Zu viele überforderte Schüler: Realschulen wollen Hauptschulabschluss loswerden

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STUTTGART. Manche Kinder gehören nicht auf die Realschule, findet die Arbeitsgemeinschaft der Realschuldirektoren in Baden-Württemberg. Viele Eltern nutzen ihr zufolge die Entscheidungsfreiheit über den Bildungsweg ihrer Kinder nicht verantwortungsvoll – und meiden die Hauptschule. «Die Eltern versuchen es einfach einmal – ohne Rücksicht auf die Kinder.»

Viele Schüler kommen mit den Leistungsanforderungen der Realschulen nicht zurecht. Foto: Shutterstock

Die Leiter der Realschulen im Südwesten sehen angesichts überforderter Kinder in Realschulen keine Zukunft für den Hauptschulabschluss an ihrer Schulart. «Etwa ein Viertel der neuen Schüler haben nicht die passende Grundschulempfehlung und leiden darunter», sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Realschulrektoren Holger Gutwald-Rondot im Gespräch. Bei der Wahl der weiterführenden Schule haben die Eltern seit 2012/13 das letzte Wort – nicht mehr die Grundschullehrer.

Den Hauptschulabschluss können Schüler an unterschiedlichen Schulformen erwerben. Doch während Hauptschüler auf dem Weg zum Abschluss «grundständig», also auf einem einfacheren Niveau unterrichtet werden, erfolgt der Unterricht an Realschulen in den ersten zwei Schuljahren auf einem «mittleren Niveau» – unabhängig davon, welcher Schulabschluss später angestrebt wird.

Das Kultusministerium zeigt Verständnis für die Realschulen

Durch Förderung könne noch etwa die Hälfte der Schüler ohne passende Grundschulempfehlung bis Ende der zweijährigen Orientierungsstufe auf das mittlere Niveau gebracht werden, erklärte Gutwald-Rondot.

Für viele Mütter und Väter sei es attraktiver, ihr leistungsschwächeres Kind auf die Realschule als auf die eigentlich passende Haupt- oder Werkrealschule zu schicken, sagte der Leiter der Kraichgau-Realschule in Sinsheim (Rhein-Neckar-Kreis). «Die Eltern versuchen es einfach einmal – ohne Rücksicht auf die Kinder.»

Das Kultusministerium und der Städtetag äußerten Verständnis für die Sorgen der Realschulen. Ministerin Susanne Eisenmann (CDU) sagte: «Von den Schwierigkeiten in der Orientierungsstufe höre ich schon seit längerem in zahlreichen Gesprächen mit Lehrkräften und Schulleitern vor Ort.» Den Gesprächspartnern sei eines gemein – «der Wunsch, die Grundschulempfehlung wieder verbindlicher zu regeln, da die hohe Heterogenität vor allem an den Realschulen eine enorme Herausforderung für die Lehrer darstellt». Auch eine Stärkung der Werkrealschulen stoße auf große Zustimmung bei den Realschulen.

„Jeder zehnte Schüler ist definitiv auf der falschen Schule“

Gutwald-Rondot sagte: «Jeder zehnte Schüler in der Orientierungsstufe der Realschulen ist definitiv auf der falschen Schule und wäre auf der Hauptschule besser aufgehoben.» Das führe oft zu Frust und auffälligem Sozialverhalten. Den Realschulen machten bereits diejenigen Schüler zu schaffen, die in der achten, neunten Klasse vom Gymnasium enttäuscht zu ihnen kämen. Deren Selbstbild sei zerstört und sie tendierten dazu, sich hinter ihrem Computer zu verkriechen. Auch bei den Realschulen gebe es Abwanderung, sofern Hauptschulen in der Nähe seien.

An den Realschulen gehen die Jungen und Mädchen freiwillig oder bei Nichtversetzung in die siebte Klasse in Richtung Hauptschulabschluss und werden dann «grundständig» unterrichtet. Sie absolvieren nach neun Schuljahren den Abschluss, ihre Mitschüler nach zehn Jahren die Mittlere Reife. Die Hauptschulen lehren durchgehend auf einem elementaren Niveau, die Gymnasien auf einem anspruchsvollen «erweiterten» Level. Das unter dem damaligen Kultusminister Andreas Stoch (SPD) beschlossene Angebot des Hauptschulabschlusses an der Realschule gilt seit dem Schuljahr 2016/17.

Die SPD-Landtagsfraktion wies darauf in, dass die Realschulen dies selbst gewünscht hätten. «Wer glaubt, durch eine Rückkehr zur verbindlichen Grundschulempfehlung die pädagogischen Probleme zu lösen, ist auf dem Holzweg», sagte der SPD-Bildungsexperte Stefan Fulst-Blei. Es brauche Konzepte, die die Unterschiedlichkeit der Schüler nicht als Bedrohung verstehen, sondern als Teil der sich verändernden gesellschaftlichen Realität.

Sandra Boser, bildungspolitische Sprecherin der regierenden Grünen, erklärte: «Es braucht keine verbindliche Grundschulempfehlung, sondern ein pädagogisches Angebot, das die Schwächeren erfolgreich auf ihren Abschluss vorbereitet.» Immerhin schaffe es die Hälfte der Schüler mit Hauptschulempfehlung, das mittlere Niveau zu erreichen.

An der Kraichgau-Realschule machen gerade erstmals 20 junge Menschen ihren Hauptschulabschluss. Sie bilden dort eine eigene Klasse, andernorts werden sie gemeinsam mit den Anwärtern auf den Realschulabschluss unterrichtet. In Sinsheim streben 136 Schüler im kommenden Schuljahr die mittlere Reife an.

„Verbindliche Grundschulempfehlung wieder einführen!“

Gutwald-Rondot sieht als Weg aus der Misere, die verbindliche Grundschulempfehlung wieder einzuführen und den Hauptschulabschluss nicht mehr an der Realschule anzubieten. Leistungsschwächere Schüler könnten dann von nahen Werkreal-, Haupt- und Gemeinschaftsschulen aufgenommen werden.

Der Städtetag pflichtete dem Schulleiter bei. «Wenn nur wenige der an Realschulen gestarteten Schüler dort den Hauptschulabschluss machen, weil viele vorher die Schule wechseln, stellt es den Sinn dieses Abschlusses an den Realschulen in Frage», sagte Städtetagsdezernent Norbert Brugger.

