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IQB-Studie: Eine Klatsche für den Bildungsföderalismus – jetzt muss Schluss sein mit dem Klein-Klein!

Ein Kommentar von News4teachers-Herausgeber ANDREJ PRIBOSCHEK

News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek. Foto: Tina Umlauf

News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek. Foto: Tina Umlauf

Wenn’s nicht so traurig wäre, könnte man darüber lachen. „Die Länder werden die große Stärke des Bildungsföderalismus nutzen, im Wettbewerb der Ideen voneinander zu lernen“, sagt allen Ernstes die turnusmäßig amtierende KMK-Präsidentin, Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), zum IQB-Debakel. Die große Stärke des Bildungsföderalismus? Sie ist in dem aktuellen Bundesländervergleich tatsächlich nicht erkennbar. Im Gegenteil: Die Studie offenbart die große Schwäche deutscher Bildungspolitik, auf bundesweite Herausforderungen nur mit Klein-Klein zu antworten. Von Wettbewerb keine Spur.

In der Volkswirtschaftslehre gilt das Friseur-Handwerk als klassisches Beispiel dafür, dass – trotz freien Marktes – ein Wettbewerb nicht immer so recht in Gang kommen will. Wenn sich nämlich alle Anbieter bei Preis und Leistung am jeweiligen Konkurrenten orientierten, entsteht ein unausgesprochenes Kartell, in dem sich gemütlich Profite erzielen lassen – zu Lasten der Verbraucher. So ist es zum Beispiel möglich, dass Frauen überall einen Zuschlag fürs Haareschneiden bezahlen müssen, ohne dass auch nur ein einziger Friseur den Damen mal ein ebenso günstiges Angebot wie den Herren machen würde und damit den Markt in Bewegung brächte. Gemütlich ist‘s halt leichter.

Das gilt auch für die KMK. Den öffentlichen Schulen der Länder kann die „Kundschaft“ (also Eltern und Schüler) ja kaum laufen gehen – also braucht sich auch kein Kultusminister ein Bein auszureißen, das Angebot zu verbessern. Allenfalls die Landtagswahlen und die mittlerweile gereifte Erkenntnis, dass sich diese mit einer unpopulären Schulpolitik durchaus verlieren lassen, stören die Ruhe. Solange aber letztlich alle potenziellen Regierungsparteien mehr oder weniger die gleichen Schwierigkeiten in ihren Hoheitsbereichen haben, beschränkt sich der Wettbewerb auf punktuelle und von Eltern wahrnehmbare Themen wie G8 oder Unterrichtsausfall. Die großen Probleme, die Schulen tatsächlich täglich vor neue Herausforderungen stellen, bleiben außen vor.

Absturz beim IQB-Viertklässler-Test: KMK macht die höhere Zahl der Migrantenkinder verantwortlich – und die Inklusion

Das sind: die Inklusion, die Integration (der Flüchtlingskinder) sowie zunehmend der Lehrermangel. Alle drei Themenfelder betreffen Schulen bundesweit, und trotzdem wurschtelt jedes Bundesland allein vor sich hin, um den gewaltigen Herausforderungen zu begegnen. Das gilt übrigens auch für die Digitalisierung der Schulen. Beispiel Lehremangel: Wie kann es sein, dass jedes Bundesland den künftigen Bedarf an Pädagogen für sich selbst definiert und entsprechende Kapazitäten an den Hochschulen schafft (oder eben nicht – und sich im Zweifel darauf verlässt, dass die anderen Länder schon genügend Lehrer ausbilden werden)? Das Ergebnis lässt sich aktuell am Frankfurter Hauptbahnhof betrachten: Dort, also in Hessen, wirbt Berlin mit einem Riesenposter um Grundschullehrer. Dabei hat Hessen für sich selbst schon nicht genug.

