Dass immer weniger Kinder schwimmen lernen, liegt auch im Lehrermangel begründet

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STUTTGART. Marode, geschlossen oder überfüllt: Experten sehen ein wachsendes Problem darin, dass es immer weniger Bäder gibt und die Bäder weniger Zeiten zum klassischen Schwimmenlernen reservieren. Beispiel Baden-Württemberg: Mittlerweile müssen Eltern und Kinder zum Teil länger als ein Jahr auf einen Schwimmkurs warten. Ein weiteres Problem: An Grundschulen fehlen Sportlehrer mit der nötigen Ausbildung.

Auf dem Trockenen: 2007 gab es noch 8000 Bäder in Deutschland gegeben, 2018 nur noch rund 5000. Foto: pxhere.com

Die Schwimmverbände und der Verband DLRG fragten in diesem Sommer unter etwa 250 Vereinen, wie lange man dort auf die Teilnahme an einen Schwimmkurs warten muss. Das Ergebnis: Rund 40 Prozent gaben an, dass es bei ihnen Wartezeiten gebe, die länger als ein Jahr seien. Jeweils 30 Prozent gaben Wartezeiten von 6 bis 12 Monaten beziehungsweise von bis zu 3 Monaten an. Der Geschäftsführer des Badischen Schwimm-Verbandes, Holger Voigt, erklärte, es gebe zu wenig Wasserfläche zum Schwimmenlernen. Dabei spiele die Schließung von Bädern eine Rolle, aber auch der Trend zur Wassergymnastik und zu anderen Angeboten in Bädern, die Wasserfläche blockierten.

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Eisenmann: “Die Schule ist dafür zuständig, Schwimmen zu üben”

Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte zu dem Thema kürzlich die Ergebnisse einer Umfrage veröffentlicht. Demnach gibt es an rund einem Viertel der Grundschulen im Land keinen Schwimmunterricht – vor allem deshalb, weil kein Bad in der Nähe ist. Eisenmann ist aber auch der Meinung, dass es Aufgabe der Eltern ist, Kindern das Schwimmen beizubringen. «Die Schule ist dafür zuständig, Schwimmen zu üben.» So hatte die Bildungsgewerkschaft GEW wiederholt darüber geklagt, dass ein großer Teil der Grundschulkinder nicht schwimmen könne.

Wie die Vizepräsidentin des DLRG Württemberg, Ursula Jung, sagte, beobachtet der DLRG seit Jahren, dass die Zahl der sicheren Schwimmer abnimmt, während die Zahl der Ertrunkenen steigt. Im vergangenen Jahr kamen nach DLRG-Angaben in ganz Deutschland 71 Kinder durch Ertrinken ums Leben. Jung vermutete, dass die abnehmende Zahl von Bädern dabei eine Rolle spielen könnte: Im Jahr 2007 habe es noch rund 8000 Bäder in ganz Deutschland gegeben, 2018 seien es nur noch rund 5000 gewesen. In Baden-Württemberg gibt es derzeit noch rund 900 Bäder.

Auch Sportlehrer fehlen, die den Schwimmunterricht in Grundschulen geben können

Nach Voigts Worten könnten und wollten viele Vereine mehr Schwimmunterricht anbieten, wenn es denn die Wasserfläche gebe. Norbert Brugger vom Städtetag Baden-Württemberg rechnete aber damit, dass sogar noch mehr Bäder schließen müssen. Wie Brugger erklärte, gaben 15 Prozent von 464 befragten Bädern im Südwesten an, dass es bei ihnen eine Diskussion um eine mögliche Schließung gebe. Bei der Hälfte der befragten Bäder stünden in den nächsten Jahren Sanierungen an. Brugger forderte eine finanzielle Beteiligung des Landes bei Sanierungen von Bädern in «Notstandsgebieten». Eisenmann zeigte sich zurückhaltend. Sie verwies auf die derzeit laufenden Verhandlungen zum neuen Doppelhaushalt des Landes für die Jahre 2020/2021.

Aber nicht nur fehlende Wasserflächen sind ein Problem. Der Vorsitzende des Landeselternbeirates, Carsten Rees, verwies darauf, dass auch Sportlehrer fehlten, die für Schwimmunterricht in Grundschulen die passende Ausbildung hätten. «Wir haben einen exorbitanten Mangel.» Eisenmann sagte, dass Quereinsteiger auch in dem Bereich infrage kämen. «Das werden wir jetzt öffnen.» dpa

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Panne beim Schwimmunterricht: Sich senkender Beckenboden bringt Drittklässler in Not

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5 KOMMENTARE

  1. Frage an die Grundschullehrer hier: Wie funktioniert Schwimmunterricht in Verbindung mit Inklusion? Im normalen Sportunterricht braucht man ja schon ohne Inklusionskinder 100 Augen und Arme, im Schwimmbad ist das aber eine ganz andere Hausnummer. Vielleicht möchten Sportlehrer dieses Risiko nicht auf sich nehmen.

