„Die fehlende Wertschätzung der Arbeitgeber ist total enttäuschend“: GEW-Chefin Maike Finnern im Interview

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BERLIN. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) ist mit mehr als 280.000 Mitgliedern die größte Interessenvertretung von Lehrkräften in Deutschland – sie hat sich in diesem Jahr an der Spitze neu aufgestellt: Bundesvorsitzende ist seit Juni die Deutsch- und Mathematik-Lehrerin Maike Finnern, zuvor Vorsitzende des Landesverbands Nordrhein-Westfalen. Im großen Interview mit News4teachers zieht Finnern eine Bilanz des Jahres 2021. Sie spricht über den Tarifabschluss, über die Corona-Krise – und über ihre Erwartungen an die neue Bundesregierung.

„Die Front war sehr hart auf der anderen Seite“: Maike Finnern, Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, über die jüngsten Tarifverhandlungen. Foto: GEW

News4teachers: Das Ergebnis der Tarifverhandlungen hat wenig Begeisterung bei den Betroffenen ausgelöst. Warum war nicht mehr drin?

Maike Finnern: Es gab mehrere Gründe, die dazu geführt haben, dass in dieser Runde nicht mehr herauszuholen war. Die Corona-Pandemie hat einen erheblichen Anteil daran. Einmal, weil die Krise die Haushalte der Länder belastet. Zum anderen aber auch, weil es Ende November bei explodierenden Infektionszahlen verantwortungslos gewesen wäre, die Beschäftigten zu weiteren Streikaktionen vor Ort aufzufordern und einer Ansteckungsgefahr auszusetzen.

„Die Front war sehr hart auf der anderen Seite. Die Arbeitgeber waren überhaupt nicht zu Gesprächen bereit“

Als total enttäuschend empfinde ich die fehlende Wertschätzung der Arbeitgeber. Sie haben schamlos versucht, die schwierige Situation in der Corona-Pandemie für sich auszunutzen. Weder ihre gesellschaftliche Verantwortung noch ihre Verantwortung gegenüber den Beschäftigten hat die Arbeitgeber interessiert. Deshalb haben sie alle strukturellen Vorschläge der Gewerkschaften abgelehnt. So wäre es für uns wichtig gewesen, über die Umsetzung der Paralleltabelle für Lehrkräfte und die stufengleiche Höhergruppierung bei Beförderungen zu verhandeln. Da hat man klar gesagt: „Nein, darüber verhandeln wir auf gar keinen Fall.“ Dabei hatte uns die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) nach der letzten Tarifverhandlung fest zugesagt, beim nächsten Mal Gespräche über eine Weiterentwicklung der Entgeltordnung zu führen – aber nichts ist passiert. Das ist im negativen Sinne bemerkenswert. Wir werden uns gut überlegen, wie wir auf diese Provokation antworten.

(Hintergrund, d. Red: Mit der sogenannten Paralleltabelle würden Verbesserungen bei der Eingruppierung angestellter Lehrkräfte erreicht, die unterhalb der Gehaltsstufe E13 liegen. Vom Erreichen der Paralleltabelle, die sie zumindest stufenmäßig auf die gleiche Ebene wie ihre verbeamteten Kolleginnen und Kollegen hieven würde, würden nicht nur viele Grundschullehrerinnen und -lehrer profitieren, sondern auch zahlreiche Sekundarstufe-I-Lehrkräfte sowie Quer- und Seiteneinsteiger, die derzeit wegen des Lehrkräftemangels vor allem an Grund- und beruflichen Schulen eingestellt werden.)

News4teachers: Hat sich die mangelnde Wertschätzung auch in der Verhandlungsatmosphäre ausgedrückt?

Maike Finnern: Ja, die Front war sehr hart auf der anderen Seite. Die Arbeitgeber waren überhaupt nicht zu Gesprächen bereit. Sie haben verlangt, dass die Gewerkschaften ihre Forderungen erfüllen – Stichwort Veränderungen beim „Arbeitsvorgang“, die dazu führen würden, dass viele Beschäftigte schlechter bezahlt werden –, bevor sie über Strukturforderungen der Gewerkschaften verhandeln. Ich finde das sehr kurzsichtig. Auch die Kultusministerkonferenz (KMK) hat während ihrer jüngsten Tagung wieder auf den Lehrkräftemangel hingewiesen. Um mehr Nachwuchs für den Lehrkräfteberuf zu finden, soll jetzt eine Werbekampagne gestartet werden. Kann man machen, schadet nicht. Aber tatsächlich muss man etwas ganz Anderes tun: die Arbeitsbedingungen verbessern. Solange die Politik da nicht wirklich rangeht, weil alles immer zu teuer ist, wird sich am Lehrkräftemangel nichts Grundlegendes ändern. Die Tarifverhandlungen mit den Arbeitgebern zeigen, dass es bisher an der Bereitschaft zu wichtigen Kurskorrekturen fehlt.

News4teachers: Zu den Arbeitsbedingungen gehört auch der Arbeitsschutz – womit wir bei Corona wären.

Maike Finnern: Genau. Aber auch die Arbeitszeit.

News4teachers: Dass die Arbeitsbelastung in den pädagogischen Berufen steigt, ist sicher unbestritten. Aktuell sind aber viele Lehrkräfte und Kita-Fachkräfte besonders besorgt darüber, dass Arbeitsschutz in den Bildungseinrichtungen nicht so gewährleistet wird wie an anderen Arbeitsplätzen.

Maike Finnern: Das ist richtig.

News4teachers: Wir vernehmen unter unserer Leserschaft schon ein starkes Grummeln, was den Einsatz der GEW betrifft, der als zu schwach kritisiert wird. Viele Lehrkräfte fühlen sich offenbar von ihrer Gewerkschaft nicht tatkräftig genug unterstützt. Täuscht der Eindruck?

Maike Finnern: Die Kritik kann ich nicht nachvollziehen, weil wir in den vergangenen eineinhalb Jahren ja insbesondere immer auch Arbeits- und Gesundheitsschutz eingefordert haben. Die Mitglieder der GEW sehen das und fühlen sich gut vertreten. So haben wir etwa Gutachten zum Thema verfassen lassen, in denen deutlich geworden ist, dass dringend mehr getan muss, um den Arbeits- und Gesundheitsschutz in den Kitas und Schulen besser umzusetzen als bisher – und entsprechend gehandelt.

„Der Wechselunterricht hat die Arbeitsbelastung der Kolleg*innen über den Rand des Erträglichen hinaus getrieben“

Wenn ich mir den jüngsten Beschluss der KMK anschaue, stelle ich fest, dass es in sechs von zehn Punkten darum geht, dass der Präsenzunterricht höchste Priorität hat. Das finden wir im Prinzip richtig. Auf der anderen Seite kann man dieses Ziel aber nicht immer nur postulieren, man muss auch entsprechend handeln – und für einen guten Gesundheitsschutz aller Beschäftigten, aber auch der Kinder, Jugendlichen und deren Eltern sorgen. Das haben wir immer eingefordert und Vorschläge gemacht, wie dies umgesetzt werden kann. Aktuell muss umgehend ein Booster-Angebot für alle Kita-Fachkräfte und Lehrkräfte kommen. Nicht in allen Bundesländern ist das bisher so geregelt, dass es funktionieren wird. Es geht zudem um Arbeitsschutz durch Masken, die Einhaltung der AHA-Regeln und – endlich, endlich! – den flächendeckenden Einbau von Luftfilteranlagen.

