Motiviert im Fernunterricht? Dafür braucht es realistische Ziele und persönliche Rückmeldungen

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BAMBERG. Lesekompetenz und die Bereitschaft, sich anzustrengen, sind elementar für die Motivation von Schülern im Distanzunterricht. Das Interesse an Lerninhalten spielt dagegen nur eine geringe Rolle, zeigt eine Sonderbefragung zum Nationalen Bildungspanel (NEPS).

Fehlt es an der Motivation? Foto: Shutterstock

Im regulären Schulbetrieb durchaus umstritten, hat das selbstständige Lernen zu Hause für Schülerinnen und Schüler in der COVID-19-Pandemie eine zentrale Bedeutung erlangt. Landauf, landab versuchen Lehrerinnen und Lehrer, Bildungspolitiker und -forscher die Frage zu beantworten, wie gut die Schülerinnen und Schüler mit der neuen Lernsituation zurechtkommen. Wissenschaftler des Leibniz-Institut für Bildungsverläufe (LIfBi) haben sich der Frage in einer Corona-Zusatzbefragung im Rahmen des Nationalen Bildungspanels (NEPS) genähert. Dazu haben sie Befragungen von 1.452 Eltern während des Lockdowns im Frühjahr 2020 sowie Kompetenztests und Befragungen aus dem Jahr 2018 herangezogen.

Die Auswertungen der Elternbefragungen zeigen, dass die Kinder mit hoher Lesekompetenz und hoher Anstrengungsbereitschaft besser mit dem Lernen zu Hause zurechtkamen. Eine geringe Rolle für die Lernmotivation während der Schulschließungen spielte hingegen das Interesse an den Lerninhalten.

Zwei Drittel der befragten Eltern (67 %) von 14-jährigen Schülerinnen und Schülern der achten Klasse berichteten von Problemen, ihre Kinder beim Distanzunterricht zum Lernen zu motivieren. Etwa die Hälfte davon (35 %) fand dies „eher schwer“ oder „sehr schwer“. Ein deutlicher Unterschied zeigte sich dabei zwischen den Geschlechtern: Eltern gaben für Jungen deutlich häufiger an, dass sie schwierig für das Lernen zu Hause zu motivieren waren als für Mädchen.

Die Forscher um Kathrin Lockl vom LIfBi kombinierten im Anschluss die Elterneinschätzungen mit den Ergebnissen von Kompetenztests, die dieselben Schülerinnen und Schüler anderthalb Jahre zuvor im Rahmen des Nationalen Bildungspanels erbracht hatten. Dabei habe sich gezeigt, dass diejenigen, die gute Lesekompetenzen gezeigt hatten, sich auch leichter zum Lernen zu Hause motivieren ließen.

Naheliegend, denn das Lesen von Texten in Schulbüchern, aber auch von Anleitungen und Arbeitsanweisungen sei für das Lernen zu Hause besonders wichtig, vermuten die Autorinnen des Berichts. Anders als im regulären Präsenzunterricht könnten Lehrkräfte den Lernstoff und die Aufgaben in vielen Fällen nicht mündlich erklären. Die Fähigkeit, schriftliche Texte zu verstehen, werde damit zur zentralen Kompetenz für alle Schulfächer – nicht nur für den Deutschunterricht.

Lockl und ihre Co-Autorinnen vermuten, „dass Schülerinnen und Schüler mit geringeren Lesekompetenzen häufiger Verständnisschwierigkeiten haben und manche Aufgabenstellungen weniger gut nachvollziehen können. Solche eher entmutigenden Erfahrungen könnten dann dazu beitragen, dass Schülerinnen und Schüler weniger motiviert sind, ihre Aufgaben zu erledigen.“

