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Sekundarschulen drohen Schließungen oder Umwandlungen – GEW-Chefin Schäfer warnt: Sie sind unverzichtbar!

DÜSSELDORF. Sekundarschulen sind als Garanten der Bildungsvielfalt vor allem für den ausgedünnten ländlichen Raum gegründet worden – sie waren seinerzeit ein Ergebnis des Schulkonsenses zwischen CDU und Rot-Grün, der die Schulstrukturdebatte in Nordrhein-Westfalen beendete. Doch für manche dieser neuen Schulen es schon eng. Die neuen Koalitionsfraktionen von CDU und FDP wollen einen Bypass legen, um Sekundarschulen vor Schließungen zu bewahren. Die GEW warnt.

Hält Sekundarschulen insbesondere auf dem Land für unverzichtbar: GEW-Landeschefin Dorothea Schäfer. Foto: GEW

Die seit sechs Jahren existierenden Sekundarschulen in Nordrhein-Westfalen müssen sich gegen sinkende Schülerzahlen wappnen. Vor allem im ländlichen Raum bestehe die Gefahr, dass Sekundarschulen kurz nach ihrer Gründung schon wieder geschlossen werden müssten, stellten CDU und FDP in einem gemeinsamen Antrag an den Schulausschuss des Düsseldorfer Landtags fest.

Nach Angaben des Schulministeriums sind bislang zehn Sekundarschulen in Gesamtschulen umgewandelt worden – in allen Regierungsbezirken bis auf Arnsberg. In drei weiteren Kommunen seien entsprechende Beschlüsse in Vorbereitung, heißt es in einem Bericht an den Schulausschuss. Das Gremium wird sich an diesem Mittwoch mit der Problematik beschäftigen.

Sekundarschulen umfassen die Jahrgänge 5 bis 10. Ab Klasse 7 kann in getrennten Bildungsgängen unterrichtet werden. Das Abitur kann nur in Kooperation mit einem Gymnasium, einer Gesamtschule oder einem Berufskolleg abgelegt werden. In NRW gibt es laut amtlicher Schulstatistik 117 Sekundarschulen. Diese Schulform war 2011 vor allem eingeführt worden, um auch in ausgedünnten ländlichen Räumen trotz sinkender Schülerzahlen alle Bildungswege offenzuhalten.

Schulkonsens in Nordrhein-Westfalen – Vorbild für Deutschland?

Vor allem letzte Schulangebote der Sekundarstufe I müssten auf dem Land gesichert werden, unterstreichen CDU und FDP in ihrem Antrag. Sie fordern eine schulrechtliche Änderung, um Sekundarschulen in dem Fall auch zweizügig fortführen zu können. Realschulen und Gymnasien ist das schon jetzt erlaubt. Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Dorothea Schäfer, hält Sekundarschulen überall dort, wo die Schülerzahl zur Gründung einer Gesamtschule nicht ausreicht, für unverzichtbar.

Gesamtschulen müssen stets vierzügig sein. Jede Klasse muss mindestens 25 Schüler haben. Dementsprechend müssen 100 Kinder pro Jahrgang gegeben sein. Sekundarschulen haben mindestens 60 Kinder pro Jahrgang vorzuweisen, um weiterarbeiten zu können.

«Die besten Chancen haben Sekundarschulen mit einem guten Schüler-Mix», sagte Schäfer auf Anfrage. «Wenn ich die Leistungsstarken dort nicht mehr finde und dafür Schüler mit sonderpädagogischem oder sprachlichem Förderbedarf dominieren, steigert das nicht die Attraktivität.» Unter Konkurrenzdruck gerieten Sekundarschulen vor allem durch benachbarte Gesamtschulen, aber auch durch Gymnasien, sagte die Schulexpertin.

Schwankungen bei den Schülerzahlen oder im Wahlverhalten der Eltern könnten Sekundarschulen schnell an den Rand ihrer Existenz führen, stellten CDU und FDP fest. dpa

16 Kommentare

  1. bei 40-50% Gymnasiasten kann es per def keinen guten Schülermix geben, bei einer Gesamtschule in der Nähe schon gar nicht. Wenn die Politiker ehrlich sind, wussten sie das aber schon vorher. Außerdem sind sie davon nicht betroffen, weil sie ihre eigenen Kinder auf das Gymnasium schicken.

    • Die GemS (unter Sommer) und die SekS (unter Löhrmann) waren die Antworten auf sinkende Schülerzahlen vor allem im ländlichen Raum. Durch die Zusammenlegung örtlicher RS und HS – auch Kommunen übergreifend, mit einem Zweckverband als Schulträger – sollte so die wohnortnahe Beschulung bis Klasse 10 ermöglicht werden.

