dass es umheimlich wichtig ist, mit den Kids darüber zu reden.

          Wenn die Jugendlichen keine Lust haben, über bestimmte Themen zu reden, dann wird sie niemand dazu auffordern. Dann können sie einfach sitzenbleiben, zuhören, aus dem Fenster kucken. Da macht niemand Bondage mit ihnen und sie müssen dann an sich selbst und gegen ihren Willen ausprobieren lassen, wie das mit Analsex funktioniert.

          Es wäre schön, wenn sich all die besorgten Eltern mal mit der Theorie und Praxis der Sexualpädagogik beschäftigen würden. Stattdessen kursieren die wildesten Dinge und Hyterie macht sich breit, die eher etwas mit Unkenntnis des Lebens von Jugendlichen und der pädagogischen Aufklärungsarbeit von heute als eher mit der eigenen Scham zu tun hat.

          • Ooooh Gott, den Beitrag habe ich wirklich schnell getippt.

            Ich bitte die zahlreichen Fehler zu entschuldigen.

    • Ein Artikel, der sexuelle Aufklärung etwas differenziert beleuchtet.

      http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/experten-warnen-vor-zu-frueher-aufklaerung-von-kindern-13203307.html

      Sexualität ist etwas ganz Individuelles. Gehört der Begriff „Individualität“ nicht zu den am meisten verwendeten Begriffen im heutigen Unterricht?
      Wo bleibt aber die Individualität, wenn bereits junge Grundschüler im Sinne der „sexuellen Viefalt“ unterrichtet werden? Einige sind vielleicht neugierig, anderen ist es egal und manche ekeln sich, und sie übergeben sich, wenn sie am Po eines anderen Kindes riechen sollen.
      Jedes Kind entwickelt sich anders, und deshalb stellen die Kinder auch zu unterschiedlichen Zeiten verschiedene Fragen zur Sexualität.

      Wird in einer Familie bspw. Nachwuchs erwartet, können bereits kleine Kinder fragen, wie das Baby in den Bauch gekommen ist. Dann sind kindgerechte Antworten erforderlich.
      Wenn Kinder etwas über Sexualität wissen wollen, wenden sie sich in erster Line an ihnen vertraute Personen. Das sind nun mal i.d.R. die Eltern.
      Deshalb halte ich die „sexuelle Aufklärung“ von außen und dann noch von so genannten externen Fachleuten in den ersten Kindergartenjahren für nicht ganz unproblematisch.

      • Wer lässt denn Grundschüler am Po eines anderen riechen?
        Die Grundschullehrer, die ich kenne machen sich sehr viele Gedanken um den Aufklärungsunterricht, der auch mit den Eltern abgestimmt ist. Ich habe bisher sehr gute Erfahrungen mit Schülern und Eltern. Auch Eltern musilimischen Glaubens waren bisher froh, wenn die Schule aufgeklärt hat. Allerdings ging es bisher in der Grundschule nur um körperliche Veränderungen, Zeugung und Schwangerschaft. Und das war eigentlich fürs erste auch mal genug. Wenn die Kinder älter sind, stehen noch weitere Themen an.

        • Stichtwort „am Po riechen“:

          Haben Sie sich schon mal mit den vorgeschlagenen Materialien und praktischen Übungen zum Unterricht „sexuelle Vielfalt“ beschäftigt?
          Wenn ich nicht irre, hat daran auch der Prof. aus Kiel mitgewirkt.

          • Aus diesem Text habe ich „am Po riechen“.

            aus Heft 49/2014 Sex
            Hautaufgaben
            Rainer Stadler Illustrationen: Monica Ramos

            Orgasmus in der Grundschule, Analsex in der Mittelstufe – worüber müssen Schüler Bescheid wissen? Zwischen Eltern und Pädagogen tobt ein Streit, der selbst unter die Gürtellinie geht.

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            Wann sollten Kinder erfahren, was nackte Erwachsene miteinander tun können?

            Seit einigen Monaten bekommt Mathias Ebert regelmäßig Mails, in denen steht, er sei ein Nazi oder homophobes Schwein. Manchmal heißt es auch nur, er solle verrecken. Ebert ist 28 und Vater von vier Kindern, er wohnt in Nordrhein-Westfalen, nahe der Stadt Siegen. Vergangenes Jahr hat er die Martens kennengelernt, eine Familie mit neun Kindern, die den christlichen Glauben sehr ernst nimmt. Eugen Martens, der Vater, hatte gerade eine Nacht im Gefängnis verbracht. Seine Tochter hatte in der Schule, vierte Klasse, den Sexualunterricht verlassen, weil ihr schlecht geworden war, wie sie selbst sagte, und sich dann geweigert, ins Klassenzimmer zurückzugehen. Auch am nächsten Tag blieb sie fern, als wieder Sexualkunde auf dem Programm stand. Das Schulamt verhängte daraufhin ein Bußgeld von 150 Euro gegen die Eltern. Weil sich der Vater weigerte zu zahlen, musste er in Haft. Drei Monate später drohte die Staatsanwaltschaft, auch die Mutter einzusperren, obwohl sie gerade schwanger war – und Mathias Ebert fragte sich: »In welchem Land leben wir eigentlich?«

            Mitte Januar dieses Jahres standen er und 1000 weitere Demonstranten vor dem Kölner Dom, um gegen die »Frühsexualisierung der Kinder in Kitas, Kindergärten und Schulen« zu demonstrieren. Laut Ebert waren es hauptsächlich Eltern und Großeltern, die seine Irritation teilten – die Irritation darüber, dass neuerdings in Kindergärten die Kleinen zu Doktorspielen ermutigt würden, die auch beinhalteten, die anderen Kinder am Po zu beschnuppern. Dass in manchen Grundschulen eine Broschüre der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit dem Titel Das kleine Körper-ABC verteilt wird, die alle Fragen zu chemischen Verhütungsmitteln, Pille danach und Scheidenflüssigkeit beantwortet. Dass in einer Grundschule in Köln-Lindenthal Neunjährige die Frage beantworten mussten, »was es bedeutet – Sex haben«. Oder: »Was ist ein Orgasmus?« Mehrmals haben sich Eltern beschwert, dass sie bei diesem neuen Lehrplan kein Mitspracherecht haben und auch nicht informiert werden, welche Materialien die Schule verwendet. »Ich habe nichts gegen Sexualkunde«, sagt Ebert. Er erinnert sich noch an seinen eigenen Unterricht in der fünften und sechsten Klasse, als es etwa darum ging, wie ein Kondom funktioniert. »Aber bei Kindern im Kindergarten- und Grundschulalter«, sagt er, »muss man doch behutsam rangehen.«

            Wie weit dürfen Kindergärten und Schulen bei der Sexualaufklärung gehen? Seit einigen Monaten tobt darüber in Deutschland ein erbitterter Streit. Außer in Köln gab es mittlerweile auch Protestveranstaltungen von Eltern in Frankfurt, Stuttgart, Augsburg, Dresden und Hannover. Unter Sexualpädagogen hingegen herrscht Einigkeit: Je früher, desto besser. Und die Kinder sollen, möglichst schon bevor sie in die Schule kommen, informiert werden, dass es noch andere Lebensformen gibt als heterosexuelle Zweierbeziehungen: homosexuelle Partnerschaften, Bi- oder Transsexualität.

            Bis vor Kurzem wurden diese Gruppen durch Staat und Gesellschaft marginalisiert und diskriminiert, nun wird die neue Linie beim Sexualunterricht von fast allen Parteien in Deutschland befürwortet. Man könnte meinen: Die Fehler der Vergangenheit bloß nicht wiederholen. »Es geht nicht um sexuelle Früherziehung, sondern um die Vermittlung von Toleranz und Akzeptanz, in der jeder seine eigene Identität, auch die sexuelle, entwickeln kann«, sagt etwa Björn Försterling, FDP-Landtagsabgeordneter in Niedersachsen. Lediglich die AfD, die Partei Bibeltreuer Christen und auch die rechtsradikalen Parteien unterstützen die Demonstrationen der »Besorgten Eltern«, wie Mathias Ebert seine Gruppe in Nordrhein-Westfalen genannt hat. Nicht zuletzt wegen dieser Unterstützer ist die Elternbewegung in Verruf geraten, als Ansammlung reaktionärer Spießbürger, da half es auch nichts, dass Ebert die schwulen Gegendemonstranten in Köln aufforderte: »Kommt doch zu uns, wir haben überhaupt nichts gegen Schwule!«

            Sind die Sorgen der Eltern unbegründet? Oder kann es sein, dass die sexuelle Aufklärung nicht nur befreiend wirkt, wie ihre Verfechter meinen, sondern auch zerstörend, wie nicht wenige Eltern befürchten?

          • na, das passt doch zum „Deutschen Nationalcharakter“ – analfixiert mit skatologischer Tradition.
            😉

            Hierzu ein schöner Artikel aus den 80ern – erinnert mich irgendwie an meine Psychologievorlesungen zu Freud, die noch früher waren.
            :-)) Gut, dass ich diese nicht umsonst gehört habe.

            http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13511651.html

          • mehrnachdenken, ein bisschen kritische Textreflextion wäre schon hin und wieder angebracht – in dem Text, den Sie als Quelle anführen, steht, dass Herr Ebert behauptet, dass am Po gerochen werde (ohne Beleg). Bei Ihnen ist das dann schon eine Tatsache.

            Genau das ist das Problem mit den gesellschaftlichen Diskussionen derzeit: Einer behauptet etwas, der nächste schreibt’s ab, der dritte übertreibt’s – und schon kursieren die wildesten Geschichten. Und keiner glaubt mehr Wissenschaftlern, Polizisten oder anderen, die genauer hinschauen und sachlich argumentieren.

          • @Bernd
            Noch mal: Ich habe keine Lust auf neue ideologische Grabenkämpfe.
            Auch Sie frage ich, ob Sie sich schon mal mit den praktischen Übungen zu „sexueller Vielfalt“ beschäftigt haben. Stichtwort: Prof. Sielert und andere.

            Deshalb zweifle ich nicht an der Aussage des Vaters. Sie passen doch auch gut zu weiteren dort erwähnten Praktiken.

            Übrigens: Doktorspiele waren in meiner Kindheit (50er/60er Jahre) bei uns Dorfkindern recht beliebt. Ich kann Ihnen versichern, dass wir auch damals schon neugierig waren und viel ausprobierten.
            Der gewaltige Unterschied zu heute bestand aber darin, dass wir Kinder unter uns waren und und uns vollkommen freiwillig auf körperliche Entdeckungsreise begaben.
            Zumeist beteiligten sich auch nur wenige Kinder an diesen Spielchen und nicht eine ganze Klasse.
            Wird oder kann denn bei dieser von oben verordneten „Aufklärung“ überhaupt noch Rücksicht auf die Gefühle und Empfindungen der einzelnen Kinder genommen werden?
            Wie schnell können dabei intime Grenzen überschritten werden!

            „Mitte Januar dieses Jahres standen er und 1000 weitere Demonstranten vor dem Kölner Dom, um gegen die »Frühsexualisierung der Kinder in Kitas, Kindergärten und Schulen« zu demonstrieren. Laut Ebert waren es hauptsächlich Eltern und Großeltern, die seine Irritation teilten – die Irritation darüber, dass neuerdings in Kindergärten die Kleinen zu Doktorspielen ermutigt würden, die auch beinhalteten, die anderen Kinder am Po zu beschnuppern. Dass in manchen Grundschulen eine Broschüre der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit dem Titel Das kleine Körper-ABC verteilt wird, die alle Fragen zu chemischen Verhütungsmitteln, Pille danach und Scheidenflüssigkeit beantwortet. Dass in einer Grundschule in Köln-Lindenthal Neunjährige die Frage beantworten mussten, »was es bedeutet – Sex haben«. Oder: »Was ist ein Orgasmus?« Mehrmals haben sich Eltern beschwert, dass sie bei diesem neuen Lehrplan kein Mitspracherecht haben und auch nicht informiert werden, welche Materialien die Schule verwendet. »Ich habe nichts gegen Sexualkunde«, sagt Ebert.“

  7. Sehr geehrter mehrnachdenken,

    der Artikel unter Ihrem Link ist weder ausgewogen noch differenziert – sondern vertritt einseitig die These: alles ganz furchtbar (wie schon die Überschrift des Beitrags zeigt). Hier ist ein wirklich ausgewogener Beitrag zum Thema, der beide Seiten ernst nimmt und zu Wort kommen lässt: http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/42502/2/1

    Darin kommt auch Uwe Sielert, Sozialpädagoge in Kiel, zu Wort (die FAZ berichtet nur über ihn als einen „Vordenker“ der neuen Aufklärungswelle, war sich offenbar aber zu fein, ihn selbst dazu zu befragen). Sielert sagt: »Frühsexualisierung ist heute ein Kampfbegriff gegen eine Sexualerziehung, die die Sexualität von Kindern ernst nimmt.« Das Wort suggeriere, Kinder würden dadurch zu früh mit sexuellen Dingen konfrontiert. Das Gegenteil sei der Fall: Sielert hat gerade eine Studie fertiggestellt, befragt wurden hundert Grundschullehrkräfte in Schleswig-Holstein. Die Hälfte von ihnen gab an, dass im Unterricht viele Kinder in Sachen Sexualität Fragen stellen und Themen ansprechen, die für ihr Alter eigentlich unangemessen seien. Das wundert Sielert nicht, denn nie waren sexuelle Darstellungen und Bilder so leicht zugänglich wie heute. Nur: Wer beantwortet die Fragen dieser Kinder jetzt am besten? Von den Mitschülern hätten sie nur Halbwissen zu erwarten, argumentiert Sielert. Mit den Eltern sprechen anderen Untersuchungen zufolge nur etwa zwei Drittel der Kinder im Alter von sechs oder sieben Jahren über Sexualität, bei den Zehn- bis Zwölfjährigen ist es nur noch ein Drittel. »Kinder wollen ihre Eltern nicht beschämen«, erklärt Sielert. Kurz gesagt: Die Kinder sind längst sexualisiert, folglich sei es an Kindergarten und Schule, sie vor Ängsten und Irrwegen zu schützen, also: umfassend aufzuklären.

