Überlastet! Lehrerverband fordert, Lehrer aus der Notbetreuung abzuziehen

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MÜNCHEN. Der Bayerische Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV) kritisiert das Vorhaben der Staatsregierung, auch in den Pfingstferien an den Grund-, Förder- und Mittelschulen eine Notbetreuung anzubieten. Viele Schulen hätten bereits jetzt Personalprobleme, da Lehrkräfte, die einer Risikogruppe angehörten, ausfielen, schrieb der BLLV in einer Pressemitteilung. Er fordert, Lehrkräfte überhaupt aus der Notbetreuung herauszunehmen.

Lehrkräfte sind in der Notebetreung gefordert. Foto: Shutterstock

«Unsere Lehrerinnen und Lehrer haben mit höchstem Einsatz seit Beginn der Corona-Krise unter schwierigsten Bedingungen ein schulisches Angebot für die Schülerinnen und Schüler aus dem Boden gestampft und aufrecht erhalten», sagte BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann laut Mitteilung. «Jetzt sollen sie nach der Notbetreuung in den Osterferien auch noch in den Pfingstferien eingesetzt werden.» Inzwischen seien viele Lehrkräfte überlastet. Viele von ihnen hätten seit Fasching durchgearbeitet und hätten nun einen Anspruch auf Erholung. «Hier müssen die politisch Verantwortlichen jetzt – für die Pfingst- und Sommerferien – andere Lösungen finden.»

Auch Lehrer und Schulleiter müssen sich erholen

Die Schulen hätten bereits jetzt Personalprobleme, da durch den Wegfall von Lehrkräften, die einer Risikogruppe angehören, die Personaldecke ohnehin schon dünn sei. Die Sicherstellung und ständige Ausweitung der Notbetreuung für Kinder stelle die betroffenen Schulen inzwischen vor nicht mehr lösbare Probleme. Die Lehrerinnen und Lehrer, die den Unterricht live in der Schule und online zu Hause sicherstellen, die zusätzliche Beratungs- und Begleitangebote für Schüler und Eltern bieten und parallel dazu noch die Notbetreuung sichern, sagten: So nicht! „Die Grenze ist jetzt überschritten. Die Lehrerinnen und Lehrer müssen aus der Notbetreuung herausgenommen werden“, so Fleischmann.

Auch Lehrkräfte und Schulleitungen hätten einen Anspruch auf Erholung. Fleischmann: „Wir wollen unsere hohe gesellschaftliche Verantwortung in dieser schweren Zeit annehmen und ernst nehmen. Das geht aber nur, wenn die Grenzen der Belastbarkeit der Kolleginnen und Kollegen geachtet werden. Wir brauchen alle Kolleginnen und Kollegen jetzt und auch noch zum Schulstart im September. Die zweite Krise ist ja nicht weg: der Lehrermangel! Nein, Corona verschärft den Lehrermangel – also: So nicht!“ News4teachers

GEW fordert Notbetreuung auch für Kinder von Lehrern

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36 KOMMENTARE

  1. Und wer fängt es dann wieder auf ? Die Erzieher, Kinderpflwger und Helfer in den Förderschulen, die seit Anfang an die Notbetreuung leisten, die von Anfang an die Lehrkräfte unterstützten ?

    • In Bayern (Grundschule) machten in den Osterferien nur Lehrer Notbetreuung von 8 bis 16 Uhr in Kleingruppen zu 4 Kindern. Während der Schulzeit machen am Vormittag die Lehrer Notbetreuung, am Nachmittag die OGTS- Mitarbeiterinnen, die das normalerweise so oder so machen. In den Pfingstferien, sollte es so kommen, machen wieder ausschließlich Lehrer Notbetreuung. Je nachdem wie viele Kinder kommen, gibt es wieder Parallelgruppen.

    • Bei uns waren all die genannten Personen im Homeoffice oder von den Gemeinden in Kurzarbeit. Alles haben hier die Lehrer abgedeckt.

