Zum Fremdschämen! Die durchsichtigen Zahlentricks der Kultusminister in der Corona-Krise

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Ein Kommentar von News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek

BERLIN. Deutschlands Kultusminister haben sich in Sachen Corona offenbar gemeinsam eine skurrile Art der Öffentlichkeitsarbeit zurechtgelegt. Statt schlicht und einfach die Zahlen betroffener Schulen und von infizierten Schülern und/oder Lehrern zu nennen, werden Quoten angeführt. Oder, noch besser, die Schulpolitiker zählen lieber auf, wie viele Schulen sowie Schüler und Lehrer NICHT von Corona direkt betroffen sind. Damit verkaufen sie die Bürger für dumm.

News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek. Foto: Tina Umlauf
News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek. Foto: Tina Umlauf

Ein Ergebnis dieser bemerkenswerten Kommunikationsstrategie liest sich dann aktuell so:

„Einen Monat nach Ende der Sommerferien hat Schulsenator Ties Rabe (SPD) eine positive Zwischenbilanz zur Rückkehr zum Präsenzunterricht für alle Hamburger Schüler gezogen. Der aktuelle Ausbruch an der Heinrich-Hertz-Schule (mindestens 29 Infizierte, A. P.) sei eine Ausnahme. An allen anderen Schulen haben sich laut Behörde nur 0,01 Prozent der 256.000 Schülerinnen und Schüler und 0,004 Prozent der Lehrkräfte mit Corona infiziert.“

Warum nicht konsequenter? „Außer den Ausnahmen hat sich kein einziger Schüler und kein einziger Lehrer infiziert.“ Das läse sich doch noch besser.

Auch andere Bildungsminister folgen dieser absurden Informationspolitik.

  • „Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU) sprach von einem positiven Schulstart. Seit Beginn des Schuljahres seien sechs der insgesamt 1795 Schulen im Land für einen oder mehrere Tage geschlossen worden.“
  • „Nach der ersten Unterrichtswoche hat sich Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) zufrieden mit dem Start ins neue Schuljahr unter Corona-Bedingungen gezeigt. Über 98 Prozent der Schulen im Land hätten ohne Beeinträchtigung arbeiten können, sagte Prien.“
  • „NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) zog durchweg positive Bilanz des Schulstarts nach den Sommerferien. 97,7 Prozent der Schulen seien Anfang September im Präsenzunterricht gewesen, und nur bei 2,3 Prozent habe es Teilschließungen gegeben. 3,3 Prozent der Lehrkräfte seien wegen der Corona-Pandemie nicht in den Schulen. 88.000 Schüler hätten das Abitur gemacht. Hunderttausende schriftliche und mündliche Prüfungen seien für das Abitur oder die mittlere Reife abgelegt worden.“

Die Reihe der Glücksmeldungen nach diesem Muster ließe sich durchaus fortsetzen: Fast 200.000 Lehrer im Land haben regelmäßig ihr Gehalt bekommen. 100 Prozent der Schüler in NRW verfügen über mindestens ein Schulbuch. 100 Prozent der Kultusminister in Deutschland sind mit sich zufrieden.

Durchsichtige Relativierungsmanöver der Schulpolitik

Aber im Ernst: Die verantwortlichen Schulpolitiker tun sich und der Sache mit solch durchsichtigen Relativierungsmanövern keinen Gefallen. Corona-Infektionen an Schulen, mit all den damit verbundenen Sorgen und Problemen für die Betroffenen und diejenigen, die mit ihnen in Kontakt kamen, werden nicht dadurch besser, dass viele Menschen gottseidank (noch?) nicht infiziert wurden. Zumal die Kultusminister selbst bislang wenig dazu beigetragen haben, Schüler und Lehrer zu schützen. Jeder offensichtliche Versuch, die Lage verschleiern zu wollen, beruhigt niemanden. Im Gegenteil: So schürt man weiteres Misstrauen.

