„Chancenspiegel“: Risikoschüler fallen in Deutschland immer noch zu oft durchs Raster – jeder achte Ausländer ohne Schulabschluss

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BERLIN. Wie gerecht ist die «Bildungsrepublik Deutschland»? Diese Frage steht im Mittelpunkt des 430-seitigen Reports «Chancenspiegel 2017». Die Antwort: Es geht insgesamt aufwärts, aber im deutschen Schulsystem ist noch Luft nach oben. Vor allem bei «Risikoschülern».

Die Bildungsrepublik Deutschland bietet - immer noch - krass ungleiche Bildungschancen. Foto: Tim Reckmann / flickr (Karte: Stiefel Eurocart GmbH), (CC BY-NC-SA 2.0)
Die Bildungsrepublik Deutschland bietet – immer noch – krass ungleiche Bildungschancen. Foto:
Tim Reckmann / flickr (Karte: Stiefel Eurocart GmbH), (CC BY-NC-SA 2.0)

Mangelnde Chancengerechtigkeit für junge Ausländer ist nach einer neuen Bildungsstudie eines der Hauptprobleme im deutschen Schulsystem. Für Jugendliche mit ausländischem Pass sei inzwischen das Risiko eines Abbruchs – ohne zumindest den Hauptschulabschluss zu erreichen – mehr als doppelt so hoch wie für ihre deutschen Mitschüler. Zu diesem Ergebnis kommt der am Mittwoch in Berlin vorgestellte «Chancenspiegel 2017» der Bertelsmann-Stiftung, eine umfangreiche Analyse schulstatistischer Daten von 2002 bis 2014.

Wann, wenn nicht jetzt? Gebt Lehrern endlich die Unterstützung, die sie brauchen!

Während der Anteil aller Schüler ohne Abschluss seit 2011 von 6,2 auf 5,8 Prozent (2014) sank, stieg die Quote bei ausländischen Schülern im gleichen Zeitraum von 12,1 auf 12,9 Prozent an – betroffen ist in dieser Gruppe also etwa jeder Achte. Vergleicht man die jetzige Situation mit der Lage vor 15 Jahren, zeigt sich immerhin eine Besserung: Der Anteil aller Schulabgänger ohne Abschluss lag 2002 bei 9,2 Prozent, bei jungen Ausländer waren es sogar 16,7 Prozent.

Kluft hat sich verkleinert

Auch die im vorigen Dezember präsentierte neueste PISA-Studie hatte festgestellt, dass ein Zusammenhang von Herkunft und Bildungschancen in Deutschland weiterhin vorhanden sei – die Kluft habe sich jedoch verkleinert. Nach wie vor gebe es bundesweit zu viele Schüler mit sehr schwachen Leistungen – also potenzielle Schulabbrecher ohne Abschluss mit entsprechend geringen Job-Chancen. Der Vergleichstest TIMSS wies kürzlich nach, dass fast jeder vierte Zehntklässler in Deutschland sowohl in Mathematik als auch in den Naturwissenschaften kaum Grundkompetenzen hat, also schon früh zum «Risikoschüler» wird.

Der Präsident des Deutschen Caritasverbandes, Peter Neher, verlangte einen gemeinsamen Kraftakt von Bund, Ländern und Gemeinden zur besonderen Förderung solcher Problemschüler. Auf allen Ebenen müsse die Bildungspolitik dafür sorgen, dass die jährliche Zahl von knapp 50 000 Jugendlichen ohne Schulabschluss deutlich sinke, sagte der Chef des katholischen Sozialverbandes auf Anfrage in Berlin. «Wir können unter dem Aspekt der Chancengerechtigkeit und der demografischen Entwicklung unmöglich akzeptieren, dass wir ganze Gruppen von jungen Menschen einfach abhängen.»

PISA ist ein Riesen-Erfolg für die deutschen Lehrkräfte – angesichts ihrer gewaltigen Herausforderungen. Für die Bildungspolitik weniger

Insgesamt ist das deutsche Bildungswesen seit dem «PISA-Schock» 2001 wegen miserabler Ergebnisse im internationalen Vergleich laut «Chancenspiegel» aber moderner, leistungsfähiger und auch gerechter geworden. Viele Bundesländer hätten ihre Schulsysteme durchlässiger gemacht und führten mehr junge Menschen zum Abitur – diese Quote stieg seit 2002 von gut 38 auf über 52 Prozent.

Zudem seien Sonderschüler mittlerweile besser integriert als im vergangenen Jahrzehnt, immer mehr besuchten fürs gemeinsame Lernen (Inklusion) eine reguläre Schule. Auch der Ausbau der von Bildungsforschern dringend empfohlenen Ganztagsschule ging voran: Während vor 15 Jahren nur eines von zehn Kindern ganztags zur Schule ging, sind es derzeit etwa vier von zehn, heißt es in der Studie.

«Bei zunehmender Vielfalt in den Klassenzimmern gibt es in den Bildungssystemen aller Bundesländer Verbesserungen», lobte Jörg Dräger von der Bertelsmann-Stiftung, die den «Chancenspiegel» zum dritten Mal seit 2012 zusammen mit der Technischen Universität Dortmund und der Uni Jena herausbringt.

Bos: Unterschiede zwischen den Ländern gewachsen

Allerdings dürfe dieser Trend «hinsichtlich der Chancengerechtigkeit nicht darüber hinwegtäuschen, dass es große Unterschiede zwischen den Ländern gibt und diese seit 2002 noch gewachsen sind», betonte Bildungsforscher Prof. Wilfried Bos. So schwankt der Anteil der Ganztagsschüler zwischen nur 15 Prozent in Bayern, 44 Prozent im anderen großen Flächenland Nordrhein-Westfalen, fast 80 Prozent in Sachsen und über 88 Prozent in Hamburg.

Absturz für Bayern: „Chancenspiegel“ attestiert Schulsystem im Freistaat, veraltet zu sein (und: Wie die anderen Bundesländer abschneiden)

Einen weiteres Problem benannte Prof. Nils Berkemeyer aus Jena: «Nicht hinzunehmen ist, dass beim Kompetenzerwerb in der neunten Klasse ein Unterschied von mehr als drei Lernjahren zwischen Sachsen und Bremen besteht.» Das öffentliche Schulsystem müsse trotz des Bildungsföderalismus für vergleichbare Chancen sorgen und allen ein Mindestmaß an Fähigkeiten vermitteln – eine Frage der Gerechtigkeit.  Von Werner Herpell, dpa

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79 KOMMENTARE

  1. Das liegt vermutlich daran, dass in Sachsen im gegensatz zu Bremen die Integration von ausländischen Schülern so gut klappt. Ebenfalls ist Sachsen für eine besonders niedrige Quote an Förderschülern bekannt.

  2. Familie Bertelsmann brauchte in der Exceltabelle nur eine Zeile zu ergänzen. Allerdings dürfte sich angesichts der immer weiter abgespeckten Anforderungen „oben“ eher „unten“ als umgekehrt angenähert haben.

    • Die gibt es nicht mehr. Aber wie jeder weiß, kann Mohn – je nach Dareichungsform – fatale Auswirkungen auf das Wahrnehmungsvermögen haben.

  3. Ich verliere den Überblick – wie viele Artikel zu diesem „Chancenspiegel“ gibt es denn nun? Mehr als drei? und warum nicht nur einer? Warum kriegt Bertelsmann überhaupt so viel Aufmerksamkeit?

  4. Hier stehen interessante Zahlen zu Schul- und Berufsabschlüssen, die uns sonst nicht gesagt werden:
    https://www.planet-wissen.de/geschichte/deutsche_geschichte/migrationsland_deutschland/index.html
    Da steht also: „Laut Statistischem Bundesamt hatten im Jahr 2010 etwa 20 Prozent der Migranten keinen allgemeinen Schulabschluss, während dieser Wert bei den
    deutschstämmigen Bundesbürgern nur 2,6 Prozent betrug.“
    Und weiter: „Betrachtet man die Zahlen zum Berufsabschluss, so fehlt ein solcher rund 44 Prozent der Menschen mit ausländischer Herkunft; bei Bürgern ohne Migrationshintergrund sind es etwa 20 Prozent.“

    Das wirft doch ein etwas anderes Licht auf die 20 % „Risikoschüler“ nach PISA-Maßstäben, die immer beklagt werden, so als sei das die Schuld unseres Schulsystems. Wieviele von denen haben nun einen Migrationshintergrund? Das wird nie gesagt.
    Es stellt sich auch die Frage: Muss ein Land sein Schulsystem nur wegen vieler Zuwanderer ändern? Hat irgendein Land der Welt das schon mal nachweislich gemacht? Und mit welchem Erfolg?
    Wie wird denn diese „mangelnde Chancengerechtigkeit“ für Ausländer überhaupt festgestellt? Doch nur als mangelnder Testerfolg bei PISA & Co, sonst nicht. Kein empirischer Test kann die tatsächlichen Chancen messen, die da waren oder auch nicht. Warum sollen Zuwanderer nicht grundsätzlich und prinzipiell in der Lage sein, sich dem Schulsystem des aufnehmenden Landes anzupassen? Wer nach USA auswandert, muss auch hinnehmen, dass auf Englisch unterrichtet wird und dass es dort kein Abitur gibt, sondern dass sich alle Hochschulen ihre Studenten selbst auswählen. Wer nach Frankreich auswandert, muss akzeptieren, dass es die „Grandes Ecoles“ gibt, die in Deutschland unbekannt sind und in die Ausländer schwer hineinkommen.

    • Gab es keine aktuelleren Zahlen als die von 2010? Falls nicht, müsste man mal fragen weshalb nicht. Schließlich war der Grad an political correctness 2010 zwar schon vorhanden, aber noch bei Weitem nicht in dem Ausmaß wie heutzutage.

    • Sehr konstruktiver Beitrag, Carsten60.

      Wie wir wissen, gehören auch Jungen überproportional oft zu den Bildungsverlierern – und hat schon mal jemand von einem Schulsystem gehört, das Rücksicht auf Jungen nimmt? Haha, wo kämen wir denn dahin …

      Überlassen wir doch einfach die Migranten und die Jungen und (wenn wir schon mal dabei sind) die Behinderten sich selbst – und konzentrieren uns auf die Klientel, die keine Mühe macht zu unterrichten: katholische Mädchen vom Lande.

      Die doofen Jungs, die sprachunkundigen Migranten und die unmäßig förderbedürftigen Behinderten ignorieren wir dann einfach. Müssen die halt akzeptieren. Pech gehabt. Selbst schuld. Fertig.

      Das wäre eine wirklich innovative Bildungspolitik im 21. Jahrhundert. Und die Kohle für Ihre Rente fließt natürlich ganz von selbst…

      • @ Carsten69; xxx:
        „Gab es keine aktuelleren Zahlen als die von 2010? Falls nicht, müsste man mal fragen weshalb nicht. Schließlich war der Grad an political correctness 2010 zwar schon vorhanden, aber noch bei Weitem nicht in dem Ausmaß wie heutzutage.“

        Ah ja, nicht nur der Presse auch der Wissenschaft kann man nicht trauen, denn wichtige Informationen werden bewusst vorenthalten.

        Ich weiß nicht, wie es anderen Lesern ergeht, mir gehen Ihre ewigen Verschwörungstheorien ziemlich auf die Nerven.

        Inhaltlich stimme ich Bernd voll zu!

        • Wieso schimpfen Sie mit mir? Ich habe halt diese Zahlen und keine neueren gefunden. Wie lange soll ich denn suchen? Haben Sie denn neuere Zahlen? Sollen wir annehmen, dass die sich verbessert haben?