  2. 0b ein Lehrerverband gut beraten ist,w er jegliche Unterstützung eines Notbetreuungskonzepts in den Pfingstferien verweigert? Der Urlaubsanspruch von Lehrkräften beschränkt sich auf 30 Tage wie in der Wirtschaft auch. Der ist in der Regel mit den Sommerferien abgegolten. Der Hinweis, man müsse während der Pfingstferien korrigieren, fällt dieses Jahr weg, weil in Bayern alle großen Leistungsnachweise entfallen. Und außerdem weiß jeder, dass es auch Lehrkräfte gab, die durch Homeschooling kaum gefordert waren. Diese Verweigerungshaltung kommt in der Elternschaft gar nicht gut an.

    • Was immer gerne vergessen wird. Die restlichen ‚freien‘ Tage in den Ferien sind der Freizeitausgleich für die von vornherein vorgesehenen Überstunden während der Schulzeit. Es ist durchaus möglich, diesen Freizeitausgleich auszuzahlen, aber… wer bezahlt das dann? Richtig, die Lehrkräfte in den seltensten Fällen. Höhere Abgaben kommen bei der Elternschaft sicherlich auch nicht gut an.

    • Die Notbetreuung betrifft eher die Grundschulen. Fast alle von uns sind Klassenlehrer. Für das Homeschooling hatte ich eine ca. 60Stundenwoche. Meine Kolleginnen berichten ähnliches, sie sagten, teilweise noch mehr. Am Homeschooling hängt in der Grundschule vieles dran. Manche Kolleginnen fahren schon allein drei Stunden lang Arbeitsmaterialien für die Klasse aus. Es werden Erklärvideos gedreht und regelmäßig Dinge eingefordert, es gibt viele Mail- und Telefonkontakte. Das alles muss erledigt werden. Wer Homeschooling nicht durchgeführt hat, kann sich das wohl schlecht vorstellen.
      Der BLLV ist ein Lehrerverband, in dem hauptsächlich für die Grund- und Mittelschullehrer organisiert sind, wo das Klassenlehrerprinzip vorherrscht.

      • „Manche Kolleginnen fahren schon allein drei Stunden lang Arbeitsmaterialien für die Klasse aus.“ Das haben bei uns alle Klassenlehrer gemacht (Geld von der Gemeinde für Briefmarken – Fehlanzeige!). Die Benzinkosten können wir uns auch nicht rückerstatten lassen. Wir alle nutzen unseren privaten PC, privates Material … die Liste ließe sich endlos fortsetzen. Die Bedingungen an den Grundschulen ähneln in Teilen dem informellen Wirtschaftssektor.

    • 30 Tage der Ferien sind regulärer Urlaub, alle anderen Tage dienen dem Abbau der als selbstverständlich vorausgesetzten Überstunden. Wenn jetzt nach den Oster- auch noch die Pfingstferien zur Dienstpflicht erklärt werden, kommt das einer ersatzlosen Streichung dieser Überstunden gleich.

    • Aha. Diese Einzelfälle, welche weniger getan haben, gibt es bestimmt. Aber da zu dir offenbar noch nicht durchgedrungen ist, dass in Ferien auch die Mehrarbeit zwischen den Ferien abgegolten wird, explizit nochmal für dich:

      Wer nicht 40 Stunden arbeitet, sondern eher 46 bis 50 Stunden in der Woche, auch in diesen Zeiten, der hat jedes Recht darauf, diese Mehrarbeit in den Ferien „abzubummeln“. Der Urlaubsanspruch kommt da noch drauf.

      Und einige lesen da eine Verweigerungshaltung, andere, die tiefee in der Materie stecken, Gesundheitsschutz.

    • Weiß das jeder?

      Offenbar wissen manche nicht, dass HomeOffice keine Freizeit ist, ebenso wie „Sommerferien“ für Lehrkräfte nicht gleichbedeutend mit „Urlaub“ sind und darüber der Urlaubsanspruch nur abgegolten wäre, wenn die Arbeit wirklich für die 6 Wochen eingestellt würde.
      Dies entspricht aber nicht der Tatsache. Auch sonst ist in den Sommerferien einiges an Arbeit zu erledigen. Warum das in diesem Sommer anders sein sollte, erschließt sich mir nicht.