    Hätte Sielert Recht – und ich zweifele angesichts der hier oben von sofawolf ja auch schon festgestellten Allgegenwärtigkeit des Themas Sex in der Öffentlichkeit nicht daran -, dann bedeutet das: Die Ausgangsthese der Sexualerziehungs-Gegner ist falsch. Die Kinder kommen nicht durch die Schule mit dem Thema Sex in Berührung, sondern außerhalb. Und für viele Kinder ist die Schule der einzige Ort, an dem sie vernünftige Informationen zum Thema bekommen können.

    Dass es hierbei vereinzelt auch Übertreibungen geben mag – meinetwegen. Sensibilität ist schon gefordert. Aber dass es zum Beispiel einen Grundschul-Lehrplan gibt, in dem Analsex Thema sein soll, halte ich für völligen Quatsch. Das ist wieder so ein grassierendes Facebook-Märchen, das die allgemeine Hysterie befeuert. Welcher Lehrplan von welchem Bundesland soll das denn bitteschön sein?

    Mit solchen Geschichten, und das ist das eigentliche Problem, werden Lehrkräfte, die das Thema ernsthaft und seriös angehen, in die Defensive gedrängt – und im Zweifel werden viele die Sexualerziehung dann unter den Tisch fallen lassen, wie’s der N4t-Bericht ja nahelegt. Dabei hatten wir mal einen Konsens in Deutschland, dass Sexualerziehung – altersgemäß! – auch in die Grundschulen gehört. Den aufzugeben, weil manche das in ihrer Verklemmtheit gerne so hätten, hielte ich für fatal.

    Die prüden USA mit ihren Horrorzahlen zu Teenager-Schwangerschaften lassen grüßen. Erinnert sich noch jemand an die so sittenstrenge Frau Palin, die US-Vizepräsidentin werden wollte und unter anderem für Enthaltsamkeit vor der Ehe warb (wie aktuell hierzulande die, äh, unkonventionelle AfD-Funktionärin von Storch)? Ihre, also Palins, Tochter war 17 als sie ihr erstes Kind bekam, im vergangenen Jahr bekam sie ihr zweites – dummerweise immer noch unehelich. Sie sei „eine große Enttäuschung für ihre Familie“, meinte nun die Tochter. Und Mutter Palin postete: Betet für uns. Vielleicht hätte eine frühzeitige Aufklärung über Verhütungsmittel hier mehr genutzt.

    • „Die Ausgangsthese der Sexualerziehungs-Gegner ist falsch. Die Kinder kommen nicht durch die Schule mit dem Thema Sex in Berührung, sondern außerhalb. Und für viele Kinder ist die Schule der einzige Ort, an dem sie vernünftige Informationen zum Thema bekommen können.“

      „Vielleicht hätte eine frühzeitige Aufklärung über Verhütungsmittel hier mehr genutzt.“

      Genau so!

      • @Georg: Ihren Beitrag um 15.37 unterstütze ich, bin aber bei dem Thema Aufklärung für das Spiralkurrikulum, so wie bei anderen Themen auch. In der GS wird kein Thema vollständig vertieft. Es gibt viele Themenbereiche, die sich aber über kürzere Zeiträume erstrecken und in späteren Jahren ausführlicher wieder auftauchen. Das ist doch gut so.

      • „Vielleicht hätte eine frühzeitige Aufklärung über Verhütungsmittel hier mehr genutzt.“
        Über Mittel zur Verhütung ungewollter Schwangerschaft klärt der herkömmliche Sexualunterricht seit Jahrzehnten auf. Dazu braucht es keine Werbung, genannt Aufklärung, über die Praktiken sexueller Minderheiten, bei denen in der Regel noch nicht einmal Schwangerschaften möglich sind.

        • Zum Thema „Praktiken sexueller Minderheiten“ siehe den Beitrag oben.

          Oder hier einfach nochmal für Sie, liebe Sabine. Nüscht mit Minderheit, sorry.

          http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/27710/

          „Die Zeitschrift Neon befragte Männer und Frauen zwischen 20 und 35; davon hatten 47 Prozent der Männer und 57 Prozent der Frauen bereits Analsex ausprobiert. Bei der »Sexstudie 2008«, im Auftrag von ProSieben von renommierten Sexualforschern durchgeführt, bekannten sich 46 Prozent der Männer und 44 Prozent der Frauen dazu, also fast jeder Zweite.“

          SM is mit 25% auch recht angesagt:

          http://www.focus.de/kultur/kino_tv/sexshops-gepluendert-jeder-vierte-deutsche-hat-erfahrung-mit-sm-sex_id_4463999.html

          So richtig „Minderheiten“ sind das ja nun nicht mehr wirklich, oder?

          Interessant auch der Artikel hier:

          „http://sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/42502/2/1

          „Uwe Sielert, Sozialpädagoge in Kiel, beschäftigt sich seit dreißig Jahren mit der Sexualerziehung in Deutschland. Er sagt: »Frühsexualisierung ist heute ein Kampfbegriff gegen eine Sexualerziehung, die die Sexualität von Kindern ernst nimmt.« Das Wort suggeriere, Kinder würden dadurch zu früh mit sexuellen Dingen konfrontiert. Das Gegenteil sei der Fall: Sielert hat gerade eine Studie fertiggestellt, befragt wurden hundert Grundschullehrkräfte in Schleswig-Holstein. Die Hälfte von ihnen gab an, dass im Unterricht viele Kinder in Sachen Sexualität Fragen stellen und Themen ansprechen, die für ihr Alter eigentlich unangemessen seien. Das wundert Sielert nicht, denn nie waren sexuelle Darstellungen und Bilder so leicht zugänglich wie heute. Nur: Wer beantwortet die Fragen dieser Kinder jetzt am besten? Von den Mitschülern hätten sie nur Halbwissen zu erwarten, argumentiert Sielert. Mit den Eltern sprechen anderen Untersuchungen zufolge nur etwa zwei Drittel der Kinder im Alter von sechs oder sieben Jahren über Sexualität, bei den Zehn- bis Zwölfjährigen ist es nur noch ein Drittel. »Kinder wollen ihre Eltern nicht beschämen«, erklärt Sielert. Kurz gesagt: Die Kinder sind längst sexualisiert, folglich sei es an Kindergarten und Schule, sie vor Ängsten und Irrwegen zu schützen, also: umfassend aufzuklären.“

        • Ah ja, Sabine, und wenn Schüler dazu Fragen haben – etwa weil im Kino gerade „fifty shades of grey“ mit großem Getöse läuft -, dann wird gemeinsam gebetet, oder wie stellen Sie sich das in der Praxis vor?

          • Ich bin für „Händchen halten“.

            Aber mit ordentlich Druck, dann wirds auch bissel realistisch…

    • @Bernd
      Beim Thema „Frühsexualisierung“ und „sexueller Vielfalt“ bin ich dezidiert anderer Meinung als Sie.
      Ich bleibe dabei, dass mein Link (10.27) die Problematik wunderbar deutlich benennt und die Kritik an Herrn Sielert u.a. zurecht erfolgt.

      Hier ein weiterer Link, der meine Meinung noch untermauert.

      http://www.huffingtonpost.de/albert-wunsch/lgbti-lobby-links_b_8815998.html

      Allerdings mö. ich mich nicht wieder in irgendwelchen ideologischen Grabenkämpfen verlieren. Sie können mich nicht überzeugen; ich kann das bei Ihnen auch nicht. Lassen wir es dabei bewenden.

    • @ Bernd: ich stimme ihnen völlig zu. (13.20 Uhr). Meiner Meinung nach werden auch Einzelfälle völlig aufgebauscht. Ich unterstelle jetzt einfach mal jedem Lehrer einen verantwortungsbewussten Umgang mit dem Thema. Wer regt sich denn über das auf, was sich die Kinder in anderen Medien ungefiltert reinziehen können?

  8. @Bernd vom 5. Februar um 10:30
    Nun kommen Sie mal runter vom hohen Ross. Bevor Sie anderen mehr Textreflektion empfehlen und mangelndes Vertrauen in verlässliche Quellen kritisieren, helfen Sie mir doch bitte beim Reflektieren zweier Sätze, die beide von Ihnen stammen und deshalb für Sie keine Mühe bedeuten dürften.

    Der erste Satz stammt aus Ihrem Kommentar vom 2. Februar 2016 um 19:25. Darin wettern Sie gegen Frau Petry und deren AfD-Kollegin Beatrix v. Storch, die Voritzende der „Initiative Familienschutz“ ist und anfänglich auch die „Demo für alle“ gegen den Unterricht in sexueller Vielfalt mitorganisiert hat. Über diese Frau schreiben Sie: „Frau von Storch ist auch gegen Analsex unter Grundschülern, das hat sie gegenüber der „Zeit“ kundgetan.“

    Der zweite Satz entstammt Ihrem Kommentar vom 4.Februar um 13:20. Er lautet: „Aber dass es zum Beispiel einen Grundschullehrplan gibt, in dem Analsex Thema sein soll, halte ich für völligen Quatsch.“

    Wie ist das zu verstehen? Der erste Satz sagt mir, dass Sie Frau von Storchs Ablehnung von Analsex unter Grundschülern falsch finden und verdammen.
    Dann kommt wenig später Ihre zweite Aussage, der ich entnehme, dass Sie Analsex unter Grundschülern für derartigen Quatsch halten, dass Sie sogar die Existenz eines Lehrplans mit diesem Thema bezweifeln.
    Verstehen Sie, dass ich hier Hilfe brauche? Welche der widersprüchlichen Aussagen ist denn nun wahr?

    Dass beide einem Zweck dienen, ist leicht zu erkennen. Das erste Mal soll Frau von Storch in ein schlechtes Licht gesetzt und als prüde, erzkonservativ, ultraorthodox, rechtspopulistisch usw. dargestellt werden.
    Das zweite Mal soll vorhandenes Misstrauen gegen den Unterricht in sexueller Vielfalt zerstreut werden. Hier ist wichtig, verbindlichere Töne anzuschlagen und Analsex unter Grundschülern auszuschließen. Alles andere muss auch gemäßigt und vernünftig klingen. Jedenfalls habe ich das so in meiner Reflektion interpretiert.
    Das ist Ihnen ja auch gut gelungen. Jedenfalls hat Ihr Kommentar Mississippi gefallen. Vielleicht ist sie jetzt sogar vom Unterricht in sexueller Vielfalt überzeugt.
    Mein Fazit aus der Text- bzw. Satzreflektion: Taktisch nicht schlecht, aber für jeden Leser ein Rätsel, der beide Sätze vor Augen hat. Welcher steht für die ehrliche Meinung und welcher nicht?
    Und wie wahr sind Aussagen von Journalisten, Wissenschaftlern oder Polizisten, die auf ähnliche Weise vorgehen und Informationen oder Argumente nach taktischen Gesichtspunkten auswählen, auch wenn dabei die Wahrheit auf der Strecke bleibt und der lautere Pfad verlassen wird?
    Aber ich bat Sie ja bei der Reflektion Ihrer Sätze um Hilfe. Korrigieren Sie mich, wenn Ihre beiden Sätze nicht völlig konträre Ansichten ausdrücken, mit denen Sie je nach Taktik operieren.

    • @ Birgit: Was soll das denn?

      • Tut mir leid, wenn ich Ihnen zu nahe getreten bin. Ich hatte wirklich den Eindruck, dass Sie sich von Bernd haben vereinnehmen lassen und den Unterricht in sexueller Vielfalt nun gut finden, den er schon lange in unterschiedlichen Tönen und nicht frei von Widersprüchen anpreist.

        • Ich kann mich nicht erinnern, mich jemals zum Thema „sexuelle Vielfalt“ geäußert zu haben – und preise solchen Unterricht auch nicht an.

        • Der Aufklärungsstatus 11-13jähriger liegt meiner Erfahrung nach zwischen „Körperteile nicht benennen können“ und im Bus auf dem Heimweg von der Schule „Sexfilmchen anschauen.“ Soll man alles Dr. Sommer und der BRAVO überlassen oder auf die Eltern hoffen? Was ist an einem wohlüberlegten altersentsprechenden Aufklärungsunterricht auszusetzen? Angst, dass plötzlich alle homosexuell werden?

          • Die Filmchen schaut man auf dem Handy…

          • Die Frage ist ja, was „wohlüberlegt“ meint.

            Sexualpädagogen, die sich rund um die Uhr mit dem Thema beschäftigen, ziemlich genau wissen, was in den Köpfen vieler Jugendlicher vor sich geht und mit Sicherheit auch einschätzen können, wie weit sie mit welchem Kind gehen können und sollten, haben da ganz andere Vorstellungen als die berühmten „besorgten Eltern“.

            Das gleiche gilt für „altersentsprechend“.

            Wenn wir nicht wollen, dass es so läuft wie in diesem Video, bin ich sehr dafür, den Fachleuten und der professionsinternen Debatte zu einem guten Teil zu Vertrauen, als den aufgebrachten Protestierern, die immer die gleichen „Mutigen“ und „Realisten“ als Zeugen zu Wort kommen lassen.

