Krisensitzung: Zwei Landkreise verzeichnen bei Kindern schon Inzidenzen über 1.000

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MÜNCHEN. Die Corona-Inzidenzen bei Kindern und Jugendlichen in Bayern sind so hoch wie nie zuvor – vier Wochen, nachdem dort die Maskenpflicht im Unterricht gestrichen wurde. In der Altersgruppe sechs bis elf Jahre lag die Inzidenz vergangene Woche bayernweit bei 415, wie das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) am Montag mitteilte. Das ist ein Anstieg um 157 binnen Wochenfrist und der höchste Wert für eine Altersgruppe, den das LGL seit Beginn der Pandemie überhaupt ermittelt hat. Das Kabinett lädt zu einer Krisensitzung ein.

Hatte vor vier Wochen die Maskenpflicht im Unterricht streichen lassen: Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Foto: Shutterstock

Für die 12- bis 15-Jährigen meldet das LGL ebenfalls einen massiven Anstieg: Hier liegt die Inzidenz inzwischen bei 391. Bei den 16- bis 19-Jährigen sind es 324 Fälle pro Woche und 100 000 Einwohner. Der bisherige Inzidenz-Rekord für eine Altersgruppe stammte von Ende vergangenen Jahres und hatte in der Altersgruppe über 80 damals den Wert von 376 erreicht.

«Falls notwendig, sind auch weitergehende Maßnahmen zum Infektionsschutz nicht ausgeschlossen»

Das Kultusministerium schloss am Montag eine erneute Maskenpflicht am Platz in der Schule nicht aus. «Natürlich beobachten wir gemeinsam mit dem Gesundheitsministerium die Infektionslage weiterhin sehr genau», teilte das Ministerium am Montag auf Anfrage mit. «Falls notwendig, sind auch weitergehende Maßnahmen zum Infektionsschutz – wie zum Beispiel eine Maskenpflicht auch am Platz unter bestimmten Voraussetzungen – nicht ausgeschlossen.» Schon jetzt könnten Gesundheitsämter vor Ort weitergehende Maßnahmen anordnen.

«Die hohen Inzidenzwerte erklären sich auch durch die hohe Testquote bei Schülerinnen und Schülern, die es in keinem anderen Bereich der Gesellschaft mit derselben Intensität gibt», erklärte das Kultusministerium. Zusammen mit dem Gesundheitsministerium betonte es die Bedeutung der Tests an allen Schularten.

Über alle Altersgruppen hinweg gibt das LGL die aktuelle Inzidenz in Bayern mit 181,3 an. Das Robert Koch-Institut meldete am Montag die etwas niedrigere Zahl von 179,1 – allerdings mit einem leicht abweichenden Stichzeitpunkt. Demnach ist die Inzidenz in Bayern die dritthöchste in Deutschland hinter Thüringen und Sachsen. Allerdings sind die fünf Landkreise mit den höchsten Werten in Bayern, allen voran Mühldorf am Inn mit 522,8.

Aus einem Teil dieser fünf besonders betroffenen Landkreise wurden am Montag auch Schulen als Treiber der Infektionszahlen genannt. So hieß es aus dem Landkreis Berchtesgadener Land, in Schulen und Kitas sei seit mehreren Wochen ein verstärktes Infektionsgeschehen zu beobachten. In Straubing-Bogen sieht man «ein diffuses Infektionsgeschehen mit Betonung auf Schulen und Kindertageseinrichtungen mit unmittelbar nachfolgender Ausbreitung auf die Familien der Infizierten». Beide Landkreise weisen Inzidenzen unter Fünf- bis 14-Jährigen von über 1.000 auf: Straubing-Boten 1.088, Berchtesgadener Land sogar 1.117.

Aus dem Landkreis Traunstein hieß es dagegen, dass vor allem Infektionen im privaten Bereich die Zahlen trieben. Auch in Mühldorf am Inn treiben laut Landratsamt vor allem Infektionsketten im familiären Umfeld die Zahlen.