      Wie es wohl wäre, wenn man denen in der Wirtschaft, die auf 30 Tage Urlaub bestehen, diesen (samt Urlaubsgeld) wie auch ihren Überstundenausgleich streichen würde und sie in dieser Zeit stattdessen unentgeltlich zu gemeinnütziger Arbeit verpflichten würde?

    • Diese, wie Sie es nennen, kaum Geforderten finden sich aber bestimmt nicht in den GS und HS, wo aufgrund des Klassenlehrerprinzips fast jeder eine Klassenleitung hat und die SuS ein besonderes Betreuungsbedürfnis und viele Erklärungen nötig haben. Und vermutlich geht es in erster Linie um diese Schulformen bei der Notbeteuung.

    • Aber nicht die regelmäßig anfallenden Mehrarbeitsstunden.
      Im Gegensatz zu anderen Beschäftigten bibt es im System Schule keine Arbeitszeiterfassung. Die Länder legen als Arbeitgeber fest, dass mit Ableistung eines vollen Wochenstundendeputats die wöchentliche Arbeitszeit abgegolten ist. Für Grundschullehrkräfte und Lehrkräfte an Haupt- und Realschulen in NRW sind das z.B. 28 Unterichtsstunden a 45 Minuten bei einer Vollzeitstelle und einem Alter unter 55 Lebensjahren.
      Der Arbeitgeber unterscheidet nicht zwischen verbeamteten und tarifbeschäftigten Lehrkräften.
      Des Weiteren setzt er die 45 Minuten einer Arbeitszeit von einer Stunde gleich und gewährt für Vor- und Nachbereitung einen Anrechnungsfaktor von 1,5. Die wöchentliche Arbeitszeit ergibt sich somit rechnerisch zu 28 mal 1,5 = 42 Zeitstunden je Woche. Diese Arbeitszeit bezieht sich auf die gemäß Stndenplan im Unterricht mit Schülern verbrachte Zeit einschließlich einer Pauschale für die Vor- und Nachbereitung. Nicht enthalten sind alle anderen Tätigkeiten wie Konferenzen, Elternarbeit, Zeitaufwand für die Organisation und Durchführung von Wanderfahrten und Wandertagen sowie Exkursionen etc.
      Darüber hinaus hat jede Vollzeitlehrkraft noch mindestens 3 Aufsichten unentgeltlich zu erbringen sowie bis zu 3 zusätzliche Vertretungsstunden je Monat, ohne dass diese als Mehrarbeitsstunden gesondert abgerechnet werden können. Ein Anspruch auf Abrechnung der Mehrarbeit besteht erst ab der dritten im Monat geleisteten Mehrarbeitsstunde. Innerhalb eines Monats werden die geleistteten mehrarbeitsstunden mit Minusstunden, die durch Freisetzungen entstehen verrechnet. Beispiel, eine Klasse die man in einem Fach unterrichtet ist an einem Tag unterwegs zu einem Theaterbesuch (Exkursion). Deshalb fällt z.B. Mathe aus, der Mathe-Lehrer, der diese Klasse an diesem Tag unterrichten hätte müssen, bekommt also 2 Minusstunden angeschrieben, da die Klase ja nicht da war – er also frei gesetzt war. Wird er in der Zeit für Vertretung eingesetzt, reduziert sich die zahl der Minusstunden. Minusstunden können nicht in den jeweils folgenden Monat übertragen werden.

      Da ja nur die Zeiten vor Schülern auf die Wochenarbeitszeit angerechnet werden, erklärt der Arbeitgeber die unterrichtsfreien Tage, die über den Urlaubsanspruch hinausgehen, pauschal zu Freizeitausgleich. Das sind übrigens gar nicht so viele. Das Schuljahr hat abzüglich von 13 Ferienwochen eingeschlossen die beweglichen Feiertage 40 Unterrichtswochen zu 5 Tagen. Von diesen 200 Unterrichtstagen entfallen dann noch die gesetzlichen Feiertage, die nicht in einen Ferienzeitraum fallen. Das sind aber nur der 1. Mai, Christihimmelfahrt, Fronleichnam, 3. Oktober und Allerheiligen. Alle anderen gesetzlichen Feiertage fallen in Ferienzeiträume, hin und wieder sogar der 3. Oktober.

