Riesenkrach um Teilöffnung der Berliner Schulen – auch innerhalb der Koalition

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BERLIN. Gegen die beschlossene Teilöffnung von Berliner Schulen trotz Corona-Lockdown regt sich Protest. Fünf Neuköllner Gymnasien haben nach einem Bericht der Rbb-Abendschau an die Bildungsverwaltung appelliert, den Fernunterricht mindestens bis zum 18. Januar zu verlängern, besser sogar bis Ende des Monats. Alles andere sei zu riskant und nicht vermittelbar, heißt es demnach in dem Eilantrag der Gymnasien. Eine Schulleiterin in Treptow-Köpenick habe angekündigt, ihre Einrichtung am Montag nicht zu öffnen. Im Abgeordnetenhaus waren dazu am Donnerstag bei einer Sondersitzung die Meinungen deutlich auseinander gegangen – auch innerhalb der rot-rot-grünen Koalition.

Räumt ein, dass es Ausbrüche an Schulen gibt: Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller. Foto: Sandro Halank, Wikimedia Commons, CC-BY-SA 3.0

Die Entscheidung des Senats, schon bald wieder eingeschränkten Unterricht in Schulen zu ermöglichen, ist in Berlin hochumstritten. Im Abgeordnetenhaus gingen die Meinungen dazu bei der Sondersitzung am Donnerstag deutlich auseinander – auch innerhalb der Koalition. Nach dem Willen des Senats sollen in den kommenden Wochen noch während des Lockdowns schrittweise immer mehr Jahrgänge zumindest zum Teil wieder in den Schulen unterrichtet werden. Das halten manche für genau richtig und andere für unverantwortlich.

«Es ist eine bewusste Entscheidung, eine durchdachte Entscheidung», sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Die Folgen seien unabsehbar, wenn etwa Grundschüler für sechs Wochen nicht in den Schulen seien. Deshalb hätten auch Experten empfohlen, behutsam mit Kleinsten anzufangen: «Damit sie uns nicht wegrutschen.»

Müller: Man kann nicht wegdiskutieren, «dass es auch Infektionsketten gibt aus dem Schulgeschehen heraus»

Junge Menschen bräuchten gute Bildung und Schulabschlüsse für ihre Zukunft. Daher gelte es, verantwortungsvoll abzuwägen zwischen dem nötigen Gesundheitsschutz und dem Recht auf Bildung. «Hier müssen wir einfach einen guten Mittelweg gehen, dass wir hier die besten Möglichkeiten für unsere Kinder, Jugendlichen, Familien, aber eben auch für unsere Lehrkräfte haben.» Natürlich stehe jede Entscheidung unter dem Vorbehalt der Infektionslage.

Auch der Regierende Bürgermeister Michael Müller verteidigte die Entscheidung als Ergebnis eines Abwägungsprozesses. Eine schnelle komplette Öffnung der Schulen hält der SPD-Politiker indes nicht für möglich. Denn man könne nicht wegdiskutieren, «dass es auch Infektionsketten gibt aus dem Schulgeschehen heraus.»

Linke-Bildungspolitikerin Regina Kittler forderte, die Entscheidung zur raschen Schulöffnung zurückzunehmen. Sie plädierte dafür, die Schulen bis nach den Winterferien geschlossen zu halten. Auch CDU-Fraktionschef Burkard Dregger kritisierte die Schulöffnung. Die Entscheidung sei getroffen worden «unabhängig von der Inzidenz, im Unwissen über die Virusmutationen und in Unkenntnis des Infektionsgeschehens während der Feiertage.» Dregger forderte in der Abendschau, der Senat solle seine Entscheidung zurücknehmen. Nur bei konsequentem Handeln könnten der Lockdown abgekürzt und die Zahl der Infektionen nach unten gedrückt werden. Er sei dafür, «jetzt die Zähne zusammen zu beißen» und bis Ende Januar die Schulen geschlossen zu lassen.

Der Senat hatte am Mittwoch die Verlängerung des Lockdowns beschlossen und gleichzeitig mitgeteilt, dass der Unterricht an den Schulen Schritt für Schritt wieder möglich sein soll. Nach Angaben der Bildungsverwaltung ist zunächst ab dem 11. Januar für die abschlussrelevanten Jahrgänge Wechselunterricht geplant, also die Kombination aus Unterricht in der Schule und zu Hause. Dabei sollen die Lerngruppen maximal halb so groß sein wie üblich.