Kann man daraus vermuten, dass die Schulschließungen die Lücke zwischen den lernwilligen und den unmotivierten Schülerinnen und Schülern weiter vergrößert, könne der Distanzunterricht aber Chancen bieten, das selbstregulierte Lernen zu fördern. Der Fernunterricht könne so Kindern auch helfen, ihre Kompetenzen zu entwickeln, befindet LIfBi-Direktorin Cordula Artelt. Dazu müssten Lehrende allerdings verstärkt Methoden nutzen, die individuelle Rückmeldungen erlauben. Artelt: „Damit Kinder motiviert sind, brauchen sie realistische Ziele und Rückmeldungen. Sie müssen sich als kompetent und autonom erleben. Eigentlich eignet sich das Lernen auf Distanz wunderbar dazu, selbstreguliertes Lernen zu fördern, aber es muss eine gute Mischung aus selbstständigen und angeleiteten Phasen geben.“

Wird Distanzunterricht dagegen nur als die Übermittlung von Aufgaben verstanden, bestehe die Gefahr, dass Kinder zu wenig Rückmeldung erhalten und gerade diejenigen, die ohnehin Motivationsschwierigkeiten haben, abgehängt werden. Die bisherigen Auswertungen der NEPS-Zusatzbefragung legten nahe, dass dies im ersten Lockdown oft der Fall gewesen sei. Bildungsforscherin Artelt empfiehlt Lehrerinnen und Lehrern deshalb unbedingt, individuelle Elemente zukünftig in den Distanzunterricht einzubauen, zum Beispiel durch persönliche Sprechstunden, Videokonferenzen oder interaktive Aufgaben.
Klar sei auch: Eltern können diese didaktisch-pädagogische Begleitung nicht ersetzen. Was Eltern von den Schulen brauchen, sei neben Planbarkeit des Homeschoolings auch Transparenz, was im Fernunterricht erwartet wird und was die Kinder in dieser Zeit leisten sollen. (zab, pm)

Lehrer sehen deutliche Lernrückstände – es hapert beim digitalen Unterricht

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33 KOMMENTARE

  1. empfiehlt Lehrerinnen und Lehrern deshalb unbedingt, individuelle Elemente zukünftig in den Distanzunterricht einzubauen, zum Beispiel durch persönliche Sprechstunden, Videokonferenzen oder interaktive Aufgaben.

    Das stimmt. Und ist doch im Stundendeputat einer Lehrkraft mit einer hohen Anzahl an Lerngruppen überhaupt nicht zu leisten, ohne sich in eine massive Selbstausbeutung zu begeben.

    Eine Lerngruppe besteht in der Regel um die 30 Schüler an den weiterführenden Schulen. Zumindest bei mir ist das so. Geht man mal systematisch daran, dann dauert es je SuS etwa 10 Minuten für den Download und Korrektur der Schülerantwort, Erstellung eines wertschätzenden Feedbacks und Hochladen sowie Freigabe der Korrektur und des wertschätzenden, individuellen Feedbacks auf der Lernplattform. Je nach Aufgabenstellung dauert es mal, mal weniger als 10 Minunten. Selbst wenn es nur 5 Minuten je SuS sind, frisst alleine die Korrektur- und Feebackzeit die vorgesehene Arbeitszeit für ein doppelstündiges Fach. Die Aufgaben müssen aber noch inhaltlich herausgearbeitet, auf zahlreichen Stufen differenziert und digitalisiert werden. Dazu kämen ja dann noch die Videokonferenzen mit der Klasse und dem Anbieten von persönlichen Sprechstunden. Und dann sollen wir noch Zeit dafür haben, interaktive Aufgaben bei Mentismeter oder sonst wo zu erstellen?

    Ohne Entschlackung der Stundentafeln ist das nicht leistbar, aber das werden die Schulleitungen nicht angehen, wenn ihnen und uns ständig erzählt wird, nächste Woche geht es normal wieder weiter.

    • Tja, kleiner Planungsfehler in der Unterrichtsvorbereitung würde ich sagen.
      Nicht nur, dass die Hälfte der Klasse sich die Lösungen untereinander zuschickt, sondern auch, dass man nicht mit Gewissheit sagen kann, ob die Arbeit wirklich vom Schüler gemacht wurde. Das lässt jede Leistungsbewertung ins Leere laufen.