      Für Lehrkräfte heißt das von den 13 Wochen unterrichtsfreier Zeit, also 65 Tagen müssen zunächst einmal 30 Tage gesetzlicher Urlaubsanspruch abgezogen werden. Dann kommen noch 3 Vorbereitungstage zu Beginn eines Schuljahres gem. Erlasslage, der 1. Januar, Karfreitag, Ostermontag, Pfingstmontag, Heiligabend, 1. und 2. Weihanschtsfeuertag, Sylvester und der 1. Januar , das ergibt eine Differenz (65 minus 30 minus 3 minus 9) von über die Jahre gerechnet (hin und wieder fällt ein Feiertag auf ein Wochenende) annähernd 20 zusätzlichen Tagen, die als Freizeitausgleich gewährt werden. Rechnerisch sind das um die 130 Arbeitsstunden (4 Wochen a 28 Wochenstunden), die als Freizeitausgleich für Mehrarbeit, die in den Unterichtswochen anfällt gewährt wird. 39 Unterrichtswochen zu 5 Schultagen ergibt rund 190 Unterrichtstage. Auf jeden Unterrichtstag kommen folglich 130 durch 190 annähernd 42 Minuten – also eine zusätzliche Schulstunde – als Freizeitausgleich für geleistete Mehrabeit hinzu. Bei diesem Arbeitszeitmodell sind „Freistunden“, die im lehrerzimmer abgesessen werden, innerhalb eines Schultages nicht berücksichtigt. Es sind Unterbrechungen der Arbeitszeit, die wie z.B. bei Köchen mit geteiltem Dienst, die als Pausen angerechnet werden.

      Wäre das Entgeltsystem für Lehrkräfte zulasten des Steuerzahlers, die Länder hätten bereits reagiert. Sie fürchten nämlich in Bezug auf die Lehrerschaft die Umsetzung des entsprechenden Urteils zur Arbeitszeiterfassung des EuGH wie der „Teufel das Weihwasser.

    • Da ist jemand sehr schlecht informiert.
      Lehrer haben in den Sommerferien nicht sechs Wochen Urlaub !!!!!
      Das ist unterrichtsfreie Zeit, in der die Lehrkräfte das neue Schuljahr vorbereiten
      Und die Herrschaften aus der Wirtschaft arbeiten auch im Urlaub nicht und kassieren dafür noch um einiges mehr Geld. Da ist Kritik wohl völlig fehl am Platz.

  3. Franzi, ich glaube nicht dass sie es beurteilen können, wie viel wann und wie gearbeitet wird von Lehrkräften. Es grenzt langsam an Unverschämtheit wie, egal in welchen Medien, über Lehrer im allgemeinen dauergeurteilt wird. Ich leiste weit mehr als mein Deputat vorsieht und das schon immer. Ich liebe meinen Job und war auch in den Osterferien in der Schule, wie viele andere Kollegen. Ich war seit der Schulschließung auch häufig das ganze Wochenende beschäftigt, um neben analogen Material auch digitales zu erstellen oder gar das ganze Klassenzimmer für die neuem Maßnahmen umzubauen. Dazu laufe ich den Eltern wegen der kleinsten Dingen einzeln nach. Ich bin unter der Woche von morgens bis abends telefonisch erreichbar für meine Schülereltern und beantworte jede Email (von denen manche unnötig wären, wenn die Eltern die Informationen alle lesen würden die ich schicke.
    Doch bei all dem Lehrerbashing kann ich mich ja ab jetzt zurücklehnen und nichts mehr tun. Denn ich bin ja sowieso eine faule Sau. Warum dann nicht das Urteil annehmen und nichts mehr tun.
    Vielen Dank an all die Ärzte, Mütter und sonstigen Menschen, die mir meinen Beruf erklären. Dann werde ich dich ab jetzt einfach den Job so machen wie sie ihn beschreiben.

    • Liebe OlleSchachtel, mir ist nicht aufgefallen, dass in den Medien „über Lehrer im allgemeinen dauergeurteilt wird“, das war und ist nach meiner Beobachtung nur bei news4teachers der Fall. Hier habe ich mich in letzter Zeit manchmal gefragt, was es soll, ständig und krampfhaft Stimmen zu suchen und zu finden, über die sich die Lehrer dann aufregen (mussten).

