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Welche Kleidung ist für Lehrkräfte angemessen? Stilberater klagt: „Am liebsten tragen sie ihre ungebügelten Wanderklamotten“

ZÜRICH. Stimmt das alte Klischee vom Lehrer in Sandalen und weißen Socken noch? Wenn es nach dem Stilberater Jeroen van Rooijen  geht, dann gibt es modisch unter Lehrkräften immer noch gewaltige Aussetzer.

Modischer Albtraum: Weiße Strümpfe in Sandalen - gibt's sowas tatsächlich heute noch in Schulen zu sehen? Foto: Oddman47 / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)

Modischer Albtraum: Weiße Strümpfe in Sandalen – gibt’s sowas tatsächlich heute noch in Schulen zu sehen? Foto: Oddman47 / Wikimedia Commons (CC BY 3.0)

Was können weibliche Lehrkräfte tragen? Enge, sehr kurze und transparente Kleider sind „ein sicheres No-Go“! Knielange Kleider oder Röcke seien hingegen in Ordnung. Parfüm? „Schülerinnen und Schüler tragen heute mitunter starke, süssliche Düfte – es ist keinem Lehrer zu raten, es ihnen gleichzutun“, heißt es. Make-up? „Es ist keiner Lehrerin die Freiheit zu nehmen, vor der Klasse Lippenstift zu tragen – wenn es zum Typ passt und nicht aufgedonnert wirkt. Im Zweifelsfall sind natürliche Farben aber besser als expressives Rot. Als ungeeignet werden stark geschminkte «smoky eyes» (Abend-Make-ups) oder auch aufgeklebte Kunstnägel angeschaut.“

Und was ist für männliche Lehrkräfte angemessen? T-Shirt? „Auf keinen Fall eines, das mit Logos, Parolen oder Symbolen bedruckt ist. Im Zweifelsfall empfiehlt es sich für Lehrer, ein korrekteres Poloshirt mit Kragen zu wählen“, heißt es. Shorts? „Ein ganz klares No-Go. Für Frauen mit gepflegten Beinen können Bermudas in Ausnahmefällen gehen, Männer sollten ihre Beine jedoch grundsätzlich zur Gänze bedecken.“ Wie sieht es andererseits mit Krawatten aus? „Können in der Schule problemlos weggelassen werden, weil sie ohnehin nicht mehr uneingeschränkt als Symbol für Ordnung und Autorität stehen, sondern teilweise sogar unnötig Distanziertheit anzeigen. Für die Schulleitung und öffentliche Termine können sie gleichwohl getragen werden, nur nicht zu kurzärmligen Hemden“, so lauten die Empfehlungen.

Selbst Lehrer tragen sie: Schulkleidung ist beliebt – gegen den Markenwahn, für eine stärkere Identifikation mit der Schule

Diese entstammen einem Kleidungs-Knigge für Lehrkräfte, den das 300-köpfige Kollegium der Schule Kreuzlingen am Schweizer Ufer des Bodensees bereits 2014 für sich selbst entwickelt hat – mit Unterstützung des Stilberaters Jeroen van Rooijen. In der Schweiz kocht das Thema immer wieder hoch. Beat W. Zemp, Präsident des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz, räumt gegenüber der Neuen Zürcher Zeitung ein: „Die Gefahr übertriebener Eleganz ist bei Lehrpersonen nicht groß.“

Das hat jetzt erneut Jeroen van Rooijen auf den Plan gerufen, der nach eigenem Bekunden viele eidgenössische Schulen berät und jetzt in der Schweizer Boulevardzeitung „20 Minuten“ publikumswirksam klagt: Die Lehrer seien der Auffassung, in ihrem Job zählten nur das Vermitteln von Wissen und menschliche Qualitäten. Deshalb träten einige zu nachlässig und zu ungepflegt vor die Klasse. „Am liebsten tragen sie ihre ungebügelten Wanderklamotten von Mammut und Schöffel, dazu Schuhe von Sioux oder Mephisto und in ganz schwerwiegenden Fällen vielleicht noch Birkenstocksandalen mit Socken.“ Denn bequem und unkompliziert solle es sein.