      Schreiben Sie einfach einen kurzen Test über die Aufgaben, wenn die Schüler wieder da sind. Letztendlich geht es doch darum, ob die Schüler es verstanden haben und nicht um ausgefüllte Arbeitsblätter.

    • Doch das geht. Genau so mache ich es. Plus Besuche am der Haustür in meiner eigenen Klasse. Allerdings habe ich letzte Woche tatsächlich 68 Zeitstunden gearbeitet, um das zu leisten. Ein, zwei Wochen halte ich noch durch. Ich hoffe, dann gehen die Fallzahlen runter und Präsenzunterricht ist verantwortbar möglich.

  2. Diese Situation sollte in der Tat dazu genutzt werden, das selbständige Lernen zu üben – das heißt auch, NICHT voraussetzen, dass die Kinder das schon können oder die Eltern das schon richten werden. Ich erinnere mich ungern an die zwei (?) Wochen Abiturvorbereitung: nach überstandener schwerer Infektion alleine in einer Wohnung zur Untermiete und völlig überfordert und unvorbereitet, trotz exzellenter Lesekompetenz. Andere Jugendliche haben mit ihren Eltern gelernt, bei einer riesigen Tasse Kakao …
    Das selbständige Lernen sollten wir plötzlich einfach können, genauso wie die mündliche Prüfung vor mehreren Prüfern und Zuschauern.

    • Meine Tochter lernt auch alleine für ihr Abitur, obwohl wir anwesend sind. Ich habe das früher auch alleine gemacht. Ich finde das normal.

    • „Das selbständige Lernen sollten wir plötzlich einfach können, genauso wie die mündliche Prüfung vor mehreren Prüfern und Zuschauern.“.

      Das selbständige Lernen sollte in den Jahren zuvor angebahnt worden sein. Zudem ist das genau die Voraussetzung zum Studium, denn dort geht es ja vor allem darum, sich alleine mit verschiedenen Sachverhalten auseinanderzusetzen, ohne dabei über die Schulter gesehen zu bekommen. Wer das also nicht kann, sollte sich die Frage stellen, ob ein Studium die richtige Entscheidung ist.
      Auch mündliche Prüfungen sollten eigentlich zum Beispiel bei Präsentationen simuliert werden. Da gibt es dann auch Zuschauer. Blöd natürlich für Schüler, die sich versuchen diesen Situationen zu entziehen. Zuschauer sind eigentlich untersagt bei Prüfungen, außer der Prüfling wurde zuvor gefragt. Das kann ich also nicht wirklich nachvollziehen.

      • Ob ich für eine Arbeit im Kontext des normalen schulischen Alltags lerne oder für vier bedeutsame Prüfungen ganz ohne alltägliche Struktur ist doch gar nicht zu vergleichen – und eine Prüfungssituation, in der nicht nur der das Fach unterrichtende Lehrer prüft kannte ich vorher auch nicht. Und ja, ich wurde wohl direkt vorher gefragt, ob ich Zuschauer erlaube und habe selbstverständlich ja gesagt (sie saßen ja alle schon da).
        Ich würde mein Kind in einer vergleichbaren Situation definitiv unterstützen – mit Strukturvorschlägen, Arbeitsplänen (lange vorher) und auch ganz konkret, falls erwünscht – außer, mein Kind könnte das auf wundersame Weise schon selbst. Im übrigen ist das Studium in vielen Ländern viel stärker verschult und die fehlende Selbständigkeit der Studenten wird oft angemahnt. Und Prokrastination ist so alt wie das Studium.
        Ich verstehe aber die Einwände (?) nicht. Es gibt Kinder, die können selbstständig lernen, es gibt Kinder, da helfen die Eltern und es gibt Kinder, die brauchen mehr Anleitung, um lernen zu können. Und dass sie lernen ist ja wohl das Ziel (oder ist es beweisen zu wollen, dass sie nichts an der Uni verloren haben?).

