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Lehrermangel: Kurth räumt Versäumnisse ein, entschuldigt sich – und kündigt das schwierigste Schuljahr seit 1990 an

DRESDEN. Es ist wie ein Offenbarungseid in der Schulpolitik. Sachsen wird von seiner jahrelangen Sparpolitik eingeholt: Dem Freistaat fehlen auch deshalb Lehrer, weil lange Zeit viel zu wenige ausgebildet wurde. Kultusministerin Kurth entschuldigt sich – und kündigt den Lehrkräften harte Zeiten an.

Räumt Fehler ein: Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU). Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0

Räumt Fehler ein: Sachsens Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU). Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0

Den sächsischen Schulen stehen schwere Zeiten bevor. «Es ist bisher seit 1990 das schwierigste Schuljahr, was wir vorzubereiten haben», sagte Kultusministerin Brunhild Kurth (CDU) am Donnerstag wenige Tage vor Ende der Schulferien: «Fakt ist, dass wir in den nächsten beiden Jahren die voll ausgebildeten Lehrer nicht zur Verfügung haben werden.» Man finde auf dem Arbeitsmarkt einfach nicht genügend grundständig ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer. Stellen und Bewerber gingen weiter auseinander als in den Vorjahren.

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Gründe gibt es laut Kurth viele. Manche wie die Flüchtlingskrise und der damit verbundene steigende Lehrerbedarf habe man nicht voraussehen können: «Andere Gründe wiederum schon. Deshalb bedaure ich es sehr und entschuldige mich dafür, dass die Studienkapazitäten für das Lehramt erst im Wintersemester 2012/2013 ausgebaut wurden.» Diese Maßnahmen seien zu spät gekommen, wie man nun bitter erfahren müsse. Denn ein Lehrerstudium dauere mit dem Referendariat mindestens sieben bis acht Jahre. «Dieser Fehler hätte nicht passieren dürfen.»

„Überhaupt nicht ausreichend“

Kurth entschuldigte sich für etwas, was sie als Person selbst nicht zu verantworten hat. Als sie 2012 ins Amt kam, war der Zug nach Ansicht von Bildungsexperten schon längst abgefahren. Kurth zufolge lagen die Studienanfängerzahlen beim Lehramt von 2007 bis 2011 bei 1000 bis 1200 pro Jahr. «Überhaupt nicht ausreichend», gestand sie nun. Sie bedaure die angespannte Situation auf dem Arbeitsmarkt für Lehrer und die Schwierigkeiten bei der Unterrichtsversorgung. Die Regierung habe aber aus den Fehlern gelernt und nachjustiert.

Für die jetzt zu besetzenden 1400 Stellen hatten sich laut Kurth nur 1160 ausgebildete Lehrer beworben – die meisten als Gymnasiallehrer. Deshalb muss Sachsen noch mehr als im vergangenen Jahr auf Seiteneinsteiger bauen. Ihre Quote bei den Neueinstellungen liegt inzwischen bei 52 Prozent. Die Kultusministerin rechnet vor allem zu Beginn des Schuljahres mit Problemen bei der Abdeckung des Unterrichts. Denn die Seiteneinsteiger erhalten zunächst eine dreimonatige Fortbildung und stehen deshalb erst mit Zeitverzug zur Verfügung.

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«Jetzt rächen sich die Versäumnisse der vergangenen Jahre», erklärte die Bildungsexpertin der Linken, Cornelia Falken. Das Personalproblem, und wie es zu lösen ist, sei seit langem bekannt: «Und die Behauptung, „die Staatsregierung habe aus den Fehlern gelernt“, ist eine Beschönigung. Zutreffender wäre es, davon zu sprechen, dass Not erfinderisch macht.» Falken befürchtet, dass vor allem die Belastung der Grundschullehrerinnen und -lehrer enorm steigen wird.

Nach Ansicht der Grünen laufen die Schulen in Sachsen Gefahr, «im Tal der Tränen unterzugehen». Die Abgeordnete Petra Zais bezog sich bei dieser Formulierung auf eine frühere Äußerung von Kurth. Damals hatte die Ministerin davon gesprochen, dass man gemeinsam durch ein «Tal der Tränen» gehen müsse: «Der Anspruch und das Streben nach guter Qualität in der schulischen Bildung droht im Strudel des Lehrermangels endgültig zu versinken.» dpa

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2 Kommentare

  1. Wäre ja mal schön, wenn die Politiker an den harten Zeiten partizipieren würden – mal eine schwierige Klasse übernehmen, Inklusionsbetreuung und so ….

  2. ZITAT:

    „Dem Freistaat fehlen auch deshalb Lehrer, weil lange Zeit viel zu wenige ausgebildet wurde.“

    Ich mache vor allem drei Gründe aus:

    (1.) Aufgrund des früheren Lehrerüberschusses wurden weniger Lehrer ausgebildet. Dass sich das wieder ändren wird, wurde verschlafen. Wie so oft in der Politik: Vorsorge ist nicht attraktiv. Davon profitiert womöglich erst die nächste Landesregierung, der man selbst vielleicht gar nicht mehr angehört.

    (2.) Die Flüchtlingskinder. Das konnte man wirklich nicht vorhersehen.

    (3.) Die Mehr-netto-vom-Brutto-Politik. Sie macht den Staat arm und zwingt ihn zu Einsparungen. Überall im ÖD wurden Stellen massiv abgebaut. 16.000 Stellen im Polizeidienst, hörte ich heute (seit 1990). Dass wir das alle am Ende selbst auf unterschiedlichste Weise „bezahlen“, sehen leider die Mehr-netto-vom-Brutto-Befürworter“ nicht. 🙁

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