FDP fordert: Schüler sollen Lehrer-Leistung beurteilen

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Hamburger Schüler sollen nach dem Willen der FDP-Fraktion die Leistung ihrer Lehrer bewerten können. Das fordern die Freidemokraten in einem Antrag, der in die nächste Bürgerschaftssitzung am 16. Mai eingebracht werden soll.

In Hochschulen schon üblich: Evaluierung der Lehrveranstaltungen. Foto: Bildarchiv Universität Bielefeld Fotolia_0038 © Robert Kneschke / flickr / CC BY 2.0

Wie genau die Benotung funktionieren soll, ist noch offen. Der rot-grüne Senat solle ein «flächendeckendes Konzept zur Unterrichtsevaluation» erstellen, verlangt die FDP. Es solle den Jungen und Mädchen ermöglichen, sachlich und konstruktiv zu beurteilen, wie gut ihre Lehrer den Unterricht gestalten.

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Die Schulbehörde berate seit einigen Monaten mit Experten über konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Unterrichtsqualität – dazu zähle auch eine flächendeckende Einführung eines Schülerfeedbacks, sagte der Sprecher der Schulbehörde, Peter Albrecht, zu dem FDP-Antrag. Die Behörde werde vor den Sommerferien ein Gesamtkonzept vorstellen.

«Eine Reihe von Hamburger Schulen führt bereits seit Jahren erfolgreich Schülerfeedback durch und hat hier wertvolle Erfahrungen gesammelt», berichtete er. «Wichtig ist, dass die gesamte Schulgemeinschaft inklusive der Lehrerschaft das Schülerfeedback mitträgt, damit so erfolgreich Unterricht verbessert werden kann.»

FDP-Fraktionschefin Anna von Treuenfels-Frowein betonte, die Debatte um Bewertungsportale im Internet, auf denen sich Schüler teilweise unangemessen über Lehrer geäußert hätten, dürfe nicht dazu führen, dass eine sinnvolle Beurteilung abgelehnt werde. «Wir sollten die Perspektive der Schüler einbeziehen und sie zur Verbesserung des Unterrichts nutzen», sagte sie. In Hochschulen sei das schon üblich. dpa

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12 KOMMENTARE

  1. Wenn ich mich dran erinne welche Lehrer ihren Job gut gemacht haben und welche Lehrer von den Schülern gemocht wurden, waren das definitiv nicht die selben.
    Und was die Objektivität meiner Mitschüler angeht… Die war sehr gering

    • Dies hängt auch sehr vom Fach und von der Haltung des einzelnen Schülers zum jeweiligen Fach ab. Der Sportlehrer hat somit eine wesentlich bessere Ausgangsposition als der Latein- oder Mathematiklehrer.

  2. Man geht gern davon aus, dass Schüler/innen in der Schule sind, um möglichst viele Kompetenzen zu erwerben. Aber könnte es sein, dass doch viele nur mit möglichst wenig Aufwand durchkommen wollen? An Universitäten in USA soll es schon eine Wechselbeziehung zwischen guten Noten für die Studierenden und guten Noten für die Lehrenden bei der Evaluation geben. Die Versuchung könnte groß sein, hier den Weg des geringsten Widerstands zu gehen, besonders wenn auch noch Beförderungen davon abhängen.

  3. Die FDP hat in Hessen an der Spitze des HKM gezeigt, welche Glanzleistungen von ihr zu erwarten sind. Keine, sofern man nicht selsbt ein Poliertuch mitbringt!

  4. Es gehört für mich zur Professionalität des Lehrerberufs dazu, regelmäßig und in allen Klassenstufen ein Schülerfeedback einzuholen. Ich verstehe die Widerstände in Teilen der Lehrerschaft absolut nicht, wo ist denn das Problem? Wenn es mal negative Rückmeldung gibt, dann als Beispiel solche:

    Fall A: Ein (anonymer)Fragebogen wirft aus: Die Noten sind ungerecht. Wenn es in der Klasse aber nur ein Schüler so sieht, hat das für mich keine persönliche Konsequenz. Hat aber ein Drittel der Klasse diese Wahrnehmung (ist bisher noch nicht vorgekommen), sollte man mal drüber nachdenken.

    Fall B: In einer Klasse kommt gehäuft (also mehr als 1-2 Schüler) die Rückmeldung: Es geht zu schnell im Unterricht, wir brauchen öfter eine zweite Erklärung (ist bei mir schon vorgekommen). Dann muss ich doch die Konsequenz ziehen: Entweder liegt es daran, dass ich tatsächlich zu schnell weitergehe, weil ich mich z.B. zu sehr am besten Drittel der Klasse orientiere. Oder aber, es hat andere Ursachen wie z.B. unregelmäßig Hausaufgabenanfertigung und damit zu wenig Übung. Oder es gibt eine andere auf die spezielle Klasse zutreffende Erklärung. Aber ich muss mich doch damit auseinandersetzen!!! In allen Fällen muss das mit der Klasse besprochen (oder per 2. Feedbackbogen erfasst) werden und wenn das Verhältnis Schüler/Lehrer intakt ist, kann da nur Gutes bei rumkommen.