      Bei den Erziehungsberechtigten sind die SekS aber unbeliebt, da sie weiterhin nach Klasse 10 einen Schulwechsel an ein GY, ein BK oder eine GeS erforderlich machen, um eine GOSt zu besuchen. Zusätzlich unter Konkurrenzdruck geraten die SekS durch weiterhin bestehende RS in ihrem regionalen Umfeld. Die Alternative wäre zweizügige SekS als Dependance einer bestehenden GeS aufrecht zu erhalten.

      Der am wenigsten wahrscheinliche Vorschlag wäre, die GY in ihren Aufnahmekapazitäten zu beschränken und somit die erforderlichen Anmeldezahlen für die Umwandlung der SekS in GeS sicher zu stellen.

      • Besser für alle wäre die Beschränkung der Gymnasien allerdings. Auf die Gymnasien gehen dann weniger eigentlich dafür ungeeignete, dafür gehen mehr wirklich gute Realschüler auf die Sekundarschule.

  2. “Gesamtschulen müssen stets vierzügig sein. Jede Klasse muss mindestens 25 Schüler haben. Dementsprechend müssen 100 Kinder pro Jahrgang gegeben sein. Sekundarschulen haben mindestens 60 Kinder pro Jahrgang vorzuweisen, um weiterarbeiten zu können.”

    Und das hat offenbar der Herrgott auf ewig so vorgeschrieben, den Eindruck gewinnt man aus dem Artikel. Im PISA-Wunderland Finnland gelten ganz andere Regeln. Dort soll es Schulen mit 40-50 Schülern (!) geben. Wieviele entfallen da wohl auf den einzelnen Jahrgang?

    • Deutschland und Finnland sind in etwa gleich groß,allerdings haben die nur 5,5 Millionen Einwohner.Da liegt es nahe für eine Wohnort Nähe Beschulung kleinere Schulgrößen zu wählen und die Inklusion in kleineren Klassen umzusetzen, damit die Schüler nahe dem Wohnort zu Beschulung.

      • Das begründet doch in keinster Weise die bürokratische Regelung bei uns, dass 9-jährige Gesamtschulen 100 pro Jahrgang, also zusammen mindestens 900 Schüler insgesamt haben müssen. Für die Finnen wäre das vermutlich ein Albtraum.

        • Zur Existenzberechtigung brauchen Gesamtschulen laut Vorgabe eine mindestens zweizügige Oberstufe. Das entspricht etwa 40 Schülern, die 40% des Sek I-Jahrgangs sein sollen. Daraus resultieren die 100er Stufen in der Gesamtschule und die 60er-Stufen in der Sekundarschule (= Gesamtschule ohne Oberstufe).

          • “… die 40% des Sek-I-
            Jahrgangs sein sollen.”

            Also bei den Fünftklässlern wird schon festgelegt, wieviele davon Abitur machen sollen, wie in einem Fünfjahresplan? Das war mir so gar nicht bewusst. Bei den Gymnasien machen ja vielleicht 95 % eines Jahrgangs von Fünftklässern Abitur, das kann man ja mal anteilig zsammenrechnen. Und diese Zahlen werden dann von den Schulbürokraten im Ministerium “gesteuert”, je nach den “Erfordernissen der Gesellschaft”.

          • Ziel ist schon aus sozialen Gründen die Drittel-Parität, also 1/3 Gymnasium, 1/3 Realschule, 1/3 Hauptschule, was man durch die (unverbindliche) Schulformempfehlung ja herausbekommt. In der Praxis ist der gymnasiale Anteil mittlerweile geringer, die Anforderungen für den MSA mit Quali und das Abitur auch, weshalb dennoch etliche ursprünglich Realschüler die Sek II erfolgreich durchlaufen können.

        • Und warum sollten wir nicht auch wie die Finnen verfahren und den Bestand der Schulen mit geringeren Schülerzahlen sichern.

          • Schule darf kein Geld kosten. Je kleiner die Schule ist, desto höher sind die Kosten pro Schüler für Lehrer, sonstiges Personal, Grundstück, Reinigung, Instandhaltung. Es müssen ja Banken gerettet und Bahnhöfe eingegraben und Flughäfen gebaut werden.

          • Deshalb setzen die Politiker auf “Schülerfabriken” mit um die 1000 Kindern und legen den nächsten Grundstein für neue Misserfolge.