«Es ist ja quasi alles wieder erlaubt, daher kommen die Menschen einfach mehr „physisch“ zusammen»

Im Landkreis Miesbach – Inzidenz unter Fünf- bis 14-Jährigen: 784 – sieht man den Beitrag der Schulen zu den Inzidenzzahlen vor allem darin, dass dort viel getestet werde. Schuld an den hohen Zahlen seien die allgemeinen Lockerungen: «Es ist ja quasi alles wieder erlaubt, daher kommen die Menschen einfach mehr „physisch“ zusammen», heißt es aus dem dortigen Landratsamt.

Am Dienstag sollen Landräte und Oberbürgermeister aus besonders betroffenen Regionen an der Sitzung des bayerischen Kabinetts teilnehmen.

Parallel dazu steigt die Zahl der Corona-Intensivpatienten in Bayerns Krankenhäusern. Am Montag lagen laut Intensivregister 338 Covid-Patienten auf den bayerischen Intensivstationen, fast 70 mehr als Mitte vergangener Woche. Das ist zwar weit unter dem Höchststand von rund 900 Corona-Intensivpatienten zu Beginn des Jahres, aber im Vergleich zur Lage zu Beginn der Sommerferien nahezu eine Versiebenfachung.

Anders als im ersten Jahr der Pandemie halten die Krankenhäuser mittlerweile keine Intensivbetten mehr eigens für Corona-Patienten frei. Da die Auslastung der Intensivstationen auch in normalen Zeiten sehr hoch ist, genügt nun eine ungleich geringere Zahl von Covid-Patienten als vor einem Jahr, um die Krankenhäuser an ihre Kapazitätsgrenzen zu bringen.

So gab es am Montag in 17 der insgesamt 96 Landkreise und kreisfreien Städte Bayerns kein einziges freies Intensivbett mehr. In rund 35 Kommunen – und damit mehr als einem Drittel – waren weniger als zehn Prozent der Intensivbetten frei. Ein Sprecher der bayerischen Krankenhausgesellschaft sagte, regional sei die Situation an einer zunehmenden Zahl von Kliniken angespannt. An ersten Häusern müssten geplante Operationen verschoben werden, sofern dies medizinisch vertretbar sei.

Mittlerweile ist für die Einleitung von Corona-Schutzmaßnahmen in Bayern nicht mehr die Inzidenz der wichtigste Wert. Dies ist vielmehr die Krankenhaus-Ampel, die laut dem bayerischen Gesundheitsministerium weiter auf Grün steht. Bei der Ampel wird ausgewertet, wie viele Covid-19-Patienten in die Krankenhäuser kommen oder sogar auf die Intensivstationen müssen. Diese Werte lagen zuletzt noch deutlich unter den Grenzen, ab denen Maßnahmen greifen. News4teachers / mit Material der dpa

Inzidenzen über 1000, massenhaft infizierte Kinder – und ignorante Politiker: Den Schulen droht ein zweiter Krisen-Winter

 

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20 KOMMENTARE

      • Das nützt auch nichts. Wen hat die Mehrheit bei den Bundestagswahlen gewählt? Schwarz, rot, gelb, grün. Hat eine dieser Parteien den Punkt „Verbesserungen an den Schulen“ (Luftfilter, Lüftungsanlagen, kleinere Klassen, mehr Lehrer, mehr Digitalisierung) als wichtigen Bestandteil Ihres Wahlprogrammes gehabt? Hat eine dieser Parteien dort wo sie an der Regierung ist auch daran intensiv gearbeitet? Nein. Man hat sich zwar in einem Bundesland über die Konkurrenz beschwert, aber im anderen, wo man an der Regierung beteiligt ist, auch nichts gemacht.
        Und trotzdem: Die Mehrheit hat eine dieser vier Farben wiedergewählt, also ist die Mehrheit zufrieden.
        Und auch die Mehrheit der Eltern ist zufrieden mit der Durchseuchung, sonst würde man weniger fürs Klima, sondern erst mal für Gesundheit in den Schulen streiken, und zwar nicht nur Freitags. Alle lassen ihre Kinder zu Hause, bis die Luftfilter da sind, das wär mal was. Und hätte man das vor einem Jahr schon gemacht, könnten wir uns jetzt schon lange wieder ums Weltklima statt um das Raumklima in den Schulen kümmern…

