Lehrerverband: Lorz lässt versprochene Reduzierung des Klassenteilers unter den Tisch fallen

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WIESBADEN. Der Verband der Lehrer (VDL) Hessen stellt mit Bedauern fest, dass die vereinbarte Reduzierung des Klassenteilers im Grundschulbereich, die im Koalitionsvertrag der schwarz-grünen Landesregierung unter dem Stichwort „Kleinere Grundschulklassen für individuelle Förderung“ festgehalten worden war, in dieser Legislaturperiode doch nicht realisiert wird.

In der Kritik: Hessens Kultusminister Alexander Lorz (CDU). Foto: Shutterstock

„Wahrscheinlich aus Kostengründen“, so der Landesvorsitzende Jörg Leinberger, „wird es die versprochene Reduzierung des Klassenteilers nicht geben. Uns ist allen bewusst, dass Corona den Kultusbereich finanziell gebeutelt hat, aber das ist kein Grund, Vereinbarungen einfach unter den Tisch fallen zu lassen.“

Dabei wäre eine Umsetzung ein wichtiger Schritt gewesen für die Verbesserung der Bildungschancen der Schülerinnen und Schüler sowie eine Unterstützung der Lehrkräfte im Grundschulbereich, die mit einer zunehmend heterogenen Klassenzusammensetzung pädagogisch umzugehen haben. „Nicht zuletzt durch die Corona-Zeit sind die Leistungs- und Förderungsgefälle in Grundschulklassen auf einem Rekord-Niveau angekommen. Statt daher dauerhaft in kleineren Klassen individuell arbeiten zu können, erhalten die Schulen durch ‚Löwenstark-Bildungskick‘ lediglich die Option der Doppelsteckung zur Bildung kleinerer Fördergruppen. In der Praxis scheitern diese Vorhaben häufig schon an fehlenden Räumlichkeiten, sodass eine echte, räumliche Differenzierung nicht möglich ist.“

Der VDL fordert, dass der Klassenteiler für alle Schulformen, insbesondere aber im Primarbereich abgesenkt wird, um Bildung passgenauer und effektiver zu gestalten.

Der VDL setzt sich zudem dafür ein, dass eine Reduzierung der Pflichtstunden im Grundschulbereich um mindestens eine Stunde erfolgt. „Ein deutliches Zeichen der Wertschätzung für Grundschullehrkräfte von Seiten dieser Landesregierung wäre, dass zum Ende dieser Legislaturperiode mit einer halben Stunde Deputat ein Anfang gemacht wird“, so Jörg Leinberger abschließend. Hierdurch würde auch ein – zumindest teilweiser – Ausgleich für den Zusatzaufwand stattfinden, der durch die Betreuung der Grundschülerinnen und -schüler mit unterschiedlichen Bildungshintergründen notwendig wird. News4teachers

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10 KOMMENTARE

  1. Die FDP in NRW denkt auch nicht nur ansatzweise daran, ihr Versprechen A13 für Grundschullehrkräfte umzusetzen. Hinsichtlich ihrer Wahlversprechen nehmen sich anscheinend alle nix.

      • Wenn dies so wäre, hätte man mit Sicherheit bereits entsprechende Äußerungen der FDP vernommen. Die halten aber einfach die Füße still, trotz Petitionen etc. A13 können wir eh vergessen, NRW ist sowas von pleite nach Corona und Ahrtalflut. Zumindest wird man es genau so begründen.

        • So hat man es ja schon begründet. Haben Herr Rasche und Herr Löttgen ja schon erklärt. Zu viele teure „Krisen“ haben A13 verhindert. Da wir aber im Dauerkrisenmodus leben, wird A13 wohl nie kommen.
          Vor ein paar Wochen haben Beide bei der Veranstaltung Schlaglichter versprochen sich wegen der Besoldung zusammen zu setzen. Noch gebe ich die Hoffnung nicht auf. Ich habe einen Masterabschluss und möchte auch so bezahlt werden.
          Ansosnten müssen wir einfach jeden warnen aktuell GS-Lehrer oder Sek-Lehrer zu werden. Je größer der Mangel, desto eher passiert was. Irgendwann sind auch Pensionäre und Quereinsteiger erschöpft. Und ich hoffe alle Studieninteressierte informieren sich vorher genau dass man trotz identischer Ausbildung 500 Euro weniger als ein sopä verdient.

          Wir Idioten in A12 müssen halt weiter Druck machen. Ich schließe mich der Sammelklage für A13 in NRW an. Ich gehe zu Veranstaltungen und stelle fragen, mache das Thema öffentlich. Nächstes Jahr sind wahlen. Da muss bei jedem Triell ein Lehrer nach Besoldung fragen

    • Ein Statement hat mich nachhaltig beeindruckt und sehr nachdenklich gemacht:
      So lange Bildung im Haushalt unter „Ausgaben“ und nicht unter „Investitionen“ geführt wird, kann etwas nicht stimmen …

  2. „Wahrscheinlich aus Kostengründen“ – ich glaube eher, der gute Mann hat sich bei seinem damaligen Versprechen einfach verrechnet. Er dachte: halbiert man die Klassen, halbiert man auch die Zahl der benötigten Lehrer. Das kommt davon, wenn man Mathe abwählt.

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