Allerdings wissen wir aber auch – und das ist die andere Seite, dass der Wechselunterricht die Arbeitsbelastung der Kolleg*innen über den Rand des Erträglichen hinaus getrieben hat. Das darf man nicht unterschätzen. Es gab ja ständig neue Anforderungen, auf die sich die Kolleg*innen haben einstellen müssen. Insofern muss man sagen: Bis heute fehlt die bedingungslose Unterstützung der Politik, ob bei der Teststrategie, den Impfungen oder beim Schulbusverkehr, damit hier nicht mehr so viel Gedränge herrscht. Selbst um die Bereitstellung von Masken mussten wir kämpfen.

News4teachers: Hätte die GEW nicht öfter mal den Klageweg beschreiten müssen?

Maike Finnern: Wir haben den Klageweg beschritten, in Bayern.

News4teachers: Ja, einmal. Und dann ist Ihnen vom Gericht erklärt worden, dass die GEW nicht klageberechtigt ist – und Sie sind nicht weitergegangen.

Maike Finnern: Das Ergebnis war ja auch sehr eindeutig. Wir wollten den Kolleg*innen keine falschen Hoffnungen machen, sondern die Wege beschreiten, auf denen wir Verbesserungen an den Schulen und für die Kolleg*innen erreichen können.

News4teachers: In Sachen Arbeitszeit lassen Sie sich von solchen Urteilen doch auch nicht schrecken. Dann führen halt einzelne Lehrkräfte mit Unterstützung der GEW die Klagen. Das wäre hierbei ja auch möglich gewesen.

Maike Finnern: Das ist schon richtig, aber wir sollten nicht Äpfel mit Birnen vergleichen. Sie haben ja das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Distanzunterricht gelesen. Daraus ging deutlich hervor, dass die Richter alle Maßnahmen, die die Politik ergriffen hat, als von der Verfassung gedeckt sehen. Deshalb wäre es wirklich schwierig geworden. Wenn eine Gewerkschaft den Klageweg beschreitet, muss sie schon abwägen, ob es Erfolgsaussichten gibt – oder nicht. Das haben wir gemeinsam mit unseren Juristen gemacht. Das Ergebnis kann man falsch finden. Niemand hat jedoch etwas davon, wenn wir Prozesse führen, bei denen von vorneherein sicher ist, dass dieser Weg nicht funktioniert. Ein Satz zum Streikrecht für Beamtinnen und Beamte: Diesen Weg haben wir beschritten, weil aufgrund der bisherigen Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR) einiges dafürspricht, dass dieser der GEW in der Sache Recht geben wird.

News4teachers: Haben Sie sich als größte Lehrergewerkschaft eingebunden gefühlt in die Entscheidungen, die auf politischer Ebene getroffen worden sind?

Maike Finnern: Ich kann das größtenteils nur aus nordrhein-westfälischer Sicht beurteilen, weil ich ja erst seit Juni Vorsitzende bin. Auf Bundesebene hat es in der Zeit zu wenige Gespräche gegeben. Das ist, finde ich, nicht ausreichend. Ich erwarte von der KMK, aber auch von der neuen Bundesregierung schon, dass wir besser beteiligt werden, dass es ein strukturiertes Verfahren gibt, um uns und unsere Expertise regelmäßig einzubeziehen. Da hängt jetzt sehr viel davon ab wie zum Beispiel das angekündigte Format des Bildungsgipfels ausgestaltet wird. Ob das eine einmalige Veranstaltung bleibt oder wir regelmäßig in diesem Format arbeiten.

„Der Expertise der Lehrer*innen hat die Politik aber häufig nicht vertraut“

Die Schulen vor Ort und die GEW als Vertretung der Lehrkräfte haben eine ganze Menge praktischer Ideen, wie man der Pandemie konkret erfolgreich begegnen kann. Wenn es zum Beispiel um besonders förderbedürftige Schüler*innen  geht, schreiben mir Lehrkräfte: Sie wissen, welche Kinder das in ihrer Klasse sind. Man hätte dann im Wechselunterricht bevorzugt diese Schüler*innen in die Präsenz nehmen können, um die Lücken nicht zu groß werden zu lassen. Der Expertise der Lehrer*innen hat die Politik aber häufig nicht vertraut.

News4teachers: Wie war das in Nordrhein-Westfalen?

Maike Finnern: In NRW gab es zwar Treffen mit Eltern- und Schüler*innen-Vertretungen und uns sowie den anderen Lehrkräfteverbänden. Viel passiert ist da aber nicht. Gemeinsam haben wir immer wieder eine bessere Beteiligung beim Ausgestalten der Maßnahmen gefordert – die es aber zu wenig gab. Wir haben über unsere internationalen Kontakte beim International Summit on the Teaching Profession gehört, dass sich etwa die schwedische Bildungsministerin regelmäßig alle sechs Wochen mit den Kollegen*innen der Bildungsgewerkschaften getroffen hat und sich von ihnen beraten ließ, was man machen könnte und wie die Perspektive der Lehrkräfte aussieht. Davon sind wir in Deutschland weit entfernt.

News4teachers: Welche Lehren ziehen Sie aus dem bisherigen Verlauf der Pandemie für die Bildung? Was muss besser laufen? Vielleicht auch vor dem Hintergrund, dass die Pandemie auch mit der vierten Welle wohl nicht erledigt sein wird.

Maike Finnern: Man muss an mehreren Stellen ansetzen. Klar ist, dass es beim Thema Chancengleichheit im Bildungswesen besonderen Handlungsbedarf gibt. Das, was uns Studien auf internationaler und nationaler Ebene immer wieder ins Stammbuch schreiben, ist ja jetzt für alle sichtbar geworden. Da muss man ansetzen: in der neuen Koalition im Bund, aber auch in den Ländern. Andererseits braucht es eine institutionelle und strukturiertere Zusammenarbeit aller, die an Schule beteiligt sind: Gewerkschaften, Eltern und Schüler*innen. Zudem ist es wichtig, daran zu arbeiten, einen gesellschaftlichen Konsens zu erreichen über Fragen wie: Was soll Bildung leisten? Wie soll Bildung in Deutschland aussehen? Wir müssen die Schulen und das Schulsystem aus dem Wahlturnus der Politik herausbekommen. Es kann nicht sein, dass alle vier, fünf Jahre eine neue Landesregierung kommt, alles umschmeißt und die Kollegien nie dazu kommen, Projekte mal in Ruhe umzusetzen. Das sorgt für total viel Frust.

