Lucke hält Vorlesung bis zum Schluss – unter Polizeischutz

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HAMBURG. Mit einem Großaufgebot an Polizei hat AfD-Mitbegründer Bernd Lucke am Mittwoch zum ersten Mal nach seiner Rückkehr an die Universität Hamburg eine Vorlesung bis zum Schluss gehalten. Mehrere Dutzend Polizisten riegelten das Gebäude mit Absperrgittern ab. Zusätzlich kontrollierte ein privater Sicherheitsdienst am Eingang, damit nur angemeldete Personen Zutritt erhielten. Im Gegensatz zu den vergangenen beiden Wochen blieb es ruhig. Studenten verteilten lediglich Flugblätter, hielten ein Transparent hoch und veranstalteten eine kleine Kundgebung.

Polarisiert: Prof. Bernd Lucke. Foto: Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

Das Konzept des Senats sei aufgegangen, teilte die Wissenschaftsbehörde mit. Die Kosten für die gesamten Sicherheitsmaßnahmen belaufen sich auf einen sechsstelligen Betrag, wie Uni-Sprecherin Merel Neuheuser mitteilte. Dazu zählten auch die Kosten für den Arbeitsausfall durch die Bombendrohung in der vergangenen Woche, da diese im Zusammenhang mit der Thematik stehe.

Lucke selbst habe die Veranstaltung mit einem kleinen Scherz darüber eröffnet, dass die Vorlesung nun direkt neben dem Gefängnis stattfinde, wie ein Teilnehmer erzählte. Anders als in den vergangenen Wochen fand die Vorlesung nicht auf dem Hauptcampus statt, sondern etwas abseits in einem Physik-Hörsaal. Lucke sei inhaltlich «nicht besser und nicht schlechter als andere Professoren», sagte der Student.

Die Universität hatte am Dienstag angekündigt, ab kommender Woche ein digitales Angebot und eine zusätzliche Vorlesung zum gleichen Thema bei einer anderen Dozentin anzubieten – um den «zahlreichen verängstigten Studierenden» eine Alternative zu Luckes Vorlesungen zu geben, hieß es. Zusätzlich bietet die Psychotherapeutische Hochschulambulanz Ad-hoc-Therapien zur Bewältigung von Posttraumatischen Belastungsstörungen an.

Zuvor hatte Lucke das Angebot der Hochschule abgelehnt, statt einer Präsenzveranstaltung eine Online-Vorlesung zu halten. Daher hatte Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) den Uni-Präsidenten Dieter Lenzen angewiesen, dass die Präsenzvorlesung auch in dieser Woche stattfinden soll. dpa

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3 KOMMENTARE

  1. Ich fasse es nicht, „ein digitales Angebot und eine zusätzliche Vorlesung zum gleichen Thema bei einer anderen Dozentin“ sollen für die „zahlreichen verängstigten Studierenden“ angeboten werden.
    Das ist doch eine fadenscheinige Begründung für die Stigmatisierung von Bernd Lucke und seiner Vorlesung.
    Zusätzlich noch das Angebot von „Ad-hoc-Therapien zur Bewältigung von Posttraumatischen Belastungsstörungen“ an die armen Studierenden! Mehr Scheinheiligkeit geht kaum.

    • Ich frage mich auch, wie diese Studenten im späteren Berufsleben mal mit Druck, Stress oder unsympatischen Kunden klar kommen wollen …

      • Eventuell studieren einige dann noch Betriebswirtschaft; sie werden dann eventuell Geschäftsführer mit dem Statussymbol eines neuen Porsche, zum Beispiel in einem Krankenhaus, vielleicht der Franziskaner, und dort behandeln sie dann ihre Kunden, hier die Angestellten, in einem Tonfall und im Umgang wie Untertanen eines absolutistischen Herrschers aus dem 16.Jahrhundert.
        Dabei wundern sie sich dann auch noch, warum dort keiner mehr arbeiten will.

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