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Dass hierzulande auch schon die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ mit einem Stoßseufzer zu vernehmen war, mag als Beleg dafür dienen, dass auch so manche deutsche Schule den Besuch eines Stilberaters nötig hätte. „Manche kommen im Schlabberpulli, andere im T-Shirt, fast alle in Jeans. Korrekte Kleidung gibt es nur im Rektorat. Warum kleiden sich Lehrer oft so merkwürdig?“, jammerte die FAZ.

Viele Lehrkräfte hielten Mode tatsächlich für unwichtig und schenkten ihrer Garderobe wenig Beachtung, weiß eine Vertreterin vom Zürcher Lehrerverband. „Sie ziehen das erste Shirt an, das sie in ihrem Schrank finden“, sagte sie gegenüber „20 Minuten“. Schick zur Arbeit zu gehen, geschweige denn in Anzug und Krawatte, komme kaum einer Lehrperson in den Sinn. Denn: „Sonst wird man von den Kollegen als Banker oder Kapitalist hochgenommen.“ Doof sei allerdings, dass sich der Zeitgeist längst gewandelt habe – und selbst Schüler heute kaum mehr abgerissen in die Schule kämen. Im Gegenteil: Bei Abschlussfeiern beispielsweise würden heutzutage feinste Roben getragen. Umso stärker falle der Kontrast zu manchem Lehrer aus.

Der Leiter der Schule Kreuzlingen, die sich von Jeroen van Rooijen hat beraten lassen, hat mit Pädagogen ähnliche Erfahrungen gemacht. „Es kann vorkommen, dass Lehrpersonen aus Angst, zu elitär oder zu tussihaft zu wirken, ihren Kleiderstil in die andere Richtung übertreiben.“ Mitunter kämen sie dann sogar schmuddelig daher. Der Direktor: „Ein Lehrer hatte starken Mundgeruch und trug immer dasselbe Hemd. Ich bat ihn dann, sich etwas mehr zu pflegen.“ bibo / Agentur für Bildungsjournalismus

 

Der Dresscode für Lehrkräfte

Die NZZ hat die Empfehlungen der Schule Kreuzlingen für ihr Kollegium dokumentiert. Darin sind Kleidungsstücke aufgelistet – und die Kommentare des Stilberaters dazu, der Lehrkräften grundsätzlich als passend empfiehlt: Collegestyle oder „smart casual“. Was das konkret bedeutet? Hier einige Auszüge aus dem Dresscode:

Jacketts und Blazer: Werden von den meisten Lehrern zwar als schön, aber auch als wenig geeignet empfunden, weil sie die Bewegung einschränken können. Ein Tipp wären darum die neuen, dehnbaren Soft-Jacketts ohne Schulterpolster und Innenfutter. Einfarbige Anzüge sind zu formell und nicht mehr dem Berufsbild entsprechend.“

Ärmellos: Spaghettiträger sind ein klares No-Go. Die Träger von Tops oder Kleidern sollen mindestens drei Finger breit sein, wobei auf jeden Fall die Achseln zu rasieren sind. Die Zurschaustellung von Körperhaaren gehört sich auch für Herren nicht – ärmellose Shirts sind kein ausreichendes Outfit.“

Jeans: Solange Denim-Hosen zeitgemäß geschnitten und nicht zu verwaschen oder zerschlissen sind, stellen sie für Lehrerinnen und Lehrer kein Problem dar. Für Herren sind gemäß derzeitiger Mode eher dunkle Farbtöne zu bevorzugen, Frauen verzichten auf allzu eng sitzende Beinkleider, sehr tief auf der Hüfte sitzende Taillenlinien oder sogenannte «Jeggings» (Jeans-Leggings).“

Décolleté: Es versteht sich von selbst, dass eine Lehrerin versucht, ihre Vorbildfunktion zu wahren, und es schafft, «Privates vom Beruf zu trennen». Tiefe Einblicke seien ebenso wenig akzeptabel wie Herren, die offensiv ihre Brusthaare zur Schau stellen.“

