Startseite ::: Titelthema ::: Bis 2022 soll jeder Schüler in Deutschland morgens in einem „digitalen Klassenzimmer“ sitzen

Bis 2022 soll jeder Schüler in Deutschland morgens in einem „digitalen Klassenzimmer“ sitzen

BERLIN. Bund und Länder verhandeln derzeit über «digitale Klassenzimmer». Es geht um viel Geld und gute Pädagogik-Konzepte. Kultusminister-Chefin Eisenmann ist zuversichtlich, dass dabei Sinnvolles herauskommt. Am Ende sei aber der alte Goethe immer noch wichtiger als Steve Jobs.

So, wie in dieser Computerklasse in den USA, soll es künftig auch in deutschen Schulen aussehen. Foto: Jonathan Reyes / flickr (CC BY-NC 2.0)

So, wie in dieser Computerklasse in den USA, soll es künftig auch in deutschen Schulen aussehen. Foto:
Jonathan Reyes / flickr (CC BY-NC 2.0)

In Verhandlungen mit der schwarz-roten Bundesregierung wollen die Bundesländer dieses Jahr sicherstellen, dass alle 40.000 Schulen in Deutschland so rasch wie möglich mit digitaler Technik und sinnvollen Lernkonzepten ausgestattet werden können. «Es gibt bei der Digitalisierung im ganzen Land an den Schulen Handlungsbedarf», sagte die Präsidentin der Kultusministerkonferenz (KMK), Susanne Eisenmann (CDU), auf Anfrage. «Die KMK sollte daher ihr Ziel nicht zu zurückhaltend definieren. Sonst kommt man nie voran.»

Die Länderminister hatten im Dezember beschlossen, möglichst jedem Schüler bis 2021 Internetzugang und «digitale Lernumgebung» an seiner Schule zur Verfügung zu stellen. Diesen Fünf-Jahre-Zeitraum halte sie «für eine gute Ansage», bekräftigte die baden-württembergische Bildungsministerin. «Die Länder sind jetzt gefordert, sich die Digitalisierungs-Strategie der KMK in ihren Zuständigkeitsbereichen vorzunehmen und dann umzusetzen.»

Entpuppt sich Wankas Fünf-Milliarden-Digitalpakt für die Schulen als heiße Luft? Im Bundeshaushalt ist dafür bislang kein Geld vorgesehen

Die 16 Bundesländer sollen nach bisheriger Planung pädagogische Konzepte für digitale Bildung realisieren, Aus- und Fortbildung der Lehrer sicherstellen und sich um gemeinsame technische Standards kümmern. Neben diesen «Hausaufgaben» der KMK geht es in den Ende Januar angelaufenen Gesprächen um die von Bundesbildungsministerin Johanna Wanka (CDU) angebotenen fünf Milliarden Euro als Anschub für die Ausstattung der Schulen mit digitaler Infrastruktur. Wanka hatte ihre «Digitalpakt»-Initiative im Oktober gestartet und versichert, die Bildungshoheit der Länder im Schulbereich sei nicht tangiert.

Zur Streitfrage, ob die nach Expertenschätzung viele Milliarden Euro teure Sanierung von Schulgebäuden nicht Vorrang vor «digitalen Klassenzimmern» haben müsse, sagte Eisenmann: «Wir müssen aufpassen, dass wir das eine tun und das andere nicht lassen. Natürlich brauchen Schüler und Lehrer inspirierende Räume, ein motivierendes Umfeld. Aber eben auch funktionierende, zeitgemäße Technik.»

Eine Analyse zur „didacta“: Wie sich Lehrkräfte für digitale Technik gewinnen lassen – und wie sicher nicht


Letztlich gelte es ohnehin immer zu überlegen, wo der Einsatz digitaler Medien im Unterricht sinnvoll ist und wo nicht. «Natürlich geht es um Medienbildung, um einen sinnvollen, verantwortungsvollen Umgang mit Medien», betonte Eisenmann. «Aber zur Vermittlung des Wertes von Demokratie, zur Abwehr von „Fake News“ braucht man nicht nur neue Computer, sondern zum Beispiel guten Geschichtsunterricht. Vielleicht ist am Ende der alte Goethe doch wichtiger als die Biografie von Steve Jobs.»