Laut Eisenmann werden diverse Lösungen diskutiert, darunter die Verkürzung der Orientierungsstufe auf ein Jahr und Lehre auf grundständigem Niveau von Anfang an. Auch der Vorschlag, den Hauptschulabschluss an der Realschule wieder abzuschaffen, sei im Gespräch. Sie warnte aber vor Schnellschüssen.

Die oppositionelle Landtags-FDP sieht sich in ihrer Kritik an der Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung durch die Schulleiter bestätigt. Sie habe die Sitzenbleiberquote in den unteren Klassen nach oben schnellen lassen, sagte Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke. Die verbindliche Empfehlung erleichtere die Bildung von Klassen aus Schülern mit vergleichbaren Begabungen. Seine Fraktion habe einen Gesetzentwurf in den Landtag eingebracht, um die Grundschulempfehlung wieder verbindlich zu machen.

In der von Gutwald-Rondot geführten Arbeitsgemeinschaft sind 328 Leiter der insgesamt 423 Realschulen in Baden-Württemberg vertreten. dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Jeder zwölfte Sechstklässler gilt am Gymnasium als überfordert – Philologen fordern: Freie Schulwahl für Eltern abschaffen!

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65 KOMMENTARE

  1. Gerne würde ich bei diesem Thema valide Zahlen sehen, also wie viele „falsche“ Schülerinnen und Schüler den Weg auf der Realschule zum mittleren Bildungsabschluss schaffen und wie viele „richtige“ SuS es nicht schaffen. Ich denke hier ist viel Gefühl dabei und keine tatsächlichen Fakten.

  2. Gemeinschaftsschule ist keine Haupt- oder Werkrealschule.
    Gemeinschaftsschule= Ganztagsschule!
    und 3 Niveaus, die unterrichtete werden, überfordert auch einen Hauptschüler.
    Es gibt kaum noch klassische Hauptschulen! Also müssen die Kinder auf die Realschule in die Orientierungsstufe um dann ab Klasse 7 im Grundniveu unterrichtete zu werden.
    Grundsätzlich würde ich eine verbindliche Grudschulempfelung mit Abschaffung der Gemeinschaftsschule befürworten!!!

  3. Wären auf „Aufsteigen“ orientierte Schullaufbahnwechsel nicht besser? Wenn es an jeder Schule (vom Schulamt geförderte und der Schule Vorteile bringende!) Programme gäbe, hervorragende Schüler nach höheren Schulformen weiterzugeben, wenn’s eine Stimmung des „du kannst es schaffen, zur Realschule / zum Gymnasium aufzusteigen“ gäbe, was würde das für Kräfte wecken?

    • Diese Möglichkeit gibt es doch schon, man muss sich nur informieren. Meine Schwester wurde auch damals in die Hauptschule eingeordnet (damals gab es die Empfehlungen noch). Nachdem sie sich in der 5. Klasse in der Hauptschule gut angestellt hatte, konnte sie am Ende des Schuljahres eine „Prüfung“ absolvieren, die ihr die Berechtigung gab bzw. sie als fähig genug einstufte, um in die Realschule „aufzusteigen“. Ab der 6. Klasse bis zu ihrem Abschluss besuchte sie dann eine Realschule. Ich weiß natürlich nicht, ob das in jedem Bundesland so möglich ist.

      • Natürlich „gibt’s“ das. Aber es ist nicht geplant, wird nicht durch eigens dafür eingestellte Lehrer gefördert, bringt der Schule keinen Vorteil (im Gegenteil: geben Sie gerne ihre besten Schüler ab??) Der Unterricht im Gymnasium enthält ja schon ab Kl. 5 Elemente, welche in den anderen Schulformen nicht vorkommen und „Aufsteigern“ dann fehlen, wenn sie nicht eigens darin gefördert werden. Beispiele: Beweise in Mathematik, abstraktere Texte

  4. „Leistungsschwächere Schüler könnten dann von nahen Werkreal-, Haupt- und Gemeinschaftsschulen aufgenommen werden.“

    Nahe Hauptschule gibt es nicht mehr.
    Gerne würde ich meine Kinder auf eine tun, aber eben nicht auf eine Gemeinschaftsschule, 3 Jahre und nie wieder.
    Da bin ich doch froh dass die Realschule auch zum Hauptschulabschluss führt.

  5. Seit 2009 ist in BW der soziale Gradient laut IQB-Studie stetig gestiegen, d. h. es wurde sozial ungerechter in BW. Hat das was mit dem Elternwillen zu tun?

  6. Es sind ja nicht nur die völlig überforderten Hauptschüler oder Rückläufer aus dem Gymi, die leiden. Es sind auch die Kinder, die genau richtig an der Realschule, aber mittlerweile in der Unterstufe dort in der Unterzahl sind. Sie werden nicht adäquat gefördert, weil die Lehrer das Niveau senken, damit der Unterricht für den Großteil der Kinder verständlich wird.
    Eisenmann warnt vor Schnellschüssen. Aber genau die gab es erstens mit der Schulreform der roten Bildungspolitik und nun zweitens mit der völlig undurchdachten und teilweise nicht durchführbaren neuen Prüfungsordnung für Realschulen (das KuMi hatte ja nur 3 Jahre Zeit, sich darum zu kümmern). Alles mit heißer Nadel gestrickt. Fazit: Die Lehrer und Schüler sind frustrierte Versuchskaninchen.