Deswegen müssen wir eine größere gesellschaftliche Verständigung hinbekommen. Was für eine Bildung wollen wir in Deutschland? Auch díe Bedeutung der Arbeitsbedingungen ist in der Krise nochmal sehr deutlich geworden. Das hat auch mit dem Fachkräftemangel zu tun, den die Politik wirklich dringend angehen muss, indem sie die richtigen Anreize schafft. Die Lehrkräfte haben in Deutschland eine enorm hohe Unterrichtsverpflichtung. Wenn man will, dass die Menschen, die in Schulen arbeiten, ihre pädagogischen Fähigkeiten auch anwenden können, muss man ihnen die Zeit dafür geben. Zeit für die Beratung der Kinder. Zeit für die Unterrichtsvorbereitung. Zeit für außerunterrichtliche Angebote. Das alles funktioniert nicht, wenn man allein 28 Stunden in der Woche unterrichten muss und 30 Kinder in der Klasse hat.

News4teachers: Brauchen wir dafür auch eine neue Struktur des Lehrerberufs? Seien wir mal ehrlich. Mehr Lehrkräfte gibt der Arbeitsmarkt überhaupt nicht her. Zu sagen: „Wir stellen mehr ein“, reicht ja nicht.

„Digitalisierung ist kein Allheilmittel. Sie entbindet nicht von persönlichen Kontakten und analogem Lernen“

Maike Finnern: Nein, das reicht tatsächlich nicht. Es soll mehr multiprofessionelle Teams an Schulen geben, aber auch zusätzliche Verwaltungskräfte für Verwaltungsaufgaben und IT-Experten für die digitale Infrastruktur. Zudem braucht es mehr Programme, um Quer- und Seiteneinsteiger zu gewinnen und diese nachzuqualifizieren. Allerdings bedeutet das auch, dass die Zusammenarbeit in den multiprofessionellen Teams möglich gemacht werden muss. Je mehr Professionen an den Schulen arbeiten, was ich richtig finde, desto mehr Aufwand fällt für die Koordinierung der Arbeit an. Die Richtung muss sein: mehr Zeit. Alle Menschen, die in Schulen arbeiten, brauchen Zeit, um ihre Aufgaben gut zu gestalten.

News4teachers: Inwieweit kann die Digitalisierung dabei helfen?

Maike Finnern: Sie kann sicherlich helfen, aber sie darf auch nicht überschätzt werden. Digitalisierung ist kein Allheilmittel. Sie entbindet nicht von persönlichen Kontakten, sie entbindet auch nicht von analogem Lernen – im Gegenteil. Denn Lernen läuft ja sowieso immer analog – der Kopf lernt, nicht der Computer. Wir brauchen gute pädagogische Konzepte, um die digitalen Möglichkeiten für den Unterricht zu nutzen. Es gilt das Primat der Pädagogik: Nur darum kann es gehen. Gerade bei der Digitalisierung müssen wir darauf aufpassen, dass wir die Chancengleichheit ernst nehmen. Wir müssen Teilhabe ermöglichen und Ausgrenzung verhindern. Die Gefahr ist groß, dass dieses Leitziel aus den Augen verloren wird.

News4teachers: Was erwarten Sie von der neuen Bundesregierung?

Maike Finnern: Mehr Zusammenarbeit mit den Ländern. Das ist einer der Knackpunkte. Wird es gelingen, ein Kooperationsgebot umzusetzen? Vielleicht sogar eine Grundgesetzänderung herbeizuführen, die das Kooperationsverbot in der Bildung endlich komplett kippt? Zudem müssen bundesweite Standards eingeführt werden: für eine hohe Qualität im Ganztag und in der Kita, aber auch bei der Digitalisierung. Auch hier ist entscheidend, inwieweit die Bundesländer bereit sind mitzugehen. Der Koalitionsvertrag sagt zwar pauschal: Wir wollen für Bildung mehr Geld ausgeben. Allerdings gibt es dabei einen Finanzierungsvorbehalt, es ist nicht klar, wo die zusätzlichen Mittel herkommen sollen. Das ist eine Leerstelle.

News4teachers: Gibt Deutschland zu wenig für Bildung aus?

Maike Finnern: Ja, keine Frage. Studien wie der Bericht „Bildung auf einen Blick“ der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bestätigt Jahr für Jahr, dass Deutschland im internationalen Vergleich im Verhältnis zu seinem Bruttoinlandsprodukt viel zu wenig Geld in die Bildung investiert.  News4teachers-Herausgeber Andrej Priboschek führte das Interview.

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46 KOMMENTARE

  1. Was die GEW jedes mal nicht begreifen will ist, dass es absolut keinen Sinn macht zusammen mit Verdi zu verhandeln. Es muss Schluss sein damit, dass Lehrergehälter (oder eben die Entwicklung dieser) von Diskussionen zu Arbeitsvorgängen, welche Legrer überhaupt nicht betreffen, abhängen oder das Leheer mit Pfleger in einen Topf geworfen werden. Ja, Lehrer sind ÖD. Trotzdem muss man sich nicht Verdi unterwerfen sondern sollte mal als ersten Schritt anfangen, sich als pädagogische Gewerkschaft aus dem Dinosaurier Verdi zu lösen.

    Und dieses palavern über Wertschätzung: Von Wertschätzung kann ich meine Miete nicht zahlen. Ich will das im Portmonai sehen, nicht irgendwelche kruden Deals zu Klassengrößen, an die such eh kaum ein kommunaler Arbeitgeber halten kann.

    Der jetzige Abschluss ist lächerlich. Mehr muss man dazu nicht sagen. Und da braucht sich eine GEW auch nicht wundern, wenn Mitglieder austreten.

    • Immerhin können Sie sich als Gymnasiallehrer über gerechten und angemessenen Lohn im höheren Beamtendienst (A13 bis A16) freuen. In der Grundschule gilt in NRW trotz identischer Ausbildung und gebrochenem Beamtenrecht weiterhin A12. Ein quasi illegaler Zustand, forciert vom Dienstherren. Und wie im Artikel bereits steht werden Masterabsolventen im Primarbereich mit Staatsexamen sogar ohne Verbeamtung in E11 eingestellt. Eine Sauerei sondergleichen um es nett zu formulieren.
      Der Tarifabschluss ist ärgerlich. Keine Frage. Während Sie sich aber über ein paar Prozentpunkte ärgern, geht es bei vielen Kollegen um mehrere Hunderte Euro im Monat!

      Und wo sie Miete ansprechen… fehlt mir bei einem Gymnasiallehrer schon die Empathie. Zahlen Sie die Miete in München mal mit A12, oder E11….
      In 2021 gehört man mit A12 schon lange nicht mehr zu den Gutverdienern. Und das trotz 7 Jahre Ausbildung….

      • Immer die gleiche Leier. Sie haben nur eins im Sinn: mehr Geld.

        Den meisten Lehrern geht es aber um etwas ganz anderes. Die sind mit ihren Gehältern zufrieden und schauen nicht nur danach, wer mehr verdient. Die wollen aber bessere Arbeitsbedingungen. DAS höre ich im Kollegenkreis GANZ OFT !!!

