Klassenbildung nach Muttersprache? Schule rudert nach Rassismus-Vorwurf zurück

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An einer Grundschule in Burg bei Magdeburg ist ohne Wissen der Eltern eine erste Klasse allein aus Kindern mit arabischer Muttersprache gebildet worden. Das hat das Landesschulamt am Dienstag auf Nachfrage mitgeteilt und eine Entschuldigung ausgesprochen. Am Vortag hatte das Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt (Lamsa) auf den Fall aufmerksam gemacht und das Vorgehen kritisiert. Am Montag ist die Klassenbildung laut Landesschulamt verändert worden.

Die Klasse für arabisch-stämmige Kinder wurde gestoppt. Foto: Shutterstock

«Der vorgesehene Klassenlehrer spricht selbst Arabisch und verfügt gleichzeitig über große Erfahrung bei der Vermittlung von Deutsch als Fremdsprache», erklärte ein Sprecher des Landesschulamts. «Die Schule hat also in der Absicht gehandelt, ihre Möglichkeiten zur Sprachförderung bestmöglich und im Sinne der Kinder auszunutzen.» Es sei aber nicht so gewesen, dass alle Kinder mit Migrationshintergrund des ersten Jahrgangs diese erste Klasse besucht hätten. Auch die anderen beiden ersten Klassen hätten Kinder mit Migrationshintergrund, jedoch mit anderen Muttersprachen, besucht.

Im Landesschulamt sei man davon ausgegangen, dass die geplante Klassenbildung mit den betroffenen Eltern abgestimmt gewesen sei. Das sei bedauerlicherweise nicht geschehen. «Die Schule hat dies als Fehler erkannt und wird die Kommunikation mit den Eltern zukünftig verbessern. Ich bitte stellvertretend für alle Beteiligten um Entschuldigung für die entstandenen Irritationen», so der Behördensprecher.

Die Eltern eines betroffenen Kindes hatten die Entscheidung zur Klassenbildung erst bei der Einschulung am Wochenende erfahren und hatten sich beim Landesnetzwerk Migrantenorganisationen gemeldet. «Hierbei handelt es sich nicht um ein pädagogisches Konzept, sondern um eine rassistische Trennung aufgrund äußerlicher Zuschreibungen», erklärte Lamsa-Geschäftsführer Mamad Mohamad. dpa

Rassismus ist ein Alltagsphänomen – auch in der Schule. Dort betrifft er Lehrer und Schüler mit Migrationshintergrund gleichermaßen

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9 KOMMENTARE

  1. Lamsa darf sich jetzt aber nicht beschweren, wenn die Kinder, die von anderen Lehrern als dem arabisch sprechenden und deren Kultur kennenden Lehrer, schlechter mit dem Unterricht klarkommen als die, die von dem Lehrer unterrichtet werden.

    Die Schule hat sicherlich nicht aus „rassistischen“ Gründen so gehandelt, sondern weil sie das Beste für die Kinder im Sinn hatte. Ein Geschmäckle hat das allerdings in der heutigen Zeit schon, zumal die fehlende Kommunikation seitens der Schule ein Fehler war. Man hätte das durchaus als positiv bewerben können, jedoch die Entscheidung für oder gegen die Klasse den Eltern überlassen können.

    • In den sogenannten „Willkommensklassen“ waren auch erst einmal alle erfasst, die kein Deutsch konnten, um erstmal bevorzugt Deutsch zu lernen. War das nur in Berlin so? Nee, glaube ich nicht.

      • @fabianBLN
        Diese Willkommensklassen in Berlin wurden aber leider mangels LuL ersatzlos gestrichen (jedenfalls an mir bekannten Schulen). Jetzt sitzen diese Kinder ohne die geringste Kenntnis der deutschen Sprache in einer normlen Klasse. Auch Erstklässler, gerade erst 6 geworden, ohne Schuleingangsuntersuchung (wegen Corona und Überlastung der Gesundheitsämter). Hätte man vielleicht für ein Jahr zum Deutschlernen in die Kita schicken können, dann hätte der Schulstart vielleicht geklappt. Geht aber nicht, da keine Kitaplätze. Man könnte auf die Idee kommen, dann wenigstens das 1. Schuljahr als Vorschuljahr anzurechnen und dann die 1. Klasse wiederholen. Geht laut Berliner Schulgesetz auch nicht, SuS können in der Schulanfangsphase nur die 2. Klasse wiederholen. Das verstehe, wer will. Was nützt es, in die 2. versetzt zu werden und die dann zu wiederholen, wenn die Grundlagen der 1. fehlen. (Ich habe im letzten Jahr monatelang für ein solches Kind mit Schulleitung und Schulrat gekämpft, nach den Herbstferien endlich Einzelfallprüfung und mitten im Schuljahr Zurückstufung in die 1. Klasse. Viel zu spät! Ich könnte k… Habe mir eine Menge Ärger eingehandelt für nichts. Noch mal habe ich nicht die Nerven. Aber mir tun die Kinder leid. Sie beginnen die Schule mit viel Frust und haben kaum Chancen aufzuholen.

