Hamburger Abi (nach Notenanpssung in Mathe): Im Durchschnitt eine 2,42

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HAMBURG. Hamburgs gut 9000 Abiturienten haben in diesem Jahr eine Durchschnittsnote von 2,42 erhalten. Alles in normalen Bereich, meint der Senator – trotz der umstrittenen Notenanpassung im Fach Mathematik.

In drei Bundesländern, darunter Hamburg, ging es im Mathe-Abi aufwärts mit den Noten. Illistration: Shutterstock

95 Prozent der Hamburger Schülerinnen und Schüler haben ihre Abiturprüfung in diesem Jahr bestanden. Das gab die Schulbehörde auf Grundlage einer noch vorläufigen Abitur-Abfrage am Montag bekannt. Die Durchschnittsnote lag demnach bei 2,42. «Das ist eigentlich im Großen und Ganzen auf dem Korridor der letzten Jahre», sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD). Im vergangenen Jahr hatte die Durchschnittsnote bei 2,41 gelegen, 2017 bei 2,43. 400 bis 450 Schülerinnen und Schüler hätten das Abitur nach den vorliegenden Zahlen wohl nicht geschafft. Auch dies liege im Bereich der Vorjahre.

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Bis auf die schriftliche Mathe-Prüfung auf grundlegendem Niveau, deren Benotung wegen zu schwerer Aufgaben angepasst werden musste, «war das ein unauffälliges Abitur, dass sich im Rahmen dessen bewegt, was wir in den letzten Jahren in Hamburg kennen», resümierte Rabe.

Schülerinnen waren besser als die Schüler

Wegen der frühen Hamburger Schulferien habe man sich entschlossen, die Zahlen auf einer Datengrundlage von 90 Prozent zu veröffentlichen. Allerdings seien dies statistisch «vernünftige 90 Prozent», sagte Rage. «Deshalb halten wird gerade die Notendurchschnitte für extrem belastbar.» An den Hamburger Gymnasien kamen die Schüler im Schnitt demnach auf eine Note von 2,33, an den Stadtteilschulen auf 2,57 und an den beruflichen Gymnasien auf 2,58.

Mit 51,6 Prozent machten etwas mehr Schülerinnen ihr Abitur als ihre Schüler. Auch bei der Durchschnittsnote hatten sie mit 2,38 die Nase vorn. Die männlichen Schüler kamen im Schnitt auf 2,48. Insgesamt 137 Schüler an den bisher ausgewerteten Schulen schafften ihr Abi mit der Traumnote 1,0.

Zum dritten Mal stammen die Aufgaben bei den schriftlichen Abiturprüfungen in Mathematik, Deutsch, Englisch und Französisch aus einem bundesweiten Aufgabenpool. Dabei erhielten die Hamburger Schülerinnen und Schüler in Deutsch eine Durchschnittsnote von 3,08 (2018: 2,97/2017: 3,02), in Englisch 2,74 (2,69/2,77) und in Französisch 2,08 (2,35/2,45). Bei der zentralen schriftlichen Mathe-Prüfung auf erhöhtem Niveau, in der in Hamburg – als einzigem Bundesland – sämtliche Aufgaben aus zentralen Aufgabenpool übernommen wurden, betrug die Durchschnittsnote 3,38 (3,34/3,39).

“Anfoderungen in Mathematik nochmal überprüfen”

Der Wirbel um die schwere Mathe-Prüfung habe auch neue Erkenntnisse gebracht, sagte Rabe. «Wir haben bisher in dem Bewusstsein gehandelt, die Matheklausuren sind nur in Hamburg immer zwischen 3,0 und 3,5 Notendurchschnitt.» Jetzt habe man aber gelernt, dass auch Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Bremen und Berlin vergleichbare Ergebnisse abgeliefert hätten. «So dass sich mittelfristig mal Fragen ergeben, ob nicht irgendetwas hier grundsätzlich nicht stimmt, und hier gar kein Hamburger Problem in dem Sinne vorliegt, sondern offensichtlich die Anforderungsmaßstäbe in Mathematik noch mal überprüft werden müssen.»

Dies sei aber ein langfristiges Projekt. Kurzfristig sollen in Hamburg Mathelehrer die aus dem Bundespool übernommenen Aufgaben vor der Prüfung durchrechnen, um festzustellen, ob sie in der vorgegebenen Zeit zu schaffen sind.

Kritik kam von der Opposition. «Mathematik bleibt das rot-grüne Problemkind», sagte die Bildungsexpertin der CDU, Birgit Stöver. Die Ankündigung des Schulsenators komme reichlich spät. «Es sollte selbstverständlich sein, dass Mathematiklehrer, die selber nicht in die Aufgabenkonzeption eingebunden sind, die Aufgaben proberechnen, bevor sie in der Abiturklausur eingesetzt werden.»

Die bildungspolitische Sprecherin der Linken, Sabine Boeddinghaus, forderte Auskunft, «weshalb Hamburg als einziges Bundesland alle Abiturfragen in Mathematik ungeprüft übernommen hat.» Die Zentralisierung des Abiturs schaffe keine Gerechtigkeit. «Das Resultat des Vergleichbarkeitsfetischismus sieht man eben am Desaster des Mathe-Abiturs.»

Statt nur auf stabile Abitur-Durchschnittsergebnisse zu schauen, müsse Rabe sicherstellen, dass auch der Anschluss an Ausbildung, Studium und den Berufseinstieg gelingt, forderte ihre FDP-Kollegin Anna von Treuenfels-Frowein. «Rückmeldungen aus Berufsschulen, Betrieben und Hochschulen zeigen, dass es hier starkes Verbesserungspotenzial gibt.» dpa

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1 KOMMENTAR

  1. In Bayern lag meines Wissens der Schnitt bei etwa 3,3 ohne die Notenanpassung. Vielleicht sollten die Hamburger, Berliner, Holsteiner usw. mal darüber nachdenken, nicht mehr jeden Hans und Franz zum Abitur führen zu wollen. Wie lautet eigentlich die Durchschnittsnote der besten X% der Schüler in den Bundesländern, wobei X% dem relativen Anteil der bayerischen Abiturienten am bayerischen Gesamtjahrgang entspricht.

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