Große Mehrheit der Bürger meint, dass die Politik die Hygiene an Schulen vernachlässigt

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FRANKFURT/MAIN. „Die Corona-Pandemie hat die Hygienemängel an Schulen aufgezeigt und Versäumnisse deutlich gemacht“, erläuterte die Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marlis Tepe, die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter Bürgern in Deutschland. 71,2 Prozent der Befragten teilten die Einschätzung, dass die hygienische Grundausstattung an Schulen vor der Corona-Pandemie durch die Politik vernachlässigt wurde.

Auch die aufwändigste Sanierung hilft nur wenig, wenn die Schüler sich nicht für die Sauberkeit ihrer Schultoiletten verantwortlich fühlen. Foto: timbo / pixabay (CC0)
So sah es vor der Coronakrise in Schulklos in Deutschland aus. Foto: timbo / pixabay (CC0)

Die repräsentative CIVEY-Umfrage im Auftrag der Bildungsgewerkschaft GEW zeige Versäumnisse der Politik und den Wunsch nach besseren hygienischen Bedingungen an Schulen auf – auch über die Corona-Pandemie hinaus. Tepe sagte: „Für die Befragten ist das Thema Hygiene an Schulen nicht auf die Corona-Pandemie beschränkt. 79,2 Prozent denken, dass die Schulen in ihrem Bundesland auch über die Pandemie hinaus stärker auf die hygienischen Grundvoraussetzungen achten sollten.“

Tepe stellte zudem klar: „Die Schwierigkeiten der Schulen, während der Corona-Pandemie Hygiene und Infektionsschutz sicherzustellen, kamen nicht überraschend. Sie sind eine Folge jahrzehntelanger Vernachlässigung des Bildungssektors, auf die wir die politisch Verantwortlichen immer wieder hingewiesen haben. Marode Schulen sind ein Skandal!“

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Investitionsstau bei Schulgebäuden von 43 Milliarden Euro

Inzwischen sei im Bildungssektor ein Investitionsstau in Höhe von 43 Milliarden Euro allein bei den Kommunen entstanden, der nicht zuletzt durch dringend renovierungsbedürftige Sanitäranlagen deutlich werde, kritisierte die GEW-Vorsitzende. „Spätestens jetzt muss die Politik aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und die Kommunen gut ausstatten. Das müssen die Kinder uns wert sein. Gute hygienische Bedingungen sind wir ihnen schuldig!“ Um dies zu erreichen, so Tepe, müsse auch bei der Gebäudereinigung und Instandhaltung dringend gegengesteuert werden: „Statt Outsourcing brauchen wir auch in der Gebäudereinigung gute Arbeitsverhältnisse und ausreichend Personal. Jetzt ist die Zeit, sich darum zu kümmern.“

Die GEW-Vorsitzende warnte vor Einschnitten in die Haushalte der kommunalen Schulträger aufgrund der Belastungen durch die Corona-Pandemie. „Bund, Länder und Kommunen müssen gemeinsam dafür sorgen, dass endlich genügend in unsere Schulen investiert werden kann.“

Info: Das Meinungsforschungsunternehmen CIVEY hat im Auftrag der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) 5003 Personen zwischen dem 25. und dem 27. Juni 2020 befragt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren und nach Bundesländern differenziert. Der statistische Fehler der Gesamtergebnisse liegt bei 2,5 Prozent. News4teachers

GEW-Chefin Tepe bei Schulbesuch: „Schulklos dürfen nicht zu No-Go-Areas werden“!

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7 KOMMENTARE

  1. Zitat:
    „„Die Corona-Pandemie hat die Hygienemängel an Schulen aufgezeigt und Versäumnisse deutlich gemacht““

    Auf diese Mängel machen LehrerInnen seit Jahren aufmerksam. Es interessiert halt niemanden. Da wird immer von Digitalisierung geredet und wie viel Geld dafür nötig sei – aber der analoge Klogang wird zum Infektionsrisiko.
    Corona zeigt „wie unter einem Brennglas“ (die Phrase des Jahres) was in den letzten Jahren vernachlässigt und gering geschätzt wurde. Gering geschätzt wurden LehrerInnen und SchülerInnen – ihnen wurde gezeigt, für euch brauchen wir keine vernünftige Arbeitsumgebung – ihr seid es uns einfach nicht Wert.

    • Und trotzdem reißen sich die meisten LehrerInnen – gerade in der Corona-Zeit – den Arsch für ihre SchülerInnen auf. Hut ab.

