Biologie als schulische Leitwissenschaft der Zukunft? – Biologen stellen Forderungen an die Politik

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MÜNCHEN. Angesichts der drängenden Zukunftsfragen scheint die Biologie allgemein auf dem Vormarsch. In den Stundentafeln ist sie jedoch noch
unterrepräsentiert befindet der Verband Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO e. V.).

"Jugend forscht" will den Nachwuchs an die Naturwissenschaften heranführen. Foto: Jugend forscht
Die Bedeutung biologischen Grundwissens ist unbestritten hoch. Biologen sehen ihr Fach in der Schule unterrepräsentiert. Foto: Jugend forscht

Wer auf sein biologisches Schulwissen zurückschaut, sieht mit zunehmendem Alter ein differenziertes Bild. Viele Grundlagen scheinen unverändert. An anderen Stellen sind grundlegende Überzeugungen wissenschaftlich ins Wanken geraten. Bei wesentlichen Themen im Hinblick auf Gesundheit, Ernährung, Klimaschutz und Nachhaltigkeit kommen biologische Fragestellungen auf die Tagesordnung.

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Grundlegendes biowissenschaftliches Wissen wird für die Gesellschaft wie für den Einzelnen immer bedeutsamer. In diesem Kontext komme dem Biologieunterricht eine herausgehobene Bildungsverantwortung zu, betont der VBIO, der mit rund 35.000 Mitgliedern derzeit größte Biologenverband in Deutschland. Lehrkräfte müssen daher sowohl über hohe fachwissenschaftliche als auch fachdidaktische Kompetenzen verfügen.

„Die Biologie mit ihren vielen Teildisziplinen gewinnt laufend neue Erkenntnisse, die unmittelbare Auswirkungen auf das Leben eines jeden Einzelnen, auf die Gesellschaft, die Wirtschaft und die Politik haben. Biologische Paradigmen, Denkmuster und Erklärungsmodelle gewinnen zunehmend an Bedeutung und müssen fachdidaktisch reflektiert vermittelt werden“, so VBIO-Präsidiumsmitglied Ilka Gropengießer.

Diese gewachsene Bedeutung der Biowissenschaften habe sich bisher nicht in den Bildungsplänen und Stundentafeln niedergeschlagen. Auch in der Lehrkräftebildung sieht der VBIO Handlungsbedarf. In gleich zwei Positionspapieren hat der Verband nun seine Forderungen aufgelistet.

Merkmale eines guten Bio-Unterrichts

Ein moderner und zukunftsorientierter Biologieunterricht muss aus Sicht des Biologenverbandes vor allem Folgendes leisten:

  • Er muss fachmethodisches und fachinhaltliches biologisches Grundwissen vermitteln (scientific literacy).
  • Er fokussiert auf grundlegende Kompetenzen, die einen reflektierten Umgang mit erworbenem Fachwissen ermöglichen.
  • Im Mittelpunkt müssen das Verständnis der spezifischen Denk- und Arbeitsweisen der Biologie als Naturwissenschaft sowie deren Nutzung im Zuge von Problemlösungen und der Erweiterung des eigenen Wissens stehen.
  • Zeitgemäßer Biologieunterricht vermittelt biologisches Fachwissen unter Einbezug von Kompetenzen aus den Bereichen „Umgang mit Fachwissen“, „Erkenntnisgewinnung“, „Kommunikation“ und „Bewertung“.

Biologieunterricht trage zum Bildungsziel der Demokratiefähigkeit bei, indem er Schülerinnen und Schüler dazu befähige, auf der Basis gesicherter biowissenschaftlicher Erkenntnisse und unter Berücksichtigung ökologischer, sozialer und ethischer Aspekte zu einer begründeten, eigenständigen Bewertung zu kommen. Erst dadurch sei eine aktive Teilhabe an gesellschaftlichen Entscheidungsprozessen unter bioethischer, ökonomischer und umweltpolitischer Perspektive möglich.

Ansprüche an die Lehrerausbildung

Um den genannten Anforderungen gerecht werden zu können, müssen Lehrkräfte in Studium, Vorbereitungsdienst und berufsbegleitender Fortbildung entsprechende Kenntnisse und Kompetenzen erwerben und vertiefen. Es brauche Lehrkräfte, die sowohl über hohe fachwissenschaftliche als auch fachdidaktische Kompetenzen verfügen. „Ohne kompetente, gut ausgebildete Lehrkräfte wird es auch keinen angemessenen Biologieunterricht geben“, so Christian Rosar, Co-Sprecher des Arbeitskreises Schulbiologie im VBIO. „Die Positionspapiere zur Schulbiologie und zur Lehrkräftebildung stehen daher in enger Beziehung zueinander.“

Um das Ziel einer angemesseneren Berücksichtigung biowissenschaftlicher Themen zu erreichen, stellt der VBIO deutliche Forderungen an die Politik. Zu ihnen gehören der Wunsch nach

  • einer kontinuierlichen Weiterentwicklung der Bildungspläne der Länder unter Berücksichtigung aktueller biowissenschaftlicher Erkenntnisse,
  • einem hohen Anteil biologischer Themen im Sachunterricht der Primarstufe,
  • einem durchgängigen, mindestens zweistündigen Biologieunterricht in der Sekundarstufe I und
  • einer Belegverpflichtung eines mindestens dreistündigen Biologiekurses in der Oberstufe.