    @xxx: Es geht doch nicht um ein Lehrerranking! Jedenfalls nicht, wenn es gut gemacht ist.
    (@Cavalieri:) Insbesondere sollte die Schulleitung die Ergebnisse nicht mitbekommen oder erst dann, wenn negative Werte einzelner Lehrkräfte über einen längeren Zeitraum gehäuft auftreten bzw. sich Beschwerden aus Eltern- und Schülerschaft ÜBER EINEN LÄNGEREN ZEITRAUM (z.B. 3 Jahre) und jahrgangsübergreifend häufen. Dann ist das Feedback für die Schulleitung aber hilfreich, wenn sie das Problem anzugehen möchte.
    @Alberich: Das Feedback muss natürlich so aufgebaut sein, dass “beliebt sein” keine Hauptkategorie ist. Unserer Erfahrung nach (meine Schule) können Schüler da auch gut unterscheiden. Deshalb sind ja auch Lehrerbewertungsportale abzulehnen mit Kategorien wie “modische Kleidung” oder “sexy”, darum kann es ja nicht gehen.

    Eine Sache sollte man allerdings können: Kritikfähig sein! Zumindest bei MÖGLICHERWEISE berechtigter Kritik.
    Man kann ein guter Lehrer sein, aber keiner von uns ist der allerbeste, tollste Lehrer, der nie Fehler macht.

    • @ Küstenfuchs,

      das sehe ich genauso wie Sie. In dem von Ihnen beschriebenen Sinne wäre ich dafür, dass Lehrer verpflichtet werden, sich regelmäßig eine anonyme Rückmeldung von ihren Schülern abzuholen. Die Ergebnisse sollten nur für sie sein. Ich meine, selbst ein noch so “sturer Bock” wird doch darüber nachdenken, was er da zu hören bekommt (und wer freut sich nicht über Lob).

      Die Schulleitung sollte nur überprüfen dürfen, ob der Lehrer sich eine Rückmeldung geholt hat oder nicht. Ansonsten hat sie ja eh die Möglichkeit zu Unterrichtsbesuchen und bekommt eh Beschwerden zu hören, wenn es sie gibt.

      • Wie ich allerdings die Behörden kenne – und davor graust mir schon – wird aus einer harmlosen Bitte um Rückmeldung (ggf. formlos) ganz bald ein 10-seitiges Dokument mit 50 Frage a je 10 Unterpunkten und mindestens 4 Kategorien “trifft vollständig zu”, “trifft zu” … zusätzlich machbaren Bemerkungen, Verschwiegenheitserklärung oder -entpflichtung (je nachdem) und einem Code für die Schüler, der nicht erkennbar macht, wer es geschrieben hat usw.-usf.

        Furchtbar. 🙂

    • “Insbesondere sollte die Schulleitung die Ergebnisse nicht mitbekommen”
      Ihr frommer Wunsch in Ehren, aber an Universitäten bekommen selbstverständlich die Dekane (oder andere Leistungsebenen) die Evaluationen zu sehen. Das ist gerade der Witz der Sache, und es kommt aus den USA, wo die Gehaltserhöhungen für Professoren dann davon abhängen. Daher versucht jeder natürlich, gute Bewertungen zu bekommen, auch um den Preis einer Reduzierung der Ansprüche bei der Benotung. Das erzählte mir jemand, der selber zeitweise in USA gelehrt hat.

      • so etwas befürchte ich auch. Für den Lehrer kann eine Beförderung oder Entfristung davon abhängen, für den Schulleiter die Stellenzuweisung, Geld für Ausstattung usw.. Da Tests häufig nicht das abfragen, was sie abzufragen vorgeben, halte ich das für ganz schlimm.

  5. Ja, die FDP fordert immer so einiges. Zum Beispiel, dass Eltern mit Kind im Restaurant, in dem 5 Kerle um einen Tisch sitzen und qualmen, hingehen und darum bitten, dass im Sinne von Aushandeln und Selbstverantwortung und Kindeswohl die Zigaretten bitte ausgemacht werden. Oder, dass G8 eingeführt wird, was man jetzt, unter FDP-Führung, für 550 Millionen wieder rückgängig macht. Bei der Forderung nicht bedenkend, was kluge Menschen und ich damals schon einwendeten: Das hat keinen Benefit, führt zu Stress, ist nicht vorbereitet, z.B. durch Bereitstellung entsprechender Fachlehrpläne. Und auch dieses Evaluations-Projekt, eigentlich eine bestechende Idee, lässt die Menschen nicht bereichert, sondern ratlos zurück. Man siehe die Kommentare weiter oben.

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