AfD-Gründer Lucke fordert Disziplinarverfahren – gegen sich selbst

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HAMBURG. Rund um die Vorlesung von AfD-Mitbegründer Lucke kehrt keine Ruhe ein. Die Universität hat eine Online-Vorlesung ohne Präsenz von Lucke vorgeschlagen. Das hat der Ökonom abgelehnt – und eine andere Idee ins Spiel gebracht.

Die Rückkehr aus der Politik an die Hochschule erweist sich für Bernd Lucke schwieriger als erwartet. Foto: Mathesar / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Nach dem zweimaligen Abbruch seiner Vorlesungen hat der AfD-Mitbegründer Bernd Lucke eine Online-Vorlesung abgelehnt und will stattdessen seine Verfassungstreue überprüfen lassen. «Leiten Sie bitte ein Disziplinarverfahren gegen mich ein», forderte er Hamburgs Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank (Grüne) in einem von der Wochenzeitung «Die Zeit» moderierten Streitgespräch auf. Damit wolle er beweisen, dass er stets aus innerer Überzeugung und aktiv für die Verfassung eingetreten sei. «Ich dürfte kein Beamter sein, wenn die Vorwürfe des Asta zuträfen.» Die Studierendenvertretung Asta hatte zu den Protesten gegen ihn aufgerufen.

Fegebank reagierte im «Zeit»-Gespräch auf diese Forderung zurückhaltend. Es müsse alles getan werden, damit Luckes Vorlesungen ordnungsgemäß stattfinden können, sagte sie. Aber: «Sie haben die Partei gegründet, die heute einen rechtsextremen Weg geht. Diese Verantwortung kann Ihnen niemand abnehmen, auch ich nicht.»

Die Universität hatte auch die Variante einer digitalen Vorlesung ohne Präsenz von Lucke ins Spiel gebracht. Das habe der Ökonom jedoch abgelehnt, teilte der Senat mit.

Fegebank hatte Uni-Präsident Prof. Dieter Lenzen am Montag angewiesen, dass die Präsenzvorlesung auch in dieser Woche stattfinden soll – «natürlich mit Unterstützung der Wissenschaftsbehörde und im engsten Austausch mit den Sicherheitsbehörden», sagte die stellvertretende Senatssprecherin Julia Offen. Lenzen hatte um eine solche Entscheidung gebeten.

Die Behörden hielten sich bedeckt, wie die Vorlesung am Mittwoch geschützt werden soll. «Die Polizei ist darauf vorbereitet, die Universität zu unterstützen, aber genaue Maßnahmen können wir nicht bekanntgeben», teilte ein Sprecher der Innenbehörde mit. dpa

Wissenschaftsbehörde kritisiert Störung der Lucke-Vorlesung

 

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5 KOMMENTARE

  1. Warum kann die Universitätsleitung nicht einfach den ungestörten Verlauf der Vorlesung durchsetzen und Prof. Lucke verpflichten, für einen Diskussionstermin zur Verfügung zu stehen? Mich würde dann eine Video-Dokumentation solcher Diskussionen interessieren.

    • Das finde ich eine gute Idee. Luckes Gegner wahrscheinlich nicht, weil er ihnen rhetorisch und inhaltlich überlegen sein wird. Mehr als primitiven Krawall kann der AStA ja nicht.

      • der asta zeigt sich auch weiterhin gesprächsbereit. dass sie diese haltung als „primitiven krawall“ aburteilen, sagt mehr über sie als den asta.

        • Das gesamte Auftreten und Verhalten der Vertreter des Asta der freien Hansestadt Hamburg, sowie der Beteiligten und lautstarken Demonstranten war unwürdig, abstoßend, menschenverachtend, peinlich, entwürdigend, beleidigend und einfach nur noch ätzend.
          Man kann von diesem Asta konsequenterweise nur noch einen Rücktritt erwarten, und dieser wäre die einzige Möglichkeit, sich vom eigenen Fehlverhalten zu konsequent zu distanzieren. Reflexion über eigenes Fehlverhalten scheint nicht vorhanden zu sein.
          Die Meinungs-und Redefreiheit ist eines der Grundrechte.
          Diese Leute haben von den Grundrechten rein gar nichts verstanden, und sie legen mit ihrem Shitstorm Hand an eines der Grundrechte dieser Demokratie.
          Sie sind Gefangene in ihren eigenen, monströs aufgeweiteten Seifenblasen, die sich für sie nicht aufzulösen scheinen.
          Man kann mit derartigen Leuten anscheinend zum jetzigen Zeitpunkt der eigenen gedanklichen Fixierung nicht reden, da sie keine gegenteilige Meinung und Gedankengänge bereit sind zu akzeptieren oder zu tolerieren, denn
          sie verbleiben unter sich in ihrer geistigen Einöde, abgetrennt von äußeren Einflüssen anderer Denk- und Sichtweisen auf Probleme der Gegenwart, und so verhindern sie von anderen vielleicht zu lernen, neue Impulse aufzunehmen.
          Ich möchte in diesem Land geistig atmen können und nicht von derartigen Leuten niedergeschrien werden, niemals wird ein derartiges Verhalten unkommentiert bleiben und sich einer Gegenwehr verschließen können.

      • Gesprächsbereitschaft von Herrn Lucke finde ich großzügig und anerkennenswert. Vom Asta erwarte ich nach dem aggressiven und tatsächlich „primitiven Krawall“ mehr, nämlich eine Entschuldigung mit der BITTE UM EIN GESPRÄCH anstelle bloßer Gesprächsbereitschaft. Wer sich so daneben benimmt, hat vom hohen Ross herabzusteigen.

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