„Hier schreibt einer, der schutzlose Kinder schlimmen Gefahren ausgesetzt hat“: Was ein Lehrer zur Datenschutz-Debatte meint

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BERLIN. Der Streit um Microsoft und Co. für Schulen – der unlängst in der Ankündigung des hessischen Datenschutzbeauftragten gipfelte, seine Duldung von Videokonferenzsystemen wie Teams auslaufen zu lassen – sorgt für hitzige Diskussionen unter Lehrerinnen und Lehrern. Ein Gymnasial-Kollege aus Baden-Württemberg (wo sich Initiativen gegen und für den Einsatz von US-Software in Schulen gebildet haben) macht die Probleme anschaulich, die eine zum Kulturkampf ausufernde Datenschutz-Debatte in der schulischen Praxis bereitet.

Welche Gefahren lauern tatsächlich auf Schülerinnen und Schüler, die mit digitalen Angeboten der Schulen lernen? Foto: Shutterstock

Die Teams-Competition – eine Herausforderung

Vorsicht! Ehe Sie weiterlesen: Hier schreibt einer, der sich nicht gekümmert hat. Einer, der darüber hinaus arme, schutzlose Kinder zu bösem Tun gezwungen und schlimmen Gefahren ausgesetzt hat. Und – viel schlimmer noch – einer, dies gern fortsetzen würde. Ein notorischer Krimineller also?

Nun, irgendwie scheint mich unser Landesbeauftragter für den Datenschutz, Dr. Stefan Brink, wohl so zu sehen. Denn ich verwende an meiner Schule Microsoft 365 und Teams. Und Eltern, Schüler*innen und Lehrer*innen, ja sogar der Sachträger, sind sehr zufrieden damit. Und wir alle verstehen nicht so recht, warum dies nicht so bleiben soll. (News4teachers hat ausführlich über die Datenschutz-Debatte in Baden-Württemberg berichtet – hier geht es hin.)

Doch gehen wir einfach mal zurück an den Anfang der Geschichte: Freitag, 13. März 2020. Trotz Unterrichtsschluss herrscht Hochspannung im Lehrerzimmer. Es laufen zwar noch Fachkonferenzen, doch das ist nicht der eigentliche Grund, warum noch die meisten Lehrer*innen da sind: Wir warten auf Neuigkeiten zum bevorstehenden Lockdown. Hastig werden noch Klassensätze von Lektüren zusammengetragen, Materialien zusammengestellt, Montag soll noch ein Schultag sein. Dann die Überraschung – alles umsonst: Der Landrat setzt den Lockdown im Kreis schon auf Montag, den 16.03 fest. Wegen der hohen Ansteckungsrate. Der Begriff „Inzidenz“ ist damals praktisch noch unbekannt, Masken gibt es vielleicht in Apotheken, keine(r) hat so etwas. Immerhin: Noch am Vormittag sind der Schulleiter und der IT-Beauftragte durch die Klassenzimmer gezogen und haben das Passwort an die Tafeln geschrieben. Das Passwort für die gerade eben in einer Hauruck-Aktion geschaffenen Datenplattform auf der Basis von OneDrive. Jenes ist bei MS 365 dabei, das seit Jahren großzügig vom Sachträger finanziert wird, aber ehrlich gesagt, bisher im Schatten dahindümpelt. Immerhin: Einige Lehrende und Lernende haben die Lizenz dazu genutzt, um sich eine üppige Office-Professional-Version legal auf den heimischen Rechner zu ziehen. Das heißt nicht, dass die IT-Entwicklung an der Schule hintendran ist. Im Gegenteil. Wir haben zwei gut ausgestattete PC-Räume, ein gutes Netzwerk auf der Basis der PaedML, der Musterlösung des Landes Baden-Württemberg, Beamer in allen Räumen und es laufen zahlreiche Pilotprojekte in Richtung Tableteinsatz. Datenplattform? Es gab Wichtigeres. Bis der Virus kam.