      • Das Argument mit der Rente geht aber voll nach hinten los, verehrter Bernd. Da Deutschland zumindest eigentlich ein Forschungs- und kein Produktionsland ist, braucht es dringend hochqualifizierte Ingenieure, nicht ungelernte Facharbeiter oder Sozialleistungsempfänger. Derzeit läuft es aber eher auf letzteres hinaus. Die ungezügelte Migrationswelle ab 2015 tut ihr übriges.

        • … und genau deswegen benötigen wir mehr Anstrengungen in der Bildung. Und nicht das ewige Gejammer und Geschimpfe, dass sowieso alles den Bach heruntergeht.

        • Ein Facharbeiter kann per se nicht „ungelernt“ sein. Das ist ein Widerspruch in sich.

          Dass der deutsche Facharbeiter (IHK-Abschluss) oder Geselle (HWK-Abschluss) im europäischen Referenzrahmen als angelernt eingestuft werden, ist eine andere Baustelle.

          Dass beim Daimler und auch bei Audi, VW und BMW eine hohe Anzahl von Bäckern, Metzgern etc. – also Facharbeiter aus anderen Berufszweigen – am Band „werken“, ist ebenfall ein anderes Thema. Wobei man nicht übersehen sollte, dass diese Bandarbeiter ein höheres Jahresbrutto erhalten als so manch ein Ingenieur.

          Dass die deutschen Unternehmen mehr hochqualifizierte Ingenieure und Naturwissenshaftler bräuchten, ist eine Mär. Würden sie diese de facto brauchen, würden sie größere Summen in den D&R-Sektor investieren. Dies ist aber über Jahrzehnte weder in der chemischen Industrie noch im Bereich Maschinen- und Anlagenbau sowie Automotive passiert. Atomotive wacht gerade auf und verstärkt die Anstrengungen im Bereich E-Mobilität und Wasserstofftechnologie. Nur geschieht dies nicht sua sponte sondern weil die Chinese zukünftig keine Zulassungen für „Verbrenner“ mehr ausstellen und so ein riesen Markt wegbricht.

          Wenn die Babyboomer erst einmal kurz vor der Verrentung ein Ersatzfahrzeug für die jetzt selbst genutzte oder vom AG gestellte Kiste gekauft haben, ist der europäische Absatzmarkt für Autos für Hersteller großer Serien uninteressant. Die geringe Anzahl von Neufahrzeugen lässt sich dann günstiger woanders, außerhalb Europas produzieren und importieren. Es hat doch Gründe warum die VW-Group ein Werk in der Türkei plant.

          BY und BW sollten sich schon einmal Gedanken zum Thema Strukturwandel machen.

    • Und wer in Deutschland lebt darf dank der allgemeinen Schulpflicht zur staatlichen Schule gehen und dort den Unterricht besuchen.
      Dieser findet auf deutsch, englisch, französisch, spanisch, niederländisch oder auch russisch statt, je nach Fach und bilingualem Angebot, und in den meisten Bundesländern gibt es zumindest Ansätze, auch Unterricht in den Herkunftssprachen zu ermöglichen, um Mehrsprachigkeit zu fördern.

      Aber Sie glauben wirklich, was Sie schreiben und für Sie ist damit die Debatte um eine Verbesserung des Schulsystems gestorben, oder?

      Mit welchem Hintergrund kommt man zu dem Schluss, dass in Deutschland lebende Kinder gleich welcher Herkunft keine Bildung benötigen und nicht gefördert werden sollten?
      Warum kann man selbst Interesse daran haben, nur denen, die es bezahlen können, Bildung zu gewähren und die anderen davon auszuschließen?
      Welches Menschenbild steht dahinter, wenn man SchülerInnen die sprachliche Hürde, die sie bewältigen müssen, weil sie eine andere Erstsprache erlernt haben oder mit einem minimalen Wortschatz in ihrer Familie aufwachsen müssen, als fehlende Intelligenz auslegt?
      Tatsächlich nimmt meine Intelligenz keinen Schaden, wenn ich in ein Land mit anderer Sprache fahre. Da ist das Lesen mancher Äußerungen hier wahrlich gefährlicher!

      • Es ist wie bei den Pferden; man kann ihnen das Wasser hinstellen, saufen müssen sie es aber selber.

        Das Problem der ungelernten Jungen mit Migrationshintergrund ohne Schulabschluss, ist die Besonderheit der deutschen betrieblichen Berufsausbildung. Ohne Schulabschluss keine berufliche Ausbildung – es bleibt nur der Weg von der allgemeinbildenden Schule üder Berufsvorbereitungs- und Berufsgrundschuljahr an einem Berufskolleg.
        Da gehen dann viele doch lieber den Weg, innerhalb „der Familien“ einen Job im Im-/Export-Geschäft, im Einzelhandel (Gemüsehändler), im Kfz-Handel, in der telekommunikationsbranche (Telefonladen), Barber-Shop, im Ausbaugewerbe und vor allem im Gastrobereich (Dönerbude oder Shisha-Bar) zu machen.

        Wer sich Berufsbiographien von Biodeutschen (Kartoffeln) aus den Nachkriegsjahren ansieht, wird feststellen, dass die Quote „Ungelernter“ ebenfalls sehr hoch war. Erst seit den 90ern des letzten Jahrhunderts hat sich das geändert.

        • SchülerInnen mit Pferden zu vergleichen ist unschön, um aber in Ihrem Bild zu bleiben:
          Trinken würde das Pferd früher oder später aus Selbsterhaltung. Aber würden Sie auch das Pferd in einen Hürden-Parcours stellen und erwarten, dass es alle Hindernisse von sich aus meistert?

          Sie können auch 11 beliebige Menschen mit einem Ball auf einen Rasen stellen und hoffen, dass diese beginnen, alle gemeinsam nach den gleichen Regeln zu spielen.
          Im Anschluss müssen Sie dann empört sein, wenn dies nicht als „Fußball“ erkennbar ist.

          Wenn SchülerInnen von Beginn an eine gute Förderung erhalten, die sie trotz aller Hürden beim Lernen unterstützt, wäre ein Abschluss für nahezu alle locker zu schaffen.

          • „Aber würden Sie auch das Pferd in einen Hürden-Parcours stellen und erwarten, dass es alle Hindernisse von sich aus meistert? “

            Ja, nennt sich Freispringen.

      • Palim: Sie reden (bewusst?) über was ganz anderes als ich oben 30.12. um 12:58. Von Intelligenz und vom Bezahlen haben SIE gesprochen, nicht ich. Es ging auch nicht um die schulischen Fremdsprachen, mir ging es um das SchulSYSTEM als System. Ich sehe nicht ein, warum sich dauerhafte Zuwanderer dem angeblich nicht anpassen können. Sie müssten von vornherein wissen, dass ohne Deutschkenntnisse nichts geht. Also handeln Eltern grob verantwortungslos, wenn sie ihre Kinder einfach ohne Deutschkenntnisse in die Schule schicken nach dem Motto, der Staat (oder Gott?) wird’s schon richten.
        Vom Fördern wird ja nun auch schon lange geredet, aber wenn das nur freiwillige, unverbindliche Angebote sind, wird es nicht viel bringen. Das Fördern ist längst Teil unseres Schulsystems, aber es muss wahrgenommen werden (z.B. Ganztag). Manche Chancen werden eben vertan, und hinterher wird gejammert. An der Ganztagsschule Fußball spielen wird nicht reichen, um die Zahl der Risikoschüler zu verringern. Aber in dem Bericht von news4teachers über „Fußball-Projekte“ schwadroniert ein Staatssekretär, wie schön das mit dem Fußball doch sei. Anderes wäre wohl vorrangiger, wenn man an die Risikoschüler denkt.

        Verbessern kann man viel, ein einheitliches Gesamtschulsystem halte ich nur nicht per se für eine Verbesserung (ganz im Gegensatz zur GEW). Auch in Frankreich, Schweden und neuerdings auch in Finnland ziehen die Migranten die PISA-Durchschnitte nach unten, warum denn wohl? Und auch Kanada hat lt. PISA 2018 immerhin 13,8 % Risikoschüler beim Lesen, trotz des hochgelobten Schulsystems dort. Also scheint es am SYSTEM nicht zu liegen. Die Nicht-Migranten (einschließlich deutsche Unterschichten) haben in D mit 524 Punkten bei PISA 2018 wirklich gut abgeschnitten, das wäre nicht möglich, wenn die Schule so ganz schlecht wäre. Mich nervt inzwischen diese propagierte Vollkasko-und-Bepampern-ohne-Anstrengung-Mentalität mit immer denselben Phrasen zum (rein passiven?) „fördern“ und „gefördert werden“.

        • Der eigentliche Unterschied ist, dass Sie fortwährend von und über Migranten schreiben,
          ich allerdings von Kindern in meinem Unterricht.
          Da gibt es unter allen Kindern solche, wo sich Eltern tatsächlich kümmern, wo sich Eltern kümmern könnten/möchten und man helfen kann, und solche wo Eltern sich nicht kümmern und man ihnen dabei auch nicht helfen kann. Dabei ist die Nationalität völlig unerheblich.

          Die Anstrengung, der sich eine Gesellschaft stellen sollte, ist, dass man Förderung hat, die denen hilft, die sonst keine Hilfe erhalten.
          Die „RisikoschülerInnen“ fallen ja nicht erst mit 15 Jahren in einer Studie auf. Wenn Kinder im Alter von 4 Jahren durch ÄrztInnen des Gesundheitsamtes getestet werden, kann man bereits deutlich erkennen, welche Kinder Entwicklungsverzögerungen haben. Darüber und auch über Ergebnisse von Einschulungsuntersuchungen gibt es Statistiken!

          Was passiert mit diesen Kinder zwischen 4 und 15 Jahren?

          Wenn in Ihrer Umgebung flächendeckend Ganztagsschulen mit Hausaufgabenhilfe und Förderung der Zweitsprache gegeben sind, können Sie sich darüber freuen und ggf. aufregen, wenn dies nicht genügend wahrgenommen wird.
          Wenn bei Ihnen die Verordnung von Therapien ein Leichtes ist und die Kinder dort schnell einen Platz finden und gut aufgefangen werden, können Sie sich darüber freuen.
          In meiner Umgebung gibt es diese Förderung nicht! Keinen Ganztag. Keinen Hort. Keine Hausaufgabenhilfe. Zusammengestrichene und inzwischen keine Sprachförderung vor der Einschulung (in den letzten 2 Jahren). Die DaZ-Förderstunden können nicht erteilt werden, weil der Lehrkräftemangel zu groß ist.
          Kaum Rezepte für Therapien. Wenig Plätze bei Therapeuten.
          Da kann man nicht davon sprechen, dass die Förderung so gut sei und die Menschen so böse, diese nicht anzunehmen,
          und die Behauptung, die Menschen würden „Vollkasko“-gefördert ist ein reines Märchen!

