Seehofer rügt Ministerpräsidenten für ihre Corona-Schulpolitik („unzureichend“)

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BERLIN. Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hat die Ministerpräsidenten der Länder für die hohe Zahl der Corona-Neuinfektionen und auch der Toten in Deutschland mitverantwortlich gemacht. „Die ab Oktober ergriffenen Maßnahmen waren unzureichend“, sagte Seehofer der „Bild am Sonntag“. Wörtlich: „Ich war Zeuge mehrerer Ministerpräsidenten-Konferenzen mit der Bundeskanzlerin und Bundesministern. Einige der teilnehmenden Politiker haben den Ernst der Lage einfach unterschätzt. Die Bundeskanzlerin gehörte übrigens nicht dazu.“

„Ernst der Lage einfach unterschätzt“: Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Foto: photocosmos1 / Shutterstock

Kritik übte Seehofer daran, dass ein „striktes Schutzkonzept“ für Schulen und öffentliche Verkehrsmittel weiterhin fehle. „Sie bekommen die Ausbreitung eines hoch infektiösen und potenziell tödlichen Virus nur mit rigorosen Gegenmaßnahmen in den Griff und nicht mit angezogener Handbremse“, mahnte der Innenminister. Bislang gebe es hier keine zufriedenstellenden Lösungen, so der CSU-Politiker.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die Ministerpräsidenten auf dem Bund-Länder-Gipfel im November gedrängt, die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts für die Schulen einzuhalten – vergeblich. Die RKI-Empfehlungen sehen vor, ab einem Inzidenzwert von 50 Wechselunterricht in kleineren Lerngruppen stattfinden zu lassen und eine generelle Maskenpflicht im Unterricht aller Jahrgänge zu erlassen.

Seehofer betonte zudem: „Wenn der Lockdown wirkt und die Zahlen nach unten gehen, dann dürfen wir mit schnellen Lockerungen nicht alles riskieren, was wir erreicht haben. Sonst geht es wieder von vorne los. Hat der Lockdown keine ausreichende Wirkung, müssen die Maßnahmen verschärft werden. Das Ziel der Schutz- und Hygienemaßnahmen ist, die Dynamik im Infektionsgeschehen zu durchbrechen. Wir sollten jetzt die Entwicklung abwarten und dann entscheiden. Eine dritte Welle müssen wir unter allen Umständen vermeiden.“ News4teachers

Von Selbstkritik keine Spur: Hubig tritt von der KMK-Spitze ab – und zieht eine positive Bilanz („Wir waren immer ein Team“)

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30 KOMMENTARE

  1. Baden-Württembergs Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) will sich dafür einsetzen, dass Grundschulen und Kitas nach dem Lockdown am 10. Januar wieder öffnen dürfen. Gerade mit kleineren Kindern sei digitaler Unterricht nicht möglich, sagte Eisenmann in Stuttgart. „Ich gehe davon aus und werbe sehr dafür, dass wir Kitas und Grundschulen in jedem Fall wieder in Präsenz öffnen und auch Klasse 5, 6 und 7 sowie die Abschlussklassen im Blick haben – unabhängig von den Inzidenzzahlen“, sagte sie. Präsenzunterricht sei durch nichts zu ersetzen. Die Kultusminister der Länder wollen in den nächsten Tagen darüber beraten, wie es mit dem Schulunterricht weitergehen soll.
    Soviel dazu… Stand heute, 6.50 Uhr

    • interessant…
      Also sollen laut Eisenmann die Jahrgänge 1-4 in den Grundschulen und 5-7 sowie die Abschlussjahrgänge 9, 10 und 12/13 vom Hausbriefunterricht ausgenommen werden.

      Was bleibt?
      8 und 11.
      Chapeau, Frau Eisenmann.

        • Wohl eher eine Freud’sche Fehllleistung, die aber den Kern der Sache beim derzeitigen Digitalisierungsstand gut beschreibt.

