Karliczek fordert: Lehrer für digitalen Unterricht weiterbilden – VBE: „Leere Worte“

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BERLIN. Zum «Safer Internet Day» an diesem Dienstag hat sich Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) für mehr Medienbildung in den Schulen ausgesprochen. Die Medienkompetenz der Schülerinnen und Schüler sollte verstärkt gefördert werden, sagte sie im Gespräch. «Insbesondere die Lehrerinnen und Lehrer sollten hier weitergebildet werden.» Scharfe Kritik an solchen „leeren Worten“ kam hingegen vom VBE.

Zeigt sich optimistisch: Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Foto: BMBF / Laurence Chaperon
Macht sich für Medienbildung stark – aber auch stark genug? Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU). Foto: BMBF / Laurence Chaperon

Karliczek verwies darauf, dass es bei der täglichen Informationsflut oft schwierig sei, Meinungen und Fakten zu unterscheiden. «Influencer und Idole können dabei Meinungen lenken. Kinder und Jugendliche kommen oft gar nicht auf die Idee, kritisch nachzufragen und andere Sichtweisen zu recherchieren», sagte sie weiter. Moderner Unterricht müsse den kritischen Blick der Schüler schärfen. «Wir müssen sensibler dafür werden, wie im Internet mit der Wahrheit umgegangen wird und Meinungen sowie Trends gemacht werden.»

„Ausstattung der Schulen mangelhaft“

Verbandschef Udo Beckmann bemerkte süffisant: „Es ist wirklich interessant zu lesen, dass es bei Politik und Gesellschaft eine hohe Aufmerksamkeit für die Themen Medienkompetenz von Schülerinnen und Schülern und die dafür notwendige Fortbildung von Lehrkräften gibt. Ich wünschte bloß, dass all dies keine leeren Worte wären. Der VBE weist, belegt durch Zahlen repräsentativer Umfragen, seit mehreren Jahren darauf hin, dass die Ausstattung in den Schulen mangelhaft ist und quantitativ und qualitativ nicht ausreichend Fortbildungen angeboten werden. Die Frage bleibt: Wann folgen den wohlmeinenden Worten von heute die notwendigen Taten?“

Nach jahrelangem Ringen wurde 2019 der fünf Milliarden schwere Digitalpakt vom Bund bereitgestellt. Dieser dient auch dazu, die bereits 2016 aufgestellte Digitalstrategie der KMK umzusetzen. Hier wurde formuliert: „Ziel ist dabei, dass alle Schülerinnen und Schüler, die zum Schuljahr 2018/19 in die Grundschule eingeschult werden oder in die Sekundarstufe I eintreten, bis zum Ende der Pflichtschulzeit die in diesem Rahmen formulierten Kompetenzen erwerben sollen.“ Allerdings zeigte eine Umfrage des „Tagesspiegel“ (News4teachers berichtete), dass sieben Monate nach Beschluss des Digitalpakts in manchen Bundesländern kein einziger Antrag bewilligt worden ist.

Ergebnisse der Schulleiter-Umfrage bestätigt sich

„Und so bestätigt sich das Ergebnis der von uns 2019 in Auftrag gegebenen, repräsentativen forsa-Umfrage unter Schulleitungen (News4teachers berichtete, d. Red.), dass es nur an einem Drittel der Schule Klassensätze an digitalen Endgeräten für Schülerinnen und Schüler gibt sowie ebenfalls nur an einem Drittel die Internet-Infrastruktur vorhanden ist. An Fortbildungen haben erst zwei Drittel der Lehrkräfte teilgenommen. Und das Schlimmste: Nur 20 Prozent der Schulleitungen berichten, dass sich Lehrkräfte ihrer Schule Kenntnisse zum Umgang mit digitalen Endgeräten in der Lehrkräfteausbildung aneignen konnten. Das Lob der Medienkompetenz und die großen Worte verkommen anhand dieser Ergebnisse zu Makulatur“, so Beckmann.

Der «Safer Internet Day» ist ein weltweiter jährlicher Aktionstag, an dem Behörden und Organisationen auf Sicherheitsthemen im Netz hinweisen und versuchen, das Bewusstsein der Nutzer für einen vorsichtigeren Umgang mit ihren Daten zu schärfen. News4teachers / mit Material der dpa

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Fährt die Politik die Digitalisierung der Schulen vor die Wand? Es hakt bei der Lehrerausbildung, es hakt beim Digitalpakt

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2 KOMMENTARE

  1. Ich lese immer : Endgeräte. Es ist hier sicherliche allen klar, ein Blick in die Förderrichtlinien wird das bestätigen, dass die Anschaffung von Endgeräten über den Digitalpakt noch weniger als sekundär ist. Es wird in einigen Ländern schon auf die Schulträger gezeigt, die müssten doch….
    Es wird also Internet in jedem Unterrichtsraum geben, Anschlüsse für dies und das, hier und da mal ein Gerätchen. Und das war es.
    In 4 Jahren dann mal den Blick darauf wenden, an welchen Schulformen dann Endgeräte nachträglich angeschafft worden konnten. Da schavant mir auch sozial unschiefes.
    Ne, ne, das wird so nix, da ist noch nicht einmal ein Wurm drin, da wollte keiner rein.

    • Internet in jedem Unterrichtsraum – mit genug Datenrate, damit auch alle Klassen etwas abrufen können – wäre doch schon mal ein Anfang.

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