Kein Mensch käme auf die Idee, die Zahl der im Straßenverkehr tödlich Verunglückten in Deutschland – 1281 Menschen waren das im ersten Halbjahr 2020 – mit der Aussage verkaufen zu wollen: „Toll! 79,99 Millionen Bürger sind in diesem Jahr lebendig durch den Straßenverkehr gekommen“. Wohl jeder würde das für geschmacklos halten. Das, so meine ich, muss auch bei Corona gelten. Das Thema ist zu ernst und heikel, um daraus Erfolgsmeldungen zu stricken.

Deshalb: Liebe Kultusminister – nennt einfach die Zahlen (bitte auch vollständig und regelmäßig).

Der Autor

Der Journalist und Sozialwissenschaftler Andrej Priboschek beschäftigt sich seit 25 Jahren professionell mit dem Thema Bildung. Er ist Gründer und Leiter der Agentur für Bildungsjournalismus – eine auf den Bildungsbereich spezialisierte Kommunikationsagentur, die für renommierte Verlage sowie in eigener Verantwortung Medien im Bereich Bildung produziert und für ausgewählte Kunden Content Marketing, PR und Öffentlichkeitsarbeit betreibt. Andrej Priboschek leitete sieben Jahre lang die Öffentlichkeitsarbeit des Schulministeriums von Nordrhein-Westfalen.

In eigener verlegerischer Verantwortung bringt die Agentur für Bildungsjournalismus tagesaktuell News4teachers heraus, die reichweitenstärkste Nachrichtenseite zur Bildung im deutschsprachigen Raum mit (nach Google Analytics) im Schnitt jeweils mehr als 1.000.000 Leserinnen und Lesern monatlich und einer starken Präsenz in den Sozialen Medien und auf Google. Die Redaktion von News4teachers besteht aus Lehrern und qualifizierten Journalisten. Neben News4teachers produziert die Agentur für Bildungsjournalismus die Zeitschriften „Schulmanager“ und „Kitaleitung“ (Wolters Kluwer) sowie „Die Grundschule“ (Westermann Verlag). Die Agentur für Bildungsjournalismus ist Mitglied im didacta-Verband der Bildungswirtschaft.

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Planlos ins nächste Schuljahr: Wie die Kultusminister sich in Corona-Zeiten blamieren

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24 KOMMENTARE

  1. Da Kinder zunehmend nicht getestet werden, können die Minister gar keine vollständigen Zahlen nennen. Wo kein Test, da keine Quarantäne, da keine (Teil)Schließungen – aus Sicht der Landesregierungen also ein gelungener Schulstart…

  2. Vielen Dank für diesen treffenden Beitrag zum Thema Verschleierungspolitik als Teil des Hygienekonzeptes.

    Genau das ist der Plan hinter dieser gezielten Desinformationspolitik und Intransparenz, Fakten zu schaffen und uns den Regelschulbetrieb als Erfolg zu verkaufen.
    Dies wurde bereits durch Studien eingestilt, die den Schulbetrieb zwei Wochen vor den Ferien untersuchen sollten und die sich aus den oft benannten und bekannten Gründen eben nicht auf den Schulbetrieb unter den jetzigen Bedingungen abbilden lassen.

    Einziges Ziel war und ist uns das Mantra der Regierung aufzuwingen: Regelschulbetrieb ohne Arbeitsschutz ist gut, gesund und sicher.
    Aus diesem Grund werden eben im Hintergrund chaotische Zustände staatlich unterstützt und die Willkür als Mittel zum Zweck genutzt.
    Wir werden gezwungen Erkenntnisse über die Langzeitfolgen auch bei jungen Menschen auszublenden. Auch sollen wir bestehende Auswertungen aus dem europäischen Umland bzgl der Zusammenhänge von Infektionen bei Schülern und der Durchsuchung der älteren und Risikogruppen ignorieren.
    Über die stummen Infektionen der jungen wird der Erreger nun auch bei uns in die Familien und zurück in die Schulen getragen.
    Für diese Erkenntnisse braucht man keine Expertise als Virologe. Kinder und Jugendliche spielen eine Rolle in dem Infektionsgeschehen.
    Da wir aber diese Wahrheit nicht aufdecken wollen, erleben wir nun eben, dass Schüler nicht in dem nötigen Umfang getestet werden und von ihren fürsorglichen Eltern z.t. mit Fieber in die Schule geschickt werden.
    Wenn ich nicht teste finde ich auch keine Infektionen. Also ist Schule ohne Schutzkonzept ein voller Erfolg.