Es gelingt uns tatsächlich, sehr viel Schaden von den Schülerinnen und Schülern abzuwenden

Und jetzt hat man OneDrive – quasi zufällig. Und es funktioniert einfach. Jede Klasse hat ihren Ordner. Arbeitsblätter und selbst erstellte Lernvideos werden verteilt, Aufgaben gestellt und abgegeben. Später kommt Teams dazu. Und die pädagogischen Möglichkeiten explodieren. Chat – einfacher Austausch mit Schüler*innen und Lehrer*innen und vor allem Videokonferenzen: Unterricht direkt im Kinder- und Jugendzimmer. Ganz unbescheiden gesagt: Es gelingt uns tatsächlich, sehr viel Schaden von den Schülerinnen und Schülern abzuwenden.

Um Missverständnissen vorzubeugen: Auch bei Teams wird einem nichts geschenkt. Mit dem System vertraut zu werden, das eigentlich für Firmenkommunikation konzipiert ist, und es schulischen Strukturen anzupassen, war und ist schon heftigste Arbeit.

Umso erstaunter und befremdeter waren wir, als um uns herum Moodle- und BigBlueButton-Lösungen reihenweise zusammenbrachen, Lehrer*innen, Eltern und Schüler*innen verzweifelten und resignierten, während wir allmählich in die Zone pädagogischer Erfolgserlebnisse segelten und so manches entdeckten, das man auch nach der Pandemie, im Regelbetrieb, sehr sinnvoll einsetzen könnte.

Doch das können wir nun wohl größtenteils in die Tonne treten. Denn wir mussten erfahren, dass dies alles nicht „rechtssicher“ sei und nur – aufgrund der Pandemie – in diesem Schuljahr geduldet werde. Dann sei aber Schluss. Denn schließlich und überhaupt habe man sich nicht genug gekümmert. Um die schulische Zukunft der Schüler*innen? Nein, um den Datenschutz.

Den meisten Menschen, denen man versucht, dies plausibel zu machen, entfährt an dieser Stelle ein „Hä?“.

Aber – auch wenn es fast niemand versteht – so ist offenbar die gesetzliche Lage. Und die Aufgabe des Datenschutzbeauftragten ist es, dies kraft seines Amtes durchzusetzen.

Erklären Sie mal der jetzigen Kursstufe 1, dass sie mitten in der Abi-Vorbereitungszeit auf OpenSource umsteigen soll

Dies sei unbenommen. Doch – warum hat er es dann nötig, die Lehrkräfte der, nach Schätzung von Theresa Schopper, der neuen Kultusministerin von Baden-Württemberg, etwa 1200 Schulen des Landes, in denen MS-Produkte genutzt werden, rhetorisch in die Nähe von Kriminellen zu rücken? Sich über sie lustig zu machen und ihre Leistungen zu diskreditieren? Weidet sich da einer an seiner Macht? Nein, das glaube ich nicht. Dazu scheint mir Herr Brink zu fähig zu sein.

Da muss mehr dahinterstecken. In der Regel greifen Mächtige zu solchen Mitteln, wenn sie hintendran doch nicht so sicher sind in ihrer Position. Und so einiges spricht ja gegen ein derartig rigoroses Verfahren:

Der auch von der Kultusministerin vorhergesagte Zusammenbruch der Infrastruktur besagter 1200 Schulen in Baden-Württemberg zum Beispiel.

Die Notwendigkeit dann unter Hochdruck schon wieder ein neues System aufbauen zu müssen – im Interesse der Schüler*innen vor allem. Weil die Pandemie ist noch nicht vorüber. Im Herbst könnte die Delta-Variante alle Öffnungsschritte wieder zunichte machen. Auch Politiker*innen warnen schon, bereiten die Öffentlichkeit darauf vor. Und wir müssten uns, statt auf Bewährtem aufzubauen, das bislang technisch definitiv Schlechtere erlernen und den ebenfalls frustrierten Schüler*innen vermitteln. Super.

Und selbst, wenn uns Fern- und Wechselunterricht erspart bliebe – wir hätten wahrhaftig anderes zu tun, als umzusatteln. Lernrückstände auszugleichen zum Beispiel. Und erklären Sie mal der jetzigen Kursstufe 1, dass sie mitten in der Abi-Vorbereitungszeit auf OpenSource umsteigen soll.