Was endlich nottut: dass der Bund seine Richtlinienkompetenz auch in der Bildung wahrnimmt und bei bundesweit relevanten Schulthemen die Richtung vorgibt. Was bedeutet Inklusion und wie muss sie – mindestens – personell ausgestattet sein? Wie und mit welchen Ressourcen ist der Sprachenunterricht für Flüchtlingskinder zu organisieren? Wie groß ist überhaupt der künftige Lehrkräftebedarf in Deutschland? Zu solchen Fragen muss das Bundesbildungsministerium endlich Stellung beziehen. Berlin darf dann gerne auch Mittel für die umzusetzenden Maßnahmen bereitstellen. Steuereinnahmen gibt es ja derzeit genug.

PISA und Co.

Noch ein Wort zu den Lehrerverbänden und ihrer Kritik an Vergleichsstudien der empirischen Bildungsforschung. Die große Resonanz auf die heute erschienene IQB-Untersuchung zeigt doch deutlich, warum wir solche Vergleiche brauchen: nicht um Lehrer zu kritisieren (die brauchen sich den Schuh weißgott nicht anzuziehen) – sondern um den Kultusministern Beine zu machen. Ohne dass mal jemand Probleme im Schulsystem deutlich benennt, bewegt sich nämlich gar nichts.

GEW und VBE zum Absturz bei der IQB-Studie: Die Länder haben die Grundschulen vernachlässigt – und das ist jetzt die Quittung!

26 Kommentare

  1. Ich sehe vieles ähnlich und genau dieser Satz von Frau Eisenmann ist auch mir besonders aufgefallen.
    Letztlich ist es doch so, dass in allen Bundesländern die nahezu gleiche Schulpolitik umgesetzt wird, egal, wer gerade am Ruder ist: Kompetenzorientierung, frühere Einschulung, Verlagerung von Inhalten in die Grundschule, G8 einführen und abschafffen, eine Schulform mit Kombination aus HS+RS, Inklusion, …
    Die Ausgestaltung ist geringfügig unterschiedlich, aber aus den Berichten der Lehrerschaft liest man seit Jahren deutlich, dass es überall die gleichen Probleme gibt… und gerne zusätzlich wechselnde Ausarbeitungsformen dazu, sobald die Landesregierung wechselt.

    „Ohne dass mal jemand Probleme im Schulsystem deutlich benennt, bewegt sich nämlich gar nichts.“
    Leider ist es so, dass die Problem durchaus benannt werden, aber leider niemand dies hören will.
    Lehrer gelten als faul und dauernd jammernd, immer noch. Arbeitszeit- und Belastungsstudien werden nicht anerkannt, Lehrermangel jahrelang klein geredet und schön gerechnet, bis das System kaum noch zu stemmen ist, alles, was wirklich bessere Bedingungen bringen würde, kostet Geld und wird lieber vertagt, vertagt und noch einmal vertagt.

    Als nächstes prophezeie ich: Evaluationen, Konzepte und noch mehr Bürokratie, um wieder einmal Daten zu erheben und zu dokumentieren, was als zusätzliche Maßnahmen implementiert wird.
    DIESE Aufgaben werden natürlich die Grundschullehrkräfte wieder zusätzlich auf ihre To-Do-Liste gesetzt bekommen. Wer sonst?

  2. Hm, obwohl die Grundschullehrerausbildung an die Ausbildung der anderen Lehrämter angeglichen wurde (Argument für A 13), sind die Leistungen der Schüler schlechter und schlechter.

    Warum-warum-warum?

    Und warum waren sie früher besser, als Grundschullehrer im Osten und teilweise auch im Westen nicht mal ein Hochschulstudium brauchten? Hm ……………

    Da stimmt doch was nicht.

    • Sorry, aber Sie haben echt ein Grundschullehrerproblem. Lesen Sie doch einfach mal die Artikel, da finden sich reichlich Gründe.
      Im übrigen werden die Leistungen der Schüler der weiterführenden Schulen auch immer schlechter, ob das wohl an der Länge des Studiums liegt? Vielleicht sollte man das auch einfach kürzen oder gar ganz streichen….