    Egal was jetzt auch von den KM verkündet wird, es wird keine Verbesserung der Situation in den Schulen geben, weil es nicht gewollt ist. Das primäre Ziel ist nicht der Gesundheitsschutz sondern Regelschulbetrieb.
    Daher wird der sonst übliche Arbeitsschutz an Schulen ausgesetzt und Schulen werden als nicht öffentlicher Raum umdefiniert. Schulbetrieb mit Masken ist die einzige Lösung, die uns von den schäbigen Adlaten der Regierung angeboten werden und das auch nur unter Vorbehalt.

    Dahinter stehen letzlich Berechnungen, wieviel der Gesundheitsschutz kosten darf. So werden Eltern weiter durch Politik instrumentalisiert. Wirtschaftliche Interessen werden entgegen der langfristigen Gesundheit der Jugend durchgepresst.
    Die prozentualen Darstellungen sind Mittel zum Zweck und verdecken diw Aussage absoluter Zahlen.
    ABER: jeder der im Austausch mit Schulen und Lehrkräften steht weiß: die derzeitigen Zahlen spiegeln sowieso nicht die tatsächliche Situation wider.

    Wir dürfen gespannt sein welche Verschleierungspolitik wir in Zukunft diesbezüglich vorgesetzt bekommen. Derzeit werden Lehrer angewiesen über Fälle in den Schulen nicht zu sprechen. Schulleitungen wiederum werden von Schulämtern und letzlich den Ministerien zu Stillschweigen verdonnert.
    Nicht zuletzt wird durch die Gesundheitsämter ebenfalls zur Verdunkelung beigetragen, wenn gesagt wird, die Menschen sollen nicht in Panik versetzt werden und daher gebe es keine öffentlichen Meldungen z.B. an die Presse.

    Es wird Druck aufgebaut auf allen Ebenen.
    Dies bringt mich immer mehr zu der Vermutung, dass wahrscheinlich viele Eltern – hätten sie die freie Wahl ihre Kinder in die Schule zu schicken, wohl eine Entscheidung gegen die Präsenzpflicht träfen. Dies würde die Wirtschaft viel früher einbrechen lassen. Das ist nicht gewollt. Aus dem Grund werden alle zwangsverpflichtet.
    Dabei wird sie Wirtschaft eh einbrechen. Was jedoch viel härter ist, dass dieser Aufschub eines nicht aufhaltbaren Prozesses, viele Menschen (auch junge Menschen) mit ihrer langfristigen Gesundheit bezahlen werden.
    Das BIP wird langfristig durch die chronisch Kranken einbrechen.
    Dann werden sich alle an Spahns Worte erinnern: wir werden uns nach der Pandemie alle viel zu verzeihen haben.
    Aber in einigen Jahren, wenn die Daten und Fakten über die politischen Hintergründe zugänglich werden, werden wir erleben, wie die jetzt Verantwortlichen unter der berühmten Politiker -Demenz leiden und ihre Hände Unschuld waschen …es wird keine Verantwortlichen geben. Alles wie immer.
    Dass Politiker ihre Ethik verloren haben wird deutlich, wenn wir die frisierten und rasierten Entscheider in der Presse sehen. Sie haben ganz offensichtlich keine Probleme ihr Spiegelbild zu ertragen.