    • Ich bin schon vor Jahren aus der GEW ausgetreten. Weniger aus Gründen des Gehalts, sondern weil die GEW gern auf jede bildungs-ideologische Sau aufspringt, die durchs Dorf getrieben wird. Statt vor geplanten Reformen die Meinung ihrer Mitglieder einzuholen und ernst zu nehmen, pfeift sie meist auf deren realitätsbewusste und praxiserfahrene Beurteilungen und gibt sich lieber progressiv. Hauptsache, sie gilt als „modern“ und „fortschrittlich“, egal, welchen Unsinn sie dabei unterstützt.
      Nicht zuletzt auch der GEW haben wir seit Jahrzehnten einen überschießenden Reformeifer zu verdanken, der mehr Schlechtes als Rechtes auf den Weg gebracht hat.

      Wie sahen die Versprechungen der GEW aus und was waren hinterher die Tatsachen?, war die entscheidende Frage für meinen Austritt aus dieser „Gewerkschaft“.
      Beteiligt sie sich lieber am Ausbau bildungspolitischer Wolkenkuckucksheime oder an der Gestaltung real existierender Bildungsstätten, die den Lehren- und Lernenden mehr bringen als schöne, aber irrationale Versprechungen.

    • Was Sie nicht begreifen (vermutlich als Beamter), dass ohne das gemeinsame Streiken mit den verdi-Gewerkschaftlern die GEW meist ziemlich alt aussähe und nur ein kleines klägliches Lehrerhäufchen (zöge man noch die Erzieher ab) an einem Streik teilnähme. DAS ist doch die Wahrheit. In Berlin nahmen von rund 20.000 angestellten Lehrern zuletzt rund 3.000 an den Streiks teil.

      Wie wollen Sie aber etwas erreichen und Druck machen, wenn kaum jemand ihre Aktionen unterstützt? Sagen Sie uns das doch mal als mit Sicherheit verbeamteter Lehrer, der dann während der Streiks weiter arbeiten geht?

      • 3000 von 20000 sind kaum mehr als 10%.

        Und dann wundert man sich, dass nicht mehr erreicht wurde? Ich nicht! Aber bald dürfen ja Berliner Lehrer gar nicht mehr streiken. Wahrscheinlich deshalb tritt gerade auch die Berliner Schulleitervereinigung für die Verbeamtung ein?!

    • Als Beamten-Lehrer sind Sie gegenüber den Angestellten vielfach privilegiert und jammern auf hohem Niveau, Herr Gümnasiallehrer a.D. So ist es auch bei Ihrer Pension (71% vom letzten Gehalt statt 48% [Zahlen inetwa]). Sie jammern mal wieder auf hohem Niveau.

      Viele Lehrer und Lehrerinnen wünschen sich aber genau das, kleinere Klassen, ein geringeres Stundensoll usw. Sie sprechen vielleicht für einige, aber nicht für andere, doch in der GEW ist es vielleicht die Mehrheit, die nicht nur aufs Portmonee schaut.

      Warum sollen eigentlich die GEW-Mitglieder für etwas einstehen, was Sie wollen und nicht, was die GEW-Mehrheit will?

      Was tun Sie eigentlich selbst und in welcher Organisation? Ist es der Beamtenbund? Da können sich ja dann Ihresgleichen anschließen.

  2. Ich hätte mir ein solches Gespräch auch mit dem PhV-BW Herrn Ralf Scholl gewünscht der in der Pandemie unermüdlichen Einsatz geleistet hat und trotz Frust noch seinem Anliegen treu bleibt. Herr Scholl vom PhV-BW hat sich für eine faire Aufarbeitung für G8 schulen nach einem G7 Schuljahr eingesetzt und Frau Schopper hat keine Zusammenarbeit angestrebt. Das Rückenwindprogramm ist als Mogelpackung an die Schulen verteilt worden ohne jeglichen Inhalt. Diese Mogelpackung ist ein herber Schlag für die Schulen und für eine Schülergeneration die unverschuldet in einen Bildungsnotstand geraten sind. Ein Märchen haben die KM den Schulen aufgebunden mit dem Rückenwindprogramm und die Lernrückstände der Schüler nicht anerkannt. Warum verteilt man in einem Ausnahmezustand Mogelpackungen und macht Leuten eine lange Nase mit dem Rückenwindrogramm. Man hat Schulen, Schulleitungen, Lehrern, Schülern etwas zugesagt und in Aussicht gestellt was nicht eingetroffen ist und schwerwiegend nicht eingehalten worden ist. Zusagen und Worte haben an Bedeutung verloren und Ehrlichkeit den Schulen gegenüber hat nicht statt gefunden. Außer wir ermöglichen Bildung um jeden Preis und halten die Schulen auf. Die Gesundheit und ein Menschenleben spielt keine Rolle und welche Konsequenzen dies für Schüler haben kann, wird von den KM und Politik ausgeblendet. Der Wechselunterricht zieht man immer noch nicht Erwägung und man zieht weiterhin eine Durchseuchung vor Gesundheit. Keiner in der Schule fühlt sich in seiner Rolle als Schulleitung, Lehrer, Schüler nicht mehr Wohl und schon gar nicht geschützt vor einer Erkrankung. Das Schulen auf bleiben sollen, wird von vielen Seiten angesprochen und den adequaten Schutz haben alle an der Schule nicht. Die Klassenzimmer sind gefüllt in voller Klassenstärke, keine Luftfiltergräte, Kein Abstand. Den Rest in der Reihe behandelt weiterhin wie der letzte Rest und hat jegliche Befehle der KM zu befolgen. Als Schulleitung hat man nur auszuführen und ein Mitspracherecht auf Augenhöhe strebt unsere KM Frau Schopper nicht an. Auch mit Herrn Scholl vom PhV-BW konnte keine tragende zusammenarbeit wachsen und wurde von unserer KM nicht angestrebt. Gehör hat es leider nicht gegeben und auch nicht in einer Notsituation. An den Schulen herscht schon lange Notsituation und dies wurde auch in der vierten oder fünften Welle nicht anerkannt. Man hat anderen Menschen in Ihrer beruflichen Position gar keine Chance gegeben etwas beizutragen oder einen respektvolle Zusamenarbeit angestrebt.Die Macht regiert und ein Miteinander glückt weiterhin nicht. GEW und PHV haben viel zu einer Verbesserungen betragen wollen und leider wurde es im Keim erstickt.

  3. Und, was macht es denn für einen Sinn, wenn die GEW das einsieht? Entscheidend ist doch, dass der Gesetzgeber beschlossen hat, dass innerhalb einer Branche die Arbeitnehmerseite durch die Gewerkschaft vertreten wird, die die meisten Mitglieder hat (Tarifeinheitsgesetz). Das ist die gesetzliche Grundlage für die Tarifunion.