            In der Medizin, dem Brückenbau oder der Umwelttechnik fahren wir ja auch ganz gut damit.

            https://www.youtube.com/watch?v=06kT9yfj7QE

            (Wohlgemerkt: Das spielt mit ziemlicher Sicherheit in den USA. Viel Spass!)

          • Herrlich auch das hier:

            https://www.youtube.com/watch?v=bllhvbe9hK0

            Gut, das wir von solchen Problemen weg sind. Schade, dass wir andere haben.

          • Wow, ich bin mit dem Link genau hier drüber durch Zufall auf einen anscheinend richtig guten Doc-Film gestossen.

            Ein gutes Englisch, Interesse an den USA und am Thema vorausgesetzt, ,sieht das wirklich soannend aus.

            http://www.deepsouthfilm.com/

          • Natürlich nicht! Vielleicht lohnt sich mal die nähere Beschäftigung mit Bildungsplänen sowie dem empfohlenen und erlaubten Unterricht durch externe „Fachleute“ statt durch Lehrer. Auch die Beschäftigung mit den Bedenken der Teilnehmer an der „Demo für alle“ ist erkenntnisreich, sofern Sie diese nicht wie allgemein üblich abtun als prüde, fortschrittsfeindlich oder homophob.
            Freiwillig Filmchen anschauen oder staatlich verordnete Aufklärung im Sinne solcher Filmchen über sich ergehen lassen müssen, sind ein Unterschied.
            Inwieweit das Ganze auch noch mit der Gender-Ideologie zusammenhängt, was meiner Meinung nach der wichtigste Aspekt in der Sache ist, kann leider nicht in wenigen Sätzen erklärt werden.

          • Am besten von der Bertelsmann Stiftung …

            Herr schmeiß Hirn – als ob Kernlehrpläne oder bildungspolitische Vorgaben von Lehrern gemacht würden. Und nun kommen Sie und fordern, dass die von Externen erstellten Kernlehrpläne, die von Lehrkräften in schulinterne Stoffverteilungspläne und Curricula herunter gebrochen werden müssen, auch noch von Externen evaluiert werden. Ich fass‘ es nicht. Aber Sie sind vermutlich auch noch der Meinung, dass die referentenentwürfe für geplante gesetzesnovellen von Ministerialbeamten verfasst werden.

            Willkommen im Jahre 2016; die Lobbyisten haben ihr eigenes befristetes oder projektbezogenes Petrsonal auf Referentenrebene in den Ministerien.

            Sie könnten genausogut fordern, dass die Lebensmittelindustrie die Vorgaben für die Lebensmittelkontrolleure macht und diese im Nachgang Restaurants und Hotelküchen evaluieren sollen. Was meinen Sie, was der lebensmittelkontrolleur von Dr oettker wohl zu der handwerlich hergestellten Pizza eines Pizzabäckers sagt? Ob die besser schmeckt ist nur ein randaspekt, der Kontrolleur wird feststellen, dass der pizzabäcker die Pizza nicht nach den normierten, industriellen Vorgaben herstellt und sie deshalb schlecht ist.

            Btw was glauben Sie, warum die meisten Länder ihre Qualitätsagenturen so allmählich auslaufen lassen? War zwar eine behördeninterne Selbstüberprüfung, aber eine externe Überprüfung würde nichts Anderes erbringen. Es fehlt an Personal – sowohl unterrichtendem als auch nicht unterrichtendem Personal, an entsprechend ausgestatteten Räumen, an Lehrmaterialien, an moderner IT-Ausstattung, Klassen und Kurse sind zu groß, der Umfang der Verwaltungsarbeit übersteigt die Arbeit an und mit den Schülern, das Engagement von Eltern verbesserungsfähig ist etc.

  9. Birgit, offenbar können Sie nicht sinnerfassend lesen. Im ersten Kommentar habe ich nur berichtet, dass Frau von Storch gegenüber der „Zeit“ kundgetan hat, dass sie gegen Analsex unter Grundschülern ist. Punkt. Den Rest dichten Sie hinzu.

    Der zweite Satz besagt, was er besagt: Ich glaube nicht an die Existenz eines solchen Lehrplans – welches Kultusministerium in Deutschland soll seinen Lehrkräften denn vorschreiben, das Thema Analsex im Unterricht zu behandeln?

    Wo gibt’s denn hier einen Widerspruch? Die Geschichte ist doch ganz einfach: Politische Bauernfänger wie von Storch erfinden politische Skandale (hier: Lehrplan mit Analsex), um Leute aufzuhetzen und für ihre vermeintlich einfachen Lösungen zu gewinnen.

    • Nun gut, vielleicht können andere sinnerfassend lesen und mir sagen, wie sie Ihre Aussage im Kontext des gesamten Kommentars verstehen würden:

      „Und an vorderster Front findet sich mal wieder diese, äh, unkonventionelle AfD-Europaabgeordnete von Storch, die so gerne Flüchtlingskinder erschießen lassen würde – ach ‚tschuldigung, sie hat sich ja versprochen, nur deren Mütter.
      Frau von Storch ist auch gegen Analsex unter Grundschülern, das hat sie gegenüber der „Zeit“ kundgetan.“

      Nein, Bernd, Ihre Erklärung passt nicht und ist zu deutlich nachgeschoben. Der Satz hätte anders lauten müssen, um so verstanden zu werden, wie Sie es jetzt gerne hätten: als Kritik von Ihnen an der angeblich falschen Behauptung Frau v. Storchs, es gäbe einen Grundschullehrplan mit Analsex.

    • Sie haben offenbar die Ironie im ersten Post nicht verstanden.

      • Hören Sie doch auf, sich rauszureden und es jetzt auch noch mit der Erklärung „Ironie“ zu versuchen. Der betreffende Satz ist frei von jeder Ironie. Der davor nicht, der ist sogar von der Marke „Holzhammer-Ironie“.
        Seien Sie einfach nur ehrlich und flüchten Sie sich nicht in die miese Tour, anderen Verstehensschwierigkeiten zu unterstellen, wenn Sie sich in Widersprüche verwickeln und unehrliche Gesprächsmanöver nicht zugeben wollen.
        Das ist zwar etwas unangenehm für einen Moralprediger, aber gerade für seine Glaubwürdigkeit besonders wichtig.
        Ich beende hiermit die Diskussion. Sie dürfen also gerne das letzte Wort haben.

  10. Was, Birgit, wollen Sie denn mit diesen nebulösen Angriffen auf Bernd aussagen? Ich verstehe Ihr wirres Geschreibsel einfach nicht – außer, dass Sie Bernd irgendwas unterstellen. Aber was? Schreibt er Ihrer Meinung nach was anderes, als was er meint? Verfolgt er eine geheime Agenda, über die Sie uns hier aufklären können? Und wieso „Moralprediger“ – von Moral habe ich hier von ihm gar nichts gelesen, es ging um die Sinnhaftigkeit von Sexualerziehung auch in der Grundschule, die er (argumentativ schlüssig begründet) befürwortet.

    Und allen Ernstes: Die Ironie im Satz „Frau von Storch ist gegen Analsex unter Grundschülern“ ist doch mit Händen greifbar. Wer ist denn nicht gegen Analsex unter Grundschülern?

  11. Na Sie haben mich noch nicht gefragt… 😉

  12. Es heißt, dass dieses ganze Aufklärungsgedöns „fächerübergreifend“ stattfinden soll. Ist der Sex und die Form, in der Liebende zusammenleben oder auch „Bäumchen wechsle dich“ spielen so wichtig, dass daraus in Mathe Textaufgaben gebastelt werden, in Musik ein Liedchen von Sarah mit Lara geträllert wird oder im Sportunterricht Gruppen gebildet werden, deren Zusammenstellung verschiedene Arten von Gruppensex verdeutlicht?
    Im Ernst: Wie soll das fächerübergreifend gemacht werden? Und ist die Kenntnis der vielen Sexvariationen mit ihren Auswirkungen auf das Zusammenleben so überragend wichtig, dass die „sexuelle Vielfalt“ zum Leitfaden für alle Fächer wird? Von diesem „Leitfaden“ ist jedenfalls zu lesen.
    Das kommt mir vor, als hätten sich kranke Hirne so etwas ausgedacht. Immer wieder Sex in jedem Fach muss doch den Kindern den Eindruck vermitteln, dass nichts im Leben wichtiger ist als das Sexualleben mit seiner ganzen Variationsbreite.
    Wenn sie sich Pornos auf dem Handy anschauen, ist das eine ganz andere Sache, als wenn die ernstzunehmende Schule ihnen das als primär wichtigen Lernstoff vermittelt. Handys befriedigen die Neugier, aber die Schule prägt.

    • Hier noch einmal der „Bildungsplan sexuelle Vielfalt“, der tatsächlich fächerübergreifend praktiziert werden soll.

      http://www.bildungsplan2015.de/2014/02/22/neu-video-zur-bildungsplandebatte/

      • Bitte auch „Geschlechtergerechte Sprache im Bildungsplan“ lesen. Der Beitrag steht re unter dem Video.

      • Tolles Video mal wieder, mehrnachdenken.

        Das nenne ich eine objektive Darstellung der Debatte von neutraler Seite, die gut abwägt und versucht, nicht Partei zu ergreifen. Die kleine Gruppe der Lobbyisten setzt sich durch und will alle umerziehen und macht kleine Jungs plötzlich zum Opfer.

        Herrlich, wie vereinfachend da eine Bedrohung aufgebaut wird.

        Und dass das „Minderheiten“-Thema „Gender“ Eingang in den Bildungsplan gefunden und andere nicht derart explizit hängt vielleicht damit zusammen, das andere Diskriminierungsformen über andere Mechanismen bearbeitet werden, weil sich Debatten über Inhalte und strukturelle Gestaltung von Schule anders entwickelt haben und dementsprechend auch woanders geschraubt wurde: Inklusion als thematisch übergreifende Idee – gerne reduziert auf Behinderung – und Interkulturelle Schulentwicklung bezogen auf Ethnizität als Diskriminierungsmerkmal.

        Auch Behinderung und Ethnizität finden sich nämlich in einer modernen, interkulturell gedachten, inklusiven Schule wieder, greifen aber eben strukturell viel tiefer ein: durch den Umgang mit Sprache, die Ausbildung von Lehrkräften, eine besondere Form von Elternarbeit, das Selbstverständnis eines Wertschätzen von Verschiedenheit, etc.

        Das Video ist also suggestiv und fehlleitend weil es unterstellt, dass die eigentlich wichtigen Diskriminierungsformen (Ethnizität und Behinderung) nicht thematisiert und bearbeitet werden und sich nur die besonders lauten Schwuppen und Kampflesben durchgesetzt hätten.

      • Das Video finde ich gut. In kaum mehr als 3 Minuten informiert es über wichtige Gender-Thesen.
        Mich hat überrascht, wie verschwindend gering laut staatlicher Statistik die Diskriminierung wegen „sexueller Andersartigkeit“ ist. Andere Gruppen sind da um ein Vielfaches betroffener.
        Die These „Erziehung zur Toleranz“ durch fächerübergreifenden Unterricht in sexueller Vielfalt erscheint mir noch vorgeschobener und alarmierender als ich bereits vermutete.

        • Das Video kann in diesem Forum schon längere Zeit aufgerufen werden. Wie es aussieht, haben es sich aber noch lange nicht alle Interessierte angesehen.

          Richtig, das Video demaskiert die scheinheilige und subtile Vorgehensweise von GM. Wegen drei Prozent der SuS braucht es nach deren Meinung gleich einen neuen Bildungsplan und einen Unterricht für „sexuelle Vielfalt“.
          Deutlich größere Gruppen sind in unseren Schulen viel mehr von Ausgrenzung und Benachteiligung betoffen. Das scheint die GM – Ideologen aber nicht zu kümmern.
          Ich verhehle nicht, habe es hier auch oft genug erklärt, dass ich dieses gesellschaftliche Umerziehungsprogramm strikt ablehne und wo auch immer mit aller Kraft bekämpfe!!

          Das schließt natürlich auch die immer dreisteren Forderungen der Gender – Ideologen nach einer „gender – gerechten“ Sprache mit ein.
          Ich werde mir nicht vorschreiben lassen, wie ich zu sprechen und zu schreiben habe.
          Leider gibt es jedoch kaum noch Parteien oder gesellschaftliche Gruppen, die sich diesem „Wahnsinn“ widersetzen.
          Das alles geschieht in diesem Land ohne gesetzliche Legitimation.

    • Lieber Dixo,

      bitte übertreiben Sie doch nicht. Bei „fächerübergreifend“ geht es um Darstellung von z. B. homosexuellen Paaren als normal neben anderen. Das, was draußen stattfindet, soll auch in Lehrbüchern abgebildet werden.

      Als Beispiel für fächerübergreifende Thematisierungs hier sehr gute Beispiele von Kett.

      http://www.klett.de/thema/vielfalt/gender

      Es geht um Bilder oder Beispieltexte, in denen nicht mehr ausschließlich heterosexuelle Paare vorkommen, sondern eben hier und da auch zwei Frauen oder Männer ein Kind großziehen. Also genau das, was jeden Tag in diesem Land passiert. Außer scheinbar im Umfeld der Bildungsplangegner…

      • Ihre ständigen Beiträge als Nicht-Lehrer auf pädagogischem Gebiet sind eine einzige Werbung für ultralinke Gesinnung und entsprechende Schulgestaltung und Schularbeitarbeit.
        Äußern Sie sich doch bitte nicht dauernd zu didaktischen und methodischen Fragen, von denen Sie keine Ahnung haben, sondern nur den Drang, Schüler nach Ihrer Erziehungsideologie zu formen.