Ab dem 18. Januar soll es dann auch in den Klassen 1 bis 3 mindestens drei Stunden täglich Unterricht in der Schule geben, ebenfalls in Gruppen, die höchstens halb so groß wie üblich sein dürfen. Ab dem 25. Januar soll das auf die Klassen 4 bis 6 ausgeweitet werden und nach den Winterfeien ab dem 8. Februar auf alle Schularten und Jahrgänge. Ab 15. Februar – so die Hoffnung – soll der Unterricht für alle wieder regulär wie vor dem Lockdown laufen.

«Jeder Tag Schulschließung ist ein Tag mehr, an dem wir riskieren, dass Kinder und Jugendliche zurückbleiben»

Die Berliner Grünen finden diesen Weg richtig. «Jeder Tag Schulschließung ist ein Tag mehr, an dem wir riskieren, dass Kinder und Jugendliche zurückbleiben», sagte Fraktionschefin Silke Gebel. «Jeder Tag Lockdown bedeutet ein weiterer Tag, an dem die Schere zwischen denen, die lernen können, und denen, die nicht lernen können, größer wird.»

Der FDP-Fraktionsvorsitzende Sebastian Czaja sagte, er sei Bildungssenatorin Scheeres dankbar dafür, dass es eine schrittweise Öffnung der Schulen gebe. Homeschooling und Homeoffice funktionierten in der Realität nicht. Auch die SPD-Fraktion ist für die schrittweise Öffnung, die AfD forderte die sofortige komplette Rückkehr zum normalen Unterricht.

Der Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Tom Erdmann, bemängelte dagegen, es passe nicht zusammen, die Abschlussjahrgänge und bald danach auch die Grundschüler in die Schulen zurückzuholen, während die Bevölkerung angehalten sei, die Kontakte auf ein Minimum zu reduzieren. «Ab der nächsten Woche sind die halben Oberstufen wieder in der Stadt unterwegs», kritisierte Erdmann. «Ich gehe nicht davon aus, dass die Infektionszahlen dann wieder so gut sind, dass man sich das leisten kann.» Bis zum Ende des Lockdowns dürfe es keinen Unterricht in den Schulen geben. In einer Mitteilung kritisierte die GEW, Gesundheitsexperimente auf dem Rücken von Lehrkräften, Erzieherinnen und Erziehern sowie Schülern seien unverantwortlich.

„In den Schulen dürfen sich Schüler aus bis zu 16 Haushalten mit ihren Lehrkräften in Unterrichtsräumen treffen“

Auch Elternvertreter äußerten sich nach den Beschlüssen des Senats vom Mittwoch skeptisch: «Die häuslichen Kontakte werden auf eine Person reduziert. In den Schulen dürfen sich aber Schülerinnen und Schüler aus bis zu 16 Haushalten mit ihren Lehrkräften in Unterrichtsräumen treffen», kritisierte der Landeselternausschuss. Die Interessenlage der Eltern sei allerdings sehr unterschiedlich. «Die Bandbreite der Forderungen reicht von der Fortführung des schulisch angeleiteten Lernens zu Hause bis zur sofortigen Öffnung der Schulen», erklärten die Elternvertreter.

Der Elternausschuss erinnerte an seine Forderung von Ende Dezember, Regelunterricht erst wieder vollständig zu ermöglichen, sobald das mit Blick auf die Infektionszahlen vertretbar sei. Der Landesschülerausschuss schloss sich dem an. News4teachers / mit Material der dpa

Schulen und Kitas öffnen, RKI-Empfehlungen missachten? GEW: „Unverantwortlich!“

 

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45 KOMMENTARE

  1. Dazu gerade gelesen:
    https://www.tagesspiegel.de/berlin/riskante-pandemie-massnahme-das-virus-macht-nicht-am-schultor-halt/26778696.html

    Im Artikel heißt es:

    Im November saß in jeder dritten bis vierten Schulklasse ein infiziertes Kind, ohne von der Infektion zu wissen“, wird Michael Wagner vom „Spiegel“ zitiert. Die Untersuchung zeige, dass sich die Lernenden genauso häufig (1,42 Prozent der Getesteten) anstecken wie die Lehrenden. Wohlgemerkt: Grundschüler waren genauso betroffen wie ältere Jahrgänge.

    [Mehr zum Thema: Berlin öffnet, Brandenburg nicht – was machen die anderen Länder?]