Auch in der Lehrerbildung strebt der Verband tiefgreifende Änderungen an. Die Struktur des Lehramtsstudiums müsse bundesweit harmonisiert werden. Außerdem sollte es Studierenden künftig leichter möglich sein, zwischen Lehramtsstudium und fachwissenschaftlichem Studium zu wechseln. Ein mindestens 18-monatiger Vorbereitungsdienst sollte bei Bedarf auch für Quereinsteiger aus einem 1-Fach-Studiengang (z. B. Master of Science, Biologie) zugänglich sein, um eine hochwertige fachliche, fachdidaktische und kompetenzorientierte Lehramtsausbildung zu gewährleisten. Überdies sollten verpflichtende Fortbildungen zu „schulrelevanten Gegenständen der Fachwissenschaft und Fachdidaktik sowie des Lehrens und Lernens in einer digitalen Lernumgebung“ auch in Zukunft einen zukunftsfähigen und praxisorientierten Biologieunterricht sicherstellen. (zab, pm)

Volltext der Positionspapiere auf den Seiten des VBIO:
• Schulbiologie
• Lehrkräftebildung

Hamburger Wirtschaftsethiker fordert Schulfach Umweltschutz – Umfassender Wandel notwendig

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30 KOMMENTARE

  1. Um diese Ansprüche umzusetzen, muss die Biologie auch in der Schule zu einer harten Naturwissenschaft vom Kaliber der Chemie und Physik werden. Das dürfte aber weder den Schülern noch den Lehrern gefallen. Ersteren nicht, weil das Fach dann wirklich anspruchsvoll wird, sprich in der Sek II auch mal gerechnet werden muss, was ja der Hauptgrund gegen die Entscheidung für Chemie und erst recht Physik ist. Letzteren nicht, weil dann die Garantie mindestens eines Grund- und Leistungskurses je Oberstufenjahrgang flöten geht. Die Politik könnte dann auch in Probleme kommen, weil das Ersatzfach für Mathematik zur Erfüllung der Abiturvoraussetzung wegfiele.

  2. Ich finde Geschichtsbewusstsein genauso wichtig. Bei dem ganzen Populismus und Radikalismus. Geschichte 5 Stunden pro Woche!!!!!

  3. Dieser Verband VBIO vertritt hinsichtlich der Schule eine Meinung, die wohl nicht alle Biologielehrer und -didaktiker teilen. Es geht letztlich um die Frage, ob die schulische Biologie eine Naturwissenschaft bleibt oder ob sie zu einer Gesellschaftswissenschaft mutiert (so wie oben zart angedeutet). Es gibt auch einen anderen Verband, der manches anders sieht:
    https://www.didaktik-biowissenschaften.de
    Ich maße mir kein Urteil an, weil ich nicht Biologie studiert habe, aber ich könnte mir doch denken, dass die o.g. “Zukunftsfragen” eher in ein schulisches Fach Politik oder Gesellschaftskunde gehören als in das Fach Biologie. Der Klimawandel wird z.B. ganz erheblich durch den zunehmenden Luftverkehr beeinflusst (sagt man), aber das hat mit Biologie nichts zu tun, sondern mehr mit der Touristikindustrie, und die ist was Ökonomisches und zugleich was Politisches. Dasselbe gilt für den zunehmenden Autoverkehr, die Luftverschmutzung durch Kraftwerke und Schiffs-Diesel usw. Mir scheint auch, biologische Vorgänge kann man gar nicht “bewerten”, sondern nur zur Kenntnis nehmen, weil es sich um Naturgesetze handelt, im Prinzip wie in Chemie und Physik. Die anfallenden ethischen Fragen (z,B. Gen-Manipulationen) sind nicht zu vernachlässigen, gehören aber wiederum eher in das Schulfach Ethik.

    • Ich habe auch nicht Biologie studiert, habe aber von dem Experiment gelesen, dass Neuntklässler eines Gymnasiums eine Abituraufgabe zum Thema Ökologie (Zentralabitur NRW) ohne auch nur eine Minute Oberstufenunterricht genossen zu haben, bestanden hätten. Gesunder Menschenverstand genügt dafür. Leider geht die Physik seit der Lehrplanumstellung im Grundkurs in eine ähnliche Richtung.

      Interessanterweise gleichen die Biologen das durch eine im Vergleich zu den Physikern und Mathematikern erheblich strengere Benotung insbesondere mündlichen Abitur aus.