    • Das selbständige Lernen lernen die Kinder von klein auf. Meinen eigenen 3 Kindern habe ich im Abitur überhaupt nicht geholfen, bzw, helfen können. Das müssen sie zu diesem Zeitpunkt können. Inzwischen studieren alle, wieder ohne meine Hilfe. 😉

  3. Lesekompetemz und die Bereitschaft, sich anzustrengen sind elementar für jeden Unterricht. Insbesondere letztere ist in der Schule schwer vermittelbar, wenn es von zu Hause nicht unterstützt wird. Das Problem gibt es schon immer auch im Präsenzunterricht. Egal wie toll es vermittelt wird, Lernen macht nicht immer Spass, ist auch mal anstrengend und man muss es auch mal alleine tun.

    • Nichts Neues, auch im Präsenzunterricht ist es schwierig manche SuS zum eigenständigen Lernen zu motivieren. In der GS arbeite ich seit Jahren mit differzierenden Projektmappen, Wochenpläne etc., meine Erfahrung: Wer eher lernunwillig, undiszipliniert ist und sich lieber mit Sitznachbarn über Schulfremdes austauscht, wird sich zu Hause auch nicht zusammenreißen. Grundlegende Fähigkeiten wie Bedürfnisaufschiebung, Frustrationstoleranz, Ausdauer etc. lernen Kinder von der Geburt an im Elternhaus oder eher nicht und Schule kann nicht in wenigen Stunden am Tag aufholen, was jahrelang nicht gefordert wurde. Der überbordene Medienkonsum, insbesondere bei Jungen, trägt noch dazu bei. Wenn an weiterführenden Schulen z.B. ein Drittel der SuS nicht regelmäßig am Unterricht teilnehmen, wie sollen diese dann von ihren Eltern motiviert werden, zu Hause zu lernen? Haben diese vor der Pandemie auch nicht geschafft. Schulschwänzer und -verweigerer gibt es seit Jahren immer mehr und die „Anzeige“ beim Schulamt wurde immer aufwändiger und mit Hürden versehen. Geldbußen oder andere Maßnahmen erfolgten so gut wie nie mehr in letzter Zeit. Diese Realitäten wurden weitgehend vom MSB ausgeblendet und auch Mitarbeiter der Jugendämter zuckten nur mit den Schultern.

  4. Die Fähigkeit sich selbst in Themen einzuarbeiten und zu lernen, bzw. zu lesen kann auch nicht durch den Besten Lehrer verordnet werden. Unterricht sollte stets motivieren und anleiten, jedoch ist auch jeder selbst für sein Leben und Weiterkommen verantwortlich.

  5. Nachdem jetzt festgestellt wurde, dass besonders Jungen unter der Situation leiden, bin ich auf die Vorschläge und Programme der Kultusministerien gespannt, diesen Nachteil wieder auszugleichen.

  6. Lernen zu Hause, ist für mich und meinen 4 Kindern und noch ein kleines Baby dazu, richtig schwer! Es ist eine richtige Katastrophe, was hier passiert! Alles muss man alleine machen! Überhaupt Nichts klappt, mit dem lernen zu Hause. Ich bin keine Lehrerin und muss plötzlich Lehrer spielen! Das geht gar nicht. Und Hilfe von den Lehrern gibt es auch nicht, kein Lehrer kümmert sich richtig! Im Gegenteil ich muss sogar jede Woche Materialien aus der Schule abholen… die Schule ist total unorganisiert, nichts klappt! – Ich hoffe und wünsche mir sehr, dass die Schulen bald wieder öffnen und dann nicht nur für 3 Stunden, denn nur 3 Stunden Unterricht ist viel zu wenig und bringt gar nichts!!! – Das ist ein richtig Schul Chaos

  7. Braucht man dazu Studien? Welches Rätsel will man dadurch lösen?
    Das kann jeder Kollege/jede Kollegin aus der eigenen Erfahrung erklären!

    Problem nur, dass schon im Normalfall weder Zeit noch Personal da ist, die Grundlagen (Lesen, Schreiben, Verstehen, Fragen und Hinterfragen, Erklären, Formulieren…) ausreichend zu trainieren, genauso wie Ausdauer, Konzentrationsfähigkeit, den Mut sich an neue Themen/Aufgaben/Inhalte heranzuwagen und nicht zuletzt – in gewissem Umfang – auch Frustration, Fehler, Missverständnisse, Stress auszuhalten.