  7. „Leistungsschwächere“ Erwachsene aus CDU und SPD (existieren die noch?) wollen für Eltern entscheiden?
    Instead of listening to philologists you’d better invite psychologists and someone who’s able of critical thinking to analyse that the atmosphere in Grundschule as institution is unhealthy, narcissistic. Before blaming parents and children CHECK the schools. Teachers are toxic (just as much as this article is generalising pupils I can generalise teachers). They don’t teach or show how to be disciplined, organized and learn. In our school with GU the teacher is changing the plan every week. Makes big gaps between classes (HSU on Monday then no HSU for two weeks, today Mathe 1*1 tomorrow Tausende then no Mathe for a week), Probe never on time, always postponed and she blames the kids. The headmaster is covering all the problems of the school. Talking to parents as a verdeckte narcissist, saying one thing, doing another. Lies, gaslight. How can a child be motivated in such atmosphere? We had English cancelled 7 times since September. But when kids actually had English they talked about their holidays in German. Don’t blame children. Check and control the teachers and they are tricky. They are not motivated and lazy. Ours shows as many films as possible to avoid explaining anything. It’s not just a few times, it’s regelmäßig. I, as parent, can educate my child in home environment better. And the atmosphere is healthy at home. If so many kids fail, then review the system, check teachers, don’t devaluate kids. You put those labels on kids at the age of 10 already. Teach them how to study. Don’t expect easy pupils with high IQ, educate properly. So far I can by a few schools – it’s messy. Going to school is wasted time. No knowledge given, no organisation taught or shown. Oh, BTW, in our Grundschule teachers are saying words like „Arschloch“ to kids who misbehave. And the other children are forced to witness those conflicts between children and their infantile teachers.

  8. Bitte die fremdsprachigen Kinder/Schüler nicht vergessen! Die einjährigen Sprachklassen verfolgen die falschen Ziele: Sie entsprechen Intergrationskursen für Erwachsene und haben nicht zum Ziel, dass die Schüler so bald wie möglich am Unterricht in den Fächern teilnehmen können. Man sehe sich die Unterrichtsmaterialien an!

  9. Genau diese Entwicklung wurden bereits in der Erprobungsphase der „neues“ Realschulen bestätigt (was mit dem gesunden Menschenverstand ebenso möglich war): die Testschulen berichteten, dass das gemeinsame Unterrichten auf G- und M-Niveau nicht möglich war. Quelle ist hier eine Fortbildnerin in Baden-Wü, die als Schulleiterin einer Realschule tätig ist. Diese Schule hat die Realschüler dann in zwei Klassen aufgeteilt, einer G-Klasse (Hauptschulklasse) und einer M-Klasse (Realschulklasse). Genau das ist aber offiziell nicht erlaubt. Die grünen Macher dieser „Idee“ übersehen einfach (bzw. wird bewusst ignoriert), dass Hauptschüler/Werkrealschüler absolut andere Lernvoraussetzungen haben als der „übliche“ Realschüler. Wer einmal an Hauptschulen unterrichtet hat, wird bestätigen können, dass man dieses Schülerklientel nicht mal kurz „nebenher“ auf dem G-Niveau „mitunterrichten“ kann, während man nebenher den Rest der Klasse auf „M-Niveau“ unterrichtet. Warum das nicht geht? Weil die Lernvoraussetzungen dafür zuhause absolut nicht gelegt worden sind und Bildung für einen Teil dieser Schüler keine Rolle spielt – warum sollte sich dieser Schüler also mehr oder weniger selbstständig mit der Materie des G-Niveaus beschäftigen, während die Lehrerin/ der Lehrer an der Tafel gerade für den Rest der Klasse (M-Niveau) etwas vollkommen anderes erklärt? Ich bin mittlerweile froh, wenn meine Werkrealschüler einen Stift mit in den Unterricht bringen… und trotzdem mache ich meinen Job immer noch sehr gerne, auch wenn ich diese politischen Versuche als „wahnsinnig“ einstufe, weil sie höchstwahrscheinlich von Menschen geschaffen worden sind, die nicht im Schulalltag zuhause sind… zumindest nicht im Werkrealschulalltag.

  10. Der Hauptschulabschluss hat seinen Platz in der Gesellschaft verloren. Bevor Sie Eltern verurteilen, die ihren Kindern bestmögliche Zukunftschancen verschaffen möchten, sollten Sie sich lieber überlegen wie der Hauptschulabschluss aufgewertet werden kann. Im Grunde sollte Schule für alle durchlässig bleiben damit alle Kinder ihr Potenzial erreichen.

  11. Was war denn an unserem 3 gegliederten Schulsystem so falsch. Es wird immer Kinder geben die sich in der Schulzeit schwer tun mit dem Lernen, und für die dann die Hauptschule genau der richtige Weg ist. Diesen Kindern steht alles offen. Sie können gleich nach der Schule einen Beruf lernen, sich aber auch freiwillig weiterbilden.
    Denkt doch bitte mal wieder an die Kinder und nicht an das Ansehen in der Gesellschaft. Ein Mensch ist nicht weniger Wert nur weil er sich schwerer tut.
    Dann denke ich ist es auch für die Lehrer schwer Unterricht zu machen und Arbeiten zu schreiben wenn G und M Niveau Schüler in einer Klasse sind.
    Ich sehe das auch so, dass Schüler im G Niveau trotzdem überfordert sind, was man (teilweise) im Sozialverhalten deutlich erkennen kann.
    Vertraut doch wieder den Grundschullehrern und akzeptiert die Empfehlung und entscheidet danach.
    Von der Regierung wünsche ich mir dass das derzeitige System überdacht wird.

  12. @ Georg in hamburg verfolgen diese sprachkurse für nicht erwachsene durchaus sinnvolle ziele und es mangelt ebensowenig an geeigneten unterrichtsmaterialien. nicht zuletzt bei 4tea bieten daz kolleginnen umfangreiches, bestens recherchiertes material an.

  13. Das Hauptproblem liegt in der Ausbildung. Die Ausbildungsforderung ist dermassen hoch das viele Eltern ihre Kinder auf hohe Schulen schicken. Ich lese immer wieder Ausbildungs voraussetzung Real Abschluß oder höher. Mit einen Hauptschulabschluss kann man heute ja überhaupt keinen Beruf mehr erlernen. Die Politik sollte sich da mal einschalten. Es kann ja wohl nicht möglich sein das, nur weil einer einen Hauptschulabschluss hat weniger Wert ist oder schlechter arbeitet.
    Ich kenne persönlich einen der einen Pflege Beruf erlernen möchte darf es leider nicht weil er einen Hauptschulabschluss hat. Wer sagt den das er nicht geeignet ist. AUFGRUND DER SCHULBILDUNG?????
    Wir müssen ganz woanders es anpacken damit die Kinder von morgen wieder die Chance hat eine Ausbildung zu machen was ihn Spaß machen würde und wozu er berufen ist. Ich finde es eine unverschämtheit das mann die voraussetzung immer höher gestellt werden.
    Ich sehe es bald in Zukunft das man als Raumpflegerin, Verkäufer, Altenpfleger oder Kfz Mechaniker bald einen Master Abschluss haben muss um in den Beruf zu erlernen.

