„Um eine Krise zu bewältigen, bedarf es eines pädagogischen Masterplans“ – Bildungsforscher fordert entschlossenes Handeln

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AUGSBURG. Insgesamt seien die Lernrückstände größer als die Dauer der Schulschließungen selbst, konstatiert eine internationale Meta-Studie des Augsburger Bildungswissenschaftlers Klaus Zierer. Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Milieus trifft es dabei besonders hart.

Die meisten Jugendlichen in Deutschland durften im Juni wieder komplett in die Schulen. Kein Wechselunterricht mehr, kein Homeschooling. Doch ist damit wirklich alles wieder gut für die Schülerinnen und Schüler?

Der Augsburger Schulpädagoge Klaus Zierer hat im Rahmen einer Meta-Studie internationale Daten zu den Auswirkungen der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie ausgewertet. Sein Befund ist eindeutig: Kinder und Jugendliche weisen in allen Bereichen ihrer Persönlichkeitsentfaltung Defizite vor.

Freude sollte als Leitmotiv in der Schule verankert sein, findet der Augsburger Bildungswissenschaftler Klaus ZIerer. Foto: Shutterstock

Durchschnittlich ein halbes Jahr Lernrückstand

Mit Blick auf die Lernleistungen betrachtete Zierer Studien aus den USA, Belgien, den Niederlanden, der Schweiz und Deutschland. Verglichen wurde jeweils die Lernleistung in normalen Schulzeiten und während der Schulschließung. Ausgewertet wurde die Entwicklung der mathematischen und muttersprachlichen Kompetenz. Die Daten stammen aus dem Frühjahr 2020, als zu Beginn der Pandemie nahezu weltweit Schulen geschlossen wurden.

Obwohl sich einzelne Studien in Umfang und Methodik unterschieden, wurde laut Zierer Eines sehr deutlich: Alters- und fächerübergreifend fielen alle Schülerinnen und Schüler durch die Schulschließungen signifikant zurück. „Auf ein Schuljahr hochgerechnet entsprach der Rückgang der Lernleistungen durchschnittlich etwa dem Verlust eines halben Jahres. Man muss zudem davon ausgehen, dass sich diese Lernrückstände im Lauf des Schuljahres und mit dem Fortschreiten der Pandemie weiter verstärkt haben“, erklärt er.

Dass die Lernrückstände damit größer sind als die Dauer der Schulschließungen selbst, lasse sich auf negative Effekte der sozialen Isolierung zurückführen. „Lernende“, fasst Zierer zusammen, „haben in der Einsamkeit häufig auch zu lernen verlernt.“ Besonders die Situation jüngerer Schulkinder alarmiere: Teilweise war der Lernzuwachs bei Grundschulkindern im Homeschooling nur halb so hoch wie im Präsenzunterricht. Markant zeigte sich überdies die Beobachtung, dass sich während des Distanzunterrichts die schon bestehenden Differenzen zwischen Schülerinnen und Schülern in Abhängigkeit zum Leistungsniveau und zum sozio-ökonomischen Hintergrund der Familien vergrößerten. „Lernende, die bereits vor der Pandemie schlechtere Lernleistungen erbrachten, waren ebenso stärker betroffen wie Lernende, die in einem sozialen Brennpunkt aufwachsen“, erläutert Zierer.

Weltweite Zunahme an psychischen Beeinträchtigungen

Mit Blick auf die psycho-soziale Entwicklung lieferten die Studien ein einhelliges Urteil: Ängste, Depressionen, Einsamkeit, Gereiztheit, Einschlafprobleme, Kopfschmerzen, Niedergeschlagenheit, Bauchschmerzen und Nervosität haben im Vergleich zu Erhebungen aus den früheren Jahren in allen Altersgruppen deutlich zugenommen. „Wer sozial isoliert wird, keine Kontakte mehr hat, Freunde nicht mehr treffen kann und ständig Abstand halten muss, hat schwierige Voraussetzungen, um sich gesund entwickeln zu können“, resümiert Zierer die Datenlage. Besonders Bemerkenswert scheint ihm auch in diesem Kontext, dass Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Milieus stärker unter den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie gelitten haben. „Die Corona-Krise“, so schlussfolgert der Augsburger Bildungswissenschaftler „hat zu einer Verschärfung von Bildungsungerechtigkeit geführt.“

