Abiturientin wollte Prüfungen wegen Corona verschieben – Gericht lehnt ab

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BERLIN. Dass die Angst vor Ansteckung kein Grund ist, das Abitur zu verschieben, machte schon vor Tagen ein Gericht klar. Nun ist auch klar: Erschwertes Lernen in einer zu kleinen Wohnung reicht ebenfalls nicht aus, den Prüfungen zu entgehen.

Das Gericht hat entschieden – vorerst allerdings nur. Foto: Shutterstock

Erneut ist der Eilantrag einer Berliner Schülerin gegen ihre anstehenden Abiturprüfungen von einem Gericht abgewiesen worden. Die Schülerin eines Gymnasiums hat demnach kein Recht auf eine Verschiebung des Abiturs, nur weil in der Corona-Krise ihre Lernbedingungen zu Hause besonders ungünstig sind. Das entschied das Verwaltungsgericht Berlin, wie am Dienstag mitgeteilt wurde. Gegen den Beschluss kann Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg eingelegt werden.

Nicht die gleichen Chancen wie ihre Mitschüler

Die erste schriftliche Prüfung der Schülerin ist demnach für diesen Freitag angesetzt. Sie lebt mit ihren Eltern und einem Bruder in einer 2,5-Zimmer-Wohnung und argumentierte, ihre Konzentrationsfähigkeit sei wegen der Geräuschbelastung durch ihre Familie deutlich gestört. Sie habe nicht wie geplant in einer Bibliothek lernen können, verfüge über keinen eigenen Computer und habe sich auch nicht mit Mitschülern austauschen können. Daher habe sie nicht die gleichen Chancen und Voraussetzungen wie ihre Mitschüler.

Das Gericht betonte in seiner Ablehnung, die Situation der Schülerin sei kein besonderer Ausnahmefall. Die strengen Corona-Regelungen stellten viele Familien vor schwierige Herausforderungen. Wie auch in anderen Lebensbereichen könnten jedoch keine identischen Bedingungen gewährleistet werden. Dazu zähle auch das Problem, dass Schüler mit einem eigenen Zimmer oder einem eigenen Computer bessere Bedingungen zur Prüfungsvorbereitung hätten. Vorbereitungstreffen und das Lernen außerhalb der Wohnung seien für alle Abiturienten nicht erlaubt. Auch der Verweis auf die «pandemiebedingte Stresssituation» reiche nicht aus, um das Abitur zu verschieben, weil Stress und Ängste vor Prüfungen zum individuellen Risiko gehörten.

Nach fünf Wochen Schließung waren die 14.600 Berliner Abiturienten die ersten Schüler, die in dieser Woche nach und nach wieder in ihre Schulen zurückkehrten. Die Abiturprüfungen werden in etwa 150 Schulen abgehalten. Um eine Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus zu minimieren, müssen sich alle Beteiligten an zahlreiche Abstands- und Hygieneregeln halten.

Streit um die Abitur-Prüfungen

Die Durchführung der Abitur-Prüfungen war zuletzt heftig umstritten (News4teachers berichtete). Der Landesschülerausschuss machte wochenlang Front und forderte ein Abitur ohne Abschlusstests. Viele Schüler seien in der Corona-Krise verunsichert und hätten sich zu Hause nicht richtig vorbereiten können. Andere hätten gesundheitliche Bedenken. Etwa 220 Schüler sollen auf juristischem Wege gegen die Prüfungen vorgehen.

Am vergangenen Freitag hatte das Verwaltungsgericht die Klage einer Schülerin abgewiesen und festgestellt, dass die Prüfungen mit den Abstands- und Hygieneauflagen durchgeführt werden könnten (News4teachers berichtete). dpa

Abiturprüfungen mit 1,50 Meter Abstand – und viel Aufwand für Reinigung und Desinfektion

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