Ende der Maskenpflicht im Unterricht: Verband lehrer nrw bringt Gesichtsvisiere, Trennwände und Luftreiniger ins Gespräch

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DÜSSELDORF. Das von der NRW-Landesregierung verfügte Ende der Maskenpflicht im Unterricht, das ab heute gilt, hat bei Lehrkräften und Schülern massive Verunsicherung ausgelöst – berichtet der Verband lehrer nrw. „Zahlreiche Lehrerinnen und Lehrer haben große Sorge, dass sie sich am Arbeitsplatz Schule wieder einem erhöhten Infektionsrisiko aussetzen. Das muss die Landesregierung unbedingt ernst nehmen. Die Gesundheit aller am Schulleben Beteiligten muss absolute Priorität haben“, heißt es in einer Erklärung. Schulministerin Gebauer habe bislang nichts vorgelegt, wie sie den Schutz von Lehrern und Schülern sicherstellen wolle.

Die Masken dürfen ab sofort im Unterricht abgenommen werden. Foto: Shutterstock

Aus rein pädagogischer Sicht sei ein Unterricht ohne Maske sinnvoll und wünschenswert. Denn ohne die Mund-Nasen-Bedeckung wird die Kommunikation und damit auch das gesamte Unterrichtsgeschehen deutlich erleichtert. Andererseits hätten sich Masken in der Corona-Pandemie als einfaches, effektives und weithin akzeptiertes Mittel erwiesen, das Infektionsgeschehen einzudämmen. „Die Maskenpflicht im Unterricht war eine drastische, aber im Sinne des Gesundheitsschutzes vertretbare Maßnahme. Wenn die Landesregierung die Maskenpflicht nun abschafft, muss sie auch sagen, wie sie einen gleichwertigen Schutz von Lehrkräften und Schülern sicherstellen will. Dazu hat die Pressekonferenz von Schulministerin Yvonne Gebauer leider kaum Erhellendes beigetragen“, meint Brigitte Balbach, Vorsitzende von lehrer nrw.

Gebauer: Kein unkontrollierter Corona-Ausbruch an einer Schule

Gebauer (FDP) hatte gestern bekräftigt, die Landesregierung stehe zur Zusage, bei sinkenden Infektionszahlen Grundrechtseingriffe und vergleichbare Beschränkungen zurückzufahren. Bislang habe es in NRW an keiner Schule einen unkontrollierten Corona-Ausbruch oder gar einen «Hotspot» gegeben. Zu Forderungen der SPD-Opposition nach einem «Schul-Gipfel» verwies Gebauer auf regelmäßige Kontakte mit allen Schul-Akteuren, die von ihr bereits gepflegt würden. Vorschläge, Unterricht etwa in Gaststätten, Kirchen oder Vereinsheime zu verlagern, bezeichnete sie als «nicht tragfähig». Zwar wären Luftfilter eine gute Lösung, würden bei rund 3000 Euro Kosten pro Klasse allerdings «Unsummen verschlingen», sagte Gebauer.

Landesweit gilt die Pflicht weiterhin in Schulgebäuden und auf dem Schulgelände, bis die Schüler ihren festen Sitzplatz im Klassenzimmer eingenommen haben – und auch, wenn sie ihn verlassen. Es bleibe auch bei festen Lerngruppen, sagte Gebauer. Freiwillig könne jeder Schüler und Lehrer allerdings für sich entscheiden, die Maske vorsichtshalber im Unterricht weiter zu tragen. Dem zolle sie Respekt. Etliche Schulen in NRW haben angekündigt, das weiterhin so praktizieren zu wollen (News4teachers berichtet ausführlich darüber – hier geht es zu dem Beitrag). Gebauer stellte aber klar: Schulleiter dürften die bisherige staatliche Anordnung nicht eigenmächtig verlängern. Sie dürften lediglich ein «Maskengebot» aussprechen, das nicht verpflichtend ist.

lehrer nrw: Ausnahmen für Schulen, die per Schulkonferenz Masken im Unterricht beschließen

Nötig wäre ein klares Konzept, so meint nun lehrer nrw, das regelt, wie der Unterricht ohne Maske zum Beispiel in großen Klassen und bei unzureichenden Lüftungsmöglichkeiten möglich sein soll. Ein solches Konzept habe die Ministerin nicht vorgelegt. Gesichtsvisiere, Hygiene-Schutz-Trennwände oder Luftreiniger würden nicht ernsthaft erwogen. Wichtig wären auch eine Maskenpflicht im Unterricht für Schulen in Regionen mit hohen Infektions-Fallzahlen – sowie Ausnahmen für Schulen, die per Schulkonferenz-Beschluss auf ein Maskengebot setzen möchten.