          • Palim: Zum einen habe ich nicht behauptet, es würde tatsächlich mit „Vollkasko-Mentalität“ gefördert, sondern ich habe gesagt, das werde nach meinem Eindruck postuliert und propagiert.
            Wenn zum anderen tatsächlich in Niedersachsen diese Förderung gar nicht existiert, dann wäre es mal an der Zeit, einen passenden (offenen?) Brief ans Kultusministerium zu schreiben, das auf seiner Homepage
            https://www.mk.niedersachsen.de/schule/schulqualitaet/
            schöne Sprüche stehen hat, dass alles dem Ziel dient, die Bildungsgerechtigkeit zu erhöhen. Ich fühle mich für diese Diskrepanz zwischen Reden und Handeln nicht zuständig, vielleicht kann Herr Möller als ehemaliger hoher Ministerialbeamter was dazu sagen. Vielleicht ist das heute ein tragendes Prinzip der Schulministerien geworden: PR-wirksame Dinge ankündigen, aber etwas anderes machen (würde mich nicht wundern: das nennt sich dann „Professionalisierung der Presseabteilung“). Wenn Sie Sorge haben, Sie könnten mit einem solchen Brief dienstliche Nachteile erleiden, dann müsste der Brief besser von der Adresse eines Ihrer Bekannten geschickt werden, der nicht im Öffentlichen Dienst steht und dem folglich nichts passieren kann.
            Zum dritten: dass bei PISA 2018 die Risikoschüler überwiegend Migranten der 2. Generation waren, hat Prof. Köller in einem ZEIT-Interview am 3.12.2019 zu PISA gesagt („Anlass für Alarm“). Das ist nicht meine Erfindung oder mein Spleen. Das zahlenmäßige Verhältnis Deutsche zu Migranten dabei wird uns offiziell nie mitgeteilt. Ich nehme an, ca. 80 % der Risikoschüler sind Migranten, zumindest in den sog. Brennpunktbezirken. PISA & Co müssten es eigentlich genauer wissen.
            Heinz Kühn (ehem. NRW-Ministerpräsident und Ausländerbeauftragter) hat schon 1979 festgestellt (zitiert nach einem Interview von Buschkowsky): „Die schulische Situation der ausländischen Kinder und Jugendlichen ist durch einen unzureichenden Schulbesuch [–] gekennzeichnet. Eine von der Schule zu übernehmende Hypothek sind die Lücken in der vorschulischen Erziehung. Beachtlich sind ferner auch hier die bei ausländischen Eltern bestehenden Hemmnisse, die Bedeutung des Schulbesuchs für die Zukunftsentwicklung ihrer Kinder richtig einzuschätzen.“
            Also ist das alles seit 40 Jahren (!) bekannt, aber seitdem wird nur gesäuselt „unsere Gesellschaft ist schuld, wir müssen das sozial ungerechte Schulsystem ändern“.

          • Und wieder ist es IHR Thema, das SIE setzen!
            … eben doch ein Spleen (Ihr Wort!), den Sie immer wieder anbringen.

  5. Carsten60:
    Dass, die Abhängigkeit der Lesekompetenz vom sozioökonomischen Hintergrund der Eltern in Deutschland wächst, nehmen Sie nicht zur Kenntnis.
    Da haben die Kindern nach Ihrer Bewertung halt selber schuld, weil deren Eltern ihre Kinder nicht fördern und unterstützen:
    Die privilegiertesten 25 Prozent der Schülerinnen und Schüler haben beim Lesen 2018 einen Leistungsvorsprung von 113 Punkten gegenüber den am stärksten benachteiligten 25 Prozent. Der OECD-Durchschnitt liegt bei 89 Punkten. Im Jahr 2009 (Hauptdomäne Lesen) war dieser Abstand mit 104 Punkten deutlich geringer. Unter den begünstigten Kindern zählen 2018 28 Prozent zu leistungsstarken Schülerinnen und Schülern in Lesen, unter den benachteiligten Jugendlichen gilt dies nur für 3 Prozent. Auch in Mathematik und in den Naturwissenschaften waren die Leistungsunterschiede je nach sozialem Hintergrund in Deutschland 2018 größer als im OECD-Durchschnitt.
    Der Anteil der Unterschiede (Varianzaufklärung) in der Lesekompetenz, der durch den sozioökonomischen und -kulturellen Status erklärt wird, beträgt im OECD-Durchschnitt rund 12 Prozent. In Deutschland beträgt der Wert 13,4 Prozent und liegt damit – genau wie etwa in der Schweiz, in Belgien, Frankreich und Luxemburg – signifikant über dem OECD-Mittel. In insgesamt zwölf Staaten ist der Anteil der Unterschiede in der Lesekompetenz, der durch den sozioökonomischen und -kulturellen Status erklärt wird, signifikant kleiner als im OECD-Mittel. Dazu zählen unter anderem Kanada (5,8%), Finnland (7%), Norwegen (7,1%), Estland (7,2) und Dänemark (7,5%). In Japan beträgt die Varianzaufklärung nur 3,8%.

    Das klingt dann schon leicht zynisch, wenn Sie feststellen: „Die Nicht-Migranten (einschließlich deutsche Unterschichten) haben in D mit 524 Punkten bei PISA 2018 wirklich gut abgeschnitten, das wäre nicht möglich, wenn die Schule so ganz schlecht wäre.“

    Nein, auch Nicht-Migranten haben aufgrund ihres schlechteren sozialen Hintergrundes schlecht abgeschnitten. Hier versagt das deutsche Schulsystem nach wie vor, auch weil nicht genügend Ressourcen für die Förderung von benachteiligten Kindern bereit gestellt werden.

    • „Hier versagt das deutsche Schulsystem nach wie vor, auch weil nicht genügend Ressourcen für die Förderung von benachteiligten Kindern bereit gestellt werden.“
      Das ist bestenfalls die halbe Wahrheit. Das deutsche Schulsystem versagt auch, weil den Behörden wegen Art 6 GG juristisch die Hände gebunden sind und weil sich alle scheuen, das Versagen der Eltern (!) dort anzupacken, wo es entsteht. Man doktert immer nur an Symptomen herum (die Verhaltensweisen der Kinder sind nur die Symptome; ich gebe nicht den Kindern die Schuld, aber ich weigere mich, den Eltern einen „Persilschein“ auszustellen, wenn sie ihre Pflichten ignorieren). Welche Förderung mit welchen Ressourcen, meinen Sie, hätte denn dieser Gymnasiastin Samira hier geholfen, ein Muster-Negativbeispiel für Art. 6 GG:
      http://www.schulrat.com/wp-content/uploads/2015/11/Eltern_Samiras_Brief.pdf
      Schauen Sie bitte auch auf die letzten Zeilen darin, die die ganze Ohnmacht des Staates trefflich ausdrücken.

      Und hier steht doch tatsächlich der Satz: „Die Zahl der Familien wächst, in denen den Kinder zu Hause verboten (!) wird, deutsch zu sprechen.“ Und sowas wird einfach hingenommen. Da braucht man sich dann über schwache Deutsch-Tests nicht zu wundern:
      https://www.tagesspiegel.de/politik/praktiker-stoeren-meist-nur/729262.html

      Herr Möller: Sie schweigen ohrenbetäubend zu meiner Anmerkung, dass diese „Förderung“ eben nicht nur ein freiwilliges Angebot sein darf, sondern verbindlich sein muss, notfalls auch gegen die Eltern. Stattdessen preist man die vielen Sportangebote an Ganztagsschulen, und niemand traut sich zu sagen, dass sowas den Risikoschülern nicht helfen kann. Sie werden bestenfalls sportlicher. Stattdessen müssten den Risikoschülern die wahrzunehmenden Fördermaßnahmen von der Schule VORGESCHRIEBEN werden. Bei Nichtwahrnehmen empfehlen sich jene Konsequenzen, die der arabischstämmige Bürgermeister von Rotterdam dort erfolgreich durchgesetzt hat.
      Herr Möller: Mir scheint, auch auf Sie trifft das zu, was in dem zweiten obigen Link eingangs zum Integrationsgipfel gesagt wird: „Die allseits bekannte Verbandsrhetorik, die Schuldzuweisungen und Sonntagsreden.“

      • Natürlich muss die Förderung verbindlich sein, sie gehört in die Schule, weil dies zuhause nicht geleistet wird oder nicht geleistet werden kann.

        Ja, auch die Ganztagsschulen müssen die Verzahnung des Unterrichts mit den Förderangeboten besser realisieren, wie dies die STEG-Studie mit Recht angemahnt hat. Dies schließt aber keineswegs auch Freizeitangebote (wie Fußball) in einer Ganztagschule aus.

        Ich gebe den unverantwortlichen Eltern auch keinen Persil-Schein. Das bedeutet aber nicht, dass dies zu Lasten der Kinder geht, die nur in der Schule die notwendige Förderung bekommen können, wenn es Eltern nicht wollen und viele gar nicht können. Dies ist aber nicht, wie Sie das dauernd schreiben nur ein Problem von Migranten.

        Wenn wir zukünftig nicht besser Kinder aus sozial schwierigen Verhältnissen fördern, fördern wir sehenden Auges die Vererbung von Bildungsarmut.

      • Und wieder geht es bei Ihnen, carsten60, um Migranten, nicht generell um sozial benachteiligte Kinder!

        „Stattdessen müssten den Risikoschülern die wahrzunehmenden Fördermaßnahmen von der Schule VORGESCHRIEBEN werden.“
        DAZU müsste es diese Maßnahmen geben und es müsste gesichert sein, dass diese auch stattfinden können, dass Fördermaßnahmen nicht gestrichen werden dürfen, dass ein Ausfall ebenso ersetzt wird wie der Ausfall jedes anderen Faches.

        Sprachförderung war in meinem Bundesland verbindlich, galt als Schulpflicht, solange sie zur Schule gehörte. Nun wurde sie aber dort gestrichen und in die Kindergärten verlagert und von den Kommunen neu organisiert werden muss – quasi zurück auf Anfang.
        DaZ-Stunden sind verbindlich, andere Förderstunden auch. Die Kinder können sich nicht aussuchen, ob sie daran teilnehmen wollen. Die Lehrkräfte teilen dies ein. Sie können aber häufig nicht erteilt werden, weil sie bei Lehrkräftemangel sofort gestrichen werden und dann langfristig nicht ersetzt werden.
        Die Wahllosigkeit, die Sie für Förderstunden darlegen, ist mir nicht bekannt, wohl aber, dass die Erlasslage nicht umgesetzt wird, Antragsstellung seitens der Schulen erweitert wird, Zuweisungen gestrichen werden.

        Es müsste _flächendeckend_ gewährleistet werden, dass man diesen Kindern Hausaufgabenhilfe anbieten kann, an allen Schulen! Das könnte unabhängig von einem Ganztag realisiert werden, sodass auch Kinder, die keine Ganztagsschule besuchen können, weil es an Plätzen mangelt, dennoch in diesem Bereich Unterstützung erhalten würden.

        Man kann sich nicht darüber aufregen, dass diese Förderung nicht wahrgenommen würde, wenn es sie gar nicht gibt.

      • Aus dem Artikel „Ungleiches ungleich behandeln“ von Möller/Bellenberg (Seite 125):
        „Elternhäuser stärker einbeziehen – von der Elternarbeit zur Erziehungs- und Bildungspartnerschaft:
        Die häusliche Umgebung wird geprägt durch […] fördernde (!) Begleitung der Kinder durch ihre Eltern […] Zahlreiche Studien belegen, dass sich Schulleistungen stärker aus familiären Bedingungen erklären als aus den Einflüssen von Schule und Unterricht.“ Und dann wird auf PISA Bezug benommen.
        Wenn das eine gesicherte Erkenntnis ist, dann verstehe ich nicht dieses ständige Gesäusel und Gesundbeten über schulische „Förderangebote“, die dann doch nur recht geringen Einfluss haben gegenüber dem der übermächtigen Eltern. Man müsste vilemehr an diejenigen Eltern ran, die sich dem Wohl der Kinder verweigern, und müsste ihnen klarmachen, wo es in Deutschland langgeht. Traditionen allein zählen dann einfach nicht. Die Gymnasiastin Samira (Link steht oben) wurde von ihren Eltern als Haushaltssklavin missbraucht, und dann wurde ihr noch mit unfreundlichen Schwiegereltern gedroht. Am Schluss steht: „Der Lehrer wendet sich ans Jugendamt. Die Reaktion: ‚Dann müssten wir 1000 Kinder in Obhut nehmen, und Hürriyet würde zum Bürgerkrieg aufrufen.‘ “ So sieht die bildungsmäßige Benachteiligung aus: natürlich gibt es sie, sie geht aber nicht von der Schule aus.

