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Hausaufgaben für die KMK: Beckmann präsentiert Lehrer-Umfrage mit drängenden Problemen an den Schulen – Platz 1: Inklusion und Integration

BERLIN. Bei Umfragen ist es in der Regel interessant zu erfahren, was die Befragten meinen. Bei dieser Umfrage ist am spannendsten, was sie nicht meinen: Das Fehlen einer vernünftigen Ausstattung für Unterricht mit digitalen Lernmitteln – von der ab heute tagenden Kultusministerkonferenz auf Platz eins ihrer politischen Agenda gesetzt – taucht in dem Ranking, das der VBE heute mit Blick auf die KMK-Sitzung in Berlin veröffentlichte, gar nicht auf. Gefragt worden waren Lehrkräfte, was für sie die größten Probleme an ihren Schulen ist. Platz 1 (nicht ganz überraschend): die Umsetzung von Inklusion und Integration.

Bekam heute von VBE-Chef Beckmann Hausaufgaben fürs neue Jahr mit auf den Weg: die Kultusministerkonferenz (Türschild in Berlin). Foto: Uwe Hiksch / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Bekam heute von VBE-Chef Beckmann Hausaufgaben fürs neue Jahr mit auf den Weg: die Kultusministerkonferenz (Türschild in Berlin). Foto: Uwe Hiksch / flickr (CC BY-NC-SA 2.0)

Für die repräsentative  Studie des Instituts forsa waren rund 2.000 Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen offen nach den gravierendsten Schwierigkeiten befragt worden, mit dem sie sich herumzuschlagen haben. Die Antworten konnte frei gesetzt werden. Heraus kam ein Potpourri von Problemen, das zweierlei erkennen lässt: Zum einen sind die Herausforderungen für die Lehrkräfte offenbar so vielgestaltig, dass nicht ein einzelnes Problem heraussticht – sondern, dass es sich um ein Bündel handelt. Ein Drittel der Befragten nannte die Umsetzung von Inklusion und Integration, ein Viertel den Lehrermangel, 15 Prozent das Gebäude und 13 Prozent die Ausstattung. Zudem sagen 14 Prozent der Befragten, dass die Arbeitsbelastung bzw. der Zeitmangel ihnen zu schaffen macht. Weitere 14 Prozent geben an, dass die Zusammenarbeit mit den Behörden  ein Problem ist. Außerdem verweisen 10 Prozent der Lehrkräfte auf die zu großen Klassen.

Schlechte Ressourcenausstattung

Zum anderen hängen die meisten der Nennungen dann letztlich doch mit einer als zu schlecht empfundenen Ressourcenausstattung zusammen – worauf dann auch VBE-Chef Udo Beckmann hinwies. „Die Ergebnisse machen erneut deutlich, dass die größte Herausforderung die Aufgabe ist, ein Maximum an Aufgaben mit einem Minimum an Ressourcen zu erreichen. Anforderungen und Ausstattung stehen schon lange in keinem gesunden Verhältnis mehr. In maroden Schulbauten mit schlechter Ausstattung und zu wenig Personal soll jedes Kind entsprechend der individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten optimal gefördert werden. Die Politik muss einsehen, dass das nicht funktionieren kann“, so kommentierte er die Ergebnisse.

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Einige Punkte ragen allerdings heraus, weil sie nicht (allein) mit mehr Geld für die Schulen zu lösen wären. An erster Stelle sind hier die Beziehungen zu den Eltern zu nennen – von immerhin 15 Prozent der befragten Lehrkräfte als gravierend schlecht angeführt. „Dies führen wir vor allem auf eine fatale Entwicklung zurück: Politik formuliert hohe Anforderungen an die Schulen, lässt sie aber bei der notwendigen Ausstattung im Regen stehen. So stellt sich Frust bei Schülerinnen und Schülern sowie Eltern ein, der sich in erhöhter Gewaltbereitschaft gegenüber Lehrkräften niederschlägt“, erklärte Beckmann. In einer VBE-Umfrage  zu „Gewalt gegen Lehrkräfte“ Ende 2016  war ein Ergebnis, dass 53 Prozent der befragten Lehrkräfte bereits psychische Gewalt von Eltern erlebt haben.

