Hamburger Wirtschaftsethiker fordert Schulfach Umweltschutz – Umfassender Wandel notwendig

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HAMBURG. Angesichts “aussterbender Tierarten, schrumpfender Rohstoffmengen und gescheiterter Klimaschutzbemühungen” plädiert Prof. Hendrik Müller zum internationalen Tag der Umwelt dafür, dem Thema Umweltschutz ein eigenes Schulfach zu widmen. Das erworbene Wissen könne im Kontext Schule auch praktisch angewendet werden.

In einem Kommentar erläutert Müller, Wirtschaftsethiker an der Hochschule Fresenius: „Ob Reden und Aktivitäten von Greta Thunberg oder die zahlreichen Schüler, die an den Fridays-For-Future–Demonstrationen teilnehmen: Die nachfolgenden Generationen fordern mehr Umweltschutz. Denn: Wir gefährden in hohem Maße den Bestand unserer Erde und das vor allen Dingen auf Kosten nachfolgender Generationen. Der daraus resultierende Ressourcen- und Artenrückgang wird erst in der Zukunft sein wahres und volles zerstörerisches Potenzial zeigen.“

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An vielen Schulen gibt es bereits Ansätze zu einem neuen Umgang mit der Umwelt. Ein eigenes Fach Umweltschutz könnte diese voranbringen, ist Hendrik Müller überzeugt. Bild: U.S. Air Force photo / Stacey Geiger (PD)

Zwar werde der Begriff der Nachhaltigkeit gerne in der gesellschaftlichen Debatte gebraucht: Politik und Wirtschaft benutzten Schlagwörter wie „Nachhaltigkeit“ oder „Sustainability“ geradezu beliebig jedoch in erster Linie zu Werbezwecken. Die Realität sehe oft anders aus: Die „rückständige und umweltschädliche“ Gewinnung von Energie durch Kohle werde nur punktuell und langsam ausgesetzt. Auch der notwendige Mobilitätswandel erfolge nur zögerlich; vor allem werde von der Automobilindustrie mit der Elektromobilität aktuell eine nur vermeintlich bessere Alternative verfolgt.

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„Wir müssen das Bewusstsein über die Verletzlichkeit unserer Erde und die Notwendigkeit des Gegensteuerns bei Erwachsenen wie bei Kindern weiter schärfen“, so Müller. Nur so könne ein umassender Wandel tatsächlich gelingen. Die jungen Menschen seien bereits weitaus stärker sensibilisiert, aber um auch ihren Wissensstand zu erweitern, sollte das Thema Umweltschutz zusätzlich zu einem eigenen Schulfach gemacht werden.

Zwar gab und habe es in einzelnen Bundesländern zumindest dem Namen nach bereits solche Ansätze gegeben, etwa das Fach „Welt- und Umweltkunde“ in Niedersachsen, welches in den 1980er und 1990er Jahren an der früheren Orientierungsstufe unterrichtet worden sei. Doch, so Müller „aus eigener Erfahrung weiß ich, dass dieses Fach eigentlich nur eine Mischung aus Geschichte und Erdkunde war.“ Für den Umweltaspekt seien die Lehrkräfte schlichtweg nicht ausgebildet gewesen.

Ein Schulfach Umweltschutz sollte aber nach Müllers Ansicht nicht nur theoretisches Wissen vermitteln, sondern ganz gezielt darauf abzielen, auch praktische Erfahrungen mit und in der Natur zu sammeln. „Alle junge Menschen sollten verstehen lernen, dass wir weitestgehend selbst für den Fortbestand der Erde verantwortlich sind.“ Auch die Eltern können dazu animiert werden, nicht alle Wege mit dem PKW zurückzulegen und unbedingt mit dem Flugzeug in den Urlaub zu fliegen. Und auch das Pausenbrot müsse eben nicht in Plastiktüten oder Alupapier verpackt sein.

Statt Wegwerfmentalität und Billigproduktion könnten den Schülern im Rahmen des schulischen Unterrichts Alternativen wie die Kreislaufwirtschaft Circular Economy aufgezeigt werden, die auf Wiederverwertung und Weiternutzung von Produktbestandteilen setzt. Auch der Ansatz der Sharing Economy wäre für Müller ein möglicher Schulstoff.

Das erworbene Wissen könne dann im Kontext Schule ganz leicht praktisch angewendet werden. An vielen Schulen gebe es schon seit längerem erfolgversprechende Ansätze für einen neuen Umgang mit der Umwelt: Beispielsweise seien bereits 800 deutschen Schulen von der Deutschen Gesellschaft für Umwelterziehung (DGU) als „Umweltschule in Europa ausgezeichnet worden. Und auch für das europäische Umweltschutzgütesiegel EMAS könnten sich Schulen qualifizieren. Bereits seit 1995 biete zudem das Comenius-Programm der EU deutschen Schulen die Möglichkeit, gemeinsam mit mindestens zwei weiteren Schulen aus anderen Mitgliedsstaaten an Projekten teilzunehmen und ganz praktische Kompetenzen im Umweltschutz zu erwerben.

Müller gibt sich überzeugt, „dass viele Schüler es begrüßen würden, wenn diese praktischen Projekte durch ein Schulfach erweitert würden, in dem auch die theoretischen Grundlagen für einen besseren Umgang mit der Natur gelegt werden.“ (zab, pm)

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3 KOMMENTARE

  1. Und die nächste Forderung nach einem neuen Fach. Dieses ist aber mehr als überflüssig, weil es im Rahmen von Physik, Chemie, Biologie, Erdkunde, Politik sowieso schon behandelt wird.

      • oder allgemeiner in Ethik, Gesellschaftswissenschaften und Naturwissenschaften.

        Danke für die Ergänzung. Die Forderung ist also nicht mehr als eine Anbiederung an die aktuelle Fridays for Future-Demonstrationen und damit weitestgehend überflüssig.

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