    Doch sich selbst anstecken zu können, heißt noch nicht, dass man auch andere anstecken kann. Der Streit geht vor allem darum, ob diese Kinder, die kaum erkranken, daher meist nicht (oder zu spät) getestet und deswegen nicht als infiziert erkannt werden, im Schulsetting eine Gefahr für andere darstellen.

    Schulen sind auch im Shutdown ein „nicht unerhebliches Risiko“

    Eine eindeutige Antwort darauf gibt es nicht, so wie auch sonst nicht immer klar ist, wo und wann sich jemand infiziert hat. Wagners Daten zeigen aber zumindest, dass die Schulen kein heiliger Ort sind, den das Virus aus mystischen Gründen meiden würde, sondern dass dort das gleiche Infektionsgeschehen herrscht wie außerhalb der Schulen.
    Von Ende September bis November hatten sich die Infektionszahlen in den Schulen mindestens verdreifacht – genau wie im Rest des Alpenlandes. Das bedeutet, sagt Wagner, dass geöffnete Schulen im Shutdown ein „nicht unerhebliches Risiko“ darstellen.
    Anderes Land, anderes Schulsystem, aber gleiches Ergebnis: In Großbritannien, wo im November ebenfalls ein Lockdown mit geöffneten Schulen verhängt war, war die Altersgruppe mit den meisten Infizierten die der 13- bis 17jährigen.
    Vor all dem könnte man vielleicht noch die Augen verschließen und irgendwie damit durchkommen, wenn da nicht die britische Virusmutation B.1.1.7 wäre, die den aktuellen Schätzungen zufolge mindestens 50 Prozent ansteckender ist – und zwar in allen Altersgruppen gleich.

    Das lässt den Spielraum für politische Experimente drastisch schrumpfen. Denn der vergleichsweise harte Lockdown in England konnte eine exponentielle Verbreitung von B.1.1.7 offenbar nicht verhindern. Dass sie es auch schon nach Deutschland geschafft hat, ist klar, ungewiss ist nur, wie stark verbreitet sie bereits ist.
    Mehr zum Thema
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    Wut, Verständnis, Zweifel – das sind die Reaktionen auf die Berliner Schulöffnung
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    Susanne Vieth-Entus Tilmann Warnecke
    Wie Berlin vor diesem Hintergrund Schulen öffnen will, erschließt sich Experten wie Wagner nicht. Wenn die Infektionszahlen im Februar und März dann explodieren, wird man sich nicht darauf zurückziehen können, nicht gewarnt worden zu sein.“

  2. „Die Folgen seien unabsehbar, wenn etwa Grundschüler für sechs Wochen nicht in den Schulen seien.“

    Rechtfertig das Tausende von Toten? Hat man sich überhaupt Gedanken gemacht, wie man dieses Ziel erreichen kann, OHNE das Leben von Menschen auf das Spiel zu setzen?

    Hinweis: Man könnte die Schulen mit Luftfiltern und Plexiglasscheiben ausstatten und FFP2-Masken für alle Beteiligten stellen und zudem für sicheren Transport zur Schule sorgen (das Konzept „Schulbus“ oder ÖPNV funktioniert hier wohl eher nicht).

    Zeit reicht nicht? Das ist Schuld der Politik, das nötige Wissen und die entsprechenden Forderungen sind schon lange da und man hätte mehr als genug Zeit gehabt.

    Geld reicht nicht? Schuld der Politik… man muss abwägen, ob einem die Kinder oder irgendwelche Fluggesellschaften wichtiger sind.

    • Jan aus H
      Der Zug war bereits abgefahren, seitdem wir allesamt bereit waren, uns in der Kostenminimierungsfalle einzurichten – quer durch alle Gesellschaftsbereiche. „Effektivität“ ist ein gutes Ziel – aber gilt sie auch auf der Zeitschiene? Gehört VORSORGE dazu, oder ist das immer die Angelegenheit der Anderen? Die domumentierten Vorsorgebedarfe für eine luftübertragene Pandemie lagen Jahre lang in den Schubladen von Fachministerien in Bund und Ländern – und wenn nach dem letzten Impftag das GROSSE VERGESSEN Platz greift, wird es jede Bereitschaft, aus diesem defizitären Vorlauf und aus all den verwirrenden Vorgängen seit 10 Monaten zu LERNEN, unter sich begraben wie eine Puddinglawine.
      Und wer legitimiert es von sehr hoher Stelle? Herr Schäuble, BT-Präsident und vieljähriger Ex-Finanzminister: die >Würde des MenschenwürdigenGüterabwägungRechtsgut<von wem auch immer. Herr Schäuble hat die letztgültige Begründung dafür geliefert – ich aber widerspreche als passioinierter Logiker: das GG ist für Lebende geschrieben, nicht für Tote. Also ist unter dem Schutz funktionierender Virus-Abwehrmaßnahmen mein Leben wichtiger als alles andere.
      Konsequenz: Vorrang des Lebensschutzes im GG klarstellen – umgehend!
      Und daraus endlich die Klarheit gewinnen, was eine "Pandemiefeste Schule" braucht – und es auf die Beine stellen, jedenfalls als Basis für Vorbereitungen auf eine künftige Pandemie – ök?