    „Tarifeinheit heißt, dass in einem Betrieb immer nur der Tarifvertrag einer einzigen Gewerkschaft gilt. Ein Tarifvertrag ist ein Vertrag zwischen einer Gewerkschaft – einer Arbeitnehmervereinigung – und einem einzelnen Arbeitgeber oder einem Arbeitgeberverband.“

    War doch in jedermanns Interesse als es darum ging Cockpit und die GdL in die Knie zu zwingen.

    Das Gesetz ist halt ein Unding, liegt aber nicht im Verantwortungsbereich der Gewerkschaft. Das ist so, als ob lediglich der Mieter der größten Wohnung innerhalb eines Mietobjektes mit dem Vermieter verhandeln darf. Blöd wenn der Mieter der größten Wohnung dann auch noch mit dem Vermieter verwandt ist und die Wohnung lediglich erhalten hat, weil dem Vormieter wegen Eigenbedarfs gekündigt worden war.

  4. Ihr Lehrerdasein muss wahrlich schon eine Weile her sein!
    Meine ehemaligen Gümnasiallehrer hätten sich geschämt, zumindest, solange sie noch i.D. waren, einen Text mit derart vielen Fehlern öffentlich zu posten!

  5. Danke für das Interview, viele wichtige Punkte sind angesprochen und es wird deutlich, dass Frau Finnern durchaus um die Probleme in den Schulen weiß.

    Was ich nicht verstehe: Wenn man nicht streiken darf und mit Demos nicht weiterkommt, warum bestreitet man dann keine anderen Wege?
    Offenbar braucht es andere Mittel, um der Gesellschaft und der Politik die Verhältnisse an den Schulen transparent zu machen und deutlich zu sagen, dass es so nicht geht und nicht weitergehen darf.

    • Welche anderen Wege, Palim? Auch wenn man für bestimmte Dinge nicht streiken darf, könnte man dafür demonstrieren gehen – nach der Arbeit natürlich. Aber wer macht denn dabei mit? In Berlin gab es Demos für bessere Arbeitsbedingungen an den Schulen, an einem Samstag z.B. Fragen Sie mal oder googeln Sie mal, wie viele Lehrer daran teilnahmen!?! Da sah es sehr mau aus.

      Und dann schreiben Leute dieser Art hier, die GEW tue nichts für sie.

  6. Da wird also von mangelnder Wertschätzung geredet, und dann sagt die GEW-Vorsitzende wörtlich:“Klar ist, dass es beim Thema Chancengleichheit im Bildungswesen besonderen Handlungsbedarf gibt.“ Was hat eigentlich das eine mit dem anderen zu tun? Könnte es sein, dass die — inzwischen schon fast krampfhaft verfolgte — Chancengleichheit letztlich auf dem Rücken der Lehrer ausgetragen wird, wenn die jeden individuell beschulen sollen, ohne dass das bisher die Chancen nennenswert gesteigert hat? Die GEW postuliert damit etwas, das zu Lasten der Lehrer geht, für eine Gewerkschaft recht seltsam. Richtiger wäre vielleicht der Slogan: Keine individuelle Beschulung bei Klassengrößen über 15 oder so. Heißt es nicht immer, in Finnland gibt es bei Klassengrößen über 15 dann zwei Lehrkräfte, oder die Klasse wird geteilt?

    • Und Kinder mit besonderem Bedarf werden in Finnland, seit dem Niedergang bei PISA, wieder in speziellen Lerngruppen an den allg. Schulen unterrichtet.

      • Richtig so! Kinder brauchen keinen Einheitsbrei auf Grund falscher Vorstellungen von Gerechtigkeit oder Chancengleichheit. Jeder braucht eine ihm angemessene (spezielle) Lerngruppe.
        Für die GEW ist wieder mal typisch, dass sie seit Jahrzehnten dem inzwischen höchst altmodischen Traum von Bildungssozialismus nachhängt und noch immer wiederholt, es werde nicht genug dafür getan. Nach so langer Zeit der Misserfolge könnte sie ja auch mal einsehen, dass die Menschen, also auch die Kinder, zwar derselben Spezies angehören, dennoch aber sehr unterschiedliche Individuen sind, die am besten gedeihen, wenn man sie nicht über einen Kamm wie die Regel- oder Gemeinschaftsschule schert.
        Die GEW fischt in uralten, trüben Gewässern von „Gleichheit“ und „Gerechtigkeit“. Wenn sie ihre reaktionäre Ideologie nicht endlich mal wirklich ändert und modernisiert, wird sie noch in hundert Jahren behaupten können: “Klar ist, dass es beim Thema Chancengleichheit im Bildungswesen besonderen Handlungsbedarf gibt.“
        Besonderer Handlungsbedarf scheint immer „modern“ und hört nie auf, wenn man einer fixen Idee nachjagd.

    • Gerade in Finnland ist die genannte „Wertschätzung“ ja wohl höher als bei uns, denn so viele Leute wollen dort Lehrer werden und sind zufrieden, obwohl die Gehälter wesentlich niedriger sind. Aber alle Finnland-Fans sollten mal lesen, was hier
      https://www.swr.de/swr2/wissen/swr2-manuskript-aula-finnland-2019-12-08-100.pdf
      auf Seite 4 unten steht:
      „In jedem Fall haben Aspekte wie Selbstdisziplin (!) und gegenseitige Rücksichtnahme einen hohen Wert. Natürlich wirken sich diese Werte auch auf die Lernkultur, aber auch das individuelle Verhalten … aus.“
      Was kurz darunter steht, interpretiere ich so: Das Bildungssystem ist nicht eine URSACHE für diese Werte, sondern eine FOLGE davon.
      M.a.W.: bei mangelnder Selbstdisziplin von SuS kann auch das finnische Schulsystem nicht weiterhelfen. Es sind nationale Eigenheiten, die hier eine wichtige Rolle spielen. Jede Gesellschaft ist anders als die anderen. Sowas ist mit PISA-Punkten ausgesprochen schlecht darzustellen. Ob aber die GEW das auch so sieht?

    • @Carsten60, Klassenteiler 15 wäre mal ein GEW-Ziel. Da stünde ich voll dahinter.

      In Berlin gab es mal vor 5,6,7… Jahren eine Volksinitiative o.dgl., die maximal 14 Kinder in einer Klasse forderte. Allerdings regierte damals die Linke mit der SPD und die unterstützten das nicht, brachten es also quasi zu Fall. Sie hätten sich ja um eine Finanzierung dessen kümmern müssen.

  7. Fehlende Wertschätzung sind wir als Lehrer glaube ich gewöhnt.

    – Hohe Politiker bezeichneten die Lehrer schon vor 20 Jahren als faule Sesselfurzer.
    – Die Gesellschaft quillt über vor Neid und Missgunst. Da hat kaum jemand Interesse an den wahren Arbeitsbedingungen der Lehrer. Ist viel angenehmer seine Vorurteile zu kultivieren.
    – Unsere direkten Dienstherren von der KMK betrachten uns eh als störenden Faktor.
    Lehrer wollen sinnvolle Reformen. verlangen utopische Dinge wie nutzbare Toiletten, fließendes Wasser (nicht nur an den Wänden herunter) und technische Ausstattung obwohl der OHP erst 30 Jahre alt ist. Zusätzlich wollen die Deppen auch noch jeden Monat Lohn.