  4. Ein Pflichtunterricht in der Oberstufe ist doch absolut lächerlich. Da fragt man sich schon, was diese Leute geritten hat. Biologie als Leitwissenschaft der Zukunft darzustellen ist ebenfalls lächerlich. Es wäre vernünftig, Informatik zu stärken. In den Kommentaren wird von Physik und Chemie gesprochen, aber die Informatik hat niemand im Sinn. In der Sek I kaum vertreten und entsprechend in der Sek II kaum gewählt, stellt dieses Fach offensichtlich die Weichen der Zukunft. Das schlägt sich dann auch in den Studentenzahlen nieder. Informatik ist längs in den Top 3 der beliebtesten Studiengänge, obwohl nur wenige Informatik in der Schule gewählt haben. Den Schülern wird einfach bewusst, dass deren Jobs sich in diese Richtung bewegen werden. Deshalb sollte man, bevor man an irgendwelche Weiterentwicklungen von Fächern geht, sich um dieses Fach kümmern. Erschreckend sind nämlich die Teilnehmerzahlen nach Geschlecht und später auch die Studentenzahlen nach Geschlecht. Frauen studieren aktuell in Bereichen, die stark an Bedeutung verlieren werden. Männer dagegen vielfach zukunftsorientiert. Das sollte einem zu denken geben. Deshalb wäre es auch ein fataler Schritt ein Fach wie Biologie weiter zu stärken. Dies ist doch längst ein Fach, was nur gewählt wird, um den unbequemen Naturwissenschaften aus dem Weg zu gehen. Die Studiengänge sind ebenfalls überlaufen mit Leuten, die dann später Schwierigkeiten haben einen Job zu finden. So viel dann zur Leitwissenschaft.

    • In Teilen stimme ich Ihnen zu. Die Informatik sollte wirklich mehr beworben werden. Allerdings nicht in der Version “Bedienung von Word und Edge”, was in der Politik durchgehend geschieht. In diesem Sinne halte ich die Informatik ähnlich wie die Mathematik als das methodische Hilfsmittel für zukunftsträchtige Berufe. Von der Mathematik und Informatik als eigenständige Wissenschaft ist das natürlich weit entfernt.

      Bei der Biologie als “Fach, was nur gewählt wird, um den unbequemen Naturwissenschaften aus dem Weg zu gehen,” bin ich auch bei Ihnen. Vor der Biologie als Wissenschaft in der aktuellen Forschung habe ich höchsten Respekt, allerdings eher weil sie dann Methoden der Chemie, Physik, Informatik, Mathematik auf biologische Kontexte anwendet. Durch entsprechende Anpassungen der Lehrpläne in Sek I und Sek II ließe sich das schnell ändern.

      Nebenbei: Der Frauenanteil in Medizin ist aufgrund der besseren Abiturschnitte über 50%. Leider wollen viel mehr Frauen als Männer den späteren Arztberuf nur in der Großstadt und in Teilzeit ausüben (“Work-Life-Balance”). Daher fehlen viele Ärzte auf dem Land und in den Kliniken.

      • “Allerdings nicht in der Version “Bedienung von Word und Edge”, was in der Politik durchgehend geschieht.”

        Das mögen viele so denken, stimmt aber nicht mit den Kernlehrplänen überein. Mit der Belegung eines Oberstufenkurses Informatik bereitet man ziemlich gut auf das Studium vor.

        “Vor der Biologie als Wissenschaft in der aktuellen Forschung habe ich höchsten Respekt, allerdings eher weil sie dann Methoden der Chemie, Physik, Informatik, Mathematik auf biologische Kontexte anwendet.”

        Das ist selbstverständlich, nur ist die Biologie keine Leitwissenschaft. Sie wird vielmehr geprägt durch andere Bereiche, wie Sie schon aufgelistet haben. Ob und wie man das in der Schule reflektieren sollte, weiß ich nicht. Ich halte es eben auch nicht für nötig im Informatikunterricht Themen wie Machine Learning o.ä. groß zu thematisieren. Es sollte zunächst um die Grundlagen gehen und da sehe ich die Biologie auch schon gut aufgestellt.

        • Einverstanden beim Oberstufenunterricht.

          Die große Informatikoffensive in den Medien bezieht sich aber weitestgehend auf die Bedienung von Word und Edge im Rahmen der Sek I. Wie damit Werbung für echte Informatik in der Sek II gemacht werden soll, ohne dass der Kurs nach der EF mangels Schüler aufgelöst wird, weiß ich nicht.

          • @ xxx und FElixa
            “Vor der Biologie als Wissenschaft in der aktuellen Forschung habe ich höchsten Respekt, allerdings eher weil sie dann Methoden der Chemie, Physik, Informatik, Mathematik auf biologische Kontexte anwendet.”
            Sie unterliegen mit ihrer Einschätzung der Biologie m.E. (bin kein Biologe) einem lange überholten naiven Reduktionismus: Biologie als Ganzes auf andere Disziplinen, z.B. auf Physik und Chemie, zurückführen.
            Während die Frage „wie?“ (als Suche nach Beschreibungen) und die Frage „warum?“ (als Suche nach Erklärungen) in allen Erfahrungswissenschaften auftreten, diskutiert die Biologie auch die Frage „wozu?“ und die genetische Frage „wie entstanden?“. Dieser erweiterte Fragenkatalog führt dann natürlich auch zu einem breiter gefächerten Spektrum von Antworten als in den genannten Naturwissenschaften und Mathematik/Informatik.