    • @Monika, BY: Wie man durch den Vergleich mit der Entwicklung in Großbritannien sieht: erst mal stoppt das niemand. Das Infektionsgeschehen an den Schulen muss erst in andere, höhere Altersgruppen durchschlagen, bis zu dem Punkt, wo man sich aufgrund massiv steigender Krankenhauseinweisungen nicht mehr anders zu helfen weiß und dann schließlich die Notbremse zieht.

      • Wisst ihr noch: Bundesnotbremse bei einer Inzidenz von 165.!?! Da lacht man heute drüber. Ist ja in einigen Landkreisen nur knapp über 1000. Egal, macht doch nichts, und: passiert etwas? Irgendwelche Konsequenzen? Nichts! Rein gar nichts. Es ist nur noch traurig, was hier passiert.

  1. „Falls notwendig, sind auch weitergehende Maßnahmen zum Infektionsschutz – wie zum Beispiel eine Maskenpflicht auch am Platz unter bestimmten Voraussetzungen – nicht ausgeschlossen.“

    Es brennt!

    „Wenn nötig, sind auch weiterreichende Maßnahmen – etwa 250ml-Wassergläser für die Löscharbeiten – nicht ausgeschlossen.“

    • Maskenpflicht am Platz, ich lach mich schlapp. Eine Glanzleistung, wieder mal. So werden wir das wuppen!
      Ich hab langsam Verschwörungstherorien, das KUMI betreffend…

  2. Söder war gemeinsam mit Merkel ein Mahner . Und hat sich inzwischen von dieser Rolle verabschiedet . Aber er hat ja auch einen Stellvertreter , der sich nicht impfen lässt …

  3. Zitat: „«Die hohen Inzidenzwerte erklären sich auch durch die hohe Testquote bei Schülerinnen und Schülern, die es in keinem anderen Bereich der Gesellschaft mit derselben Intensität gibt», erklärte das Kultusministerium.“

    Haben die Bonzen mal drangedacht, ob es auch an den fehlenden/bisher nicht möglichen Impfungen liegt? Grundschule: 100 Prozent Ungeimpfte, dicht beieinander und Lehrer bei denen der Impfschutz abnimmt. Warum nur sind gerade dort die Inzidenzen so hoch? Wahrscheinlich liegt es an den Lehrern, die es einfach nicht fertigbringen, die Testdurchführungen genauso inkompetent hinzubekommen, wie die Kumis den Gesundheitsschutz…

    • haubtsächlich apschließend @Kevin

      Klar liegt es an den Lehrern.
      Schließlich sind es dieselben Lehrer, welche schon das Lüften nicht ordentlich hinbekommen haben, weswegen man ihnen CO2-Ampeln als Lüftungserinnerungstool an die Seite stellen musste.
      Schließlich lag es am fehlerhaften Lüftungsverhalten, dass letzten Winter die Schulen geschlossen werden mussten.
      Müssen die Entscheidungsträger zumindest daraus geschlossen haben.
      Geschlossen auftreten können unsere KuMis.
      Das sollten sie allerdings ebenso vorzugs- wie weise in geschlossenen Anstalten tun, um von dort aus Anstalten zu treffen, überhaupt mal was zu tun. Außer Sprüche zu klopfen.
      Fenster zu – Schule zu.
      Fenster auf – Schule auf.
      So einfach geht das:
      Fensterlüftung, kostenlos. Man könnte auch sagen, umsonst. Vergeblich. Vorgeblich wirksam.
      CO2-Ampeln sind recht billig – vielen sogar recht und billig.
      Corona-Warnampel in RLP.
      Nun Ampelkoalition.
      Wir (h)ampeln uns so durch die Pandemie.

      Langsam seh‘ ich nur noch rot.