    Und jetzt soll all das vorhanden sein, nebst digitalen Endgeräten, der Kompetenz damit umzugehen, einem ruhigen Arbeitsplatz und der Selbstdisziplin, stundenlang konzentriert vor dem Computer zu sitzen… letztendlich um „Schule wie immer“ auf digital zu simulieren.

    Hoffen tun wir ja immer, aber glauben kann ich nicht mehr, dass sich IRGENDETWAS in Zukunft ändern wird, dass „man“ erkennen wird, was im Argen ist und wie Schule verbessert werden müsste, um Kinder fit zu machen für absehbare und unabsehbare Veränderungen ihrer Lebens-, Lern- und später Arbeitssituation.

    „Alle“ (zumindest diejenigen, die gerne ihre Kinder bis zum Abi abgeben, die Politiker, auch die Arbeitgeber vermutlich…) werden froh sein, wenn sie „ihr normales Leben zurück“ haben können.
    „Normal“ ist das vielleicht im Sinne von „gewohnt“ oder „vertraut“, man könnte auch sagen „eingefahren“.
    „Normal“ im Sinne von „kindgerecht“, „innovativ“, „menschlich“, „sozialfödernd“, „zukunftsoffen“ oder gar „bildungsgerecht“ wohl eher nicht.

    Soll wirklich alles so weitergehen wie immer?

  8. „Die Auswertungen der Elternbefragungen zeigen, dass die Kinder mit hoher Lesekompetenz und hoher Anstrengungsbereitschaft besser mit dem Lernen zu Hause zurechtkamen“
    Hat es diese Befragung gebraucht, um das Ergebnis wahrzunehmen?
    Es sind 2 Schlüsselkompetenzen für den Unterricht und das Lernen.
    Programme zur Leseförderung hat es viele gegeben, leider ohne Personal und Mehrkosten. Es sind die Leseschwache und Benachteiligten, die in jeder Studie als 20-30% auftauchen.
    Wäre ausreichend Personal in der Schule, erhielten sie von Beginn an Bildungsbegleitung, Hausaufgabenbetreuung mit Anleitung zur Anstrengungsbereitschaft und zusätzliche Leseförderung. Diese Personal stünde jetzt auch für die Förderung in sehr kleinen Gruppen zur Verfügung.

  9. „Die Fähigkeit, schriftliche Texte zu verstehen, werde damit zur zentralen Kompetenz für alle Schulfächer — nicht nur für den Deutschunterricht.“
    Na so was, wer hätte das gedacht!! Und vor der Corona-Krise war das bei den 14-Jährigen anders (von denen ist oben explizit die Rede) ?

  10. Ich fasse mal kurz zusammen:
    Als LK kann ich vieles lehren, vermitteln ,zu vielem motivieren, nur eines kann ich nicht lehren:
    WOLLEN!!! Nicht bei den Kids, nicht bei den Eltern! Nicht in der Schule und auch erst recht nicht im Fernunterricht. Und zwar unabhängig von vorhandenen /fehlenden Lesekompetenzen.

    • @Mama51

      Jetzt dürften es auch Bildungspolitiker soweit begreifen können … 🙂
      Nur werden die nicht wollen, weil die den Schlüssel zur Kasse verlegt haben. (Psssst …!)

  11. Wir sollen und müssen und wenn möglich könnten wir noch bitte…. Ich kann so langsam nicht mehr. Jetzt ist das neue Credo die Videokonferenz. Ich kann mir die Zeit nicht aus den Rippen schneiden. Oben wurde von Carabas schön dargestellt, was alles zu tun ist.

    Und auch ich bin der Meinung: Wer vorher nicht zu motivieren war, wird es jetzt auch nicht. Bei insgesamt rund 160 Schülern kann ich leider nicht hinter jedem herrennen und jedem individuell Rückmeldung geben.

    Bin bald am Ende meiner Kräfte.