  3. Dass die Berliner Lösung umstritten ist, das war doch abzusehen. Jede Entscheidung wäre umstritten gewesen, die eine bei den einen, die andere bei den anderen. Ich stimme Michael Müller zu, wenn er sagt: „Junge Menschen bräuchten gute Bildung und Schulabschlüsse für ihre Zukunft. Daher gelte es, verantwortungsvoll abzuwägen zwischen dem nötigen Gesundheitsschutz und dem Recht auf Bildung. «Hier müssen wir einfach einen guten Mittelweg gehen, dass wir hier die besten Möglichkeiten für unsere Kinder, Jugendlichen, Familien, aber eben auch für unsere Lehrkräfte haben.» Natürlich stehe jede Entscheidung unter dem Vorbehalt der Infektionslage.“

    Und ich stimme auch der „gestressten Oma“ zu, die in dem anderen Berlin-Schulöffnungsartikel fragt, ob denn jetzt alle zu Hause bleiben sollen und wollen und keiner mehr arbeiten geht, denn alle, die noch arbeiten gehen (Verkäuferinnen, Pflegerinnen, Ärzte…) können sich unterwegs oder auf Arbeit bei jemandem anstecken. Bleiben wir also einfach alle zu Hause?

    Ein bisschen Solidarität, die Krise GEMEINSAM zu bewältigen, und nicht nur an sich selbst gedacht, wäre schön(er)!

  4. Kleine bzw. große Korrektur: In dem Schreiben der Senatsverwaltung https://www.berlin.de/sen/bjf/corona/briefe-an-schulen/schule-im-januar-2021.pdf heißt es, dass die Abschlussjahrgänge mindestens in halben Lerngruppen gemessen an Klassenstärken unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen unterrichtet werden. Das kleine Wörtchen „mindestens“ führt dann dazu, dass einige Schulen die gesamten Abschlussjahrgänge in die Schulen holen und die Klassen/Kurse ggf. auf nebeneinanderliegende Räume verteilen. Dazu kommt, dass die Abschlussjahrgänge an den weiterführenden Schulen mindestens 50% der Gesamtschülerzahl darstellen. Das bedeutet, dass von ca. 153 000 Schülerinnen und Schülern der weiterführenden Schulen bis zu 76 000 am Montag wieder in der Schule sein werden.

    • Das ist in meinem Bundesland sehr ähnlich. Und von Schulleitungsseite wird es sogar häufig sogar forciert. Demnächst ist Anmelderunde, d.h. die Eltern der neuen Fünftklässler sollen davon beeindruckt werden, wie toll sich die Schule für die Abschlüsse einsetzt.

    • Dito!

      Abiturjahrgang hat Präsenzpflicht in voller Kursstärke ab 11.01.!
      Und weil der Rahmenhygieneplan für ein Szenario B – mit im Klassenraum eingehaltenem Abstand(???) von 1,5m – am Sitzplatz laut KM-Vorgaben KEINE Maskenpflicht vorsieht können SuS auch ohne MNS erscheinen.

      ERGO:
      Bei sich zuspitzender Pandemielage noch weit schlechterer Infektionsschutz als 12/2020, da gab es wenigstens noch MNS-PFLICHT im Unterricht.

      • @Wundersam
        Ist die Regelung in Niedersachsen. Schlechterer Schutz als im November und Dezember.
        Damals gab es bei hohen Inzidenz beim Wechselmodell Abstand und Maskenpflicht. Ist jetzt nicht mehr nötig.
        In Niedersachsen sind die Zahlen zur Zeit halt noch zu niedrig, da muss man nachhelfen…
        Anders kann man den politischen Ansatz nicht verstehen.

  5. Haben die hohen Damen und Herren wohl schon mitbekommen, dass die Sommerferien jedes Jahr 6,5 Wochen dauern und kein Mensch je von psychischen Schäden deswegen berichtet hat? Das ist doch alles nur noch eine Farce!!!