    • Ich hatte bisher diesbezüglich keine Probleme im Schwimmunterricht. Wir sind immer zu zweit und ich hatte bisher noch kein Kind, das so schwer körperbehindert war, dass es eine extra Betreuung benötigte.
      Wir sind in einer übersichtlichen Schulschwimmhalle mit einem Lehrbecken, wo man den Beckenboden verstellen kann. Außerdem gibt es klare Regeln wie sich die Kinder zu verhalten haben.
      Im Text wird erwähnt, dass Sportlehrer fehlen. Ich habe jetzt nicht explizit Sport studiert, aber eine Zusatzausbildung zum Sportunterricht und zum Schwimmen. Das kann man bei uns im Rahmen von Fortbildungen machen. Bei besagten Schwimmlehrgängen lernt man neben den fachwissenschaftlichen und didaktischen Inhalten haargenau, wie man unterrichtet um Chaos und unübersichtliche Situationen zu vermeiden.
      Wichtig ist – und das nehmen manche Behörden bei der Zuteilung der Lehrer zu leicht, – dass immer zwei Lehrer (in Bayern gehen meistens die Förderlehrer mit, die oft eine Zusatzausbildung im Schwimmen haben) zum Schwimmunterricht gehen.
      Eine übersichtliche Situation im Hallenbad erleichtert alles. Wir haben das Glück, dass wir in ein solches Hallenbad, das während der Schulzeit nicht für Publikumsverkehr geöffnet ist, gehen können. Es ist bei solchen Bedingungen nicht anstrengender als Sportunterricht in der Halle.

    • “Frage an die Grundschullehrer hier: Wie funktioniert Schwimmunterricht in Verbindung mit Inklusion? ”

      So wie alles andere auch.
      Die meisten SuS sind ganz normale Schwimmer oder Nichtschwimmer wie die anderen Kinder auch.

      Bei einem Kind mit Förderbedarf Hören und offenen Trommelfellen hatten wir eine I-Hilfe, die jedes Mal mitgefahren ist und speziell dieses Kind im Blick hatte.
      Für die GE-Kinder fährt eine zusätzliche Kraft mit.

      Auch hier sollte, wie sonst zur Inklusion auch, die Ausgestaltung entsprechend der Aufgaben erfolgen, ohne zusätzlichen bürokratischen Aufwand und Streitereien um Bewilligungen mit sich zu bringen.
      Wie immer tragen nicht Land oder Kommune die Verantwortung, sondern die Lehrkraft selbst, die sich auf die Situation einlässt oder die diese nicht zulässt.

      Das hängt aber nicht an der Inklusion, sondern an den allgemeinen Bedingungen in der Schule bzw. für das Schwimmen:
      Die Stundentafel in den Schulen sollte allgemein entsprechend ausgestaltet sein, dass 2 Lehrkräfte für das Schwimmen zur Verfügung stehen. Das ist sie aber nicht, die Stunden müssen meines Wissens gesondert beantragt werden. Zudem muss die Unterrichtsversorgung so gut sein, dass auch wirklich 2 Lehrkräfte gleichzeitig zum Schwimmen wegfahren können – für mehr als 2 Schulstunden. Diese Lehrkräfte müssen alle 3 Jahre in einem Kurs ihre Rettungsschwimmfähigkeit erneuern.

      Das Schwimmbad muss in erreichbarer Nähe sein UND Schwimmzeiten für Schulen zur Verfügung haben UND bezahlbar sein UND die Buskosten müssen bezahlbar sein/ bezahlt werden. Gut wäre zudem, wenn der Hallenboden passend eingestellt werden könnte. Das hatten wir über Jahre in unterschiedlichen Bädern, haben wegen der Badschließung mehrere andere Optionen genutzt, meine Kollegin ist sehr engagiert und fand immer neue Lösungen, um noch irgendwo das Schulschwimmen zu ermöglichen.
      Der neue Anbieter gibt die Lehrbecken lieber an Senioren-Sportgruppen, lässt den öffentlichen Bäderbetrieb laufen und schickt die Schwimmanfänger auf 2 Bahnen des normalen Beckens. Grenzwertig.

      Wenn ich lese, dass die Ministerin meint, es solle nur Schwimmen geübt werden, die Kinder könnten bereits schwimmen, müsste man vorab die Schwimmabzeichen vorzeigen und in der ersten Stunde die Schwimmfähigkeit unter Beweis stellen lassen. Das erfolgt bei uns ohnehin.
      Nach der Äußerung der Ministerin müsste man aber dann konsequent alle SuS zu Hause lassen, die noch nicht schwimmen können. Dann müsste man an unserer Schule keinen Schwimmunterricht anbieten, die meisten SuS können im 3. SJ noch nicht schwimmen.

  2. Ich denke es wäre sinnvoll, dass die Kinder vor dem Eintritt in die Grundschule das Schwimmen lernen. Da leider immer mehr kommunale Schwimmbäder aus Kostengründen geschlossen werden, ist auch das nur bedingt eine Option. Schade, die Politik macht aus den Kindern Nichtschwimmer und einen Haufen Probleme für die Wasserwacht!

  3. An der Schule meiner Tochter fuhren die Lehrer lediglich als Begleitung zum Schwimmunterricht. Den Schwimmunterricht übernahmen dann “Schwimmlehrer” von irgendsoeinem Verein. Das waren natürlich keine “Schul-Lehrer” mit A 13 für alle.

    Was die wohl verdienen? Vielleicht wäre da mal eine Gehaltserhöhung angesagt? Aber das interessiert ja die Schul-Lehrer nicht so. Davon haben sie ja selber nichts.

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