    Was echt übel ist, ist die Tatsache, dass in der Pandemie dreist Lügen über sichere Schulen und eine ausgeprägte Gutsherrenart von Seiten der KMK hinzugekommen sind. Gefahr für die Gesundheit? Uns egal. Wir ordnen eben Präsenzunterricht ohne wirksame Schutzmaßnahmen an. Was wollt ihr als Beamte denn dagegen tun?

    Eine weitere verstörende Tatsache ist, dass weite Teile der Bevölkerung die Erziehung und Bildung so total auf die Schulen abgewälzt haben, dass es für sie auch in einer lebensbedrohlichen Notlage undenkbar erscheint, an der Erziehung der eigenen Kinder mit zu wirken. Sie haben Rechte. Diese Rechte stehen über allem, auch über dem Recht auf körperliche Unversehrtheit ihrer Kinder oder der LuL.

    Zusätzlich zeigt sich, dass die Presse im Punkto LuL ebenfalls extrem voreingenommen ist. Die Märchen von den sicheren Schulen, die „Expertisen“ der Kinderärzte usw. tauchen sofort auf jeder Titelseite auf. Die Warnungen der KMK zu den Gefahren durch offene Schulen tauchen mit viel Glück auf Seite 7 unten links auf.
    Die Presse bedient eben die öffentliche Meinung weiter Teile der Bevölkerung. Immer auf die faulen und dummen Lehrer drauf. Die haben es verdient. Außerdem lebt sie von Werbeanzeigen der Industrie. Die hat eine klare Meinung. Schulen auf damit Eltern arbeiten können.

    Letztlich lässt es mich mit Erstaunen zurück, dass es juristisch möglich ist jeglichen Arbeitsschutz an Schulen einfach mal weg zu lassen. Hygienepläne die das Papier nicht wert sind reichen völlig aus.
    Enge Räume, mit 10°C über 8 Stunden mit 30 Personen gefüllt. Masken die man nur eine Stunde am Stück tragen sollte über den ganzen Tag. Alles kein Problem.

    Ok andere Berufe tragen auch Risiken in der Pandemie.
    – Pflegepersonal und Ärzte. Wer sich für Medizin und Pflege als Beruf entscheidet, sollte vorher damit gerechnet haben, dass er beruflich mit Infektionsgefahr zu tun haben wird. Bei Lehrern ist das anders.
    – Busfahrer. Denen geht es ähnlich wie den LuL. Die werden verheizt.
    – Kassenpersonal in den Supermärkten. Die haben riesige, hohe Räume, einzelne Kunden, Masken und Plexiglasscheiben.
    – Polizei und Feuerwehr. Meisthsaben die nur im Freien Kontakt zu kleinen Personengruppen.

    Ich befürchte langfristig wird der Schuss nach hinten los gehen.
    Der Arbeitsmarkt wird enger.

    Das jetzt schon fehlende Pflegepersonal wandert zu Massen ab. Ich kann mir nicht vorstellen dass momentan der Nachwuchs strömt.
    Bei Polizei, Feuerwehr und Lehrern wird, dank der Verbeamtung ein Großteil der Mitarbeiter bleiben. Für die Zukunft erscheinen diese Berufe aber auch nicht sehr attraktiv.
    Wer hat schon Lust sich gehaltsmäßig durchreichen zu lassen, wenig Aussichten auf Beförderung zu haben, in der Bevölkerung angefeindet zu werden und vom Dienstherren ohne Anerkennung, autoritär und unerträglich arrogant behandelt zu werden.

    Der Staat hat diese Situation in den letzten Jahren hin genommen und maßgeblich dazu beigetragen den beruf des LUL oder bei der Polizei möglichst unattraktiv zu machen.
    Man spart an Polizei und Lehrern. Man braucht Sündenböcke. Bitte haut auf die Polizei oder die LuL. Es fehlt jegliche Unterstützung bei Problemen. Nur an Dienstanweisungen mangelt es nicht.

    All das wurde lediglich durch die Verbeamtung ausgeglichen.

    Die Entscheidungsträger sind noch immer außer Stande sich auch nur vorstellen zu können, dass ihr Handel zukünftige Lehrer oder andere Staatsbediensteter so sehr abschrecken könnte, dass sie sich ihre Verbeamtung dann in die Haare schmieren können.

    Irgendwann ist es so weit, das man sich das alles auch für eine etwaige Verbeamtung nicht mehr antun will.

    • @Schattenläufer

      Ich teile Ihre Sicht.
      Zu Polizei und LuL haben Sie alles Wesentliche gesagt.

      Und die – gerade in diesen Tagen angesichts Omikron – wieder entdeckte „kritische Infrastruktur“ wird spätestens im Frühjahr kein Thema mehr sein, egal wie sich die Dinge bis dahin entwickelt haben werden.
      Es wird weiter gespart.
      Es wurde schon seit Jahrzehnten eben diese „kritische Infrastruktur“ kaputtgespart.

      Am ehesten auffallen wird es in der Pflege – aber wie lange Oma und Opa dann noch leben werden und unter welchen Bedingungen … wird genau so sehr interessieren wie es jetzt bei Schulen und Kitas und dem (eventuell eigenen) Nachwuchs der Fall ist.
      Vielleicht ein wenig interessanter wird es für all jene, die im Krankenhaus landen und frühzeitig wieder vor die Tür gesetzt werden, um – noch lange nicht fit für den Alltag – Zuhause irgendwie klarzukommen – denn ein anderer Patient wird das Bett nötiger brauchen.

      „Nicht genügend Pflegekräfte
      Zugespitzt hat sich der Umfrage zufolge auch die Personalsituation in der Pflege. Vier von fünf Krankenhäusern haben demnach Probleme, offene Pflegestellen auf ihren Allgemein- und Intensivstationen zu besetzen. Bundesweit sind rund 22.300 Pflegestellen vakant. Seit 2016 entspricht dies laut DKG einer Verdreifachung der offenen Stellen.
      Jedes zweite Krankenhaus erwartet laut der Umfrage für die kommenden drei Jahre eine Verschlechterung der Personallage in der Pflege. Pflegepersonalmangel sei „das drängendste Problem der Gesundheitspolitik“, sagte Gaß. Es müsse nach ganz oben auf die politische Tagesordnung.“
      https://www.tagesschau.de/inland/gesellschaft/corona-krankenhaus-barometer-101.html

      EINE VERDREIFACHUNG DER OFFENEN STELLEN !!!

      Wenn es bei der Bildung (haha, sorry) … *japs* bei der Aufbewahrung unserer Hoffnungsträger-Generation ebenso fantastisch weiterläuft …
      Dann kriegen wir eben noch mehr YouTuber und Influencer – soll dann wohl so sein und wird die Gesellschaft und das Land ganz weit nach vorne bringen!
      Deutschland braucht mehr Make-up- und Aufräum-Videos!
      (Ironie)

      Naja, es ist offensichtlich in der breiten Masse der Bevölkerung so akzeptiert, dass die Kerze von 2 Seiten brennt – dann aber nicht meckern, wenn es in der Mitte auch „tüchtig warm“ wird.