        • Lieber g.h.,

          soviel Arroganz und Unsachlichkeit bedarf keines Kommentars.

          Aber einen erlaube ich mir doch: Ideologen sind immer die anderen.

      • sexuelle vielfalt im physikunterricht stelle ich mir interessant vor. genauer geschrieben unmöglich zu unterrichten. klett liefert auf der verlinkten seite auch keine beispiele dazu …

        • Mit Phantasie und gutem Willen geht alles. Mir fallen z.B. Rituale zu Beginn oder am Ende jeder Stunde ein.
          Es könnten auch Fachleute mit einer Studie beauftragt werden, wo der sperrige Physikunterricht doch noch Möglichkeiten bietet.

        • Ach wissen Sie, manchmal ist es einfacher, manchmal schwerer, manchmal passt es auch schlicht nicht oder würde keinen Sinn machen.

          Es ist genau wie beim Thema Inklusion: wer beständig das mit schwerst merhfachbehinderten Kind als Beispiel für das Nichtfunktionieren anführt, verschweigt, das es eine winzige Minderheit ist, für die logischerweise eigene Lösungen gefunden werden müssen – ganz im inklusive Sinne übrigens.

          Im Bezug auf sexuelle Vielfalt dann z. B. Rechenoperationen im Büro Mathe- und Physikunterricht anzuführen, schlägt in eine ähnliche Kerbe.

          Klett setzt sehr schön um, was von den bösen Schwuppenlobbygruppren eingefordert wird – und das ganz unaufgeregt, schlicht und ohne kulturrrevolutionäre Attitüde.

          Aber nicht umsonst diskutieren wir hier nicht am Beispiel sondern bekommen suggestive und verkürzende Videos von verängstigten kleinen Jungen gepostetet.

          • PseudoPolitiker

            Georg, Sie haben mal kundgetan, dass Sie hauptberuflich oder -amtlich in der Flüchtlingshilfe tätig sind. Wegen der Fülle Ihrer Kommentare und deren Uhrzeiten, ist zu vermuten, dass die Flüchtlingshilfe Sie täglich nur wenige Stunden beansprucht und bei weitem nicht auslastet. Reicht Ihr Teilzeitjob trotzdem für den Lebensunterhalt?

          • Was wollen Sie mir und uns denn damit sagen?

            Spielt es für Sie in der sachlichen Diskussion eine Rolle, ob ich mit meinem Job genug Geld verdiene und wann ich hier wieviele Beiträge schreibe?

            Und warum habe ich das eigenartige Gefühl, das ich der Einzige bin, dem eine Frage dieser Art hier gestellt wird?

            Sicher nehmen Sie mir dieses ungute Gefühl aber gleich.

          • PseudoPolitiker

            Möchten Sie wirklich wissen, was mich zu der Frage veranlasst hat?
            Die Antwort könnte Ihnen sehr missfallen.

          • Möchten Sie wirklich eine ernsthafte Antwort?

            Meine Fragen haben Sie mir ja auch nicht beantwortet. Aber angesichts der gefühlten Zielrichtung Ihres Beitrages wundert mich das auch nicht sonderlich.

            Außerdem werden Sie es doch ohnehin schreiben, was soll also das Brimborium?

          • @ Georg 11:29 Uhr: Klett setzt auf den Probeseiten das Thema Gender tatsächlich sehr gut um. Allerdings in den dazu ursächlich passenden Fächern Sozialwissenschaften, Religion, Ethik usw. Mit gutem Willen kann man das auch noch in einer anderen Sprache und — ganz wichtig — beim Kontext Verhütung / sexuell übertragbare Krankheiten im Fach Biologie.

            Im Mathematikunterricht könnte man die Bevölkerung Deutschlands hinsichtlich Hetero, Schwul, lesbisch, bisexuell, transsexuell, intersexuell, asexuell, [was weiß ich]-sexuell statistisch auswerten. Ach nein, kann man nicht, weil dadurch die überaus gefährliche Lobbyarbeit der LSBTTIQ-Bewegung deutlich wird (riesen Brimborium durch einen verschwindend geringen Anteil für einen nahezu vernachlässigbaren Anteil der Bevölkerung).

            Bei den „harten“ Naturwissenschaften (Ph, Ch, If) stelle ich mir das Ganze sehr schwierig vor, es sei denn, man führt irgendein Ritual durch, das aber weder inhaltlich noch methodisch mit dem eigentlichen Fach zu tun hat. Bei Sport könnten sich die männlichen Lehrer gleich ohne über Los zu gehen wegen sexuellem Missbrauchs Schutzbefohlener ins Gefängnis begeben, wenn sie auf die Idee kämen, etwas sexuelles anzusprechen oder gar methodisch passend durchzuführen. Die Lehrerinnen würden mit etwas Glück noch mit einer Abmahnung davon kommen.

            Nebenbei: Wurden eigentlich die Bevölkerungsgruppen mal nach ihrer Meinung zu dem Brimborium gefragt? Vielleicht wollen sie ja auch nur in Ruhe gelassen werden. Und: Zu welcher sexuellen Gruppe gehören die Lobbyisten? Vermutlich ist der mit Abstand größte Teil von ihnen heterosexuell veranlagt mit einer gesunden Skepsis gegenüber Orientierungen jenseits von homo- bzw. bisexuell, aber für genügend Geld meinungsflexibel.

          • @xxx
            Viele gute Denkansätze, die die Absurdität dieser unsäglichen ideologischen Indoktrinierung auf den Punkt bringen!

          • Hallo xxx,

            ja schön, das hört sich ja fast an wie Zustimmung. Ich sehe, wir kommen uns näher und das freut mich. Besonders freut es mich, dass Sie bei Klett mal reingeklickt haben und wir wirklich am Beispiel diskutieren.

            Auf inhatlicher Ebene sehe ich das Thema auch in den von Ihnen angesprochenen Fächern am meisten repräsentiert. Wie mein Kommentar weiter oben schon anmerkte, findet es eben aber nicht überall Platz – und muss es ja auch nicht. Der Glaube, dass das jetzt überall reingepresst werden soll und am besten Lehrer*innen noch bestimmte Quoten erfüllen müssen oder so, ist natürlich Humbug.

            Schade finde ich, dass Sie im nächsten Absatz von der sachlichen direkt wieder auf die polemisch-politische Ebene verfallen und damit den ersten Teil ihres Kommentars direkt wieder entwerten.

            Ich frage mich, was Sie sich bei diesem Abschnitt gedacht haben, ich kann Ihnen da leider wirklich nicht folgen:

            „Bei Sport könnten sich die männlichen Lehrer gleich ohne über Los zu gehen wegen sexuellem Missbrauchs Schutzbefohlener ins Gefängnis begeben, wenn sie auf die Idee kämen, etwas sexuelles anzusprechen oder gar methodisch passend durchzuführen.“

            Zum letzten Abschnitt: die Leitlinie „Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt“ definiert das Ganze Thema wesentlich breiter, als es immer wieder gerne dargestellt wird. Ich bin mir sicher, dass sich ziemlich viele Bevölkerungsgruppen hinter diesem Anliegen wiederfinden würden.

            Zu ihrem letzten Abschnitt: den finde ich irgendwie verworren.

            „Vermutlich ist der mit Abstand größte Teil von ihnen heterosexuell veranlagt mit einer gesunden Skepsis gegenüber Orientierungen jenseits von homo- bzw. bisexuell, aber für genügend Geld meinungsflexibel.“ Sind die jetzt Heten mit Skepsis gegenüber Heten? Oder Heten, die für Homosexuelle ins Feld ziehen, weil sie ordentlich dafür bezahlt werden?

            Aus meiner Erfahrung politischer Arbeit arbeiten die Betroffenen meist selbst für ihre eigenen Interessen und haben nicht das große Geld wie z. B. Unternehmen oder Wirtschaftsverbände, um sich Lobbyisten zu kaufen. Die Menschen gründen Vereine mit äußerst schmaler Personalausstattung aber mit umso mehr Ehrenamt, machen Bündnispolitik, halten Kontakt zu Abgeordneten, drängen auf ihre Belange und haben damit – weil sie den Werten des Grundgesetzes und der Menschenrechte entsprechen – in dieser Gesellschaft das Glück, gehört zu werden.

            Hier nochmal die weiter oben angesprochene Passage mit der Leitlinie
            „Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt“.

            Auch diese Passage zeigt, den von mehrnachdenken geposteten Film verkürzt und Dinge suggeriert, die schlicht nicht wahr sind.

            http://www.km-bw.de/KULTUSPORTAL-BW,Lde/Startseite/schulebw/Rahmenvorgaben_Eckpunkte#anker1855083

            „Bildung für Toleranz und Akzeptanz von Vielfalt“

            Der konstruktive Umgang mit Vielfalt stellt eine wichtige Kompetenz für die Menschen in einer zunehmend von Komplexität und Differenziertheit geprägten modernen Gesellschaft dar. In der modernen Gesellschaft begegnen sich Menschen unterschiedlicher Staatsangehörigkeit, Nationalität, Ethnie, Religion oder Weltanschauung, unterschiedlichen Alters, psychischer, geistiger und physischer Disposition sowie geschlechtlicher Identität und se-
            xueller Orientierung. Kennzeichnend sind Individualisierung und Pluralisierung von Lebensentwürfen.

            Kernanliegen der Leitperspektive ist es, Respekt sowie die gegenseitige Achtung und Wertschätzung von Verschiedenheit zu fördern. Grundlagen sind die Menschenwürde, das christliche Menschenbild sowie die staatliche Verfassung mit dem besonderen Schutz von Ehe und Familie.

            Schule als Ort von Toleranz und Weltoffenheit soll es jungen Menschen ermöglichen, die eigene Identität zu finden und sich frei und ohne Angst vor Diskriminierung zu artikulieren.
            Indem Schülerinnen und Schüler sich mit anderen Identitäten befassen, sich in diese hineinversetzen und sich mit diesen auseinandersetzen, schärfen sie ihr Bewusstsein für ihre eigene Identität. Dabei erfahren sie, dass Vielfalt gesellschaftliche Realität ist und die Identität anderer keine Bedrohung der eigenen Identität bedeutet.

            Die Leitperspektive zielt auch auf die Fähigkeit der Gesellschaft zum interkulturellen und interreligiösen Dialog und zum dialogorientierten, friedlichen Umgang mit unterschiedlichen Positionen bzw. Konflikten in internationalen Zusammenhängen. Erziehung zum Umgang mit Vielfalt und zur Toleranz ist damit auch ein Beitrag zur Friedenserziehung und für die Verwirklichung einer inklusiven Gesellschaft.

          • Hier gehen zwei Themen durcheinander. Das eine ist die seit Jahrzehnten auch in den Grundschulen praktizierte Sexualerziehung, die plötzlich angefeindet wird. Das andere sind Bestrebungen, „sexuelle Vielfalt“ stärker in Lehrplänen und fächerübergreifend zu verankern. Hier sind offenbar auf beiden Seiten Ideologen unterwegs, die den Lehrkräften das Leben schwer machen. Beide Seiten des Spektrums versuchen, ihre jeweiligen persönlichen Vorlieben in den Unterricht zu tragen und die Schulen zum Schlachtfeld für weltanschauliche Auseinandersetzungen zu machen. Dem sollte man nicht auf den Leim gehen.

            Warum lässt man die Schulen nicht einfach ihre so erfolgreiche Arbeit weitermachen, bestenfalls ergänzt durch mehr personelle Ressourcen? Wir haben ein relativ niedriges Niveau an Teenager-Schwangerschaften, junge Menschen gehen Studien zufolge trotz der Porno-Flut im Internet sehr verantwortungsvoll mit ihrer Sexualität um – wo ist also das Problem? Lasst die Lehrerinnen und Lehrer endlich mal in Ruhe!

          • @Bernd
            Ist das nun Satire oder ernst gemeint? Wenn ich das richtig verstehe, was Sie schreiben, gibt es zu den angesprochenen Themen zwischen uns eine große Übereinstimmung.
            Etwas verwundert reibe mir aber schon die Augen, weil ich Ihre Beiträge bisher – bitte nicht falsch verstehen – irgendwie so in Richtung „Georg oder „Anna“ wahrgenommen habe.

  13. @ Georg, 20:09 Uhr:

    „Ich frage mich, was Sie sich bei diesem Abschnitt gedacht haben, ich kann Ihnen da leider wirklich nicht folgen:“
    Als Sportlehrer hätte ich keine Probleme mit Bodengymnastik, aber sehr große Probleme mit Beckenbodengymnastik ohne meinen Arbeitsplatz zu riskieren.

    „Sind die jetzt Heten mit Skepsis gegenüber Heten? Oder Heten, die für Homosexuelle ins Feld ziehen, weil sie ordentlich dafür bezahlt werden?“
    Die meisten Menschen haben keine Skepsis gegenüber Mitmenschen gleicher sexueller Orientierung. Daher trifft Ihre zweite Frage eher zu, wobei diese heterosexuellen Lobbyisten für genügend Geld auch für trans-a-[was weiß ich]-sexuelle Einzelfälle bei Politikern vorsprechen.