        Deutsche Behörden sind zahnlose Tiger. Wer Hartz IV bezieht, könnte ja wohl zu diesem oder jenem verpflichtet werden, z.B. Kurse zur Kindererziehung. Den anderen könnte man mit Streichung des Kindergeldes drohen, wenn sie auf Briefe von der Schule nicht reagieren. So wohl realisiert in Rotterdam. Den Kindern zu Hause verbieten, deutsch zu sprechen, könnte ja mal zu Thema einer schulischen Flugblattaktion gemacht werden, in mehreren Sprachen. Aber man säuselt lieber weiter parteipolitisch korrekte Sprüche zur sozialen Gerechtigkeit und vergießt hinterher Krokodilstränen, wenn auch nach Jahrzehnten kaum Wirkungen festzustellen sind. Was ist denn nun „verbindlich“ ? Was haben Ganztagsschulen gebracht, was die 6-jährige Grundschule in Berlin? Praktisch nichts.

        • Wie kann man Eltern in die häuslichen Pflichten des gemeinsamen Lesens, der Hausaufgabenbetreuung, der häuslichen Nachhilfestellung und dem häuslichen Einüben von Lehrinhalten einbeziehen, wenn diese selber nicht deutsch lesen können ?
          Dieser Zustand trifft auf den Großteil der Migranten zu.
          Also muss die Schule für diese Personengruppen ein strukturiertes Angebot zur zumindest für die Vermittlung der Grundkenntnisse schaffen. Da gelingt nur in kleineren Klassen und in einer Betreuung der Hausaufgaben im verbundenen Ganztagsunterricht.
          Gefördert werden dadurch auch jene Kinder, also auch deutsche, die davon betroffen sind, dass beide Elternteil in Vollzeit arbeiten.

        • Und wieder geht es bei carsten60 NUR um Migranten!

          Aber es ist gut, dass Sie selbst schreiben, was Sie sich so vorstellen. Da bekommen wir einen Eindruck von Ihren Maßnahmen!

          Menschen die Sprache verbieten? Klar.
          Darüber lernt man? Ach ja, nichts außer Schweigen und Aushalten, aber das ist vermutlich gewollt.
          Wie wäre es mit einem Verbot des Sorbischen, des Friesischen und des Plattdeutschen, alles Amtssprachen in Deutschland, dazu der Dialekte im Land, … wohlgemerkt bei den Eltern und Großeltern zu Hause, damit deren Kinder bald Deutsch lernen?
          Mit gezieltem Erst- und Zweitspracherwerb haben Ihre Vorschläge jedenfalls keinen Zusammenhang. Dazu müsste man sich damit beschäftigen und könnte danach eigenständig krude Ideen von sinnvollen Vorschlägen unterscheiden.

          Die von Ihnen nachgefragten Ganztagsschulen gibt es jedenfalls in meinem Bundesland nicht flächendeckend. Zudem sind sie ein freiwilliges Angebot und nicht verbindlich, sondern offen.
          Hausaufgaben werden in der Großgruppe erledigt, eine wirkliche Förderung kann dort nicht stattfinden.
          Ganztag oder nicht: Eine qualifizierte Hilfe bei den Hausaufgaben könnte in der Grundschule am Ende des noch immer üblichen SchulVORmittages in der 5./6./7. Stunde erfolgen – je nach Klassenstufe, eingerichtet in der Schule und VON der Schule, sodass Absprachen zwischen Lehrkraft des Unterrichts und Lehrkraft/ Betreuungsperson in der HA-Hilfe ein Leichtes wären und eine gemeinsame Förderplanung greifen könnte.
          Hätte man im Unterricht am Vormittag pädagogische Assistenzen, wüssten diese von Abläufen und Inhalten, könnten gezielt unterstützen, wo Hilfe nötig ist, nicht allein bei den Hausaufgaben. Das wäre zudem unbürokratisch und käme allen Schülerinnen und Schülern zugute.

          Wie nur kann man von Schule gute Bildung erwarten, wenn man immer weniger Geld ausgibt?
          Wie kann man diesen Zustand als Politiker immer wieder loben, Statistiken schön reden und gutheißen, dass man sich selbst nicht kümmern will?
          Man erkennt hier deutlich, was dem folgt: Menschen rufen nach dem starken Staat und wollen aus der Benachteiligung anderer ihren vermeintlichen Vorteil ziehen.

          Stark wäre der Staat, wenn er sich derer, die benachteiligt sind, annehmen würde, um ihnen zu helfen, statt sie zu drangsalieren, indem z.B. in jeder Schule gut ausgestattete Förderangebote bereit stünden.

          • Palim, ich danke Ihnen für ihre deutlichen Hinweise an die politisch Verantwortlichen, die schulischen Verhältnisse und die nachfolgenden Bildungserfolge, endlich durch die von ihnen beschriebenen Vorgehensweisen und Veränderungen, zum Besseren zu verändern.

        • Es gibt seit 1945 im Geltungsbereich des GG keine Arbeitspflicht.

          Wer nicht arbeiten will, kann dazu auch nicht gezwungen werden. Analog gilt das auch für Förderprogramme. Die Teilnahme kann zwar verpflichtend sein und Fehlen über Kürzung staatlicher Unterhaltsleistungen sanktioniert werden, aber das staatlich festgesetze Existenzminimum muss trotdem zugestanden werden.

          Bis in die 60er Jahre war es eben viel, viel leichter auch ohne berufliche Qualifikation und einen Schulabschluss im Arbeitsleben Fuß zu fassen.

      • AvL: „wenn diese selber nicht deutsch lesen können“, „Großteil der Migranten“
        Das müssen Sie mal bitte mit Palim diskutieren. Palim wirft mir hier ständig vor, die Erwähnung von Migranten in diesem Punkt sei falsch und mein „Spleen“. Erstens können auch solche Eltern ihre Kinder vor der Schule bei einem Sprachkurs anmelden und vielleicht mit ihnen mitlernen, und zweitens können die einheimischen Deutschen, auch wenn sie Unterschichten entstammen), doch wohl wenigstens so viel Deutsch, dass es für die Grundschule reicht. Und Hartz-IV-Empfänger haben zwar wenig Geld, aber viel Zeit, sich um ihre Kinder zu kümmern. Aber man stellt einfach keine Ansprüche an die Eltern, das ist es. Man postuliert nur, aber kein Elternverhalten hat Konsequenzen.
        Hausaufgabenbetreuung in der Ganztagsschule halte auch ich für sehr sinnvoll (das müssen auch keine fertigen Lehrer sein), aber ist die dann für die Problemkinder verpflichtend? Nein, ist sie nicht. Bei uns muss alles freiwillig sein. Die Kinder dürfen stattdessen auch Fußball spielen. In Finnland soll das angeblich anders sein.

        • Erstaunlich, sie schreiben NICHT NUR über Mirgranten. Immerhin!
          Dabei sind „Problemkinder“ sicher mit „Problembären“ verwandt.

          „Erstens können auch solche Eltern ihre Kinder vor der Schule bei einem Sprachkurs anmelden“
          Können sie? Wo denn? Wer erteilt diese?
          Sprachkurse für Kinder im Alter von 3-5 Jahren außerhalb der üblichen Kindergartenzeiten für Kinder im Jahr vor der Einschulung sind mir bisher gar nicht bekannt. Gibt es das bei Ihnen?
          Wer bietet das an und worüber wird dies finanziert?
          Sind diese allein auf das eigenständige Engagement der Eltern zurückzuführen?

          „zweitens können die einheimischen Deutschen, auch wenn sie Unterschichten entstammen), doch wohl wenigstens so viel Deutsch, dass es für die Grundschule reicht.“
          Nein. Können sie nicht!
          Genau darum saßen sie mit in der Sprachförderung vor der Einschulung, damit sie ihren Wortschatz verbessern konnten und mehr als Einwortäußerungen tätigen lernten,
          damit sie für das Verständnis von Bildungsinhalten und die Kommunikation im Unterricht notwendige sprachliche Mittel einübten.
          Diese Kinder mit mangelnden Kenntnissen in ihrer Erstsprache sollten dann ebenso an denen von Ihnen beworbenen Sprachkursen für Kinder im Alter von 3-5 Jahren teilnehmen.

          • … und was ist mit der Behauptung von AvL, „ein Großteil der Migranten kann nicht deutsch lesen“, auch nicht, um ihren kleineren Kindern vorzulesen? Das kann doch einfach nicht stimmen.

            Bitte machen Sie das mal konkreter: Welche und wieviele deutschstämmige Eltern können nicht so viel Deutsch, dass es für die Grundschule ihrer Kinder reicht? Sooo viele echte Analphabeten haben wir nicht. Es müssen ja Leute ohne Schulabschluss sein. Und die könnten sich ja mal um ihre Alphabetisierung bemühen, schon vor Geburt des ersten Kindes. Man könnte sie auch eindringlich dazu auffordern. Herr Möller: Haben hier vielleicht die Kultusministerien versagt? Werden wir ein Volk von Analphabeten?
            In Berlin jedenfalls (da gibt’s besonders große Probleme) behauptet man, es gebe „Sprachlerntagebücher“ in Kitas. Das heißt dann nicht „Sprachkurs“, aber es sollte eine ähnliche Wirkung haben:
            https://www.berlin.de/sen/bildung/schule/bildungswege/fruehkindliche-bildung/
            Die Elterninformationen dazu kann man in 9 Sprachen (!) direkt anklicken.

          • Mein Gott, wie weltfremd sind Sie, Carsten60?

            Waren Sie in Ihrem Leben schon mal in einem sozialen Brennpunkt unterwegs? Haben Sie jemals Kontakt zu Menschen außerhalb Ihres sozialen Umfeldes gehabt?

            „Werden wir ein Volk von Analphabeten“, so fragen Sie. „Es müssen ja Leute ohne Schulabschluss sein.“

            Jedes Jahr verlassen 50.000 junge Menschen ohne Abschluss die Schule. Und das sind beileibe nicht nur Migranten (die Sie ja offensichtlich gefressen haben), die an der Schule scheitern.

            Früher war das übrigens normal in Deutschland – das interessierte auch niemanden. Wer keinen Abschluss hinbekam, wurde halt Arbeiter. „Schulabbruch ist kein neues Problem, im Gegenteil: 1970 verließen in Westdeutschland mit knapp 135.000 Personen doppelt so viele Personen wie heute im gesamten Bundesgebiet die Schule ohne Hauptschulabschluss.“ (Das bezog sich auf 2010)

            Heißt: Heute scheitern viel weniger junge Menschen in der Schule als vor 50 Jahren – trotz der Migranten, von denen es damals bekanntlich viel weniger in Deutschland gab.