Körperliche Verfassung angezählt

Mit Blick auf die körperliche Verfassung lasse sich an der internationalen Datenlage zwar erkennen, dass Kinder und Jugendliche während der Pandemie nicht weniger Zeit im Freien verbrachten, aber doch weniger systematisches Training wie in Sportvereinen hatten und zudem die Bildschirmzeiten bedingt durch die Schulschließungen gestiegen sind. „Wer bis zu neun Stunden am Tag vor den Rechnern sitzt, der hat keine Zeit mehr für Bewegung“, erklärt Zierer das Problem, „die Folge ist eine Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit und eine Zunahme des Körpergewichts.“ Auch hier sind die Effekte in bildungsfernen Milieus größer, was erneut die Frage der Bildungsgerechtigkeit ins Zentrum rückt.

Droht eine Bildungskatastrophe?

Nimmt man die genannten Aspekte zusammen, so zeige sich, dass gerade in der Bildung von Kindern und Jugendlichen Kollateralschäden der Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie festzustellen sind. „Wenn wir bedenken“, so bringt es Zierer auf den Punkt, „dass ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen Wirtschaftskraft und Bildungsniveau ebenso besteht wie zwischen Demokratiefähigkeit und Bildungsniveau, dann ist es höchste Zeit, dass bildungspolitisch entschlossen zu handeln.“

Zierers Meinung nach reicht es nicht aus, dass in den Ministerien lediglich virologisch argumentiert wird und Schulen nur verwaltet werden. Vielmehr fordert der Wissenschaftler: „Um eine Krise zu bewältigen, bedarf es eines pädagogischen Masterplans. Schule und Bildung muss neu gedacht werden.“ Konkret fordert er zum Beispiel eine „längst überfällige“ Lehrplanreform, die bestehende Curricula neu gewichtet und entrümpelt. Überdies bedürfe es weiterer Schritte, wie der Implementation von Maßnahmen zur individuellen Förderung, etwa durch Sommerschulen auf höchstem Niveau „und nicht als Beschäftigungstherapie“ (Zierer), der Stärkung der Elternkooperation und einer Digitalisierung im Bildungsbereich mit Augenmaß, damit nicht viel Technik angeschafft werde, ohne sinnvoll eingesetzt zu werden.

„Wie sich Schulschließungen auswirken, hängt stark von der jeweiligen Schule und der familiären Situation ab“, sagt Zierer und macht damit deutlich, dass es durchaus Schulen und auch Familien gegeben habe, die in der Krise über sich hinausgewachsen seien. „Aber es ist die bildungspolitische Verantwortung, dass flächendeckend alle Kinder und Jugendliche die Chance haben, einigermaßen unbeschadet durch die Krise zu kommen. Kein Kind darf zurückgelassen werden.“

Schule und Bildung müssten daher, nach Ansicht des Augsburger Ordinarius für Schulpädagogik, insgesamt und grundlegend neu gedacht werden. Zierer: „Freude ist der Motor des Lernens, der Bildung und des Lebens, und es höchste Zeit, sie als Leitmotiv in der Schule zu verankern, damit die um sich greifende pädagogische Klimakrise bewältigt werden kann.“

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28 KOMMENTARE

  1. Frage an die Gender-Experten hier:

    Zitat: „„Lernende“, fasst Zierer zusammen, „haben in der Einsamkeit häufig auch zu lernen verlernt.“

    Sind Lernende, die das Lernen verlernt haben, eigentlich noch Lernende?

    Generelle Frage: Wie viele dieser „Lernenden“ haben das Lernen eigentlich jemals wirklich gelernt?