      Es ist auch eine Sache redaktioneller Dramaturgie, welcher Eindruck vermittelt wird. Ebenso verhält es sich mit den Kommentaren. Als Folge der Artikel gab es unzählige Beiträge, in denen sich Lehrer falsch beurteilt fühlten und deshalb bemüßigt, ihrem Frust und Ärger Luft zu machen, ihr Engagement und ihre Überlastung detailliert zu schildern sowie die Berechtigung ihrer Annahme nachzuweisen, sie seien die am meisten vom Corona-Virus bedrohten Menschen. Für diese Befürchtung gab es dann auch wieder spezielles Futter. Nur Virologen wurden als wahre Propheten und Kenner der Materie anerkannt, die vor Schulöffnungen und den Lebensgefahren für die Lehrkräfte warnten. Wer sachlich anderer Meinung war, wurde beschimpft oder verhöhnt und als Lehrerfeid dargestellt. Dies spielte sich dann weitgehend in den Kommentaren ab.

      Fragen Sie sich selbst, woher Sie den Eindruck haben, dass in den Medien „über Lehrer im allgemeinen dauergeurteilt wird“. Diesen pauschalen Eindruck habe ich weder von den Medien noch von den „Ärzten, Müttern und sonstigen Menschen“.

      • Sehr geehrte Lena,

        Fakten entziehen sich der von Ihnen unterstellten „redaktionellen Dramaturgie“ – und News4teachers berichtet über Fakten.

        Fakt ist, dass der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, behauptet (es aber nicht belegt), dass eine hohe Zahl von Lehrern aus Angst vor einer Corona-Ansteckung eine Befreiung vom Unterricht in der Schule anstrebt. „Es ist schon unverständlich, dass die Berufsgruppe der Lehrer für sich ein solches Schutzprivileg in Anspruch nimmt.“ Das ist zweifellos ein Pauschalurteil – über das wir berichtet haben: https://www.news4teachers.de/2020/05/versuchen-lehrer-sich-vor-dem-unterricht-zu-druecken-aerzte-behaupten-das/

        Fakt ist auch, dass „Bild online“ (mit 25 Millionen Lesern monatlich das größte Presseorgan in Deutschland) unter der Überschrift „Schüler und Eltern klagen: Corona-Chaos an unseren Schulen“ berichtet hat, dass „Eltern über nicht erreichbare Pädagogen klagen“ würden, und zwar massenhaft. Einziger Beleg für das Pauschalurteil: eine Umfrage, die verkürzt und verzerrend wiedergegeben wurde – wie News4teachers klarstellt: https://www.news4teachers.de/2020/05/wie-die-bild-zeitung-in-der-coronakrise-stimmung-gegen-lehrer-macht-der-neue-vorwurf-ist-ein-alter-freizeit-geht-vor/

        Fakt ist ebenfalls, dass in den vergangenen Tagen etliche Kommentare erschienen sind, die in die gleiche Kerbe schlagen – von der „Welt“ („Liebe Lehrer, euer Versagen ist unser Untergang“), über den öffentlich-rechtlichen SWR („Eltern können von Lehrern doch ein bisschen mehr Aktivität erwarten, oder?“) bis hin zur kleinen hessischen Lokalzeitung HNA, in der ein Hausarzt behauptet – freilich auch, ohne Belege zu liefern: „Viele Lehrer missbrauchen die Corona-Verordnungen“.

        Haben Sie schon mal jemals einen Artikel gelesen, in dem sich ein Lehrer pauschal über Ärzte aufregt, weil eine Untersuchung nicht nach Wunsch verlief? Kein halbwegs seriöses Blatt würde einen solchen Schmonzes drucken. Umgekehrt ist es aber eine gute Story. Warum? Weil sie in der Leserschaft auf fruchtbaren Boden fällt.