          • @Gerd Möller
            Wieso verlangen Sie von der Biologie diese übergeordneten Fragestellungen und nicht von Chemie, Physik oder Informatik? Wieso beantworten Physiker nicht die Fragen nach dem wozu? Die gesamten Ingenieurwissenschaften, de facto weitestgehend angewandte Physik, beschäftigen sich mit einem wie und wozu. Die Teilchen- und Astrophysiker beschäftigen sich mit dem “wie entstanden”. Wie Sie es auch drehen, sind Biologen als Naturwissenschaftler ebenso wie die Mediziner je nach Forschungsgebiet im Endeffekt Chemiker und / oder Physiker. Alles, was der Verband sonst noch fordert, kann man den Sozialwissenschaftlern oder Ethikern überlassen, vorausgesetzt sie sind nicht ideologisch verblendet. Gerade bei ersteren ist das Risiko derzeit sehr hoch.

          • @xxx Da haben Sie natürlich Recht. Das ist ein großes Problem.

            @Gerd Möller Reden wir da noch über Biologie oder Philosophie? Scherz beiseite…

            “Dieser erweiterte Fragenkatalog führt dann natürlich auch zu einem breiter gefächerten Spektrum von Antworten als in den genannten Naturwissenschaften und Mathematik/Informatik.”

            Deswegen sagte ich doch, dass die Biologie eben schon eine vernünftige Ausrichtung in der Schule hat. Dort werden Grundlagen gelehrt. Nichtsdestotrotz ist die Biologie keine Leitwissenschaft und deswegen bedarf es dort keiner neuen Ausrichtung oder Stärkung dieses Faches gegenüber den anderen MINT-Fächern. Das ist aber letztendlich ja auch nur meine Meinung. Die Argumente des Verbands empfinde ich nicht als stark genug, vielleicht gibt es da aber andere Überlegungen zu.

    • “In den Kommentaren wird von Physik und Chemie gesprochen, aber die Informatik hat niemand im Sinn.”
      Ich finde halt, Informatik ist nicht eigentlich eine Naturwissenschaft und kann nicht die Biologie ersetzen. Biologie, Physik, Chemie basieren auf Naturgesetzen, die wir nicht ändern können. Naturwissenschaft durch Informatik quasi partiell zu ersetzen wird bestimmt auch auf großen Widerstand großen. Man kann halt nicht immer mehr Fächer einführen wollen, ohne zu sagen, wo gekürzt werden könnte (bei der Mathematik zugunsten der Informatik?). Man müsste auch erst mal genügend viele Informatik-Lehrer haben, da beginnt schon das Problem. Wer von den vielen Informatik-Studenten will denn Lehrer werden?

      • Da sprechen Sie verschiedene Punkte an.
        1. Informatik soll keine Biologie ersetzen. Zudem spricht man ja auch von MINT. Mathematik und Technik, beides Schulfächer, sind auch keine Naturwissenschaften. Sich daran jetzt aufzuhalten ist einfach lächerlich und nicht zielführend.
        2. “Naturwissenschaft durch Informatik quasi partiell zu ersetzen wird bestimmt auch auf großen Widerstand großen.”
        Wieso ersetzen? Es geht darum, dass in der Sek I die Informatik gleichermaßen vertreten sein muss, wie Biologie, Chemie, Physik oder ein anderes Fach. Wer da Widerstand erzeugt, sollte vielleicht seinen Job an den Nagel hängen oder in Frühpension gehen, denn zum Wohle der Kinder agiert dieser nicht. Informatik prägt nun mal die heutige Welt viel stärker als jedes andere Schulfach.

        “Man kann halt nicht immer mehr Fächer einführen wollen, ohne zu sagen, wo gekürzt werden könnte (bei der Mathematik zugunsten der Informatik?).”

        Ganz einfach. Es muss insgesamt gekürzt werden. Es tut keinem Fach weh über die gesamte Sek I auf 1 Wochenstunde zu verzichten und schon könnte man die Informatik gleichermaßen unterrichten.

        3. “Man müsste auch erst mal genügend viele Informatik-Lehrer haben, da beginnt schon das Problem. Wer von den vielen Informatik-Studenten will denn Lehrer werden?”

        Das ist tatsächlich ein Problem. Das liegt vor allem daran, dass die Studenten selbst kaum Informatikunterricht gesehen haben. Sie studieren in der Regel kein Fach auf Lehramt, in dem Sie nicht selbst auch unterrichtet wurden. Es muss also zunächst ein Weg über Lehrkräfte mit Zusatzqualifikationen und Quereinsteigern gefunden werden. Das entspricht auch dem aktuellen Modell. Interessant ist doch, dass in Klasse 9 alle Naturwissenschaften unterrichtet werden müssen, damit die Schüler einen Überblick darüber haben, was sie wählen wollen. Daran erkennt man doch wie wichtig es ist Schülern einen Einblick zu gewähren. Ohne diesen wählen Sie es in der Schule kaum freiwillig und auf Lehramt studieren sie es erst recht nicht.