  2. Ach Herr Professor… Warum eine internationale Metastudie die passende Methode ist, wo doch die Reaktionen auf die Pandemie in den Ländern recht unterschiedlich waren wird sein Geheimnis bleiben: warum wurde denn immer wieder gesagt „in D werden die Kinder vergessen, in X ist das ganz anders“ ? Um die passenden Ergebnisse zu bekommen, vergessen wir auch mal eben, dass sich die Organisation von Distanzunterricht im zweiten Anlauf in 2021 deutlich verbessert hatte. Die Vorgabe in NRW war im ersten Lockdown übrigens „kein neuer Stoff, nur Wiederholungen“. Motiviert natürlich ganz besonders, da nutzt irgendwann auch der/die Letzte die Zeit anders.
    Kleine Frage nebenbei: wer hat während Corona nicht zugenommen, nur die armen stillsitzenden Kinder?
    Vielleicht sollte der Herr auch einmal den sowieso unterschiedlichen Effekt der Sommerferien auf verschiedene Schülergruppen beachten, warum sollte das während der Schulschließungen anders sein? Der Abstand bildungsnah/bildungsfern hat sich nach jeden Sommerferien vergrößert!
    Weltbewegende Allgemeinplätze und Vereinfachungen, um endlich mal wieder in die Presse zu kommen. Wird nicht lange dauern, bis unsere MinisterInnen daraus blinden Aktionismus und neue Formulare kreieren.

  3. Nach dem zweiten Weltkrieg lagen weite Teile Europas in Trümmern.
    Wie war es möglich, daß die Menschen, die damals Kinder und Jugendliche waren, es geschafff habe , Europa innerhalb weniger Jahre wieder aufzubauen und zu Wirtschaftswachstum, Wohlstand und technischen Fortschritt zu führen.
    Wieviele Studien wurden damals zu Lernrückständen bei Schülern durchgeführt? Wieviele und welche sog. Aufholprogramme gab es?
    Keine? Aber die Katastrophe damals, war doch um ein Vielfaches größer?
    Die Auswirkungen auf das Leben der Menschen katastrophal.
    Hört doch endlich mal auf, so zu tun, als wären die letzten eineinhalb Jahre
    der größte Gau aller Zeiten gewesen. Natürlich war diese Zeit nicht einfach.
    Natürlich hat sie Spuren hinterlassen und viele müssen sogar den Verlust nahestehende Menschen verkraften oder leiden selbst unter den Folgen einer Coronainfektion. Das will ich auf gar keinen Fall bagatellisieren.
    Trotzdem hat die Menschheit schon bei weitem größere Krisen bewältigen müssen. Die größte steht uns erst noch bevor, bzw. wir stecken gerade mittendrin. Und die Folgen dieser Krise, (ich spreche von der Klimakatastrophe) werden weitaus schwerwiegender sein, als ein paar Monate Unterrichtsausfall.
    Glaubt eigentlich noch irgendwer im Ernst, daß wir die Probleme die vor uns liegen, in den Griff kriegen, ohne unsere Lebensweise, unser Konsumverhalten unsere Anspruchshaltung radikal zu ändern?
    Wir werden auf vieles verzichten müssen. Wir werden nicht weitethin wie die Irren durch die Welt jetten können. Wir werden uns nicht alle Naselang neues technisches Equipment zulegen können, weil das, was wir uns eben gekauft haben schon wieder veraltet ist. Wir sollten vielleicht auch darauf verzichten, das ganze Jahr Tomaten essen zu wollen oder im Februar Erdbeeren. Und eventuell wäre es angebracht unseren Fleischkonsum zu reduzieren und dafür mehr zu bezahlen. Die Liste ließe sich endlos verlängern.
    Was ich damit sagen will ist, daß es völlig wurscht ist, ob die Schüler sechs oder sieben Monate Lernrückstand haben. Wenn wir nicht endlich kapieren, daß wir nicht weitermachen können wie bisher, (und das betrifft ALLE Lebensbereiche, nicht nur die Bildung), dann steuern wir auf die richtige Katastrophe erst noch zu.

