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KMK tagt in Bremen zum Thema Flüchtlingskinder: Lehrkräfte sind knapp – Geld auch

BREMEN. In Bremen tagen die Kultusminister. Sie wollen sich insbesondere mit der Integration von jungen Flüchtlingen befassen – dafür braucht es vor allem Lehrer. Der bundesweite Mangel an Lehrkräften drängt die Länder jetzt in eine Konkurrenzsituation. Dazu kommt: Das Geld ist knapp. Die KMK will den Bund stärker in die Pflicht nehmen. 

Rund 250.000 Flüchtlingskinder kamen 2015 nach Deutschland. Foto: Stephan Rebernik / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Geschätzt mehr als 250.000 Flüchtlingskinder kamen 2015 nach Deutschland. Foto:
Stephan Rebernik / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Vor dem Hintergrund des bundesweiten Lehrermangels setzt Niedersachsen auf eine Einstellungsoffensive zum kommenden Schulhalbjahr. «Wir werden zum 1. Februar noch mal eine sehr große Zahl einstellen, damit wir nicht zum neuen Schuljahr mit einer noch höheren Zahl von Einstellungsmöglichkeiten einer geringeren Bewerberzahl gegenüberstehen», sagte Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) vor dem Beginn der Kultusministerkonferenz (KMK) in Bremen. Kürzlich hatte das Ministerium bekanntgegeben, dass Niedersachsen zum zweiten Schulhalbjahr 1.300 Lehrerstellen ausschreibt.

Auch in anderen Bundesländern herrscht derzeit Pädagogenmangel – eine Ursache ist der Flüchtlingszuzug. Allein niedersächsische Schulen haben in den vergangenen 15 Monaten rund 36 000 Flüchtlingskinder aufgenommen – das entspricht einem halben Ausbildungsjahrgang. Es sei angesichts dieser Entwicklung nicht mehr so leicht, mit länderübergreifenden Bewerbungen Personal zu gewinnen, sagte Heiligenstadt. Die Voraussetzungen für Niedersachsen seien aber gut: «Wir haben sehr attraktive Rahmenbedingungen. Allein die Tatsache, dass wir unsere Lehrkräfte verbeamten, unterscheidet uns von einigen Bundesländern.» So gebe es weiterhin Bewerbungen aus Nachbarländern.

Auch der 17-Punkte-Aktionsplan, den das Kultusministerium im Sommer aufgelegt hatte, entfaltet laut Heiligenstadt seine Wirkung. Der Plan erleichtert Quereinsteigern den Wechsel in den Lehrerberuf. Diese Möglichkeiten sollten auch zum kommenden Schulhalbjahr erhalten bleiben, sagte die Ministerin. Es bleibe zwar die Maßgabe, dass zunächst ausgebildete Lehrkräfte eingestellt werden sollen, bevor die Quereinsteiger zum Zuge kommen. «Wir haben aber auch Standorte, auf die sich keine ausgebildeten Lehrkräfte bewerben. Dort werden wir Quereinsteiger beschäftigen, wenn sie die Voraussetzungen erfüllen.»

Löhrmann: „Gesamtgesellschaftliche Aufgabe“

Nordrhein-Westfalens Schulministerin Sylvia Löhrmann fordert mehr Hilfe vom Bund für die Bildung von Flüchtlingskindern. «Die Kultusministerkonferenz mahnt an, dass es grundsätzlich eine stärkere Unterstützung vom Bund geben muss, denn das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe», sagte die Grünen-Politikerinin Düsseldorf. Die KMK fordere keine bestimmte Geldsumme vom Bund. Kooperationsmöglichkeiten zwischen Bund, Ländern und Kommunen müssten aber intensiviert und auf Dauer angelegt werden.

Die KMK will sich an diesem Donnerstag und Freitag in Bremen über die Bildung von Migrantenkindern austauschen. Auch beim Gespräch mit Migrantenorganisationen soll die Wirksamkeit der bisher von Ländern und Kommunen ergriffenen Bildungs- und Integrationsmaßnahmen auf den Prüfstand gestellt werden.

«Alle wissen: Wenn wir jetzt gut in Bildung investieren, unterstützen wir die Integration», sagte Löhrmann. «Bildung ist der Schlüssel zu gelingender Integration.» Dazu zähle auch die Berufsausbildung. «Wir brauchen dazu eine gute Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern – Kommunen, Gewerkschaften, Arbeitgeberverbänden und Bildungswerken.»

Die KMK will zum Thema Integration durch Bildung auch eine Erklärung beschließen. Nordrhein-Westfalen könne mit drei Beispielen Anregungen für andere Länder geben, sagte Löhrmann. Als erstes Bundesland habe NRW 2009 «Deutsch als Zweitsprache» als Pflichtmodul in der Lehrerausbildung eingeführt. «Da ist NRW Vorreiter. Wir stehen insgesamt gut da, was die Strukturen angeht – vor allem durch unser Netz der kommunalen Integrationszentren.»

Die inzwischen 52 Zentren koordinieren die Integrationsangebote der Kommunen. «Sie beraten und begleiten den Prozess der Integration entlang der gesamten Bildungskette», unterstrich Löhrmann.

Gleichzeitig hätten sich die Schulen auf den Weg gemacht, an die Mehrsprachigkeit der Kinder anzuknüpfen und diese zu nutzen. «Wir müssen auch das Potenzial der Kinder und Jugendlichen betrachten: Was bringen sie mit? Welche Sprachen können sie bereits? Wo können wir ihnen Erfolgserlebnisse verschaffen, damit sie auch hier mit großer Freude ihren schulischen Weg gehen?». News4teachers / mit Material der dpa

Zum Kommentar: Schluss mit dem föderalen Chaos: Wir brauchen endlich einen Masterplan für die schulische Integration der Flüchtlingskinder

 

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