    So sind wir auf dem Chanasit- Streeckschen Weg und werden auch weiterhin damit
    rechnen müssen belogen zu werden, dass sich die Balken biegen.
    Frau Gebauer und Herr Laschet gehen als strahlendes Beispiel für Ignoranz und Machtgier voran. Dicht gefolgt von Herrn Söder, der sich ebenfalls ganz offensichtlich mit Änderung seiner Strategie in Schulen der Wirtschaft verschrieben hat.
    Ich wiederhole, mich meine es aber genau so: ich hoffe und wünsche diesen Menschen von Herzen, dass sie und ihre Angehörigen alles im vollem Umfang ernten, was sie säen!

    Wie lange werden wir eigentlich noch um den heißen Brei tanzen und die Zustände beklagen…Bevor wir endlich beginnen zu HANDELN?

    • Und auch unter diesem Kommentar von Ihnen kann ich nur noch stehend applaudieren.

      Ergänzen möchte ich noch, dass die Beschwichtigungspolitik à la Trump offenbar wirkt. In mittlerweile drei wieder stattfindenen Sportkursen unserer Familie sind meine Kinder und ich die Einzigen, die wg. Corona noch nicht wieder teilnehmen.

      Der Rest rennt wieder fröhlich überall hin, lässt wildfremde Kinder nachmittags gegenseitig ihre Aerosole auch beim Indoortraining ins Gesicht husten, bildet Fahrgemeinschaften quer durch alle Kohorten während die Eltern beim Training selbst draußen auf dem Fußballplatz nicht zugelassen sind und in fast ganz Europa die Fallzahlen wieder massiv ansteigen. Und die Eltern kommen noch nicht einmal auf die Idee, dass irgendwas an dieser Widersprüchlichkeit ganz und gar unlogisch ist.

      Man fasst es nicht, wie unbesorgt alle wieder zu Elternabenden und Fördervereintreffen in den engen Klassenräumen laufen und wie doof man dann noch von der Seite angeschaut wird, wenn man sagt, dass einem das wegen der Aerosole zu riskant ist.

      Entweder sind wir aus der Bildung-Aber-Sicher-Ecke wirklich hysterisch oder die anderen wenigen ebenfalls besorgten Eltern der Mitschüler sind so in ihrer Political Correctness-Welt gefangen, dass sie sich nach Jahren des „Das darf man ja gar nicht mehr öffentlich sagen“ nicht mehr trauen, noch irgendeine abweichende Meinung als Minderheit zu vertreten, auch nicht bei Corona. Warum kriegt man so wenig Zustimmung, wenn man sich dann doch mal traut, eine vorsichtige Anmerkung zu machen? Hier im Netz finden sich Mitstreiter, in der wirklichen Welt leider so gut wie gar nicht.

      Von Langzeitfolgen brauche ich erst gar nicht anfangen. Es geht nur noch darum, dass doch kaum noch jemand stirbt. Als ob es nichts mehr zwischen symptomfrei und dem Tod geben würde. Was ist mit den unzähligen Menschen, auch Kindern, die noch Wochen und Monate nach einer eigentlich relativ harmlosen Erkrankung Langzeitprobleme haben? Von denen haben viele offenbar noch nie was gehört.

      Es ist zum Verzweifeln 🙁

      • Das ist der Herdentrieb. Man möchte nicht als Paniker oder Hysteriker gelten. Leider sind die Verharmloser und Realitätsleugner lauter.
        Corona verbreitet sich gerade in der Breite, befeuert von Verharmlosern und Naiven, die daran glauben, dass Ihnen nichts passieren wird. Am Wochenende Party in der Stadt und unter der Woche Coronaparty in der Schule. Ich gebe der Show noch zwei Monate. Israel, Tschechien und Dänemark sollten als mahnendes Beispiel dienen.
        In vielen Firmen gilt bereits eine verschärfte MNS Pflicht und Home Office wurde in einigen Fällen bereits bis Dezember und darüber hinaus verlängert. An Schulen wird hingegen Bullerbü gespielt, je nach IQ der Schulleitungen mit mehr oder weniger guten Hygienemaßnahmen. An der Schule meiner Frau gibt man sich Mühe und besteht auf Einhaltung der Regeln, an der Schule von Freunden finden Massenkonferenzen mit Häppchen statt.
        Lehrer, Schüler und Schulleitungen sind einem höchst zynischen Vorgehen ausgeliefert, Bayern ist eingenordet und spielt jetzt in NRW Tonlage.
        Alle, die diesem Experiment ausgesetzt sind, haben mein Mitgefühl. Allerdings kam der Protest auch nur sehr zahm. Die Lehrerverbände haben völlig versagt. Leichter konnte man noch niemanden zur Schlachtbank führen.