„Unter entsprechenden Rahmenbedingungen hätte das Ende der Maskenpflicht ein Schritt hin zu einer schulischen Normalität sein können. So aber bleiben Lehrkräfte sowie Schüler verunsichert und mit vielen offenen Fragen zurück. Es ist bezeichnend, dass viele Schulen erwägen oder bereits beschlossen haben, auf freiwilliger Basis beim Unterricht mit Maske zu bleiben“, kritisiert Sven Christoffer, stellvertretender Vorsitzender von lehrer nrw und Vorsitzender des Hauptpersonalrats Realschulen. News4teachers

Der Beitrag wird auch auf der Facebook-Seite von News4teachers diskutiert.

Keine Tests, keine Nachverfolgung, keine Schutzmaßnahmen – wie Corona-Infektionen an einer Schule für Verunsicherung sorgen

 

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9 KOMMENTARE

  1. „Schulministerin Gebauer habe bislang nichts vorgelegt, wie sie den Schutz von Lehrern und Schülern sicherstellen wolle.“

    Liebe Wortführer von „lehrer nrw“ … DAS habt ihr bisher AUCH NICHT !!!

    Diese Idee mit „Gesichtsvisiere, Trennwände und Luftreiniger“ habe ich HIER schon seit Wochen (!) MEHRFACH gelesen, von Leuten die Lehrer oder Eltern oder einfach nur an den Gegebenheiten interessiert sind.

    Man muss erst einmal googeln: „lehrer nrw“?
    Noch nie gehört/gelesen?
    Wer sind die eigentlich?
    Als es interessant war, als „die Luft brannte“ – als das Thema „Aerosole“ aufkam und sehr viele Leute sich aus guten Gründen Sorgen machten … als noch Zeit war für gute Ideen (s. o.: seit Wochen) – da hat man nichts gehört von „lehrer nrw“!
    Wahrnehmbar waren VBE und GEW und letzte Woche der SLV (das sind die Schulleiter).

    Wenn man googelt, wird es dann wenigstens … nun ja … :
    https://www.lehrernrw.de/
    Die vorangegangene Pressemitteilung „Durchatmen“ vom 27.8.2020 sagt noch Folgendes (Originalzitat):
    „„Wir sind sehr froh, dass Schüler und Lehrkräfte nun buchstäblich durchatmen können. Viele Rückmeldungen aus den Schulen zeigen uns, dass der Mund-Nasen-Schutz im Unterricht eine große Belastung ist. Die Kommunikation und damit das gesamte Unterrichtsgeschehen sind dadurch deutlich gestört. Großer Dank gebührt den Lehrkräften und Schülern, die diese gravierende Einschränkung zum allergrößten Teil mit Geduld und Verständnis mitgetragen und ertragen haben“, betont die lehrer nrw-Vorsitzende Brigitte Balbach.“

    Das klang ja noch so anders?
    Geht auch sehr pragmatisch weiter (Ebenfalls Originalzitat:)
    „Umso mehr ist nun aber Wachsamkeit gefragt. “
    Dem Bösen (Virus) tief ins Auge schauen und so signalisieren „Ha! Ich habe dich gesehen und erkannt. Geh weg!“
    Hilft bestimmt. HAHA.
    Und Wachsamkeit kostet null Euro.
    So macht/bleibt man Freunde … mit …?

    Aber das erste was einem oben auf „https://www.lehrernrw.de/“ förmlich anspringt ist ein großes Bild … auch hier darf in diesem Jahr gewählt werden.
    Nur weil hier oft Berufe miteinander verglichen werden (was in der Regel für den Berufsalltag und einzelne Aufgaben und damit verbundenen Risiken oft wenig sinnvoll ist, weil Kaufleute/Verkäufer, Bauarbeiter, Ärzte usw. sehr unterschiedliche Arbeitsplätze haben) … In diesem Fall darf man sich mal vorstellen, große Gewerkschaften wie z. B. „Verdi“ oder die „IG Metall“ oder „IG Bau“ würden sich so vorbildlich (Ironie) um ihre Leute kümmern …
    Denn die Aufgabe von Gewerkschaften und Berufsverbänden ist gleich: Sie sollen die Interessen der jeweiligen Berufsgruppe wahrnehmen – und diese nicht zusätzlich veralbern.

