Schulleiter-Umfrage zum Stand der Digitalisierung: An zwei von drei Schulen müssen immer noch einzelne Lehrer die Technik warten

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BERLIN. Nur an jeder dritten Schule in Deutschland gibt es wenigstens einen Klassensatz an digitalen Endgeräten für die Schülerinnen und Schüler. Entsprechendes gilt für  schnelles Internet und WLAN in allen Klassen- und Fachräumen. Andersherum: Ein Drittel der Schulen hat keinen einzigen dienstlichen Computer für ihre Lehrkräfte, ebenso viele keine dienstliche E-Mail-Adressen. Dies sind Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter Schulleitungen in Deutschland, die der VBE in Auftrag gegeben hat. „Wenn sich die Digitalisierung an Schulen in der gleichen Geschwindigkeit vollzieht wie in den letzten 5 Jahren, werden wir erst 2034 erreicht haben, dass es an allen Schulen einzelne Klassensätze an digitalen Endgeräten gibt. Damit führt sich die Politik selbst vor“, sagt VBE-Chef Udo Beckmann.  

Lehrersache? Das Netz einer digital gut ausgestatteten weiterführenden Schule entspricht dem eines mittelständischen Betriebs. (Symbolfoto) Foto: Shutterstock

Zwar werden durch den Digitalpakt vom Bund innerhalb der nächsten 5 Jahre 5 Milliarden Euro investiert, der tatsächliche Bedarf liegt laut Studien jedoch deutlich höher. So errechnete unter anderem die Bertelsmann Stiftung, dass es jährlich 2,8 Milliarden Euro bedarf. Hierzu passe, so meint der VBE, dass die Kreditanstalt für Wiederaufbau in ihrem Kommunalpanel für 2018 insgesamt einen Investitionsstau an Schulen von bundesweit 47,7 Milliarden Euro attestiert.

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Deshalb fordere der VBE von der Politik, endlich die entsprechenden Gelingensbedingungen bereitzustellen. Beckmann führt aus: „Um den an Schule gestellten Ansprüchen gerecht zu werden, braucht es endlich mehr als Sonntagsreden und einzelne Leuchtturmprojekte. Was in der Breite funktionieren soll, muss auch in der Bandbreite der Möglichkeiten der Schulen gefördert werden. Neben den Geldern des Bundes für den Digitalpakt braucht es dafür kräftige Investitionen der Länder und Kommunen.“

Die bundesweit repräsentative forsa-Umfrage unter 1.232 Schulleitungen allgemeinbildender Schulen wurde heute im Rahmen einer telefonischen Pressekonferenz vorgestellt. Danach gleichen einige Lehrkräfte die fehlende Ausstattung dadurch aus, dass sie die Methode „Bring your own device“ nutzen, wobei Schülerinnen und Schüler eigene digitale Endgeräte für den Unterricht einsetzen. Dies passiert an kaum einer Grundschule, jedem zweiten Gymnasium und jeder dritten anderen Sekundarschulform.

Der VBE Bundesvorsitzende sagt dazu: „Wir verstehen das Bemühen der Lehrkräfte, trotz fehlender Infrastruktur Medienkompetenz zu vermitteln und im Unterricht neue Anreize durch die Erweiterung des Methodenmix mittels digitaler Medien zu setzen. Der VBE setzt sich aber für die Unabhängigkeit des Bildungserfolgs vom sozio-ökonomischen Status der Eltern ein. Dies wird mit der Methode ‚Bring your own device‘ konterkariert. Wenn 70 Prozent der Schulleitungen sagen, dass einzelne Kinder kein Gerät haben und die Hälfte sagt, dass die Gefahr des Mobbings steigt, darf das nicht ignoriert werden. Digitalisierung gibt es nicht zum Nulltarif. Die Politik ist für die Ausstattung der Schulen verantwortlich. Niemand sonst!“ Außerdem sehen es 63 Prozent der Schulleitungen als zu hohe Anforderung für Lehrkräfte an, auf unterschiedlichen Geräten unterschiedliche Systeme zu erklären.

Zudem wurden die Schulleitungen danach befragt, wer sich an der Schule um die Wartung der IT-Ausstattung kümmere. An zwei von drei Schulen sind dies einzelne Lehrkräfte, was einem Rückgang um 10 Prozentpunkte im Vergleich zu 2014 entspricht. „Nicht nur im Kontext des Lehrermangels setzen wir uns dafür ein, dass Lehrkräfte von diesen Tätigkeiten entbunden und professionell dafür ausgebildete Personen damit betraut werden. Dies passiert nur an 59 Prozent der Schulen. Ein unhaltbarer Zustand“, sagt Udo Beckmann.

Schulleiter fühlen sich allein gelassen

Mit Blick auf die EU-Datenschutzgrundverordnung geben über zwei Drittel der Schulleitungen an, dass sie bei der Umsetzung weitestgehend auf sich gestellt waren und dass durch die Umsetzung der Verordnung ihr Arbeitsaufwand langfristig gestiegen ist. Beckmann dazu: „Die Politik darf sich nicht aus der Verantwortung ziehen. Neue Aufgaben bedürfen zusätzlicher Ressourcen oder klarer Ansagen, welche der bisherigen Aufgaben wegfallen oder anders organisiert werden können.“

Überhaupt ist die adäquate Vorbereitung der Lehrkräfte noch immer eine große Herausforderung. 72 Prozent der Lehrkräfte bilden sich privat fort, 65 Prozent konnten an Fort- und Weiterbildungen teilnehmen und 58 Prozent haben sich mithilfe von anderen Lehrkräften die notwendigen Kenntnisse angeeignet. Beckmann macht deutlich: „Fortbildung ist kein Privatvergnügen. Wenn die Politik möchte, dass nicht nur Smartboards aufgehängt werden, sondern durch die Nutzung digitaler Endgeräte ein tatsächlicher pädagogischer Mehrwert entsteht, müssen in Zusammenarbeit von Praxis und Wissenschaft tragfähige Konzepte erforscht werden. Dementsprechend müssen alle Lehrkräfte, innerhalb der Dienstzeit, an, von staatlicher Seite angebotenen und bezahlten, qualitativ hochwertigen und stetig evaluierten und optimierten Fortbildungen teilnehmen können.“ News4teachers

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