    • Ich denke auch, dass wir lernen sollten, anders zu leben. Damit einher geht eine Abkehr vom herrschenden Wirtschaftssystem unter der Schirmherrschaft des Neoliberalismus hin zu Formen, die nachhaltig unsere sozialen Gefüge und die Umwelt berücksichtigen. Es gibt da schon gute Ideen von jungen Wirtschaftswissenschaftler*innen, beispielsweise die Gemeinwohlökonomie.

      Anderseits glaube ich nicht daran, dass die herrschenden Systeme, sowohl in der Wirtschaft als auch in Bereichen wie Bildung zum Umdenken bereit sind. Selbst Katastrophen, wie die kürzlichen Überschwemmungen in Südwestdeutschland und Bayern oder die Pandemie lenken m. E. nicht ein.

      Deshalb wird es wieder einmal an einzelnen liegen, die eine Änderung für die Mächtigen ‚attraktiv‘ machen.

      Doch je festgefahrener das System, desto schwieriger gelingt ein Umbruch. Das liegt nicht nur an dem System an sich, sondern vor allem an den Menschen, die es bedienen.

      Das Bildungssystem wird schon seit Jahren ins vorige Jahrhundert verortet, aber geändert hat sich nichts. Lerndefizite von Kindern aus sozialschwachen und bildungsfernen Verhältnissen sind uns mindestens ebenso lange bekannt. Konzepte hierzu und Studien gibt es zuhauf. So richtig in den Griff bekommen, wurden sie nie.

      Diese Lerndefizite haben nun für die Wirtschaft nicht allein wegen der Pandemie an Bedeutung gewonnen, der demographische Wandel sitzt ihnen im Nacken und die ‚besonders harten Fälle‘ durch die Zuwanderung.

      Vielleicht ist das ja eine Chance, das System zu verbessern. Dass das aber weniger durch kluge Änderungen und Investitionen als eher auf Kosten der Schulen und deren Personal passieren soll, haben sich die kniffligen Kolleg*innen am grünen Tisch der Ministerien zusammen mit ihren Freunden aus der Wirtschaft sicherlich schon überlegt.

      Klaus Zierer kenne ich als anerkannten Bildungswissenschaftler, der sich auch auf Terrains außerhalb des Tellerrandes wagt (vgl. Haetti). Er sollte sich die grünen Tische in den Ministerien aber genauer anschauen, damit er nicht zum Instrument wird für halbherzige Bildungsmaßnahmen.

      • Nennen Sie mir mal bitte eine Regierungs- oder Wirtschaftsform, die nachhaltig für den überwiegenden Teil der Bevölkerung mehr Fortschritt, Wohlstand und Sicherheit gebracht haben als die Demokratie und der Kapitalismus. Mir fällt keine ein.

        Ihr Vorschlag mit der „Gemeinwohlökonomie“ geht stark in Richtung Kollektiv und Sozialismus, was erfahrungsgemäß (DDR, UdSSR, Kuba, Nordkorea, Berlin) nicht funktionieren kann oder zumindest schlechter läuft als der Kapitalismus.

          • @Max Kleine

            Warum verwende ich Sternchen? Weil ich mich nicht dem von Ihnen favorisierten Kommunikationsverhalten anpassen möchte; mein Uniabschluss ist noch recht frisch. Und dort wurde möglichst allen Menschen mit Respekt begegnet. Wer es nicht tat, konnte sicher mit Minuspunkten rechnen, was ich auch für richtig empfinde.

            Wenn hier jemand etwas sammelt, dann vielleicht Sie und zwar Fleißkärtchen fürs Nachtreten, wenn andere schon mit abgedroschenen Argumenten vorgearbeitet haben. Und das selbstverständlich durch die Blumen -Offenheit gefährdet die Tarnung. Das stützt doch eher Ihrer mir gegenüber argwöhnten Motivation.