Ob eine flächendeckende Ausstattung von Schulklassen mit Laptops sinnvoller ist als die Nutzung von eigenen Smartphones der Schüler, wollte Eisenmann nicht als KMK-Chefin beurteilen. Ein Laptop sei wohl vielfältiger einsetzbar. «Ich persönlich bin eher skeptisch, ob jeder Schüler nun seinen eigenen Computer mitbringen sollte. Das müssen aber letztlich die Länder einzeln entscheiden, da wird die KMK keine Vorgaben machen», sagte die Stuttgarter Ministerin. Die Bundesländer schauten sich auch bei diesem Thema intensiv gegenseitig über die Schulter. «Denn es gibt noch viele offene Fragen, zum Beispiel bei Datenschutz und Chancengleichheit im Unterricht.» Von Werner Herpell, dpa

Deutscher Schulleiterkongress: Warum die digitale Revolution noch lange auf sich warten lässt (an den meisten Schulen jedenfalls)

33 Kommentare

  1. Völliger Quatsch. Bei uns an der Schule ist der Server kaputt. Seit 6 Wochen kein Zugang zum System. Die Whiteboards funktionieren nur sehr eingeschränkt. Noch Fragen???

    • Wäre alles digitalisiert, könnte seit 6 Wochen kein Unterricht mehr stattfinden.

      • oder die Lehrer müssten sich die Unterrichtsplanung selber überlegen ?

        • Unterrichtsplanung erübrigt sich doch nicht, wenn man Interaktive Whiteboards oder andere digitale Medien nutzt.
          In der Regel muss man sich die Materialien oder Medien dafür selbst erstellen, wenn es nicht mit dem Abbild des Schulbuches getan sein soll. Schulbuch-Unterricht kann man auch ohne Beamer erteilen.
          Allein die Geräte in den Raum zu stellen, bewirkt noch keinen guten Unterricht damit und an den Materialien für Whiteboards sieht man ja sehr genau, wie viele Lehrkräfte den Aufwand auf sich nehmen (können), Materialien u.a. dafür zu erstellen.

  2. @ GriasDi, Zustimmung. Fällt die Technik aus, was leider oft passiert, muss man zurück zu alten Lehrmethoden. Nur, die jungen Kollegen beherrschen sie nicht.

    • Sorry, aber das ist doch dummes Zeug. Wieso sollten junge Kollegen nicht ohne Technikeinsatz unterichtgen können? Stellen Sie die jungen Kollegen doch bitte nicht als völlig bescheuert hin!

    • Ich sehe das ähnlich wie küstenfuchs. Lediglich die spontane Umstellung von gut und digital auf gut und analog wenn das WLAN streikt könnte den jungen Kollegen anfangs Schwierigkeiten bereiten. Die legen sich aber normalerweise schnell

      • Sind DVDs digitale Präsentationstechniken während die alte VHS-Kassette old-fashioned und somit analog ist?

        Wenn Digitalisierung Datennetze mit ausreichend großes datenvolumen und guter Empfangsqaulität in allen Ecken und Enden des Schulgebäudes sowie Beamern in allen Unterrichtsräumen bedeutet, die alten Overheadprojektoren durch Kameras ersetzt werden etc, dann bin ich voll dafür.
        Smartboards hingegen sind Geschmackssache – meinen treffen sie nicht. Die guten alten Kredetafeln durch Whiteboards zu ersetzen sollte hingen machbar sein, hat aber nichts mit Digitalisierung zu tun.
        Und Schulbücher durch digitale Schulbücher und Tablets zu ersetzen, halte ich für einen Wunschtraum der Verlage. Ich bin dem nicht abgeneigt, denn beim heutigen Verfahren der schulbuchausleihe können die Schüler auch nicht im Buch arbeiten – also Unterstreichungen vornehmen, Randkommentare hineinschreiben und dergl. mehr.