      • Von jeder Krankheit können Spätfolgen zurückbleiben. Ja, die positiv Getesteten in Europa steigen, doch wie viele davon sind wirklich krank? Auch wir leben völlig normal, ich bin auch gegen Maskenpflicht in der Schule, auch mein Umfeld lebt ganz normal. Die wissenschaftlichen Infos bei Corona tragen nicht dazu bei, dass man sich vor Covid-19 besonders schützen muss. Corona ist definitiv kein Killervirus.

    • @Illy Danke, ich hatte mich schon gewundert, warum das zuständige Kreisamt in den letzten Tagen immer nur von einer Grundschule in unserer Stadt sprach, an der 2 Fälle bekannt wurden, aber keine weiteren Qarantänemaßnahmen verkündet wurden? Namen der Schulen -insbesondere Grundschulen- werden nicht (immer) genannt, sonst würden vermehrt Eltern ihre Knder nicht mehr schicken oder Lehrer mit Vorerkrankungen, die Angst haben, sich aber verpflichtet fühlen als Klassenlehrer oder als einziger Sonderpädagoge etc. zu unterrichten, zu Hause bleiben.
      Andere Eltern schicken ihre Kinder nämlich trotz Rotznase und mehr in die Schule oder „vergessen“ Masken zu waschen und auch eine mitzugeben. Für Ersatz sorgt dann unsere Schule, um ja nicht als kleinlich dazustehen und morgens als erstes 10 bis 20 Eltern anzurufen, um sie an die Maskenpflicht und eine entsprechende Hygiene zu erinnern. So werden auch die allerletzten Maßnahmen und Verantwortlichkeiten für die Gesundheit aller derjenigen in der Schule aufgeweicht.

    • Diese Woche 50 % meiner Schüler mit mindestens schon letzte Woche getragenen Masken – man sieht es dem Stoff an, dass er nicht gewaschen wurde. Gleiches bei Papiermasken. Die werden drei Wochen getragen, daran rumgefingert, geklebt, geknotet, auf und abgezogen, bestenfalls aufgesetzt wenn ich darum bitte.
      Diese Woche mindestens 10 Mal einen Schüler nach Hause geschickt, weil trotz Schnupfen,
      Husten und Mehrfachsymptomen in die Schule geschickt. Das nicht mal unbedingt von Eltern, die arbeiten gehen (müssen); vorzugsweise von denen, die eh zu Hause sind.
      Immer wieder Eltern stundenlang nicht erreichbar, wenn die Kinder nach Hause geschickt werden müssen.
      Weiterhin wie in den letzten Monaten: hygienische Anarchie vor dem Schultor und überall sonst – an der Bushaltestelle, im Park, auf den Sportplätzen, vor Supermärkten etc.
      Kohorten werden auch in der Schule nicht konsequent eingehalten bzw. auf viel zu große Einheiten ausgedehnt. Es gibt immer irgendwelche Argumente. Auch von Kollegen, die dies hochpädagogisch finden.
      DA IST NICHTS MIT INFEKTIONSSCHUTZ!ICH FINDE ES VERANTWORTUNGSLOS, DASS DAS MÖGLICH IST UND NICHT VON OBEN GESTOPPT WIRD.