            Quelle: https://www.econstor.eu/bitstream/10419/43127/1/640322255.pdf

          • „Welche und wieviele deutschstämmige Eltern können nicht so viel Deutsch, dass es für die Grundschule ihrer Kinder reicht? Sooo viele echte Analphabeten haben wir nicht. “

            Sie werfen alle zusammen, statt sich genauer damit auseinanderzusetzen:
            Es gibt unterschiedliche Definitionen von Analphabetismus, dabei immer auch in der Elternschaft funktionale oder absolute Analphabeten. Damit gehen die meisten nicht hausieren, ich empfinde es als großen Vertrauensbeweis, wenn Eltern bereit sind, dies mir als Lehrkraft mitzuteilen.
            Ob die Eltern einen Schulabschluss haben und wenn ja, welchen, entzieht sich meiner Kenntnis.
            Diese Eltern können den Kindern nicht bei den Hausaufgaben helfen und nicht mit ihnen lesen üben, nicht einmal im 1. Schuljahr.
            Schwache LeserInnen in der Elternschaft können Texte selbst nicht erfassen und auch dort ihren Kinder kaum helfen.

            Etwas anderes ist die begrenzte sprachliche Ausdrucksfähigkeit vieler Eltern und sehr viele Kinder.
            Im Einzugsgebiet meiner Schule sind dies viele, zu viele und zunehmend mehr, da dies in den letzten Jahren extrem gesteigert wird angesichts der Sprachlosigkeit, der Abnahme von Kontakt und Kommunikation mit Familienmitgliedern auf Grund extremer Nutzung des Teilens von Fotos in sozialen Netzwerken. Das hat mit einer anderen Erstsprache gar nichts zu tun! Wie soll sich Sprache von Kindern entwickeln, wenn niemand Kontakt aufnimmt, niemand zuhört und niemand auf Äußerungen reagiert?
            Diese Kinder beherrschen ein paar wenige Wörter ihres Alltages, sind aber im Unterricht schnell überfordert, weil sie den Inhalten sprachlich nicht folgen können. Da geht es um Wörter, die uns alltäglich erscheinen, z.B. Tiere wie Wurm oder Giraffe, Einrichtungsgegenstände wie Regal oder Gardine, Kleidung wie Rock oder Kleid, Fahrzeuge, Werkzeuge etc. Das mag für Außenstehende nicht wichtig erscheinen, im Erstunterricht wird aber über Abbildungen dieser Dinge vieles vermittelt, man braucht sie für Kategorisierungen, Vergleiche, für sprachliche Übungen, auf Wimmelbildern zum Zählen, für Sachaufgaben uvm.
            Besonders auffällig ist es auch bei Präpositionen, sodass Kinder weder „vor“ noch „zurück“ kennen, von „zwischen“ oder „neben“ mal abgesehen, sich nicht orientieren können, einer Beschreibung eines Bildes/ einer Buchseite nicht folgen können. Auf Buchstaben und Zahlen kann man zu Beginn ja noch nicht zurückgreifen.
            Weil viele Wörter unbekannt sind, werden auch Fragen, Aufforderungen, Nebensätze oder Verknüpfungen nicht verstanden.
            Der Austausch mit anderen fällt schwer und es ist schwierig, eigene Bedürfnisse zu äußern oder in Konflikten sprachlich den Unmut zu äußern.

            Auch komplexere Sprachstörungen scheinen zuzunehmen, sodass Kinder sowohl mit der Aussprache, als auch mit Grammatik und Syntax Probleme haben und Erläuterungen nicht geben und z.T. auch nicht verstehen können.

          • Es ging doch gar nicht um die fehlenden Schulabschlüsse (nicht jeder davon ist ein Analphabet), sondern darum, wieviele deutschstämmige (!) Leute ihren kleinen (!) Kindern nichts vorlesen können (aus Kinderbüchern mit großer Schrift und einfachen Sätzen!), und um die Behauptung von AvL, die Migranten könnten meist kein deutsch lesen. Wenn ich das behauptet hätte, dann hätte Bernd gewiss wütend widersprochen, das wäre fremdenfeindlich. Ich fürchte, die Jugendlichen ohne Schulabschluss sind heute meist nicht deutschstämmig. Die Schulvergleichstests legen das nahe.
            Ich war bestimmt öfter in Berlin-Kreuzberg, -Neukölln und -Wedding unterwegs als Bernd.
            Außerdem deutet das, was Bernd andeutet, auf ein flächendeckendes und jahrzehntelanges Versagen der bundesdeutschen Kultusministerien hin. Vom Himmel fällt das alles nicht, man hat einfach zugeschaut und parteipolitische Phrasen gedroschen. Herr Möller, bitte übernehmen Sie! Sie waren doch in einem davon in den oberen Etagen tätig. Was ist mit der „Bildungsrepublik Deutschland“ ? Wer ist schuld, wenn es damit nichts wird? Vielleicht die Partei-Ideologen?

          • Nein, die Lebenslügen.

            Die Union hat jahrzehntelang behauptet, Deutschland sei kein Einwanderungsland. Und weil Deutschland ja (angeblich) kein Einwanderungsland war, gab’s auch keine Eingliederungshilfen, wie sie Staaten wie Schweden oder Kanada seit Jahrzehnten praktizieren.

            Wo ist denn die Sprachförderung in den Kitas, wenn Herr Linnemann fordert, Kinder mit Sprachdefiziten nicht einzuschulen? Wo stehen den Grundschulen denn besondere Ressourcen zur Verfügung, um Sprachförderung anzubieten? Warum kann man in Deutschland zwar mit Latein als „zweiter Fremdsprache“ Abitur machen – aber nicht bspw. mit Türkisch?

            Und genau dort machen Leute wie Sie weiter: Statt mal dafür einzutreten, dass endlich genügend Fördermittel zur Verfügung zu stehen – um Lehrerinnen wie Palim in ihrer wichtigen Arbeit zu unterstützen -, werden ideologische Kleinkriege gegen Migranten geführt: vom Kopftuchverbot bis zur Behauptung, der Staat stelle „keine Ansprüche“ an Migranten – und müsse nur mal genügend Druck machen.

            Als ob das Leben in Deutschland für Migranten nicht genügend Druck bereithielte. Leute wie Sie sind ja der beste Beleg dafür, mit wie vielen Ressentiments sich Einwanderer hierzulande herumschlagen müssen.

          • Und schon sind Sie wieder bei den Migranten angelangt, carsten60.

            In unseren Sprachfördergruppen hielten sich Kinder mit und ohne Migrationshintergrund in etwa die Waage bei insgesamt zunehmender Teilnehmerschaft unter allen Kindern im Einzugsbereich.
            Dabei ginig es zunächst einmal ums Sprechen, nicht ums Lesen, weil es um eine Förderung vor der Einschulung ging.
            Vielleicht müssten Sie mal am Nachmittag in einen Ihrer angepriesenen Sprachkurse für kleine Kinder hospitieren gehen, um die Vorgehensweise verstehen zu können.

            Die Schulabschlüsse haben Sie ins Feld geführt, sie sind jedoch für die Arbeit mit den Kindern und ihren Eltern nicht relevant, die Vorbildung hingegen schon.
            Und wenn Sie sich fragen, ob „Leute ihren kleinen (!) Kindern nichts vorlesen können (aus Kinderbüchern mit großer Schrift und einfachen Sätzen!)“, dann sage ich Ihnen, dass es eine Menge sind, die das wirklich nicht können, weil sie mühsam die Wörter zusammenbringen. Mit _Vorlesen_ hat das wenig zu tun.
            Eine Leseübung aus Silben begleiten oder hören, ob ein Kind laut liest, können mehr Eltern, wobei es solche braucht, die mitlesen, um feststellen zu können, ob das Kind das, was abgebildet ist, erliest.

          • Warum ist es Ihrer Meinung nach verboten, die Probleme anzusprechen, die aufgrund der Fehler der Union passiert sind?

          • Vielleicht hatte Deutschland auch die falschen Regeln für Einwanderer, im Gegensatz zu Kanada, wo ganz andere Spielregeln herschten. Schweden ist da leider kein gutes Vorbild:
            https://www.focus.de/politik/ausland/gastbeitrag-aus-der-neuen-zuercher-zeitung-schwedens-integrations-traum-ist-geplatzt_id_8585845.html
            Wofür ich eintrete, überlege ich mir selbst, da brauche ich keine Vorschrift von Bernd.
            Unsere Kultusministerien haben es jedenfalls vorgezogen, überflüssige Landesinstitute für Schulentwicklung zu finanzieren, statt diese Ressourcen direkt den Kindern zukommen zu lassen, die es nötig hätten. Das ist dem PISA-Wahn geschuldet, der die Kultusministerien befallen hat.

            Ich hatte oben eigentlich mehr was zu den deutschstämmigen Leuten geschrieben, die angeblich ihren Kindern keine Kinderbücher vorlesen können. Das erscheint mir nicht glaubhaft. Kinderbücher sind deutlich leichter lesbar als ein PISA-Test, also muss die Zahl derer, die das nicht können, wohl recht gering sein und kann doch nicht die ganze Diskussion hier dominieren. Und AvL (nicht ich) hatte oben behauptet, Migranten könnten großenteils überhaupt nicht deutsch lesen. Das halte ich für falsch. Palim: wo bleibt Ihr Kommentar dazu?

          • @Carsten 60
            Anscheinend kennen sie keine Deutschen aus den untersten sozialen Schichten, die weder lesen noch schreiben können.
            Und das sind nicht wenige, es werden sogar von einer Generation zur nächsten mehr, da sich im Moment die Bildungsspirale nach unten dreht, und das geschieht trotz der äußerst lobenswerten Anstrengungen der verbliebenen Lehrer, da erworbener Analphabetismus auf die nächste Generation übertragen wird.

        • Der überwiegende Teil der bildungsfernen Eltern in meinem beruflichen und schulischen Umfeld sind deutschsprachige Mitbürger, die selber sehr große Probleme haben, selbst zu lesen und durch ihre soziale Randposition sich auch noch selbstgewählt vom Rest der Eltern abgrenzen.
          Es wird also schwierig sein, deren Kinder im häuslichen Bereich zu schulen. Da brauchen wir im Grundschulbereich sehr viel mehr geschultes Personal, dass dann mit strukturierten Lesemethoden ein automatisiertes Lesen vermitteln könnte.
          Es ist aber tatsächlich zu wenig qualifiziertes Personal vorhanden, es fehlt eben in ländlichen Gegenden und erst recht in den sozialen Brennpunkten der Großstädte, wie Berlin, Bremen, Dortmund, Duisburg, Essen und anderen Städten mit einem sehr hohen Anteil an bildungsfernen Elternhäusern deutscher und anderer geburtlicher Genese.

          • „Der überwiegende Teil der bildungsfernen Eltern in meinem beruflichen und schulischen Umfeld sind deutschsprachige Mitbürger…“
            Bedenkt man den Anteil deutsprachiger Eltern im Vergleich zum Anteil andersprachiger Eltern in Ihrem Umfeld, ist das wahrscheinlich kein Wunder. Sie wollen mit Ihrer Aussage aber vermutlich suggerieren, dass ausländische Eltern bildungsinteressierter sind als inländische.
            Wozu das gut sein soll, erschließt sich mir nicht.

            @Bernd
            Herrn Linnemanns Forderung, Kinder erst einzuschulen, wenn sie genügend Sprachkenntnisse haben, um dem Unterricht zu folgen, finde ich richtig. Das gilt für alle Kinder, also auch deutsche.
            Hier mus natürlich mehr getan werden, vor allem in der vorschulischen Früherkennung und -förderung.

          • Es ist meine Beobachtung, und diese wird durch zahlreiche Studienergebnisse bestätigt, dass der soziale Status und das häusliche Umfeld, in dem die Kinder aufwachsen, die Ausgangsvoraussetzungen der Schüler bestimmt.
            Dieser Einflussfaktor prägt alle Kulturkreise.