        In NRW wird aktuell der richtige Weg gegangen. Ein Pilotprojekt zu einem verpflichtenden Sek-I-Unterricht in Informatik. Sollte es dort positive Rückmeldungen geben, und die gibt es von Eltern und Schülern, ist es durchaus möglich in den nächsten 5-6 Jahren einen Pflichtunterricht einzuführen. Bis man sich genauso wie die anderen Schulfächer etabliert hat, wird sicherlich, und leider, noch eine (viel zu lange) Zeit vergehen.

        • Ich meinte das “Ersetzen” natürlich stundenplanmäßig. Ich hatte Sie so verstanden, dass Sie weniger Biologie und mehr Informatik fordern, während VBIO mehr Biologie haben will. Jeder Lobbyist will halt für sein Fach mehr und für die anderen weniger. Man kann nicht wiederholt eine Stunde kürzen, um wiederholt ein neues Fach einzuführen. Das stößt an enge Grenzen. Leider wurde schon bei zentralen Fächern wie Deutsch und Mathematik gekürzt, Es gibt z.T. nur noch 3 Stunden pro Woche. Ohne Frage gehört Informatik zu einem math.-nat. Profil eines Gymnasiums dazu, aber auch bei einem sprachlichen oder musischen Gymnasium?.
          Gegen Pilotprojekte hat niemand etwas, wohl aber gegen überhastete Reformen auf breiter Front. In irgendeinem Bundesland hatte man NaWi als Fach eingeführt und in dem Moment wieder abgeschafft, als die ersten offiziell ausgebildeten NaWi-Lehrer mit dem Referendariat fertig waren. Die Schulpolitik folgt keiner erkennbaren Logik. Oder was soll sich durch die zahlreichen Reformen der letzten 20 Jahre nachweislich verbessert haben?
          Technik ist nach meiner Kenntnis an normalen allgemeinbildenden Schulen kein Schulfach. Mathematik ist an der Grenze zwischen Natur- und Geisteswissenschaft, eine Sonderrolle.

  5. Mich interessiert sehr, was der VBIO zum aktuellen Lehrplan Naturwissenschaften (für Mittelstufe, mit Bio, Chemie, Physik drin) in Rheinland-Pfalz sagt.

    • @ xxx:
      Dann muss ich wohl etwas weiter ausholen, um mich verständlich zu machen (in einem Blog nicht ganz einfach):
      Der Einfachheit halber lasse ich Gerhard Vollmer zu Worte kommen, einer der renommiertesten Wissenschaftstheoretiker der Biologie. Er formuliert dies so:
      “Antworten auf die Frage „wozu?“erklären organismische Merkmale aus ihrem Gen-Erhaltungswert, aus ihrer gen-erhaltenden Funktion. Im Rahmen der Evolutionstheorie lassen sie sich als verkürzte kausale Erklärungen verstehen.
      Genetische Erklärungen sind ebenfalls spezielle kausale Erklärungen. Sie erklären den Zustand eines Systems als Ergebnis einer Kette von kausalen Prozessen (Verursachung). Das Wort „genetisch“ kommt hier also nicht von „Genetik“, sondern von „Genese“. Diese Erklärungsweise hat auch Eingang in die Physik gefunden.
      Evolutionäre (phylogenetische) Erklärungen sind spezielle genetische Erklärungen. Sie erklären organismische Merkmale über ihren phylogenetischen Ursprung (Phylogenie) und, soweit möglich, über ihre gen-erhaltende (Gen) Zweckmäßigkeit (biologischer Zweck).
      Ein weiteres charakteristisches Moment der Biologie ist die ungeheure Komplexität ihrer Objekte. Wie immer man den Komplexitätsbegriff faßt, in jedem Falle sind alle belebten Systeme erheblich komplexer als alle unbelebten. Die Komplexität beruht dabei nicht auf der Zahl der Bausteine, sondern auf der Vielfalt ihrer Wechselwirkungen, auf der durchgehend hierarchischen Strukturierung der lebenden Systeme und auf dem kybernetisch-systemtheoretischen Zusammenwirken aller ihrer Teile (Kybernetik, Synergetik, Systemtheorie).
      Hochkomplizierte Systeme kann es nun aber in weit größerer Zahl und Verschiedenheit geben als einfache. Tatsächlich sind ja nicht nur alle existierenden Arten, sondern alle Individuen voneinander verschieden. Deshalb ist es auch viel schwieriger, im Bereich des Lebendigen allgemeine Gesetzlichkeiten zu entdecken, zu formulieren und zu überprüfen.
      Eine letzte Besonderheit der Biologie ist die konstitutive Rolle des Zufalls. Ein Ereignis ist zufällig, wenn es keine Ursache hat. (Daß wir die Ursache(n) nicht kennen, reicht dafür offenbar nicht aus.) Natürlich gibt es Ereignisse dieser Art auch in der unbelebten Natur. Die Physik sähe jedoch nicht so gänzlich anders aus, wenn es den Zufall nicht gäbe. Tatsächlich ist sie ja mehrere Jahrhunderte lang von einem durchgehenden Determinismus ausgegangen, und die Fragwürdigkeit dieses Modells ist erst durch die Quantenphysik und durch die Entdeckung der chaotischen Systeme offenbar geworden. In der Biologie liegt die Sache jedoch wesentlich komplizierter.
      Die ungeheuer große Zahl der existierenden Arten und erst recht die Gesamtzahl aller lebenden Systeme von einst und jetzt ist verschwindend klein gegenüber der Zahl der prinzipiell denkbaren und auch der naturgesetzlich möglichen Organismen. Aus dem riesigen Spektrum möglicher lebender Systeme wurde und wird auch noch in fernster Zukunft immer nur ein winziger Bruchteil verwirklicht. Die Auswahl der zu realisierenden Systeme unter den prinzipiell möglichen erfolgt dabei im wesentlichen über Zufallsfaktoren: ungerichtete Mutationen, Schwankungen der Populationsgröße (Populationsdynamik, Populationsfluktuationen), zufällige Gen-Rekombinationen. So weisen biologische Systeme immer auch zufällige Aspekte auf, die sich weder durch deterministische noch durch Wahrscheinlichkeitsgesetze beschreiben, erklären oder gar prognostizieren lassen. So sind der Wiederholbarkeit, Erklärbarkeit und Voraussagbarkeit in der Biologie engere Grenzen gesetzt, als man sie aus der Physik kennt. Diese Beschränkungen gelten insbesondere für die Evolutionstheorie.”