      • Wieso? Dann werden schnell Bachelors of Altenpflege erfunden und schon hat man (theoretisch) genug. Allerdings wundern sich die Absolventen dann, weshalb sie als Akademiker kein Akademikergehalt beziehen.

  14. In fast allen Ländern sind alle Kinder in der Sekundarstufe I in einer Schule zusammen und überall klappt es. Nur deutsche Lehrer sind anscheinend nicht in der Lage binnendifferenziert zu unterrichten. In Finnland oder Schweden gäbe diese skurrile Diskussion überhaupt nicht.

    • .. aber es klappt entweder mit sehr viel höherem Finanzeinsatz (Finnland, Schweden) oder auf einem viel niedrigeren Niveau (USA, Kroatien, …) oder mit einem sehr viel höheren Druck von seiten der Familie oder der Schule (Korea, China, DDR). Und in all diesen Ländern sind es die Privatschulen, welche die „wichtigen Leute“ ausbilden (Großbritannien, Frankreich, USA).

  15. Ach ja, wenn es nach den Lehrern gehen würde, würden sie uns Schwarzköpfe zu Unrecht in die Hauptschulen stecken damit wir unter uns seien können. Nie die Empfehlung bekommen um auf die Realschule hochzusteigen, obwohl meine Noten im zweier Durchschnitt waren. Habe dann auf eigener Faust mit EU geförderten Projekten mein Realschulabschluss nachgeholt in einem Jahr und mit 2,2 bestanden. Die Eltern wollen nur das Beste für euch, fällt nicht auf diesen Mist rein, mit dem Hauptschulabschluss könnt ihr heutzutage nur noch eine Ausbildung zur Putze machen!

  16. Ich denke es liegt nicht unbedingt daran, dass die Eltern wollen, dass ihr Kind einen besseren Abschluss bekommt. Viel mehr liegt es an den Hauptschulen selbst. Mein Bruder sollte auf die Hauptschule und es war auch schon immer Klar das er nur den Hauptschulabschluss machen wird. Als meine Eltern sich dann nach der örtlichen Hauptschule erkundigten sagten sie sofort da soll ihr Sohn ganz sicher nicht hin gehen. Drogenrobleme waren da ein großes Thema, genau so wie Gewalt. Soll man dann unter solchen Voraussetzungen sein Kind in eine Hauptschule schicken?
    Die Kinder in Hauptschulen sind demotiviert. Wenn dir jemand sagt du schaffst es nur den schlechtesten Abschluss unserer Gesellschaft zu bekommen, welche Motivation hat man dann noch etwas aus sich zu machen? Und wenn dann das eigene Kind, was noch Motivation hat in so eine Schule kommt, wo alle Kinder sich ab einen gewissen Punkt nur noch runter ziehen, dann kann man sich schon denken was mit dieser Motivation passieren wird.
    Ich denke es sind nicht die Eltern schuld, oder die Freie schulwahl.

    • Vielen Dank Frau Marx für diesen äußerst passenden Kommentar! Ich hätte meine Tochter gerne auch auf die Hauptschule gehen lassen, aber die Hauptschule bei uns im Stadtviertel geht gar nicht. Drogenprobleme, Schlägereien, Lehrergedisse, usw. Die meisten können die deutsche Sprache weder sprechen noch schreiben (Ich rede hier auch von Kindern ohne Migrationshintergrund!) und vor allem aber keinen M-Zweig! Eine Hauptschule ohne M-Zweig??? D. h. Selbst wenn ich die anderen Problematiken außer Acht ließe, hätte meine Tochter als sog. Spätzünderin nicht mal die Möglichkeit, über die Hauptschule die Mittlere Reife zu erwerben! Stattdessen müsste sie nach der 6. Klasse schon wieder auf eine andere Schule wechseln und noch eher aufstehen, damit sie mit dem Bus durch die halbe Stadt zur neuen Schule gurken kann (Elterntaxis soll man ja nicht unterstützen!) Nein, da wähle ich lieber die Realschule, mach das Beste daraus und unterstütze mein Kind wo es nur geht! Selbst wenn es keinen Leistungsdruck in der Schule mehr gäbe dann gibt es ihn spätestens in der Arbeitswelt. Oder ging es nicht schon in der Krabbelgruppe los (Mein Kind kann schon dies und jenes und deines?)? … Und dann noch arbeiten bis über 70… denn eine Schuhverkäuferin mit mind. Fachabitur als damalige Ausbildungsvoraussetzung wird nicht eher in Rente gehen können. So ist es recht. Armes Deutschland.

  17. Ich (Grundschullehrerin) möchte nicht gerne den Kampf mit den Eltern ausfechten… wie wäre es denn mit einer Art Aufnahmetest an den weiterführenden Schulen? Abgestimmt auf das Niveau…. ist das vielleicht eine gute Idee?
    Lg

  18. Also ich sehe es so dan müssen die Kinder in getrennten Klassen Unterrichtet werden.Oder es müssen wieder die Hauptschulen geöffnet werden wo in den Jahren zu reinen Grundschulen geworden sind und ich finde so wie es früher war,war es besser Hauptschule, Realschule und Gymnasium bei uns in der Nähe gibt es auch keine Hauptschule.Da beschweren sich immer alle über das Elterntaxi aber wenn ein Kind von der einen Seite von der Stadt ans andere Ende in die Stadt muß um in eine Hauptschule zu gehen,dann brauch man sich nicht beschweren man schaut ja das die Kinder in eine Schule gehen die in der Nähe ist oder.