      • Als Gymnasiallehrer bringe ich mich ja ungerne in Grundschullehrerdiskussionen ein, aber mal so an sofawolf:
        Wenn es bundesweit einen erheblichen Mangel an Grundschullehrern gibt, dann kann das eigentlich nur zwei Gründe haben:

        1. Die Bezahlung stimmt nicht.
        2. Die Arbeitsbedingungen stimmen nicht.

        Ich bin sicher, dass in der heutigen Situation beide Punkte zutreffen.

        Wenn die prozentuale Anteil an Seiteneinsteigern und anderen nicht richtig ausgebildeten „Lehrkräften“ im zweistelligen Bereich liegt, ist das ein Problem.

        Wenn (Grundschul-)Lehrkräfte im Rahmen der praktizierten Low-Cost-Inklusion mit quasi nicht beschulbaren Kindern alleine gelassen werden und am Ende ihrer Kräfte sind, ist das ein Problem.

        Wenn gerade in wenig populären Schulstandorten Matheunterricht ausschließlich von Nichtmathematikern erteilt wird, ist das ein Problem. Ich habe in einer 5. Klasse 6 Schüler, die früher zusammen in einer Grundschulklasse waren und die falsch schriftlich muliplizieren, das ist wirklich unfassbar. (Sie machen es prinzipiell falsch, es sind nicht Rechenfehler.)

        Sicher habe ich noch Punkte vergessen, ich bin wie gesagt nicht ganz vom Fach, aber all diese Probleme sind doch unabhängig von der Länge eines Studiums, es sind von der Politik (aller Farben) verursachte strukturellen Probleme.

        • Das ist aber nicht unbedingt logisch, denn:

          1. Wenn es an der Bezahlung läge, müsste sich diese gegenüber früher ja verschlechtert haben, denn „früher“ gab es ja bei gleicher oder geringerer Bezahlung keinen Lehrermangel. Hat sich die Bezahlung verschlechtert?

          2. Wenn es an den Arbeitsbedingungen läge, müssten sich die Arbeitsbedingungen gegenüber „früher“ verschlechtert haben, denn „früher“ gab es ja bei gleichen oder schlechteren Arbeitsbedingungen keinen Lehrermangel. Haben sich die Arbeitsbedingungen verschlechtert?

          Wenn ich die Fragen für mich beantworte, komme ich zu folgendem Ergebnis: (1.) nein, (2.) ja. Daraus schließe ich, dass eher in den schlechteren Arbeitsbedingungen ein wesentlicher Grund für gegenwärtigen Lehrermangel zu sehen ist (aber nur einer von mehreren, das haben wir ja schon x-mal diskutiert).

        • Meinen Sie denn, dass es in allen Bereichen, wo gegenwärtig Personal fehlt (Altenpflege, Polizei, Justiz, Verwaltung …), an der Bezahlung liegt?

          1. Sind da nicht in den letzten Jahren / Jahrzehnten auch haufenweise Stellen abgebaut worden? (siehe „mehr netto vom Brutto“ = Steuern senken)

          2. Erst letztens gab es eine Demo von Pflegekräften. Man las und hörte, es gehe ihnen nicht um mehr Geld (die verdienen sicher deutlich weniger als Lehrer), sondern um bessere Arbeitsbedingungen!

        • @ Küstenfuchs,

          außerdem, wenn es an der Bezahlung läge (dass also rund 4000,- Euro brutto und mehr nicht zum Leben reichen), dann müsste man ja nur die Bezahlung deutlich verbessern, während alle anderen Bedingungen gleich bleiben, und schauen, was passiert. Richtig?

