Viele Eltern wünschen die schnelle Rückkehr zum Schulalltag – aber nicht alle

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BERLIN. Unterricht in Klassenstärke wie vor der Corona-Krise? Viele Eltern finden das gut. Es gibt aber auch Argumente dagegen und Skepsis, wie es nach den Sommerferien weitergeht. Ein Bericht aus Berlin.

Nach wie vor bestimmt das Homeschooling den Alltag vieler Familien. Foto: Shutterstock

Eltern von Schulkindern in Berlin sind geteilter Ansicht über die schnelle Rückkehr zum gewohnten Unterricht. Mehrere Bundesländer haben in den vergangenen Tagen angekündigt, dass die Schüler zumindest an Grundschulen bald nicht mehr getrennt, sondern wieder in voller Klassenstärke unterrichtet werden sollen. Das sei auch aus Sicht vieler Eltern in Berlin richtig, sagte der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise. «Und gefühlt werden es mehr.»

„Es gab ja auch schon Virusinfektionen in Schulen“

Nach wochenlangem Homeschooling und eingeschränkten Arbeitsmöglichkeiten sei der Wunsch oft groß, wieder zum Schulalltag zurückzukehren. «Oft bauen auch die Arbeitgeber Druck auf, die ihre Angestellten wieder zurück am Arbeitsplatz haben wollen», sagte Heise. In vielen Familien sei inzwischen außerdem das Urlaubspensum der Eltern weitgehend aufgebraucht. «An manchen Schulen gibt es am Tag nur drei Stunden Unterricht, das macht das Arbeiten für die Eltern nicht planbar.»

Auf der anderen Seite gebe es aber auch Eltern, die sich Sorgen machten und darauf hinwiesen, dass die Pandemie noch nicht vorbei sei, sagte Heise. «Und es gab ja auch schon Virusinfektionen in Schulen.»

Zu berücksichtigen sei auch, dass in Berlin die Sommerferien schon am 25. Juni beginnen, im Vergleich zu vielen anderen Bundesländern eher früh. Unterricht nach dem aktuellen Modell aus Corona-Pandemie-Zeiten gibt es zunächst nur noch vier Wochen lang.

Wichtig aus Sicht der Landeselternvertreter ist vor allem die Frage, wie es nach den Sommerferien weitergeht: Wenn Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten im Sommer zurückgehe, biete das die Chance, mehr Präsenzunterricht oder auch Normalbetrieb zu ermöglichen, sagte Heise. «Wenn die Fallzahlen ansteigen, kann man nur in dem Modell weiterarbeiten, das wir haben.» Die Bildungsverwaltung müsse in jedem Fall mit verschiedenen Szenarien planen.

Die Erst- und Zweitklässler sind auf Präsenzunterricht angewiesen

Unterricht, der tatsächlich in der Schule und mit Begleitung durch erfahrene Lehrkräfte stattfindet, sei nach den Ferien gerade für die Jüngsten wichtig so der Landeselternvorsitzende. Die Erst- und Zweitklässler, die Lesen, Schreiben und Rechnen lernen, seien darauf angewiesen.

«Wir hoffen, dass sich die Senatsverwaltung in ihren konzeptionellen Plänen rechtzeitig zu Wort meldet», sagte Heise. Und dass sie die Erfahrungen aufgreift, die die Schulen in den vergangenen Wochen und Monaten gemacht haben: «Wenn es ein Gutes in Anführungszeichen an der Pandemie gibt, dann ist es der große Schub bei der Digitalisierung», sagte Heise. «Man kann nur hoffen, dass im nächsten Schuljahr nicht gesagt wird, jetzt haben wir das alles mal ausprobiert, und es war in Ordnung, aber wir arbeiten jetzt wieder weiter, wie wir es gewohnt sind.» dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Wie läuft das nächste Schuljahr? Bundeselternrat fordert: Unterricht in Messehallen, Lehrerverband: Regeln fürs Homeschooling

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6 KOMMENTARE

  1. Die Elternschaft ist in der Frage „Schulöffnung“ ziemlich gespalten. Es gibt da auch nicht DIE Eltern, die nur das eine oder das andere wollen. Jetzt probieren wir erstmal die komplette Öffnung. Alle müssen jetzt mitziehen, aus der Nummer kommen auch die Eltern, die das nicht wollten, so schell (leider) nicht wieder raus….