Die Lehrer- und Schüler-Verbände haben mit ihrer Erklärung für OpenSource Tausende von Schulen in eine üble Situation manövriert

Meine Beispiele verdeutlichen, was für eine Last da auf uns „Nicht-Kümmerer“ abgewälzt werden soll. Denn der eigentliche Skandal liegt woanders – an den Stellen, über die ich rückblickend maßlos enttäuscht bin:

  1. Über die Kultuspolitik, der es in den über 25 Jahren (!), in denen ich mit Schul-IT befasst bin, nicht gelungen ist, einheitliche, gut funktionierende, sichere IT-Lösungen an die Schulen zu bringen. Die ganze Diskussion über MS hin oder her sollte gar nicht nötig sein!
  2. Über die OpenSource-Verfechter, denen es bislang ebenfalls nicht gelungen ist, wirklich Überzeugendes zu liefern. Kein Mensch würde MS nehmen, wenn die Alternativen besser wären. Traurig, dass bei jenen jetzt über eine Verbotslösung gejubelt wird.
  3. Über die Lehrer- und Schüler-Verbände, die in ihrer gemeinsamen Erklärung gegen MS und für OpenSource wohl unbedacht Tausende von denen, die sie eigentlich vertreten sollten, in eine üble Situation manövriert haben.
  4. Über Microsoft. In der Tat. Die IT-Profis haben es bislang nicht für nötig erachtet, eine Lösung zu liefern, die die baden-württembergischen Datenschutzbestimmungen erfüllt. Das sollte für die doch ein Leichtes sein.
  5. Über die Politik allgemein, die nun bedenklich und betreten schweigt. Und die betroffenen Schulen zusätzlich zu der durch die Pandemie schon üblen Situation noch weiter belastet.

Und nun? In der Wirtschaft würde man wahrscheinlich einen Schlichter anrufen. Und jener könnte salomonisch Folgendes befinden:

  1. Das jetzige Moratorium bezüglich MS 365 und Teams wird aufgrund der Pandemiesituation um ein Schuljahr verlängert.
  2. Die betreffenden Schulen ergreifen mit Unterstützung des Datenschutzbeauftragten alle Maßnahmen, um die Datenschutz-Schwächen der Programme in dieser Zeit so weit wie möglich zu reduzieren.
  3. MS wird aufgefordert, innerhalb eines halben Jahres eine wirklich datenschutzkonforme Version vorzulegen.
  4. Die OpenSource-Alternativen werden mit Hochdruck auf einen vergleichbaren technischen und pädagogischen Stand gebracht*.
  5. Unabhängige Experten prüfen nach einem halben Jahr alle (!) Lösungen auf Datenschutzkonformität und technisch-pädagogische Qualität.
  6. Dann erfolgt eine verbindliche Richtlinie von Seiten des Kultusministeriums in Abstimmung mit dem Datenschutzbeauftragten. Und zwar rechtzeitig und transparent, spätestens drei Monate vor Schuljahresende.

Wäre schön. Wäre vernünftig. Aber: Wer hört schon auf einen kriminellen Nicht-Kümmerer.

* Ich höre Herrn Brink schon einwerfen: „Die Alternativen sind doch schon super“. Herr Brink, ich bin gerne zu einem öffentlichen Wett-Unterrichten bereit. Ich mit Teams gegen Sie oder einen von Ihnen bestimmten Open-Sourceiker. Und News4teachers übernimmt die Organisation. Meine ich ernst! (Die Redaktion auch, d. Red.) Motto: The Teams-Competition.

Um den Autoren zu schützen, bringen wir den Beitrag ohne Nennung seines Namens.

Leserposts

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Datenschützer will Schulen die Videokonferenz-Systeme verbieten, die in der Krise funktioniert haben – Elternschaften protestieren

 

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12 KOMMENTARE

  1. Ich hasse diese ständige Datenschutzdiskussion so langsam. Als IT-ler mit reichlich Erfahrung kann ich dazu nur eines sagen:

    Datenschutz ist nicht das Problem!!!

    Nur kurz als Denkhilfe, wenn wir die Milliarden, welche alle möglichen Schulen und Schulträger sinnlos in kommerzielle Softwarelizenzen investiert haben, zum Aus- und Aufbau einer funktionierenden Infrastruktur mit datenschutzkonformen Lösungen gesteckt hätten (welche wir für Universitäten eigentlich schon haben), wäre das Geld sinnvoll angelegt gewesen. Wir hätten jetzt funktionierende Rechenzentren, gepflegte Server mit ordentlichen Installationen und die Möglichkeit Inhalte beliebig zu teilen.