            Für die Zukunft: Bleiben Sie sachlich oder halten Sie sich mit Äußerungen zurück, die Menschen in eine Ecke stellen. In der Schule nennt sich das Mobbing … aber das wissen Sie ja hoffentlich!

        • Wir alle stehen mit dem Rücken an der Wand und Ihnen fällt nichts besseres ein, als mit alten Kartoffeln zu werfen, anstatt den Keller aufzuräumen und Platz zu schaffen für Neues? Merken Sie nicht, dass es so nicht weitergehen kann? Wovor haben Sie Angst? Dass eine Wirtschaftsform in erster Linie nicht das Geld, sondern die Lebensqualität mehrt? Dieses von Ihnen so hoch gepriesene Wirtschaftssystem wird solange es sich lohnt, unsere Lebensgrundlagen zerstören. Was wollen Sie Ihren Kinder erzählen, wenn Sie diesen Planeten verlassen? „Oh, sorry, es ging uns doch immer gut, wir wussten doch von nichts. Uns hat doch niemand aufgeklärt, dass unsere Habsucht die Umwelt zerstört?“

          Ich denke nicht, dass wir von heute auf Morgen einen Umbruch schaffen. Aber so kann und darf es auf Dauer nicht weitergehen. Wir werden andere Modelle brauchen, die unsere Demokratie und Grundrechte wahren, aber auch unsere Lebensräume. Damit sollten wir uns konstruktiv auseinandersetzen – das ist meine feste Überzeugung!

          • Danke! Endlich mal jemand der die Zusammenhänge sieht, benennt und handelt. Leider macht mir die Einstellung der meisten Menschen keine allzu große Hoffnung, dass wir das Ruder noch rum reißen. Und wenn im September wieder die weiter so CDU/CSU mit ihrer Politik für Reichtum und Wohlstand an die Macht kommt, wird es wohl auch nichts mehr. Traurig für die Kinder, die all dies ausbaden müssen.

        • Tja lieber Georg da fiele mir sofort eine ein:
          Kommunismus in China!11!

          Mal abgesehn davon, dass mir das System wegen der Überwachung und Drangsalierung der Bevölkerung reformbedürftig erscheint, hat der Staat China in wesentlich kürzerer Zeit mehr Wohlstand, mehr Wachstum und mehr Fortschritt für einen weit grösseren Teil der Bevölkerung gebracht, als jedes andere System…und das viiieeel mehr an Sicherheit durch die Überwachung wollen wir doch auch nicht vergessen!!1!11

          Lieber Georg, ich finde Sie sollten evtl. mal ein paar aktuelle Informationen aus dem Internet beschaffen (es gibt da sehr informative, vorher faktengecheckte Seiten) anstatt derart altertümliche Vorstellungen zu verbreiten.

          Und zu den schlecht gelaufenen Dingen in der DDR:
          -bezahlbarer gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr fast flächendeckend
          -sehr gute Betreuungsangebote und Bildung für alle Kinder
          -Schaffung von Arbeitsplätzen in Bereichen mit Bedarf anstelle von Abschiebung in Zwangsmassnahmen für Arbeitslose
          -mehr Gleichberechtigung von Mann und Frau sowohl privat als auch beruflich

          Die Probleme bei gemeinwohlorientierten Wirtschaftssystemen wie bspw. dem Sozialismus oder dem Kommunismus (bitte nicht immer in einen Topf werfen, alleine das disqualifiziert m.M. alles was argumentativ danach kommt) liegen nie im System, sondern immer an den beteiligten Menschen.

          Sozialismus z.B. stellt Menschen in ihren Bedürfnissen und Freiheiten gleich und gesteht eigentlich immer allen genau gleich viel an Deckung der Bedarfe zu. Warum funktioniert er in der Realität nicht? Weil es immer Individuen gibt, die anhand ihrer Stellung und/oder Abstammung oder Sozialisierung für sich einen höheren gemeinschaftlichen Wert beanspruchen (z.B. die Parteiführung) und deswegen für sich auch mehr an Werten einfordern.