    Lehrer können einem nicht nur leidtun – für diese Darbietung in Sachen „Interessenvertretung“ müssen sie einem leidtun.

    • Das ist ja fast so witzig wie das Corona-Grenzwerte-Ändern seitens der Minister:

      Nur falls sich jemand wundert, weil der Artikel „Durchatmen“ vom 27.8.2020 auf der Seite von „lehrer nrw“ nicht mehr zu finden ist …
      … bestimmt ist er nur zeitweilig nicht verfügbar (technische Probleme, Wartung der Homepage oder ähnliches) und wird bald wieder auf der Seite eingestellt werden.

      Alles andere wäre ja unseriös.
      Oder Volksverdummung.

      • @ denkmal
        Ja sie haben Recht – ich habe nachgesehen.
        Das sieht dann aber eher nach Volksverdummung aus.
        Oder Marie Kondo hat die homepage aufgeräumt. Die hat ja so ein konzept wonach die ganz viel wegräumt … . Uuuups?

        Irgendwie unterirdisch, was so alles passiert. Es wird aber auch immer schwieriger gutes personal zu finden ;-))
        Dann müssen die von leher nrw sich eben drum kümmern, das der „Durchatmen“Artikel schnell wieder reinkommt.

        Sonst ist leistet die Glaubwürdigkeit demArtikel Gesellschaft, aber endgültig! Kurz mal nicht aufgepasst zack und weg.

    • Das hoffe ich auch, allein mir fehlt der Glaube nach dem gestrigen katastrophalen Bildungsgipfel in München. In Bayern ist die Situation auch keinen Deut besser als in NRW mit den Unterschied, dass die meisten bay. Eltern und Lehrer alles super finden mit der Schulöffnung. In NRW sind wenigstens von dieser Seite mehr Aktionen.

  2. https://www.news4teachers.de/2020/08/gebauer-luftfilter-fuer-klassenraeume-waeren-gut-sind-aber-zu-teuer/

    DÜSSELDORF. NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hält Luftfilter in Klassenräumen gegen das Coronavirus zwar für eine gute Lösung – aber: für zu teuer. Die Geräte würden bei rund 3000 Euro Kosten pro Klasse «Unsummen verschlingen», meinte sie. Gebauer erklärte, bislang habe es in NRW an keiner Schule einen unkontrollierten Corona-Ausbruch oder gar einen «Hotspot» gegeben.

    Warum wird eine solche Äußerung der KMin von NRW von den Gewerkschaften und Verbänden, den Eltern, Schülerinnen und Schülern, LehrerInnen und SchulleiterInnen kommentarlos hingenommen???
    Frau Gebauer gesteht hiermit doch ein, dass sie den Arbeitsschutz und damit den Gesundheitsschutz in den Schulen aus Kostengründen (jedoch auf Kosten der an Schule Beteiligten) aufgehoben hat.
    Ein solches Vorgehen muss rechtliche und disziplinarische Folgen für die KMin haben.
    Dies wird aber nur passieren, wenn diese Folgen von entsprechender Seite (s. o.) eingefordert werden.
    Leider liest man hier nur einmalige Schlagzeilen, dass wieder eine Eltern-, Schüler-, Lehrer- oder Schulleitervertretung einen Brief an irgendjemand geschickt hat, aber nie, dass die darin enthaltenen Beschwerden oder Forderungen weiter verfolgt werden.
    Schade um das „verschwendete“ Papier…

  3. 1) Zitat:
    „Ein solches Konzept habe die Ministerin nicht vorgelegt. Gesichtsvisiere, Hygiene-Schutz-Trennwände oder Luftreiniger würden nicht ernsthaft erwogen.“
    Das passt doch überhaupt nicht zur Überschrift des Artikels.

    2) Dieser Artikel erklärt sehr deutlich, warum Visiere keine Alternative sein können. Noch schlimmer sind diese neuen kleinen ‚Plastikschildchen‘, die noch nicht einmal die Nase bedecken. Die sind eigentlich gedacht für Kosmetikstudios, um Augen, Augenbrauen und Wimpern zu behandeln.

    https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/coronavirus-covid-19-visiere-oeffentliche-gesundheit-masken-1.5017483?fbclid=IwAR1s9ycIUBsmR3M1f1oFrsqjcMgwR6JIDrXinzb4-i837cGVp2gQmCNvCk4

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