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Gegen „alternative Fakten“: Wissenschaftler machen gegen Trump mobil – auch Wanka in Sorge

WASHINGTON / BERLIN. Nach dem riesigen Zulauf beim Frauen-Marsch im Januar sammeln sich nun Forscher zum Protest gegen die Trump-Regierung. Sie machen Front gegen eine Beschränkung der US-Wissenschaft. Auch in Deutschland wächst die Sorge um das weltoffene Klima für die US-Forschung.

Twitterte 2012, die Idee des Klimawandels sei “von den und für die Chinesen erfunden, um der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie in den USA zu schaden”´: der jetzige US-Präsident Donald Trump. Foto: Voice of America / flickr

Ob «alternative Fakten», der Abwehrkampf um Klimawandel-Daten oder die Streichung von Forschungsgeldern: Es gibt viele Gründe, weshalb nach den ersten Wochen der rechtskonservativen Regierung von Donald Trump auch US-Forscher in Aufruhr sind. Hunderttausende dürfte der Protest am «Welttag der Erde» (22. April) nach Washington führen, um für die Freiheit der Wissenschaft zu demonstrieren – unter anderem mit einem «Science-March».

Müssen Wissenschaftler in einer führenden Forschernation tatsächlich jetzt um ihre Freiheit fürchten? Ja, so weit kann es kommen, meinen viele in den USA. Und nicht nur dort werden Sorgen laut über einen womöglich radikal veränderten Kurs der USA bei Forschung und Lehre.

Auch die deutsche Forschungsministerin Johanna Wanka zeigt sich alarmiert. Zu einem weiterhin starken Standort USA gehöre, «dass ‎Wissenschaftler frei arbeiten können», sagte sie auf Anfrage in Berlin. Ihr sei wichtig, «dass die Arbeitsmöglichkeiten für ‎ausländische Forscher in den USA sich nicht verschlechtern». Die CDU-Politikerin nimmt die Entwicklungen in Washington sehr ernst und mahnt: Jede Einschränkung «wäre für den Erkenntnisfortschritt schlecht».

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Die Ängste von Wissenschaftlern und Politikern weltweit sind nicht unbegründet. Wenige Tage, teils sogar nur Stunden dauerte es, bis die neue republikanische US-Regierung wissenschaftsfeindliche Wahlkampf-Ankündigungen umsetzte. Gleich nach Trumps Amtseinführung verschwanden von der Website des Weißen Hauses Infoseiten zum Klimawandel – inklusive umfassenden Datenmaterials. Stattdessen verspricht dort nun Trumps «America First Energy Plan», dass «schädliche und unnötige Strategien» wie Obamas Klima-Aktionsplan und umfassende US-Wasserschutzgesetze abgeschafft werden sollten.

Wohl auch deshalb verlangt Ministerin Wanka in Berlin jetzt, dass «deutsche Interessen auf jeden Fall gewahrt bleiben» müssten bei der Forschungskooperation mit den USA. So sei «‎wichtig festzulegen, wer den Zugriff auf Rohdaten bei Forschungsprojekten hat». ‎Noch wisse niemand, welche Entscheidungen für den Forschungsbereich Trump noch fällt. «Wir werden aber sicherlich ein Auge darauf haben, wie künftig bilaterale Vereinbarungen (…) aussehen sollen», sagt Wanka.

Für Unruhe sorgte in den USA auch eine Ankündigung in Richtung der mächtigen, bislang strengen Umweltschutzbehörde EPA: Deren 17.000 Mitarbeiter sollen künftig nur nach Rücksprache mit der Regierung öffentliche Stellungnahmen und Pressemitteilungen abgeben dürfen. Im Gespräch war auch die Verbannung der Klimawandel-Seiten von der EPA-Homepage. Darauf werden seit Ende Januar keine neuen Inhalte mehr gestellt.

“Wachsende Unsicherheit”

Schließlich wandten sich über 350 Ärzteorganisationen mit einem Brief an Trump, um ‎nach dessen Gespräch mit einem bekannten Impf-Skeptiker ihre klare Unterstützung für Impfungen ‎auszudrücken. Jüngster Stachel der Regierung gegen die US-Wissenschaft: der Ende Januar verfügte Einreisestopp für Menschen aus sieben vorwiegend islamischen Ländern – auch viele Studenten und Forscher sind davon betroffen.

«Wir ‎registrieren die Unsicherheit, die sich unter Forschern in den USA entwickelt hat», sagt Ministerin Wanka. Diese Stimmung verspüren auch deutsche Forschungsorganisationen. So sagt der Präsident der Max-Planck-Gesellschaft (MPG), Martin Stratmann, im dpa-Interview, man wisse nicht mehr genau, welchen Stellenwert die Wissenschaft in den USA in den kommenden Jahren haben werde. «Es gibt die Befürchtung, dass es die Grundlagenforschung und bestimmte thematische Felder wie die Klimaforschung schwerer haben werden.» Eine weiterhin exzellente US-Wissenschaft lebe aber vom Zuzug junger Wissenschaftler aus anderen Ländern. «Es wäre schädlich für ihren Erfolg, würde sie ihre enorme Strahlkraft einbüßen.»

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Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) – immerhin eine der weltweit größten Förderorganisationen für Studierende und Wissenschaftler – verlangt ebenfalls ein weltoffenes Klima in den USA. DAAD-Präsidentin Margret Wintermantel sagt angesichts der sich abzeichnenden restriktiven Forschungspolitik Trumps, sie sei darüber «erschrocken, denn man hätte viele seiner Äußerungen gerade aus den USA nicht für möglich gehalten». Es bleibe dabei, «dass die amerikanischen Spitzenuniversitäten weiterhin hoch attraktiv für deutsche Nachwuchswissenschaftler und Studierende sind. Die Offenheit dieser Institutionen für Talente aus aller Welt ist allerdings Voraussetzung dafür, dass dies so bleibt.»

«Wir glauben, dass für Wissenschaftler die Zeit vorbei ist, um diesem Kampf guten Gewissens aus dem Weg zu gehen», sagt eine der Initiatoren des Science-Protestmarsches im April, Caroline Weinberg. Man könne eine Politik nicht ignorieren, die die Zukunft der Wissenschaft bedrohe. Dennoch fragen manche, ob der Protestmarsch das geeignete Mittel ist. Der Geologe Robert Young mahnt in der «New York Times», damit trivialisiere und politisiere man Wissenschaft. Besser sei es, in Kirchen, Schulen und lokale Einrichtungen zu gehen, mit Menschen zu reden und Vorurteile abzubauen. Viele Menschen würden keinen Forscher persönlich kennen. Young: «Wir sind Unbekannte, (…) die schlechte Nachrichten bringen.» Von Andrea Barthélémy und Werner Herpell, dpa

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