      @ FElixa: ich sehe auch nicht, warum die Biologie Leitwissenschaft werden soll.

      Die Informatik hat bisher nicht den Stellenwert unter den Fächern, die sie in unserer Zeit haben sollte. Damit ist aber noch nicht entschieden, wie die zu unterrichtenden Inhalte aussehen sollten.

      • Danke für die ausführliche Antwort. Für die Grundlagenbiologen lasse ich Ihre Ausführungen gelten, ebenso wie die Elementarteilchenphysiker auf der Suche nach der Vereinheitlichung von Quanten- und Relativitätstheorie sind.

        In der Schule sieht die Sache aber anders aus. Dort kann man höchstens die Grundideen anreißen. Die von Ihnen genannten biologischen Forschungsgebiete sind für Schüler wegen der fehlenden mathematischen und informatischen Kenntnisse nicht vernünftig beschreibbar, allenfalls auf dem Niveau des gesunden Menschenverstandes kann man das thematisieren. Das ist natürlich oberflächlich und daher sehr einfach. Die Breite der Biologie als Schulfach wird durch fehlende Tiefe erkauft, die sich allerdings im Rahmen der Kompetenzorientierung als hochwissenschaftlich verkaufen lässt.

      • “Damit ist aber noch nicht entschieden, wie die zu unterrichtenden Inhalte aussehen sollten.”

        Für die Informatik? Die sind klar umrissen. Gerade weil Informatik in der Sek II bei 0 startet, werden wirklich nur die Grundlagen gelehrt.
        Für die Biologie? Da gilt im Grunde das, was für alle anderen Fächer gelten sollte: Vermittlung von Grundlagen, -ideen, -konzepten, -vorstellungen. Offensichtlich sind in allen etablierten Fächern mittlerweile so viele Inhalte zu vermitteln, dass man nicht mehr davon sprechen kann nur solche Grundlagen zu vermitteln. Das sehe ich auch in meinem zweiten Fach der Mathematik als großes Problem. Der Ansatz vom Verband kann, muss aber nicht, gut sein. Im Grunde geht es darum sich als Gesellschaft zu fragen: was möchten wir den Schülerinnen und Schüler von diesem Fach mitgeben. Dann würden viele Inhalte vermutlich aus den Fächern erstmal wegfallen und es blieben nur noch die wirklichen Grundlagen. Den Rest kann man dann erneut füllen. Vielleicht genau mit den Inhalten, die heute auch schon gelehrt werden, oder eben mit neuen (aktuelleren) Inhalten.

        Ein weitere Aspekt, und damit beschäftigt sich der Verband ja auch, ist die Priorisierung von Fächern. Aktuell sind das bei uns die Hauptfächer Mathe, Deutsch, Englisch. Da gibt es sicherlich keine Diskussion drüber, dass das eine sinnvolle Priorisierung ist. In den Nebenfächern haben sich die Rollen jedoch neu verteilt. So nehmen viele Fächer noch einen wesentlichen Raum ein, obwohl diese in der Gesellschaft an Bedeutung verloren haben: z.B. Religion oder Latein. Genauso sollen zweite/dritte Fremdsprachen belegt werden, obwohl viele nicht mal anständiges Englisch sprechen. Sport nimmt großen Raum ein, obwohl die Qualität (auch aufgrund der schlechten Gegebenheiten) überhaupt nicht gegeben ist. Genauso lässt sich über Musik- oder Kunstunterricht diskutieren. Ich habe es hier ja auch schon mal erwähnt: gerade für die Sek-II halte ich eine Verpflichtung bestimmte (Neben-)Fächer zu belegen für den falschen Ansatz. Selbst den aktuellen Ansatz sich zu entscheiden, ob man Biologie, Chemie oder Physik wählt; Geographie, SoWi oder Geschichte; usw. ist ja auch nur eine scheinbar freie Wahl von Unterrichtsfächern.