  19. @Eberhard Dolezal
    Ich kann das Märchen von den tollen finnischen und schwedischen Gesamtschulen mit ihrem binnendifferenzierten Unterricht und den viel besseren Lehrern als in Deutschland nicht mehr hören!!
    Zitat: „Was von denen, die uns einreden wollen, wir brauchen die Gesamtschule, um „so gut zu werden wie Finnland“, besonders gern verschwiegen wird, sind vor allem drei Tatsachen:
    Erstens, dass das finnische Schulsystem in Wirklichkeit um nichts weniger selektiv ist als das deutsche oder österreichische. In Finnland gibt sich jede Schule selbst ihr „Profil“. Manche sind akademisch anspruchsvoller (und entsprechen damit mehr oder weniger unserem Gymnasium), andere sind weniger anspruchsvoll (und entsprechen damit im Wesentlichen unserer Hauptschule). Für die „Lukios“ (die weiterführenden Schulen nach der 9-jährigen Pflichtschulzeit) gelten leistungsabhängige Zugangsbeschränkungen.

    (…) Die Schulen sind zwar nicht gleich, haben aber dieselbe Bezeichnung. Das wird dann hier bei uns als „Gesamtschule“ interpretiert.

    Der zweite Punkt, der gern verschwiegen wird, ist, dass gerade in Finnland Bildungsstand und Einkommen der Eltern eine besonders große Rolle für die weitere Ausbildung und Berufswahl spielen. An finnischen Universitäten ist der Prozentsatz der Studenten, die aus vermögenden und Akademikerfamilien stammen, weit höher …als in allen anderen EU Ländern …Soviel zur „Chancengleichheit“ und „erhöhten sozialen Durchmischung“, die die Gesamtschule finnischer Prägung angeblich bringen soll. Und die Jugendarbeitslosigkeit ist – nebenbei bemerkt – in Finnland doppelt so hoch wie bei uns.

    Drittens ist das finnische Fördersystem zwar für die schwachen Schüler sehr gut, für die überdurchschnittlich Begabten gibt es aber – mit ganz wenigen Ausnahmen (in den großen Städten) – kaum besondere Förderung. Sie werden in den meisten Fällen gezwungen, im Mittelmaß mit zu schwimmen,…“
    http://www.genius.co.at/index.php?id=395

    • Viertens wurde Finnlands Schulsystem kurz vor der ersten Pisa-Studie von autoritär-frontal auf schülerzentriert umgestellt. Die damals sehr guten Leistungen waren noch Nachwirkungen des Frontalunterrichts. Mit der Umstellung sank das Niveau.

      • Das ist Quatsch:

        https://finland.fi/de/leben-amp-gesellschaft/finnland-bleibt-eine-der-spitzennationen-in-der-pisa-studie/

        Und natürlich hängt die Tatsache, dass Finnland in Sachen Bildung zur Weltspitze gehört, auch damit zusammen, dass die Leistungsspitze breiter und besser ist als in Deutschland, obwohl die Gymnasien hierzulande eine schön aussortierte Schülerklientel geliefert bekommen. Offenbar sind „homogene“ Klassen zwar für deutsche Lehrer attraktiv, aber nicht unbedingt leistungsfördernd.

      • Deutschland wäre froh, wenn es die finnischen Luxusprobleme in der Bildung hätte. Finnland liegt nach wie vor in der Weltspitze – Deutschland nicht. Finnland hat ein Gesamtschulsystem – Deutschland nicht.

        Und deswegen ist Ihre hübsch zusammengedichtete Begründung für den „Niedergang“ Finnlands absurd.

        • Finnland hat ein Gesamtschulsystem – Deutschland nicht.
          Ja und – was soll das aussagen?
          Frankreich hat auch ein Gesamtschulsystem – genauso wie Spanien.

          • Das belegt, dass Gesamtschulsysteme leistungsmäßig zumindest mal nicht schlechter sein müssen – wie gerne von den Freunden des gegliederten Schulsystems deutscher Prägung behauptet wird.

            Und es legt nahe, dass die soziale Ungerechtigkeit, die dem deutschen Schulsystem zu eigen ist, in genau dieser Gliederung begründet liegt. Denn die erfolgt, wie wir seit der ersten PISA-Studie wissen, zu einem Gutteil nach sozialen Kriterien, nicht nach Leistung.

            Migranten und sozial Schwache bleiben dabei außen vor bzw. unten. Der soziale Aufstieg durch Bildung wird faktisch unmöglich gemacht. Das ist näher an der Drei-Klassen-Gesellschaft des 19. Jahrhunderts als an einer Leistungsgesellschaft des 21. Jahrhunderts.

            Erstaunlich an dieser Debatte hier ist, dass Lehrer ernsthaft glauben, Eltern ließen den Staat heute noch ihre Kinder wegsortieren, ohne sich massiv dagegen zur Wehr zu setzen. Das gegliederte System alter Prägung ist tot, weiß es mancherorts nur noch nicht. Übrigens auch in Bayern, wo die zur „Mittelschule“ euphemistisch umdeklarierte Hauptschule auch keine Schüler mehr findet.

          • Mein Eindruck ist: Was Sie äußern, Bernd, ist Wunschdenken. Was Sie als „belegt“, „nahelegend“ oder Tatsache darstellen, die man „mancherorts nur noch nicht weiß“, ist reine Behauptung.
            Man wird sehen, was sich auf längere Sicht durchsetzt, die von Ihnen gewünschte Schule für ALLE oder ein gegliedertes Schulsystem.

          • Warum ist dann gerade Bayern eines der sozial gerechtesten Schulsysteme in Deutschland (laut IQB-Studie 2019)?

          • Warum sind dann Bundesländer wie Bremen und Berlin mit am sozial ungerechtesten in Deutschland?

          • … weil sich der Befund auf das Leistungsniveau von Neuntklässlern bezieht, nicht auf den erreichten bzw. erreichbaren Abschluss.

            Es ist zweifellos anerkennenswert, wenn Hauptschüler („Mittelschüler“) in Bayern im Leistungsvergleich zu anderen Bundesländern gut abschneiden – sie haben nur herzlich wenig davon. An den Gymnasien bleiben trotzdem die Kinder aus sozial stärkeren Schichten weitgehend unter sich.

          • Zitat:
            „An den Gymnasien bleiben trotzdem die Kinder aus sozial stärkeren Schichten weitgehend unter sich.“

            Woher wissen Sie das?
            In manchen Studien (unter anderem der Pisa-Studie) wird konstatiert, dass „entgegen weit verbreiteter Vorstellungen das Gymnasium die sozial heterogenste Schulform ist“.