          • Das innerfamiliäre Umfeld lässt sich, Willen vorausgesetzt, auch ohne finanzielle Mittel leicht bildungsnah gestalten. Die Eltern bzw. Erziehungsberechtigten müssen auf gemachte Hausaufgaben, Lesen, Religion höchstens als untergeordnetes Hobby usw. bestehen. Das außerfamiliäre Umfeld ist schwieriger zu ändern, weil gerade bei geringen finanziellen Mitteln nur entsprechende Wohngebiete infrage kommen. Der soziale Status korreliert leider auch mit dem Wohngebiet.

            Das alles, insbesondere die innerfamiliäre Gestaltung, gilt ebenfalls für alle Kulturkreise.

  6. @ Carsten60 ( 2. Januar 2020 At 15:22)
    „Zum dritten: dass bei PISA 2018 die Risikoschüler überwiegend Migranten der 2. Generation waren, hat Prof. Köller in einem ZEIT-Interview am 3.12.2019 zu PISA gesagt (“Anlass für Alarm”). Das ist nicht meine Erfindung oder mein Spleen. Das zahlenmäßige Verhältnis Deutsche zu Migranten dabei wird uns offiziell nie mitgeteilt. Ich nehme an, ca. 80 % der Risikoschüler sind Migranten, zumindest in den sog. Brennpunktbezirken.“

    Soso, sie nehmen an, wissen es aber nicht, stellen es einfach ins Netzt. Wollen Sie dadurch Ihre Abneigung gegen Migranten rechtfertigen?

    Nun zu den Fakten:

    In der Tat werden die Quoten im PISA-Bericht 2018 nicht explizit genannt. Man kann sie aber selber errechnen, dazu braucht man lediglich den Dreisatz. Ich habe es getan und nun hier die Ergebnisse:

    Rund 34% haben nach Zählung der OECD (S. 134 Hauptband) in PISA einen Migrationshintergrund. Von den rund 20% Risikoschülern in Lesen (höchstens Kompetenzstufe 1) entfallen nach den Auswertungen der Daten auf den Seiten 151 und 157 auf die Schüler ohne Migrationshintergrund rund 45% und damit auf die Schüler mit Migrationshintergrund 55%. Diese Zahlenverhältnisse entsprechen denen von PISA 2000.

    Sie müssen zugeben, dass es einen Unterschied macht, ob die Quote 80% oder 55% ist. Weiterhin ist zu berücksichtigen, dass rund 15% der schwachen Leser auf die Migranten 1. Generation entfallen. Also Kinder, deren Eltern und sie selbst im Ausland geboren wurden. Innerhalb dieser 1. Generation gehören rund 55% zu den Risikoschülern.

    Von den Schülern der 2. Generation gehören knapp 28% zu den Risikoschüler. Sie machen an allen Risikoschülern 20% aus. Dies widerspricht Ihrem „Köller-Zitat“ („überwiegend“) deutlich.

    Carsten60, falsche Behauptungen verbunden mit dumpfer Stimmungsmache lassen sich durchaus als fake-news entlarven

    • Eine deutliche Überrepräsentation sind die migrantischen Schüler nach wie vor, Daten zur dritten Generation fehlen, konkretere Angaben zur genauen Herkunft ebenso (Japaner vs Türken) und ganz genaue Aufdröselung der Zustände an Brennpunktbezirken im Vergleich zum Starnberger See o.ä.. So simpel ist der Dreisatz also doch nicht anwendbar.

    • Herr Möller: Laut Seite 151 ist der Anteil derer mit MIgrationshintergrund (M) 36 %, also der komplementäre Anteil (non M) 64 %. Nach Seite 157 sind von denen ohne MIgrationshintergrund 12,8 % in Kompetenzstufe I und darunter, also von allen 8,2 %. Damit kann man die Vier-Felder-Tafel wie in der Schule wie folgt ergänzen (eine kompetenzorientierte Übungsaufgabe, R bezeichnet die Risikoschüler):

      ****** non M M alle
      R 8,2% 12,5% 20,7%
      non R 55,8% 23,5% 79,3%
      alle 64% 36% 100%

      Das Verhältnis ist also 8,2 : 12,5. Wenn man also nur die Risikoschüler betrachtet, dann entfallen 39,6 % von denen auf die Nicht-Migranten und 60,4 % auf die anderen. Wie Sie auf 55 % kommen, bleibt Ihr Geheimnis. Ebenso bleibt es ein Geheimnis, warum die PISA-Leute diese Zahl nicht selber angeben, wo sie doch Massen von Zahlen ansonsten mitteilen, z.B. zu den Dienstklassen. Ist sie politisch unerwünscht? Natürlich können Sie sagen, 80 ist nicht 60,4 (kannten Sie diese Zahl vorher?), aber ich hatte das halt (ohne bösen Willen) geschätzt und hinzugefügt: „zumindest in den sog. Brennpunktbezirken“. Das letztere halte ich nach wie vor für plausibel: die Zahl wird dort bestimmt höher liegen als im bundesdeutschen Durchschnitt, denn in manchen Bezirken stellen die Migranten ja wesentlich mehr als 36 % der Schüler überhaupt. Man könnte auch sagen: Der Bundesdurchschnitt von 60,4 % verdeckt in gewisser Weise wie gravierend das Problem in manchen Städten und Stadtteilen vermutlich ist. Aus der Vier-felder-Tafel folgt aber auch, dass der Anteil der Risikoschüler bei M alleine 12,5 % von 36 % ist, also ein relativer Anteil von mehr als einem Drittel. Großartig, nicht wahr?
      Wie man es dreht und wendet, die 60 % bundesweit sind ein Ruhmesblatt weder für die Zuwanderungs- und Integrationspolitik noch für die Schulpolitik noch für die Stadtplanung. Was mag denn dieser Wert für NRW, Bremen oder Berlin allein sein?

      Last not least: Schreiben Sie einfach Herrn Köller, er würde „dumpfe Stimmungsmache“ betreiben, vielleicht antwortet er ja und erklärt das. Köller hat das jedenfalls hier gesagt (und PISA-Chefin Frau Reiss hat nicht widersprochen):
      https://www.zeit.de/gesellschaft/schule/2019-12/pisa-studie-schulleistungen-oecd-risikoschueler-schulsystem
      Sie werden jetzt stolz sein, meine Zahl korrigiert zu haben, und einfach weiter Ihre Postulate fürs Wolkenkuckucksheim wiederholen (mehr Ressourcen, mehr Ressourcen), aber der nächste PISA-Test wird voraussichtlich nicht besser ausfallen.

      • Carsten60:
        Die unterschiedlichen Ergebnisse bei Ihnen und bei mir sind darin begründet, dass die Datenlage verschiedene Zählweisen zulässt, wer zu den Migranten und Nicht-Migranten gezählt wird.
        Ich habe – wie dies im OECD-Vergleich von der OECD gehandhabt wird im Gegensatz zu den deutschen PISA-Auswertern – die Schüler mit einem Elternteil nicht zu den Schülern mit „Zuwanderungshintergrund“ (das ist die Terminologie des deutschen PISA-Teams) gezählt. Dies macht m.E. auch Sinn: Warum sollte ein Schüler mit deutscher Mutter und englischem Vater auch als Schüler mit Zuwanderungshintergrund gezählt werden.
        Dann ist die Datenlage weiterhin unübersichtlich, weil sich 14,6% der getesteten Schüler aufgrund fehlender Daten nicht eindeutig einem Status zuordnen lassen. Diese Schüler habe ich trotzdem den Schülern mit Zuwanderungshintergrund zugeordnet.
        Würde ich diese Schüler aus der Betrachtung völlig ausklammern, dann würden sich – nach OECD-Zählweise- die negativen Quoten (Risikoschüler) bei den Schülern ohne Migrationshintergrund sogar noch verschlechtern und die der mit Migrationshintergrund verbessern.
        Ich habe bei der OECD in Paris angefragt, die Diskrepanzen zwischen deutscher und internationaler Zählweise aufzuklären. Werde nach Erhalt einer Antwort berichten.

        Unabhängig von diesen Diskrepanzen ging es mir in meiner Replik zu Ihrer Behauptung „80%“ nicht darum Ihnen Fehler nachzuweisen, sondern Ihre ideologisch geprägte Behauptung zu widerlegen.
        Bei Ihrer ständigen Stimmungsmache gegen Migranten ist Ihre aus der Luft gegriffene Behauptung von 80% leider kein „Fehlerchen“, wie Sie unten schreiben, sondern eine bewusste faktenfreie Übertreibung.

        • Na, diese „unterschiedlichen Zählweisen“ erhöhen natürlich ganz erheblich das Vertrauen in PISA-Ergebnisse im Spiegel der Presse und überhaupt in Pressekonferenzen von Herrn Schleicher, besonders wenn es um politische Konsequenzen geht. 🙂
          Und wenn nun „nur“ 60 % der Risikoschüler Migranten sind, dann ist Ihrer Meinung nach die Welt in Ordnung, und in den PISA-Berichten ist das keiner Erwähnung wert? Und was mag die Situation in den Problembezirken sein? Man kann auch schönreden durch Nichterwähnung.

      • PS: Wenn aber Leute aus GB nach Kanada auswandern, dann zählen sie dort als Migranten und verbessern nach Meinung von PISA-Chef Schleicher die Leistungen der kanadischen Schule hinsichtlich Spracherwerb und Sprachkompetenz, ist das so? Traue keiner Statistik, die du nicht selbst beeinflusst hast!

        • Erstaunlich, mit welcher Engelsgeduld Herr Möller auf Ihre kleingeistigen Anwürfe reagiert, hinter denen ja nichts anderes steckt – als Fremdenfeindlichkeit, gewürzt mit einem guten Schuss Verschwörungstheorie.

          Dabei bestreitet überhaupt niemand, dass Kinder aus Migrantenfamilien Probleme im Deutschen Bildungssystem haben. Weil Deutsch nunmal keine Weltsprache ist (wie Englisch), sind zumindest sprachliche Anpassungsschwierigkeiten völlig normal. Und das Schulsystem eines Einwanderungslandes – das Deutschland nunmal ist – sollte in der Lage sein, darauf zu reagieren. Wie wäre es, Sie würden mal konstruktiv über Lösungen diskutieren, statt immer und immer wieder die Leier von den ach so dummen Migrantenkindern zu spielen, die Deutschland den tollen PISA-Schnitt versauen.

          • Ihr Argument würde ich gelten lassen, wenn Sie es auf die Migranten erster Generation beschränken würden, also Kinder zweier Eltern, die beide das deutsche Schulsystem (oder ein mindestens ähnlich anspruchsvolles) nicht selbst durchlaufen haben. Bei Migranten zweiter und erst recht dritter Generation zählt das nicht mehr. Auch lasse ich sprachliche Anpassungsschwierigkeiten bei Migranten ab der zweiten Generation nicht mehr gelten.

            Konstruktive Lösungen kann man weder mit Ihnen noch mit Herrn Möller diskutieren, weil Sie es alles wieder als AfD-Sprech abwatschen.

          • @Bernd
            Carsten60 verweist auf das kanadische Schulsystem mit seiner Definition von Migranten. Er sagt weiter, es „verbessere nach Meinung von PISA-Chef Schleicher die Leistungen der kanadischen Schule hinsichtlich Spracherwerb und Sprachkompetenz“.
            Was ist daran „kleingeistig“? Den Hinweis finde ich korrekt und wichtig.
            Wer ständig nach Rassismus und Fremdenfeindlichkeit sucht, findet sie auch an jeder Ecke.