          Zum Thema Kapitalismus: Wenn wir denn einen echten hätten (real existiert auf dieser Welt keiner, genausowenig wie ein echter Sozialismus oder Kommunismus irgendwo exitieren würde) könnte sogar dieser funktionieren um uns als Menschheit weiter zu bringen.

          Allerdings hat er genau diesselben Probleme wie alle anderen rein theoretischen Wirtschafssysteme auch. Durch die beteiligten Menschen und ihre Vorstellungen davon, dass einzelne Individuen unterschiedlich wertvoll sind lässt er sich in der Realität nicht umsetzen. Wie sonst liessen sich unterschiedliche Steuersätze für unterschiedliche Einkünfte erklären, wozu bräuchten wir sonst Gewerkschaften oder Mindestlöhne?
          Und vor allem gäbe es in einem realen Kapitalismus keine Subventionen oder Förderungen für irgendwen sondern alles (auch die Arbeitslöhne) würden sich nach der Nachfrage richten. Der Arbeiter am Band bekäme einen höheren Lohn als der Vorstandschef, schliesslich gibt es ohne den Bandarbeiter nichts dem er vorstehen könnte 😉

          Somit hätten dann Pfleger und Krankenschwestern die eigentlichen Gewinner der Pandemie sein müssen, die Nachfrage ist dermassen gestiegen, dass sie inzwischen Rekordlöhne bekommen müssten.

          • Zu China: Was wäre wohl, wenn bei uns muslimische Flüchtlinge so behandelt würden wir die (einheimischen und muslimischen) Uiguren in China?
            Vermutlich wäre der Teufel los, man würde von unerträglicher Islamophobie sprechen, typisch rechtsextremistisch. Aber in China sind die Kommunisten an der Regierung, was nun?
            Und haben eigentlich die Kinder der Uiguren dieselben Bildungschancen wie die Kinder der Partei-Bonzen in Peking? Das noch zum Thema der Bildungs-Ungerechtigkeit in Deutschland.

    • Ein bekannter Mensch soll mal gesagt haben, dass es in Deutschland sechs Monate Winter und sechs Monate keinen Sommer gibt. Was macht es da aus, wenn es ein oder zwei Grad wärmer wird. Bitte erklären Sie dies einem etwas begriffsstutzigen Handwerker.

    • @Marion
      Eigentlich fing Ihr Kommentar so gut und an, um es am Ende doch nur total zu vergeigen.
      Die einzige Frage, die sich mir nach dem Lesen stellt, ist, warum Sie die Schlagwörter, die Sie für den zweiten Teil so schön auswendig gelernt haben, nicht auch für den ersten Teil verwenden/übernommen haben? Kommen doch schließlich aus den gleichen Quellen und müssten demnach genauso „glaubwürdig“ für Sie sein…

  4. Jetzt les‘ ich schon 3x den Artikel und krieg einfach keine Meinung dazu … wie soll ich da nur einen Kommentar schreiben? So ganz ohne Meinung?

    Spiel ich einfach die Opferkarte? – „Ja, das ist alles wichtig, aber wer fragt schon, wie ich durchgekommen bin? Wen interessiert das? Bin ich niemand?“

    Mh ne, greift grad nicht. Vielleicht die in sich geschlossen paradoxe Doppeldeutungstaktik: „Droht eine Bildungskatastrophe? Die Frage ist doch bitteschön vielmehr, ob eine Katastrophe in der Bildung droht!“

    Ah, schon besser, aber da geht noch was, oder? Hm … vielleicht ekelhaft besserwischerisch tun und so richtig wegputzen: „So einen absoluten XXX hab ich ja seit Jahren nicht mehr gehört. Alles völlig falsch.“ – Ne, nicht. Wir brauchen Niveau!