    • Nachtrag: diese Aufteilung wäre ein wunderbarer Test dafür gewesen, ob Lehrer mit Kenntnis in der arabischen Kultur zu besseren Lernerfolgen bei den arabischen Schülern führen als der extrem heterogene Mischmasch von heute. Aber die Aktivisten verhindern das mal wieder aus rein ideologischen Gründen.

  2. Man hätte die Kinder mit Migrationshintergrund für den Deutschunterricht zusammenfassen können.

    Gerade jetzt, wo viel von Förderung und Ganztag die Rede ist, sollten alle Migrationskinder mit mangelnden Deutschkenntnissen zusätzlich Unterrichtsstunden haben.

    Das kann dann gerne eine Lehrkraft machen, die die Muttersprache der Kinder spricht.

    Früher gab es spezielle Schulen nur für Mädchen oder nur für Jungs.

    Immer gleich von Rassismus zu sprechen ist fragwürdig.

  3. Würde mich nicht wundern, wenn genau diese Eltern bzw. deren Unterstützer jetzt gleich anschließend einklagen, dass ihr Kind in der anderen Klasse entsprechend sprachlich gefördert und differenziert werden muss!

  4. Auch ich sehe die fehlende Kommunikation als Problem an. Besonders, da die Arabisch sprechende Lehrkraft ja hätte übersetzen können.

    Rein unterrichtstechnisch finde ich es toll, wenn der Lehrer die Sprache der Kinder spricht und z.B. Arbeitsanweisungen zweisprachig kommunizieren kann! Das spart viel Zeit, die dann für das Lernen zur Verfügung steht. Gerade Verständnisprobleme sind unglaubliche Zeitfresser!

    Ich bin selbst in verschiedenen Ländern zur (deutschen) Schule gegangen, an der etwa 25% der Kinder einen deutschen Sprachhintergrund hatten, tw. nur einige Jahre im Land blieben. Die Möglichkeit, Dinge von Anfang an übersetzt zu bekommen und sich dann in Ruhe und ohne zu großen Stress in die Landessprache einleben zu können, hat mir sehr geholfen, mein Abitur trotzdem mit 19 zu machen.

    Andererseits lebt so ein Kind natürlich auch in einer „Sprachbubble“ und kann sich mit anderen Kindern zur Not auch in der Muttersprache unterhalten….. Für mich war das klasse, weil ich mich anfangs nicht abgesondert fühlte, aber vielleicht hat es der Integration auch geschadet! Das kann ich nicht genau sagen, weil ich nach 4-5Jahren eh wieder woanders war und meinen deutschen Kulturkreis nie ganz verlassen musste.

    Ich denke es kommt darauf an, was erreicht werden soll! Soll eine möglichst schnelle Integration erreicht werden, muss man die Kinder einer Sprache und Kultur in den Klassen möglichst schnell vereinzeln, um den Druck zu erhöhen.
    Will man alle Kinder möglichst stressfrei fördern, ist ein muttersprachlicher Lehrer, der auch die Kultur versteht, sicherlich eine Hilfe für Eltern und Kinder.

    Ob das nun Rassismus ist, kann ich nicht beurteilen. Ich kann nur sagen, wie es mir in meiner Kindheit ergangen ist.

  5. News4teachers ist im Artikel ein kleiner aber entscheidender Fehler unterlaufen.
    Es geht um Kinder mit VERMEINTLICH arabischer Sprache. Dieses Wort fehlt im Artikel, man findet es aber in den Artikeln anderer Medien, z.B. hier:https://bit.ly/3hdM0RJ

    Also wurde hier nur nach Namen oder Aussehen unterteilt, nicht jedoch die genaue Muttersprache erfragt.
    Wer z.B. aus Afghanistan kommt, spricht kein Arabisch, sondern sondern Paschto bzw. Dari/Farsi. Das ist ein großer Unterschied. Und da hilft auch kein Lehrer mit Arabisch als Muttersprache.

    • Danke für die Korrektur. Kulturell dürfte der arabisch sprechende Lehrer aber schon erheblich näher an den Afghanen liegen als die rein mitteleuropäisch geprägten Kollegen. Das ist eigentlich die größere Baustelle, weil man eine Fremdsprache leichter lernt als die bislang durchgehend gelebte Sozialisation über Bord wirft.

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