          Das ist in Berlin geschehen. Dort bekommen alle neueingestellten „echten“ Lehrer seit 2013 (?) sofort Erfahrungsstufe 5. Das macht sicherlich 500 Euro aus, wenn nicht noch viel mehr!!! Ist der Lehrermangel in Berlin beseitigt? Nein. Ist er wenigstens deutlich gesunken? Nein. (Die Zahl der Seiteneinsteiger ist jedoch deutlich gestiegen, ich glaube, zuletzt 41% im Grundschulbereich.)

          Die Bezahlung ist also am wenigsten Grund für den Lehrermangel.

          Wenn außerdem alle deutlich mehr verdienen (was ja alle wollen und wem sollte man es verwehren?), dann werden auch alle Preise und Kosten steigen. So ist am Ende gar nichts gewonnen. Man hat nicht wirklich mehr, weil ja auch alles mehr kostet – aber an den Arbeitsbedingungen gebessert hat sich auch nichts. Deshalb trägt bessere Bezahlung letztlich am wenigsten zur Beseitigung des Lehrermangels bei.

        • Nur wenn ausschließlich die Lehrer deutlich mehr verdienen und alle anderen nicht, dann haben die Lehrer davon einen Vorteil (gegenüber den anderen).

          Dann sagen Sie mir aber bitte, warum die anderen (z.B. Pflegekräfte oder Polizisten) nicht auch mehr verdient haben!

        • Bei den anderen Punkten (Seiteneinsteiger, Inklusion, fachfremder Unterricht und dem Vergessenen) stimme ich Ihnen zu. Das hat aber nichts mit Ihrem (1.) und nur indirekt mit (2.) zu tun.

          • Ich widerspreche auch ein wenig, was den Punkt Bezahlung angeht! Das Problem Lehrermangel ist doch nicht ganz neu, das stimmt einfach nicht! Ein Problem seit miondestens 20 Jahren ist, dass an Grundschulen Frauen in Halbtagsbeschäftigungsverhältnissen die bei weitem größte Gruppe darstellen, was wiederum bei der Besetzung von Schulleiterstellen problematisch ist. Ein Problem seit mindestens 20 Jahren ist, dass an Gymnasien (auch an Realschulen etc.) Mathematik- und Physiklehrer fehlen.

            Männer in Vollzeit an der Grundschule sind fast so selten wie Physiklehrer im Gymnasialbereich. Für beide Gruppen ist die Bezahlung unattraktiv (Männer werden Gymnasiallehrer und Physiker gehen nicht an die Schule), beide Gruppen bräuchte man aber dingend.

            Ihr Argument mit der Erfahrungsstufe 5 in Berlin ist doch keins, da ein verbeamteter Lehrer immer noch mehr verdient als Erfahrungsstufe 5 als Angestellter.

            Ihr Seiteneinsteigerargument ist auch kein wirkliches, da Seiteneinsteiger oft (aus unterschiedlichsten Gründen) den Job nur machen, weil sie sonst keinen bekommen. Was dazu führt, dass diese in meinem Bezugsbereich nicht gerade die Stützen des Kollegiums sind, um es mal ganz vorsichtig auszudrücken (6 Personen, 2 Vollkatastrophen, 3 ganz in Ordnung, 1 Top).

          • Danke, Küstenfuchs! Sofawolf hat aus irgendeinem Grund ein persönliches Problem mit Grundschullehrern.

            Sofawolf, wenn Sie hier mal wieder mit 5 Kommentaren gegen die verfassungsgemäße Bezahlung der Grundschullehrern Wetter, nach dem Motto die sollen mal zufrieden sein, sie verdienen genug, dann schlage ich zum wiederholten Maße vor A12 für Gymnasiallehrer. Was für Grundschullehrern reicht sollte auch für Gymnasiallehrer reichen, schließlich verdienen viele Menschen weniger, oder?