    Einfach trollen? „Und wieder sieht man, wie unflexibel und egoistisch Lehrer vorgehen. Immer nur auf den eigenen Vorteil bedacht.“ – Ah, das fetzt! … wobei, etwas auffällig ist es schon, könnte schnell durchschaut werden.

    Wilde, unzusammenhängende Behauptungen reinwerfen, viele Ausrufezeichen und gesperrte Schrift? „Maskentragen verursacht Schwerhörigkeit, da die Ohrmuschel ausleiert!!!! Alleine daran sieht man, wie wichtig (!) normaler (!!!!!!!) Unterricht für unsere Kinder ist, gesunde Luft für die Ohren! Meine Kinder wollen K E I N E Segelohren kriegen!! Niemals!!!!!“

    Pff, schwierig so ohne Meinung … ok, kommentier‘ ich heut halt mal nix.

  5. https://www.phv-bw.de/zumeldung-des-phv-bw-zur-pressemitteilung-der-initiative-buendnis-g9-jetzt-fuer-ein-corona-aufholjahr-durch-g9-an-den-gymnasien/In BW haben wir leider immer noch G8 ein verkürztes Schuljahr und durch die Pandemie G7. Alle sozialen Schichten egal welcher herkunft haben massive Defizite und egal welcher Schulart. Nicht nur die Bildung hat große Rückstände auch die persönliche Entwicklung und Entfaltung ist auf der Strecke geblieben. Grundlegende Erfahrungen konnten nicht gemacht werden und dies über einen sehr langen Zeitraum. Die heranwachsende Generation hatin dem Ausnahmezustand keine Beachtung und Gehör gefunden und tragende Lösungen werden von keinem der KM und Politiker angestrebt. Der Stellenwert der Schülergeneration und der Familien waren und sind die letzten in deiser Reihe und Klärungen gibt es auch nicht für das neue Schuljahr. Frau Schopper lebt Durchseuchung und Augenwischerei für ein Aufholprogramm und Sommerschule. Die junge Generation leidet sehr unter den ganzen Mißständen der Politik und den nicht Ziel führenden Konzepten. Der Wahlkampf ist so Geschmachlos und bringt keine wohlwollenden Entscheidungen für das Schulleben. Die Bedeutung der außergewöhnlichen Lebenszeit von Kindern und Jugendlichen ist immer noch nicht anerkannt worden. Es wird die Chance nicht genutzt nach dieser schweren Lebenskrise sich in der Bildung neu aufzustellen und neue Wege zu gehen. Man lebt auf Kosten der Schülergeneration den Flickenteppich und ist nicht bereit den Teppich zu entsorgen. Viel Geld wird verpulvert wird für ein nicht tragendes Konzept verschleudert. Ein respektvolles Miteinander unter den verantwortlichen ist nicht vorgelebt worden und dies bekommt die Jugendlichen zu spüren. Perspektiven auf eine faire und angemessene Aufarbeitung wird von den KM nicht angestrebt und nicht umgesetzt. Die Quittung wird im neuen Schuljahr erst richtig ersichtlich.

  6. Was ist als Defizit definiert?

    Ist es ein Defizit, wenn jemand im Unterricht chronisch nicht zuhört und sich mit anderen Dingen beschäftigt?

    Ist es nur dann ein Defizit, wenn der Lehrer digital daherkam und der Schüler den Bildschirm ausschaltete?

    Ist ein Defizit, wenn jemand nach der Klassenarbeit/Klausur nix mehr weiß von dem, was er gerade geschrieben hat?

    Ist es ein Defizit, wenn man nach Jahren nicht mehr weiß, dass man Etwas mal gelernt hat.

    Gibt es gegen die so erworbenen Aufholprogramme?

    Bleibt auf dem Teppich!
    Defizite haben viele Kinder. Immer.
    Darum kümmert sich keiner. Höchstens mit dem Hinweis an die Lehrer, sie müssen die Kinder
    da abholen wo sie stehen und zu vergleichbaren Leistungen bringen…
    Zentrale Prüfungen als Heilmittel für alles.
    Sogar für „keine Lust“, „Konzentrationsprobleme“ oder „LRS“, „ADHS“, „Dyskalkulie“, bildungsfernen sozialen Hintergrund, fehlende Bildung und Bücher in den Familien etc.

