MÜNCHEN. Ein Beruf ist typisch Frau oder typisch Mann? Genau dieses Denken soll der Girls’ und Boys’ Day eigentlich überwinden – ist aber dennoch geschlechtergetrennt aufgebaut. Ist das noch der richtige Weg? So oder so: Der Realschullehrerverband betont die Relevanz von Berufsorientierung an Schulen.

Ade, Klischee: Der sogenannte Zukunftstag oder Girls’ und Boys’ Day am (heutigen) 23. April soll Kindern und Jugendlichen Einblicke in die Arbeitswelt geben und ihnen vor allem diejenigen Berufsfelder nahebringen, in denen Frauen beziehungsweise Männer unterrepräsentiert sind. Häufig sind Angebote deshalb nach Geschlecht unterteilt.
Ob dieses Modell noch zeitgemäß ist, hinterfragt die Kommission Queere Jugendarbeit des Bayerischen Jugendrings (BJR). Diese kritisiert, es würden dadurch eben die Klischees reproduziert, die es zu überwinden gelte. Zudem würden Kinder und Jugendliche ausgeschlossen, die sich nicht eindeutig in diesen Kategorien wiederfinden.
«Wir wollen diese Aktionstage nicht kleinreden – sie haben viel bewegt und wichtige Debatten angestoßen. Aber ein Format, das Jugendliche zunächst nach Geschlecht sortiert, bevor es Klischees überwinden will, trägt einen Widerspruch in sich, den wir als Bayerischer Jugendring thematisieren wollen», sagt BJR-Präsident Philipp Seitz.
Der Vorsitzende der Kommission Queere Jugendarbeit, Patrick Wolf, sagt: «Ein zeitgemäßer Zukunftstag sollte alle Jugendlichen unabhängig von Geschlecht und Selbstbezeichnung ansprechen und Berufe nicht länger als “Frauen-” oder “Männerberufe” markieren. Die Einladung sollte nach Interesse und Neugier formuliert sein – zum Beispiel: Entdecke Berufe, in denen du dich bisher noch nicht gesehen hast.» Manche Schulen haben eine derartige Neuerung bereits eingeführt, sprechen beispielsweise von einem «Schnupperarbeitstag».
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Dass beim Thema Chancengleichheit und Berufsvorbereitung noch viel getan werden muss, findet auch der Verband Deutscher Realschullehrer (VDR). «Denn noch immer scheinen junge Menschen bei der Berufswahl verfestigten Rollen- oder Geschlechterklischees zu folgen. So entscheiden sich Jungen überdurchschnittlich häufig für technische Berufe wie Elektroniker oder Industriemechaniker, während Mädchen eher soziale oder kaufmännische Berufe wählen», heißt es vom Verband. Auch bei den neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen in der dualen Berufsausbildung zeige sich ein Ungleichgewicht: 2025 waren rund 64 Prozent männlich und nur 36 Prozent weiblich.
«Diese Zahlen zeigen, wie wichtig eine fundierte Berufsorientierung ist», betont der VDR-Vorsitzende Ralf Neugschwender. «Jugendliche stehen vor rund 330 Ausbildungsberufen und etwa 11.000 Bachelorstudiengängen – in diesem kaum überschaubaren Angebot brauchen sie verlässliche Wegweiser.» Berufsorientierung müsse daher als zentrale und systematisch verankerte Aufgabe von Schule verstanden werden – immer unter Einbeziehung der Eltern als wichtige Partner.
Auch die BJR-Kommission Queere Jugendarbeit betont, strukturelle Probleme wie Lohnungleichheit und starre Rollenbilder ließen sich durch einen Aktionstag im Jahr nicht lösen. News4teachers / mit Material der dpa
„Mädchen können Technik“: Ministerin wirbt für Teilnahme an Girl’s- und Boy’s-Day