      • Kritischer Dad – fragen Sie doch mal die GS-LuL, wie die ersten Wochen danach aussehen. Und ansonsten sind die Lehrpläne ja entsprechend ausgelegt.
        Aus den USA kenne ich längere Sommerferien – und ein entwickeltes Summercamp-System, das Freizeit MIT Unterricht verbindet. Die wissen, warum sie das tun!

        • Ah – da lese ich nochmal oben von „psychischen Schäden“, von denen nicht berichtet würde.
          Aber das ist eine echte Frage – wenn niemand sich bereits jetzt Gedanken macht , wo die vielen Einzelkinder mit Eltern ohne Reisebudget bleiben sollen….= Pandemiefeste Ferienaktionen!

    • In Italien gibt es sogar fast 3 Monate Sommerferien (Juni – September) und dann trotzdem Oster- und Weihnachtsferien dazu. Bislang hat man noch nicht gehört, welchen Schaden das anrichtet. Allerdings ist Italien bei PISA nicht besonders gut. Aber auch das scheint dort niemanden zu stören.

    • Emil – Sie scheinen sich recht sicher zu sein, dass ausgerechnet in diesem Sommer wieder Ferienaktionen für Kinder und Jugendliche laufen werden? Haben Sie von bereits lbegonennen Planungen gehört?
      Falls NICHTS läuft weg. amtlicher Schließung – oder weil niemand bereit ist, „pandemiefeste“ Angebote zu machen, dann gibt es zusätzliche psychische Schäden – unvermeidlich….

  6. nomen ist omen – ja, im Sinne der Pandemiebekämpfung wäre es de facto das Beste, alle blieben zuhause.
    Bei entsprechendem Lieferservice würden Verkäufer*innen zu Pacher*innen ohne Kundenkontakt.
    Das medizinische und pflegerische personal könnte a priori geimpft werden und schon hätte man eine saubere Lösung.

    Was ist jetzt an Kontaktbeschränkung schwer zu verstehen? Der textile Einzelhandel als Beispiel macht sich Gedanken um die entsorgung der nicht abgesetzten Waren. Wozu also deren Produktion? Fällt die Produktion weg, müssten die Arbeitnehmer*innen auch nicht an die Nähmaschinen. Okay, die Nähmaschinen stehen in Teilen der unterentwickelten Welt; aber eine Pandemie ist eben auch weltumspannend.

  7. Dir rot / grüne / linke Regierung in Berlin offenbart damit auch wie sie die Pandemie bewerten. Soll man sich da noch über Trump oder Querdenker aufregen, wenn solche Leute in Verantwortung derartige Entscheidungen treffen?

  8. Mal im Ernst: „Die Folgen seien unabsehbar, wenn etwa Grundschüler für sechs Wochen nicht in den Schulen seien.“ In meinem Bundesland haben wir das jedes Jahr, heißt Sommerferien. Scheint man aber in Berlin nicht zu kennen.

    • „Unabsehbar“ ist das natürlich schon, weil niemand die Wirkung genau kennt. Die Sommerferien kommen ja zusätzlich. Aber hat man schon mal gehört, dass die Regierenden die Eltern (soweit nicht außer Haus berufstätig) dazu verpflichten (!), sich um die Bildung ihrer Kinder irgendwie zu kümmern, soweit halt möglich und zumutbar? Wer Hartz IV bezieht, hat wenig Geld, aber viel Zeit. Da müsste doch was für die Kinder dabei abfallen. Zumindest die Leute, die halbwegs Deutsch können, könnten doch mit ihren Grundschulkindern Lesen, Schreiben und Rechnen üben. Dafür muss man kein Abitur haben. Und diejenigen, die gar kein Deutsch können, die könnten sich vielleicht im Bekanntenkreis an Leute wenden, die etwas Deutsch können. Haben wir nicht auch eine Integrationspolitik mit zuständigen Leuten? Rechnen üben kann man übrigens auch in jeder anderen Sprache, das Ergebnis muss immer dasselbe sein.

