Studie: Wegen Corona 1,5 Milliarden Euro für Schüler-Nachhilfe nötig

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BERLIN. Das Aufholen coronabedingter Lernrückstände von Schülern erfordert nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zusätzliche öffentliche Mittel von rund 1,5 Milliarden Euro, wie die «Rheinische Post» berichtet. Die Studie des arbeitgebernahen Instituts geht dem Bericht zufolge von rund 1,5 Millionen Schülern aus, bei denen durch die Krise ein stark erhöhter Förderbedarf entstanden ist.

Viel Geld ist nötig, um die entstandenen Lenrlücken zu schließen. Foto: Shutterstock

Die Autoren rechnen mit einem durchschnittlichen Förderbedarf von rund 100 Stunden pro betroffenem Schüler und kommen so auf die Milliardensumme. Das sei «gut angelegtes Geld, um die Verschärfung der Ungleichheit der Bildungschancen und deutlich größere Folgekosten zu vermeiden».

Über ein entsprechendes Förderprogramm beraten Bund und Länder bereits seit einigen Wochen: Im Gespräch ist eine «Nachhilfe-Milliarde». Dies sei der Bedarf für die Kernfächer, erklärte Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) in den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Die SPD-geführten Länder schlagen vor, rund jedem fünften der 11 Millionen Schüler zusätzlichen Unterricht anzubieten – entweder über ein ganzes Schuljahr zwei Stunden pro Woche oder über ein halbes Schuljahr vier Stunden. Nach Angaben des Deutschen Lehrerverbands sind seit Beginn der Pandemie mehr als 500 Unterrichtsstunden weggefallen.

Karliczek sagte: «20 bis 25 Prozent der Schüler haben vermutlich große Lernrückstände – vielleicht sogar dramatische.» Möglichst schon zu den Sommerferien, spätestens zum neuen Schuljahr würden entsprechende Förderangebote bereitgestellt, für Deutsch, Mathematik und möglicherweise die erste Fremdsprache.

Zielgruppe seien vor allem Schülerinnen und Schüler, bei denen ein Wechsel bevorstehe – entweder auf eine weiterführende Schule oder in eine Ausbildung. Der jeweilige Bedarf müsse «vorher in einer Lernstandserhebung ermittelt werden». dpa

Studierende sollen Schülern helfen, Lernlücken zu schließen – Lehrerausbilder sind skeptisch

 

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12 KOMMENTARE

  1. In BW bzw. in Mannheim sind die Lernlücken mit einem Nachhilfeprogamm oder Förderprogramm bei G8 nicht zu leisten. Die Kinder haben schon bei einem G8 Schultag schon mehr zu bewältigen und sind durch zusätzliche Förderstunden und noch Hausaufgaben und noch
    Lernzeit keine alternative für Lernrückstände. Herr Ralf Scholl vom PHV_BW und die Arge
    Stuttgart hat ein Corona Aufholjahr G9 gefordert um die verlorene Lernzeit in einer angemessenen Zeit zu erarbeiten und im vertrauten Umfeld mit den Lehrern der Schule aufzuholen.
    Die Kinder und Jugendlichen sind schon lange in Ihrer persönlichen Entwicklung und Entfaltung ausgebremst in Ihrer Freizeit. Durch die Zusatzstunden und bei G8 wäre gar keine persönliche Entfaltung außerhalb der Schule mehr möglich. Dieser Bereich wird voller Sehnsucht erwartet von der jungen Generation. Nicht nur die Bildung ist zu beachten sondern auch die Plege der Pesönlichkeit und Entwicklung. Diese Entwicklung konnte im persönlichen Bereich schon über ein Jahr nicht erfahren werden und erprobt werden in einer Gemeinschaft. Herr Kretschmann hat ein Treffen für Montag angekündigt und mit Verbänden, Elternbeiräte, Schülerbeiräte zusammenzusetzen. Ein Austausch auf Augenhöhe ist gewünscht und Herr Kretschmann hat ein Signal gesetzt und zeigt Bereitschaft einer Zusammenarbeit. Frau Eisenmann hat jegliche Zusammenarbeit und Austausch unterbunden und kein respektvolles Miteinander angestrebt.Diese Zeit hat bei allen tiefe Spuren hinterlassen für alle die an der Schule sind oder für die Schulen eintreten. Herr Kretschmann hat die Chance sich in der Schulpolitik neu aufzustellen und ein neues Miteinander zu entwickeln. Gehör ist die beste Vorausetzung für alle die am Montag am Tisch sitzen mit Kretschmann. Ob Frau Eisenmann noch erscheint ist fraglich und nicht erstrebenswert mehr für die Schulen. Befehle und Sanktionen ist keine Basis für ein tragegendes Konzept an den Schulen.