            Trotz sprudelnder Steuereinnahmen, die ja nun – nach dem Scheitern der Jamaika-Verhandlungen wieder frei sind -, aber stimmt, die gehn ja schon für höherer Lehrergehälter drauf und das ist erstmal am wichtigsten.

            (Vorsicht, Satire!)

          • XXX
            Stimmt, warum sollte man das Geld in die Bildung stecken und die nachfolgende Generation zu kritischen und gebildeten Mitgliedern der Gesellschaft erziehen.Dumme Menschen sind besser manipulierbar,lassen sich durch Fußball ablenken und mischen sich weniger in die Politik ein.
            Unterirdisch verlegte Bahnhöfe und Atomentsorgungsparks haben durch den spektakulären Einsatz der Polizeibeamten einen größerer Unterhaltungswert als mündige Bildungsbürger, die den politischen Eliten unangenehme Fragen stellen und nicht in deren Weltbild passen.

    • Nee, das Schulgesetz.

      Eine GeS mit weniger als 75 SuS (Dreizügigkeit) bringt zu wenige SuS hervor, die mit dem FOR-Q in die GOSt übertreten können. Eine Oberstufe mit 25 bis 30 SuS kann keine Differenzierungsangebote schaffen. Und SuS von anderen HS und RS fallen ja ebenfalls weg, da die SekS diese ja subtituiert hat.

      • Ich dachte eigentlich, es gibt noch Übergänge von denjenigen Sek-I-Schulen, die eben keine Oberstufe haben (z.B. Realschulen), in die Gesamtschulen. Wird davon nicht immer geredet?
        Und wie mögen denn die Finnen das mit den Differenzierungsangeboten machen? Vielleicht hat man dann eben keine Wahl bei den Fremdsprachen, ist das eine Katastrophe?
        Jedenfalls ist doch z.B. in NRW zu beobachten, dass im Hinblick auf solche bürokratischen Vorschriften manche Schulen geschlossen werden sollen (auch Förderschulen). Ich finde das kein gutes Argument.

        • In der SekI in NRW gilt in etwa folgende Schüler-Lehrer-Relation 16,5 zu 1.

          Auf 33 SuS kommen folglich 2 Lehrkräfte mit einer Vollzeitstelle. Eine zweizügige SekS mit rund 27 SuS je Klasse beschult folglich rd. 320 SuS. Sie hat somit ohne Ermäßigungsstunden mit einer Zuweisung von Lehrkräften durch die Bez.-Reg. von 20 Vollzeitstellen zu rechnen. Diese “kleinen Systeme” haben erhebliche Probleme den Vertrtungsbedarf aus den eigenen Reihen zu kompensieren, Aufsichten zu bestzen und ausreichende Differenzierungsangebote bezüglich der Fachleistungsdifferenzierung und der Neigungsdifferenzierung anzubieten. Aufgrund dieser fehlenen Möglichkeiten wenden sich die Eltern ganz schnell ab.

          Ich kenne die Verhältnisse einer sechszügigen GeS ziemlich gut … Deshalb kann ich aus eigener Ergfahrung sagen, Schulen, die hgemeinsames Lernen ermöglichen sollen, brauchen mindestens 4 Züge und lediglich in Ausnahmefällen 6. Mehr aber auf gar keinen Fall – außer die Schule umfasst zwei räumlich getrennte Schulstandorte.

          Die zahl der Realschulen – vor allem auf dem platten Land – ist mittlerweile durch die sinkenden Schülerzahlen gefährdet. Hinzu kommt dass die RS immer mehr potentielle Hauptschüler aufnehmen müssen, wenn keine anderen Bildungsangebote im SekI-Bereich in erreichbarer Nähe zum Wohnort mehr vorhanden sind.

          Die Situation in Städten oberhalb von 50.000 Einwohnern ist eine ganz andere.

          Übrigens welche Schulen wo und in welcher Form eingerichtet oder unterhalten werden ist gar nicht Sache der Landesregierung. Das entscheiden die Kommunen direkt vor Ort (Schulentwicklungsplanung über 5 Jahre). – Nur welcher Kommunalpolitiker trifft schon gerne Entscheidungen, die über eine Legislatur hinaus gehen?

          Es wäre an der Zeit den Kommunen die Zuständigleit für Sachaufwandsträgerschaft der Schulen oberhalb des Grundschulbereiches zu entziehen. Die weiterführenden Schulen sollten mit Ausnahme der GY in die Trägerschaft der Landkreise bzw. kreisfreien Städte übergehen, genauso wie bei den berufsbildenden Schulen. Di GY sollten in die Trägerschaft des landes übertragen werden.

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