  9. Es gibt Ablehnung, aber es gibt auch Zustimmung. Die Ablehnung ist nur wie gewöhnlich lauter und eifriger.

    “ Bürgermeister Michael Müller: „Was unsere Bildungssenatorin macht, ist beispielhaft“

    Der Stufenplan wurde von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) entwickelt. In der Plenarsitzung des Parlaments am Donnerstag stellte sich der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) ausdrücklich hinter sie. „Was unsere Bildungssenatorin macht, ist beispielhaft“, sagte er. Es gebe immer einen „Abwägungsprozess“ – zwischen Gesundheitsschutz und Recht auf Bildung. Müller machte noch einmal deutlich, dass für ihn der Präsenzunterricht das A und O sei. Abstands- und Hygieneregeln würden in den Schulen eingehalten, betonte er. Er bestritt aber auch nicht, dass es Infektionsgeschehen in den Schulen gebe.

    Unterstützung kam auch vom Bildungsdirektor der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), Andreas Schleicher. Er hält die Pläne des Berliner Senats zur schrittweisen Schulöffnung trotz des verlängerten Lockdowns für richtig. „Es sind immer schwierige Abwägungen. Aber gerade in den ersten Schul- und Lebensjahren ist der Präsenzunterricht einfach nicht ersetzbar“, sagte der Bildungsforscher am Freitag dem rbb-Inforadio. „Insofern ist der Ansatz in Berlin, wenn das die Gesundheitslage zulässt, sehr vernünftig, dass man gerade bei den kleinsten Kindern schnell anfängt, auch in begrenzten Klassen.“

    Bildung sei immer Beziehungsarbeit und nicht nur Wissensvermittlung, erläuterte Schleicher. Und in den ersten Schuljahren sei schon deshalb Präsenzunterricht nötig, weil man bei Grundschülern kein selbstständiges Lernen zu Hause erwarten könne. Hier könne digitale Wissensvermittlung also „nicht sehr viel erreichen“. Bei höheren Jahrgängen hingegen könnten Wechselunterricht und Digitalisierung mehr bringen.“
    https://www.morgenpost.de/berlin/article231285128/Protest-gegen-fruehe-Rueckkehr-der-Schueler-in-Berlin.html

    DEM IST DOCH FAST NICHTS HINZUZUFÜGEN !!!

    • Sie irren sich, wenn Sie zu diesem Punkt Widerspruch erwarten. Ich würde gern wieder in den Präsenzunterricht. Praktisch sieht es sieht so aus, dass ich ab nächster Woche einen Teil meiner Zeit in der Schule verbringe, um eine bestimmten Anteil der Abschlussklassen vor Ort zu unterrichten. Da Hybridunterricht aufgrund der technischen Voraussetzungen nicht uneingeschränkt funktioniert, darf ich dann schnell nach Hause fahren um die Videokonferenzen mit den Nicht-Abschlussklassen durchzuführen und die andere Gruppe der Abschlussklassen zu betreuen. Das ist Mehrarbeit auf die ich auch verzichten könnte.
      Entscheidend ist doch, die Einschränkung, die Herr Schleicher erwähnt hat – nämlich, dass die Ansätze umgesetzt werden können, „wenn das die Gesundheitslage zulässt“. Gerade dieser Punkt sollte doch entscheidend sein und nicht die Gefühlslage von KultusministerInnen. Um es deutlich zu sagen: Selbst wenn es Ihnen total egal wäre, dass sich Schülerinnen und Schüler, die Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer infizieren (was ich nicht glaube) und Sie der Meinung sind, dass Präsenzunterricht die einzige wahre Alternative ist, dann bedenken Sie doch bitte auch die Situation derjenigen, die seit Wochen auf den Intensivstationen Unglaubliches leisten. Die ITS-Stationen im Land sind voll und jede weitere Infektion hat das Potenzial zu einer Krankenhaushospitalisierung zu führen. Der harte Lockdown wurde eingeführt, um eine dauerhafte Überlastung des Gesundheitswesen zu verhindern. Nicht einmal eine Woche nach Verlängerung des Lockdowns dreht sich die Diskussion aber wieder ausschließlich um Präsenzunterricht, angeblich durch Distanzunterricht traumatisierte Kinder und Eltern, „faule“ Lehrerinnen und Lehrer sowie die Anzahl von schlecht kopierten Arbeitsblättern, die jetzt wieder verteilt würden. Keine Frage, das sind berechtigte Punkte – aber ist das jetzt bei den gegenwärtigen Infektions- und Todeszahlen wirklich das Entscheidende?