        Keine andere Berufsgruppe ist Vorurteilen in der Öffentlichkeit so stark ausgesetzt wie Lehrer. Jeder war schon mal in der Schule – jeder weiß natürlich, wie’s geht. Die eigenen Kinder sind immer toll – und wenn’s in der Schule nicht läuft, kann das dann ja nur die Schuld der Lehrkraft sein. Unterricht ist immer nur von acht bis eins, und drei Monate Ferien gibt’s im Jahr. Also haben Lehrerinnen und Lehrer eigentlich fast immer frei. Kein digitaler Unterricht zack-zack in der Krise parat? Ist natürlich Schuld der Lehrkräfte. Dass die Lehrerverbände sich seit Jahren für eine vernünftige Ausstattung der Schulen einsetzen – bislang vergeblich -, interessiert dagegen kaum jemanden…

        In der Coronakrise, so scheint es, sehen viele Menschen in der Lehrerschaft einen geeigneten Sündenbock, um für die Zumutungen mal Dampf abzulassen. Das sollten Lehrerinnen und Lehrer – die gut zwei Drittel unserer Leserschaft ausmachen – schon wissen, so meinen wir. Auch um persönlich gewappnet zu sein. Wir berichten deshalb immer wieder darüber, wenn besonders öffentlichkeitswirksam Pauschalurteile über Lehrer verbreitet werden, die ihnen in ihrer täglichen Arbeit um die Ohren fliegen könnten. Die müssen wir leider nicht „krampfhaft suchen“, wie Sie behaupten. Gerade in diesen Tagen nicht.

        Mit freundlichen Grüßen
        Andrej Priboschek

        Herausgeber News4teachers

        • Fakt ist auch: 30% der Lehrer arbeiten ausschließlich im Home Office, in Niederachsen laut Kultusministerium ca.20% und Fakt ist auch: in anderen Berufsgruppen, die mindestens ebenso gefährdet sind z.B.Supermarkt oder noch gefährdeter,
          z.B. Kliniken sind nicht 20-30%des Personals zuhause.
          An der Klinik ,an der ich arbeite haben sich bis dato 21 Mitarbeiter bei ihrer Tätigkeit infiziert . Trotzdem kommen wir weiter jeden Tag zur Arbeit und bestehen nicht auf Home Office ( was natürlich auch nicht möglich wäre). Und zwar auch Kollegen ü60 oder mit Bluthochdruck.
          Fakt ist demnach auch: wie in dem Artikel beschrieben nehmen viele Lehrer Privilegien in Anspruch, die andere Berufsgruppen nicht haben bzw.auch nicht fordern und Fakt ist auch: für die Schüler ist das nicht förderlich

          • Fakt ist auch, dass in NRW per Dienstanweisung die Teilnahme von Risikogruppen am Präsenzunterricht ausgesetzt war. Wer trotzdem hingegangen wäre, hätte im Krankheitsfall Probleme mit Beihilfe und Krankenkasse bekommen, von Folgeschäden bei z.B. einem Dienstunfall ganz zu schweigen.
            Und übrigens: Die Mitarbeiter ihrer Klinik haben sich angesteckt, obwohl sie sicherlich in voller Schutzausrüstung unterwegs waren. Lehrer können von zur Verfügung gestellter ( und als notwendig erachteter ) Schutzausrüstung nur träumen…

          • Fakt ist, ich bestehe nicht auf Homeoffice und habe es mir nicht ausgesucht von zu Hause zu unterrichten. Fakt ist auch, wären wir samt Schüler nicht zu Hause geblieben, hätten wir sicher bedeutend mehr Fälle.
            Ach ja und Morgen stehe ich wieder in der Notbetreuung und Nachmittags versorge ich meine Klasse mittels Jitsi und Telefon. Am Wochenende versuche ich den Kindern ein zu meinem Englischthema passendes interaktives Buch zu erstellten, damit nicht zu viel verpasst wird. Gestern habe ich noch die korrigierten Materialien meiner Schüler ausgefahren. Das mache ich gerne, den meine Kinder sind mir wichtig. Blöde Kommentare von Menschen die keine Ahnung haben werde ich ab jetzt übergehen.

