Impfaktionen für Schüler an Schulen: VBE ist wegen möglicher Konflikte besorgt

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BERLIN. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) hat sich der Kritik von Kinder- und Jugendärzten an Corona-Impfungen an Schulen angeschlossen. Es sei unbedingt notwendig, dass die betroffenen Kinder gemeinsam mit ihren Eltern und nach einer eingehenden Beratung durch den jeweiligen Kinder- oder Hausarzt eine informierte Entscheidung treffen, sagte der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann am Donnerstag laut einer Mitteilung. «Ob dies einzulösen ist, wenn die Impfung in Impfmobilen vor der Schule erfolgt, halten wir für fraglich.»

Maßnahmen an Schulen sorgen unter Kritikern von Corona-Schutzmaßnahmen für besondere Empörung. (Foto von einer Querdenkter-Demonstration im Oktober 2020 in München.) Foto: Shuttrstock / Martin Helgemeir

«Es hilft natürlich, dass wir mehr Sicherheit an den Schulen haben, wenn sich die zwölf- bis 17-Jährigen auch impfen lassen, aber es muss natürlich Freiwilligkeit gewahrt werden und deshalb ist eine eingehende Beratung der Eltern im Vorfeld erforderlich», sagte Beckmann mit Blick auf die in dieser Woche angekündigte Impfempfehlung der Ständigen Impfkommission (Stiko) für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren. Die Kinder- und Jugendärzte kritisierten allerdings die Pläne mehrerer Bundesländer, Kinder und Jugendliche an und im Umfeld von Schulen gegen das Coronavirus zu impfen und rieten stattdessen zur Impfung in den Praxen. Nach der Stiko-Empfehlung sind in mehreren Bundesländern spezielle Impfaktionen für diese Altersgruppe angelaufen oder in Planung.

„Wir teilen die Bedenken des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Kinder an der Schule zu impfen“

„Wir teilen die Bedenken des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Kinder an der Schule zu impfen. Noch mehr als bei den Erwachsenen sollte in dieser Altersgruppe auf Freiwilligkeit gesetzt werden. Deshalb ist es unbedingt notwendig, dass die betroffenen Kinder gemeinsam mit ihren Eltern und nach einer eingehenden Beratung durch den jeweiligen Kinder- oder Hausarzt eine informierte Entscheidung treffen“, sagte Beckmann. Er warnte auch vor möglichen Konflikten, wenn Eltern oder Jugendliche, die gegen eine Impfung sind, sich durch die Präsenz von Impfteams bedrängt sähen – und Aggressionen womöglich an Lehrkräften, Schulleitungen oder impfwilligen Mitschülern ausließen.

Wie zuvor schon der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte wies auch der VBE-Vorsitzende auf möglicherweise entstehenden Gruppenzwang an Schulen hin. Beckmann: „Die eigentlich gute Idee, dorthin zu gehen, wo sich die Kinder und Jugendlichen gewohnheitsmäßig aufhalten, wird so konterkariert. Die Kultusministerien, die vorhaben, Impfmobile an Schulen zu installieren, sollten daher mindestens darüber nachdenken, wie nachgewiesen werden kann, dass eine ausreichende Aufklärung gemeinsam mit den Erziehungsberechtigten stattgefunden hat, und zum anderen, wie der Schutz des Personals in den Impfmobilen und an Schulen sichergestellt werden kann.“ Dass dies wichtig sei, zeige zeigt die unlängst vom VBE in Auftrag gegebene repräsentative Umfrage zu Gewalt gegen Lehrkräfte im Zusammenhang mit der Umsetzung von Corona-Schutzmaßnahme, über die News4teachers berichtete.

„Gerade die Impfung jüngerer Jahrgänge trägt dazu bei, den Schulbetrieb sicherer zu gestalten“

Grundsätzlich begrüße der VBE die Entscheidung der Ständigen Impfkommission, eine Empfehlung zur Impfung auch der 12- bis 17-Jährigen auszusprechen. „Natürlich ist jede Impfung ein Schritt zu mehr Sicherheit, weniger schweren Verläufen und dem Schutz für all jene, die nicht geimpft werden können. Gerade die Impfung jüngerer Jahrgänge trägt zudem dazu bei, den Schulbetrieb sicherer zu gestalten. Daraus darf jedoch kein übergroßer Druck entstehen, dass sich nun prioritär die Jüngeren impfen lassen müssen. Es muss Raum gelassen werden für Ängste und Vorbehalte, schließlich haben wir es hier immer noch mit Minderjährigen zu tun, die besonders schutzbedürftig sind“, so Beckmann. Er betonte die Verantwortung der Gesellschaft: „Hauptaufgabe muss es sein, dass diejenigen geschützt werden, die sich nicht impfen lassen können. Um einen sicheren Schul- und Kitabetrieb für die unter 12-Jährigen zu gewährleisten, ist es auch notwendig, eine hohe Impfquote in der Gesamtgesellschaft zu erreichen.“ News4teachers / mit Material der dpa

Corona-Schutzimpfung für alle Schüler empfohlen: Was hinter der Stiko-Entscheidung steckt