        Aber Hilfsmittel im Unterricht sind und bleiben egal on digital oder analog eben Hilfsmittel und sollten in ihrer Wirkung weder unter- noch überschätzt werden. Ich kann mit digitalen Hilfsmitteln genauso wie mit der Kreidetafel sowohl guten als auch schlechten Unterricht machen. Manchmal gelingt das eine, häufig auch das andere. Daran wird die zunehmende Digitalisierung nichts ändern.

  3. Viel Geld für digitale Klassenzimmer, kein Geld für kleine Schulen, kleinere Klassen, geringeres Stundensoll, sanierte Schulen …

    Noch Fragen?

    • Axel von Lintig

      Wo bringt denn die Digitalisierung die Bildung der Schüler weiter ?
      Und es sollten schon mal gar keine digitalen Medien im Anfangsunterricht verwandt werden.
      Die Verdummung der Gesellschaft schreitet mit den neunen Medien und dem zunehmenden Fernsehkonsum voran.

      • Man kann durch die Digitalisierung neue Möglichkeiten erhalten und man kann auch im Anfangsunterricht (Klasse 1+2) durchaus digitale Medien einsetzen:
        – Bildbetrachtungen sind sehr schön – für Kunst, für Religion .. für anderes… und auf anderem Wege nicht immer möglich (statt TLP, Diaprojektor reicht ein Beamer/Board)
        – Man kann als Lehrkraft hervorragende Tafelbilder vorab erstellen, die dann im Unterricht interaktiv genutzt werden. Das ist z.T. weniger mühsam als das Beschriften von Tafel oder Erstellen von Wortkarten… WENN man sich eingearbeitet hat und die Technik läuft.
        – Es gibt vereinzelt gute Programme zum individuellen Üben, die in Klasse 1+2 bereits genutzt werden können und die Kinder voran bringen, einschließlich direkter Rückmeldung an die SuS und Rückmeldung an die Lehrkräfte zwecks besserer Differenzierung.

        Aber wie jedes andere Handwerkszeug muss man dieses beherrschen und wissen, wofür man es einsetzt und wo man besser andere Werkzeuge nutzt.

        • Axel von Lintig

          Wie wäre es denn, wenn man zur Entwicklung der graphomotorischen Fähigkeiten, die Kinder einfach mal wieder selber malen ließe, anstatt sie Schablonen ausmalen zu lassen, wie ich es hier in den Grundschulen sehe.
          Die Kreativität geht sonst nämlich vollkommen verloren.Die können immer weniger, weil man sie nicht selbstständig malen lässt.

          • Was meinen Sie denn mit „Schablonen ausmalen“? Buchstaben ausmalen oder vorgezeichnete Bilder ausmalen? In welchem Zusammenhang? Deutsch oder Kunst?
            Ist das nicht ein einseitiger Eindruck, den Sie als Elternteil durch kurze Einblicke gewinnen?
            Bei uns wird hin und wieder mal etwas ausgemalt, aber das ist kein großer Bestandteil im Kunstunterricht bzw. der Anteil von Vorgefertigtem ist ziemlich gering. Im Kunstunterricht soll es ja schwerpunktmäßig um Techniken, Kunst- und Künstlerverständnis und vor allem um Kreativität gehen.
            Wir arbeiten meistens dann mit Schablonen, die in der Regel auf Tonpapier oder Tonkarton übertragen werden, wenn wir für jahreszeitliche Anlässe etwas basteln.