  2. Die Schultoiletten sind ein Dauerbrenner. Es gibt nicht wenige Kinder, die ihre Toilettengänge nach Möglichkeit verschieben auf zu Hause, weil die Toiletten so eklig sind, was ich schon sehr grenzwertig und ungesund finde. An der Grundschule meiner Kinder ist nicht genügend Reinigungspersonal da (es wird wohl nicht mehr genehmigt von der Stadt), es sieht dort teilweise wirklich schlimm aus. Häufig sind Seife und Handtücher alle, sodass ich ihnen schon manchmal Seife mitgegeben habe, damit sie sich vernünftig die Hände waschen können!

    Völlig richtig – bei all der Diskussion um Digitalisierung und um den Schaden, den Kinder angeblich durch die Krise haben, vergisst man, dass alltägliche Dinge wie die würdige Benutzung von Toiletten- und Waschräumen häufig nicht möglich ist. Ein Armutszeugnis!

    • Warum sind denn die Toiletten so eklig? Doch nur, weil einige wenige sich dort benehmen wie S.., mit Absicht auf den Boden urinieren, Müll einfach fallen lassen, die Wände beschmieren, die Toiletten absichtlich verstopfen etc. und das auch noch lustig finden!

      • Das kommt sicherlich auch vor.
        Aber weit häufiger finden sich uralte Sanitärräume in Gebäuden, in denen der Putz von der Wand bröckelt, die Decken undicht sind, die Fenster nicht richtig schließen oder zugenagelt werden müssen und der Schimmel die Wände hochkriecht.

        Das Putzen der Räume orientiert sich an qm-Zeit-Plänen, berücksichtigt aber weder schlechtes Wetter noch Treppen, Absätze oder andere Erschwernisse.
        Selbst bei der Grundreinigung ist genau vorgegeben, was zu machen und zu lassen ist (z.B. Wände bis zur Höhe von 1,20 m abbürsten, alles, was darüber ist, interessiert nicht)

        Unsere Kommune hat die Putzkräfte inzwischen wieder selbst angestellt für das tägliche Reinigen und die jährliche Grundreinigung.
        Das ist schon erheblich zuverlässiger, die Bedingungen sind dennoch nicht optimal.

        Die sanitären Anlagen sind sauber, aber dennoch alt und wenig einladend. Spätestens wenn die EnkelInnen der ehemaligen SchülerInnen die Schule besuchen, sollte man vielleicht über eine Sanierung nachdenken.

      • Eine Schule mit rund 1.300 SuS hat innerhalb des Gebäudes für je zwei Etagen und je Gebäudeteil für die Mädchen ca. 3 Toiletten und die Jungen 2 Toiletten und 2 Urinale. Der Weg zwischen Arbeitsplatz und der Toilette darf 150 Meter nicht überschreiten (Bauordnung), die Toilette muss nicht auf der gleichen Etage vorhanden sein, auf der der Arbeitsplatz liegt. Also 1. Etage Jungen, 2. Etage Mädchen. Im Erdgeschoss befinden sich in der regel die Hoftoiletten sowohl für D als auch für H. Selbst bei der von mir genannten Schulgröße sind das dann nicht mehr als 10 Toilettenkabinen und ggf. 10 Urinale und bei den Mädchen um die 18 Toilettenkabinen.
        Turnhallen haben dann noch einmal eigene „Örtlichkeiten“, da diese unabhängig vom Schulbetrieb auch Vereinen nach Schulschluss zur Verfügung stehen. Im Regelfall sind dei Außentoiletten während der Unterrichtszeit gesperrt und die Innentoiletten dürfen während der pausen nicht benutzt werden. Die Toiletten in der Sporthalle stehen auch nur während des Sportunterrichtes zur Verfügung. Infolge der starken Frequentierung der zur Verfügung stehenden Toiletten müssten diese eigentlich alle 5 Jahre spätestens aber nach 8 Jahren komplett erneuert werden.
        Übrigens die von mir exemplarisch herangezogene Schule mit 1.300 SuS hat einschließlich Praktikant*innen und Referendar*innen so um die 100 bis 120 Beschäftigte. Für die gibt es auf der Hererntoilette genau 2 Kabinen und drei Urinale und auf der Damentoilette 3 Kabinen.
        Wer den begriff „Stoßgeschäft“ bisher nur in anderem Zusammenhang gekannt hat, kann sein Wissen hier erweitern.

  3. Habe mich mal mit der Putzkraft unserer Schule unterhalten, die dort für eine Reinigungsfirma arbeitet. Die Einführung des Mindestlohns war für sie eine Katastrophe. Statt mehr Geld, war die Vorgabe, die Arbeit jetzt in kürzerer Zeit zu machen. Seither werden die Tische nur noch alle drei Tage geputzt und Ablageflächen wie z.B. Fensterbänke komplett gestrichen und überhaupt nicht mehr abgewischt. Mit der Zeit hat man den Unterschied und die fehlende Sauberkeit im Schulhaus einfach gemerkt. Solange alles immer möglichst billig sein muss, wird sich an den Schulen nichts ändern.

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