          • Wechselten in den Fünfzigerjahren noch rund zehn Prozent eines Jahrgangs nach der Grundschule aufs Gymnasium, sind es heute etwa 40, in einigen Bundesländern sogar 50 Prozent. Dadurch ist die Schülerschaft an den Gymnasien insgesamt weniger elitär, sozial durchmischter. Trotzdem bleibt die „Auslese“ der Viertklässler mit Blick auf soziale Herkunft und Chancengleichheit fragwürdig.

            „Wir haben ein schreiend ungerechtes Schulsystem“, kritisiert Prof. Wilfried Bos (Direktor des Instituts für Schuleentwicklungsforschung der TU Dortmund und langjähriger Leiter von IGLU und TIMSS). Studien belegen: Mit dem Wechsel nach der Grundschule werden Kinder in Deutschland nicht nur nach Leistung getrennt – sondern teilweise auch nach sozialen Milieus.

            An Gymnasien stammen überdurchschnittlich viele Schüler aus der bürgerlichen Mitte. Es sind oft Kinder von Juristen, Unternehmern oder Lehrern, seltener von Fließbandarbeitern. An Haupt- und Realschulen sieht die Schülerschaft meist anders aus, ebenso an integrierten Schulformen wie Stadtteil- oder Sekundarschulen, die mehrere Bundesländer als einzige „zweite Säule“ neben dem Gymnasium eingeführt haben.

            Hier kommt die Mehrheit aus Familien mit einem niedrigeren sozioökonomischen Status, und das ist kein Zufall: Beim Übergang zählt nicht nur Leistung, sondern zum Teil auch soziale Herkunft. „Für ein Professorenkind ist die Wahrscheinlichkeit, vom Lehrer eine Empfehlung fürs Gymnasium zu bekommen, etwa drei Mal höher als für ein Facharbeiterkind“, sagt Bos, „und zwar selbst bei gleicher Leistung und gleicher Intelligenz.“

            Quelle: http://www.spiegel.de/lebenundlernen/schule/bayern-auslese-fuers-gymnasium-belastet-grundschueler-und-eltern-a-1145393.html

          • Ihre Quellen kenne ich leider nicht.

            Hier ein aktueller Beitrag zum Thema von Gerd Möller, der selbst dem PISA-Konsortium angehörte.

            Sein Fazit: “Der Bildungserfolg ist in Deutschland stärker als in vielen anderen Ländern nach wie vor vom Bildungsstand und vom Geldbeutel der Eltern abhängig. Beispielsweise erhalten Kinder aus unteren Sozialschichten bei gleicher Leistung mitunter schlechtere Noten als andere oder seltener eine Übergangsempfehlung für einen Bildungsgang zum Abitur. Sie haben erheblich geringere Chancen, ein Gymnasium zu besuchen oder ein Studium aufzunehmen.”

            Quelle: http://www.news4teachers.de/2019/01/wie-gerecht-ist-das-schulsystem-kinder-aus-armen-familien-werden-nach-wie-vor-benachteiligt-ein-debattenbeitrag/

          • Ich streite ja gar nicht ab, dass es so ist. Allerdings ist die Gesamtschule in Deutschland scheinbar auch nicht die Lösung – sonst müssten die Bundeslälnder mit längerem gemeinsamen Lernen im IQB-Ranking besser abschneiden -was sie nicht tun.

          • Es gibt in Deutschland aber in keinem Bundesland ein Gesamtschulsystem – allenfalls einzelne Gesamtschulen, die Hauptschulen ersetzen und am Status der Gymnasien nichts ändern.

            International gibt es hingegen fast nur Gesamtschulsysteme – eben auch leistungsstarke UND sozial gerechte. Womit wir wieder bei Finnland wären…

          • @Bernd
            Sie haben offenbar Sophias Kommentar ignoriert.
            Es bringt doch nichts, über Finnland die immer gleichen Märchen zu erzählen, um die ideologisch begründete Befürwortung von Gesamtschulen und Abschaffung der Gymnasien mit fragwürdigen Sachargumenten zu untermauern.
            Sozialismus ist eine schöne Idee, auch in der Bildung. Am Prüfstand der Realität ist sie jedoch immer krachend und schmerzlich gescheitert.

      • Ob Deutschland froh sein könnte, wenn es Finnlands „Luxusprobleme“ hätte, wage ich zu bezweifeln.
        Zitat: „Aber Finnland ist noch mehr: Ein Drittel der Polizei in Helsinki ist in rassistischen Kreisen aktiv, wie kürzlich herauskam. Die Selbstmordrate ist nicht nur unter Jugendlichen hoch. Wenn man am Wochenende abends durch die Straßen zieht, brüllen kaputte Betrunkene vor den Kneipen oder liegen auf den Bürgersteigen. Das hat etwas Rohes und Tragisches. Und sieht aus wie ein Ausschnitt aus einem Kaurismäki-Film.
        https://www.deutschlandfunkkultur.de/100-jahre-mein-finnland-sauna-marimekko-koti-was-ist.979.de.html?dram:article_id=40194

        Noch so ein „Luxusproblem“: „Ein anderes Bild zeichnet etwa eine Unicef-Studie: In keinem anderen OECD-Land gehen Kinder so ungern zur Schule wie in Finnland.“
        https://www.zeit.de/2017/11/finnland-bildung-schulen-pisa-studie-schueler/seite-2

  20. Es wird auch an Hauptschulen über- und unterforderte Schüler geben und wohin werden die dann sortiert? An HauptRealGymnasien? Was soll die ganze Sortiererei. Binnendifferenzierung ist doch nun wirklich kein Zauberwerk. Selbst in Deutschland hat das schon mal funktioniert. Die Skandinavier haben davon viel gelernt und es besser gemacht – ohne Kinder in gute und schlechte Töpfchen zu packen. Der Tellerrand ist gar nicht so weit weg.

    • Doch, echte Binnendifferenzierung ist ein Zauberwerk! Mir ist sie bisher trotz enormen Arbeitsaufwandes in der Vor- und Nachbereitung so gut wie nie zufriedenstellend gelungen.
      Ich frage mich, was Sie iunter einer erfolgreichen Binnendifferenzierung verstehen.
      Ein gegliedertes Schulsystem packt die Kinder nicht „in gute und schlechte Töpfchen“, sondern in passende „Töpfchen“, die ihrer Leistungsfähigkeit gerechter werden.