          • Axel von Lintig

            Ich meinte natürlich fotokopierte und vorgedruckte Darstellungen von zum Beistiel Tieren, Pflanzen und anderem Darstellungen.
            Auf der einen Seite will man doch von der reformpädagogische Seite immer, dass die Schüler eigen initiativ, selbst gesteuert und eigen initiativ arbeiten und ohne direkte Instruktion selbstständig arbeiten.
            Auf der anderen Seite tritt man dann von der selben Seite dafür ein, mit computeranimierten Bildern und Vordrucken zu arbeiten.
            Das passt nicht zusammen.
            Aber wie Sie es beschreiben findet ein derartiger Kunst- und Biologie- und Sachkundeunterricht bei Ihnen nicht statt.
            Beim Basteln mit Tonpapier geht das auch nicht anders.

          • Axel von Lintig

            Beim Arbeiten in Stationen sollte zur Abwechslung Fotokopien ausgemalt werden. Die Umrisse waren alle samt vorgegeben.Dann schon lieber malen mit Zahlen zum Erlernen des Zahlenstrahl.

          • Meine Beispiele zielten auf anderes ab, nicht auf graphomotorische Übungen, das kann ich besser ohne Board erreichen.
            Interaktive Übungen am Board sind häufig Grammatikübungen mit Wort- oder Satzumstellungen, Texte zum Unterstreichen u.a., eher die Sachen, die man früher am Tageslichtprojektor gezeigt hat.
            Bildbetrachtung ist bei mir z.B. Religion (das waren früher Dias oder Folien) oder auch mal Kunst, entweder ein Kunstwerk (das waren früher Plakate oder Folien) oder um Ideen zu erhalten. Ich finde es sehr hilfreich, weil wir in diesen Fächern keine Bücher eingeführt haben.
            „Ausmalen“ kann eine Übung im Kunstunterricht sein, z.B. haben wir neulich Mondrian-Bilder gefertigt, die ich tatsächlich fotokopiert habe, wobei ich mich bewusst dafür entschieden hatte, weil ich wollte, dass die Kinder mit einem feinen Pinsel sehr feine Linien ausmalen sollten, gerade WEIL sie das nicht konnten.
            Und für die Fenstergestaltung hatten wir zuletzt in Gruppen Herbstszenarien überlegt, skizziert, die Aufgaben verteilt und dann ohne jegliche Schablone erstellt. Das Bild konnte man im Winter ergänzen, die Eulen sitzen noch auf dem Baum, das Flugzeug fliegt durch die Wolken, der Trecker bestellt das Feld… es gibt ein Reh und einen Fuchs, vielleicht hoppelt demnächst ein Hase vorbei, die Igel haben wir aus dem Winterschlaf geweckt und das Herbstlaub entfernt.
            Es gibt auch Unterricht, bei dem die Kinder selbst etwas zeichnen und beschriften sollen. Auch das ist mir wichtig und auch das kann man schon früh beginnen, z.B. im 1. Sj. mit dem Querschnitt einer Zwiebel oder eines Apfels, eingebettet in entsprechende Einheiten. Dabei gibt es kein vorgefertigtes Bild am Board, das aus einer Bildersammlung stammt, sondern ein gezeichnetes an der grünen Tafel. Und im zweiten Schuljahr können die SuS das dann recht selbstständig auch im Stationenlernen, z.B. wenn wir für die Einheit zum Löwenzahn auf die Wiese gehen. Wenn man es gut strukturiert, erweitern sich die Fähigkeiten allmählich und man profitiert von den vorherigen Übungen, die Kinder werden immer selbstständiger und benötigen in vielen Bereichen nur noch Erinnerungen, aber keine Schritt-für-Schritt-Anleitungen bei allem, was sie tun. (Man kann es auch ins Methoden-Curriculum schreiben.)

            Übrigens gibt es sogar Kinder, die auf Ausmal-AB oder auch auf Mandalas fliegen, sogar die graphomotorisch ungelenken. Solche Sachen sind bei mir ein Angebot. Was wohl die Eltern denken, wenn Kinder sich davon viele Seiten holen und sie mit nach Hause nehmen, während in Mappe und Heft nichts anderes zu entdecken ist, weil Unterricht nicht gleichbedeutend mit „wir schaffen etwas, das wir abheften können“ sein muss?