          „Hausbriefunterricht“ – dafür Daumen hoch. Ihre Autokorrektur besitzt vermutlich mehr künstliche Intelligenz als die KMK natürliche.

  2. Dann soll er bitte die Kanzlerin ausdrücklich darin unterstützen, dass endlich sinnvoll und angemessen gehandelt wird. Auch und gerade auf Länderebene – denn da saßen bisher diejenigen, die der Realität der Pandemie nicht ins Auge sehen wollten.

    Er ist auch für den öffentlichen Dienst zuständig, sorgt aber wie all seine Vorgänger nicht dafür, dass wir Lehrer (oder andere Beamte) gehört werden oder auch nur einen offiziellen, „straffreien“/“sanktionsfreien“ Weg hätten, uns bei den entscheidenden Stellen zu Wort zu melden. Remonstrationen sind genauso zahnlose Tiger wie Personalrat oder „Gewerkschaften“ (die dem eigentlichen Sinn einer Gewerkschaft nicht entsprechen).

    Hier wäre der erste wichtige Ansatzpunkt: Die eigenen Mitarbeiter vor Ort auf allen Ebenen hören, ihnen zuhören, sie auffordern, sich aktiv an der Entscheidungsfindung zu beteiligen, um RICHTIGE Entscheidungen treffen zu können.

    Brauchen wir wirklich noch ein Beamtensystem der „Hörigen“ wie vor 100 Jahren?
    Die Welt ist international geworden, Probleme müssen weltweit gelöst und lokal umgesetzt werden, lokale Probleme wirken sich im Zweifel weltweit aus, ein Rädchen greift ins andere, aber die Beamten agieren in einem System wie vor 100 Jahren?

    Die Pandemie bringt auch hier versäumte Anpassungen ans Licht.

    Ich möchte ohne Angst vor Sanktionen meiner Ministerin, meinem Innenminister, meiner Bundeskanzlerin schreiben dürfen, wenn ich denke, ich haben ihnen etwas zu sagen.
    Und dazu möchte ich nicht erst meine Schulleitung, mein Schulamt, meinen Dezernenten, zur Absicherung den Lehrerrat, den Bezirkspersonalrat, den Hauptpersonalrat fragen müssen… und im Zweifel an der persönlichen Weltanschauung eines dieser Beteiligten scheitern…

    Es geht in diesen Dingen nicht um Kritik an Vorgesetzten oder Verfehlungen, die auf dem Dienstweg angezeigt werden müssen.
    Es geht um das Wohl der Gesellschaft in einer Situation, von der die Entscheider behaupten, sie haben sie nicht kommen sehen können.
    Mag sein, nicht jeder hat biologisches oder medizinisches Vorwissen.
    Hätte man aber Lehrer gefragt oder ihnen zumindest zugehört, hätte man für die Schulen immerhin rechtzeitig angemessen handeln können und nicht ausprobieren müssen auf dem Rücken aller mittelbar und unmittelbar Beteiligten!

    Ich hoffe, es ist nicht zu spät für die Erkenntnis des Herrn Seehofer – und ich hoffe, sie wird nicht auch wieder aus förderalistischem Standesdünkel heraus ignoriert!

    • @kanndochnichtwahrsein: Chapeau!!!! ….sehr wohl gesprochen. Ich halte mich auch schon lange nicht mehr an die preußischen Remonstrationsketten, die einem mehr als deutlich vermitteln, dass man als LoL lediglich ein mieses kleines Rädchen im großartigen Bildungssystem unseres Landes ist…die KMs nehmen ihren Befehlsbereich quasi nach Alter Gutsherrenart als „Beritt“ wahr….fehlt nur noch das „ius primae nocte“

  3. Das werden sich die KM vermutlich durch den Kopf gehen lassen: Linkes Ohr rein, rechtes Ohr raus und dann weitermachen wie bisher.