    „Aus meiner Erfahrung politischer Arbeit arbeiten die Betroffenen meist selbst für ihre eigenen Interessen und haben nicht das große Geld wie z. B. Unternehmen oder Wirtschaftsverbände, um sich Lobbyisten zu kaufen.“
    Wenn das tatsächlich so wäre, hätte es diesen sexualisierten Bildungsplan niemals in die Plenarsäle der Politiker und damit erst recht nicht in die Lehrpläne der Schulen geschafft — es sei denn, irgendwelche mächtigen Unternehmen sehen kommerzielle Vorteile in dem Genderwahn.

    „Schule als Ort von Toleranz und Weltoffenheit soll es jungen Menschen ermöglichen, die eigene Identität zu finden und sich frei und ohne Angst vor Diskriminierung zu artikulieren.“
    Richtig. Der heterosexuelle junge Mensch soll auch genau das äußern dürfen ohne von irgendwelchen erhobenen Zeigefingern rektal oder wo auch immer aufgespießt zu werden. Ebenso soll den sehr jungen Menschen nicht schon sofort eine Lebensweise aufgedrückt werden, die dem eigenen Umfeld — bis auf wenige Ausnahmen Papa und Mama oder nur Papa oder nur Mama oder ein leiblicher und ein Stiefelternteil verschiedenen Geschlechts — auch nicht nur ansatzweise entsprechen. Dafür ist mit der ausklingenden Pubertät, also ab Klasse 9, noch Zeit genug. Die wenigen Ausnahmen eines schon früher bemerkten „falschen“ Geschlechts und entsprechend massiven Problemen damit, sind beim Psychologen besser aufgehoben als in einem halbgaren Vielfaltunterricht, der bei zu jungem Alter der Schüler eher zu Gelächter führt und damit die Probleme des betroffenen Schülers noch weiter verstärkt.

    „Erziehung zum Umgang mit Vielfalt und zur Toleranz ist damit auch ein Beitrag zur Friedenserziehung und für die Verwirklichung einer inklusiven Gesellschaft.“
    Das finde ich sehr weit hergeholt. Da Toleranz nicht mehr bedeutet als Duldung habe ich mein Ziel erreicht, wenn meine Schüler anders geartete sexuelle Orientierungen ohne sie in jeglicher Weise zu werten als solche stehen lassen. Mit Friedenserziehung und Inklusion hat das eher wenig zu tun.

    • Ihren Ausführungen stimme ich voll und ganz zu. Danke!

    • Ankündigung des Buches von Ulrich Kutschera „Das Gender – Paradoxon“ für Ende Februar:

      http://www.lit-verlag.de/isbn/3-643-13297-0

    • @ XXX

      „Als Sportlehrer hätte ich keine Probleme mit Bodengymnastik, aber sehr große Probleme mit Beckenbodengymnastik ohne meinen Arbeitsplatz zu riskieren.“

      Niemand wird von Ihnen Beckenbodengymnastik mit Jugendlichen verlangen, was für ein Gedanke. Das hat auch mit der Leitlinien und den zu erlernenden Kompetenzen überhaupt nichts zu tun. Das, was der Bildungsplan will, hat auch mit Sexualpädagogik nichts zu tun – das sind zwei vollkommen verschiedene Stiefel, die immer wieder fälschlicherweise zusammengebracht werden.

      „Wenn das tatsächlich so wäre, hätte es diesen sexualisierten Bildungsplan niemals in die Plenarsäle der Politiker und damit erst recht nicht in die Lehrpläne der Schulen geschafft — es sei denn, irgendwelche mächtigen Unternehmen sehen kommerzielle Vorteile in dem Genderwahn.“

      Tja, in manchen Parteien in diesem Land spielen Menschenrechte, Gleichheit, Antidiskriminierung und Minderheitenschutz (der keine Mehrheitsbeschränkung ist!) eine größere Rolle, in manchen eine (wesentlich) geringere. Schauen sie doch mal, wer in BaWü gerade regiert und wer somit bestimmte Themen stärker pusht als es vorher getan wurde.

      „Richtig. Der heterosexuelle junge Mensch soll auch genau das äußern dürfen ohne von irgendwelchen erhobenen Zeigefingern rektal oder wo auch immer aufgespießt zu werden.“

      Da muss ich jetzt nichts zu sagen, oder?

      „Ebenso soll den sehr jungen Menschen nicht schon sofort eine Lebensweise aufgedrückt werden, die dem eigenen Umfeld — bis auf wenige Ausnahmen Papa und Mama oder nur Papa oder nur Mama oder ein leiblicher und ein Stiefelternteil verschiedenen Geschlechts — auch nicht nur ansatzweise entsprechen.“

      Niemand drückt den sehr jungen Menschen eine Lebensweise auf. Sie sollen machen, was sie wollen und sich dabei wohlfühlen, ohne von anderen schief angeschaut zu werden. Das soll aber für ALLE gelten, nicht nur für die „normalen“ Kinder. Um mehr geht es schlicht nicht – Normalität für alle!

      „Dafür ist mit der ausklingenden Pubertät, also ab Klasse 9, noch Zeit genug.“

      Nun, bis dahin ist „schwul“ schon lange das meistgenutzt Schimpfwort auf dem Schulhof .

      „Die wenigen Ausnahmen eines schon früher bemerkten „falschen“ Geschlechts und entsprechend massiven Problemen damit, sind beim Psychologen besser aufgehoben als in einem halbgaren Vielfaltunterricht, der bei zu jungem Alter der Schüler eher zu Gelächter führt und damit die Probleme des betroffenen Schülers noch weiter verstärkt.“

      „Falsch“ ist kein Geschlecht und auch kein Begehren. In einer Welt, in der Heterosexualität „richtig“ ist und Bi- oder Homosexualität „falsch“, gibt es immer eine Mehrheit, die der Minderheit ihre Vorstellung von „richtig“ und „falsch“, also von normal und anormal aufdrückt. Das es in dieser Beziehung kein richtig oder falsch gibt, sondern nur Individualität, und das die in jedem Fall in Ordnung ist und respektiert gehört, wäre die zentrale Lehre.

      „Da Toleranz nicht mehr bedeutet als Duldung habe ich mein Ziel erreicht, wenn meine Schüler anders geartete sexuelle Orientierungen ohne sie in jeglicher Weise zu werten als solche stehen lassen. Mit Friedenserziehung und Inklusion hat das eher wenig zu tun“

      Andere sexuelle Orientierungen „ohne sie in jeglicher Weise zu werten als solche stehen zu lassen“ ist ja genau das Ziel! Man soll ja Schwule nicht auf einmal irgendwie toll und besonders gut finden, weil sie schwul sind, das verlangt doch niemand. Sie sollen einfach akzeptiert und nicht mehr abgewertet, beschimpft, ausgegrenzt, diskriminiert, geschlagen, gedehmütigt, umgebracht werden. Sie sollen als Normalität und Teil der Gesellschaft bgelten. Mehr will niemand.

      Und wenn das keine „Friedenserziehung“ ist (zumindest bezogen auf EIN Konfliktfeld in dieser Gesellschaft), was denn dann?

      Und wie weiter unten schon geschrieben: Bemi Bildungsplan geht es um eine breite Definition von Vielfalt. Ihn nur auf sexuelle Orientierung wäre grob verkürzend und damit verfälschend.

      Der konstruktive Umgang mit Vielfalt stellt eine wichtige Kompetenz für die Menschen in einer zunehmend von Komplexität und Differenziertheit geprägten modernen Gesellschaft dar. In der modernen Gesellschaft begegnen sich Menschen unterschiedlicher Staatsangehörigkeit, Nationalität, Ethnie, Religion oder Weltanschauung, unterschiedlichen Alters, psychischer, geistiger und physischer Disposition sowie geschlechtlicher Identität und sexueller Orientierung. Kennzeichnend sind Individualisierung und Pluralisierung von Lebensentwürfen.“

      http://www.km-bw.de/KULTUSPORTAL-BW,Lde/Startseite/schulebw/Rahmenvorgaben_Eckpunkte#anker1855083

  14. Satire, wieso Satire? Ich habe mich zum Thema „sexuelle Vielfalt“ bislang ja noch gar nicht geäußert. Ich schreibe hier, was ich meine – und nicht für irgendeine Schublade.

    Mir erscheint das Thema Sexualerziehung extrem ideologisch aufgeladen – und zwar von beiden Seiten. Thema sexuelle Vielfalt: Natürlich gibt es in unserer Gesellschaft nach wie vor eine Diskriminierung von Homosexuellen, allerdings bei weitem nicht mehr in dem Ausmaß von vor 20, 30 Jahren. Prinzipiell trifft das auf jede Minderheit zu, ob Moslems, Juden oder Behinderte oder meinetwegen auch Transsexuelle. Sich jetzt davon eine Gruppe herauszupicken und für sie einen fächerübergreifenden Toleranzlehrplan zu stricken, halte ich allerdings für wenig zielführend – eher für unfreiwillig komisch: Matheaufgaben á la „Sitzt Klein-Horst mit Papa und Papa am Frühstückstisch und jeder isst zwei Brötchen“ helfen keinem Schwulen, sich gegen Alltagsdiskriminierung zu wehren. Allerdings wird dadurch auch kein Schüler schwul. Daraus wiederum Sodom und Gomorrha abzuleiten, wie’s die Bildungsplangegner tun, ist im Zeitalter von jedermann zugänglichen Gratis-Pornos ähnlich albern.

    Sehr viel ernstzunehmender ist für mich die Debatte, ob in der Grundschule überhaupt Sexualerziehung stattfinden soll. Hier wird von Familienideologen versucht, eine über Jahrzehnte überaus erfolgreiche pädagogische Arbeit kaputtzumachen. Sexualität und Interesse an sexuellen Fragen fangen doch nicht in der Sek I. erst an, zumal Kinder immer früher in die Pubertät kommen und mit sexuellen Inhalten konfrontiert werden. Hier altersgerecht aufzuklären, ist angesichts dieser Entwicklung ein zunehmend wichtiger Auftrag von Schule – zumal viele Familien das nicht leisten (können).

    • @Bernd
      „Hier altersgerecht aufzuklären, ist angesichts dieser Entwicklung ein zunehmend wichtiger Auftrag von Schule – zumal viele Familien das nicht leisten (können).“

      Ein – wie ich meine – wichtiger Satz. Praktische Übungen – so wie sie Sielert u.a. propagieren – halte ich eben für nicht angemessen. Sie dienen nicht der Aufklärung, sondern stiften eher Verwirrung und Desorientierung.

      • Welche Lehrerin, welcher Lehrer macht denn in der Grundschule praktische Sex-Übungen? Die zeigen Sie mir mal …

          • Bitte unbedingt die Kommentare lesen.

          • Sie werfen hier ständig alles in einen Topf, mehrnachdenken.

            Frau Tuider ist eine Wissenschaftlerin – und sie selbst sagt, gefragt warum in ihrem Buch „Sexualpädagogik der Vielfalt“ Wörter wie Taschenmuschi oder Gangbang vorkommen: „Unser Ansatz ist: Die Jugendlichen geben die Themen vor – nicht die pädagogisch Tätigen. Und machen wir uns nichts vor: 70 Prozent der 13-jährigen Jungs und 30 Prozent der Mädchen sehen regelmäßig Pornografie – und haben Fragen dazu. Ob eine Schülergruppe über Prostitution, Oralverkehr oder Schmetterlinge im Bauch reden will, entscheidet sie selbst. Die Fachkräfte, die zumeist von außen in die Schulen kommen, finden in unserem Buch dann Vorschläge für Übungen, um mit den Teenagern darüber ins Gespräch zu kommen. Grundregel ist: Jeder und Jede kann jederzeit aussteigen. Und Lehrpersonen müssen die Methoden auch nicht umsetzen, sie sind nicht verpflichtend.“ (Quelle: Spiegel online) Klingt, ehrlich gesagt, so unvernünftig nicht – betrifft eben auch Jugendliche.

            Der N4t-Beitrag oben beschäftigt sich aber mit der angeblichen „Frühsexualisierung“ – also der Sexualerziehung in der Grundschule. Nochmal: Wann, wie, wo hat es in der Grundschul-Praxis jemals „praktische Übungen“ gegeben wie behauptet? Das ist garantiert wieder so ein Facebook-Märchen, um die Eltern wuschig zu machen. Das Problem ist: Es klappt. Wenn solche Geschichten kursieren, können sich Grundschul-Lehrkräfte warm anziehen, wenn sie beim Elternabend das Thema Sexualerziehung ankündigen. Und so manche/r wird das Thema dann lieber gleich sein lassen.

          • „Sie werfen hier ständig alles in einen Topf, mehrnachdenken.“

            Genau das ist eines der zentralen Probleme in der Debatte. Und mehrnachdenken ist leider ein sehr gutes Beispielt dafür.

            Und das ist eine rein sachliche Feststellung, plan and simple.

    • @ Bernd:

      „Prinzipiell trifft das auf jede Minderheit zu, ob Moslems, Juden oder Behinderte oder meinetwegen auch Transsexuelle. Sich jetzt davon eine Gruppe herauszupicken und für sie einen fächerübergreifenden Toleranzlehrplan zu stricken, halte ich allerdings für wenig zielführend“

      Ich habs je hier schon ein paar Mal geschrieben. Sitzen sie bitte nicht den Verkürzungen auf, die allethalben ins Feld geführt werden. Es geht um eine Vielzahl an Differenzkategorien, nicht nur um „sexuelle Orientierung“.

      „„Sitzt Klein-Horst mit Papa und Papa am Frühstückstisch und jeder isst zwei Brötchen“

      So blöd es sich anhört – genau anhand von z. B. solchen Aufgabenstellung oder eben den passenden Bildern lernen Kinder Normalität kennen, auch wenn Ihre jetzt natürlich schenkelklopferisch formuiliert ist. Das ist natürlich nur ein Aspekt aber die geposteten Klett-Materialien zeigen genau das. Normalität abzubilden und auszusprechen. Da muss und sollte es natürlch nicht stehen bleiben, aber genau Details wären schon mal ein Riesenschritt.