    Ja Open Source kostet auch Geld, und zwar beim Aufbau der Strukturen, der Skalierung der Serverkapazitäten usw. Und man muss entsprechende Fachleute einsetzen, die wissen was sie tun.

    Aber am Ende habe ich eine zukunftsfähige Struktur, welche ich nach Belieben anpassen und erweitern kann. Und vor allen Dingen, eine Lösung die langfristig Geld einspart.

    Auch das Geschimpfe auf Moodle und BBB kann ich nicht mehr hören, an unserem Gymnasium funktionierte beides super stabil, an der Grundschule mit itslearning und MS-Teams hatten wir nur Probleme. Und seltsamerweise lief der Distanzunterricht an den meisten Unis recht gut, auch diese setzen zum grössten Teil moodlebasierte LMS ein.

    Die wahren Probleme, über die hier schlicht hinweggetäuscht werden soll, liegen doch wo ganz anders. An der miserablen Ausstattung der Schulen. Es gibt tatsächlich in unserem Lande noch Schulen, die einen 16MB Anschluss haben…da können dann mit viel Glück 8-10 SuS an einer Videokonferenz teilnehmen, die anderen dürfen sich nichtmal einwählen.

    Was nutzen hunderte von Lizenzen, tausende von IPads, was nutzt ein Aufweichen des Datenschutzes für besonders schützenwerte Daten (namentlich die Daten von Minderjährigen!!), wenn am Ende auch MS-Teams nicht laufen wird, weil die Hardware versagt, die Bandbreite einfach nicht für mehr als 10 Teilnehmer reicht, oder keine Inhalte vorhanden sind?

    Es wäre so einfach gewesen (wie z.B. in BaWü kurzfristig geschehen), die Schulen in das Deutsche Forschung Netzwerk der Unis einzubinden, für das gleiche Geld und den gleichen Aufwand hätte man sehr schnell allen helfen können. Aber Dank Föderalismus und persönlicher Befindlichkeiten der Länderfürsten werden Insellösungen preferiert, welche langfristig viel Geld an Lizenzen kosten und nicht zukunftsfähig sind.

    Und mal wieder sollen die SuS es ausbaden, indem wir ihre Rechte aus Bequemlichkeit und Sparsucht unter den Tisch kehren.

    • Wenn das Wörtchen wenn nicht wär…

      Warum sollen Bildungseinrichtungen das Rad denn neu erfinden, mit dem Unternehmen in Deutschland und ihre Kunden offenbar gut zurecht kommen, ohne in Datenschutz-Debatten zu versinken? Baut sich die Polizei ihre Autos selbst – oder gibt sie ihre Anforderungen an die Wirtschaft, die dann entsprechend liefert?

      Das ist eine absurd überdrehte Debatte – typisch deutsch. Aus jedem Mist wird eine Ideologie gemacht. Wenn wir so weitermachen, sind die Schulen in 2050 noch nicht digitalisiert.

      • So viel Ahnungslosigkeit kann niemand im Bildungssystem als teilnehmender Akteur besitzen. Wobei mir die Erfahrungen doch dies immer wider zeigen…