            Ganz ehrlich, Sie dürfen ja gegen Grundschullehrern sein, aber hören Sie doch endlich auf mit für jeden durchschaubar herbeigeredeten Scheinargumenten zu diskutieren. Ist Ihnen klar, dass Sie damit zwar nichts ändern (A13 kommt, ob Sie wollen oder nicht), aber selbst immer unglaubwürdig werden???

        • @ Küstenfuchs,

          natürlich dürfen Sie widersprechen. 🙂 Das ist doch in Ordnung, solange Sie sachlich bleiben.

          So richtig verstehe ich gar nicht, wem (=was) Sie da widersprechen. Sie haben gesagt, dass der Lehrermangel an der schlechten Bezahlung läge. Vor etlichen Jahren gab es allerdings bei gleicher oder sogar schlechterer Bezahlung keinen Lehrermangel (natürlich je nach Fach). Wenn es früher auch schon einen Mangel in Mathematik gab, warum ist das dann ein Argument für die zu schlechte Bezahlung, wenn es gleichzeitig einen Lehrerüberschuss z.B. in Deutsch gab?

          Das hat dann doch offensichtlich nichts mit der Bezahlung zu tun, sondern mit dem Fach. Deutsch und Geschichte z.B. galt immer schon als überlaufen und mit schlechter Einstellungsperspektive.

          • (2.) Dass immer weniger Männer in Schulen arbeiten, betrifft alle Lehrämter und ist eine Tendenz von Jahrzehnten. Dass es in Grundschulen noch stärker zu verzeichnen ist, glaube ich Ihnen unumwunden. Warum wird jemand lieber Erzieher bei deutlich geringerer Bezahlung und nicht Grundschullehrer bei deutlich besser Bezahlung, wenn es doch nur an der Bezahlung liegt? Ich kenne etliche Männer, die sich zum Erzieher umschulen lassen, auch wenn es immer noch vergleichsweise wenige sind. Das hat mit dem „Berufsfeld“ zu tun und nicht mit der Bezahlung. Dass jemandem rund 4000,- Euro brutto zu wenig sind, hören Sie nur von denen (eventuell), die das bereits haben. Sie können überall nachlesen, dass „man“ der Meinung sei, Erzieher / Grundschullehrer sei kein Beruf für einen Mann (nicht ich denke so!).

          • (3.) Doch, mein Argument mit Erfahrungsstufe 5 ist eins. Warum sollte man das innerhalb Berlins vergleichen (angestellt oder verbeamtet), zumal Berlin ja keine neueingestellten Lehrer mehr verbeamtet. Oder wollen Sie uns jetzt erzählen, ein neueingestellter verbeamteter Lehrer mit Erfahrungsstufe 1 in Niedersachsen verdient trotzdem mehr als ein neueingestellter angestelltert Lehrer mit Erfahrungsstufe 5 in Berlin? (Bitte Links dazu!) Man hat also etliche Jahre einen Vorteil gegenüber den Kollegen in anderen Bundesländern und sicherlich hat das so manchen bewogen, nach Berlin zu kommen oder wenigstens zu bleiben, aber der Lehrermangel konnte damit auch nicht behoben werden. Denn: Es liegt nicht an der Bezahlung! Wer Lehrer wird, ist erst mal sehr zufrieden mit seinem Gehalt – nur wer Lehrer ist, der dann vielleicht irgendwann nicht mehr.

            Übrigens sagen auch hierzu Studien (sogar von der GEW), dass die meisten Lehrer mit ihrem Gehalt zufrieden sind. Warum dann soll die Bezahlung ein Grund für den Lehrermangel sein?

            Wie erklären Sie das?

          • (4.) Ich stimme Ihnen bzgl. der Seiteneinsteiger zu. Viele machen es nur, weil sie woanders nichts finden. Was sagt das aus? Manch einer ist auch nur Lehrer geworden, weil ihm nichts Besseres einfiel – hört man ja oft. 🙂 Oder wegen der Ferien und der guten Bezahlung … Und?