  12. Die Aufgabe eines Lehrers ist zu unterrichten, sollte man meinen. Der Lehrer oder die Lehrerin erklärt den Kindern ein Thema. Überprüft ob alle es verstanden haben und dann wird das ganze geübt.

    Zur Zeit sieht es allerdings so aus:
    Es wird überhaupt nichts erklärt.
    Es werden zu oft kopierte und schlecht lesbare Übungsaufgaben bereit gestellt.
    Ohne Beispiele.

    Die ganze Familie ist am Rätseln was überhaupt zu tun ist.
    Und das in der Grundschule.

    Mit Unterricht hat das nichts zu tun.

    Da wäre es besser, im Fernsehen würde richtiger Unterricht übertragen wo den Kindern was erklärt wird.
    Oder die Lehrer stellen ein Lehrvideo auf Youtube.

    Übungsaufgaben ohne Erläuterung geht auf jeden Fall nicht.
    Übungsaufgaben sind kein Unterricht.

    • Da geht es Ihnen ja noch gut. Online-Unterricht sieht bei uns so aus: Guten Morgen. Seid Ihr alle da? Geht es Euch gut? (Dann wir gemeinsam geklatscht) Dann bis nächste Woche!

      Das in der 7. Klasse!
      Ich habe im Frühjahr gemerkt, dass ich den Unterrichtsstoff bei meinen Zwillingstöchtern besser rüberbringe als die Lehrer. Ist auch mal toll von Töchtern in dem Alter mal ein Lob zu hören. Übrigens ich bekomme kein Geld dafür und mache es gern. Wenn es nach mir ginge würden die Beiden NIE wieder einem Lehrer in die Finger kommen. Das ABI würden die Beiden spielen hinbringen durch reinen Unterricht bei meiner Lebensgefährtin und mir. Schätzungsweise 2 Jahre früher, denn wir machen dann keine Ferien. Würden das doch nur plötzlich tausende machen….

      • @Martin: Ihnen ist aber schon klar, dass die entscheidende Fähigkeit, die eine Lehrkraft ausmacht, darin besteht, sich vor 25-30 Schülerinnen und Schüler hinzustellen und denen was beizubringen – und nicht nur vor zwei?

        Meinetwegen auch per Videokonferenz.

        • Das ist mir vollkommen klar und ich akzeptiere das auch.
          Nur, Lehrer durchlaufen eine jahrelange Ausbildung um sich genau darauf vorzubereiten, Lehrer machen das freiwillig, sie haben sich das ausgesucht und sie werden dafür bezahlt. All das habe ich nicht!
          Ich mache es gerne und es freut mich riesig, dass es klappt und ich dafür Anerkennung bekomme.
          Wenn einem Lehrer sein Job nicht mehr gefällt, dann kann er wie ALLE anderen kündigen und sich einen besseren suchen. Es gibt genug in D und wie bei mir in der benachbarten Schweiz, vor allem für so hoch ausgebildete. Es braucht nur den Willen und die Motivation dazu. Oder gibt es sonst doch noch einen Hinderungsgrund?

  13. „Es werden zu oft kopierte und schlecht lesbare Übungsaufgaben bereit gestellt.“

    Das liegt evtl. an der zur Verfügung stehenden Büroausstattung. Ich habe ja immer meinen Spaß daran, zuhause ein Arbeitsblatt zu erstellen, es zuhause auszudrucken, um es dann an der Schule wieder einzuscannen, damit ich es anschließend kopieren kann. Was glauben Sie, wie schön es wäre, vom heimischen Früstückstisch aus, den druckauftrag von zuhause aus starten zu können und diesen bei Dienstantritt in ausreichender Anzahl im eigenen Postfach vorfinden zu können. Aber nein, in Wirklichkeit steht man mit rund 80 Vollzeitstellen vor zwei Druckern morgens Schlange, um die drei bis fünf Klassesätze, die an dem Tag gebraucht werden, zu kopieren.