    • Schattenläufer- ich bin da vollkommen Ihrer Meinung. Sie haben Alles auf den Punkt gebracht- für mich persönlich ist durch die Pandemie noch mal deutlich geworden, wie wenig wir unseren Dienstherr*innen in jeglicher Sicht wert sind. Vor 20 Jahren den Beamtenstatus noch noch gern genommen- aus heutiger Sicht- nicht nur pandemiebedingt- nicht noch mal!

  8. Hat die Dame wirklich 3 „n“ in ihrem Nachnamen (siehe Überschrift) oder ist das ein Gendern-Ansatz? 🙂

    Finninninninerinnninnennern…..oder so…..

  9. Dass die GEW die Kritik der Lehrer*innen nicht nachvollziehen kann, kann ich nicht nachvollziehen. Ich bin aus diesem Grund auch aus der GEW ausgetreten. Was nützt mir, uns eine Gewerkschaft, der die Mittel zur Durchsetzung der Interessen fehlen.
    Ich möchte damit jemanden angreifen oder provozieren; ich selbst habe jedenfalls keinen Sinn mehr in meiner Mitgliedschaft gesehen.
    Mir als angestelltem Gymnasiallehrer hat ein Vertreter der GEW geantwortet, ich hätte ja im Gegensatz zu GS-LuL keinen Grund zur Klage. Ich fand diese Form der Unterstellung der Entsolidarisierung im Nachhinein empörend. Ich habe keinerlei Vorbehalte gegenüber der Gleichstellung aller Lehrerinnen und Lehrer.

    • Man liest hier ständig, dass „die GEW“ dies oder das machen soll bzw. dies oder das nicht getan hat. Entschuldigen Sie alle, Sie sind doch wahrscheinlich Akademiker, also bildungsnahe Menschen. Wie soll denn eine Organisation etwas bewirken, wenn sie keinen (oder zu wenige) hat, die das dann MACHEN? Nämlich demonstrieren, um mal das öffentlichkeitswirksamste Mittel zu nennen? Haben Sie dabei mitgemacht, Maurice, oder sollen das wir für Sie tun? Sind Sie also ausgetreten, weil keiner (oder zu wenige) Lust haben, für Ihre/ihre Interessen einzustehen???

      Und wenn die GEW klagen soll, damit Sie nichts weiter tun müssen, als zuhause im Fernsehsessel bequem auf ein Gerichtsurteil zu warten, mit welchen Geldern soll die GEW das bezahlen? Mit UNSEREN Mitgliedsbeiträgen? Da Sie ja nicht mehr dazu beitragen?

    • @Maurice, es stimmt, die GEW vertritt teilweise Ziele, die ich auch nicht unterstützen mag. Siehe auch, was Carsten60 schrieb. Allerdings ist auch die GEW nach dem Mehrheitsprinzip „aufgebaut“. Wenn die „Andersdenkenden“ rausgehen, dann haben es die Verbliebenen einfacher und machen ihre Meinung eben zur Mehrheitsmeinung. Ist sie ja dann defacto auch.

      Dann soll man sich woanders engagieren. Das wäre das Minimum als einfach nur nichts zu tun.

  10. Naja E13 ist schonmal besser als E11. Aber tatsächlich haben auch sie Grund zur Klage. E13 ist eine deutliche Einbuße gegenüber A13. Auch hierfür setzt sich die GEW eigentlich ein. Verstehe nicht wieso man Ihnen so eine Antwort zukommen lässt.

    • Ach, wieder der Marc, der sich an Zahlen hochzieht … Die Lehrer in MV haben jetzt A13 und verdienen damit etwa so viel wie die Lehrer in BaWü mit A 12.

      Findet Marc das nicht ungerecht? Oder geht es ihm nur um sich selbst?

      • A 13 in Mecklenburg-Vorpommern (rund 3900,-) ist etwa so hoch wie A 12 in Baden-Württemberg (rund 3900,-), aber noch niedriger als A 12 in Bayern (fast 4000,-).

        Marc, streiten Sie um die Begrifflichkeiten?

      • Ein Strohmannargument. Die Bezahlung ist nunmal Ländersache. Innerhalb eines Landes, an einer Schule, sind solche Unterschiede eben eine große Sauerei. In MVP verdienen alle Lehrer jetzt gleich mit gleicher Wertschätzung. Das ist eine gute Sache. Natürlich versuchen Sie das jetzt mit einem Scheinargument abzuwertne. Die Unterschiede von Land zu Land sind natürlich nicht gut , aber eben schwer zu ändern. Sollten alle Länder erstmal A13 umsetzen, wäre eine landesweite Anpassung danach ein gutes Ziel.
        In der Regel sollte man aber erstmal innerhalb des Bundeslandes für klare Verhältnisse sorgen, bevor man von MVP nach Baden-Württemberg schielt.

        Aber was rede ich…. vermutlich sind Sie eine typische A13 Kollegin, die den Missmut mal wieder nicht nachvollziehen kann und rumstänkert

        • Ich finde eher, dass Ihre Aussagen, Marc, Stohmann- oder Scheinargumente sind (gibt es das Wort Stohmannargument überhaupt). Nämlich weil es Ihnen egal ist, dass Lehrer in unterschiedlichen Bundesländern zum Teil erheblich unterschiedlich verdienen. Ist die Arbeit denn nicht die gleiche und die Ausbildung? Das ist doch immer das Hauptargument! Das ist Ihnen aber egal, weil es Ihnen nur um sich selbst geht. Hauptsache, Sie verdienen mehr, nur wahrscheinlich trotz allem nie genug, oder?

          Ich wundere mich nur, dass nicht das Argument mit den unterschiedlichen Lebensverhältnissen (und Kosten?) kommt. Aber Sie tun Recht damit, es nicht vorzubringen, denn wenn es ein Argument sein soll, dann müssten ja auch Lehrer innerhalb eines Bundeslandes unterschiedlich verdienen, weil es auch ein Unterschied ist, ob man in München oder im Bayrischen Bald oder in Oberfranken lebt und arbeitet – aber das findet (richtigerweise) keine Berücksichtigung bei der Besoldung.

          • Meine Argumente liegen klar im Beamtenrecht begründet.
            Ich habe gesagt, dass es nicht egal ist, dass in Bundesländern unterschiedlich besoldet wird. Mir das zu unterstellen ist eine glatte Lüge. Das Argument ist sowieo lächerlich, da versucht wird das Thema abzulenken auf eine bundesweite Besoldung und so von dem Kernproblem abzulenken.

            Bildung ist Ländersache. So lange das so ist, ist eine Diskussion um bildungsweite einheitliche Besoldung hinfällig. Ziel ist es, dass Lehrer innerhlab des Bundeslandes dann fair bezhalt werden. Besonders wo alle gleich ausgebildet werden ist ungleiche Bezahlung verfassungswidrig und beamtenrechtlich illegal.

