Religionsunterricht: katholischer Theologe für stärkere Kooperation von Konfessionen und Religionen

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TÜBINGEN. Viele Schulen in Deutschland bieten mittlerweile drei und mehr unterschiedliche Religionsunterrichte. Angesichts der Veränderungen der Gesellschaft wäre eine stärkere Kooperation notwendig, findet der Tübinger Theologe Reinhold Boschki. Auch die Rolle der Religionslehrers müsse sich wandeln.

Verschiedene Religionen und Konfessionen sollten aus Sicht des Tübinger Experten Reinhold Boschki im Schulunterricht stärker kooperieren. «Wir können nicht mehr nur Unterricht für uns alleine machen», sagte der Professor für Religionspädagogik an der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Tübingen. Zwar bräuchten Kinder Identitätsangebote und das erfordere unter anderem, dass die Gruppen auch unter sich blieben. «Aber das heißt nicht, dass man nicht auf vielfältige Weise kooperieren kann», sagte Boschki. So könne man beispielsweise einzelne Einheiten des Unterrichts gemeinsam gestalten und sich über Themen wie etwa den Gottesbegriff oder Nächstenliebe miteinander austauschen.

Studierter Theologe und Erziehungswissenschaftler: Reinhold Boschki plädiert für einen kooperativeren Religionsunterricht. Foto: Pessimist2006 / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
Studierter Theologe und Erziehungswissenschaftler: Reinhold Boschki plädiert für einen kooperativeren Religionsunterricht. Foto: Pessimist2006 / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)
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Auch die Rolle der Religionslehrer habe sich in den vergangenen Jahren verändert, sagte Boschki weiter. Grund dafür seien auch Veränderungen in der Gesellschaft, die unter anderem zunehmend von Digitalisierung und Individualisierung geprägt seien. Es gehe im Religionsunterricht daher nicht darum, den Schülern etwas überzustülpen. Der Religionslehrer biete vielmehr an, zum Thema Religion und Religiosität ins Gespräch zu kommen und Wissen darüber zu vermitteln. «Es geht darum, den Glauben vorzuschlagen», sagte Boschki. Auf dieser Basis sollten sich die jungen Menschen dann selbst entscheiden können. (dpa)

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2 KOMMENTARE

  1. “«Es geht darum, den Glauben vorzuschlagen», sagte Boschki. Auf dieser Basis sollten sich die jungen Menschen dann selbst entscheiden können.”
    Ja, so sehen wir das heute. In früheren Jahrhunderten sahen das auch die Theologen noch ganz anders. Nur im Islam sieht man das immer noch nicht so. Eine Art von religiösem Wahlrecht ist im Islam einfach nicht vorgesehen. Wer als Moslem geboren wurde (dadurch, dass die Eltern Moslems waren), muss das auch bleiben. Alles andere gilt als Apostasie und ist theoretisch (in manchen Ländern auch heute noch praktisch) mit dem Tode zu bestrafen. Auch Theologen müssten das eigentlich wissen. Sabatina James kann davon ein Lied singen.

    • Im Zweifel meint der Theologe auch nur die einseitige Annäherung von Christen und Konfessionslosen an den Islam. Alles andere würde ihm ja den Vorwurf der Rechtsradikalität einbringen von Personen, die in echt islamischen Staaten wegen ihrer Lebensweise gesteinigt werden könnten.

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