          • „wie in dem Artikel beschrieben nehmen viele Lehrer Privilegien in Anspruch, die andere Berufsgruppen nicht haben“… an meiner Grundschule sind alle LehrerInnen vor Ihrer Klasse. Ansonsten weiß ich nicht, von welchen Privilegien Sie sprechen. Wenn es in der heutigen Zeit ein Privileg ist, sich nicht anstecken und erkranken zu müssen, dann müssen wir eher eine gesellschaftliche Diskussion anstoßen und uns fragen, ob wir noch in einer menschlichen Gesellschaft leben? Ich finde es erschreckend und schlimm, wenn sich Menschen von Berufs wegen mit einer Seuche anstecken müssen, gleich in welchem Arbeitsumfeld. Das gehört keinesfalls zum normalen Berufsrisiko.

          • Fakt ist auch, dass in Schulen non-stop große Menschengruppen bei einander sind, ca.5 Stunden lang. Das ist in Kliniken ganz anders.
            Fakt ist auch, dass Bildung auch digital möglich ist und/oder mit Arbeitsmaterialien Zuhause (als Notlösung), es aber entsprechende Notlösungen in einigen anderen Berufen gar nicht gibt, wie Sie selbst schreiben.
            Fakt ist auch,dass das Hauptproblem die Betreuung der jüngeren Schüler ist, die nicht unbeaufsichtigt allein zu Hause bleiben können, wenn die Eltern arbeiten.

      • Liebe Lena,
        …. dieser „Dauergeurteilung“ bist du als Lehrer permanent ausgesetzt. Unterhälst du dich im Freundeskreis, in der Nachbarschaft oder sonstwo über Lehrer in der Coronazeit, musst du dich für Homeoffice erklären. Du wirst trotzdem belächelt. Mich kotz… diese Arroganz dieser Leute an. Mit welchem Recht nehmen sich berufsfremde Menschen heraus meine Lehrerberuf zu kennen und zu beurteilen. Ich würde nie !!! das Homeoffice von anderen in Frage stellen. Oder gibt die Bankangestellte im Homeoffice jetzt zu Hause das Geld raus? Ihr Nichtlehrer seid manchmal so dermaßen platt, wie unser alter Bundeskanzler Schröder, der als Ministerpräsident sagte: „Die Lehrer sind faule Säcke.“

  4. Bei den Eltern gut anzukommen kann ja kein Grund sein. Bei den Eltern kommen Lehrer selten gut an, egal, was man tut…

    Außerdem läuft bis einschließlich 29.5. in Bayern das Abitur. Ich schaffe nicht, das mal eben übers Wochenende zu korrigieren, daher fällt das Argument, man müsse korrigieren nicht einfach weg!!

  5. Es macht mich seit Wochen traurig, ständig diese geringschätzenden Kommentare bzgl des Lehrer Berufs lesen zu müssen. Ich bin eigtl gerne engagiert für meine SuS: geht es um Klassenfahrten, Schulaufführungen oder einfach nur guten, modernen Unterricht. Aber diese Krise und all die damit zusammenhängende Kritik an den Lehrern macht mich fertig. Ich habe selbst 3 Kinder, mit denen ich Homeschooling zu betreiben habe, während ich digitalen Unterricht für meine SuS vorbereitet, Videokonferenzen geführt, Probeaufsätze der Abiturienten korrigiert und Telefonate mit den Familien geführt habe. Während der Pfingstferien sind meine eigenen Kinder nicht betreut – ich muss aber die Abi Erstkorrektur machen, soll auf dem Sportplatz die Abiturienten betreuen, die sich (endlich!) auf die fachprakt. Prüfung vorbereiten dürfen und nun geht es auch noch um die (freiwillige) Notbetreuung der SuS. Nach den Ferien bin ich dauerhaft in Präsenz, während sich meine Kinder im rollierenden System befinden. Die Notbetreuungsplätze an den GS kommen an ihre Grenzen. Lehrer mit Kindern sitzen doch im selben Boot wie alle anderen berufstätigen Eltern! Wann hört man endlich auf, die Lehrer als Sündenbock für die häufig verfehlten bildungspolitischen Entscheidungen des KM hinzustellen…?