            Und dann daraus zu unterstellen ich wüede den Hals nicht voll bekommen ist einfach eine riesengroße Frechheit. Es geht hier schlicht um gleichen Lohn für gleiche Arbeit und gleichd Ausbildung und keinen Bonus. Gleiche Bezahlung als Raffgier hinzustellen ist schon eine besondere Frechheit.
            Wo liegt ihr Problem? Sollen die Sek1 und Gs Lehrer bitte weiter unter ihnen stehen? Fühlen sie sich nicht mehr als Lehrerelite sollten alle fair bezahlt werden? Dürfen alle Lehrer bei 7 Jahre Ausbildung nicht auch nach Beamtenrecht A13 verdienen, obwohl es gesetzlich festgeschrieben ist?

  11. Seit inzwischen 16 Jahren warte ich darauf, dass sich die GEW mal für die angestellten LuL einsetzt. Seit der Umstellung der Entgeltstufen 2005 ist die Bezahlung aller angestellten pädagogischen Beschäftigten zu gering. Für alle, außer für die angestellten Lehrerinnen, wurde es inzwischen einigermaßen angepasst. Nur die LuL wurden immer ausgenommen.
    Vor Jahren habe ich mich mal an einem Streik beteiligt. Leider wurde ich von meinen verbeamteten Kollegen vertreten und somit hat noch nicht einmal jemand gemerkt, dass ich gestreikt habe! Da hatte die Solidarität ihre Grenze. Seitdem sind alle Streikaufrufe in die Ablage „Papierkorb“ gewandert. Meine Motivation für „Extraaufgaben“ sank dadurch ebenfalls stark.
    Über 16 Jahre nichts diesbezüglich hinbekommen und es jetzt auf Corona schieben!

    • Das ist einfach sachlich falsch. Die GEW streitet seit Jahren für die angestellten Lehrer und eine „Aufhebung“ der finanziellen Unterschiede zu den verbeamteten Lehrern. Warum behaupten Sie sowas? Nur weil Sie davon nichts wissen? Dann informieren Sie sich bitte!

      Vertretungen streikender Lehrer durch verbeamtete sind unrechtmäßig! Darauf sollten Sie Ihre Schulleitung mal hinweisen.

      • Dass verbeamtete Lehrer nicht als Vertretung für streikende eingesetzt werden dürfen, ist das eine, ja, aber dass die meisten angestellten Lehrer weiter arbeiten gehen und sich am Streik nicht beteiligen, das ist das andere, was die Gewerkschaften schwächt und somit uns alle im Arbeitskampf.

        Oder glaubt irgendjemand, Gehaltserhöhungen bieten uns die Arbeitgeber von selbst an? @Marc, was sagen Sie dazu? Wer soll für Ihre Höherstufung auf die Straße gehen?

    • @Mary, als Leidensgenosse bin ich voll auf Ihrer Seite. Meinen verbeamteten Kollegen ist oft gar nicht bewusst, wie ungerecht diese unterschiedliche Behandlung ist, und das nicht nur bei der Nettobezahlung, sondern auch bei den Aufstiegschancen (OStR wird man als Beamter automatisch) und später bei der Rente. Und trotzdem sind die angestellten Lehrer oft mehr motiviert, da sie den Beruf nicht wegen des Beamtenstatus ergriffen haben. Aber die Motivation sinkt auch hier, Sie haben Recht, denn die Wertschätzung vom Dienstherrn war noch nie da, im Gegenteil, oft wurde man gerade als Angestellter behandelt wie Bodensatz. Ich könnte da etliche Geschichten erzählen. Und die Gewerkschaften haben hier noch nie irgendwelche Anstrengungen unternommen, um dies zu ändern! Große Reden schwingen, aber dann doch einknicken vor der Regierung. Ich frage mich, warum? So wird das nichts mit der Attraktivität des Berufs. Ich habe den kommenden Lehrermangel schon lange vor Corona vorausgesagt, denn langsam spricht sich die Sachlage herum, und unsere Regierung bzw. Kultusministerium sehen immer noch keine Fehler bei sich selbst. Und genau daran wird unser Schulsystem zugrunde gehen. Wenn ich das schon höre: 450-Euro-Jobber ohne pädagogische Qualifikation werden auf unsere Kinder losgelassen. Und zu meiner Referendarzeit wurden 80% der Lehrer, davon mind. die Hälfte hervorragende Lehrkräfte, auf die Straße gesetzt. Tja, lieber Dienstherr und Arbeitgeber ….. man sollte mal ernsthaft in sich gehen……..

  12. Die GEW sagt es richtig, Wertschätzung drückt sich nicht nur in mehr Geld aus, sondern auch und vor allem in besseren Arbeitsbedingungen. Beim letzten Streik in Berlin haben das viele meiner Kollegen so gesagt, es gehe ihnen nicht um mehr Geld, es gehe ihnen um bessere Arbeitsbedingungen. Nur darf man dafür nicht streiken. Das wussten die meisten gar nicht.

      • @celanon
        Ja, leider war es so. Von meiner GS war ich die einzige!, die sich an einem Samstag auf den Weg zu dieser wichtigen Demo gemacht hat. Ich habe im Vorfeld viele Kollegen direkt angesprochen, alle fanden die Forderungen von „Schule muss anders“ zwar wichtig, aber einen Samstagnachmittag dafür zu opfern, war keiner bereit. Ich kann zwar verstehen, dass alle das Wochenende im Moment mehr denn je zur Erholung brauchen, aber wenn sich niemand bewegt, bewegt sich auch nichts im Bereich Bildung. Für mich ist es das letzte Dienstjahr und ich war trotzdem bei der Demo, die anderen haben noch viele Schuljahre vor sich. Das ist der Punkt, den ich nicht verstehe. Anscheinend sind die Zustände in der Berliner Bildung doch noch nicht schlimm genug!

  13. Ich lese hier lauter Schimpfkommentare. Nichts tue die GEW für die Lehrer. In Berlin hat die GEW gemeinsam mit anderen die gehaltsmäßige Gleichstellung aller Lehrämter errungen, also A13 und E13 für alle. Das brachte den Grundschullehrern rund 500 Euro monatlich zusätzlich! Das haben sie genommen und nun nörgeln sie wieder und treten aus der GEW aus, weil die nichts für sie tut ( oder weil sie sie nicht mehr brauchen). So sind die Lehrer. Wie erbärmlich! Manche jedenfalls!

  14. „„Der Expertise der Lehrer*innen hat die Politik aber häufig nicht vertraut““

    Mit Verlaub, solche Aussagen bringen doch gar nichts. Es gibt nicht die EINE Meinung unter Lehrer:innen. Welche Expertise ist hier also gemeint, auf die „die Politik“ nicht vertraut? Meine, deine, Frankas, Franks, Selmas, Adullahs ….. und was beinhaltet diese EINE Expertise, der die Politik nicht vertraut. Ich tue es vielleicht auch nicht.

    Bitte nicht solche Allgemeinplätze.

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