 

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15 KOMMENTARE

  1. Der Herbst wird kommen, und entsprechend wird es bei der zunehmenden Verlegung der sozialen Kontakte von weitgehend risikofreien Außenbereichen in geschlossene Räume bei einer weiterhin stagnierenden Covid-19 Impfquote erneut zu einem rapiden Anstieg der Infektionszahlen und der schweren Erkrankungen kommen.
    Warum sollte es bei der sich abzeichnenden Lage keine gute Sache sein , die möglichen und gut organisierten sowie nachhaltigen Aufklärungen an in Schulen für eine Impfung mit einer möglichen anschließenden Impfung zu nutzen.
    Es könnten auch ehemals an Covid-19 Erkrankte Personen in ein ein gut integriertes Aufklärungskonzept eingebunden werden.
    Impfen ist besser als Heilen, die Nebenwirkungen sind sehr viel seltener und weniger nachhaltig in ihrer Wirkung , als dies bei einer Covid-19 Infektion der Fall ist.
    Jeder Mitmensch kann dann selbst entscheiden, ob eine Impfung die klügere Alternativ zur einer sehr wahrscheinlichen Infektion ist.
    Bis Ende September verbleiben die Impfzentren auch ohne eine Terminvereinbarung geöffnet.
    Nach dem 30.9.2021 sollte es zumindest die gezielte Aufklärung für Schüler der Altersgruppe über 12 Jahren geben. Denn eines ist wird zunehmend deutlich – jeder nicht geimpfte wird sich zwangsläufig eine Infektion mit dem Coronavirus zuziehen und dann an deren Folgeerkrankungen sehr wahrscheinlich über einen längeren Zeitraum leiden.

  2. Heute im Impfzentrum :

    Großes Schild „Impfen ohne Termin“

    Jedoch Biontech Impfstoff nicht vorrätig.

    Bei 6 Millionen Dosen Biontech auf Halde.

  3. Es geht doch darum, weitere niedrigschwellige Angebote zur Impfung zu schaffen, bei denen die Eltern nicht erst einen Arzttermin vereinbaren oder mit dem Kind zum möglicherweise weit entfernten Impfzentrum fahren müssen. Die Impfaktionen an Schulen und anderen Bildungseinrichtungen sind dazu sehr gut geeignet. Die Impfung durch Kinder- oder Hausarzt bleibt ja weiterhin möglich.

    Es wird zwar nicht ausdrücklich gesagt, aber es geht möglicherweise auch darum, Kindern von impfskeptischen Eltern die Gelegenheit zur Impfung zu geben. Insofern halte ich den Kommentar von Herrn Beckmann zur gemeinsamen Impfentscheidung nur für teilrichtig: Sobald die Kinder die Einwilligungsfähigkeit besitzen, treffen sie die Entscheidung allein selbst.

  4. Alles in mir ruft, drückt es den Kindern nicht durch Gruppenzwang auf. Sozialer Druck setzt sich dann in Wellen vielleicht noch weiter fort innerhalb der Klassen. Und die 16-jährigen Jugendlichen, die sollen ohne Eltern entscheiden können? Gerade da, wo die Pubertät in vollem Gange sämtliche Entscheidungen oft noch durch Hormone steuert? Nein. Bekannter Arzt oder kompetentes Impfzentrum. Da wär sonst noch Meckes mit Impfung als Geschenk im Happy Meal. Ach, geht ja noch nicht. Also besser Draufgabe im Maximenu.

  5. Hab den Bericht, um ehrlich zu sein, nur bis zur Textstelle „Wir teilen die Bedenken…“ gelesen.
    Genau da liegt das Problem. Wenn Deutschland in irgendwas auf der Welt noch echt spitze ist, dann im Tragen und vor allem im Teilen von Bedenken.
    Wir sind die Bedenken-Träger schlechthin.
    Impfen hilft gegen Corona. Punkt. Halt, wir haben bedenken. Das muss ausführlich ausdiskutiert werden. Bis das dann vorbei ist, haben wir eine 4. Welle.
    Masken verhindern Ansteckungen. Halt ich hätte das Bedenken.
    Luftfilter verringern die Virenlast. halt ich hätte da gewisse Bedenken.-
    Wir müssen unsere Helfer aus Afghanistan raus holen. Aber erst wenn wir ausführlich alle Bedenken gegen deren Rettung durchgesprochen haben.
    Exponentiell verstärkt wird dieser Effekt durch eine weitere typisch deutsche Charaktereigenschaft.
    Ein Deutsche hat nicht nur bedenken. Er muss diese bedenken missionarisch nach außen tragen. Notfalls wirft man sich halt auf den Boden und hält die Luft an, bis die Öffentlichkeit diese Bedenken ausführlich berücksichtigt hat.
    Wie im Kohlhas: „Ich will mein Recht und wenn es mich das Leben kostet“.
    Schon mal bemerkt? Wir sind bei allen sinnvollen Maßnahmen zu spät. Oft so spät, das der Zug schon abgefahren ist.
    Dafür wurden aber alle bedenken ausführlich berücksichtigt und voll ausdiskutiert.
    Ich hab so meinen Bedenken :-), ob Demokratie wirklich was für uns Deutsche ist.
    Wie soll einen Staatsform die auf Mehrheitsentscheiden beruht hier funktionieren. Da gibt es naturgemäß immer Minderheiten mit Bedenken. Problematisch wird die Sache eben, wenn diese Minderheiten durch ihre Bedenken die Umsetzung der Mehrheitsbeschlüsse ewig blockieren.