    • Komplette Öffnung, ich lache mich tot. Es wird zu einer teilweisen Öffnung kommen, außer es wird sich über das Abstandsgebot hinweggesetzt. Ein Teil der Kollegien wird unter Vorlage von Attesten weiterhin nicht für den Präsensunterricht zur Verfügung stehen, Schwangere und stillende Lehrkräfte sind ohnehin suspendiert. Der Anteil der Ü60-Lehrkräfte beträgt 11%, wer von denen zusätzlich noch chronisch erkrankt ist und ein Attest hat, ist noch nicht bekannt.

      Mit annähernd 20% fehlenden Lehrkräften ist an den Schulen, die im schon im Regelbetrieb im Schnitt nur zu 93% der Vollzeitstellen besetzt sind, wird es einen „eingeschränkten Regelbetrieb“ geben, also allenfalls 75% bis 80% der üblichen Wochenstundenzahl.
      Also statt der 24 WS an GS bis 34 WS an Ganztagsschulen im gebundnen Ganztag wird es rechnerisch allenfalls 18 WS bzw. max. 27 WS geben können. DAs sind dann an GS vier Tage a 5 Stunden und freitags vier Stunden. In der sekI sind mehr als fünf mal 5 WS ebenfalls nicht drin. Und das nur, wenn auf Fachleistungs- und Neigungsdifferenzierung verzichtet wird. Das ist kein Unterricht, das ist Kinderbetreuung.

  2. „Die Aerosol-Übertragung ist unterschätzt worden“, sagt Lauterbach. Insbesondere in Innenräumen mache sie sehr viel aus. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Infektion in Innenräumen 18 bis 20 Mal höher ist als draußen.“ Weil sich die Menschen aber gerade jetzt im Frühling zunehmend an der frischen Luft aufhielten, komme dieser Effekt immer weniger zum Tragen. „Sorgen macht mir der Herbst. Dann könnte das exponentielle Wachstum zurückkommen.“

    (Quelle: Beitrag auf spiegel.online
    https://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/corona-pandemie-warum-steigen-die-fallzahlen-trotz-der-lockerungen-nicht-a-869e1f82-3a10-415c-a01a-4173d8435773)

    • @dickebank: das ist eine „der“ Erkenntnisse überhaupt…und tatsächlich keine Neuigkeit noch eine Überraschung. Da es ja nun aber endlich! offiziell kommuniziert wird, müsste doch die Organisation für den Herbst oberste Priorität haben. Der Bund hat 5 Milliarden € für die Schulen zur Verfügung gestellt. Und was passiert? wir sprechen darüber sinnvolle Schutz Massnahmen des Alltags und in den Schulen zu kippen.
      Es müssen jetzt neue Konzepte und technisches Equipent her. Wieso wird das nicht organisiert? Die Kohle ist da!
      Aber die Erwägung halbherzige Lösungen zu finden und Lehrer und Schüler in den Durchzug zu setzen ist naheliegender, als das Geld in die Hand zu nehmen und die zukünftigen Superspreading-Events der Schule zu verhindern. Was ist denn nur los hier?

      • Das Land bzw. die Länder haben da keine oder nur bedingte Möglichkeiten. Die gebäude sind in der Hand der Kommunen, die müssten die Lüftungskonzepte und technischen Ausführungen in die Hand nehmen. In NRW gibt es ja nicht einmal mehr ein Schulbauprogramm, die entsprechenden regelungen hat Schwarz-Gelb im Zuge des Bürokratieabbaus bereits geschliffen.

        Warum die Politik Chorproben und dergl als „Superspreading Events“ anprangert, Hunderte von sich laut unterhaltenden Schülern auf Schulfluren aber als weniger infektiös ansieht , bleibt deren Geheimnis.
        Hauptsache der Plenarsaal in D’dorf wird corona-bedingt aufgerüstet.

        Und da scheitert es wie bei der Digitalisierung, die Kosten für die Wartung und Administration der digitalen Ausstattung der Schulen müssen – selbst wenn Bund und Länder Geld für die Beschaffung der Geräte und Infrastruktur geben – von den Kommunen geschultert werden.

  3. Ich finde die Diskussionen in alle Richtungen gut und wichtig!
    Aber warum kann man in dieser besonderen Situation nicht auch mal mutig sein –
    Mutig im Sinne von verschiedenen Möglichkeiten für alle.
    Mir kommt leider immer noch das Thema Risikogruppe in der Schülerschaft zu kurz.
    Wenn Kinder keine Lobby haben, dann diese Gruppe noch weniger!
    Denkbar wäre doch, dass Lehrer, die nicht im Präsenzunterricht sind, sich genau um diese Gruppe ganz besonders kümmern könnte…

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