    „Die RKI-Empfehlungen sehen vor, ab einem Inzidenzwert von 50 Wechselunterricht in kleineren Lerngruppen stattfinden zu lassen“

    Auch das ist Irrsinn, wenn man keine Luftfilter hat und LuL in verschiedenen Gruppen einsetzt (was man ja zwangsweise tun muss, weil es gar nicht genug gibt).

    Das Ziel kann nicht darin bestehen, bei einer Inzidenz von 50 zu verharren. Das Ziel muss sein, viel weiter runterzukommen.

    Zudem muss man endlich sämtliche Möglichkeiten abschaffen, bei den Zahlen zu manipulieren. Inzidenz zu hoch? Wir testen einfach weniger.

    Richtig gut fand ich hier den Gedanken, so etwas wie Schulbetrieb neben der Inzidenz auch an der Positivrate fest zu machen. Wenn ich mich recht entsinne (weiss die Quelle nicht mehr), hat man das wohl in New York gemacht und eine Rate von – wenn ich mich recht entsinne – 3% als Schwelle gesehen. Wir sind aktuell bei fast 12%! Auch das darf nicht das einzige Maß sein, sondern man muss die Inzidenz mit einbeziehen, vielleicht als Produkt aus Inzidenz und Positivenrate. Damit hat man gegenläufige Faktoren, die einen Betrug erschweren: Weniger testen steigert die Postivenrate und senkt die Inzidenz, sehr viel testen senkt die Positivenrate, steigert aber durch das Absinken der Dunkelziffer die Inzidenz.

    Was auch auf den Schrottplatz gehört, sind Überlegungen, das ganze an der ITS-Belegung oder den Toten festzumachen: Dass die den Infektionszahlen sehr stark verzögert folgen, sollte auch der Letzte verstanden haben. Das wäre dann etwa so, als wenn man ein ferngesteuertes Auto anhand eines Videobildes steuern will, das mehrere Minuten gegenüber den Steuerkommandos verzögert ist.

    • Danke, Jan aus H.
      Mir fehlt immer mehr der Glaube daran, dass an Schulen die Vernunft und Wissenschaft einzieht. Meine Kinder musste von Lehrerseite Tiraden über Trump ertragen und erleben jetzt Kultusminister und Schulen, die Wissenschaft leugnen und die wie Trump geöffnete Schulen wollen. Trump hat wenigstens ehrlich gesagt, dass es ihm um die Wirtschaft geht. In Deutschland kommen die Trumpisten mit Bildungsgerechtigkeit und häuslicher Gewalt an. Das hat vor 2019 niemanden interessiert, die Gelder wurden für diese Bereiche immer wieder gekürzt. Und jetzt entdecken sie Bildungsgerechtigkeit und vernachlässigte Kinder. Diese Scheinheiligkeit kotzt mich an.
      Es geht um Betreuung, damit die Drohnen weiter ackern.
      Meine Mitarbeiter wissen nicht, wie es im Januar weitergehen wird. Einige reichen bereits vorsorglich Urlaub ein.
      Das ist doch nur noch Chaos.

  4. Menschen, denen 900 Verstorbene täglich egal sind, denen geht auch eine Rüge von Seehofer sonstwo vorbei. Da unsere Demokratie offensichtlich keinen Mechanismus gegen verantwortungsloses Handeln von Länderchefs hat (eine erschreckendd Erkenntnis), wird der Präsenzunterricht ab der 2. Januarwoche wieder ohne nennenswerte Schutzmassnahmen stattfinden.

    • Naja, ob der Präsenzunterricht im vollen Umfang stattfinden wird, kann von den KuK maßgeblich beeinflusst werden.
      Wir haben 1000 Tote pro Tag! In einer Woche sind das 7000 und in vier Wochen 28000! Eine ganze Gemeinde einfach so ausgelöscht. Wer da zur Massenversammlung Schule geht, ist fraglich.

