GEW zu Aufholprogramm: „Bürokratisch, kompliziert, zu klein – eine Mogelpackung“

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FRANKFURT/MAIN. Die GEW Hessen hat das Landesprogramm „Löwenstark – Der BildungsKICK“ kritisiert, mit dem Kultusminister Alexander Lorz (CDU) die Corona-bedingten Lernrückstände bei den Schülerinnen und Schülern ausgleichen will. Dazu sagt die GEW-Landesvorsitzende Birgit Koch: „Rückmeldungen, die uns zu Löwenstark – Der BildungsKICK erreichen, sind mehr als ernüchternd. Das Programm ist bürokratisch und mit Blick auf die Abrechnung zu kompliziert. Im ländlichen Raum ist es fast nicht möglich, Personal für das Programm zu finden. Ein Nachteil ist dabei, dass die im Rahmen flexibler Vertretungsreserve beschäftigten Vertretungskräfte im Rahmen von ‚Löwenstark‘ nicht arbeiten können. Dem Programm ist anzumerken, dass es mit heißer Nadel gestrickt wurde.“

Mit heißer Nadel gestrickt? Hessens Kultusminister Alexander Lorz. Foto: HKM/ Patrick Liste

„Die Corona-Krise ist besonders für Kinder und Jugendliche eine echte Belastung, die nun schon mehr als ein Jahr andauert“, erklärte Hessens Kultusminister Alexander Lorz bei der Vorstellung des Programms „Löwenstark – der BildungsKICK“ im Mai. „Veränderter Schulbetrieb, Unterrichtsausfall, Bewegungsmangel und fehlende soziale Kontakte sind gewaltige Herausforderungen, die wir beherzt gemeinsam anpacken werden. Wir setzen dabei neben bewährten Maßnahmen auch auf neue und kreative Ideen, um unsere Schülerinnen und Schüler bestmöglich zu unterstützen. Mit unserem ‚BildungsKICK‘ wollen wir Kompetenzen stärken, Individuell fördern, Chancen nutzen und Kooperationen bilden.“ Neben direkten Maßnahmen für den Unterricht werde dafür „das bestehende Netzwerk mit bewährten und neuen außerschulischen Partnern sowie gesellschaftlich engagierten Akteuren“ ausgebaut. Dazu gehören unter anderem Stiftungen, Organisationen aus Sport und Kultur sowie ehrenamtliche Projekte.

„So vielfältig die Bedürfnisse unserer Schülerinnen und Schüler sind, so breit gefächert soll auch unser Unterstützungsangebot sein“

Die Landesregierung stellt für das Programm im Jahr 2021 insgesamt 60 Millionen Euro aus dem Sondervermögen des Landes zur Bewältigung der Corona-Krise zur Verfügung. Zur Koordination wurde im Hessischen Kultusministerium eine neue Stabstelle eingerichtet. „Löwenstark“ bestehe unter anderem aus folgenden Bausteinen: Förderkursen, individuelle Lernbegleitung im Unterricht, Hausaufgabenbetreuung, Online-Nachhilfe, Lerncamps, Angebote der kulturellen Bildung, Bewegungsangeboten (z.B. Schwimmkurse) sowie sozialpädagogischer und psychologischer Unterstützung.

„Löwenstark“ werde von Abiturientinnen und Abiturienten, Studierenden, pensionierten Lehrkräften, Lesepatinnen und Lesepaten, Stipendiaten, Fachpersonal der Stiftungen, Vereinen und Bildungsträgern sowie ehrenamtlich engagierten Bürgerinnen und Bürgern unterstützt, die alle – so das Ministerium „einen wertvollen Beitrag zur Bildung der Schülerinnen und Schüler“ leisten. „Ob Nachhilfe in Mathe, Leseförderung oder Bewerbungstraining, Musikangebote, Theaterbesuche, ein langer Schultag im Museum, Schwimmunterricht oder ein Bewegungsangebot auf dem Schulhof – so vielfältig die Bedürfnisse unserer Schülerinnen und Schüler sind, so breit gefächert soll auch unser Unterstützungsangebot sein“, betonte Lorz. Dies gelte auch für Schulleitungen und Lehrkräfte, die in den kommenden Monaten zusätzliche Möglichkeiten zur personellen Unterstützung, für Fortbildungen, zur speziellen Beratung und zum Coaching erhielten.