  15. @ Bernd: Die letzten 3 Sätze sagen es. Allerdings wird man schon von Eltern bezüglich dieses Themas „bedroht“, wenn es noch gar nicht zur Debatte steht. Ansonsten geht es mir langsam gegen die Hutschnur, eine tolerante Erziehung bezüglich sexueller Minderheiten überhaupt in den Lehrplan aufnehmen zu müssen. Ich meine, sind wir wirklich alle sooo kleinkariert??? Sind wir nicht schon weiter?

    • Liebe Mississippi,

      im Bildungsplan BaWü geht es ja nicht um die ausschließliche Erziehung bezüglich sexueller Minderheiten sondern eben um „unterschiedlicher Staatsangehörigkeit, Nationalität, Ethnie, Religion oder Weltanschauung, unterschiedlichen Alters, psychischer, geistiger und physischer Disposition sowie geschlechtlicher Identität und sexueller Orientierung.“

      Um alles also, was Differenz und Diversität ausmacht.

      http://www.km-bw.de/KULTUSPORTAL-BW,Lde/Startseite/schulebw/Rahmenvorgaben_Eckpunkte#anker1855083

      (der Link zu den Leitlinien findet sich unten)

      Die Gegner picken sich also einen Aspekt heraus (der mit der höchsten moralischen und auch religiösen verwurzelten Aufladung und damit dem höchsten Mobilisierungspotential – Sexualität!), unterschlagen den Rest (siehe das „Erklärvideo“ der Bildungsplangegner, den mehrnachdenken gepostet hat), vermischen es mit der Diskussion um Sexualpädagogik (von Bernd beschrieben), suchen sich ein bis zwei (arroganten und auf Lehrer*innen herabschauende) Kronzeugen a la Kutschera und hängen allem das große Schild „Genderismus“ um.

  16. Ich antworte mir selber: Solange es genug Eltern mit einer bestimmten politischen Ausrichtung gibt, ist es wohl sinnvoll, allein schon wegen des Bildungs – und Erziehungsauftrags der Schulen.

  17. Ja, aber diese sinnvolle Arbeit wird immer schwerer, je lauter das Getöse der Ideologen ausfällt.

  18. @Mississippi um 11:45
    An welche bestimmte politische Ausrichtung denken Sie?
    Ich bin der Meinung, dass die Schule für oder gegen aktuelle politische Ausrichtungen nicht per Lehrplan eingespannt werden sollte. Das widerspricht dem Bild einer Erziehung zum mündigen Bürger, weil nur er den Erhalt und das Funktionieren unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung gewährleisten kann.
    Für mich gibt es schon seit Jahren eine bedenkliche Zunahme von Meinungsgeboten und -verboten, die immer detaillierter und engmaschiger werden, so dass der fruchtbarer Boden und Freiraum für die Existenz des mündigen Bürgers immer kleiner werden.
    Den meisten Ge- und Verboten ist gemeinsam, dass sie weniger sachlich als moralisch begründet sind – so als herrsche in unserer politischen Landschaft zunehmend Not an sachgerechter Begründung und wachsender Bedarf an Moral als Ersatz.
    Die Gendertheorie mit ihren Thesen würde m. E. ohne ihr moralisches Stützkorsett in sich zusammenfallen und die Sexualpädagogik der Vielfalt überflüssig machen, denn weder die Lehre von den vielen Geschlechtern noch die Lehre von den sexuellen Minderheiten als Hauptopfer von Diskriminierung stimmen.
    Von sexueller Aufklärung im üblichen Verständnis war bei den umstrittenen Bildungsplänen ursprünglich nie die Rede. Es ging immer nur um eine angebliche Erziehung zur Toleranz und um die Bekanntmachung mit den verschiedensten sozialen Geschlechtern – sprich: sexuellen Vorlieben –, damit die Kinder nicht vorzeitig auf die heterosexuelle Schiene gedrängt würden, wenn sie keine oder nur eine unzureichende Vorstellung von den vielfältigen Möglichkeiten des Liebes- und Zusammenlebens hätten. Sie sollten frühzeitig lernen, ihr Geschlecht zu hinterfragen und sich nicht genieren, ruhig mal ein anderes statt des vermeintlichen auszuprobieren.
    Von einer besseren Aufklärung als der durch pornographische Darstellungen im Internet war nie die Rede. Diese Begründung wurde wegen wachsender Proteste erst nachgeschoben und rechtfertigt in den Augen mündiger Eltern noch immer nicht einen aufgeblähten, fächerübergreifenden Unterricht in sexueller Vielfalt – und dann vielleicht auch noch unter der Führung externer „Spezialisten“, von denen keiner weiß, welches oder wessen Interesse sie vertreten.

    • Vielleicht bin ich ja etwas naiv. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass in den Klassenzimmern nach dem Buch von E. Tuider unterrichtet wird.

      • Das hätte ich mir früher ebenfalls nie träumen lassen.
        Auch wenn ich kein großer Freund von wikipedia bin, habe ich diesmal doch kurz reingeguckt und diese Aussage über Frau Tuider gefunden: „2008 veröffentlichte Elisabeth Tuider zusammen mit Stefan Timmermanns das Buch Sexualpädagogik der Vielfalt, das 2012 von einem erweiterten Autorenteam überarbeitet in zweiter Auflage erschien. Es wurde von zahlreichen Institutionen als Unterrichtsmaterial verwendet und empfohlen.“
        Auch die GEW veröffentlichte vor wenigen Jahren Unterrichtsmaterial zum Thema. Es schlug so hohe Wellen der Empörung, dass Teile oder das gesamte Werk aus dem Verkehr gezogen wurden.
        Leider habe ich mir nichts davon kopiert, doch vielleicht haben andere user hier noch einen Zugang zu dem Material oder einiges davon gespeichert.
        Ja, die kleinen Sünden glauben wir, aber wenn es ins Monströse geht, weigert sich das Hirn zu glauben, obwohl die Frage doch auf der Hand liegt, warum so viele Eltern alarmiert sind oder warum der Unterricht in sexueller Vielfalt plötzlich so überragend wichtig ist?
        Glauben Sie wirklich, alle protestierenden Eltern hätten eine fragwürdige „bestimmte politische Einstellung“? Ich wundere mich immer wieder, wie leicht es heutzutage ist, Meinungen und Menschen kalt zu stellen durch Beschimpfung und Einordnung in falsche Kathegorien. Zu wenige machen sich die Mühe, mal den Befürchtungen und Kritiken nachzugehen.

    • „Von sexueller Aufklärung im üblichen Verständnis war bei den umstrittenen Bildungsplänen ursprünglich nie die Rede. Es ging immer nur um eine angebliche Erziehung zur Toleranz und um die Bekanntmachung mit den verschiedensten sozialen Geschlechtern – sprich: sexuellen Vorlieben –, damit die Kinder nicht vorzeitig auf die heterosexuelle Schiene gedrängt würden, wenn sie keine oder nur eine unzureichende Vorstellung von den vielfältigen Möglichkeiten des Liebes- und Zusammenlebens hätten. Sie sollten frühzeitig lernen, ihr Geschlecht zu hinterfragen und sich nicht genieren, ruhig mal ein anderes statt des vermeintlichen auszuprobieren.
      Von einer besseren Aufklärung als der durch pornographische Darstellungen im Internet war nie die Rede. Diese Begründung wurde wegen wachsender Proteste erst nachgeschoben und rechtfertigt in den Augen mündiger Eltern noch immer nicht einen aufgeblähten, fächerübergreifenden Unterricht in sexueller Vielfalt – und dann vielleicht auch noch unter der Führung externer „Spezialisten“, von denen keiner weiß, welches oder wessen Interesse sie vertreten.“

      So ist es!!

      • Es geht hier aber nicht um Bildungspläne – sondern um die schulische Praxis etwa in NRW, wo es überhaupt keine neuen oder geplanten neuen Richtlinien gibt. Auch wenn Sie schwer begeistert sind, mehrnachdenken: Kommentare hier zu verdoppeln, macht sie nicht themengerechter.

    • Liebe Frau Prasuhn,

      bitte lesen Sie doch mal meinen Post von weiter oben, in dem ich ausführlich das Leitprinzip zitiere bzw. klicken Sie auf den Link bei Zweifeln. Da geht es um sooooo viele andere Dinge als sexuelle Identität und trotzdem wird hier fleißig weiter reduziert, obwohl ein Blick in die Leitlinie auf den ersten Blick klarmacht, dass eine Reduzierung einfach nicht der Wahrheit entspricht.

      Außerdem hier noch ein paar Kommentare zu Ihrem Post:

      „Von sexueller Aufklärung im üblichen Verständnis war bei den umstrittenen Bildungsplänen ursprünglich nie die Rede.“

      Genau! Das wird immer vermischt. Sexuelle Aufklärung und Erziehung zur Respekt und Antidiskriminierung haben mit „Wie ficke ich? Wie ficke ich richtig? Und wie ficke ich schöner?“ nichts zu tun.

      „Es ging immer nur um eine angebliche Erziehung zur Toleranz und um die Bekanntmachung mit den verschiedensten sozialen Geschlechtern – sprich: sexuellen Vorlieben -“

      Ich muss sie enttäuschen, aber das haben Sie schlicht falsch verstanden. In der Diskussion um „gender“, also das soziale Geschlecht, geht es nicht um „sexuelle Vorlieben“, sondern um Erziehung und Sozialisation. Wer was mit wem gerne im Bett macht spielt bei der Debatte dabei überhaupt keine Rolle. Genau hier wird alles undifferenziert in einen Topf geworfen und damit

      „damit die Kinder nicht vorzeitig auf die heterosexuelle Schiene gedrängt würden, wenn sie keine oder nur eine unzureichende Vorstellung von den vielfältigen Möglichkeiten des Liebes- und Zusammenlebens hätten.“

      Schon wieder falsch. Homosexuelle werden schwul und lesbisch geboren und finden das im Laufe ihrer
      Jugend heraus. Wenn Jugendliche aber Heterosexualität und die heterosexuelle Familie in Schule und Gesellschaft als der einzige Normalfall vorgestellt wird, kommt es aus sozialem Druck zu Scham und Verleugnung der eigenen Identität und des eigenen Begehrens, wenn Kinder und Jugendliche merken, dass sie irgendwie anders sind.

      Mein Freundeskreis ist voll von Lesben und Schwulen und genau das höre ich in Gesprächen über deren Jugend immer und immer wieder. Irgendwann kommt dann das „Outing“, das Endlich-dazu-stehen, das Ende der Verleugnung, das Ende des Versteckens und das Auf-sich-nehmen der Konsequenzen in Famlie, Beruf und sozialem Umfeld.

      Wenn Kinder lernen würden, dass „Respekt sowie die gegenseitige Achtung und Wertschätzung von Verschiedenheit“ wichtig sind und das es in Ordnung ist, „die eigene Identität zu finden und sich frei und ohne Angst vor Diskriminierung zu artikulieren.“, dann wären vielen meiner Freund*innen genau das in ihrer Jugend erspart geblieben (Zitate aus der Leitlinie des Bildungsplans).

      Und genau damit sie akzeptieren lernen, dass es auch noch anderes als Heterosexualität gibt (ohne das ihnen damit irgendwer verbieten oder ihnen aberziehen wollen würde, genau das zu sein!), braucht es eine Thematisierung in der Schule. Die Welt ist ist nicht schwarz/weiß, die Welt hat viele Schattierungen. Wenn man das nicht früh anfängt zu lernen und auch damit umzugehen, macht man diejenigen nieder, die nicht ins eigene Bild passen, weil man nicht gelernt hat, sie zu akzeptieren.

      „Sie sollten frühzeitig lernen, ihr Geschlecht zu hinterfragen und sich nicht genieren, ruhig mal ein anderes statt des vermeintlichen auszuprobieren.“

      Und nochmal falsch. Sie sollen nicht ihr Geschlecht hinterfragen sondern ihre Geschlechterrolle, also den sozialen Aspekt, also das, wozu sie erzogen werden. Männer kommen nicht hart und cool auf die Welt und gehen lieber arbeiten als die Kinder zu hüten. Und Frauen sind auch von Natur aus nicht weich, weinerlich und emotional, machen lieber „Frauenberufe“ oder schütteln ihr langes Haar auf diese ganz bestimmte „weiblche“ Art zur Seie. All das lernen sie.

      „und dann vielleicht auch noch unter der Führung externer „Spezialisten“, von denen keiner weiß, welches oder wessen Interesse sie vertreten.“

      Tja, was für ein Interesse haben Sexualpädagog*innen wohl? Wofür werden sie ausgebildet? Wofür bekommen sie ihr Geld? Was wird wohl von ihnen erwartet und entsprechend kontrolliert, wenn sie in Schulen gehen und mit Jugendlichen arbeiten?

      Vielleicht (für die) Aufklärung über Sexualität?