            Was Sie über die Qualität der Seiteneinsteiger sagen, mag stimmen, passt aber genauso auf die ausgebildeten Lehrer, oder? Es gibt in allen Berufen einige Vollkatastrophen, viele in Ordnung, einige top. So ist es wohl immer?!?

            Wichtig ist, dass die Seiteneinsteiger qualifiziert werden. Das passiert immer öfter. Wir müssen sie als unsere „Rettung“ verstehen und sie unterstützen. Nur so entgehen wir größeren Klassen und höheren Stundendeputaten in Zeiten des Lehrermangels.

            Ausgebildete Seiteneinsteiger sind dann auch wie „echte Lehrer“ zu betrachten, inklusive Ihrer Einteilung in „Vollkatastrophen, in Ordnung und top“. 🙂

          • Nein, der Lehrermangel hat am allerwenigsten mit der Bezahlung zu tun. Die ist nämlich (sehr) gut. Im internationalen Maßstab gelten die Lehrer in Deutschland zu den bestbezahlten Lehrern.

            Die wirklichen Gründe haben ich und andere schon mehrfach genannt. Es ist müßig, alles zu wiederholen, nur in Kürze: ehemaliger Lehrerüberschuss ( = schlechte Einstellungsperspektive); Stellenabbau in der Ausbildung und an Schulen (Steuern senken, mehr netto vom Brutto); sich verschlechternde Arbeitsbedingungen vielfältiger Art.

            Da muss angesetzt werden!

          • Und täglich grüßt das Murmelte (gähn)….

  3. Die Frage ist nur, welche Vorgaben das Bund machen wird. Wenn die Länder mitreden können, möchte jedes das beste für sich herausholen, was zwangsläufig auf einen Minimalkompromiss hinausläuft, den man sich auch sparen kann. Für die Abschlussprüfungen wird Bremen nicht die Anforderungen Bayerns übernehmen wollen — umgekehrt aber genauso wenig.

    • Es hilft ja nicht, allein die Anforderungen zu bestimmen, es geht auch nicht um Abschlussprüfungen, sondern vorerst um Grundschulen.

      Wie immer bleibt die Frage nach den Bedingungen:
      Sind es der NC zum Übertritt, die Klagewelle, die BY schon in der Grundschule erlebt und die Nachhilfeangebote,
      oder vielleicht ein beständiges Schulsystem ohne ständige Wechsel,
      eine jetzt erst allmählich einsetzende Kompetenzorientierung, die nicht einfach vorgesetzt wird, sondern Lehrkräfte über Jahre bei der Entwicklung begleitet,
      Curricula, die nicht im laufenden Schuljahr ungesehen und unvorangekündigt an die Schulen verschickt werden und sofort gelten, sondern welche, bei denen Lehrkräfte vorab befragt werden und sich längere Zeit damit beschäftigen können, bevor Änderungen wirksam werden,
      ein Bildungsserver, der Hilfen anbietet, in allen möglichen Bereichen, einschließlich sinnvollen Zugängen und Materialien und damit die Lehrkräfte in ihrem Handeln unterstützt,
      ein seit vielen Jahren gut ausgebautes System an Schulpsychologen, zudem an vielen Schulen Lehrkräfte mit Zusatzqualifikationen, die Kinder mit besonderen Bedürfnissen und KollegInnen an ihren eigenen Schulen begleiten können und dafür womöglich auch Freistellungsstunden erhalten, weil sie als Experten ansprechbar sind und ihre Zeit auch in der Beratung einsetzen,
      eine im Vergleich zu einigen anderen Bundesländern erheblich höhere Anzahl an Stunden, die in der Grundschule erteilt werden,
      Konrektoren an jeder Grundschule,
      mobile Reserven in Form von Lehrkräften, die im System sind, fördern oder eben vertreten

      Bestimmt ließe sich die Liste noch erweitern.