  4. Reicht im „ditschithalen Klassenzimmer“ die virtuelle Anwesenheit oder muss man da ganz old-fashioned“ anlog abhängen?

    • Axel von Lintig

      Alternativ verfolgt man wohl im“ditschitalen Zeitalter“ den Unterricht von zu Hause aus.Bertelsmann hat bestimmt schon eigene Materialien entwickelt, welche selbstverständlich mit einem neuen Lernzielkatalog abgestimmt sind. Alles ähnlich wie bei Rüdiger Urbaneks Tinto und Norbert Sommer-Stumpenhorsts Rechtschreibwerkstatt. Es müssen nur noch die richtigen Leute in die Lehrplankommissionen gehievt werden.

  5. Axel von Lintig

    Das Geld für die Digitalisierung kann man besser in den Ausbau der Förderschulen stecken und die Deutschkurse für ausländische Kinder, sowie in den Förderunterricht und Nachhilfeunterricht für die geschädigten von Lesen durch Schreiben und anverwandter Methoden.

    • Hören Sie doch auf zu erzählen, dass die FöS auf Anordnung der bezirksregierung geschlossen würden und die betroffenen Schüler und Schülerinnen zwngsweise an regelschulen geschickt würden.
      Tatsache ist, dass die Eltern darüber entscheiden können, welche Schulform sie für ihr Kind wählen. Da sich viele Eltern von Förderkindern für Regelschulen entschieden haben, haben die FöS zu geringe Anmeldezahlen gehabt. So wurden die Mindestzahlen für diese Schulen unterschritten, was zum Auslaufen einzelner Schulstandorte geführt hat.
      Darüber hinaus wäre es schön, Sie würden sich mit dem Staatsaufbau und der existierenden Trennung von kommunaler und staatlicher Ebene auseinandersetzen. Bezogen auf die FöS müsste Ihnen dann nämlich auffallen, dass die Einrichtung und Unterhaltung der FöS kommunale Pflichtaufgabe ist. Lediglich die personelle Ausstattung mit Lehrkräften ist Aufgabe des Landes.

      Die Digitaliesierung allgemeinbildender Schulen gegen den Erhalt von FöS auszuspielen, halte ich für infam.

      • Axel von Lintig

        Ich spiele hier nichts gegeneinander aus. Ich bin nur ein Elternteil ohne ein politisches Mandat für irgend welche politischen Entscheidungen,noch strebe ich eines an.
        Bedingt durch die freie Schulwahl der Eltern, melden diese ihre Kinder in Schulen an, welche definitiv ihre Kinder überfordern.
        Schließlich wurden geeignete Förderschulen vor Ort von kommunalen Entscheidungsträgern auf Grund geringer Anmeldezahlen geschlossen.
        Das befördert viele in der Entscheidung zur inklusiven Beschulung, was auch politisch gewollt ist.
        Ich halte die Digitalisierung in den Grundschulen nicht förderlich für das Lernverhalten und stütze mich dabei auf Untersuchungsergebnisse der neueren Hirnforschung(Prof.Spitzer).
        Die Art, wie in Talkshows mit Herrn Spitzer umgegangen wurde, hier Herr Sascha Lobo und Herr Lindner von der FDP, zeugt von eindeutiger Lobby getragener Positionierung.
        Der Auftritt dieser beiden Interessenvertreter war schlicht gesehen eine Unverschämtheit einschließlich deren Verhalten gegenüber Herrn Prof. Spitzer.
        Es geht darum einen neuen Absatzmarkt für digitale Medien zu erschließen, dessen Finanzierung von der öffentlichen Hand getragen wird.
        Die Vermittlung von Lerninhalten tritt dem gegenüber in den Hintergrund, wird aber der Öffentlichkeit, weil es modern ist, als Argument vorgeschoben.
        Jetzt fehlen nur noch die von Bertelsmann finanzierten Studien.