      Und hier noch einmal der Link zu einem sehr guten Artikel in der ZEIT, der den Irrsinn der Debatte auf den Punkt bringt und mit die Fehlvorstellungen der „Antigenderisten“ anspricht. Aber egal, wie oft man darauf hinweist, dass das, was unterstellt wird, überhaupt nicht den Aussagen entspricht: die Idee des „Genderismus“ und damit die Antigenderisten sind in der Welt und eine Debatte, die sich an konkreten Äußerungen, Wortlauten, Konzepten und Wissenschaftlichkeit orientiert, ist damit quasi unmöglich geworden.

      http://www.zeit.de/kultur/2015-07/gender-studies-feminismus-10nach8/seite-2

      „Niemand, der sich ernsthaft mit Geschlechterforschung oder Gleichstellungspolitik beschäftigt, geht davon aus, dass wir immaterielle Wesen sind, die sich gänzlich nach Gusto selbst konstruieren, oder dass es keine körperliche, biologische, materielle Grundlage für die Menschen, so wie sie sind, gibt. Selbst die ungern gelesene aber gerne ablehnend erwähnte Judith Butler nicht. Auch behauptet niemand, dass es keine Unterschiede gäbe. Gerne nachgedacht wird hingegen darüber, welcher Art die Unterschiede zwischen den Menschen sind und was aus ihnen folgt.“

      • Im Freundeskreis und in der Familie habe ich mitbekommen, wie schwer das Coming-out für Homosexuelle ist. Aber ist es wirklich nötig, dieses Thema in der Schule derart in den Focus zu stellen, wie es sich hier anhört? Kann sich doch eventuell gegenteilig auswirken? Lehrpläne dazu habe ich allerdings nicht vor Augen. Hilft das denn den Betroffenen?

        • Ich denke ja eher, dass es die Debatte darum viel mehr in den Mittelpunkt stellt, als es dann später in der Schule passieren wird.

          Haltung und Äußerungen der Lehrkräfte, Bilder, Formulierungen, gelegentliche Thematisierungen – genau wie für alle anderen Differenzkategorien.

          Es geht nicht um ein Predigen sondern um eine Aufnahme ins Normalitätsverständnis.

          • Und warum? Weil es um Sexualität geht.

            Außerdem ist auffällig, wie stark evangelikale Gruppen im ganzen Diskussionsprozess aktiv sind und warum das Thema so auf die sexuelle Vielfalt reduziert wird.

            Es geht ums grundlegende Verständnis von Homosexualität aus Sicht der Kirchen, vor allem der evangelikalen Gruppen, die ja auch in den USA ganz besonders laut gegen alles wettern, was sich nicht in der Bibel finden finden lässt.

            Adam und Eva sind das Vorbild, Homosexualität ist Sünde und gegen Gott. Genau hier geraten sie dann auch mit demokratischen Grundwerten wie Gleichheit aneinander. Was nicht von Gott gewollt ist, darf auch nicht gleich sein.

            Ich kann jedem, der wissen will, warum diese Debatte mit dieser Heftigkeit geführt wird nur empfehlen, sich mal die Bibelzitate zur Homosexualität anzuschauen.

            https://de.m.wikipedia.org/wiki/Bibeltexte_zur_Homosexualit%C3%A4t

            Je wortgetreuer solche Glaubenstexte ausgelegt werden, desto weniger kompatibel sind sie mit Menschenrechten und demokratischen Grundwerten.

  19. Interessant – und mal wieder bezeichnend: Sie beklagen sich über Meinungsgebote und -verbote. Und erlassen im nächsten Absatz gleich selber welche.

  20. @ Bernd 17.40: Gerade aktuell!!!

    • Ich denke, wir sind uns hier einig. Diese andauernden Behauptungen ohne konkrete Belege, flankiert vom Geschrei „Skandal, Skandal“, nerven echt. Lässt sich in Deutschland eigentlich noch sachlich über irgendwas diskutieren? Mein Eindruck: Es wird immer schlimmer, immer hysterischer. Die Ärzte müssten derzeit gut zu tun haben – bei dem Bluthochdruck überall.

    • Von meiner Seite aus kann ich nur sagen, Sie haben all mein Verständnis für Ihre Meinung, wenn Sie denn später nicht sagen: So habe ich mir das aber nicht vorgestellt.
      Nach Einführung der Inklusion und persönlichen Erfahrungen damit gibt es heute viele desillusionierte Reaktionen. Mein Verständnis gehört aber nur Lehrern, die zur Inklusion verdonnert wurden und sie nicht begrüßt haben.
      In beiden Fällen gab es Bedenken genug, aber immer wurden Warner und Kritiker in die Ecke von „Schäm dich!“ gestellt.
      Wer umstrittenen Dingen im Vorfeld nicht auf den Grund geht und lieber glauben statt wissen will, hat Enttäuschungen meiner Meinung nach verdient.
      Nach vielen Berufsjahren bin ich zu dem Schluss gekommen, dass viele Lehrer selbst schuld sind an dem, was in der Schule und im Beruf enttäuschend verläuft. Sie müssten oder könnten vieles besser wissen und im Vorfeld mitprotestieren, aber nein, dies wäre schädlich fürs persönliche Image. Das könnte ja als konservativ, also rückständig und fortschrittsfeindlich ausgelegt werden. Für die Imagepflege tun viele Lehrer fast alles. Tut mir leid, aber das ist meine enttäuschende Erfahrung.

  21. Nur noch mal zur Erinnerung, was „Bernd“ geschrieben hat:

    Bernd
    7. Februar 2016 um 20:11

    „Hier gehen zwei Themen durcheinander. Das eine ist die seit Jahrzehnten auch in den Grundschulen praktizierte Sexualerziehung, die plötzlich angefeindet wird. Das andere sind Bestrebungen, „sexuelle Vielfalt“ stärker in Lehrplänen und fächerübergreifend zu verankern. Hier sind offenbar auf beiden Seiten Ideologen unterwegs, die den Lehrkräften das Leben schwer machen. Beide Seiten des Spektrums versuchen, ihre jeweiligen persönlichen Vorlieben in den Unterricht zu tragen und die Schulen zum Schlachtfeld für weltanschauliche Auseinandersetzungen zu machen. Dem sollte man nicht auf den Leim gehen.

    Warum lässt man die Schulen nicht einfach ihre so erfolgreiche Arbeit weitermachen, bestenfalls ergänzt durch mehr personelle Ressourcen? Wir haben ein relativ niedriges Niveau an Teenager-Schwangerschaften, junge Menschen gehen Studien zufolge trotz der Porno-Flut im Internet sehr verantwortungsvoll mit ihrer Sexualität um – wo ist also das Problem? Lasst die Lehrerinnen und Lehrer endlich mal in Ruhe!“

    • Bernd
      8. Februar 2016 um 10:23

      „Satire, wieso Satire? Ich habe mich zum Thema „sexuelle Vielfalt“ bislang ja noch gar nicht geäußert. Ich schreibe hier, was ich meine – und nicht für irgendeine Schublade.

      Mir erscheint das Thema Sexualerziehung extrem ideologisch aufgeladen – und zwar von beiden Seiten. Thema sexuelle Vielfalt: Natürlich gibt es in unserer Gesellschaft nach wie vor eine Diskriminierung von Homosexuellen, allerdings bei weitem nicht mehr in dem Ausmaß von vor 20, 30 Jahren. Prinzipiell trifft das auf jede Minderheit zu, ob Moslems, Juden oder Behinderte oder meinetwegen auch Transsexuelle. Sich jetzt davon eine Gruppe herauszupicken und für sie einen fächerübergreifenden Toleranzlehrplan zu stricken, halte ich allerdings für wenig zielführend – eher für unfreiwillig komisch: Matheaufgaben á la „Sitzt Klein-Horst mit Papa und Papa am Frühstückstisch und jeder isst zwei Brötchen“ helfen keinem Schwulen, sich gegen Alltagsdiskriminierung zu wehren. Allerdings wird dadurch auch kein Schüler schwul. Daraus wiederum Sodom und Gomorrha abzuleiten, wie’s die Bildungsplangegner tun, ist im Zeitalter von jedermann zugänglichen Gratis-Pornos ähnlich albern.

      Sehr viel ernstzunehmender ist für mich die Debatte, ob in der Grundschule überhaupt Sexualerziehung stattfinden soll. Hier wird von Familienideologen versucht, eine über Jahrzehnte überaus erfolgreiche pädagogische Arbeit kaputtzumachen. Sexualität und Interesse an sexuellen Fragen fangen doch nicht in der Sek I. erst an, zumal Kinder immer früher in die Pubertät kommen und mit sexuellen Inhalten konfrontiert werden. Hier altersgerecht aufzuklären, ist angesichts dieser Entwicklung ein zunehmend wichtiger Auftrag von Schule – zumal viele Familien das nicht leisten (können).“

      Ich stimme beiden Kommentaren zu. Wo ist also das Problem?

        • Zitat: “
          So hat der Staat auch darauf zu achten, dass kritische Stimmen von Eltern, Lehrkräften oder anderen engagierten Bürgern nicht pauschal in eine Anti-Ecke zu stellen sind.
          Ergänzend geht es darum, nicht einer kleinen, gesellschaftlichen Interessengruppe über KiTa und Schule einen Zugang zur Beeinflussung von Kindern zu ermöglichen. Wird dies nicht gestoppt, fühlen sich schon bald alle möglichen Gruppierungen berufen, ebenfalls so zu agieren.“

      • Ich sehe auch kein Problem, wir könnten das Thema einfach so beenden, ohne „mehr(darüber)nach(zu)denken.“

      • Das Problem, lieber mehrnachdenken, liegt darin, dass Sie (und beileibe nicht nur Sie) Behauptungen, Kinder müssten im im Grundschulunterricht bzw. in der Kita am Po von Mitschülern riechen oder ein Lehrplan schreibe das Thema Analsex vor, unreflektiert übernehmen und in die Debatte schmeißen. Mal zur Erinnerung, was Sie geschrieben haben:

        „Wo bleibt aber die Individualität, wenn bereits junge Grundschüler im Sinne der „sexuellen Viefalt“ unterrichtet werden? Einige sind vielleicht neugierig, anderen ist es egal und manche ekeln sich, und sie übergeben sich, wenn sie am Po eines anderen Kindes riechen sollen. Jedes Kind entwickelt sich anders, und deshalb stellen die Kinder auch zu unterschiedlichen Zeiten verschiedene Fragen zur Sexualität.“

        Es gibt aber keine Grundschule in Deutschland – belegen Sie das Gegenteil! -, in der ein Kind am Po eines anderen riechen muss. Selbst wenn das irgendwo in irgendeinem Buch von irgendjemandem gestanden hat, heißt das noch lange nicht, dass das schulische Praxis wäre. Genau das wird aber daraus gemacht – Herr Wolf, CDU-Spitzenkandidat von Baden-Württemberg, greift es auf („in den Schulen wird zu viel Sex gelehrt“), die Bild-Zeitung greift es auf („in einschlägigen Lehrbüchern sollen Schüler ihr Traum-Bordell entwerfen oder überlegen, welche Körperöffnungen alles zum Sex taugen könnten“). So wird die Debatte um einen möglichen künftigen (!) Lehrplan in Baden-Württemberg zu einer Debatte, die die Schulen in ihrer guten und seit Jahrzehnten praktizierten Sexualerziehung behindert.

        Stellen Sie einfach klar: Ich weiß von keiner konkreten Schule, in der Kinder am Po von anderen riechen müssen (oder ähnliche Versuche unternehmen) und diskutiere hier nur die hypothetische Möglichkeit, dass das mal so sein könnte – oder belegen Sie die Behauptung. Dann haben wir keinen Dissenz mehr.

        • Sorry, Ihre hier zur Schau gestellte Unwissenheit oder fast schon Naivität in Sachen „Frühsexualisierung“ grenzt schon fast an eine gezielte Verdummung der versammelten Leserschaft.

          Ich begreife mich nun nicht als Ihren medialen „Laufburschen“, der für entsprechende Nachweise zuständig ist, aber Sie brauchen nur unter dem Stichwort „Frühsexualisierung“ zu googlen und schon stoßen Sie auf aufschlussreiche Quellen.
          So wie ich Sie einschätze, werden Sie diese aber umgehend für unseriös halten oder aus einer „bestimmten Ecke“ kommend brandmarken und ablehnen.
          Die Geschichte mit dem „Po“ scheint Sie ja nicht loszulassen. Dabei war das die Aussage eines Vaters, die Sie aber natürlich als nicht seriös und beweiskräftig beiseite schieben.

          Zum Schluss: Natürlich haben alle Leute, die sich gegen den Bildungsplan, gegen den Sexualkundeunterricht in Form der sexuellen Vielfalt und gegen die seuchenartige Verbreitung der Gender – Ideologie in unserer Gesellschaft zur Wehr setzen einen gehörigen Knall und natürlich sind sie politisch fern gesteuert.

          Was einzig zählt und gilt, sind die „Wahrheiten“ von „Bernd“ und „Georg“.

          • *facepalm*, merhnachdenken.

            Ich für meinen Teil liefere wenigstens Belege für mein „Wahrheit“ und argumentiere anhand von Originalquellen, Zitaten, etc. Das geht Ihnen ja im Gegensatz dazu ja quasi völlig ab.

            Das machts natürlich einfach und man hat mehr Zeit für’s Unterstellen und das Posten von Videos, die offensichtlichen Verkürzungen verbreiten.

