GEW und VBE fordern: „Bildungserfolg von sozialer Herkunft entkoppeln!“

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BERLIN. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) mahnen anlässlich des Internationalen Tags der Bildung am 24. Januar 2020 mehr Unterstützung für Lehrkräfte an.

Viele Schüler in Deutsschland leiden unter Leistungsdruck - sie werden von ihren Eltern zur Nachhilfe geschickt, obwohl's gar nicht nötig erscheint. Foto: Greg Westfall / Flickr (CC BY 2.0)
In Deutschland ist der Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft und dem Bildungserfolg besonders groß. Foto: Greg Westfall / Flickr (CC BY 2.0)

Der Internationale Tag der Bildung wird erst zum zweiten Mal gefeiert. Er soll daran erinnern, dass sich die Weltgemeinschaft mit der Verabschiedung der Globalen Nachhaltigkeitsagenda verpflichtet hat, bis 2030 eine hochwertige, inklusive und chancengerechte Bildung für Menschen weltweit und ein Leben lang sicherzustellen. Mit Blick auf dieses Ziel stellen die Vorsitzende der GEW, Marlis Tepe, und der Bundesvorsitzende des VBE, Udo Beckmann, fest, dass weder für Inklusion noch für die Entkopplung der Abhängigkeit des Bildungserfolges eines Kindes vom sozio-ökonomischen Hintergrund seiner Eltern ausreichend Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.

Beckmann: „Wir brauchen ein Zwei-Pädagogen-System“

GEW-Vorsitzende Marlis Tepe unterstrich: „Wir brauchen mehr Geld für Bildung. Der Fachkräftemangel und die Unterfinanzierung des Bildungswesens bedrohen die Qualität der (Aus-)Bildung der Kinder, Jugendlichen und jungen Menschen. Wenn nicht mehr öffentliche Ressourcen für das lebensbegleitende Lernen aller Menschen bereitgestellt werden, setzt Deutschland seine Zukunft und damit die Lebensperspektiven der Menschen aufs Spiel. Das werden wir nicht zulassen.“

Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des VBE, macht deutlich: „Nur individuelle Förderung sichert, dass Kinder entsprechend ihrer Fähigkeiten und Fertigkeiten inklusiv und chancengerecht in der Schule gefördert und gefordert werden können. Dafür braucht es ein Zwei-Pädagogen-System – vor allem in den immer heterogener werdenden Klassen und mit den steigenden Anforderungen, die an Schule herangetragen werden. Außerdem setzen wir uns dafür ein, dass Lehrkräfte durch multiprofessionelle Teams unterstützt und entlastet werden.“

Die Education International (EI; dt. Bildungsinternationale, BI) hat anlässlich des Internationalen Tags der Bildung das Motto ausgegeben „Lehren, Lernen, Zukunft gestalten“. Beide Vorsitzende bekräftigen: „Kernaufgabe der Lehrkraft im Klassenraum ist es, Lernprozesse zu gestalten, Wissen zu vermitteln und daran mitzuarbeiten, dass die Kinder und Jugendliche selbstbestimmte und reflektierte Persönlichkeiten werden, die ihren Platz in der Gesellschaft finden. Das ist eine Aufgabe, welche Lehrkräfte mit viel Freude und großem Engagement angehen. Dafür gebührt ihnen, nicht nur heute, größte Anerkennung und Wertschätzung. Die Politik ist in der Bringschuld, dies öffentlich deutlich zu machen – vor allem durch eine gute Ressourcenausstattung. Nur so kann gesichert werden, dass der Beruf attraktiv bleibt, bzw. wieder wird.“

Hintergrund: Die Vereinten Nationen haben im September 2015 die Globale Nachhaltigkeitsagenda mit 17 Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals SDGs) verabschiedet. Integraler Bestandteil der SDGs ist eine Globale Bildungsagenda für die Jahre 2016 bis 2030, für die die UNESCO im UN-System federführend ist. Diese hat den 24. Januar als Internationalen Tag der Bildung festgelegt. News4teachers

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5 KOMMENTARE

  1. Der einfachste Weg ist, die „sozial priviligierten Gruppen“ (was auch immer das ist) auf das Maß der „sozial benachteiligten Gruppen“ herunterzudrücken. Ein anderer Weg fällt mir ehrlich geschrieben auch nicht ein, weil man zwar Wein durch ungeeignete Behandlung ruinieren, jedoch aus miesen Trauben auch durch die beste Behandlung keinen edlen Tropfen machen kann. Ich lese auch nirgendwo etwas von der Eigenverantwortung und dem Erziehungsauftrag der Eltern für ihre Kinder.

    • „Miese Trauben“ – kein Wunder, dass die deutsche Schule nur Mittelmaß hervorbringt, wenn Lehrer so über Kinder denken. Um in Ihrem Bild zu bleiben: Ein unfähiger Winzer produziert auch keinen „besten Tropfen“.

      Dass Sie implizit fordern, Kinder sich selbst zu überlassen, die von zu Hause keine Förderung bekommen („Eigenverantwortung“), passt zu Ihrer Haltung. Sie sollten hoffen, nicht irgendwann selbst auf die Hilfe dieser Gesellschaft angewiesen zu sein – dann heißt es womögllich auch: Eigenverantwortung.

  2. Was privat nicht in der „Nicht-Schulzeit“ nachgeholt wird, könnte selbst bei drei Lehrern pro Stunde nicht aufgeholt werden.

    Meiner Bebachtung nach scheitert es einfach viel zu häufig an der Sprache, hier müsste eine 1 : 1 Betreung her. Die gibt es auch, vermehrt sogar als Ehrenamt.

    Völlig entkoppelt wird der Bildungserfolg aber nie von sozioökonomischen Faktoren. Ein Kind aus reichem Elternhaus hat nunmal mehr Möglichkeiten in jeder Hinsicht als ein Kind aus einem armen Haushalt. Es reicht ja häufig bereits der Wohnort als Einflussfaktor aus, den wird man nicht verändern können – Wenn sich 5 Personen zwei Räume teilen ist das nunmal ein Unterschied zu 4 Personen, die weit mehr Räume nutzen können. Da hat dann auch Hausaufgabenbetreuung und Lernhilfe nur bedingt Erfolg, wenn das Schulpflichtige Kind durch das Geschrei der Geschwister in der Nacht geweckt wird und nicht mehr schlafen kann. Übrigens alles schon erlebt.

    • Wenn die Eltern sich nicht für ihre Kinder und das, was in Schule passiert interessieren, dann sind wir als Lehrer machtlos ‍♀️
      Da können noch so viele Lehrer in der Klasse sein, mit desinteressierten Eltern schafft es kaum ein Kind, den Kreislauf zu durchbrechen. Leider…

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