        • Spitzer spricht sich aber nicht gegen das Lernen mit digitalen medien aus.
          Er erklärt alenfalls, warum Kinder und Jugendliche das wie auch immer Gelernte durch ihren zeitraubenden Medienkonsum „verschütten“ bzw. wie durch Reizüberflutung das Gehirn das nachhaltige Lernen konterkariert wird.

          • Axel von Lintig

            Wie ich es verstanden habe, steht Spitzer dem Umgang mit digitalen Medien in der Grundschulzeit kritisch gegenüber.
            In erster Linien geht es ihm um den übermäßigen Konsum von digitalen Medien, wie Computerspielen und Fernsehen.
            Aber für gezielte Übungen ist das Medium nicht zu vernachlässigen, insbesondere, wenn man damit das Interesse der Schüler für den Unterricht wecken kann.
            Es stehen auch sehr gute digitale Medien für das Lesenlernen und dem Erarbeiten der deutschen Grammatik vom ABC der Tiere zur Verfügung, mit denen die Schüler sehr gut Übungen durchführen können, die dann anschließend direkt gegenkontrolliert werden
            (Lesen- und Schreibenlernen mit Sil und Ben).

          • Beim wiederholdenden Üben bieten Lernprogramme große Vorteile gegnüber den üblichen Hausaufgaben – auch in der Grundschule.

            Lernprogramme wie „Crazy Machines“ oder „Bridgebuilder“ sind auch bereits im Vorschulalter hervorragende digitale Lernpielzeuge.

            Im Grunde ist es wie beim Lesen – da sind eben Schöthe und Giller Klassiker und „Groschenromane“ Schundliteratur. Und in Bildungsbürgerkreisen kauft auch niemand die Zeitung mit den 4 großen Buchstaben und jeder weiß über deren Inhalte bescheid. Und die Yellow Press liest auch nur jedermann bzw. jederfrau beim Arzt oder Friseur, weil niveauvolleres gerade vergriffen war.

            Wenn die Gesetzmäßigkeit, dass Intensität mit dem Quadrat des Abstandes abnehmen solle, dann ließe sich dies am besten mit dem Bildungserfolg älterer Mitbürger nachweisen. Je älter sie werden desto mehr sind sie davon überzeugt dass sie überragende Fähigkeiten und Fertigkeiten am Ende ihrer eigenen Schulzeit hatten.

          • Beim wiederholenden Üben stimme ich Ihnen uneingeschränkt zu. Die Regierung möchte aber gerne den kompletten Unterricht digital stattfinden lassen, was sich ausdrücklich auch auf das eigenständige Erlernen neuer Inhalte bezieht. Daran habe ich jedoch meine Zweifel. weil den Schülern — gerade den schwachen — die Selbstständigkeit, der Ehrgeiz, die Frustrationstoleranz, die Aufmerksamkeitsspanne und das Durchhaltevermögen fehlt.

          • Welche regierung? Die landesregierung oder dei Bundesregierung?

            Interessanter ist doch die Frage, welche Verbände (Lobbygruppen) ein verstärktes Interesse an der Digitalisierung der Schulen haben könnten. Mir fallen da einige bis hin zu den Schulbuchverlagen ein. Lizenzen zu vergeben ist wirtschaftlicher als Bücher zu drucken.
            Kostenspielig wird es für die Länder, die entsprechende Bildungs-/Lernplattformen aufbauen müssen und die Kommunen, die die Hardware einschließlich Netzwerktechnik beisteuern, unterhalten und administrieren müssen

          • Na gut, die Regierung im Auftrag der Lobbyisten, in deren (Lobbyisten) Hintern sie (Regierung) gekrochen ist.

