Erste Schulen starten bereits Anfang August „im Normalbetrieb unter Pandemie-Bedingungen“

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SCHWERIN. Mit festen Lerngruppen, detailliertem Corona-Hygieneplan und flexiblem Unterrichtsbeginn will Mecklenburg-Vorpommern Anfang August in das neue Schuljahr starten. Der Mindestabstand von 1,50 Meter falle in den Schulklassen weg und eine Mundschutzpflicht sei nicht geplant, sagte Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) in Schwerin. Auf den zwischenzeitlich erwogenen Schichtunterricht werde verzichtet, so dass auch der Schülertransport wieder normal laufen könne. «Es wird einen verlässlichen Regelunterricht geben», versicherte Martin.

Macht die Schulen weit auf: Bettina Martin, Bildungsministerin von Mecklenburg-Vorpommern. Foto: Regierungsportal M-V / Ute Grabowsky

Der Nordosten sei als erstes Bundesland in die Sommerferien gestartet und nehme somit auch als erster wieder den Unterricht auf (nämlich bereits am 2. August). Deshalb müssten die kommenden Wochen intensiv genutzt werden, die Schulen auf die weiterhin besonderen Bedingungen einzustellen. «Das Coronavirus wird Anfang August nicht weg sein. Wir kehren somit nach den Ferien in den normalen Schulbetrieb zurück, aber eben unter Pandemiebedingungen», erklärte die Ministerin. Für alle Lehrer gelte dann auch wieder prinzipiell die Dienstpflicht. Freistellungen vom Präsenzunterricht seien auch bei Lehrern, die wegen Vorerkrankungen oder Alter zur Risikogruppe zählten, nur nach ärztlicher Konsultation möglich.

Schulstunden und Pausen so, dass sich Schüler wenig begegnen

Es gelte, das Recht der Kinder und Jugendlichen auf Bildung und Teilhabe wieder umfassend zu gewährleisten und gleichzeitig die Gesundheit von Schülern und Lehrern zu schützen. Der Unterricht in festen Gruppen, gegebenenfalls auch als Blockunterricht in den Fachkursen, solle dazu beitragen das Ansteckungsrisiko zu mindern und bei Infektionsfällen schnell und lokal reagieren zu können. Es gebe auch fest zugeordnete Lehrkräfteteams. Schulstunden und Pausen würden so geregelt, dass sich Schüler unterschiedlicher Klassen möglichst wenig begegnen. «Es darf auf keinen Fall wieder zu einem landesweiten Lockdown an den Schulen kommen», betonte Martin. Vom neuen Schuljahr an gebe es auch Corona-Tests auf freiwilliger Basis.

Für Grundschüler würden täglich mindestens vier Unterrichtsstunden gewährleistet, zudem die Betreuung im Hort abgesichert. Vor allem in den höheren Klassenstufen werde es auch nach den Ferien noch Unterricht über das Internet geben, aber in weit geringerem Maße als in den zurückliegenden Wochen. «Unabhängig von Corona wird das digitale Lernen einen immer größeren Raum einnehmen», zeigte sich Martin sicher. Deshalb gelte es, die technische Ausstattung so zu verbessern, dass alle Schulen die neu eingerichtete Lernplattform nutzen können.

VBE: Wo sind denn die Pläne B und C für die Schulen?

Laut Martin sind alle allgemeinbildenden und beruflichen Schulen über die neuen Regelungen informiert, so dass sie den Schulstart vorbereiten können.

Der Landesvorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung (VBE), Michael Blanck, forderte das Ministerium auf, sich auf alle denkbaren Entwicklungen einzustellen: «Es muss neben einem Plan A auch einen Plan B und unter Umständen auch einen Plan C geben. Wichtig wird sein, dass, egal welche Situation wir haben, alle Beteiligten, Eltern, Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte, wissen, woran man ist und was zu tun ist.»

