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VBE-Chef Beckmann kritisiert personelle Ausstattung von Grundschulen – „Stiefkind“ der Politik

DÜSSELDORF. Die Grundschule ist personell deutlich personell unterversorgt – in Nordrhein-Westfalen jedenfalls. Das ist das Ergebnis einer Analyse des (Landes-)Verbands Bildung und Erziehung (VBE). An der Datenerhebung haben sich 45 Prozent der öffentlichen Grundschulen im bevölkerungsreichsten Bundesland beteiligt. Mehr als jede dritte Grundschule (37,95 Prozent) hat danach nicht die Lehrkräfte, die ihr nach dem vom Land festgelegten Personalschlüssel zustehen. Zwei Drittel der Grundschulen (62,65 Prozent) geben an, dass sie zur Vermeidung von kurzfristigem Unterrichtsausfall keine personelle Reserve haben. Über die Hälfte der Grundschulen beschäftigen Lehrkräfte mit befristeten Verträgen. „Dies ist ein Desaster, wenn man bedenkt, dass sich in der Grundschule die gesamte Talentbreite von Kindern findet. Der hochintelligente Überflieger sitzt hier neben dem Lernbehinderten“, sagt Udo Beckmann, Landes- und Bundesvorsitzender des VBE.

Gewohnt pointiert: VBE-Vorsitzender Udo Beckmann (unlängst auf dem Deutschen Schulleiterkongress). Foto: Susanne Schnabel

Gewohnt pointiert: VBE-Vorsitzender Udo Beckmann (unlängst auf dem Deutschen Schulleiterkongress). Foto: Susanne Schnabel

Bei einer durchschnittlichen Lerngruppengröße von 24,13 Schülerinnen und Schüler wundere es nicht, dass 69,9 Prozent der befragten Lehrkräfte angeben, dass die Schule nicht die Förderung anbieten kann, die die Schülerinnen und Schüler benötigen, um individuell gefördert werden zu können. Das spiegelt sich verstärkt wieder in den Bereichen Inklusion und Integration, auch hier sieht sich jede zweite Grundschule personell nicht in der Lage, das zu leisten, was sie leisten möchte.

Aber nicht nur beim pädagogischen Personal werde die Grundschule im Stich gelassen. Auch beim unterstützenden Verwaltungspersonal beklagen über 50 Prozent der Befragten eine Unterversorgung. Bei einem Drittel (34,61 Prozent) der Grundschulen ist zumindest eine Schulleitungsstelle nicht besetzt. Diese Schulen erhalten eine kommissarische Schulleitung. In einem Viertel der Fälle übernimmt dies ein Team aus Lehrkräften, in den überwiegenden Fällen wird eine Lehrkraft beauftragt, ohne dass sie dafür entsprechend entlohnt wird. „Hier steht im krassen Widerspruch, dass die Landesregierung auf der einen Seite die hohe Bedeutung von Schulleitungen für die Unterrichtsentwicklung und Personalentwicklung betont, auf der anderen Seite bisher nicht die Reformvorschläge, die eine AG des Schulministeriums erarbeitet hat, umgesetzt hat“, heißt es in einer Pressemitteilung des VBE.

Eine Ungleichbehandlung bestehe auch im Bereich der sogenannten besonderen Aufgaben: Neun von zehn Grundschulen, beklagen, dass sie nicht in der Lage sind, ihre Lehrkräfte für besondere Aufgaben wie Steuergruppenarbeit, Lehrerratsangelegenheiten oder Gleichstellungs- und Sicherheitsfragen zu entlasten, was jedoch an jeder weiterführenden Schule möglich ist.

Eine gute Nachricht gibt es der Erhebung zufolge: 48 Prozent der Grundschulen geben eine gute Ausstattung bei den Lehrmitteln an. Beckmann sagt: „Wie aus den Anmerkungen der Befragten hervorgeht, so ist hier vor allem den Fördervereinen zu danken, die dafür sorgen, dass ihre Grundschulen zeitgemäß und modern ausgestattet sind. Durchaus begrüßenswert, doch prinzipiell darf eine Schulausstattung nicht von der Finanzkraft ihres Fördervereins abhängig sein.“

Fazit, so Beckmann: „Die Grundschule ist das Stiefkind der Landesregierung.“ Rot-Grün nutze die hohe Eigenmotivation und das hohe Engagement der Lehrkräfte „schamlos“ aus. Sie honoriere dieses Engagement mit der höchsten Unterrichtsverpflichtung, der schlechtesten Bezahlung, den geringsten Aufstiegschancen, einem nicht vorhandenen Topf an Anrechnungsstunden für besondere Aufgaben und einer fehlenden Wertschätzung von Schulleitungsaufgaben. „Das Ergebnis wundert nicht, denn NRW zeichnet sich seit über zehn Jahren dadurch aus, dass es bei den Bildungsausgaben auf dem letzten Platz liegt. Bei den Bildungsinvestitionen ist noch viel Luft nach oben“, kommentiert Beckmann. Der VBE fordert die Landesregierung auf,“ Anforderungen an die Grundschule und die Ausstattung in personeller, sächlicher und räumlicher Hinsicht in Einklang zu bringen. Dabei werden keine wohlmeinenden Worte erwartet, sondern die kurzfristige Vorlage eines Masterplans Grundschule“. N4t

Zum Bericht: „A 13 für alle“ – GEW erreicht Beförderungen für 2.300 Lehrkräfte, aber nicht an Grundschulen

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