      • @ Defence: […]“ kann von den KuK „maßgeblich beeinflusst werden“ […]
        Was eine KuK- Konferenz leistet, haben wir ja an den vollkommen verfälschten der vergangenen Male sehen können, als maßgebliche Aussagen von Wissenschaftlern, die anwesend waren, nicht oder stark verfälscht wiedergegeben wurden. Und was die einzelnen KuK anrichten, haben wir seit März erfahren müssen.
        Aber es stimmt schon: Frau Eisenmann bei uns in Baden-Württemberg hat schon die Devise losgelassen, dass ab 11.1. wieder für alle Klassen außer 1,2,3,4,5,6,7, und Prüfungsjahrgängen wieder in Präsenz gehen müssen-unabhängig (Originalton) von irgendwelchen Inzidenzzahlen. Dazu: Man dürfe sich nicht nur an Virologen orientieren.
        DAS heißt „maßgebliche Beeinflussung“: nicht nur völlig vorbei, sondern eindeutig gegen die betroffenen Menschen: Kindern Jugendlichen, Eltern und Familenangehörige, Erziehern und Lehrern!

        • KuK hier nicht als Kollegen und Kolleginnen, sondern als Kultusminister und -innen gemeint. Sorry für evtl Missverständnisse. Und was sollen wir, in einer Dienstabhängigkeit als Beamte arbeitenden Lehrer schon ändern? Schreiben von Kollegien werden nicht einmal beantwortet (jedenfalls nicht bei meiner Schule). Es wäre interessant hier Feedback zu erhalten, welche Schulen auf Schreiben an KuMi, egal ob auf dem Dienstweg oder direkt, überhaupt Antworten bekommen haben…

  5. Meine Frau hat mir ein Lehrerforum gezeigt und neben einigen hellen Kerzen, gibt es dort viele Schreiber, die sich auch mit 900 Toten am Tag wohl fühlen, wenn die Schulen offen sind. Ich war sprachlos und frage mich, wer da auf unsere Kinder losgelassen wird. Das klang wie die FDP Ortsversammlung. Die dort versammelten Lehrer verstehen weder eine Exponentialfunktion, noch fordern sie Arbeitsschutz. Soviel Dummheit wie dort ist mir selten begegnet. So gesehen sind Lehrer sich wohl selbst der größte Feind und die KMK können weiter auf willige Mitstreiter beim Himmelfahrtskommando Schule hoffen.

    • xy, über Ihren Kommentar musste ich herzhaft lachen.

      Leider haben Sie recht: Sehr viele – wenn auch nicht alle – KuK lassen einfach alles (mit ihnen) geschehen. (Warum, kann ich nur vermuten.)
      Mittlerweile frage ich mich, was wir den Kindern und Jugendlichen noch beibringen sollen, wenn Wissen, Wissenschaft sowie Empathie und Menschlichkeit keinen Wert oder Bedeutung haben……
      (Mini-Lebenskrise, in der Lachen sehr gut tut. Vielen Dank für Ihre Kommentare!)

  6. @xy,
    leider ist es so. Viel zu viele LehrerInnen reden nur hinter vorgehaltener Hand, aus unterschiedlichsten Gründen. Manchen ist auch nur die gemütliche Kaffeerunde im Lehrerzimmer wichtig und sagen gar nichts zu Corona. Empathie hat man oder entwickelt sie, viele sehen eben auch nur sich selbst und den „guten Kontakt“ zur Schulleitung. Es könnten ja Nachteile für sie entstehen.

    • Milla, das sagt meine Frau auch. In Bayern gibt es dieses unsägliche Instrumentarium der Beurteilung, bei der auch Altlehrer über 50 immer wieder beurteilt werden. Es hat keinerlei Konsequenz, aber die Arschkriecherei scheint in diesen Zeiten ein Höchstmaß zu erreichen. Deshalb verwundert es nicht, dass keine offene Kritik geäußert wird. Es wird massiv gelästert, aber wenn die Schulleitung in der Nähe ist, will man nicht auffallen. Es wird ja häufig über die Arbeitsverhältnisse in der Wirtschaft geschimpft, aber so ein Duckmäusertum würde nicht goutiert werden. Kritik führt zu Innovation. Kriecherei zu Stillstand. Es ist mir seit September ein Rätsel, wie sich eine Berufsgruppe so verar… und verhöhnen lassen kann. Vielleicht liegt es an diesen verkrusteten Strukturen.