    • Wir brauchen also nur Herrn Schleicher zu folgen, dem großen Experten für alles und jedes. Er weiß immer, was gut für uns ist. Inzwischen ist er gewiss auch Virus-Experte, und selbstverständlich weiß er immer genau, welche Bildungspolitik die richtige ist. 🙂

      • Entweder Kontaktbeschränkung für alle allso auch für Schüler oder für keinen.Außerhalb der Schule nur 1Freundin bzw Freund treffen erlaubt und in der Schule sitzen mindestens 16 Haushalte zusammen.Schwachsinn entweder oder

  10. Auch die Berliner Schulleiterverbände stimmen dem Berliner Plan zur Öffnung der Schulen zu! Bitte solche Stimmen nicht unterschlagen.

    „Schulleiterverbände tragen die Öffnung mit

    Allerdings – so einhellig wie es scheint, ist die Ablehnung gar nicht. Das zeichnete sich schon in der Presseerklärung der Bildungsverwaltung ab, in der es um die allmähliche Öffnung der Schulen ging (s. unten). Dort war nämlich zu lesen, dass Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) die „Zustimmung“ der Schulleiterverbände bekommen habe.

    „Wir müssen – wie andere Berufsgruppen auch – unseren Aufgaben nachkommen“, begründete Sven Zimmerschied seine Unterstützung für die Linie von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Zwar sei ihm klar, „dass viele Kolleg*innen die aktuellen Regelungen als sehr inkonsistent empfinden“, gab der Co-Vorsitzende der Sekundarsschulleitervereinigung zu bedenken und verwies auf die strengen Kontaktbeschränkungen, die etwa bei privaten Treffen gelten. Aber positiv sei ja, dass es sich um geteilte Klassen handele und das „Primat“ des Regelunterrichts nicht mehr gelte.“

    https://www.tagesspiegel.de/berlin/lotteriespiel-mit-der-gesundheit-wut-verstaendnis-zweifel-das-sind-die-reaktionen-auf-die-berliner-schuloeffnung/26775608.html

    • Das ist so nicht richtig, hier wurden Einzelmeinungen von Schulleitern gegeben die Verbänden vorstehen. Sehr bedauerlich, dass sie sich nicht das Votum ihrer Mitglieder geholt haben, wohl auch nicht bekommen hätten.
      Allein in Neukölln haben 5 Gymnasien Eilanträge gegen die Öffnung gestellt. Eine Schulleiterin will sich der Anordnung widersetzen, ein anderer SL eines OSZ hat sich extrem kritisch im Tagesspiegel zur Öffnung geäußert.

  11. Bin kein Lehrer. Habe aber recht kleine Kinder und erkläre mich mit Eurem Berufsstand solidarisch! Es ist der WAHNSINN, wenn eine Politikerin allen Ernstes die Bildungs-Apokalypse heraufbeschwört, wenn ein Grundschulkind 6 Wochen lang keine Schule betreten hat. Von den Sommerferien einmal abgesehen ist das Misstrauen der Politik in die Elternhäuser mit Händen zu greifen. Das ist ungeheuerlich. Und vor einiger Zeit hat ein Lehrer es in der hiesigen Tageszeitung wunderbar auf den Punkt gebracht:“ Das Hauptargument „Bildungsgerechtigkeit“ für die Öffnung ist verlogen. Es geht hier vor allem um Betreuung.“

    Lasst Euch nicht für dumm verkaufen und bleibt gesund!

  12. @Tsundoku3: Gerne gebe ich Ihnen zu, dass Sie eine Menge Indizien gesammelt haben dafür, dass die geplante partielle Schulöffnung in Berlin einen Rückhalt in jedenfalls einem erheblichen Teil der Gesellschaft findet.

    Jetzt fehlen eigentlich nur noch Belege dafür, dass dieses Vorgehen epidemiologisch verantwortbar ist, insbesondere vor dem Hintergrund der neuen Variante B117 des Coronavirus und deren fortschreitender Verbreitung. Also: Her damit!

    „Kinder brauchen Kinder“! „Kinder brauchen Präsenzunterricht“! Kleiner Denkanstoß: Das Virus braucht das auch – zur Weiterverbreitung.

  13. Die Schulleiterverbände wurden nicht alle einbezogen, nur ein paar Wohlgesinnte im Vorfeld, den anderen wurde in der Gesamtrunde (2h vorher angesetzt‘) die Entscheidung nur noch verkündet, während Frau Scheeres sich für das „Durchboxen“ der Öffnung feiern ließ. So sah das in der Realität aus.

  14. Ich frage mich nur, wie wir (Jahrgang 59/60) damals die Kurzschuljahre überlebt haben und trotzdem Abitur machen konnten. Oder als die Kinder Jahrgang 92/93 durch das verkürzte Abi G9 auf G8 ein ganzes Jahr verloren haben. Einfach mal die Lernpläne zusammenstreichen. Selbst ein Jahr mit weniger Schule führt nicht zum Zusammenbruch des Schulsystems. So geht es doch nicht weiter.