Sandalen: Für Männer kaum je geeignet, für Frauen bei gepflegten Füssen im Sommer eine Option. Ein No-Go sind für beide Geschlechter Flipflops (Zehenstegsandalen) sowie Adiletten (Badelatschen).“

Frisur: Obwohl nicht wenige männliche Lehrer den Haarwuchs als „sekundäres Merkmal“ bezeichnen, wünschen sie sich von ihren Kollegen doch einen „gepflegten Schnitt“.. Dasselbe gilt für weibliche Kolleginnen, wobei zudem dazu geraten wird, dass das Gesicht erkennbar bleibt und langes Haar für Sport und Werken zusammengebunden wird. Als inakzeptabel für Lehrer wurden grell gefärbte Haare, Dreadlocks und Punk-Haarschnitte betrachtet.“

Tattoos und Piercings: Einzelne Motive und Schmuckelemente findet eine Mehrheit akzeptabel, obwohl sich die Lehrer zumeist bewusst sind, «dass sie das Leben unnötig erschweren». Grössere Hautmalereien sind im Zweifelsfall zu bedecken und «Piercing-Orgien» aus Nasen, Lippen und Ohren zu entfernen. Dies gilt im Besonderen für Elterngespräche oder Besuchstage.“

Hier geht es zu dem gesamten Dresscode.

 

8 Kommentare

  1. ZITAT: „Am liebsten tragen sie ihre ungebügelten Wanderklamotten“

    😀

  2. Der Kleidungsstil hängt auch schwer von der Fachrichtung ab. Männlich und MINT hätte bei einer Pariser Modenschau kaum eine Chance. Andererseits sind sie aber aufgrund der Wellenbewegungen bei der Mode aka „Alles kommt irgendwann einmal wieder zurück“ alle so und so viele Jahre oder Jahrzehnte wieder ganz vorne mit dabei. Die Leggins ist ist ja auch wieder da, allerdings nicht in den aufdringlichen Farben der 1980er Jahre.

    Weitere Vorurteile los los los ;-).

  3. Mal ehrlich, die Mathe – und Physikstudenten hat man schon von weitem erkannt an der Uni. Die Grundschullehrerinnen aber auch. Kollegiumsfotos lassen auch einen bestimmten Typus erkennen. 🙂

    • Stimmt. Die MathePhysiker waren unabhängig von Wetter, Uhrzeit und Streik immer da ;-).

      BWL, Jura und so gut wie jede Geisteswissenschaft haben auch ihren jeweiligen Kleidungsstil. Vorurteile lassen erneut grüßen.

  4. Zur Einfachheit sollte dann an allen Schulen die Schuluniform für die SuS (wieder-)eingeführt werden, dann ist es auch für die Lehrer kein Problem im Anzug und Krawatte n der Schule zu erscheinen. (Sarkasmus lässt grüßen!) (Soll ja in anderen Ländern normal sein.)
    Allerdings sollte man sich manche Schülerin ansehen, zu knapp bekleidet ist auch dort – egal wie hübsch- nicht angemessen. Zu mal die männlichen Kollegen, wenn sie den Hinweis auf angemessene Kleidung geben, gleich als Lüstlinge dargestellt werden.

  5. Soll an den Schulen nicht vorgelebt werden, dass es nicht so sehr auf das Äußere ankommen soll, das Innere zählt. 🙂
    Naja in der heutigen Zeit zählt nur mehr scheinen als sein.

    • Vielen Lehrern ist es vollkommen egal, wie sie rumlaufen, vielen Schülern absolut nicht. Im Mittel kommt es also nicht ernsthaft auf das Äußere an …

      Mehr Schein als Sein stimmt. Als Beispiele dafür kann man sämtliche Schulprogramme, das Abitur, die Inklusionsumsetzung usw. angeben.

  6. Männer: Jeans, Chino, Polo, Langarmhemd, Balzer, Pullover, (gepflegte) Sneaker, Halbschuhe.
    Damen: Alles, was nicht nach Strand, Disco oder Selbstfindung ausschaut.

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