    • @ Milla, @ xy:
      Lehrerzimmer? Keine Treffen von mehr als 2 bis 3 Kollegen/Innen seit Corona: Pflicht permanent bei der Klasse zu sein, auch in allen Pausen. Selbst WC-Gänge werden, wenn möglich „verdrückt“ bis nach der Unterrichtszeit.

      „Gemütliche Kaffeerunde“? Siehe einen Satz weiter oben. Selbst Konferenzen in großem Sicherheitsabstand früher in der Sporthalle, jetzt meist Online.

      „Schleimerei, A..kriecherei“: Arme Kollegien, die so eine Schulleitung haben sollten, die nicht dagegen angeht! Aber: Leider ist das wohl zu Deutsch, als das es nicht existierte.

      „keine Äußerungen, Duckmäusertum“ ?: Ich bitte um Nennung eines gangbaren, legalen Weges, außer Briefen, die wirklich bei den Entscheidern der Ministerien ankommen. Die meisten von uns dürfen nach Dienstrecht nicht streiken. Klar, die Kultusministerien vernachlässigen massiv ihre Fürsorgepflicht-wir haben aber keinen Weg, dagegen Maßnahmen zu ergreifen.

      „Krank MACHEN?“: Ist keine Lösung, weil dann die anderen Kollegen umso mehr Kinder haben (wenn nicht die Schulleitung betroffene Klassen beherzt zu Hause lässt) – außerdem wäre das eine Art Verrat an unseren Schülern. Die Krankenzahlen unter Lehrern (bitte selbst in den erfassten Zahlen und Statistiken nachsehen) sagen dazu viel aus (übrigens auch die zunehmenden Zahlen an ausgebrannten, „kaputten“ Kollegen).

      Es ist wie immer: Lehrer sind Schwätzer, Kaffeetrinker, faul, unmündig, nur-Urlauber, verdienen zu viel…was habe ich vergessen? Billig finde ich diese Art von „Kritiken“ und den allermeisten dieses Berufes gegenüber unfair! Klar gibt es (leider) wie in jedem anderen Beruf auch, ein paar wenige Kollegen/innen die auf Kosten des Kollegiums sich durchlavieren und auf „Nummer bequem“ ihr Geld verdienen. Leider sind es auch diese, die oft unser Bild in der Öffentlichkeit prägen-wie immer, wenn irgendwo etwas schlecht läuft, wir dies bei uns im Lande breitgetreten von Presse und Medien – und das dankbare Publikum hat etwas zu „motzen“, wie Sie es hier, fast auf Bild-Zeitungs-Niveau, ebenso tun.

  7. Stop. Ich habe weiter dort gestöbert und nehme mein Urteil zurück. Es gibt dort viele vernünftige Lehrer, die die Lage treffend einschätzen. Das war ein falscher erster Eindruck. Vermutlich ist die Lehrerschaft nicht geteilt, aber wie überall geben die Lauten den Ton an. Querdenker gibt es auch bei Lehrern.

    • @xy:
      Die Feststellung, dass es „Querdenker“ in allen Berufs- und Bevölkerungsgruppen gibt, muss ich leider auch immer wieder machen.
      Auch wenn’s schwerfällt das zu akzeptieren.