Ein weiteres Ergebnis der jetzt erhobenen Umfrage ist, dass es Probleme mit dem Lernwillen und der Disziplin der Schüler (16 Prozent) und Verhaltensauffälligkeiten (9 Prozent) sowie dem Verhalten der Schüler allgemein (7 Prozent) gibt. Diese Ergebnisse sind schulformspezifisch noch stärker ausgeprägt. Über ein Viertel der befragten Lehrkräfte von Haupt- und Realschulen beklagt den mangelnden Lernwillen, weitere 17 Prozent (Hauptschule) beziehungsweise 12 Prozent (Realschule) Verhaltensauffälligkeiten.  Der VBE-Bundesvorsitzende meint: „Die Zusammenarbeit in multiprofessionellen Teams, insbesondere mit Schulpsychologen, Sonderpädagogen und Sozialarbeitern kann dabei unterstützen, dieses Verhalten in positivere Bahnen zu lenken.“ Mit Blick auf die neue KMK-Präsidentin, die Baden-Württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), erklärte Beckmann: Er erwarte, dass sie die Lösung der von den Lehrkräften genannten Probleme als „Hausaufgaben“ betrachte.

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Die KMK beschäftigt sich heute vor allem mit der von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka aufgebrachten digitalen Agenda, in deren Rahmen fünf Milliarden Euro für die digitale Ausstattung der Schulen vom Bund aufgebracht werden sollen. Dass die Schulen bislang unzureichend für einen Unterricht mit digitalen Lernmitteln ausgestattet sind, ist unstrittig. Nur: Für die Lehrkräfte ist das offenbar kein sonderlich drängendes Problem – es taucht in der VBE-Umfrage nicht auf. Offenbar haben die Kultusminister die Probleme der Lehrkräfte aus dem Blick verloren. Agentur für Bildungsjournalismus

6 Kommentare

  1. Danke für den Artikel!
    Das Ergebnis der Umfrage wundert mich kein bisschen. Dass die Kultusminister ihr Beachtung schenken, kann ich nur hoffen, bezweifle es aber. Für die zählt nur, was außenstehende „Experten“ raten oder die Bertelsmann Stiftung meint. Lehrer haben wenig zu melden.

  2. Zitat: „Ein weiteres Ergebnis der jetzt erhobenen Umfrage ist, dass es Probleme mit dem Lernwillen und der Disziplin der Schüler (16 Prozent) und Verhaltensauffälligkeiten (9 Prozent) sowie dem Verhalten der Schüler allgemein (7 Prozent) gibt.“

    Endlich wird das auch mal thematisiert. Die beste Ausstattung, der spaßigste Unterricht, die motiviertesten Lehrer nützen, wenn in den Klassen Chaos herrscht und nicht selten 1 Schüler den ganzen Unterricht torpediert und zerstört!

    Tut mal was dagegen!
    (Bitte an das Landgericht im Falle Musiklehrer Parusel)

    • *nützen nichts …

    • Das Problem ist, dass die KMK den Erziehungsauftrag der Eltern nicht unmittelbar durchsetzen kann. Sie könnte höchstens den Lehrer durch entsprechende Erlassempfehlungen bzw. Schulgesetzempfehlungen die ihm gezogenen Zähne wieder zurückgeben, was zumindest kurzfristig zu (noch) mehr Stress bei den Lehrern führen wird.

      • Also lieber zahnlos sein und den Eltern weiterhin die Rolle des heimlichen Vorgesetzten spielen lassen, um sich Stress durch ihre Umgewöhnung an andere Rechtsverhältnise und ein anderes Verhalten zu ersparen?

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