      • Rahmengesetzgebung. Der bereich Schule wird allenfalls von der ausschließlichen gesetzgeberischen Zuständigkeit der Länder in die konkurrierende Gesetzgebung überführt. Alle Gestze und Vorgaben, die der Bund im Rahmen seiner Gestzgebungskompetenz erlassen möchte sind zustimmungspflichtig, müssen also durch den Bundesrat.

        Bei der Umsetzung der Vorgaben bezüglich des nicht-lehrenden Personals, der Gebäudeausstattung, des Ganztags, der Lehrmittel etc. sind die Länder dann auf die Komunen als Schulträger angewiesen …

        Siedelt der Bund Kasernen und militärische Liegenschaften in strukturschwachen Gebieten an, sind alle zufrieden. Ich stelle mir vor, der Bund gibt im Bildungsbereich verstärkt Mittel in strukturarme Landstriche oder Stadtteile. – Den Aufschrei möchte ich nicht hören!

      • Zur Liste von Palim:
        Vieles trifft zu. Eine kleine Korrektur: Beratungslehrer und Schulpsychologen haben wir nicht unbedingt an der eigenen Schule, aber sie sind den Schulen zugeteilt und kommen auf Aufforderung. Bei uns geht das inziwschen relativ schnell. Wenn sie einen Fall an der Schule haben, kommen sie immer zu einer bestimmten Zeit n der Woche, dann kann man sie dann auch ansprechen. Natürlich haben Beratungslehrer und Schulpsychologen ihre Stammschule.
        Dennoch eine Anmerkung: Der Lehrermangel macht sich inzwischen auch bei uns bemerkbar. Man merkt es, dass „auf leisen Sohlen“ Förderstunden wegfallen. Wir haben dieses Jahr viel weniger Tandemstunden für unsere Kooperationsklassen bekommen. Und an großen Schulen sind die Klassen immer noch zu groß. Große Schulen machen i.d.R. einen gebundenen Ganztageszug und vllt. noch eine andere Spezialklasse und begrenzen dort die Schülerzahl. Da es aber nicht zu einer Klassenmehrung kommen darf, müssen das die anderen Klassen ausbaden. (Das Klassenmehrungsverbot finde ich eine ganz ungeschickte Regelung, die auf dem Rücken der anderen Klassen ausgetragen wird.) Bei uns z.B. haben wir schulintern die Ganztagesklassen auf 24 begrenzt – das ist immer noch zu viel und versuchen das auch mit den Kooperationsklassen, wo es nicht immer klappt, sonst wird es für die anderen unerträglich. Dafür haben die anderen Klassen zwischen 25 und 28 Schüler. Das ist für eine Grundschulklasse schon eine Menge.

  4. Hier wird immer nur von Rahmenbedingungen gesprochen. Keiner macht sich Gedanken um die Kinder selbst. Diese haben keinerlei Motivation mehr. Da liegt meines Erachtens nach das Problem. Lesen wird als „Arbeit“ gesehen. „Ich lese nicht, weil mich Bücher nunmal nicht interessieren.“ Interesse und Lust sind die treibenden Motivationen. Diese sind aber nicht mehr vorhanden. „Wir sprechen zuhause unsere Heimatsprache. Meine Eltern können kaum Deutsch.“ Okay, was tun wir dagegen, wenn Kinder nur in der Schule Deutsch sprechen und schreiben? Was tun wir dagegen, wenn Menschen mit Migrationshintergrund nach 20 Jahren (sic!) in Deutschland immer noch kaum Deutsch sprechen können und schreiben? Wie bekommen wir dieses „Vorbild“ aus deren Kindern heraus?

    Die andere Seite: Wie kann es sein, dass ein Referendar für das Fach Deutsch frink und frei erklärt, mit Büchern und dem Lesen habe er es ja nicht so. Er mache lieber Sport? Wie kann es sein, dass ein Referendar für das Fach Religion ein Problem mit dem Beten hat, weil er davon nichts halte?