      Denken und das Vertreten dieser kruden Theorien schließt sich meiner Ansicht nach aus.
      Ich hoffe und meine, dass die Denkverweigerer unter den Lehrern eine ganz kleine Randgruppe darstellen.
      Gelegentliche Posts hier von angeblichen Lehrern mit einer solchen Haltung sind (wie ich glaube) nicht echt.
      Ich erlebe unter Lehrern in erster Linie die, die sich nicht trauen, laut auszusprechen, was sie wirklich denken.
      Unter Eltern überwiegen in meinem Umfeld die, die Angst vor der eigenen Belastung durch zu viele Aufgaben haben. Da ist es doch wesentlich bequemer, die Augen zu verschließen und die Devise „Alles muss bleiben wie es war“ in Dauerschleife von sich zu geben. Die Verbindung zu Querdenkerparolen ist da leicht herzustellen und für manche die logische Konsequenz…
      Solange es die eigene Familie nicht betrifft ist das Elend nicht greifbar. Der Leidensdruck steigt erst dann, wenn die Einschläge näher kommen.
      Das wünsche ich keinen, es wird aber wohl immer häufiger so passieren.

      Nebenbei noch etwas Lehrerbashing dient dem Frustabbau und erleichtert ungemein.

      Empathie geht anders.

  8. @dickebank,
    „Lehrereiskaffee“ ist mir bekannt, schmeckt aber nicht. Erklärung für @xy: Das ist der warme Kaffee im Lehrerzimmer, bei dem es einem kalt den Rücken runter rieselt. Die Gesprächsthemen sind banal, es gibt viel Hi-Hi-Hi und Ha-Ha-Ha, aber über Menschen, die Angehörige gerade verlieren oder schon verloren haben, kein Wort. Bei manchen ist die Schleimspur so lang, dass man aufpassen muss, nicht auszurutschen. Ich habe auf jeden Fall meine Konsequenz gezogen, Lehrerzimmer betrete ich nur noch im Notfall, wie einige Charakter-KollegenInnen, die meine Achtung haben.

    • Milla,
      Eiskaffee, das passt:-)
      Bei der langen Schleimspur musste ich lachen. Ich kenne diese Bücklinge auch aus der Wirtschaft und finde sie abstoßend. Hier werden sie meist schnell aussortiert, da Hinterfotzigkeit und Schleimerei oft in Personalunion auftreten. Der smarte Schleimer hat zunehmend ausgedient.
      Ich kann gut nachvollziehen, dass sie das Lehrerzimmer meiden. Das klingt ja wie eine Irrenanstalt, wenn dort Menschen Tote ignorieren und belächeln.
      In meiner Schulzeit war das Lehrerzimmer ein Hort des Geheimnisses. Schüler hatten keinen Zutritt und es gab viele Lehrer, die guten und prägenden Eindruck hinterließen. Charakterköpfe.
      Meine Frau sagt, dass Schule immer mehr zu einem Dienstleistungsbetrieb wurde und der Umgang mit Schulen in Coronazeiten war wie ein Faustschlag.
      Allen Lehrern mit Rückgrat wünsche ich endlich, endlich vernünftige Politiker, die ihre wertvolle Ressource Lehrer nicht weiter einem Virus zum Fraß vorwerfen!

      • xy, Milla: Immer weiter: Fleißig pauschalisieren, denn was einer von jemandem anderen gehört hat, was er/sie gesehen oder erlebt hat, gilt natürlich für alle: ALLE Lehrer, ALLE Schulen etc. . Es gibt nicht „das“ Lehrerzimmer, „den“ Lehrer, „die“ Schule! Wenns aber Ihrer Entlastung und Psychohygiene dient-bitteschön….

  9. Lehrereiskaffee lässt sich auch als Kaffee mit der Temperatur definieren, die sich einstellt, wenn pandemiebedingt im Winter ständig die Fenster aufgerissen werden müssen. Dass vom Kniebeugen und Händeklatschen der Kaffee wieder warm wird, erzählt mir nicht einmal die eiserne Lady von BaWü.

  10. @Miss Honey

    „Mittlerweile frage ich mich, was wir den Kindern und Jugendlichen noch beibringen sollen, wenn Wissen, Wissenschaft sowie Empathie und Menschlichkeit keinen Wert oder Bedeutung haben……“

    Mal gucken, was da geht.

