G7-Gipfel: Hilfsorganisationen fordern 1,3 Milliarden für Bildung

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Hilfsorganisationen haben von der G7-Gruppe der reichen Industrienationen 1,3 Milliarden US-Dollar gefordert, damit mehr Kinder und besonders auch arme Mädchen zur Schule gehen können.

Schulunterricht ist für viel Kinder nicht selbstverständlich.                         Foto: ora international / flickr / CC BY-SA 2.0

Hilfsorganisationen haben von der G7-Gruppe der reichen Industrienationen 1,3 Milliarden US-Dollar gefordert, damit mehr arme Mädchen zur Schule gehen können. Rund 3,7 Millionen Kinder könnten davon über drei Jahre profitieren, berichteten die Gruppen vor dem G7-Gipfel im kanadischen La Malbaie bei Québec. Als Gastgeber hat Kanadas Premier Justin Trudeau besseren Zugang für Frauen und Mädchen zu Bildung insbesondere in Krisengebieten zu einem der Schwerpunkte des Treffens gemacht.

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Die Geschäftsführerin von Oxfam International, Winnie Byanyima, appellierte an die G7-Staaten, entschlossener gegen wirtschaftliche Ungleichheit vorzugehen, um die Rolle und Rechte von Frauen und Mädchen zu stärken. «Nach einigen vorsichtigen Schätzungen tragen Frauen rund zehn Billionen US-Dollar, ja, Billionen, an unbezahlter Betreuung und Hausarbeit zur Wirtschaft bei», sagte Byanyima. «Ohne das würden unsere Volkswirtschaften zusammenbrechen.»

Der Wohlstand der Weltwirtschaft basiere auf der Ausbeutung von Frauen und Mädchen, beklagte die Oxfam-Chefin. Mädchen holten Wasser, während Jungs zur Schule gingen. Zimmermädchen in Hotels seien sexueller Belästigung ausgesetzt. Die Probleme seien reichen Ländern nicht fern: «Die Bäuerinnen, die unsere Nahrungsmittel anbauen, haben nicht genug zu essen für ihre Familien», sagte Byanyima. «Die Frauen, die unsere Kleidung in heißen, überfüllten Textilfabriken nähen, verdienen Löhne an der Armutsgrenze ohne geringste Rechte.»

Zerstörte Schulen durch Kriege und Krisen

Die Kinderhilfsorganisation World Vision beklagte auch, dass Kriege und Krisen heute häufiger als früher Schulen zerstörten, Kinder töteten und gegenwärtig 67 Millionen Menschen flüchten ließen – davon die Hälfte Kinder. «Die G7-Führer müssen sich stärker für Frieden und Gewaltprävention einsetzen», forderte Sprecherin Silvia Holten. Der Schutz von Zivilisten in Konflikten müsse höchste Priorität haben. «Es muss Schluss sein mit Säbelrasseln und Drohgebärden.»

Rund 30 Hilfsorganisationen, darunter das UN-Kinderhilfswerk Unicef, stehen hinter dem Appell, Frauen und Mädchen in den Jahren 2018 bis 2020 mehr Bildungszugang zu verschaffen. Kanadas Premier wird auf dem Gipfel für Finanzmittel werben, hat aber selbst noch keine Zusage für das Vorhaben gemacht. Aktivisten forderten von den G7, für die 1,3 Milliarden US-Dollar (umgerechnet 1,1 Milliarden Euro) auch wirklich zusätzliches Geld bereitzustellen und nicht bereits zugesagte Mittel aus anderen Töpfen umzuwidmen.

Oxfam-Sprecher Jörn Kalinski forderte zusätzlich die Bundesregierung auf, mindestens 50 Millionen Euro jährlich in den eigens für Bildung in Krisen und Konflikten eingerichteten Fonds «Bildung kann nicht warten» (Education Cannot Wait) einzuzahlen. Eine solche Zusage wäre aus seiner Sicht nicht nur angemessen, sondern entspräche auch dem deutschen Anspruch, Vorreiter sein zu wollen. Ende 2017 hatte die Bundesregierung 16 Millionen bereitgestellt, aber in diesem Jahr nichts mehr eingeplant. Zur G7-Gruppe gehören außer Deutschland und Kanada auch die USA, Frankreich, Großbritannien, Italien und Japan.

dpa

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