  15. Da ja hier vor allem immer alle wettern, die die Schule geschlossen haben möchten, ist ja vielleicht auch mal eine Gegenmeinung erlaubt:

    Ich finde es armselig, dass in Berlin nun doch wieder alles anders kommt und die „Entscheider“ nicht mal das Rückgrat haben, zu ihrem Beschluss zu stehen. Was sind das denn alles für Politiker? Nein, ich meine nicht, dass sie nicht machen, was sie mit Merkel vorgestern (?) beschlossen, ich meine, dass sie nun doch nicht machen, was sie gestern (?) für Berlin beschlossen. DAS NERVT!

    Als sie gestern (?) beschlossen, die Schulen in Berlin doch wieder schrittweise zu öffnen, vor allem für die Grundschüler, da mussten sie doch wissen, dass das zu viel Kritik und Gegenwind führen wird. Und den gab es ja nun auch. Wenn sie dem nicht standhalten, dann hätten sie es doch auch gleich lassen können. Es soll doch bitte niemand sagen, er habe nicht damit gerechnet. Ein Blick auf diese Kommentarseiten hätte genügt. 😉

    Allet Weicheier, sag ich mal so.

    • @ Tausendsassa, eigentlich wurde die Schulöffnung nur um 1 Woche verschoben. Klassischer Kompromiss.

      Aber wer weiß, was dann kommt……………………………

    • Was haben sie denn beschlossen? Doch letztlich nur ein „Weiter so, OHNE SCHUTZ“.

      Dass das Blödsinn ist, ist klar und muss nicht weiter diskutiert werden.

      Wenn sie wenigstens ein KONZEPT vorgeschlagen hätten, sähe die Sache anders aus. Beispielsweise hätte man Räume mit Lüftungsanlagen anmieten können, Luftfilter und Plexiglaswände anschaffen usw. Das hätte dann SICHEREN Präsenzunterricht ermöglicht und wäre ein Konzept.

      Alles andere hebelt Arbeits- und Gesundheitsschutz aus… wohin das führt, haben die letzten drei Monate gezeigt. Das muss nicht noch einmal sein.

  16. Ich lese: „Nach Angaben der Bildungsverwaltung ist zunächst ab dem 11. Januar für die abschlussrelevanten Jahrgänge Wechselunterricht geplant, also die Kombination aus Unterricht in der Schule und zu Hause. Dabei sollen die Lerngruppen maximal halb so groß sein wie üblich.
    Ab dem 18. Januar soll es dann auch in den Klassen 1 bis 3 mindestens drei Stunden täglich Unterricht in der Schule geben, ebenfalls in Gruppen, die höchstens halb so groß wie üblich sein dürfen. Ab dem 25. Januar soll das auf die Klassen 4 bis 6 ausgeweitet werden und nach den Winterfeien ab dem 8. Februar auf alle Schularten und Jahrgänge. Ab 15. Februar – so die Hoffnung – soll der Unterricht für alle wieder regulär wie vor dem Lockdown laufen.“
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    Ich versuche, darin den Ansatz für einen möglichen Kompromiss zwischen Gesundheit u. Schule u. Arbeit zu entdecken.
    Für die akute Pandemie mit all dem vergeblichen Abwehrgestrampel, sehe ich nur dies: die derzeit leerstehenden Klassenräume werden zur DREITEILUNG der zurück kehrenden Klassen genutzt – jede Teilgruppe erhält eine Begleitperson aus der Ganztagsbetreuung, LuL unterrichten virtuell und unterstützen mobil in den Gruppen. Klassen 11+12 bleiben im DistU, solange Inzidenz über 25 steht.
    In GS wird ebenfalls dreigeteilt: 2 Teilgruppen im geteilten KlZimmer, dritte im Container über dem Pausenhof, für Klassenraum u. Container jeweils 1 Begleitperson, LuL machen mobilen Gruppenunterricht.
    Im Infektionsfall nur infizierte Person nachhause – die anderen Kontaktpersonen unter Beobachtungsquarantäne IN der Schule – mit Gurgeltests!
    Und dies – mit den Erfahrungswerten der nächsten Monate – ausgearbeitet als Konzept „Pandemiefeste SCHULE“, zur Vorbereitungauf eine nächste Pandemie – ök?

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