      Wie so viele moralisieren Sie nur, wenn es um die Gesamtschule geht, und begründen nicht sachlich. So kann man vielleicht Leute überzeugen, die keine Ahnung haben, sich aber gern frommen Behauptungen und Begriffen anschließen.

      • Klingt schon komisch, als Begründung für die Notwendigkeit eines gegliederten Schulsystems pädagogische Überforderung heranzuziehen .) DAS nennt man eine Unterstellung – haben Sie vielleicht wiedererkannt, wenn Sie Ihren letzten Absatz noch mal lesen.
        Zum Thema: Binnendifferenzierung heißt doch nicht 28 verschiedene Unterrichtsvorbereitungen für 28 verschiedene Schüler vorzuhalten und zum Schluss haben alle die allgemeine Relativitätstheorie komplett verstanden. Binnendifferenzierung heißt, dass z.B. eine Aufgabe (also eine für alle) so gestellt wird, dass Schüler die Chance haben diese entsprechend ihrem Leistungsvermögen zu lösen. Dazu müssen sich Schüler nicht in verschiedenen Klassen an verschiedenen Orten befinden.
        Wenn man dazu noch gestufte Hilfestellungen( sagen wir mal drei) anbieten kann sind wir schon fast bei der individuellen Förderung.

        Ich halte es eher für ein Problem, dass 28 Schüler (also zu viele) in zu kleine, schlecht ausgestattete Räume, in baufälligen Gebäuden, in einem engen Zeitkorsett, zwangsläufig rammdösig werden müssen und nicht lernen können, selbst wenn sie wöllten.

        • Das ganze müssen Sie aber für 28 Unterrichtsstunden pro Woche bereitstellen, sprich mindestens 84 Unterrichtsstunden pro Woche vorbereiten (bei nur drei unterschiedlichen Niveaustufen). Ohne die Korrekturen, Elterngespräche, Konferenzen usw. müssen Sie das innerhalb von 20-25 Zeitstunden pro Woche leisten, also in maximal 10 Minuten pro Unterrichtsstunde. In Korrekturphasen haben Sie weniger als die Hälfte der Zeit dafür.

          • Vielen Dank, hatte ich vergessen. 28 Unterrichtsstunden sind selbstverständlich deutlich zu viel für eine vernünftige Vor- und Nachbereitung.
            … und wenn ich König von Deutschland wär´…

            Kinder zu sortieren, löst aber all diese Probleme nicht. Es macht noch nicht einmal das Lehrerdasein erträglicher.

            ich bedanke mich für die Diskussion.

          • Was macht denn eine Gesamt- bzw. Sekundarschule da anders als das regelschulsystem?

            Ab Klasse 6 wird regelmäßig selektiert, wer kann hoch-, wer muss abgestuft werden, wem ist die Abwahl des WP-Faches anzuraten etc.

            Im laufenden betrieb wird halbjährlich selektiert. Ab Klasse 9 wird das den SuS mit jedem zeugnis auch mitgeteilt, in welcher Schublade sie bezgl. des SekI-Abschlusses landen.

  21. @ GriasDi 28. Januar 2020 At 17:02

    Mir sind keine Studien bekannt, die Zweifel an den von Bernd gemachten Aussagen bezüglich der sozialen Kopplung der Bildungswege von Kindern aufkommen lassen.

    Hier zu Untermauerung der sozialen Segregation, die durch das selektive Schulsystem bedingt wird, die vom deutschen Studentenwerk regelmäßig erhobenen Daten:

    Von 100 Akademikerkindern besuchen 83 eine gymnasiale Oberstufe und 17 eine berufliche Schule. Von den Schülern der gymnasialen Oberstufe wechseln 87%, also 72 Kinder, auf die Hochschule. Von den Akademikerkindern, die eine berufliche Schule besuchen, wechseln 40%, also 7 Kinder, auf die Hochschule. Insgesamt wechseln danach von 100 Akademikerkindern 79 auf die Hochschule.

    Von den Kindern von Nicht-Akademikern besuchen 46 eine gymnasiale Oberstufe und 54 eine berufliche Schule. Von den Kindern der gymnasialen Oberstufe wechseln 47%, also 21 Kinder, in die Hochschulen. Von den Nicht-Akademikerkindern, die eine berufliche Schule besuchen, wechseln 10%, also 6 Kinder, auf die Hochschulen. Insgesamt wechseln also von 100 Kindern von Nicht-Akademikern 27 auf die Hochschulen.

    Der Bildungstrichter zeigt auch, dass der nicht gymnasiale Zugang auf die Hochschulen ebenfalls stark vom sozialen Hintergrund abhängig ist: Bei den Akademikerkinder wählen diesen Weg 40% und bei den Nicht-Akademikerkindern lediglich 10%.

    Das vielfach gepriesene Nachholen von Bildungsabschlüssen für Kinder aus bildungsferneren Schichten schließt also nicht die soziale Schere, sie wird eher vergrößert.

    Datenquelle: Deutsches Studentenwerk/Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, Sozialerhebung; Deutsches Zentrum für Hochschul- und Wissenschaftsforschung, Studienanfängerbefragungen; Statistisches Bundesamt, Mikrozensus

    • Als Mathematiker, verehrter Herr Möller, sollten Sie den Unterschied zwischen Zufall, Korrelation und Kausalität kennen. Auch wissen Sie, dass „Aus A folgt B“, „Aus nicht A folgt nicht B“, „Aus B folgt A“ usw. nicht gleichwertig sind.

      Wieso sollen eigentlich die sozial höheren Schichten die niedrigeren Schichten „aufnehmen“, wenn im Gegensatz dazu von den sozial niedrigeren Schichten keinerlei Eigenarbeit erwartet wird?

      • Tja, warum sollen wohl Stärkere Schwächeren helfen?

        Könnte mit dem Grundgesetz zu tun haben, Herr Staatsbediensteter. Vielleicht sollten Sie sich doch mal damit beschäftigen, für wen Sie arbeiten.