          • Bundes- oder Landeshintern?

            zentralisierung der Bildungszuständigkeit und Abschaffung des Bildungsfödralismus reduziert die Anzahl der analen Eingänge.

          • Das ist den Politikern reichlich egal solange die Wiederwahl oder ein Aufsichtsratsposten im Anschluss an das Mandat dabei herausspringt.

          • Aber Marketingmaßnahmen einschließlich „incentives“ können umfangreicher und zielgerichteter eingesetzt werden, wenn sich die Zahl der Adressaten infolge einer möglichen Föderalismusreform reduziert.

  6. Die Erfinder des Computers haben sicherlich mit Papier und Stift gelernt.

  7. Axel von Lintig

    drd, Palim

    Anders ist ein Begreifen auch nicht möglich, als mit manuellen Tätigkeiten.
    Und dann kommt es auch auf wiederholende , eigenständige und kontrollierte Übungen an.
    Wir hinterlegen unser Wissen in den Arealen des menschlichen Cortex, der bei Primaten der räumlichen Wahrnehmung dient.
    Wir benutzen diesen Teil unseres Gehirns für andere Zwecke, nämlich der Erlernung von Kulturtechniken, wie das Spielen eines Musikinstrumentes und das Schreiben.
    Es entspricht keinem Automatismus, wie etwa beim Erlernen des Gehens oder des Robben.
    Da steuert die Schwerkraft als direktes Korrektiv jedem Fehler des Kindes entgegen, in dem man dann eben stolpert oder einfach rückwärts robbt, wenn man es falsch macht.
    Aber wie negativ wirkt sich erst die unkontrollierte Vermittlung von Kulturtechniken des Lesens und des Schreibens aus, wenn es keine Korrektur vom Lehrer gibt und Fehler nur unzureichend oder gar nicht verbessert werden.
    Dann werden diese Fehler durch jede Wiederholung noch gefestigt.
    Dann wird es zu einer riesigen Aufgabe zu einem späteren Zeitpunkt diese Fehler wieder umzulernen.

    • Ebenso kann man es als wichtig erachten, SuS mit Medien unterschiedlichster Art und ihrem Umgang mit denselben vertraut zu machen.
      Auch da braucht es, wie bei anderen Kulturtechniken, wiederholende, kontrollierte Übungen, die die Eigenständigkeit nach und nach fördern, um diese Techniken sinnvoll einsetzen zu können.
      Wenn SuS dann, wenn sie einigermaßen lesen und schreiben können, dies bereits im Internet tun und in sozialen Netzwerken unterwegs sind, sollten ihnen auch die Risiken vermittelt werden (siehe Verkehrserziehung).
      Das BeGREIFEN in dieser Hinsicht ist nur schwer als manuelle Tätigkeit zu leisten, es braucht aber dennoch elementare Vermittlung und Erkenntnisse, die im Alter von 12 für viele m.E. viel zu spät kommen.

      Um diese Inhalte zu unterrichten, braucht es eine Grundausstattung an Schulen. Außerdem bin ich der Meinung, wer möchte, das solche Inhalte neben allen anderen oder zusätzlich zu allen anderen vermittelt werden, sollte hierfür auch Geld und vor allem Zeit zur Verfügung stellen. Es wird nicht ausreichen, Schulen mit Geräten auszustatten. Es braucht auch Geld und Zeit für die Wartung, für das Erstellen von Unterrichtseinheiten oder Konzepten (NRW hat da schon vor Jahren gutes geleistet) sowie Zeit am Schulvormittag, die Inhalte in bestehender Zeit vermitteln zu können.

      (… zum Verbessern von Fehlern haben wir uns andernorts schon ausgetauscht, ich sehe es anders und Lesen durch Schreiben als EINE Methode unter vielen im Unterricht ein und derselben Klasse, die Kulturtechnik zu erlernen und anzuwenden und ihr kommunikatives Potenzial auch Schreibanfängern schon zu vermitteln.)

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.Benötigte Felder sind markiert *

*