Kita-Projekt: Drei Religionen unter einem Dach

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BERLIN. In vielen deutschen Kindertagesstätten gehören Kinder verschiedener Nationalitäten, mit unterschiedlichen kulturellen und religiösen Hintergründen längst zum üblichen Gruppenbild. Trotzdem ist das Konzept des „3 Religionen Kita Haus“, das im Berliner Stadtteil Moabit entstehen soll, noch einmalig, denn die frühkindliche Bildungseinrichtung wird eine muslimische, eine jüdische und eine christliche Kita unter einem Dach vereinen.

Das “3 Religionen Kita Haus” will einen Begegnungsort für Judentum, Christentum und Islam schaffen. Foto: pixabay – sachbearbeitung

Die Initiatorinnen des Projekts repräsentieren je eine der drei Glaubensrichtungen und den damit verbundenen Träger: Kathrin Janert ist Vorständin des Evangelischen Kirchenkreisverbands für Kindertageseinrichtungen Berlin Mitte-Nord, Rabbinerin Gesa Ederberg ist Gründerin des Vereins „Masorti“ zur Förderung der jüdischen Bildung und des jüdischen Lebens und Iman Andrea Reimann ist Vorsitzende des Deutschsprachigen Muslimkreises.

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Konkret geplant ist ein gemeinsames Haus, in dem die drei religiösen Trägervereine jeder eine eigenständige Kita betreiben, in der sie ihrem eigenen pädagogischen Konzept folgen. Die Räumlichkeiten sollen jeweils Platz für 30 bis 45 Kinder bieten. Ein gemeinsam genutzter Eingangsbereich soll einen Rahmen für Elternarbeit und Familienangebote bilden sowie für den interreligiösen und interkulturellen Austausch. Zudem soll eine Außenfläche, die alle drei Kitas gemeinschaftlich nutzen, die tägliche Begegnung fördern. Das Drei-Religionen-Kitahaus schaffe somit „eine Umgebung, in der das Zusammenleben verschiedener Religionen und Kulturen in unserer bunten Stadt schon von frühester Kindheit an als Normalität gelebt und gemeinsam gestaltet wird“, heißt es auf der Internetseite. Auf diese Weise sollen Kinder und ihre Familien religiöse Vielfalt und Unterschiedlichkeit als Selbstverständlichkeit und Bereicherung erleben.

„Was gibt es Schöneres, als unerschrockene und vorurteilsfreie Kinder aller Religionen in einem solchen Projekt zusammenzubringen?“
Frank-Johannes Lemke, Geschäftsführer der Pforzheimer Caritas

Ähnliche Pläne in Baden-Württemberg
Kinder in religiöser Vielfalt zu erziehen, ist auch der Plan der Diakonie und Caritas in Pforzheim, Baden-Württemberg: Wie die Tageszeitung „Badische Neueste Nachrichten“ (BNN) berichtet, wollen der evangelische und katholische Wohlfahrtsverband mit Vertretern der Aleviten, der jüdischen Gemeinde, der Gemeinschaft Ahmadiyya-Muslim-Jamaat, der Jesiden und der Fatih-Moschee einen interreligiösen Kindergarten für Muslime, Juden und Christen bauen. Doch während das Berliner Drei-Religionen-Kitahaus laut Medienberichten schon im Jahr 2021 eröffnen soll, steht in Pforzheim noch nicht fest, ob die Einrichtung verwirklicht werden kann. Sollte dies der Fall sein, soll sie der Pforzheimer Zeitung zufolge als gemeinnützige Gesellschaft mit beschränkter Haftung (gGmbH) bestehen, an der alle religiösen Gruppen und Vertreter „verantwortlich und finanziell als Gesellschafter“ beteiligt sein sollen.

Eine solche interreligiöse Kita böte aus Sicht von Frank-Johannes Lemke, Geschäftsführer der Pforzheimer Caritas, die Chance, „Frieden unter den Religionen und Kulturen zu entwickeln“, berichtet die BNN. „Was gibt es Schöneres, als unerschrockene und vorurteilsfreie Kinder aller Religionen in einem solchen Projekt zusammenzubringen?“ Ähnlich bewertet Rabbinerin Ederberg die Bedeutung des Berliner Vorhabens gegenüber der Süddeutschen Zeitung: „Wenn man aus so seiner Kita kommt, funktionieren die simple Islamophobie oder antisemitische Stereotype nicht mehr, denn man hat muslimische oder jüdische Freunde.“

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2 KOMMENTARE

  1. Diese gemeinsame Kita besteht in Wahrheit aus drei getrennten Kitas mit drei unterschiedlichen pädagogischen Konzepten und unterschiedlichen Betreuern, die nur einen gemeinsamen Eingangs- und Außenbereich nutzen. Das ist etwa so, wie wenn eine Grund- und eine Förderschule denselben Schulhof nutzen. Wirklich interkulturell wäre die “eine Kita für alle”. Aber die wäre ja dann nicht religiös genug, das mögen die Funktionäre nicht. Ich habe Zweifel, ob eine Erziehung mit diesen religiös definierten Unterschieden überhaupt gut ist für kleine Kinder. Kann man sie nicht erstmal mit Religion ganz in Ruhe lassen? Dann spielen alle miteinander, ohne überhaupt zu wissen, welche Konfession sie haben. Wäre das nicht eine gelungene Integration? Wenn sie 10-12 Jahre alt sind, kann das Religiöse immer noch kommen.

    • Guter Kommentar, der die Weltoffenheit der Einrichtung erheblich relativiert. Außerdem wird die sehr große Gruppe der nicht-religiösen Familien (Atheisten, Agnostiker) Außen vor gelassen. Man könnte meinen, dass wirtschaftliche Beweggründe eine nicht unerhebliche Rolle bei der Kooperation gespielt haben.

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