Zudem ermahnte er die Schulträger, die Ferienzeit zu nutzen, um die sanitären Anlagen auf Vordermann zu bringen und in allen Räumen regelmäßiges Lüften zu ermöglichen. In engen Räumen sollten zwischen Lehrern und Schülern zudem Plexiglas-Scheiben angebracht werden. Blanck begrüßte die Bereitstellung der Lernplattform «itslearning». Doch müsse dafür gesorgt werden, dass auch alle Schüler über digitale Endgeräte verfügen.

Die Linke äußerte sich kritisch zu dem von Martin angekündigten Ferien-Nachhilfe-Programm. Damit sollen etwa 2700 Schüler auf Landeskosten privaten Nachhilfe-Unterricht erhalten können, um nach dem coronabedingten Schulausfall Lernstoff zu festigen. So sei nicht geklärt, wie die Kinder bei ruhendem Schülerverkehr in den Ferien zu den Lernangeboten kommen können, bemängelte Linksfraktionschefin Simone Oldenburg. Zudem kritisierte sie das Antragsverfahren als bürokratischen Hürdenlauf. «Durch die widersinnigen Formalitäten werden gerade die Kinder und Jugendlichen aus bildungsfernen Familien ein solches Angebot zur Nachhilfe meiden», warnte Oldenburg. dpa

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Die Kultusminister wollen nach den Sommerferien die Abstandsregel in allen Schulen streichen – außerhalb bleibt sie bestehen

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7 KOMMENTARE

  1. Also aus dem Beitrag kann ich nur herauslesen, dass das einzige Zugeständnis, das man an die Pandemie macht, die festen Gruppen sind.
    Da man aber die Abstandsregeln fallen lässt, ist das Ansteckungsrisiko innerhalb der großen Gruppe „Klasse“ in engen, schlecht zu lüftenden Klassenräumen unverändert hoch. Wenn die Lehrkraft sich infiziert, kann sie genauso gut weitere Lehrer, mit denen sie unweigerlich in Kontakt ist, anstecken und diese tragen das dann wieder in die Klassen.
    Ich weiß nicht, ob das ein Konzept ist, das der Pandemie Rechnung trägt.

    Man muss sich dringend etwas überlegen, wie man Klassenräume besser belüften kann und somit das Aerosolproblem angehen. Man kann nicht im Herbst und Winter bei geöffneten Fenstern (und Türen) unterrichten. Das finde ich sogar wichtiger als die Desinfektion.

    • Ich weiß nicht mal, ob das überhaupt ein Konzept ist. Ehrlicher wäre doch, einzugestehen, dass niemand ein Konzept für Schulen hat. Weil man auf der anderen Seite die Kinder auch nicht ewig von zu Hause aus lernen lassen kann, probiert mans halt mal mit aumachen und hofft, dass nichts passiert. Ehrlicher wäre es, das Ganze nicht als Konzept sondern als Experiment zu bezeichnen. Dann wären auch nicht so viele enttäuscht, wenn das Experiment scheitert.

  2. Schulen als Corona-Hotspots

    Israel hatte vorbildlich sehr schnell alles sehr früh geschlossen und damit sehr schnell die Pandemie in den Griff bekommen. dann öffnete sie wieder schnell, insbesondere die Schulen — nun droht eine zweite Welle.

    Deutschland kann da natürlich nichts lernen, wir wissen es mal wieder besser.

    Der Spätherbst dürfte lustig werden….

    Inzwischen sind etwa 200 von 5000 Schulen im Land wieder geschlossen, weil sich dort Hotspots gebildet hatten.

    https://www.spiegel.de/politik/ausland/corona-in-israel-die-zweite-welle-rollt-an-a-625b5acf-8223-4aa7-ae18-e0af93d71ec4

    • Ja, es ist erschreckend, mit welcher Ignoranz wir hier verschaukelt werden. Schüler und Lehrer sollen inklusive ihrer Angehörigen sehenden Auges dem Willen der wirtschaftlich ambitionierten Politik gefährdet werden….irgendetwas müssen wir doch unternehmen…