        1. Sie behaupten MS Teams lief an Schulen nicht, wohingegen Moodle einwandfrei lief. Als Experte sollten sie wissen, dass Moodle selbst aufgesetzt wird und somit die Funktionsfähigkeit lokal variieren kann. MS Teams arbeitet dagegen global. Wenn ihre Behauptung stimmen würde, hatten Millionen von Arbeitnehmer genauso dauerhafte Probleme damit haben müssen. Diese sind in den Medien nicht präsent. Woher also die Annahme?
        2. Ich habe an einer technischen Universität mit eigenem Rechenzentrum studiert und gearbeitet. Dort gibt es Moodle Aufsetzungen, sowie MS Teams und Zoom. Raten Sie mal, was sich davon an der Uni während Corona bewährt hat?
        3. Wenn wir eigene Hardware und Software aufbauen, sind wir nicht mehr agil. Einfach gesagt: jede Innovation, jedes neue Tool, muss kopiert werden. Wir klonen dann nicht nur einen großen Konzern wie Microsoft, sondern diverse Großkonzerne, mittelständische Unternehmen, sowie Startups. Wie soll das finanziell, zeitlich und organisatorisch erreicht werden?
        4. Unternehmen wie Microsoft verdienen ihr Geld nicht primär im Bildungsbereich. Sie behaupten, dass die finanziellen Ressourcen durch die Lizenzen ausreichen, um eine Alternative zu Microsoft, Google, Apple und co. darzustellen? Na dann viel Erfolg.
        5. Ihre Kritik zur Ausstattung und Bandbreite ist absolut berechtigt. Was hat das jedoch mit Lizenzen zu tun? Sparen wir dort das Geld und geben es für Ausstattung aus, was dann? Nur noch Open Source? Egal wie gut das funktioniert?
        6. Wie viele gute Open Source Angebote gibt es? Linux, Libre Office, Mozilla Firefox, Wikipedia, Moodle. Sollen dann alle anderen Angebote aus der Schule ferngehalten werden? Bilder Schule dann eine Parallelgesellschaft? In der Freizeit verbringen Schüler, Lehrer, Eltern ihre Zeit mit dem iPhone auf Google, Amazon, YouTube, Instagram, … aber das wird in Schule ignoriert und nicht thematisiert? Damit machen wir uns nicht nur lächerlich, sondern schaden unseren Schülern.
        7. Schülerdaten sind auch abseits von Schule in Händen von Unternehmen wie Microsoft. Als wird es Schüler nicht über WhatsApp uber schulische Themen kommunizieren, auf YouTube Lernvideos schauen, auf Google nach Aufgaben suchen, … Am besten erlauben wir den Zugang zum Internet dann nur noch ab 18. Genauso wie Tabak und Alkohol. Dann ist der Datenschutz auch wirklich gewährt.

      • Die Bildungseinrichtungen müssen nichts neu erfinden, es existiert schon und läuft seit Jahren stabil und wird von einer grossen Gemeinde gepflegt, erweitert und ständig aktualisiert.

        Und auch Polizeifahrzeuge werden nachträglich noch modifiziert, meines Wissens gibt es die auch heute noch nicht fertig mit Blaulicht vom Band. Auch das wird zwar von einer Firma gemacht, aber nicht vom Hersteller selbst.
        Oder warum gab es da so ein Aufsehen wegen Preisabsprachen unter Ausrüstern von Sonderfahrzeugen 😉

        Auch den ständigen Hinweis auf Unternehmen halte ich für sinnfrei, als Arbeitnehmer hat man auch Rechte auf Datenschutz, welche strikt eingehalten werden müssen. Die Firma muss dann einen Datenschutzbeauftragten stellen, es müssen Dokumentationen vorhanden sein, Notfallstrategien erstellt, Datenschutz und Datensicherungmassnahmen implementiert werden usw. u.v.m.
        An der Schule: Fehlanzeige, Datenschutzbeauftragte/r ist eine Verwaltungkraft im Schulverwaltungsamt, die auf den Schulhomepages angegebenen Datenschutzangaben sind kopierte Standardvorlagen mit Formulierungen wie „im Unternehmen xyz“ ohne jegliche rechtliche Relevanz und, und, und…

        Man kauft medienwirksam eine Lizenz für irgendwelche Software, die LuL werden die Einrichtung und die Konfiguration schon richten.
        Genau wie beim Polizeifahrzeug sollte es da aber schon einen Fachmann geben, die Polizeiautos werden auch nicht vom Wachtmeister selbst repariert…

        Und zu guter Letzt, sprechen wir hier nicht von Rechnern eines Unternehmens, sondern von privaten Rechnern von SuS oder deren Eltern, die damit GEZWUNGEN sind, bestimmte Plugins, Apps, Tools oder Programme zu installieren, teilweise sogar bestimmte Hardware zu kaufen/leihen ohne eine Möglichkeit des Widerspruchs.
        Moodle und andere Open-Source Alternativen laufen geräteunabhängig in jedem aktuellen Browser, ohne Zwangsinstallationen die dann auch noch regelmässig mit Sicherheitslücken gespickt sind.