    Es wird in den hohen Kreisen über Dinge diskutiert, die an der Basis überhaupt nicht ins Gewicht fallen. Und den Frontkämpfern, den Lehrern, stößt man seitens des eigenen Arbeitgebers dauernd den Dolch in den Rücken …

    Reden wir doch mal davon!

  5. ZITAT: „„Die Länder werden die große Stärke des Bildungsföderalismus nutzen, im Wettbewerb der Ideen voneinander zu lernen“, sagt allen Ernstes die turnusmäßig amtierende KMK-Präsidentin, Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU), zum IQB-Debakel. Die große Stärke des Bildungsföderalismus? Sie ist in dem aktuellen Bundesländervergleich tatsächlich nicht erkennbar. Im Gegenteil: Die Studie offenbart die große Schwäche deutscher Bildungspolitik, auf bundesweite Herausforderungen nur mit Klein-Klein zu antworten. Von Wettbewerb keine Spur.“

    Doch, genau das zeigt die Studie. Unterschiedliche Modelle mit unterschiedlichen Ergebnissen !!! Man stelle sich vor, in Deutschland hätte (und hatte ja mal) Rot-Grün bundesweit regiert und dann auch bundesweit und zentral die Bildungspolitik bestimmt. Dann hätten wir jetzt wohl diese schlechten Ergebnisse für ganz Deutschland, wie wir sie jetzt in einigen Bundesländern haben.

    Gleichzeitig zeigen uns jetzt aber einzelne Bundesländer, dass es nicht so schlecht sein muss und man kann schauen und analysieren, woran das liegt (Bayern, Sachsen …). Einheitlichkeit klingt zwar immer ganz gut auf den ersten Blick, aber die Frage ist ja auch, WELCHE Einheitlichkeit für ganz Deutschland gelten soll? Nach dem Vorbild Bremens und Berlins? Oder nach dem Vorbild Bayerns und Sachsens?

    • Sehe ich auch ähnlich wie sofawolf. Ich würde die Vergleiche nicht als Wettbewerb sehen, sondern als Diagnoseinstrument.
      Sie sollten nicht zu oft stattfinden, denn wir haben inzwischen so viele unterschiedliche Vergleichsstudien. Eine Studie in einer Schulart alle paar Jahre reicht. Wir brauchen nicht ständig VerA, Pisa, IGLU, IQB und vieles mehr.
      Die Konsequenz solcher Studien sollte sein, voneinander zu lernen und sich gegenseitig die positiven Seiten abschauen, nämlich das, was funktioniert (hat). Das geht in Richtung Bereicherung, voneinander lernen. Das wäre dann eine automatische, qualitative Annäherung, am liebsten ideologiefrei.
      Eine Zentrale in Berlin wird es nicht besser machen für die Bundesländer, die einen guten Weg gefunden haben, eher schlechter.

      • Zumal das IQB auch für die VERA zuständig ist – da ist die Kritik noch viel größer.
        Über Art und Inhalt der Tests ist bisher nichts geschrieben worden.

        Ansonsten ist der Gedanke, voneinernander zu lernen, zwar bestechend, aber dennoch weiß doch keiner, welche Bedingungen denn nun diejenigen sind, die zum besseren Abschneiden führen (siehe anderer Beitrag zu den Bedingungen in BY).

        • Bayern, Baden-Württemberger,Pfälzer, Hessen und Sachsen sprechen stark vom jeweiligen Dialekt gefärbtes Deutsch.Da bringt die Anlaut-Tabelle gar lustige Schreibweisen hervor. Siehe IQB, VERA und andere Tests.

          Drum heißt es beständig mit der Tabelle üben,
          allein die Methoden sind zum ermüden.
          In ihnen schlummert dummer Geist,
          der ständig in der Klasse kreist.

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