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Nach dem Attentat von Würzburg: Kommunen fordern Islamunterricht an allen Schulen

BERLIN. Die Kommunen, die Schulträger also, haben nach der Terrorattacke in Würzburg die flächendeckende Einführung von Islamunterricht an Schulen gefordert. «Es ist angemessen, Islamunterricht auch an staatlichen oder staatlich kontrollierten Schulen anzubieten», sagte der Hauptgeschäftsführer des Städte- und Gemeindebunds, Gerd Landsberg, der «Rheinischen Post». Dadurch gewinne der Staat mehr Kontrolle über die Erziehung muslimischer Jugendlicher.

Die heilige Schrift der Muslime: der Koran. Foto: rutty / Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Die heilige Schrift der Muslime: der Koran. Foto: rutty / Flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Bei dem Attentäter, der am Montagabend in einem Regionalzug bei Würzburg Mitreisende mit Axt und Messer angegriffen hatte, soll es sich um einen 17-Jährigen Flüchtling aus Afghanistan handeln.

Bereits Ende Mai hatten führende Kirchenvertreter sich dafür eingesetzt, Islamunterricht an Schulen verpflichtend zu machen. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hatte erklärt, das sei die beste Möglichkeit, junge Muslime immun zu machen gegen Versuchungen des Fundamentalismus. Bedford-Strohm sagte: „Sie können zugleich Neues über den Islam lernen – und das auf dem Boden des Grundgesetzes.“  Er sei dafür, dass islamische Verbände wie christliche Kirchen den Religionsunterricht an den Schulen selbst verantworten.  Für die katholische Kirche in Deutschland teilte die Bischofskonferenz angesichts Bedford-Strohms Äußerungen mit, sie habe sich schon vor Jahren für einen islamischen Religionsunterricht «auf der Grundlage der entsprechenden Artikel des Grundgesetzes» ausgesprochen.

Der stellvertretende AfD-Vorsitzende Alexander Gauland nannte den Vorschlag hingegen „irre“.  „Einmal abgesehen davon, dass wir derzeit viel wichtigere Baustellen im Schulunterricht haben, kann es nicht wahr sein, dass ein christlicher Bischof den Islam fördert“, befand Gauland. In Zeiten von massiven Kirchenaustritten sollte sich Bedford-Strohm besser um die Christen kümmern, die ihm in Scharen den Rücken kehrten. Der Bischof sei „kein guter Hirte, sondern ein gefährliches Irrlicht, das das Schiff seiner Gemeinde in bedrohliche Untiefen leitet“.

Laut Kultusministerkonferenz (KMK) bieten zurzeit Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz islamischen Religionsunterricht an. Im Saarland wird ein solcher Unterricht derzeit in den ersten Klassen erprobt. Für die Schulleiterin einer Grundschule in Bonn-Bad Godesberg, die zu den ersten Schulen in Deutschland mit einem solchen Angebot gehörte,  ist der Islamunterricht ein Erfolg, weil er eine „Brücke“ baue. Ihre Erfahrung: „Die Eltern beider Seiten finden es gut, dass so das Miteinander gefördert wird, auch unter den Eltern. Auch muslimische Mütter fühlen sich stärker angenommen, haben mehr Vertrauen, übernehmen auch Aufgaben oder beteiligen sich an Exkursionen.“ News4teachers / mit Material der dpa

Zum Bericht: Theologen: „Der religiöse Analphabetismus ist Fakt“ – auch bei muslimischen Schülern

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