      Obendrein sind die Kinder total von der Rolle. Erklärungsversuch im Kollegium: alles wegen Corona und die Schulschließungen sind Schuld… WAS BITTE?
      Das System ist „Schuld“ – ich meine: die Ursache für den jetztigen Zustand vieler Kinder. Es fördert schon seit Jahrzehnten JAsager und Mitläufer, Notenerhascher und Nichtdenker. Schon lange geht es nicht mehr um Bildung und persönliche Entwicklung! Vielleicht ging es ind er Fläche noch nie darum.
      Frage mich, was die eigentlichen Ziele der heute üblichen Schule sind. Bildung wohl eher nicht.

      Die Chance, etwas grundlegend zu verbessern udn das Schulsystem für alle Beteiligten auf gesunde Füße zu stellen, wurde wieder mal verpasst.
      Mein Traum wäre, dass Kinder freiwillig in den Unterricht gehen, ohne es zu müssen.
      Einfach weil sie dort etwas bekommen, was ihnen wichtig ist.

      Bei und nach einer weiteren Schließung würden viele Kinder genauso in Lethargie verfallen wie im Frühjahr. Das System bleibt das Gleiche, es ist nicht geeignet, Selbständigkeit und Denken zu ermöglichen, ja nicht mal für alle Lesen und Schreiben als Grundkompetenzen zu vermitteln.
      Aber digital wird alles reißen…?????? Ein modernes Märchen!

      Noch ein paar Zahlentricks mehr oder weniger machen es nun auch nicht mehr aus.
      Finden wir uns damit ab, dass es so ist?
      Tut jeder wirklich das, was er tun kann, um es so nicht hinzunehmen?

  3. Guter Artikel! So sieht es auch für viele andere Bildungsbereiche aus. Hier gilt der alte Spruch: „Frag den Wirt, ob der Wein gut ist“. Welche Antwort wird wohl kommen? „Alles ist gut!“

  4. Ich halte die Darstellung der Kultusminister für sinnvoll, da es sehr wohl wichtig ist, absolute Zahlen in Relation zu setzen. Dadurch kann man sich eher eine Meinung dazu bilden, wie groß ein Problem ist.
    Im Übrigen können die im Artikel angesprochen Verkehrstoten durchaus sinnstiftend verglichen werden, z.B. um eine eigene Risikobewertung vornehmen zu können. Als Beispiel nenne ich den Vergleich des Risikos von Flugreisen und der Fahrt mit dem Auto/Taxi zum Flughafen. Der aus meiner Sicht legitime Sinn ist es, sich zu beruhigen, sich Ängste zu nehmen.
    Es ist meiner Meinung nach darüber hinaus sinnvoll und notwendig, absolute und relative Zahlen gemeinsam zu nennen – nur so lässt kann diese Risikobewertung begründet vorgenommen werden.
    Zusätzlich fände ich auch interessant zu wissen, inwieweit bei den positiv getesteten Schülerinnen und Kolleginnen auch eine Erkrankung vorliegt.

    • Wenn es sich um eine transparente Informationspolitik handeln würde – geschenkt. Dann könnten die Kultusminister gerne ihren relativierenden Senf hinzugeben.

      Wenn aber die harten Zahlen gar nicht auf den Tisch kommen – zum Teil auch deshalb, weil sie gar nicht erst erhoben werden -, dann ist doch klar, was hier gespielt wird: Es geht nicht um Information (auf die die Öffentlichkeit Anspruch hat), es geht um Propaganda.

      Wie sagte doch der ehemalige Bundesinnenminister de Maiziere einst so schön: „Ein Teil dieser Antworten würde die Bevölkerung verunsichern.“ Hat das irgendjemanden beruhigt?

      • Ich habe Ihnen noch nie so zugestimmt wie bei diesem Kommentar, vorausgesetzt er bezieht sich wirklich auf alles, was derzeit in der Politik so betrieben wird.

        • Es bezieht sich auf die Corona-Politik der Kultusminister. Was darüber hinaus „derzeit in der Politik so betrieben wird“, weiß ich nicht – kann aber so schlecht nicht sein, wenn man sich Deutschlands Situation im internationalen Vergleich anschaut.