  6. Wer genau sind denn diese „Minderheiten mit Bedenken“?

    In jedem Fall füge ich hinzu: Deutsche klagen gerne auf hohem Niveau!

  7. Impfungen gehören in Arztpraxen!
    Und schon gleich 3x bei Kindern.
    Was für ein Irrsinn, Impfungen in die Schule zu verlagern.
    Ich glaube, diese Art von Impfung gab es schon mal in einem gewissen Teil von Deutschland.
    Schule ist Schule und nichts anderes!
    Da muss man nicht noch zusätzlich Spaltung und Druck aufbauen. Gerade für Kinder sollte das eine sehr persönliche Entscheidung bleiben und die geht niemand was an!

    • Und wenn das jemand anders sieht, dann werfe ich mich auf den Boden und halte die Luft an, bis jeder meiner Meinung ist.
      Ich habe nämlich BEDENKEN gegen die Impfung an Schulen.

    • Genau.
      Außerdem ist es eine Entscheidung der Eltern!
      Minderjährige Kinder und Jugendliche können ihre Meinung sagen, aber ENTSCHEIDEN tun die ELTERN!!!
      Und beraten und impfen ein Arzt oder eine Ärztin in der Praxis in Einzelkonsultation.
      Niederschwellig-schön und gut, aber was gestern im TT- Kommentar gesagt wurde- fehlende Zeit, Bus-/Bahngeld, Sprachprobleme von Eltern hätte von laschen Politikern sein können.

  8. Mir ist es egal wer sich wo impfen lässt, Hauptsache es wird getan.
    Impfaktionen an Schulen sehe ich nicht so kritisch.
    Es kann jeder für sein Kind wählen, wo und wann.
    Mag doch durchaus sein, dass es für manche Eltern der organisatorisch einfachere Weg ist. Es ist doch kein Zwang in Schulen geimpft zu werden, sondern eine Möglichkeit.
    Nicht allen SuS muss von Mama und Papa das Händchen gehalten werden. Und die anderen gehen eben in Begleitung in Impfzenteren oder Arztpraxis.
    Also nicht gleich alles schlecht machen, nur weil man es selbst anders handhabt.
    Zu Thema
    Persönliche Entscheidung : ja klar!
    Geht niemanden was an : wohl kaum, darum gibt es Impfausweise, die man stellenweise vorzeigen muss.

    • Zum Thema Schule ist Schule und nichts anderes…..
      Daaaa streiten sich die Geister.
      Schule wird von vielen anders gesehen.
      Als Aufbewahrungshort, Betreuungsort, als Ort der Erziehung, zum erlernen der Verhaltensregeln in der Gesellschaft, zum Erlernen von motorischen Fähigkeiten des Alltags( z.b. Schuhe binden, Anziehen…), zur Nachmittagsbeschäftigung, zum Freunde treffen und aufrechterhalten der Sozialkontakte und und und.
      Hab sicher einiges vergessen zu erwähnen.
      Manches ist neben der reinen Wissensvermittlung sicher sinnvoll und gut. Schulen wird aber in der heutigen Zeit immer nehr aufgebürdet und abverlangt, was nicht mehr dem eigentlichen Auftrag entspricht.
      Nicht von allen , aber von vielen.

  9. Verbunden mit dem Spruch „Schluckimpfung ist gut, Kinderlähmung ist grausam“, wurde in den 70er Jahren für die Impfung gegen Kinderlähmung geworben.
    Es kamen lmpfteams in die Schulen. Wir Kinder hatten unsere „Impfhefte“ dabei und bekamen unseren Würfelzucker, beträufelt mit dem Impfserum, zum Lutschen.
    Wenn ich mich recht erinnere, wurde damals auch gegen Diphterie, Tetanus und. Röteln geimpft. In den Schulen.
    Ich kann mich an keinen Zwang erinnern. Wer sein Impfheft nicht dabei hatte, wurde halt nicht geimpft. Lief alles völlig problemlos. Ich, sowie alle meine Klassenkameraden von damals, sind übrigens noch am Leben. Naja, zumindest weiß ich von keinem, daß er unter mysteriösen Umständen verstorben wäre.
    Manchmal nicht so viel labern. Einfach mal machen.

  10. Ich bin auch gegen Impfaktionen an Schulen. Sollten Impfungen nicht grundsätzlich unter hygienischen Bedingungen durchgeführt werden?

    • Ich glaube, die Impfteams wollen sich einfach auch einmal an einem „sicheren Ort“ aufhalten. Und das sind zur Zeit nur die Schulen, wie ich gehört habe!

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