So weit die Theorie. In der Praxis sieht das offenbar anders aus – laut GEW jedenfalls. „Löwenstark – Der BildungsKICK“ sei viel zu klein dimensioniert. Gewerkschaftschefin Koch erläutert dies an einem Beispiel: „Eine dreizügige Grundschule in Südhessen hat aus dem Programm knapp 7.000 Euro erhalten. Mit dem Geld kann höchstens eine Stunde Doppelsetzung pro Klasse und Woche erteilt werden. Die Schule hat sogar noch das Glück, dass hierfür gerade in Pension gegangene Kolleginnen und Kollegen gewonnen werden konnten. Letztlich handelt es sich um einen Tropfen auf den heißen Stein.“

„Den bestehenden Mangel versucht die Landesregierung zu verschleiern, indem sie Potemkinsche Dörfer errichtet“

Qualität und Kontinuität, so das Resümee von Birgit Koch, ist mit dem Programm nicht gewährleistet: „‘Löwenstark – Der BildungsKICK‘ ist eine einzige Mogelpackung. Der von der Landesregierung permanent für Marketingzwecke von schlechten Maßnahmen missbrauchte Hessenlöwe kann einem schon leidtun. Die Corona-Krise droht das sowieso schon bestehende soziale Gefälle im Bildungsbereich nachhaltig zu vergrößern. Wir brauchen auf Dauer angelegte Verbesserungen in den Schulen – dazu gehört mehr Personal und eine gute und zeitgemäße Schulinfrastruktur. Den bestehenden Mangel versucht die Landesregierung zu verschleiern, indem sie Potemkinsche Dörfer errichtet. Damit muss endlich Schluss sein.“ News4teachers

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5 KOMMENTARE

  1. Der Alexander lebt in einer Parallelwelt. Anders ist das alles nicht mehr zu erklären. Und ernst nimmt ihn doch schon lange niemand mehr. Rücktritt bitte sofort!

  2. Die Mogelpackung hat man auch in BW an den Schulen verkauft und die Mogelpackung ist in der ersten Woche aufgeflogen. Die Politik und KM haben vorsätzlich eine Schülerschaft und deren Eltern getäuscht. In den Wahlkampf sind viel Energien eingesetzt worden und um Verbesserungen an Schulen zu schaffen, ist durch den Wahlkampf in den Hintergrund getreten und erneut in Vergessenheit geraten. Welche Ernsthaftigkeit die Politik und KM anstreben, für ein glaubwürdiges Aufholprogramm ist für eine Schülerschaft und Elternschaft nicht ersichtlich.
    Als Elternteil kann man sich nur noch für das Versagen der Politik und der KM schämen, die ihre Verantwortung einer Schülerschaft nicht nach gekommen sind.

  3. Kann ich bestätigen: Es gibt keine Förderung: Keine Sprachförderung, kein DAZ Unterricht von AGs ganz zu schweigen. Wenn Geld da ist, fehlt das Personal. Ich rede von einer Grundschule in Hessen, städtischer Raum mit 80 Prozent nicht deutschen Herkunftsfamilien.

  4. Wir warten immer noch auf unsere Bezahlung für unsere Arbeit von Mitte August. Wir haben eine Woche lang in unseren Ferien eine „Löwenstarke Woche“ angeboten. Für die Organisation neben Zeugnisstress, Klassenleitung, Coronahygienemaßnahmen, Klassentagen …., gab es natürlich nichts.

  5. Die Gelder aus Löwenstark für das Haushaltsjahr 2021 waren bis 16.9.(sic!) zu beantragen. Der Sack für 2021 wurde 4 Monate vor Jahresende zugemacht! Ein Schelm, wer Böses dabei denkt…

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