  6. Liebe Lehrerkolleginnen und Kollegen,
    Jetzt sind wir doch einfach Mal alle richtig selbstbewusst und stolz! Wir haben ordentlich was gelernt und beruflich viel erreicht! Wir geben in dieser bekloppten Zeit pädagogisch unser bestes!
    Wir haben es nicht nötig uns pausenlos zu rechtfertigen! Wofür auch? Wir sind nicht schuld! An nichts! Ziehen wir uns doch bitte nicht jeden negativen Schuh an, nehmen wir auch nicht jeden unqualifizierten Kommentar persönlich, lassen wir die gesammelten Jammerer, Meckerer, Besserwisser und Klugscheißer doch einfach auflaufen. Nehmen wir diesen Zeitgenossen den Wind aus den Segeln, sollen die sich woanders tummeln , vielleicht finden sie sogar ein anderes Betätigungsfeld …? .Machen wir weiter unsere Arbeit,auch wenn die Umstände durchaus unbequem und unbefriedigend sind. Freuen wir uns, wenn vieles ,wie auch immer, gut läuft, klagen wir nicht über Rückschläge, die gehören dazu. Und gönnen wir NIEMANDEM die Genugtuung des Aufschreis der pädagogischen Empörung , denn: WIR.SIND.NICHT.SCHULD. WIR.HABEN.UNS.NICHTS.VORZUWERFEN!
    Und singen wir mit den musikalischen „Ärzten“ : Lasst die Leute reden …

    • Von mir auch pure Zustimmung, Mama51, und herzlichen Dank!
      Selbstbewusst auftreten durch das Wissen „Lasst die Leute reden, wir sind nicht schuld“ wirkt souverän, überzeugend und schont die Nerven.
      Alles Klagen und Jammern über die Ungerechtigkeit der Welt und zu wenig Anerkennung bringt nichts. Es hat sogar oft gegenteilige Wirkung.
      Deswegen wünsche ich mir manchmal, hier bei n4t würde sparsamer mit Artikeln umgegangen, bei denen man schon ahnt, dass sich viele Lehrer nur verletzt und zur Verteidigung aufgerufen fühlen.

      • Damit alles bleibt, wie es ist?
        Oder damit Lehrkräfte die nächsten Aufgaben übergeholfen kriegen?

        Da kann man am Ende sagen: „Lasst sie reden!“
        und für sich selbst den Schlussstrich ziehen und seinen Dienst ableisten. Fertig.
        Auf den Monat, in dem wir das ALLE mal konsequent umsetzen, warte ich noch.

    • Bei Ärzten und Krankenpflegern wird schon dafür geklatscht dass sie arbeiten. Bei Lehrern, die genauso weiterarbeiten wie vorher – nur eben zu Hause reicht das natürlich nicht aus. Bei Lehrern wird auch noch die Art und Weise wie sie arbeiten beurteilt.

  7. Alle Lehrer sollten einen ausgestatteten Büroarbeitsplatz mit PC, Büchern und Stechuhr haben; dann wird sich zeigen, wie viele Unterrichtsstunden sie – auch je nach Fächern – unterrichten müssen!
    Wie die Finanzbeamten oder die akademischen Räte!

    • Wo ist das Problem? Jede lehrkraft hat die Möglichkeit sich auf eigene Kosten einen solchen Arbeitsplatz in einem „Co-working-space“ anzumieten. Die Kosten lassen sich ja steuerlich als Werbungskosten ansetzen. Fangen Sie endlich einmal an „out-off-the-box“ zu denken und Kreativ zu werden. Stellen Sie per Werkvertrag Arbeitskräfte ein, die an Ihrer Stelle unterrichten. Seien Sie nett zum Hausmeister, dann lässt der Ihre Werkvertragskräfte ggf. auf den Sprungmatten in der turnhalle schlafen. Beharren sie nicht auf Ihren festgefahrenen Vorstellungen, die auch noch mit dem vollalimentierten Beamtenstatus abgefedert werden, und begeben sich einmal in die raue Wirklichkeit und setzen Sie sich dem scharfen wind aus, der auch anderen selbständigen um die Ohren weht. Vor allem hören Sie auf zu jammern …

      Sollte der text Spuren von Ironie enthalten, bitte ich das zu entschuldigen. – Natürlich meine ich das vollen Ernstes:)

    • Genau das ist es, was ich die ganze Zeit schon fordere! Eigener Arbeitsplatz in der Schule! 8-Stunden-Tag mit Stechuhr. Material und PV wird vom Schulträger gestellt. Dann würde es uns allen besser gehen!

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