        • @ Felixa:
          Ich bin nicht sicher, dass Priorisierungen von Fächern zielführend sind. Ich halte es da mit Jürgen Baumert, der 4 “Modi der Weltbegegnung” als Grundstruktur der Allgemeinbildung vorschlägt:
          a) Kognitiv-instrumentelle Modellierung: Mathematik, Naturwissenschaften
          b) Ästhetisch-expressive Begegnung und Gestaltung: Sprache/Literatur, Musik/Malerei/Bildende Kunst
          c) Normativ-evaluative Auseinandersetzung mit Wirtschaft und Gesellschaft: Geschichte, Ökonomie, Politik/Gesellschaft, Recht
          d) Probleme konstitutiver Rationalität: Religion, Philosophie

          Für alle 4 Bereiche halte ich die Vermittlung von Grundlagen, -ideen, -konzepten, -Vorstellungen für unverzichtbar. Die inhaltliche Ausgestaltung im Einzelnen ist abhängig von den Priorisierungen und Erfordernissen der Gesellschaft (was die Entscheidung nicht einfacher macht).

          • Bei den von Ihnen vorgeschlagenen Modi fehlt mir der Allgemeinbildungsanspruch, weil alles dem aktuellen Zeitgeist und der (ökonomischen) Verwendbarkeit untergeordnet wird.

  6. @ xxx: Der Allgemeinbildungsanspruch liegt zum Einen in den 4 Modi und zum Anderen in der Vermittlung von
    Grundlagen, -ideen, -konzepten, -Vorstellungen. Um die Weltbegegnungen erfolgreich zu bewältigen, bedarf es darüber hinaus noch unabdingbarer Kulturtechniken (basale Sprach- und Selbstregulationskompetenzen). Dazu gehören:
    Beherrschung der Verkehrssprache, Mathematisierungskompetenz, Fremdsprachliche Kompetenz, IT-Kompetenz und Selbstregulation des Wissenserwerbs.

    • Wenn man die 4 Modi konsequent durchliest, dann wirken sie geradezu windelweich formuliert und damit wertlos. Das Modewort “Modellierung” musste unbedingt untergebracht werden. Aber welche Teile von Mathematik und Naturwissenschaften sind denn gemeint? Es geht doch primär um das Verstehen von Gesetzmäßigkeiten, nicht um das “Modellieren”. Und ausgerechnet die sich jeder Rationalität entziehende Religion unter “konstitutive Rationalität” aufzuführen, ist schon bizarr. Das ist vermutlich nur ein Zugeständnis an die Religionsfunktionäre. Der Duden erklärt “konstitutiv” durch “als wesentliche Bedingung den Bestand von etwas ermöglichend, das Bild der Gesamterscheinung bestimmend.” Soll also Rationalität erst durch Religion ermöglicht werden? Versteht das jemand in diesem Kontext?
      Auch die Formulierung “basale Sprach- und Selbstregulationskompetenzen” macht das nicht klarer. Das Problem ist doch genau, was als “basal” gelten kann und ob es überhaupt einen weitgehenden Konsens darüber gibt. Ebenso ist es billig, “Allgemeinbildung” als “grundlegende Bildung” oder als “Vermittlung von Grundlagen” zu erklären. Da wird nur ein Wort durch ein anderes ersetzt, ohne dass irgendwas klarer wird. Wie heißt es in Goethes Faust so schön: “Denn eben wo Begriffe fehlen, da stellt ein Wort zur rechten Zeit sich ein.”

      • Natürlich habe ich in diesem Blog nur schlagwortartig das zu behandelnde Spektrum der Weltbegegnungen anhand der 4 Modi umreißen können. Hier ging es mir ja auch vor allem darum Priorisierung in Frage zu stellen und in Beiträgen genannten Ausschlüssen von Themenbereichen zu widersprechen (siehe Beitrag von FElixa). Eine inhaltliche Füllung der einzelnen Fächer war von mir gar nicht beabsichtigt und in diesem Blog auch gar nicht realisieren.
        Noch ein Wort zur Religion: sie ist m.E. in soweit konstitutiv, weil es hier auch um die Frage geht, was ist der Ursprung unseres Daseins ist. Eine Frage, die vermutlich alle Menschen bewegt. Einige sehen Antworten in “Offenbarungs-Religionen”, andere benötigen diese “Konstruktion” nicht. Ich plädiere natürlich nicht dafür, dass alle an einem Religionsunterricht teilnehmen sollen. Aber es sollte möglich sein.
        Noch ein Wort zur Modellierung:
        Auch innermathematisch wird stets modelliert, z.B. beim Finden von Beweisen (mathematisches Denken).
        Zum anderen findet mathematisches Modellieren in vielen Wissenschaften und deren Anwendungen statt. Mathematisieren als ein Teil des Modellierens ist vielfach notwendige Voraussetzung um z.B. technische Probleme in den Ingenieurwissenschaften überhaupt angehen zu können und zu lösen. Ich habe mich in meinem Text oben zu den Kulturtechniken nicht nur auf mathematische Probleme bezogen, wie sie es verstanden haben.

