GEW meint angesichts des Privatschul-Booms: Misstrauen in öffentliches Schulsystem wächst

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BERLIN. Die GEW blickt mit Sorge auf die Expansion von Privatschulen. „Das steigende Interesse an Privatschulen ist ein Ausdruck des wachsenden Misstrauens der Eltern gegenüber dem öffentlichen Schulsystem. Dies ist angesichts der kaputten Schulen und des Mangels an Lehrkräften und Schulplätzen durchaus verständlich und sollte der Politik eine Warnung sein“, erklärte Tom Erdmann, Vorsitzender der Berliner GEW, angesichts der am Wochenende stattfindenden Privatschulmesse „1. Berliner Schultage“. 

Erdmann forderte den Berliner Senat auf, mehr Geld für die öffentlichen Schulen in die Hand zu nehmen. „Das Vertrauen in die öffentliche Schule muss unbedingt zurück gewonnen werden. Denn nur ein qualitativ hochwertiges öffentliches Schulsystem ermöglicht allen Kindern gleiche Bildungschancen.“ Zur Stärkung der Schulen gehören für die GEW eine angemessene personelle und räumliche Ausstattung und die gerechte Bezahlung der Pädagogen. Darüber hinaus müssten auch Zeiten und Räume für die Schulentwicklung sowie zum Entwickeln und Erproben innovativer pädagogischer Konzepte zur Verfügung gestellt werden.

„Um den Bildungserfolg von der Herkunft der Kinder zu entkoppeln und allen Kindern eine Chance zu geben, sprechen wir uns für den Ausbau der Gemeinschaftsschulen aus“, betonte Erdmann.  Den Berliner Gemeinschaftsschulen gelinge es in besonderem Maße, alle Schüler so zu fördern, dass die soziale Herkunft und die in der Familie gesprochene Sprache für den Bildungserfolg kaum relevant sind. Die Berliner GEW trete dafür ein, dass alle Schüler von der 1. bis zur 10. oder 13. Klasse gemeinsam lernen und somit sozialen Zusammenhalt erleben. N4t

Zum Bericht: Unterricht mit 2.000 Schülern auf dem Hamburger Rathausmarkt: Privatschulen werben für freies Schulsystem

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1 KOMMENTAR

  1. Kein einziger Kommentar in mehr als 4 Jahren, wie kommt das?
    Wenn die GEW meint, das Vertrauen [der Eltern] in das öffentliche Schulwesen schwindet, dann hat sie ja vielleicht wirkliche Gründe für diese Annahme. Aber werden mögliche Ursachen benannt? Die materielle Ausstattung der Schulen und das Zahlenverhältnis Lehrer/Schüler spielt sicher immer eine Rolle, aber hat sich speziell dieses Zahlenverhältnis entscheidend verschlechtert? In solchen Punkten können auch Privatschulen nicht zaubern.
    Tatsache ist doch, dass seit Jahrzehnten am staatlichen Schulwesen in Deutschland mit Feuereifer reformiert wird, schon vor PISA und erst recht seit PISA. Aber waren und sind diese Reformen aus Sicht der Eltern ein Erfolg und tragen sie positiv zu dem Vertrauen aus Elternsicht bei? Ich bin da sehr skeptisch. Wenn ich überall lese, das wichtigste Ziel der Schule sei neuerdings die Entkoppelung des Schulerfolgs von der sozialen Herkunft, dann frage ich mich, ob eine deutliche Mehrheit der Eltern das auch so sieht. Vielleicht setzen die Eltern ja andere Prioritäten (die natürlich nicht einheitlich sind) ? Wer PISA-Testaufgaben gesehen hat, wird wohl kaum einen PISA-Testerfolg für ein wesentliches Kriterium halten und folglich auch nicht die Korrelation des PISA-Testerfolgs mit der sozialen Herkunft. Wer miterlebt, dass es schwache Oberstufenschüler gibt, die in der Mittelstufe kaum etwas gelernt haben, aber möglichst beim Abitur auch nicht durchfallen sollen, der wird vielleicht ein „Discount-Abitur“ gar nicht für erstrebenswert halten. Und gerade in Berlin (darauf wird im obigen Artikel Bezug genommen) pflegt man an der Schraube zu drehen, mit der die Abiturquote erhöht werden kann, ohne dass aber die Fähigkeiten oder Kompetenzen der Abiturienten auf demselben Anspruchsniveau bleiben. Die von Herrn Erdmann im Artikel so hoch gelobten neuen Berliner Gemeinschaftsschulen haben bislang noch nicht gezeigt, dass sie die Vorschusslorbeeren verdienen. Eine Ausnahme ist vielleicht die Fritz-Karsen-Schule, eine seit 1948 bestehende reformpädagogische Schule, die jetzt als Gemeinschaftsschule gilt. Die war schon immer ein Prestige-Projekt und ein Aushängeschild, gewiss nach dem Geschmack der GEW.

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