    Mathe, Physik, Biologie, Chemie, Heimat- und Sachunterricht, NaWi, Verbraucherbildung, Haushaltswissenschaft – alles Wissenschaft, also nein.

    Geschichte, Geographie – müssen raus, sonst könnte man Zusammenhänge verstehen und auf den Gedanken kommen, dass die Erde wichtiger ist als Geld und Konsum.

    Englisch, Französisch, Spanisch, Latein, Deutsch – Sprachen verbinden Länder, Menschen und sorgen dafür, dass Inhalte verstanden werden können, wenn aber die Wissenschaften rausfallen, kann man mit den Inhalten nichts anfangen. Die bleiben drin, damit man die Lügen versteht und in alle Herren Länder tragen kann.

    Ethik, Religion – hat was mit Menschlichkeit und Empathie zu tun – geht auch nicht mehr.

    Sport – gesunder Körper, nicht schlecht. Hilft nicht bei Corona, aber man erkältet sich nicht so schnell wegen des Lüftens bei Minustemperaturen. Bleibt drin, sonst können die Drohnen nicht arbeiten.

    Musik und Kunst – hm, unentschieden. Hat Aussagekraft, verbindet Menschen, hat was mit Empathie zu tun…. – verloren, müssen also doch raus.

    Werken und technisches Werken – da könnte man Luftfilteranlagen selber bauen – RAUS!

    WiPo – ganz gefährlich. Wi bleibt drin, Po muss raus oder inhaltlich überarbeitet werden.

    Das macht den Lehrplan sehr schlank. Da sollte Wechselunterricht kein Problem mehr sein. Ich glaube, das geht auch von zu Hause.

    Nennen wir es Märchenstunde 1, 2, 3 und zum Differenzieren auch noch 4 und dann ist alles gut.

    Tut mir leid, aber ich ertrage das alles nur noch so.

    • Top. Jetzt habe auch ich tatsächlich lachen müssen.

      Btw in unserem Lehrerzimmer wurden auch ernste Themen besprochen, von welchen SuS sie Großeltern verstorben sind und die Mutter auf der Intensiv liegt. Betroffenheit war und ist groß.

      Dann gibt es andere Lehrer, die glauben, dass SuS vor Corona sicher sind. Und die LuL nur die SuS anstecken würden. Und dass Hände waschen reicht… also neben ein bisserl frischer Luft und Maskentragen. Als im Gespräch einmal aus mir alles rausbrach, was meine Meinung zu dieser schulischer Massenveranstaltung ist, von asymptomischen SuS, die den Mist in ihre Familien bringen, u.ä. floh er schnell.

      Es gibt bei uns eine Vielzahl von Ansichten je nach Erfahrungshorizont, von Bleib-mal-locker bis zur ausgewachsenen Ansteckungsfurcht.

      Aber dass die Entscheidung der KMs zu diesen vielen Toten führen wird, war mir früh klar. Und das jetzt schädigt die Wirtschaft (um es mal politisch auszudrücken) um ein vielfaches mehr, als diesen verdammten Wechselunterricht einzuführen. Mit kleinen Klassen komme ich um ein vielfaches schneller mit dem Stoff durch.
      Dieses verbohrte und bornierte KM-Gehabe macht alles viel schlimmer als es hätte werden können. Der jetzige Lockdown, der Existenzen nachhaltig zerstört, hätte im größeren Umfang vermieden können indem die einzige weiter fortlaufende Massenveranstaltung Schule mit dem Mantra “Volle Präsenz” nicht mehr stattgefunden hätte. Eine Entzerrung wäre das einzige Vernünftige gewesen.

      Es hätte sicherlich noch weiterer zusätzlicher Massnahmen bedurft, aber asymptomatische auf einen Haufen zu werfen und abzuwarten…

      Hach, vom Lachen in die Verzweiflung abgerutscht… ich wünschte es wäre alles anders gelaufen.

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