    Wer von Lehrkräften effektives Arbeiten einfordert, muss eben auch bereit sein für entsprechende produktive Arbeitsbedingungen zu sorgen. Woran es hakt, sieht man derzeit. Legt man Aufsichtstätigkeiten und Lehrtätigkeiten in einer person zusammen, ist das äußerst wirtschaftlich aber eben nicht sonderlich effektiv. Läge nämlich die derzeitige Notbetreuung in der Hand von Eltern und Erziehungskräften könnten die Lehrkräfte ihrem jeweiligen Lehrauftrag im Lernen auf Distanz deutlich besser nachkommen.

  14. Eine Gruppe von Eltern hat heute Klage für Präsenzunterricht am Verwaltungsgericht BW eingebracht. Außerdem haben wir bei Kultusministerium und Schulamt die Bildungsverpflichtung des Staates eingefordert. Auch an unserer Grundschule ist Montags abholen von WP und Arbeitsblättern, der einzige Kontakt ist einmal die Woche 20min Videokonferenz. Das hat mit Fernunterricht nichts zu tun. Da in BW wie im Frühjahr viele neue Themen bearbeitet werden, nennt sich dies Elternunterricht auf Basis von Unterlagen. So funktioniert Schule nicht, und die Schuldfrage interessiert mich nicht. Ich fordere die Bildungspflicht bei den staatlichen Behörden ein. Es sind so ziemlich aus allen Bundesländern Klagen auf Präsenzunterricht anhängig.

    • @Neu1: Es steht selbstverständlich jedem frei, eine derartige Klage einzureichen. Ob ich Ihnen dafür dann viel Glück wünsche – oder Ihre Erfolgsaussichten besonders hoch einschätze -, ist eine völlig andere Frage.

    • Dann werden Ihre Kinder genau so unterrichtet, wie es uns Lehrer*innen in BW vorgeschrieben wurde.
      Zitat aus dem Schreiben des KM:
      „Für die Schülerinnen und Schüler der Grundschule soll während des Zeitraums der Schulschließung an die Stelle des Unterrichts in der Präsenz das Lernen mit Materialien treten, das entweder analog ,aber auch digital erfolgen kann.
      …Setzen Sie Videokonferenzen nur für bestimmte Unterrichtsphasen und zeitlich begrenzt ein.“
      Frau Eisenmann hatte wohl- berechtigte- Angst, dass Moodle zusammenbricht, wenn die GS auch noch digitalen Unterricht anbieten. Was schade ist, weil ich sehr gute Erfahrungen mit Grundschulkindern im Onlineunterricht gemacht habe. Deshalb ihr Präsenzunterrichtsmantra, nichts anderes steckt dahinter.
      Pochen Sie ruhig auf Ihr Bildungsrecht, aber beklagen Sie sich hinterher nicht, wenn Sie durch ein in Ihre Familie eingeschlepptes Virus erkranken. Jeder hat ein Recht auf Ignoranz, da stellen Sie sich in eine Reihe mit den KMs in Deutschland.

  15. Diese Woche:
    19 Zeitstunden das Material der 114 sus überprüft
    19 Zeitstunden die sus Online betreuen
    15 Zeitstunden das Material für den Unterricht/sus vorbereiten/sus betreuen, wenn was anderes ist
    10,5Zeitstunden Videokonferenz wegen der Zeugniskonferenzen

    Dann muss noch an Konzepten geschrieben werden. Eigentlich müsste ich noch ein paar Apps testen, aber ich habe nur Android anstatt iOS.

    Neue Lehrreihen (ich habe Lego Mindstorms für den Unterricht bekommen) müssen getestet werden.

    Zwischendurch etwas Sport machen. Essen, Trinken, Schlafen wäre auch nicht schlecht. Sozialkontakte? Gestrichen, keine Zeit zu. Haushalt? Nur das absolut notwendigste. bekocht werde ich von meinem 79jährgen Vater, das schaffe ich nicht mehr.

    Sterbende Mutter im Pflegeheim besuchen? Vielleicht schaffe ich das mal am Samstag. Falls ich noch irgendwelche Kraft für den Besuch und 200km Autofahrt über eine Staustrecke habe.

    Angestellt, E11, NRW, Gesamtschule, Single.

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