        Eigentlich sollte die Diskussion in meinen Augen auch gar nicht um Datenschutz oder nicht gehen (ja, mit genug Aufwand lassen sich auch MS-Teams und Konsorten ordentlich konfigurieren/anonymisieren) und auch nicht darum ob Open-Source oder kommerziell, sondern darum, ob man gewillt ist endlich mal die Digitalisierung richtig anzupacken, oder ob man weiterhin sinnlos mit (meist viel zu wenig) Geld um sich werfen möchte ohne irgendwelchen Mehrwert oder auch nur vorläufigen Nutzen zu generieren, oder sich vorher Gedanken um die Umsetzung zu machen. Denn auch der Einsatz von kommerzieller Software muss richtig umgesetzt werden.

        Aber in einem gebe ich Ihnen völlig recht, die ganze überdrehte Debatte hält nur auf und soll nur davon ablenken, dass man eigentlich gar nichts ändern will, weil es Geld kosten würde. Anstatt dann für sinnvolle Massnahmen zu sorgen ist sinnfreie Polemik beider Seiten natürlich einfacher und politisch medienwirksamer, schliesslich haben wir ja Wahlkampf 🙂

        • Also wenn es ums Anpacken geht, schmeißen wir bitte Moodle und den Großteil von Open Source Angeboten aber bitte auch die Tonne. Moodle ist ungefähr 15 Jahre aus der Zeit gefallen.Genauso viele andere Angebote.

          Was wäre die Lösung: Aufstockung der finanziellen Mittel, breites Angebot an Hardware und Software von dem sich jede Schule individuell bedienen kann.

          Was wird kommen? Billige Laptops, schlechte Landesplwttfo4 mit Open Source Tools, die nicht richtig funktionieren und das Geld ist dann auch weg…

    • „Die wahren Probleme … miserable Ausstattung der Schulen“ und professionelle, umfangreiche Wartung und Administration.

    • Danke für Ihren Beitrag, der das ganze ins richtige Licht rückt. Ich kann mich Ihnen nur 100%ig anschließen!
      Bei uns läuft es mit Moodle und BBB – und übrigens generellem Einsatz von Opensource Software, inkl. Betriebssystem und Serverlösung – ziemlich gut! Die frustrierenden „Zusammenbrüche“ sind schon lange kein Thema mehr und hätten eben bei rechtzeitigen Investitionen in die digitale Infrastruktur verhindert werden können. Rechtzeitig heißt da ein nicht im März 2020…

  2. Das „Dogma“ für uns KuK ist ganz einfach zu beschreiben:

    Wir wollen IT-Konzepte und Lösungen, die umfassend und ohne große Reibungsverluste funktionieren- und zwar auch dann, wenn ich als unterrichtender Kollege kein ausgebildeter IT-Experte bin, sondern eher Anwender…von wem die letztlich kommen ist uns völlig wumpe…Hauptsache, sie ermöglichen uns das, was wir für unseren Unterricht – in Präsenz oder Distanz – brauchen.

    Stellt euch bitte einmal vor, dass die Bandarbeiter*innen bei VW sich um die Erstellung, Wartung und reibungslose Funktion der Stromversorgung in der Fertigungsfabrik kümmern müssten. Jepp – hochgradig schwachsinnig, weil undenkbar….in Schulen ist das alles denkbar….KuK kümmern sich um die Administration, Systempflege und Wartung der (evtl.) zur Verfügung stehenden Rechner oder mobilen Endgeräte…

    …ach ich merke gerade, dass ich gar keinen Bock mehr habe, diese Sachverhalte immer und immer wieder zu erklären.

    Das sind Aufgaben des Trägers … und nicht der KuK…wenn das läuft ist es uns Praktikern doch völlig egal, was für ein Name auf dem System steht.

    Nur nehmt uns – bei allen Anforderungen, die ständig an uns gestellt werden, nicht auch noch funktionierende Technik weg, Und an der Stelle hat der Autor des Beitrages absolut recht.

  3. Microsoft kann leider an der Datenschutzeinstufung nichts ändern, da das Problem nicht in der technischen Lösung liegt sondern in den gesetzlichen Struktur des Patriot Act. Jedes einzelne System das Daten in irgendeiner Form in die Firmenzentrale liefert ist daher betroffen. An einer möglichen Lösung wird trotzdem gearbeitet, so dass sämtliche Daten in Europa verbleiben. Dies ist schon weitgehend so. Nur noch nicht 100%

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