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Reanimationsunterricht soll mehr Leben retten

Die Bereitschaft von Laien, Wiederbelebungsmaßnahmen nach einem plötzlichen Herzstillstand durchzuführen, ist in Deutschland niedrig. Die Angst von Laien, etwas falsch zu machen verhindert oft schnelle und entschiedene Rettungsmaßnahmen. Rettungsdienste fordern deshalb, Reanimation an Schulen zu unterrichten. AGs reichten nicht.

MAINZ. Eine schnelle Reaktion kann im Ernstfall Leben retten: Erste Hilfe sollte nach Ansicht von Rettungsdiensten zum Pflichtfach an Schulen werden. «Reanimation gehört auf den Bildungsplan», sagte Alik Owassapian, Ressortleiterin im Bereich Breitenausbildung beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) Rheinland-Pfalz. Auch die Johanniter fordern ein entsprechendes Angebot. So könne man gerade den jungen Leuten Sicherheit geben, im Notfall Erste Hilfe leisten zu können.

Viele Passanten warten im Zweifelsfall lieber auf die Profis, bevor sie entschlossen eigene Reanimationsmaßnahmen ergreifen. Foto: Rettungssani /Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Viele Passanten warten im Zweifelsfall lieber auf die Profis, bevor sie entschlossen eigene Reanimationsmaßnahmen ergreifen. Foto: Rettungssani /Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Denn die Bereitschaft von Laien, Wiederbelebungsmaßnahmen nach einem plötzlichen Herzstillstand durchzuführen, ist in Deutschland erschreckend niedrig. Gerade einmal 15 Prozent beträgt die Laienreanimationsquote hierzulande nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin. In skandinavischen Ländern liegt die Quote bei über 70 Prozent.

Grund für das zögerliche Einschreiten ist häufig fehlende Praxis und die Angst, etwas falsch zu machen. «Wir merken, dass ein Erste-Hilfe-Kurs zum Führerschein nicht reicht», sagte Owassapian. Die Forderung nach einem Schulfach sei deshalb folgerichtig. Ab der 7. Klasse sollten zwei Schulstunden pro Schuljahr für das Thema eingeplant werden – flächendeckend über alle Schularten.

Der Schulausschuss der Kultusministerkonferenz hatte bereits vor zwei Jahren eine Empfehlung für Erste-Hilfe-Angebote ausgesprochen und den Ländern geraten, Lehrer dafür schulen zu lassen. Nach Angaben des Bildungsministeriums in Mainz würden deshalb zusammen mit Unfallkasse, Schulaufsicht und Rettungsdiensten entsprechende Konzepte entwickelt. 70 Prozent der mehr als 40 000 Lehrer in Rheinland-Pfalz seien bereits in Erster Hilfe geschult. Eine flächendeckende Verankerung von Reanimationskursen sei jedoch «mit nicht unerheblichen Kosten verbunden», hieß es. Auch Owassapian weiß: «Die Hürde liegt in der Bezahlbarkeit.»

Das Ministerium verweist auch auf die Schulsanitätsdienste, die es an vielen weiterführenden Schulen gibt. Erste Hilfe wird dort im Rahmen einer AG angeboten. Dem DRK, das die Angebote an vielen Schulen begleitet, ist das aber nicht genug. Die Sanitätsdienste seien kein Ersatz für ein Pflichtfach, sagte Owassapian. (dpa)

2 Kommentare

  1. Nette Idee, Erste Hilfe als Pflichtfach. Darf man Fragen, welches andere Fach dafür aus dem Stundenplan fliegen soll?
    Sport, Deutsch, Religion, Ethik, Philosophie (die üblichen wenn es mal wieder heißt, Unterricht streichen!) Die entsprechenden Lehrkräfte werden sich bedanken.

    Zu mal einige Dinge der Ersten Hilfe sich auch im barmherzigen Samariter finden :-).
    In den Beruflichen Schulen, insbesondere im berufsbildenen Bereich gehört Erste Hilfe mit auf dem Stundenplan: Fachtheorie: (Hygiene und) Arbeitssicherheit. Dort lernen die SuS, was zu tun und um Himmels Willen zu unterlassen ist.

    • Zwei Schulstunden im wörtlichen Sinne pro Schuljahr sind problemlos leistbar, etwa während einer Projektwoche oder am Schuljahresende nach den letzten Klassenarbeiten / Klausuren. Zwei Wochenstunden sind dagegen illusorisch, wobei ich aber auch nicht glaube, dass die Dame vom DRK das meinte.

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