  2. Mich würde mal interessieren, wie hoch die Lernrückstände von Schüler*innen sind, die im Unterricht die Mitarbeit verweigern oder gern auch mal schwänzen und ihre Aufgaben nicht machen – außerhalb von Pandemien und Fernlernen…
    Überraschenderweise ist diese Schülergruppe bei mir nahezu deckungsgleich mit der Schülergruppe, die auch im Fernlernen bei Videokonferenzen nicht dabei war und Aufgaben nicht eingereicht hat. Bekommt man diese Schülergruppe tatsächlich dazu, ihre Lernrückstände zusätzlich zum „normalen“ Unterricht aufzuholen? Ich habe das Gefühl, dass das Problem hier eigentlich ganz woanders liegt.

    • Entspricht lediglich dem grundsätzlichen Dauerargument von Bildungsgerechtigkeit (bitte nicht falsch verstehen – die wird nicht angestrebt – darum wird sich seit Jahren nicht ernsthaft gekümmert, sondern sie wird nur als Scheinargument beatmet) an erster Stelle – schließlich kümmert sich das Schul- resp Kultusministerium ja um Bildung ……………………
      (sorry,……… muss erst mal den hysterischen Lachkrampf unterdrücken…………. so, jetzt geht’s wieder)
      ………und an letzter Stelle kommt die konkurrierende Gesundheit und der im GG verankerte Anspruch darauf.
      Dafür ist dann jemand anderes zuständig….von dem man sich aber nicht ins Bussiness reinpfuschen lässt. WIR FRÜHER IM Sandkasten. „Das ist mein Ministerium, da darf nur ich mit spielen…bähbähbäh…!“

    • Laut einer Bertelsmann Studie von Anfang 2016 gaben Eltern damals rund 90mio € für Nachhilfe aus (neuere Zahlen habe ich auf die Schnelle nicht gefunden, 2019 dürften wir die Milliarde überschritten haben). Die hier genannten 1,5mrd € sind also überwiegend dem generellen Akademisierungswahn geschuldet. Der Distanzunterricht offenbarte vermutlich nur die Arbeitshaltung der Schüler und die falsche Schulformentscheidung durch die Eltern, die durch Nachhilfe kompensiert werden soll.

  3. Kann ja sein, dass ich mich verrechnet habe oder im Lock-Down ist mein Gehirn eingetrocknet.
    Das ganze rechnet sich aber nicht.
    Luftfilter für alle Klassen hätten eine Milliarde gekostet. Die wurden nicht angeschafft, weil eine Milliarde für Schüler und Lehrer nicht zu finanzieren war.
    Daher fiel der Präsenzunterricht aus. Angeblich entstanden dadurch Lernrückstände.
    Um die auf zu fangen ist Nachhilfeunterricht für 1,5 Milliarden Kosten erforderliche.
    Wenn mich nicht alles täuscht, sind 1,5 Milliarden, 500 Millionen mehr als eine Milliarde!
    Wo liegt da die Logik???
    Zumal Nachhilfeunterricht mehrere große Probleme in der Praxis bringt
    – Wer hält ihn? Pensionierte Lehrer die ja nicht grundlos nicht mehr im Schuldienst sind. Mit dem Alter steigt ja nicht unbedingt die Motivation und Leistungsfähigkeit.
    Lehramtsstudenten? Die sind ja nicht grundlos noch nicht als Lehrer im Einsatz.
    – Die Schüler die wirklich eine Nachhilfe brauchen, brauchen diese ja meist nicht aufgrund mangelnder Intelligenz. So bitter es klingt, meist mangelt es an Motivation. Genau diese Schüler werden nicht freiwillig in den Ferien am Nachhilfeunterricht teil nehmen.

    Also alles wie immer!
    Bevor ich eine Milliarde für was sinnvolles wie Luftfilter ausgebe, werfe ich nachher lieber 1,5 Milliarden für eine sinnlose Aktion aus dem Fenster.

    • @Schattenläufer:

      …..und bereite den Schulen seit Monaten eine Menge an zusätzlicher Arbeit etc pp, die sonst wahrscheinlich weniger nötig gewesen wäre….

  4. Für diesen Betrag oder auch andere real gezahlte Summen hätte man im letzten Jahr sicher paar Intensivbetten erhalten oder schaffen können…

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