Werbung beeinflusst das Essverhalten von Kindern

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BERLIN. auf 1,8 Billionen Euro schätzen Gesundheitsökonomen die Folgekosten durch Adipositas für das deutsche Gesundheitswesen. Kein Wunder, dass Politiker und Verbraucherschützer einhellig bessere Präventionsmaßnahmen fordern. Ein Werbeverbot für ungesunde Produkte könnte ein guter Ansatzpunkt sein, zeigt eine australische Studie.

Jedes siebte Kind in Deutschland ist laut KiGGS-Studie zu dick: Über 15,4% der Kinder und Jugendlichen zwischen drei und 17 Jahren sind übergewichtig, rund 5,9% adipös. Verbraucherschützer und Politiker sehen dafür auch die Werbung für energiereiche Lebensmittel verantwortlich.

Es gibt viele Snacks im Supermarktregal und die Konkurrenz ist hart. Werbung ist da von großer Bedeutung für die Hersteller. Foto (Extra (Coop supermarket) Bergen Storsenter Norway 2017-11-16 snacks aisle): Wolfmann / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0) (Ausschnitt mit verwischten Schriftzügen)
Es gibt viele Snacks im Supermarktregal und die Konkurrenz ist hart. Werbung ist da von großer Bedeutung für die Hersteller. Foto (Extra (Coop supermarket) Bergen Storsenter Norway 2017-11-16 snacks aisle): Wolfmann / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0) (Ausschnitt mit verwischten Schriftzügen)
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Auf verschiedene Studien weist in diesem Zusammenhang die Deutsche Allianz Nichtübertragbare Krankheiten (DANK) hin, ein Zusammenschluss von 22 medizinisch-wissenschaftlichen Fachgesellschaften, Verbänden und Forschungseinrichtungen. Schon durch eine kurze Werbeeinwirkung würden demnach Kinder messbar mehr Kalorien pro Tag zu sich nehmen.

In dem Experiment der Universitäten Sydney, Liverpool und Wollongong wurden 160 Kinder eines Feriencamps zufällig in vier Gruppen eingeteilt Gruppe 1 sah täglich einen 10-minütigen Film mit Werbeunterbrechungen für ungesunde Produkte wie Frühstücksflocken, ein Burger-Menü oder Schokoladencreme. Gruppe 2 spielte zusätzlich noch ein kurzes Computerspiel mit ähnlicher Werbung. Gruppe 3 und 4 erhielten dieselbe Intervention, sahen aber Werbung für andere Produkte (Non-Food). Gemessen wurde dann, wie viel die Kinder bei Frühstück und Mittag sowie in einer Snackpause direkt nach dem Film und dem Spiel essen.

Ergebnis: Kinder, die in TV und Computerspiel Werbung für ungesunde Produkte sahen, aßen am Tag durchschnittlich 46 kcal mehr als die Kinder der beiden Kontrollgruppen. Das entspricht zwar nur rund 100 Millilitern Apfelsaft, summiert sich im Laufe eines Jahres allerdings auf den ungefähren Energiebedarf eines 14-jährigen an 6 Tagen.

Besonders ausgeprägt war der Effekt bei bereits übergewichtigen Kindern – sie aßen 95 kcal mehr, was knapp 2 Wochen Überernährung pro Jahr ergäbe. Dabei wurden nicht einmal die beworbenen Produkte angeboten: Die Werbung verführte die Kinder offenbar generell dazu, mehr zu essen.

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Erhalten die Kinder genau den beworbenen Snack, fällt der Effekt noch dramatischer aus – das zeige eine Studie aus den USA mit 60 Vorschulkindern. Sie konsumierten mit Snack-Werbung 30% mehr Kalorien als ohne.

Die Studien bestätigten, laut der DANK die Befunde vieler anderer Untersuchungen mit Kindern, die ebenfalls einen erhöhten Nahrungsmittelkonsum nach Werbung feststellen. „Wissenschaftlich ist hinreichend erwiesen, wie schädlich Snack-Werbung für Kinder ist“, so Professor Hans Hauner, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Diabetes Stiftung, „es ist deshalb nicht zu erklären, dass wir das als Gesellschaft immer noch zulassen.“ Die DANK fordere die Bundesregierung auf, Werbung für ungesunde Produkte für Kinder generell zu verbieten.

Umgekehrt könne allerdings der Lebensmittelkonsum durch verständlichere Nährwertinformationen auch positiv beeinflusst werden. Die Experten begrüßen daher die Ankündigung des Herstellers Danone, ab 2019 das fünfstufige Ampelsystem „Nutri-Score“ auch in Deutschland einzuführen. Mehrere Studien in Online- und realen Supermärkten hätten gezeigt, dass sich dadurch die Nährwertqualität des eingekauften Warenkorbs um 6 bis 9% verbessere – auch bei Personen mit geringem Einkommen. „Die Ergebnisse zeigen, dass die derzeitige Kennzeichnung in Deutschland, kleingedruckt und auf der Rückseite der Verpackung, nicht ausreicht“, so DANK-Sprecherin Barbara Bitzer. „Verbraucher haben das Recht auf verständlichere Informationen – dann treffen sie auch gesündere Kaufentscheidungen.“ Die DANK fordert ein verpflichtendes Ampelsystem in Deutschland. Dies werde, ebenso wie ein Verbot von an Kinder gerichtetes Marketing für dickmachende Produkte, auch von der Weltgesundheitsorganisation empfohlen. (zab, pm)

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1 KOMMENTAR

  1. “Werbung beeinflusst das Essverhalten von Kindern”…davon gehe ich doch aus…welchen Sinn hätten sonst die ganzen Millionen die Konzerne in die Werbung stecken??

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