        Ein Blick in Wikipedia dürfte fürs Erste reichen:

        „Als Sozialstaatsprinzip (teilweise auch: Sozialstaatsgebot oder Sozialstaatspostulat) wird der verfassungsrechtliche Auftrag in Art. 20 Abs. 1 des Grundgesetzes bezeichnet, nach dem die „Bundesrepublik Deutschland […] ein […] sozialer Bundesstaat“ ist. Gemäß Art. 28 Abs. 1 Satz 1 GG werden die Bundesländer an die Grundsätze des sozialen Rechtsstaates gebunden. Aber auch außerhalb des Art. 20 GG bestehen im Grundgesetz Vorschriften, die normative Grundlagen des Sozialstaatsprinzips bilden, so beispielsweise die Sozialpflichtigkeit des Eigentums nach Art. 14 GG oder der Schutz- und Fürsorgeanspruch der Mutter gegenüber der Gemeinschaft nach Art. 6 Abs. 4 GG. Die Sozialstaatlichkeit ist durch die sogenannte Ewigkeitsklausel (Art. 79 Abs. 3 GG) vor Verfassungsänderungen gesichert.

        Die sozialstaatliche Aktivität des Staates bezeugt sich durch den Katalog der Gesetzgebungskompetenzen in Art. 74 GG, die öffentliche Fürsorge ist in Art. 74 Abs. 1 Nr. 7 GG verbrieft und nimmt mangels konkret definierter Spezialzuständigkeiten in einer Vielzahl von Fällen die Stellung einer Generalklausel ein. Zum Zwecke der Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse im Bundesgebiet, verankert einerseits Art. 72 GG die Unitarisierung und folglich eine soziale Gleichbehandlung der Bürger, andererseits wird die Finanzwirtschaft über das Grundgesetz verpflichtet, das gesamtwirtschaftliche Gleichgewicht zu fördern und unterschiedliche Wirtschaftskräfte auszugleichen.

        (…)

        Das Sozialstaatsprinzip verpflichtet deshalb die öffentliche Gewalt, also den Gesetzgeber, die Rechtsprechung und die Verwaltung dazu, nach sozialen Gesichtspunkten zu handeln und die Rechtsordnung dementsprechend zu gestalten.“

        Wenn Ihnen das zu kompliziert ist, empfehle ich, mal beim Sankt-Martins-Zug mitzulaufen.

        Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialstaatsprinzip

      • Vielen Dank, dass Sie die Aufgaben des Sozialstaates zitieren, der im Übrigen durch die mittleren und hohen Einkommen über die Steuern und Abgaben finanziert wird. Insofern tun die „oberen Schichten“ schon eine ganze Menge für die „unteren Schichten“. Ich wiederhole meine Frage etwas zugespitzter oder wie Sie meinen rassistischer:

        Wieso sollen die einheimischen Gutverdienerkinder die migrantischen Schlechtverdienerkinder ohne Gegenleistung als gleichberechtigt aufnehmen, wenn gleichzeitig die Migrantengruppen von Ihnen, Bernd, unbehelligt ihre Parallelstruktur bilden dürfen und Einheimische bewusst ausschließen?

      • @ xxx 30. Januar 2020 At 14:25:
        Was sollen denn die völlig zusammenhanglosen trivialen Belehrungen über Aussagenlogik, Herr Obermathematiker.
        Nehmen Sie doch lieber Stellung zu den Fakten aus dem Bildungstrichter.

          • Nochmals übrigens, xxx:

            Was sind denn Ihrer Meinung nach Kausalitäten?
            Kann es die in empirischen Wissenschaften (somit auch in der Physik) überhaupt geben?.
            Ich halte es da mit K.R. Popper: Theorien sind nur zu falzifizieren und nicht zu verifizieren. D.H. wir können uns der Wahrheit von Theorien nur durch Bewährung unserer Überprüfungen nähern.

            Ihr Verweis auf den Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität kommt immer dann ins Spiel, wenn Ihnen empirische Befunde nicht passen (s.o. zum Bildungstrichter).

  22. Noch ein Zusatz zu GriaDi (15:33)
    Sie schreiben:
    „In manchen Studien (unter anderem der Pisa-Studie) wird konstatiert, dass “entgegen weit verbreiteter Vorstellungen das Gymnasium die sozial heterogenste Schulform ist”.“

    Diese Aussage ist richtig, aber auch trivial.
    Natürlich sind am Gymnasium auch Schüler aus unteren Sozialschichten neben den anderen Sozialschichten vertreten.
    Diese soziale Bandbreite findet man in einem sozial selektiven System natürlich nicht an Haupt- und Realschulen. Lediglich an Gesamtschulen gibt es noch eine hohe Heterogenität, wobei allerdings die Spitzen der Sozialschichten kaum (nicht) vertreten sind und somit nicht die Heterogenität der Gymnasien erreicht wird.

    Die hohe soziale Heterogenität an Gymnasien ist somit eine Folge des selektiven Schulsystems.

  23. @ PseudoPolitiker 30. Januar 2020 At 11:13 :

    Welche Märchen werden denn über Finnland erzählt? Geht es vielleicht etwas differenzierter?
    Gruß Gerd Möller

  24. Es ist nicht mehr zu ertragen. Gerade jetzt im Homelearning können einige Schüler dem Geschehen überhaupt nicht mehr folgen.
    Aus meiner Sicht ist der Hauptgrund im Fach Deutsch zu suchen. Viele Kinder an der RS verstehen in Klasse 5 gar nicht, was die Lehrer eigentlich wollen. Das beginnt bei einfachsten ARBEITSAUFTRÄGEN. Dieses Problem zieht sich dann durch alle Fächer. Aber auch in Mathematik sind Kompetenzen aus 3/4 nicht vorhanden. Wo soll denn das hinführen? Wenn es jedes Kind eine Chance bekommen soll? Das ist einfach nur ungerecht für alle anderen.

    Schlechte Noten und Gespräche führen auch zu keinem Umdenken der Eltern. Kaum ein Schüler wechselt die Schule. So werden sie halt mitgeschliffen“. Das stört aus meiner Sicht aber auch die Lernqualität der ordentlichen Schüler. 1-2 sind kompensierbar, aber es sind unlängst 5-6 solcher Schüler geworden. Aber das Bildungsystem will es so. Ein Umdenken ist nicht in Sicht.

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