          • Ich glaube, Sie wissen ganz genau, was ich meine, können das jedoch warum auch immer nicht zugeben.

            Keine Angst, ich bin auch nicht durchgehend konsequent mit meinen Maßstäben …

  5. Das ganze Vorgehen ist ziemlich naiv. Die Verantwortlichen können doch nicht im Ernst glauben, dass das gut geht. Je mehr Dynamik das ganze bekommt, desto höher wird die Gefahr exponentieller Entwicklungen, die man erst sieht, wenn sie schon sehr weit gekommen sind.

    Das „Unter den Tisch kehren“ hat schon ganz am Anfang in China nicht geklappt.

  6. Es wird nicht getestet…. Es wird nicht wissenschaftlich fundiert hingeschaut… also werden falsche Rückschlüsse geschlossen. Eigentlich erwartet man von BILDUNGDSministern ein anderes Vorgehen.

  7. Sehr geehrter Herr Priboschek, ich danke Ihnen für Ihren Artikel. „Fremdschämen“ finde ich noch sehr stark untertrieben.

  8. Ich zitiere aus dem Hygieneplan in Bayern: „ Kranke Schüler in reduziertem Allgemeinzustand mit Fieber, Husten, Hals- oder Ohrenschmerzen, starken Bauchschmerzen, Erbrechen oder Durchfall dürfen nicht in die Schule. Die Wiederzulassung zum Schulbesuch nach einer Erkrankung ist in Stufe 1 und 2 erst wieder möglich, sofern die Schüler nach mindestens 24 Stunden symptomfrei (bis auf leichten Schnupfen und gelegentlichen Husten) sind. In der Regel ist in Stufe 1 und 2 keine Testung auf Sars-CoV-2 erforderlich.„
    Wie viele Infektionen bleiben da wohl unerkannt…

  9. Das Problem ist auch der begrenzte Intellekt unser Ministerpräsidenten und Kultusminister. Das Virus breitet sich in allen Nachbarländern gravierend aus. Aber aus der Sicht der Politiker kommt das Virus wohl nicht über Grenzen hinweg. Das Glück hier noch niedrige Infiziertenzahlen zu haben und Vorkehrungen zu treffen, wird einfach verschenkt.

  10. „Kranke Schüler in reduziertem Allgemeinzustand mit Fieber, Husten, Hals- oder Ohrenschmerzen, starken Bauchschmerzen, Erbrechen oder Durchfall dürfen nicht in die Schule.“ Das sollte eigentlich auch ohne Corona selbstverständlich sein.

  11. Es gibt keinen wirklichen Unterschied zwischen den Menschen in Frankreich und Spanien und denen in Deutschland.
    Ich gehe daher davon aus, dass die Entwicklung, wie wir sie in diesen Ländern sehen, auch bei uns eintreffen wird.

    Was ich mich mittlerweile nur noch frage ist das: Werden die Kultusminister, die das verbockt haben, hinterher auch zur Rechenschaft gezogen? Mit dem heutigen Wissen ist das fahrlässig, was die machen. Grob fahrlässig.
    Jeder Lehrer, der mit Schülern einen Klassenausflug macht, steht mit einem Bein im Gefängnis (Baden, Bahnübergänge, Freizeit für die SuS, etc.).
    Da sollte für diese Leute, die das verbockt haben, auch Gefängnis drin sein.

  12. Ja, der Kommentar erfasst den Zynismus der Kultusministerialen perfekt. In Hamburg wird getäuscht, was das Zeug hält. Und die Gesundheitsämter spielen ein falsches Spiel oder sind wirklich so überlastet, dass Eltern tagelang auf Termine zur Testung ihrer Kinder warten, in deren Klassen Fälle auftraten. Es wird auch nur einmal getestet, wenn ein Massentest nötig ist. Schnell wieder in die Schule ist die Devise. Wir melden der Leitung zurück, dass wir uns nicht sicher fühlen. Die Antwort: Haltet Abstand, tragt Masken. Abstand ist in den Klasse aber ein Tabuwort! Also was?

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