  22. @Bernd
    Sie schreiben: „So wird die Debatte um einen möglichen künftigen (!) Lehrplan in Baden-Württemberg zu einer Debatte, die die Schulen in ihrer guten und seit Jahrzehnten praktizierten Sexualerziehung behindert.“
    Umgekehrt wird ein Schuh draus: „So wird die Debatte um einen neuen Lehrplan in Baden-Württemberg mit dem Schwerpunkt ‚Unterricht in sexueller Vielfalt‘ zu einem Muss für alle, die die gute und seit Jahrzehnten praktizierte Sexualerziehung beibehalten wollen.“
    Wenn Sie die „seit Jahrzehnten praktizierten Sexualerziehung“ in BW loben, können Sie doch nicht gleichzeitig dafür eintreten, dass er zugunsten eines neuen Bildungsplans mit gravierenden Veränderungen abgeschafft wird.
    In der Hoffnung, dass sich jede Seite verstanden fühlt und Ihre offensichtlichen Widersprüche nicht merkt, wechseln Sie wie ein Chamäleon die Farbe.
    Hauptsache, die Proteste gegen den lobbyistischen Bildungsplan werden als unbegründet dargestellt und die Kritiker als prüde, ultrakonservativ, religionsfanatisch, homophob oder rechts(extrem).

  23. Frau Prasuhn, ich trete überhaupt nicht für einen neuen Lehrplan ein – im Gegenteil, ich habe oben bereits ausgeführt, dass ich ihn für ziemlich albern halte. Lesen Sie eigentlich nur Ihre eigenen Kommentare?

    Mehrnachdenken, wenn ich google, bekomme ich einen Haufen Mist – nämlich unbelegte Behauptungen, die wie bei der „stillen Post“ immer abenteuerlicher werden. Nochmal: Wo sind Ihre seriösen Quellen, ihre Belege dafür, dass eine „Frühsexualisierung“ im beschriebenen Sinne in Grundschulen aktuell stattfindet? Ein Aktivist, der irgendwas allgemeines behauptet, ohne auszuführen: was ist konkret wann wo passiert, ist keine seriöse Quelle. Gibt es in Deutschland Medienberichte über konkrete Klagen von betroffenen Eltern? Ist irgendwo in Deutschland die Schulaufsicht konkreten Beschwerden von Eltern nachgegangen? Wenn ja: Mit welchen Ergebnissen? In welchem Bundesland soll Analsex im Lehrplan stehen? Keine Antworten sind auch eine Antwort.

    Auf diese Art stellen Sie Zehntausende von Grundschullehrkräften, die hier eine tolle Arbeit leisten, unter den Generalverdacht, letztlich perverse Spinner zu sein, die ihre privaten Obsessionen in den Unterricht tragen. Und die Kolleginnen und Kollegen vor Ort müssen einen solchen Quatsch ausbaden.

  24. @mehrnachdenken

    Wenn ich „Frühsexualisierung“ bei Google eingebe, komme ich auf folgende Treffer:

    1. Frau gegen Mann = Familienzerstörung
    Politik in Deutschland: Willkommenskultur für Migranten, Abtreibungs­kultur für Ungeborene, Zerstörungs­kultur für Familien
    2. Frühsexualisierung – Die Pimmel-Puppen-Päderasten-Politik: Die neueste Errungenschaft der dekadenten BRD-Politik
    3. Besorgte Eltern – Startseite

    Sind das Ihre „aufschlussreichen Quellen“? Ah, ja…

    • Genau das ist das Problem. Die ganze „Debatte“ ist überhaupt nicht in wissenschaftlicher Forschung, dem Diskurs in der Sexualpädagogik oder der Kinder- und Jugendpsychologie verankert, sonst wäre es auch ein Leichtes, darauf hier in den „Argumentationen“ Bezug zu nehmen. Die ersten vier Seiten an google-Vorschlängen landen fast ausschließlich bei den „Besorgten Eltern“, Katholiken, der Jungen Freiheit, der NPD, den ganzen mutigen Meinungsblogs und seriösen Quellen wie der „epochtimes“.

      Es sind einfach Behauptungen, Behauptungen, Behauptungen, für die sich nicht die Mühe gemacht wird, irgendwelche fundierten Nachweise zu liefern und wo man auch nicht zwischen Sexualpädagogik und den Inhalten des Bildungsplans differenzieren muss, weil es eeh alles „Gender-Wahn“ und „Ideologie“ ist und sowieso den selben Ursprung hat. Deshalb ist das hier auch keine Debatte, sondern eine Farce.

      Aber wie gesagt: Ideologen sind immer die anderen.

  25. Wer jemals Aufklärungsunterricht in der Grundschule gemacht hat, weiß, dass beide Seiten (Schüler/innen und Lehrer/innen) dem Thema etwas schüchtern und ehrfürchtig gegenüberstehen. Okay, ich spreche für Landschulen. In keinem Unterricht sind die Kinder so still , fühlen sich wichtig, groß und ernst genommen. Die größten Quatschmacher/innen halten den Mund. Die Tür ist zu und klopft es daran, antworten die Schüler/innen, die öffnen: „Bei uns geht es gerade nicht, könnt ihr später wieder kommen.“ Die Szenarien, die hier aufgebaut werden, kann ich mir bei keinem Lehrer, keiner Lehrerin vorstellen. Was denken Sie eigentlich von uns?

    • Es geht nicht um Vorstellung oder Glauben, sondern um geplante Tatsachen. Die kann man wegschieben oder auch nicht.
      Außerdem soll der neue Sexualunterricht auch durch außerschulische Leute stattfinden, weil damit gerechnet wird, dass zu viele Lehrer Hemmungen haben und sich zu manchem nicht in der Lage fühlen. Auch diese Tatsache kann ignoriert werden und so getan, als bliebe alles in etwa beim Alten.
      Wer verharmlosen will, soll das tun. Andere tun es eben nicht und meinen: Lieber vorher versuchen zu verhindern als hinterher dumm dastehen.

      • „sondern um geplante Tatsachen“

        Na dann bin ich gespannt auf einen Nachweis der geplanten Tatsachen.

        „Außerdem soll der neue Sexualunterricht auch durch außerschulische Leute stattfinden, weil damit gerechnet wird, dass zu viele Lehrer Hemmungen haben und sich zu manchem nicht in der Lage fühlen.“

        Was gibt es daran auszusetzen? Es hört sich für mich nach einer Win-Win Situation an. Ausgebildete und in ihrem Handeln nach Konzepten und festgelegten kontrollierte Sexualpädagog*innen bearbeiten mit den Kids an einem Thema, beim dem Lehrkräfte Hemmungen haben.

        Denen gibt doch niemand Geld, um an staatlichen Schulen fest eingeplanten Unterricht zu geben, ohne auf das ein Auge zu haben, was in diesen Seminaren passiert. Sonst werden doch auch überall Fachleute in den Schulen gefordert. Aber in diesem Bereich geht plötzlich das große Bangen los.

        Oder habe ich Sie falsch verstanden?

        • Wir sind aber nicht immer zufrieden mit den Fachleuten. Das geht schon bei den Damen los, die zur Zahngesundheitserziehung kommen. Und bei allem Respekt, gerade dieses Thema sollen irgendwelche Leute von außen übernehmen?

          • Das man nicht mit allem zufrieden ist, was man so sieht und hört, ist doch klar.

            Aber es geht ja nicht um irgendwelche dahergelaufenen Dödel, die man auf die Kinder los lässt, sondern Fachleute, die dafür speziell ausgebildet wurden, z. B. einen Master in Sexualpädagogik o.ä. zu ihrem Sozialpädagogikstudium drauflegen oder arbeitsintensive berufsbegleitende Weiterbildungen machen.

            Ein Freund von mir macht beides und ich bin mir sicher, dass er zu dem Thema mit Kindern und Jugendlichen anders arbeiten kann als Lehrkräfte, die sich Kenntnisse dazu noch nebenbei draufschaffen sollen.

            Und nein, ich sage nicht, das Lehrkräfte das nicht auch gut können. Aber eine Krankenschwester, egal wie gut sie ist, ist eben keine Ärztin.

  26. Im Moment kann ich als Lehrer/in noch selber entscheiden, ob der Aufklärungsunterricht überhaupt stattfindet. Ob da sooo eine „geplante Tatsache“ auf einmal stattfinden kann? Durch außerschulische Leute??? Hilfe!

    • Ihre Einlassungen sind etwas verwirrend. Einerseits halten Sie viel vom Aufklärungsunterricht, wie er bisher stattfindet, andererseits haben Sie nichts gegen neue Lehrpläne und ziehen die Bedenken vieler Menschen, u. a. auch Lehrerkollegen, ins Lächerliche.
      All diese Leute müssen Ihrer Meinung nach bescheuert sein oder Gespenster sehen. Warum sind Sie ihnen nicht dankbar, denn immerhin stehen die Kritiker mit ihren Ansichten mehr auf Ihrer Seite der Beibehaltung des bewährten Unterrichts als auf der Seite der Erneuerer.

      • Falsch. Aus der Phalanx der Bildungsplangegner kommen eben auch Gruppen wie die „Besorgten Eltern“, die gegen jegliche Form von Sexualerziehung in der Grundschule zu Felde ziehen. Das ist doch das Problem: Politiker, zum Beispiel Herr Wolf, springen auf den Zug auf und meinen plötzlich, in der Grundschule müsse Sexualerziehung nicht sein. Dabei war es jahrelang Konsens (und steht ja auch in den Lehrplänen aller Bundesländer), dass Sexualerziehung eben auch schon in der Primarstufe beginnt.

        Ich habe von all den Aktivisten gegen den Bildungsplan noch nie gehört, dass sie die Sexualerziehung in der bisherigen Form (und damit die Lehrkräfte) unterstützen – im Gegenteil: Auf der Seite der Aktivisten der „Demo für alle“ zum Beispiel werden Eltern aufgefordert, im „Unterricht zur sexuellen Vielfalt“ zu hospitieren. Den Bildungsplan gibt es aber noch gar nicht – Eltern werden also gegen die bestehende Sexualerziehung aufgehetzt. Hier wird nicht differenziert, sondern alles in einen Topf geworfen. Wie in diesem Forum eben auch.

        • Es mag sein, dass es „besorgte Eltern“ gibt, „die gegen jegliche Form von Sexualerziehung in der Grundschule zu Felde ziehen.“ Um diese kleine Gruppe geht es aber nicht, wie Sie sehr genau wissen dürften.
          Auch in den folgenden Zeilen betreiben Sie Vermengungs- und Verwirrungsargumentation.
          Wenn Sie diesen Stil, den Sie gern pflegen, als differenzierte Argumentation betrachten, ist es kein Wunder, dass Sie sich über die Beiträge anderer beklagen und frech behaupten, diese würfen alles in einen Topf.
          Von sich auf andere schieben, wird das gemeinhin genannt.

          • Doch, genau darum geht es – lesen Sie einfach den Beitrag oben, zu dem dieses Forum hier existiert.

  27. Hallo Mädels,
    hallo Jungs,
    eine Frage treibt mich um, nachdem ich die, tw. wahrhaft ausführlichen, Kommentare aus Zeitnot nur überflogen habe:
    Seid ihr eigentlich alle in Pension? Oder habt ihr Ferien? Oder seid ihr arbeitslos? Habt ihr keine Freunde, keine Familie oder Hobbys?
    Ehrlich, ich habe nicht soooo viel Zeit, um mich mit einem Thema derart ausufernd zu beschäftigen. Was nicht heißt, dass es mich nicht beschäftigt! Ich fürchte fast, ihr habt tatsächlich sonst nichts zu tun, sorry!

  28. Dann verfolgen Sie, wenn Sie Zeit haben, die Debatte doch einfach nach – sie ist überaus spannend, und viele Beiträge sind sehr lesenswert.

    Herzliche Grüße
    Andrej Priboschek

    Herausgeber News4teachers

    • Guten Abend Herr Priboscheck,

      gestern schrieb ich in diesem Forum einen kurzen Kommentar für „Bernd“, der aber nicht veröffentlicht wurde. Daraufhin probierte ich es erneut. Auch der Beitrag verschwand im Nirgendwo. Daraufhin fragte ich bei Nina Braun nach. Auch nach meiner erneuten Anfrage erhielt ich keine Antwort.
      Vielleicht können Sie mir helfen.

      Im Voraus vielen Dank!

      Beste Grüße
      mehrnachdenken

  29. Lieber mehrnachdenken,

    bei uns ist kein Kommentar mehr unveröffentlicht im System. Wenn er nicht veröffentlicht ist, dann muss das Problem auf Ihrer Seite liegen – alle anderen Kommentare scheinen uns ja zu erreichen.

    Herzliche Grüße
    Andrej Priboschek

    Herausgeber News4teachers

  30. Aktuelle news: Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche ist 2014 wie auch schon in den Vorjahren gesunken. 99.715 Abtreibungen wurden vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden erfasst, das sind 25 Prozent weniger als noch vor zwölf Jahren. Und erstmals seit Beginn der Erhebung haben weniger als 100.000 Frauen abgetrieben. Angelika Wolff von der Diakonie erklärt den Trend so: „Heute ist es keine Schande mehr, unverheiratet Kinder zu bekommen. Und moralisch ist es eher möglich, alleinerziehend zu leben“, sagt sie. Außerdem werde heutzutage besser über Verhütung aufgeklärt. (Quelle: Rheinische Post von heute).

    Warum also trommeln „Anti-Frühsexualisierungs-Initiativen“ gegen die Sexualerziehung in der Schule, wenn sie doch offenkundig so erfolgreich ist? Die AfD-Vize von Storch, in vorderster Front dabei, empfiehlt jungen Menschen allen Ernstes Enthaltsamkeit statt Verhütung – und marschiert gleichzeitig bei Märschen gegen Abtreibungen vorneweg. Und die „Demo für alle“ hetzt Eltern auf, in den Grundschulen bei der Sexualerziehung ihrer Kinder „zu hospitieren“, also den Lehrern Druck zu machen. So etwas ist Heuchelei pur.

    Wenn diese Kampagne erfolgreich ist, wird sie die Abtreibungszahlen wieder nach oben bringen.

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