Ministerium: Frühestens ab 2026 weniger Seiteneinsteiger

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POTSDAM. In der Lehrerschaft sinkt noch immer der Anteil der Pädagogen mit Lehramtsbefähigung. Mit dem kommenden Wintersemester beginnen so viele Studenten wie nie zuvor an der Uni Potsdam ein Lehramtsstudium. Offen ist, wie viele später in Brandenburg bleiben.

An vielen Brandenburger Schulen wird sich die Zahl der Seiteneinsteiger in den kommenden Jahren weiter erhöhen. Nach einer Prognose des Bildungsministeriums wird der Anteil der Lehrkräfte ohne Lehramtsstudium an den Gesamteinstellungen in Brandenburg frühestens ab 2026 zurückgehen. Das teilte das Ministerium auf eine Anfrage aus der Landtagsfraktion der Freien Wähler mit.

Auf absehbare Zeit wird der Anteil der Quereinsteiger an Brandenburgs Lehrerschaft weiter steigen. Foto: Heinrich-Böll-Stiftung / flickr (CC BY-SA 2.0)

Allerdings geht die Prognose davon aus, dass die mehr als 1000 Studenten, die im kommenden Wintersemester an der Universität Potsdam ihr Lehramtsstudium beginnen, ab dem Schuljahr 2026/2027 in den Brandenburger Schuldienst übernommen werden. Von diesem Zeitpunkt an gehe der Einstellungsbedarf zurück. Es müssten nun möglichst viele Seiteneinsteiger durch Qualifizierungsmaßnahmen berufsbegleitend bei Erwerb einer Lehramtsbefähigung unterstützt werden, hieß es.

Im Februar 2019 rechnete das Ministerium noch mit einem zurückgehenden Bedarf an Neueinstellungen bereits ab dem Schuljahr 2022/2023. Von diesem Zeitpunkt gehe der jährliche Bedarf von derzeit 1100 bis 1250 Vollzeitstellen auf jährlich etwa 700 zurück, hieß es. Nun rechnet das Bildungsministerium wegen der steigenden Schülerzahlen erst ab 2025 mit geringeren Zahlen.

Doch auch hinter dieser Annahme steht ein Fragezeichen: Wenn Lehramtsstudenten nach Abschluss ihres einjährigen Vorbereitungsdienstes aus Brandenburg abwandern, die Branche wechseln oder die erhoffte Nachfrage aus anderen Bundesländern ausbleibt. Auch könnte sich die Schülerzahl wegen Zuwanderungen aus anderen Bundesländern oder durch Flüchtlinge abermals erhöhen.

Den Angaben nach waren Ende Mai dieses Jahres 12,3 Prozent der Lehrkräfte Seiteneinsteiger. Mitte 2017 lag diese Quote noch bei 8,5 Prozent. 34,1 Prozent der Lehrkräfte, die zum Start des Schuljahres 2020/2021 eingestellt wurden, unterrichteten ohne Lehramtsbefähigung.

Laut Antwort waren Ende Mai – noch vor Start des neuen Schuljahres – an einer Schule im Bereich des Schulamtes Neuruppin bereits 55,6 Prozent aller Lehrkräfte Seiteneinsteiger. Im Schulamt Frankfurt (Oder) betrug der Seiteneinsteiger-Spitzenwert 52,9 Prozent, im Schulamt Brandenburg 41,7 und im Schulamt Cottbus 37,5 Prozent. (dpa)

Neueinstellungen Lehrer: Seiteneinsteiger-Anteil bei 38,7 Prozent

 

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3 KOMMENTARE

  1. „Laut Antwort waren Ende Mai – noch vor Start des neuen Schuljahres – an einer Schule im Bereich des Schulamtes Neuruppin bereits 55,6 Prozent aller Lehrkräfte Seiteneinsteiger. Im Schulamt Frankfurt (Oder) betrug der Seiteneinsteiger-Spitzenwert 52,9 Prozent, im Schulamt Brandenburg 41,7 und im Schulamt Cottbus 37,5 Prozent. “
    Das ist schon richtig schlimm!

    • Bei den Neuruppiner und Frankfurter Zahlen ist doch wohl der Weg, den die Minderheit durch absolvieren eines Lehramtstudiums geht, der „Seiteneinstieg“ und der eigentliche Seiteneinstieg der Normalfall. Warum also Musik auf Lehramt studieren, wenn man sich sein Jodel-Diplom für ein Lehramt anerkennen lassen kann?

  2. Ich habe selbst ein Jahr lang als Seiteneinsteiger an einer Oberschule in der Uckermark gearbeitet. In diesem Landkreis ist der Lehrermangel besonders groß, und das schon seit Jahren. Die Schulabbrecherquote und die Jugendarbeitslosigkeit erreichen dort regelmäßig traurige Spitzenwerte. Die Uckermark ist eine perspektivlose Abwanderungs- und Schrumpfungsregion. Warum sollen sich junge Lehrer, die frisch von der Uni kommen und 40 Arbeitsjahre vor sich haben, in einer solchen Region niederlassen? Zur mangelnden Attraktivität der Region gesellen sich die vielfältigen Probleme, die es an einer Oberschule gibt (ich nenne nur „gemeinsames Lernen“ ohne angemessene Personalausstattung). Die Oberschule als solche ist nun mal die unattraktivste Schulform in Brandenburg. Ich fürchte, dass sich der Lehrermangel gerade an diesen Schulen in Zukunft noch verschärfen wird. Es ist kein Zufall, dass sich ein sehr großer Teil der Lehramtsstudierenden für den Studiengang Lehramt Gymnasium entscheidet. Wer will sich schon den Ärger und den Stress zumuten, den die brandenburgischen Oberschulen „zu bieten“ haben? Also müssen Seiteneinsteiger einspringen und sich verschleißen lassen.

    Was nützt der Aufwuchs an Studierenden an der Uni Potsdam, wenn (a) ein großer Teil der zusätzlichen Studierenden wieder den Studiengang Lehramt Gymnasium wählt, obwohl die Gymnasien personell gut versorgt sind, und wenn (b) die künftigen Absolventen Stellen in abgehängten Randregionen wie der Uckermark hartnäckig ablehnen? In fünf, in zehn Jahren wird die Uckermark nicht attraktiver sein als heute!

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