            Es leuchtet doch ein, dass „Migranten“ aus der Schweiz oder aus Österreich die ausgewiesenen Leistungen der deutschen Schulen im Vergleich zu Migranten aus arabischen Ländern verbesern würden. Deshalb sind Statistiken mit „Migranten“ aus verschiedenen Ländern schlecht vergleichbar. Es kommt ganz wesentlich auf die Sprache, auf die Kultur und die Bildungslandschaft an, aus denen sie kommen.
            Carsten60 behauptet auch nirgendwo, dass Kinder aus Nahost oder Afrika „dumm“ seien, wie Sie ihm unterstellen.
            Durch ihre Herkunft sind sie für unsere Schulen allerdings eine erheblich größere Belastung und Herausforderung als „Migranten“ aus der Schweiz oder aus Österreich.
            Und diskutieren Sie doch mal selbst „konstruktiv über Lösungen“, anstatt immer nur andere herunterzuputzen und großspurig zu behaupten: „Das Schulsystem eines Einwanderungslandes – das Deutschland nunmal ist – sollte in der Lage sein, auf Anpassungsschwierigkeiten zu reagieren.“ Was ist an denn diesem Spruch konstruktiv?
            Sie fordern von Schulen und Lehrern Kraftakte, zu denen diese trotz aller Anstrengungen nicht „in der Lage“ sind oder sein müssten, wie Sie aus hohler Hand behaupten.
            Und kommen Sie mir bloß nicht mit der billigen und unzureichenden Allerweltsweisheit „Wir brauchen mehr Geld für Bildung!“. Besonders konstruktiv ist die auch nicht.

          • Dann lesen Sie oben die Beiträge von Palim – die hat hier längst ausgeführt, woran es hapert.

            An Leuten, die Ressentiments gegenüber Migranten „aus arabischen Ländern“ schüren, fehlt es jedenfalls nicht.

          • Was soll der Verweis auf Palims Meinung? Ich habe sie bereits gelesen.
            Aber vielleicht hilft es Ihnen ja, wenn ich sage: „Dann lesen Sie oben noch einmal die Beiträge von Carsten60 – der hat hier ausgeführt, woran es hapert bei der Interpretation von Leistungstets zu deutschen Schulen und Schülern.“

          • Hat er eben nicht – er endet argumentativ bei „Traue keiner Statistik, die du nicht selbst beeinflusst hast“. Armselig.

            Darüber hinaus habe ich selbst schon oben geschrieben:

            Wo ist denn die Sprachförderung in den Kitas, wenn Herr Linnemann fordert, Kinder mit Sprachdefiziten nicht einzuschulen? Wo stehen den Grundschulen denn besondere Ressourcen zur Verfügung, um Sprachförderung anzubieten? Warum kann man in Deutschland zwar mit Latein als “zweiter Fremdsprache” Abitur machen – aber nicht bspw. mit Türkisch?

            Daraus können Sie gerne ableiten, welche Initiativen ich vorschlagen würde. Wo sind Ihre Vorschläge?

          • In dem Text geht es, wenn ich ihn richtig überflogen habe, um die Interpretation von Statistiken – und nicht darum, dass irgendjemand Statistiken verfälscht. Das heißt nichts anderes als: Man kann ein Glas halb voll oder halb leer nennen – eine Binse. Insofern ist der reißerische Titel (der ursprünglich mal als Scherz gedacht war) irreführend, und Sie können Ihre Verschwörungstheorien stecken lassen.

        • @ Carsten60:

          Bei der Erhebung und Auswertung in empirischen Forschungen ist die Bildung von Kategorien stets normativ. So können unterschiedliche Teams auch zu unterschiedlichen Kategorien kommen. Unabdingbar ist aber, dass die Kategorienbildung transparent dokumentiert wird. Dies tun sowohl die deutschen Berichterstatter als auch die der OECD.
          Daraus den Schluss zu ziehen: “ Traue keiner Statistik, die du nicht selbst beeinflusst hast!“ disqualiziert Sie als ernsthaften Diskussionspartner.
          Mir ist schon klar, dass Sie lieber ohne überprüfbare Daten Ihre vorgefassten Ansichten verbreiten würden.
          Welche Kategorien man auch immer anwendet bei den PISA Erhebungsdaten, Ihre Prozentzahl 80% ist falsch.
          Da bei 14,6% nicht feststellbar ist, welchen Status die Schüler haben bezüglich eines oder keines Zuwanderungshintergrund, läßt sich eine exakte Quote von Schülern mit Migrationshintergrund nicht angeben.

          Dies ist aber auch kein Verlust, da der Migrationsstatus isoliert betrachtet wenig Aussagekraft auf den Bildungserfolg hat.
          Die eigentlich zentralen Aussagen zur Vermeintlichen „Wirkweise“der Variable Migration ergibt sich aber aus den Regressionsanalysen (insbes. Modell III, Seite 155-156).
          Hier heißt es:
          „… Wie im Jahr 2009 sind auch bei PISA 2018 die Unterschiede in der Lesekompetenz zwischen Jugendlichen ohne Zuwanderungshintergrund und Jugendlichen der zweiten Generation sowie Jugendlichen mit einem im Ausland geborenen Elternteil nicht mehr signifikant, wenn soziale Herkunft und zu Hause gesprochene Sprache einbezogen werden. Für die Gruppe der Jugendlichen der zweiten Generation zeigt sich (bei Einbezug von sozialer Herkunft und Deutsch als zu Hause gesprochener Sprache) zudem eine signifikante Verbesserung der mittleren Lesekompetenz im Vergleich zu PISA 2009.“

          Entscheidender als Migrationsstatus ist also die soziale Herkunft und die zuhause gesprochene Sprache.
          Dies gilt genau so für Schüler ohne Migrationshintergrund (eingeschränkt für die Sprache (Bildungssprache))

          • Ergänzung:
            Da man den Sozialstatus und die gesprochene Sprache im Elternhaus kaum ändern kann, muss Schule Kompensationsarbeit leisten. Dazu hat u.a. Palim mehrfach Vorschläge gemacht. Natürlich müssen hierfür zusätzliche Ressourcen bereit gestellt werden, wie z.B. durch sozialindizierte Ressourcensteuerung.

    • @ carsten60: Ergänzung zum vermeintlichen Zitat von Prof Köller im ZEIT-Interview.

      Jetzt habe ich noch mal das von Ihnen angegebene Zeit-Interview nachgelesen:

      Auf die ZEIT-online-Frage

      „ZEIT ONLINE: Machen sich hier die vielen Flüchtlinge bemerkbar? “

      haben Reiss und Köller geantwortet:

      „Reiss: Nein, Flüchtlinge machen nur einen sehr kleinen Teil der Zuwanderer aus. Die fallen bei der Pisa-Studie kaum ins Gewicht.
      Köller: Die größte Gruppe sind die Kinder von Migranten, die ihre Schullaufbahn in Deutschland absolviert haben, die sogenannte zweite Generation.“

      Hier kann sich jeder Leser ein Bild machen, was Sie aus der Antwort von Köller gemacht haben (Carsten60 ( 2. Januar 2020 At 15:22)): „…dass bei PISA 2018 die Risikoschüler überwiegend Migranten der 2. Generation waren.“

      Davon war im Interview natürlich keine Rede, weil es nicht stimmt.
      Dies nennt man Verfälschung von Aussagen aus (welchen?) Gründen.

      • Ich nahm halt an, die größte Gruppe müsse auch überwiegen. Wieviele „Gruppen“ in diesem Sinne soll ich denn unterstellen? Hätte ich geschrieben „größte Gruppe“, wären Sie dann zufrieden gewesen ? Ich wette, dann hätten Sie was anderes bemäkelt. Sie versuchen doch nur, irgendwelche Fehlerchen zu finden, die Hauptargumente tasten Sie gar nicht an, weil Ihnen dazu nichts einfällt.
        Dann überwiegen vermutlich die 1. und 2. Generation zusammen, ist das nun besser? Und was ist mit den 55 % vs. 60,4 % ? Was ist mit den Brennpunktbezirken? Bei den nicht-gymnasialen Schulen ist jedenfalls der Anteil noch höher, das dürfte (pi mal Daumen) klar sein. Und warum schreibt der PISA-Bericht diese beunruhigenden Zahlen nicht selbst? Ein Drittel der Migrantenkinder sind Risikoschüler. Was würde wohl eine Aufschlüsselung nach Herkunftsländern hier ergeben? Nach Seite 153 ist bei den Schülern türkischer Herkunft in nur 38,2 % der Familien Deutsch die zu Hause gesprochene Sprache, das könnte ein Indiz sein. Warum erzählt uns PISA nicht den Anteil der Risikoschüler bei denen?
        Noch was: Nach Seite 150 erreichten diejenigen der 2. Generation in Deutschland 477 Punkte im Mittel, in Finnland 458 Punkte, in Dänemark 446 Punkte und in den Niederlanden nur 433 Punkte. Wo bleiben jetzt die üblichen Sprüche über das „bessere Fördern“ in diesen Ländern ohne das berüchtigte „Sortieren“ ? Alles, was peinlich sein könnte, wird verschwiegen, nicht wahr?

    • @Herr Möller
      Danke für die zutreffend berechneten Zahlen, die ein Verhältnis von 45 % zu 55 % ergeben zwischen den Bevölkerungsteilen ergeben, und diese Ergebnissen entsprechen bei genauerer Betrachtung auch den Verhältnissen der in den in den Grundschulen erfassten Risikoschülern.
      Nur fragt man sich dann auch, warum dann nicht von Anfang an in den Schulen mehr Ressourcen in die Grundschulen investiert werden, um eben bessere Ergebnisse zu erreichen!
      Wir können es uns nicht Leisten, dass wir einen derartig großen Anteil an schlecht gebildeten Jugendlichen heranziehen!
      Blockiert werden diese Investitionen von Menschen an den Schnittstellen, die der Ansicht sind, dass die Ursachen für ein schlechtes Abschneiden in der Genetik oder der kulturellen Abstammung begründet sind.

      • Ich glaube nicht, dass Ihr letzter Satz mit seiner Anspielung auf Rassismus als Sündenbock für Schulprobleme stimmt.
        Außerdem glaube ich nicht, dass allein mangende Investitionen für alles verantwortlich sind, was wir beklagen. Geld ist bei Weitem nicht alles, es kommt auch auf die Strategie an, für die es verwendet wird.
        In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten hat sich die Politik mit ihren
        überhasteten und viel zu vielen statt zu wenigen Reformen nicht mit Ruhm bekleckert. Etliches wurde auf Grund reiner Hoffnungstheorie und wohlfeilen Sprüchen umgekrempelt, nur um hinterher feststellen zu müssen, dass man auf ideologischen Sand gebaut hatte und sich die Träume nicht erfüllten.
        Die sog. „Flüchtlingswelle“ hat die ohnehin vorhandenen Probleme der Grundschulen nur noch sichtbarer gemacht, nicht aber primär verursacht. Jetzt haben die Verantwortlichen einen Sündenbock, auf dem sie rumreiten können. Dazu kommt dann noch der beliebte Anklagepunkt „Geldmangel“, der seit Jahrzehnten für die Vertuschung strategischer Fehler herhalten muss.
        Dass Risikoschüler mehr als andere unter diesen Zuständen leiden, ist doch klar. Diese werden sich auch nicht ändern, solange nur fehlende Investitionen auf der Anklagebank sitzen.