        • “Ich plädiere natürlich nicht dafür, dass alle an einem Religionsunterricht teilnehmen sollen. ”

          Da wären wir dann wieder bei der Frage, welche Fächer bekommen welchen Stellenwert (Priorisierung).

          • Alle, die an einem Religionsunterricht teilnehmen wollen, müssen dies können. Das hat doch nichts mit Priorisierung zu tun.

          • @Gerd Möller Natürlich. Sie sprechen doch selbst von “wollen” und nicht “müssen”. Dagegen müssen Schüler an den Hauptfächern teilnehmen. Ganz klare Priorisierung.

            Zudem müssen Schüler in der Sek I an einem Religionsunterricht, alternativ Ethikunterricht, teilnehmen, wohingegen andere Fächer in einem Wahlpflichtbereich eingruppiert wurden. Auch hier kann man von Priorisierung sprechen. Religion ist im Vergleich zu anderen Fächern höher gestellt.

  7. Ob Sie es wollen oder nicht: Die von Kultusministerien beschlossenen Stundentafeln SIND eine Priorisierung, allein schon durch die Gewichtung der diversen Fächer. Hinzu kommen die diversen Wahlmöglichkeiten in jedem Bundesland. Damit wird letztlich auch die Allgemeinbildung jedem zur Wahl überlassen. Philosophie (obwohl im 4. Modus ausdrücklich genannt) war noch nie Pflichtfach, Religion dagegen war jahrhundertelang Pflichtfach, aber nicht aus dem von Ihnen genannten Grund (Ursprung unseres Daseins), sondern wegen der Macht der Pfaffen. Analog wollen die Sportfunktionäre Sport als Pflichtfach, die Arbeitgeberverbände hätten am liebsten Wirtschaft als Pflichtfach, und so will der VBIO halt Biologie als Pflichtfach.
    Zum Modellieren: Das ist mittlerweile ein Allerwelts-Modewort geworden mit fast universeller Bedeutung (und daher nichtssagend). In der Grundschule gilt jede Dreisatzaufgabe inzwischen als Modellierungsaufgabe.
    Und VBIO schreibt auf seiner Homepage, die Biologie sei die “Leitwissenschaft des 21. Jahrhunderts”. Das ist doch nichts als Funktionärsgeschwätz. Jede Fachrichtung sieht sich selbst immer als besonders wichtig an und verkündet Heilsversprechen, wenn nur das betreffende Schulfach gestärkt würde. Gerüchte besagen, dass Biologie als Leistungskurs deshalb so beliebt (fast schon überlaufen) geworden ist, weil das als das dünnste Brett gilt, das man (im Vergleich zu den konkurrierenden Fächern Mathematik, Physik, Chemie) bohren kann. Was sagen dazu die Biologielehrer hier im Forum?

    • Nun, die Biologie als Schulfach hat vielleicht auch den Vorteil, dass sie es schafft mit ihren Themen das Interesse der Schüler leichter zu gewinnen. Erbkrankheiten und die Tier-Dressur (nur um ein paar Dinge zu nennen) haben’s da evtl. leichter als z.B. die Synthese von Farbstoffen oder die Funktionsweise von Kondensatoren. Das könnte für Manche auch ausschlaggebend für die Fächerwahl in der Oberstufe sein.
      Dass die Biologie den Ruf genießt leichter zu sein als Physik oder Chemie deckt sich auch mit meiner Erfahrung. Nur – unter “leicht” verstehen viele Schüler m.M. die Möglichkeit mit reinem Auswendig-Lernen durchzukommen. Das funktioniert bei allen Naturwissenschaften in der Biologie wahrsch. noch am besten, ist aber mit einem entsprechend höheren Aufwand verbunden, als in den Nachbarwissenschaften. Kurz: Es ist wohl auch eine Frage des persönlichen “Lern-Geschmacks”, welche naturwissenschaftlichen Fächer in der Oberstufe gewählt werden.

  8. Wenn es heißt, “Biologieunterricht trage zum Bildungsziel der Demokratiefähigkeit bei”, wird mir etwas bange. Ich möchte keinen Biologieunterricht, der Lehrer und Schüler indoktriniert. Beim Begriff “Demokratie” gehen die Meinungen oft auseinander und es wird gewaltig gestritten, allein schon über den inflationären Begriff bzw. Vorwurf “Rassismus” oder “Sexismus”.
    Den Biologieunterricht ausdrücklich mit politischen Zwecken zu verbinden, finde ich bedenklich.

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