    • «Die hohen Inzidenzwerte erklären sich auch durch die hohe Testquote bei Schülerinnen und Schülern, die es in keinem anderen Bereich der Gesellschaft mit derselben Intensität gibt», erklärte das Kultusministerium. Das löst nur noch Brechreiz aus. Und hat bei mir „Kinder sind keine Treiber der Pandemie“ als Trigger abgelöst.

  4. Söder ist vor den Freien Wählern und den Bierzeltbrüdern eingeknickt. Vom Team Vorsicht zum Team Laissez faire. Schade, ich hielt ihn für klüger.

    • Ich auch . Er hat jetzt einen Knacks weg , weil ihm ein Loser als Kanzlerkandidat vorgezogen wurde . Sein Trauma . Das muss er kompensieren .

  5. Natürlich muss man die ARMEN GESTRESSTEN ELTERN davor bewahren, sich wieder mehr um die Kinder kümmern zu müssen!
    Daher bleiben Schulen und Kitas in ganz Deutschland offen, bis Kinder, Erzieherin nen und Lehrer tot umfallen!
    Tolle Strategie! Bin sooooo sauer!

  6. Die Eltern haben doch selbst keinen Ausweg mehr. Kindkrankentage sind ausgeschöpft und kündigen muss man sich leisten können. Es hilft doch nichts, den Eltern eine Mitschuld zu geben. Im Umfeld nehmen die Bedenken zu, da es täglich Fälle an Kitas und Schulen gibt. Sie dürfen Ihr Kind nicht zuhause lassen, in Bayern gilt die Schulpflicht. Wer riskiert schon eine Auseinandersetzung mit dem Jugendamt?
    Viele suchen gerade akut Ärzte, die U12 impfen.
    Und man hofft darauf, dass das eigene Kind nicht betroffen sein wird.

  7. Bayern gefährdet gerade vorsätzlich die Gesundheit aller Schüler und Schulpersonal. Das ist fahrlässig. Schützt unsere Kinder endlich durch Maskenpflicht. Empfehlungen kann man vergessen!

  8. Man konnte sich gestern nicht einmal zur Maskenpflicht durchringen. Hofft man auf ein Wunder? Wieder über 100 Tote pro Tag. Und nicht einmal Maskenpflicht?
    Warum nicht? Will die CSU noch mehr Mitglieder verlieren?
    Die Boosterimpfungen sind zu langsam, um die Risikogruppen rechtzeitig zu schützen.
    Und Kinder U12 sind zum Abschuss freigegeben. Das sind die Kinder, die später unsere Renten zahlen sollen und die überlassen wir jetzt einem Multiorganvirus. Nicht einmal die Präsenzpflicht wurde ausgesetzt.
    Was ist los in Bayern?

  9. Söder ist eben doch ein Wendehals.
    Zu Beginn der Krise bin ich auch wirklich auf ihn reingefallen.
    Ich Dummerle dachte tatsächlich, er vertritt „Team Vorsicht“ aus voller Überzeugung.
    Jetzt vertritt er „wir lassen es laufen“.
    In einigen bayr. Krankenhäusern sind keine Intensivbetten mehr frei, Patienten müssen in andere Landkreise verlegt werden, was dort natürlich auch die Anzahl der belegten Betten erhöht. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis in ganz Bayern die Betten fehlen. Und von unserer bayr. Staatsregierung kommen keine Ansagen, was dann an Massnahmen vorgesehen ist. Ich wette, es gibt noch nicht mal annähernd einen Plan.
    Man „beobachtet“ aber sehr genau und hat die Situation der steigenden Zahlen „im Blick“.
    Na da bin ich aber erleichtert…….

    • Zugucken ist ja schon mal mehr als weggucken. Problem ist vermutlich eine Schockstarre, wenn man so erkennt, wie schnell so eine Durchseuchung an ihre Grenzen stößt. Das hat man sich vermutlich ergiebiger erhofft.

      Neue Lösungen für Probleme dauern … das, was gestern half, soll man ja nicht wiederholen. Bleibt wohl nur noch das Opferzählen.

      Jau, jetzt kann ich auch nicht mehr anders. Ist SO viel zu viel! Ihr wisst schon…

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