        • Zustimmung pur, Sabine! Mich wundert auch immer wieder die verbreitete Naivität, die von alleinigen Forderungen nach mehr Geld für Investionen spricht, wenn es um eine Verbesserung der Schulen und ihrer Leistung geht.
          Hier kann ich Christian Lindner (FDP) nur Recht geben, der allgemein von einer politisch motivierten Zuschüttung von Problemen durch Geld und Geldforderungen spricht.
          Jeder tut den Bildungspolitikern und Experten nur einen Gefallen, wenn er sich in der Argumentation um bessere Bildung aufs rein Finanzielle einlässt und dabei hilft, dass konzeptionelle und handwerkliche Fehler aus dem Blickfeld geraten.

          • Zusätzliche Lehrer und schulisches Hilfspersonal in Grundschulgegenden mit einem hohen Anteil an Risikoschülern bedeuten erst einmal eine bessere Förderung dieser Risikoschüler, um dann auch besser Bildungsergebnisse in Zukunft zu erzielen und im Endeffekt die Anzahl der 50.000 Schulabsolventen ohne einen Abschluss deutlich zu senken Gleichzeitig bedeutet es auch in Zukunft, dass weniger als die derzeitigen 25 % Schüler mit einer fehlenden Leseautomatik Dasein werden.
            Das zusätzliche Geld wäre in den Schwerpunktschulen zielgerichtet eingesetzt, eine positive Investition in unsere Kinder, die später, in der Zukunft, besser auf eine zunehmend technisierte Arbeitswelt vorbereitet wären.

          • Bildung bleibt für die Länder eine gute Möglichkeit, Geld einzusparen.
            Von „Zuschütten“ kann gar keine Rede sein, gehen die Bildungsausgaben entgegen der Zusagen doch zurück.
            siehe https://www.news4teachers.de/2019/12/staat-investiert-mehr-in-bildung-1700-euro-pro-kopf-und-jahr-aber/

            und tatsächlich ist es Herr Lindner, der das anprangert:
            siehe https://www.news4teachers.de/2019/04/fdp-chef-lindner-warnt-vor-kuerzungen-bei-bildungsausgaben/

            Dabei wird man in Ausstattung UND Personal investieren müssen, weil die Ausgaben für die Ausstattung sonst vergebens sind.

      • Mein letzter Satz war auch nicht als Anspielung auf einen verdeckten Rassismus gemeint, sondern dieser Satz bezog sich auf die verbreitete Denkweise bei den entscheidenden Bildungspolitikern, dass unser Schulsystem eben in bester Ordnung ist und die schlechten Ergebnisse eben dem hohen Anteil an heranwachsenden, männlichen Migrantenkindern geschuldet sind.
        Nun ist es aber so, dass der Anteil dieser männlichen Migranten 55 % gegenüber 45 % deutschstämmiger Schulabgänger ausmacht.

  7. Herr Möller, Palim, AvL und andere:
    Hier wird von den vielen (auch deutschstämmigen) Analphabeten berichtet, die ihren Kindern nicht einmal Kinderbücher vorlesen können oder ihre Grundschulaufgaben kontrollieren können. Wenn das so ist, dann ist mein Vorschlag:
    Zumindest an (auch offenen) Ganztagsgrundschulen werden nachmittags (evtl. sogar vormittags in der letzten Stunde vor dem Mittagessen) extra Kurse „Lesen und Schreiben für Kinder von Analphabeten und andere Risikoschüler, kombiniert mit Hausaufgabenbetreuung“ eingerichtet, die dann aber von den so diagnostizierten Kindern VERPFLICHTEND besucht werden müssen. Die dürften dann nicht gleichzeitig Fußball spielen. Abwesenheit würde wie Schwänzen behandelt. Wenn es an Ressourcen fehlt, müssten notfalls andere Angebote zurückgefahren werden, die keine so hohe Priorität geltend machen können. Von den Betreuern kann ja hoffentlich jeder ordentlich lesen und schreiben, so dass die eigentlichen Lehrer hier sogar etwas entlastet werden könnten, aber natürlich beteiligt sein sollten. An Schulen ohne Risikoschüler entfällt das alles natürlich.
    Findet das Ihren Beifall? Oder kommt jetzt jemand mit einem Hinweis auf das GG, dass diese Schüler ein Grundrecht haben, Analphabeten zu sein, und niemand sie zwingen darf? In diesem Fall bitte ich mal um konkrete Gegenvorschläge.

    • Einen ähnlichen Vorschlag hatte ich weiter oben längst (3.1.-12:07) unterbreitet:
      „Ganztag oder nicht: Eine qualifizierte Hilfe bei den Hausaufgaben könnte in der Grundschule am Ende des noch immer üblichen SchulVORmittages in der 5./6./7. Stunde erfolgen – je nach Klassenstufe, eingerichtet in der Schule und VON der Schule, sodass Absprachen zwischen Lehrkraft des Unterrichts und Lehrkraft/ Betreuungsperson in der HA-Hilfe ein Leichtes wären und eine gemeinsame Förderplanung greifen könnte.
      Hätte man im Unterricht am Vormittag pädagogische Assistenzen, wüssten diese von Abläufen und Inhalten, könnten gezielt unterstützen, wo Hilfe nötig ist, nicht allein bei den Hausaufgaben. Das wäre zudem unbürokratisch und käme allen Schülerinnen und Schülern zugute.“

      Es ist Unterricht seitens der Schule, der AN der Schule MIT Personal der Schule ausgestattet sein muss, damit alle miteinander reden und sich gut abstimmen können.
      Ebenso wie bei der Sprachförderung vor der Einschulung erfolgt die Entscheidung zur Teilnahme durch die Schule, womit Schulpflicht besteht.
      Setzt man diesen Unterricht in der 5./6./7. Std. an, je nach Klassenstufe, wäre er an allen Schulen möglich, unabhängig von einem nachfolgenden Ganztagesangebot.

      Ressourcen, die man zurückfahren könnte, gibt es nicht.

      • Gut, aber Sie schweigen dazu, ob das von Schülerseite aus freiwillig oder verpflichtend sein soll. Wenn die Situation mit den Analphabeten so dramatisch ist wie Sie schreiben, dann wird Freiwilligkeit das Problem nur weiterschieben und niemals lösen. Zu viele Risikoschüler werden einfach keine Lust haben, Hausaufgaben zu bearbeiten – mit oder ohne Betreuung.
        Ironie am Rande: In Berlin hat man ja in der GS weniger wöchentliche Schulstunden als anderswo, aber man hat wohl noch nicht entdeckt, dass man da aufstocken könnte. Stattdessen hat man jetzt eine neue Kommission unter Leitung von Prof Köller beauftragt, Vorschläge zu machen. So wird das erstmal verschoben, und im Herbst 2021 ist die nächste Landtagswahl. So sind sie, unsere ach so progressiven und auf soziale Gerechtigkeit bedachten SPD-Politiker/innen!

        • Genau diese Befürchtungen teile ich. Die Eltern werden aus guten Gründen nicht zur Verantwortung gezogen. Aus Parteisicht weil sie entweder die Stimme verweigern könnten oder sie nicht wahlberechtigt sind. Aus Forschersicht, weil diese triviale Sache keine Forschungsgelder generiert.

          • Was soll denn das heißen „Eltern zur Verantwortung ziehen“, xxx – wollen Sie alleinerziehenden Müttern, die von Hartz IV leben, Geldstrafen aufbrummen, wenn die ihre Kinder nachmittags vor der Glotze sitzen lassen? Marschieren Sie dann herum und kontrollieren, ob die lieben Kleinen auch mit bildungsnahen Tätigkeiten am Nachmittag beschäftigt sind? Das ist so weltfremd…

            Sie können das tun, was Palim vorschlägt: für den Nachmittag echte (!) Förderung in die Fläche bringen, nicht nur die in Deutschland übliche Minimal-Betreuung der sogenannten „offenen Ganztagsschule“.

            Konsequenterweise führen wir dann gleich die (echte) Ganztagsschule ein – mit einem rythmisierten Tagesablauf, mit Förderangeboten für alle Schüler, auch die Leistungsstärkeren, und mit entsprechend mehr Lehrern. Aber das würde nunmal Geld kosten und wäre nicht wie die kommunale Billig-Betreuung über Elternbeiträge finanzierbar.

            Wenn ich mich aber recht entsinne, waren gerade Sie es doch, Carsten60, der die Ganztagsschule in früheren Beiträgen als sozialistisches Teufelswerk geschmäht hat?! Ist das jetzt ein Umdenken?

          • Sie teilen die Befürchtung, dass es in Berlin weniger Unterrichtsstunden gibt und dass diese nicht erhöht werden, sondern lieber eine Kommission eingesetzt wird?

            Das würde ich nicht auf eine bestimmte Partei einschränken, da es das in vielen Bundesländern gibt und die Stundentafel nicht bei jedem Wechsel der Landesregierung getauscht wird.

            Aber wir sind beim richtigen Ansatz: Man sollte auf die Unterrichtsstunden gucken, die erteilt werden sollen, und auf die, die tatsächlich erteilt werden.
            Dazu auf die weitere Versorgung der Schulen, also eben zusätzliche Möglichkeiten, Förderung einsetzen zu können, z.B. als Lesekurs oder Hilfe für Kinder mit besonderen Schwierigkeiten im Lesen und Schreiben.

            Eine Verbesserung der Unterrichtsversorgung, Regelungen zur Arbeitszeit von Lehrkräften uvm. im Bereich der Bildung wird lieber auf die lange Bank geschoben, sofern man nicht weitere Einsparungen vornehmen kann.

        • @carsten60
          „Gut, aber Sie schweigen dazu, ob das von Schülerseite aus freiwillig oder verpflichtend sein soll.“
          Lesen könnte helfen.

  8. AvL: Was „Analphabet“ bedeutet, legt eben auch jeder anders aus. Hier wird Deutschland zu den Top 10 Ländern mit der geringsten Analphabetenquote weltweit gezählt:
    http://www.atanango.com/laendervergleich-bildung-analphabetenrate–low–10–28/
    Das BMBF spricht von 6,2 Millionen Menschen in Deutschland, die „nicht oder nur unzureichend lesen und schreiben“, sagt aber gleichzeitig, die meisten seien ältere Leute:
    https://www.mein-schlüssel-zur-welt.de/de/zahlen-und-fakten-1719.html
    Das ist aber eben ein sehr dehnbarer Begriff, was heißt „unzureichend“ schon genau? Wer PISA zugrunde legen will, sollte sich erstmal die veröffentlichten Beispielaufgaben dazu ansehen, z.B. die zur Osterinsel 2018. Die stellt regelrechte „Fallen“ auf, in die man tappen soll, und das zu einem überhaupt nicht volksnahen, sondern eher akademischen Thema.

    • @Carsten60
      Wenn sie valide Angaben zum Analphabetismus von Erwachsenen sowie Schulabgängern in Deutschland haben möchten, so empfehle ich ihnen die Leo-Studien.
      Derartige Mitmenschen kann man übrigens moralisch und verantwortlich nicht auch noch in ihrem Sinne zur Verantwortung ziehen, wenn es diesen nicht gelingt, deren Kinder ausreichend zu fördern.

    • @carsten60
      Gut, wenn Sie sich damit auseinandersetzen, was „Analphabetismus“, „nicht oder nur unzureichend lesen und schreiben” oder „doch wohl wenigstens so viel Deutsch (können), dass es für die Grundschule reicht“ bedeutet.
      Das hilft, die Fördermaßnahmen und Möglichkeiten passgenauer zusammenzustellen, sodass sie hilfreich und auf die Bedürfnisse abgestimmt sind und die zusätzlichen Ressourcen dort ankommen, wo sie dringend benötigt werden.

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