  3. Immer wieder die Schulen…. Kinder ab 6 können doch relativ gut von Eltern und Lehrern über das Virus aufgeklärt werden und (mit der ein oder anderen Erinnerung/Ermahnung) durchaus auch auf Abstand achten. Lehrer haben jahrelang frontal unterrichtet und müssen ja nun unter Pandemie Bedingungen nicht ausgerechnet bei den Kindern auf dem Schoß sitzen… Die Taktung der Schulbusse ist doch in Absprache mit dem Transportgewerbe relativ einfach zu erhöhen (setzt man eben einen Bus mehr ein.) Aber es muss gejammert werden…
    Was sollen denn die Erzieher in den Kitas (vorallem Krippen) sagen? Die Kleinsten verstehen es erst gar nicht und müssen zudem noch gewickelt werden… Abstand ist dort gar nicht möglich! Erzieher /innen werden gar nicht gefragt, ob sie zur Risikogruppe gehören – sie haben zu kommen. Wer macht sich da denn stark? Kitas sind auch Bildungseinrichtungen. Allerdings werden sie in der Pandemie stillschweigend zu Dienstleistern dekradiert. ‍♀️
    Wie wäre es denn, wenn man vorerst die Lehrpläne an den Schulen einfach etwas entstaubt? Sie enthalten teilweise soviel Müll und nutzloses Zeug, dass durchaus Platz für wirklich (Lebens-) Wichtiges wäre ( z. B. – wie man selbständig lernt ).

    • Die Kinder kennen die Regeln perfekt. Wenn aber, wie in meinem Klassenraum, 30 Personen auf knapp 50 qm gequetscht werden, können die gar keinen Abstand halten, selbst wenn sie wollten. Die Zeiten, in denen Grundschullehrer rein frontal unterrichtet haben, sind auch schon einige Jährchen, wenn nicht Jahrzehnte her.
      Und so ganz nebenbei: Wenn die Stadt mehr Schulbusse will, muss sie dafür auch mehr bezahlen. Welche Stadt macht das denn freiwillig?? Oder glaubt irgendjemand, Eltern wären bereit, die zusätzlichen Buskosten zu zahlen?

  4. Ich finde es unfassbar, was hier seit einigen Wochen in den Medien für eine Proopaganda-Kampagne gefahren wird. Ich weiss nicht, wo diese Leute alle Leben, aber in meinem Umfeld herrscht weiterhin große Angst vor Corona und die Situation in Israel (aber auch der gesunde Menschenverstand angesichts der Erkenntnisse zu Aerosolen zeigt eindeutig, dass eine Schulöffnung in der hier angedachten Form scheitern muss.

    Wie hier wissenschaftliche Studien für politische Zwecke missbraucht werden ist abenteuerlich:
    Studie sagt: „Wir haben (während des Lockdowns, in dem die Schulen geschlossen waren) weniger angesteckte Kinder gefunden als Erwachsene (die zur Arbeit gingen)“
    Presse u Politik: Ein Glück, Schulen sind keine Hotspots: Macht die Schulen wieder auf!!1!!

    Oder Studie sagt: „Kinder infizieren sich weniger leicht als Erwachsene“
    Presse u Politik: Kinder sind nicht ansteckend! Macht die Schulen wieder auf!!1!

    Hallo!? Da steht erstens: sie INFIZIEREN sich weniger, nicht, sie sind weniger infektiös (das haben die Autoren explizit betont) Und zweitens steht da: WENIGER, nicht „gar nicht“.
    Auch wenn kleine Kinder vielleicht nur halb so infektiös sind, oder ein drittel. Wenn sie mit 30 anderen über Stunden in engen Räumen und im Winter ohne dauerende Belüftung eingepfercht sind, wird sich das Virus ausbreiten – Punkt.

    Ich werde als Risiko-Patient meinen Sohn jedenfalls nicht für dieses Experiment zur Verfügung stellen.

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