    Die Lehrer werden es rausreißen, wie immer, zumindest, wenn jemand ihnen erklärt, dass es da was rauszureißen gibt und was sie rausreißen müssen… das merken die Lehrer sonst womöglich nicht und machen sich, so ganz ohne Studien, einen schönen Lenz auf Staatskosten…
    Man stelle sich vor, Bildung müsse ohne Studien auskommen. Da würde niemand nie nichts merken und jeder (oder keiner?) wäre Bildungsverlierer… (Vorsicht, Ironie!)

    Hätte das Bildungssystem eine gesunde Grundlage, müssten wir nicht diskutieren, sondern könnten einfach tun, was wir für die Schüler als Gruppe oder als Individuum als das Nützlichste erachten.

    • „Hätte das Bildungssystem eine gesunde Grundlage“
      – Interessanter Gedanke; wie „resilient“ ist das Bildungsystem? Die Antwort ergibt sich wohl am deutlichsten in bzw. unmittelbar nach krisenhaften Umständen.

      • Resilient ist es nicht, auch wenn es auf den ersten Blick dem einen oder anderen Außenstehenden vielleicht so scheinen könnte – es wird nicht mit den (widrigen) Umständen fertig, sondern alle Beteiligten haben die Anweisungen, widrige Umstände auf welchem Wege auch immer aus dem Weg zu räumen, so zu tun als gebe es sie nicht oder sie zumindest zu ignorieren.
        So geht es mit Anforderungen wie Inklusion oder Integration, mit immer „herausfordernderen“ Schülern und einer massiven Unterfinanzierung, manifestiert in fragwürdig berechnetem und noch fragwürdiger gedecktem Lehrerbedarf, oftmals fehlender pädagogischer Ausstattung, in der Krise sogar als verzichtbar erklärten Arbeitsschutzmaßnahmen.
        Von ungerechter Bezahlung der Lehrkräfte und nicht nachvollziehbarer Berechnung der Arbeitszeiten mal ganz abgesehen ist das Schulsystem auch wenn es so wie es derzeit offenbar und offiziell – bzw. von der Gesellschaft anzeptiert – gewollt ist, nur noch auf Kante genäht und kann daher auch nicht mehr angemessen und für alle zufriedenstellend mit Krisen fertig werden.
        Keine gesunde Grundlage also… schade – was könnte man alles bewirken, wenn es ehrlich gedacht wäre…
        Die Lehrer, die sind weitgehend resilient. Bleibt ihnen auch nichts anderes über als einzige Alternative zum persönlichen oder strukturellen Untergang…
        Einstellungsvoraussetzung: dauerhafte und jederzeit abrufbare Krisenfestigkeit, psychische Stabilität über jedes gesunde Maß hinaus – nur Menschen die Krisen zuignorieren oder aber den Umgang mit Krisen als ihren Lebensinhalt zu definieren in der Lage sind, sollten Lehrer werden!

  7. @ Max Kleine
    Vielleicht bin ich ja mur etwas begriffsstutzig. Aber was genau meinen Sie mit „Schlagwörter“, „auswendig gelernt“ und „gleichen Quellen“?

  8. „Insgesamt seien die Lernrückstände größer als die Dauer der Schulschließungen selbst, konstatiert eine internationale Meta-Studie des Augsburger Bildungswissenschaftlers Klaus Zierer. Kinder und Jugendliche aus bildungsfernen Milieus trifft es dabei besonders hart.“

    Ganz genau! Und da bringt es herzlich wenig, wenn Sommerschulen für Freiwillige angeboten werden.

  9. Ich ziehe meine Fragen an Max Kleine zurück. Hab jetzt verstanden. Mit seiner Antwort auf Susis Kommentar hat sich der kleine Max selbst entlarvt.

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